Gesundheit heute

Schleimbeutelentzündung am Knie

Schleimbeutelentzündung am Knie (Bursitis präpatellaris): Entzündung des Schleimbeutels auf der Vorderseite der Kniescheibe. Oft handelt es sich um eine chronische Entzündung durch dauerhafte Druckbelastung, zum Beispiel als Berufskrankheit bei Fliesenlegern. Eine akute Entzündung tritt nach einer schweren Prellung oder (selten) einer Verletzung des Schleimbeutels mit nachfolgender Infektion auf. Die Erkrankung führt oft zu hartnäckigen Beschwerden, jedoch meist zu keinen bleibenden Schäden.

2555_BSV_Schleimbeutelentzuendung_Knie.jpg|Nicht immer führt eine Schleimbeutelentzündung zu einer Rötung der darüberliegenden Haut, fast immer äußert sie sich jedoch in einer massiven Schwellung, wie bei dem hier abgebildeten Befund eines 18-jährigen Fußballspielers, der sich innerhalb weniger Stunden nach einem Sturz auf das Knie entwickelte.|[BSV 2555]|Foto einer Knieschwellung bei (unfallbedingter)Schleimbeutelentzündung

  • Schwellung und Rötung im Bereich der Kniescheibe, bei Druck stark schmerzhaft
  • Schmerzen bei Beugung des Kniegelenks
  • Evtl. offene Wunde bei einer Verletzung.

Wann zum Arzt

Sofort bei einer größeren, offenen Wunde vorne am Knie.

In den nächsten Tagen bei jeder schmerzhaften Schwellung am Kniegelenk, die in diesem Zeitraum nicht besser wird.

Die Erkrankung

Vor und unterhalb der Kniescheibe befindet sich ein Schleimbeutel, ein bindegewebig ummantelter Hohlraum, der das Kniegelenk gegen Stöße und Druck abfedert. Führt eine Prellung oder ein lang andauernder Reiz (z. B. häufiges Knien) zu einer Entzündung, sondert die Innenhaut des Schleimbeutels vermehrt Flüssigkeit (Synovia) ab. Als Folge entsteht eine Schwellung, die sich wie ein schwabbeliger oder prall gespannter Flüssigkeitssack anfühlt. Platzt ein praller Schleimbeutel, z. B. durch einen (erneuten) Sturz oder Tritt, kommt es meist zu einer großflächigen Blutung unter der Haut. Wenn durch eine offene Wunde Bakterien in den Schleimbeutel eindringen, entsteht eine eitrige Entzündung mit starken Schmerzen und deutlicher Rötung.

Meist finden sich in der Umgebung des Kniegelenks noch mehrere weitere Schleimbeutel, die sich ebenfalls entzünden können. Bei der Bursitis infrapatellaris ist z. B. ein Schleimbeutel unterhalb der Kniescheibe betroffen.

Das macht der Arzt und Selbsthilfe

Diagnosesicherung. Der Tastbefund ist so typisch, dass der Arzt die Ursache der Schwellung meist rasch erkennt. Im Ultraschall zeigt sich der entzündete Schleimbeutel als flüssigkeitsgefüllte Höhle, bei längerem Verlauf meist mit verdickten Wänden. Röntgenbilder bringen nur dann zusätzliche Informationen, wenn ein Unfall vorliegt oder eingedrungene Steinchen vermutet werden.

Therapie. Im Vordergrund steht die Schonung des betroffenen Knies. Neben einer Sportpause kann dies auch bedeuten, die berufliche Tätigkeit vorübergehend zu unterbrechen. Bei wiederkehrenden Beschwerden und eitrigen Infektionen ist es oft zweckmäßig, das Knie durch Schienen ruhig zu stellen. Kühlung (z. B. durch Kühlpacks) und Schmerzmittel (NSAR) dämpfen die Entzündung und lindern die Schmerzen.

Eine Ausnahme bilden eitrige, d. h. durch Bakterien entzündete Schleimbeutel. Hier muss der Eiter abgelassen werden, um eine mögliche Ausbreitung der Bakterien im Körper (Sepsis) zu vermeiden. Dies erfordert eine dringliche Operation in (Teil-)Narkose, bei der meistens der Schleimbeutel gleich mit entfernt wird (Bursektomie). Alternativ schafft der Arzt in einem ersten kleinen Schnitt einen Abfluss für den Eiter und die eigentliche Schleimbeutelentfernung folgt erst, wenn die starke Entzündung abgeklungen ist. Zusätzlich sind bei eitrigen Schleimbeuteln meistens Antibiotika notwendig; eine alleinige Therapie mit Antibiotika genügt aber nur in Ausnahmefällen.

Chronische Beschwerden reagieren oft gut auf Wärme, z. B. Rotlicht. Bei ausgeprägten, hartnäckigen Schwellungen lässt sich der Schleimbeutelinhalt mit einer Spritze abziehen; er läuft allerdings oft wieder nach. Haben diese Maßnahmen keinen dauerhaften Erfolg, bleibt manchmal nur die operative Entfernung des Schleimbeutels (Bursektomie). Im Gegensatz zur eitrigen Bursitis ist der Eingriff aber kleiner und oft ambulant durchführbar, ja nach Größe sogar nur in örtlicher Betäubung.

Komplementärmedizin

Physikalische Therapie. In der Akutphase können Umschläge mit essigsaurer Tonerde Linderung verschaffen, der man eine entzündungshemmende Wirkung zuschreibt.

Homöopathie. Die Homöopathie empfiehlt als Akutmittel z. B. Arnica, Apis mellifica oder Rhus toxicodendron bzw. eine individuell abgestimmte Konstitutionsbehandlung bei wiederkehrenden Beschwerden.

Akupunktur und Magnettherapie. Wie bei allen überlastungsbedingten Erkrankungen des Bewegungsapparats liegen auch für Schleimbeutelentzündungen positive Erfahrungsberichte über den Einsatz der Akupunktur vor. Gleiches gilt für die Magnettherapie.

Vorsorge

Vorsorge ist nur gegen eine chronische Schleimbeutelentzündung möglich. Besonders Berufstätige, die oft kniend arbeiten, z. B. Fliesen- und Parkettleger oder Gärtner, sollten unbedingt gepolsterte Knieschoner tragen.

Von: Dr. med. Martin Schäfer, Dr. med. Arne Schäffler in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung: Dr. med. Sonja Kempinski
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Gehen lindert Kniegelenksarthrose

Wer X-Beine und eine Kniegelenksarthrose hat, sollte vor dem Laufen seine Ärzt*in um Rat fragen.

Gehen lindert Kniegelenksarthrose

Nur mit geraden oder O-Beinen

Sportliches Gehen kann die Kniegelenksarthrose aufhalten. Das trifft allerdings nicht auf Menschen zu, die mit X-Beinen durch die Welt laufen.

Leichtes Walking oder Wandern

Zur konservativen Therapie der Kniegelenksarthrose gehört Bewegung. Vor allem leichtes Wandern und Walking wird den Betroffenen angeraten. Dass solch sportliches Gehen dem Arthroseknie langfristig tatsächlich nützt, hat jetzt eine aktuelle Studie unterstrichen.

Analysiert wurden dabei die Daten von mehr als 1000 Männern und Frauen über 50 Jahren. Alle hatten eine röntgenologisch nachgewiesene Kniegelenksarthrose. Ein Drittel von ihnen berichtete zu Studienbeginn über Knieschmerzen, bei zwei Dritteln war im Röntgenbild der Gelenkspalt verschmälert – ein typisches Anzeichen für die Kniegelenksarthrose. 73% der Teilnehmer*innen gaben an, zumindest gelegentlich sportlich zu gehen - entweder in der Natur oder auf dem Laufband.

Deutlich seltener neue Knieschmerzen

Nach vier Jahren berichteten in der Gruppe der Gehenden 40% weniger Patient*innen über neu aufgetretene Knieschmerzen als in der Gruppe der Nicht-Gehenden. Bei den Gehenden war die Kniegelenksarthrose auch laut Röntgenbild weniger stark vorangeschritten.

Die positiven Effekte auf die Arthrose hingen offenbar von der Beinstellung ab. Besonders großen Nutzen durch das Gehen hatten die Arthrosepatient*innen mit O-Beinen. Noch besser schnitten diejenigen ohne Beinfehlstellung ab. Sie entwickelten nicht nur selten neue Knieschmerzen, ihre schon bestehenden Beschwerden besserten sich durch das Gehen sogar häufig.

Vorsicht bei X-Beinen

Patient*innen mit X-Beinen profitierten dagegen nicht vom Wandern, Walken oder Laufbandtraining. Im Gegenteil, bei ihnen war das Gehen mit einer Verschlechterung der Kniegelenksarthrose verbunden.

Sportliches Gehen ist deshalb für viele Arthrosepatient*innen empfehlenswert, resümieren die Autor*innen der Studie. Es eignet sich vor allem dazu, die Entwicklung der Arthrose aufzuhalten. Bei ausgeprägten X-Beinen kann das Gehen jedoch schädlich sein. Im Zweifel sollten Patient*innen mit Kniegelenksarthrose vor der Aufnahme von sportlicher Betätigung Rücksprache mit der behandelnden Orthopäd*in halten.

Quelle: Springer Medizin

Von: Dr. med. Sonja Kempinski; Bild: Zuev Ali/shutterstock.com