Gesundheit heute
[Ober-]Schenkelhalsbruch
[Ober-]Schenkelhalsbruch (Schenkelhalsfraktur, collare Femurfraktur): Bruch des Schenkelhalses, der Verbindung zwischen Hüftkopf und Schaft des Oberschenkelknochens. Zu den körpernahen Oberschenkelbrüchen zählen außerdem Brüche in Höhe der Rollhügel (pertrochantäre Femurfrakturen) und knapp unterhalb der Rollhügel (subtrochantäre Femurfrakturen).
Es ist der häufigste Knochenbruch bei älteren Menschen, in Deutschland trifft es jedes Jahr 1 % der über 65-Jährigen. Die eigentlichen Ursachen der Brüche sind meistens Stürze zu Hause, fast immer ist eine Osteoporose der wichtigste Begleitfaktor. In seltenen Fällen kann ein Bruch auch schleichend, d. h. ganz ohne Sturz, oder im Rahmen einer Krebsmetastase im Knochen auftreten. Behandelt wird fast immer operativ, die Ergebnisse reichen von weitgehender Beschwerdefreiheit bis zur Gehunfähigkeit. Jüngere Menschen erleiden Schenkelhalsbrüche dagegen fast ausschließlich im Rahmen von schweren Unfällen, meist mit sehr guten Heilungsaussichten.
Leitbeschwerden
- Starke Schmerzen in Leistengegend, Hüfte und/oder oberem Oberschenkel nach einem Sturz, aber auch ohne jede erkennbare Ursache
- Gehen oder Stehen meist nicht möglich
- Beinanheben im Liegen schmerzhaft
- Verkürzung und Drehung des Beins nach außen (sichtbar im Liegen)
- Selten Blutergüsse und Schwellungen über dem Hüftgelenk.
Wann zum Arzt
Sofort den hausärztlichen Notdienst oder Hausarzt rufen bei starken Schmerzen in Leiste und Oberschenkel, die Gehen oder Stehen unmöglich machen.
Die Erkrankung
Der Verletzungsmechanismus ist fast immer eine direkte Gewalteinwirkung am körpernahen Oberschenkel. Bei jungen Menschen ist der Knochen sehr stabil. Bei ihnen ist, damit es zum Bruch kommt, eine große Krafteinwirkung notwendig, z. B. im Zusammenhang mit einem Unfall. Bei älteren Menschen dagegen ist der Knochen durch den altersbedingten Knochenschwund (Osteopenie) geschwächt, so dass banale Stürze auf die Hüfte schwere Brüche zur Folge haben können. Vor allem bei älteren Frauen ist dieser Knochenschwund krankhaft ausgeprägt (= Osteoporose), deshalb sind sie viel häufiger als Männer von derartigen Brüchen betroffen. Selten führt eine krebsbedingte Knochenzerstörung zu einem Bruch am körpernahen Oberschenkel (pathologische Fraktur).
Die Einteilung der Schenkelhalsbrüche erfolgt einerseits nach dem Ort des Bruchs in kopfnahe, mediale Brüche und kopfferne, laterale Brüche, andererseits nach dem Verlauf der Bruchlinie (steil/flach). Bei pertrochantären Frakturen liegt der Bruch im Bereich der Rollhügel, bei subtrochantären knapp unterhalb derselben. Eine weitere, für die Behandlung wichtige Einteilung unterscheidet instabile Brüche von stabilen, eingestauchten Brüchen. Stabile Brüche verursachen oft nur geringe oder untypische Beschwerden, z. B. im Bereich des Knies, und lassen sich manchmal konservativ behandeln. Dagegen führen instabile Brüche immer zu starken Leistenschmerzen, die bei jedem Bewegungs- oder Belastungsversuch zunehmen. Ohne operative Behandlung verurteilen sie den Betroffenen zur dauerhaften Bettlägerigkeit.
Doch auch mit Operation ist ein körpernaher Oberschenkelbruch eine schwere und komplikationsreiche Verletzung. Das liegt daran, dass die betroffenen Menschen meistens älter und oft schon vor der Verletzung geschwächt sind. Operationskomplikationen sind Infektionen, Gefäß- und Nervenverletzungen, Nicht-Heilen des Bruches und - bei hüftnahmen Operationen gefürchtet - die Thrombosen und Lungenembolien. Hüftnekrosen drohen insbesondere bei medialen Schenkelhalsfrakturen.
Das macht der Arzt
Diagnosesicherung. Die Diagnose ergibt sich aus der klinischen Untersuchung und wird durch Röntgenaufnahmen gesichert. Nur in seltenen Fällen ist ein CT oder Kernspin erforderlich.
Konservative Therapie. Eine konservative Behandlung kommt für die eher seltenen stabilen Brüche in Frage. Dabei dürfen die Patienten von Beginn an mit Gehstützen aufstehen, erhalten bei Bedarf Schmerzmittel und dürfen je nach Einschätzung der Ärzte teilweise oder voll belasten. Die Bruchheilung benötigt 2-3 Monate. Manchmal kommt es vor, dass ein anfangs stabiler Bruch in einen instabilen übergeht, etwa wenn eingestauchte Knochen-Fragmente von einander abrutschen. Der Betroffene spürt stärkere Schmerzen und kann das Bein plötzlich nicht mehr belasten. Dann ist wie bei allen anderen instabilen Frakturen eine Operation nötig.
Operative Therapie. Die Operation hat immer zwei Ziele: Zum einen, dem Patienten das sofortige Wiederaufstehen zu ermöglichen, das Bein mindestens teilweise belastbar zu machen und damit die Bettlägerigkeit abzukürzen. Zum anderen, soweit sinnvoll, das eigene Hüftgelenk zu erhalten. Widersprechen sich beide Ziele, dann ist abzuwägen, welches der beiden Vorrang hat. Bei Patienten unter 65 Jahren hat die Erhaltung des Hüftgelenks eher Priorität - hier lohnt eine aufwendige Nachbehandlung mit länger dauernder Stockentlastung.
Umgekehrt können alte und kranke Patienten häufig nicht konsequent an Stöcken, Gehböcken oder Gehwagen entlasten, weil ihnen die nötige Kraft in den Armen, die Koordination oder - z. B. bei einer Demenz - die Einsicht dazu fehlt. Dann hat eine intensive Nachbehandlung mit wochenlangen Einschränkungen keinen Sinn, und die Ärzte empfehlen einen sofortigen (Teil-)Ersatz des Hüftgelenks. Damit ist meistens eine Belastung schon wenige Tage nach der Operation möglich. Nur in besonders komplizierten Fällen kommt es vor, dass eine Belastungsstabilität auch durch eine Operation nicht erreicht wird. Dann ist eine längere Zeit im Bett und im Rollstuhl mit der Gefahr verbunden, dass der Betroffene währenddessen so viel Muskel- und Lebenskraft einbüßt, dass er auch nach Ausheilen des Bruches nicht mehr selbständig gehen kann.
Mediale Schenkelhalsfrakturen sind ein Sonderfall: Hier reißen manchmal die Blutgefäße, die den Hüftkopf ernähren. Der Kopf stirbt daraufhin ab. Auch wenn die Blutgefäße den Bruch unbeschadet überstehen, bildet sich mitunter ein Bluterguss im Gelenk, der die Blutversorgung des Hüftkopfes abdrückt. Um das Hüftgelenk zu retten, muss der Arzt in so einem Fall notfallmäßig innerhalb von 6 Stunden operieren. Wird der Hüftkopf anschließend normal durchblutet, kann der Bruch heilen und das Hüftgelenk bleibt erhalten. Stirbt der Kopf ab, heilt der Bruch nicht, und der Arzt muss 6-24 Monate nach der ersten OP ein künstliches Hüftgelenk einsetzen - auch bei jungen Betroffenen.
Als Operationstechniken sind heute gebräuchlich:
- Verschrauben des Bruchs mit drei Schrauben, nur möglich bei – in der Regel jüngeren – Patienten mit festem Knochen
- Verplatten und Verschrauben des Bruchs mit einer speziellen Kombination aus Platte und Schrauben (DHS, dynamische Hüftschraube) bei lateralen Schenkelhalsbrüchen und pertrochantären Frakturen
- Einbringen eines speziellen Nagels in den Markraum des Oberschenkelschafts und einer zugehörigen kräftigen Verbindungsschraube in Oberschenkelhals und -kopf (PFN, proximaler Femurnagel, Gamma-Nagel) bei lateralen Schenkelhalsbrüchen sowie per- und subtrochantären Frakturen
- Ersatz des Schenkelhalses durch eine Hüft-Totalendoprothese oder durch eine Hemiendoprothese, dies ist bei fast allen Brucharten möglich.
Ältere Patienten (ab 65 Jahren) erhalten meist einen Gelenkersatz, da das Hüftgelenk in der Regel bereits Verschleißerscheinungen zeigt und ein Erhalt deshalb keine Vorteile bringt.
Nachbehandlung. Nach der Operation gewährleistet oft ein kurzer Aufenthalt auf der Intensivstation eine gute Überwachung von betagten Patienten und somit einen möglichst komplikationslosen Verlauf. Sehr bald beginnt Krankengymnastik, um die durch die Operation geschwächte Muskulatur zu kräftigen und die Gelenke zu bewegen. Auch elektrische Motorschienen leisten hier gute Dienste. In der Regel ist es dem Patienten bereits am 2. Tag nach der Operation erlaubt, aufzustehen und erste Gehversuche zu unternehmen. Bei Verschraubungen und zementfreiem Gelenkersatz ist hierbei zunächst nur eine Teilbelastung der operierten Hüfte erlaubt.
Meist schließt sich nach der Entlassung aus dem Krankenhaus eine Anschlussheilbehandlung (AHB) oder eine intensive physiotherapeutische Behandlung (erweiterte ambulante Physiotherapie) an. Unterschiedliche Übungen, zum Teil an Geräten, trainieren die Muskulatur und die Koordination der Bewegungen. Diese Nachbehandlung ist ganz entscheidend für das Endergebnis.
Trotz all dieser Maßnahmen bleibt bei ~ 25 % der älteren Patienten die Gehfähigkeit so stark eingeschränkt, dass ihnen auch mit einer Gehhilfe, z. B. einem Rollator (fahrbares Gehgestell), ein eigenständiges Leben nicht mehr möglich ist. Der überwiegende Teil der Patienten erreicht jedoch eine Mobilität, die zumindest ausreichend ist, um den Alltag zu bewältigen. Jüngere Verletzte werden wieder ohne Einschränkungen beruflich und sportlich voll belastbar.
Vorsorge
Die entscheidenden Vorsorgemaßnahmen gelten dem wichtigsten Risikofaktor – der Osteoporose. Ältere Menschen mit Osteoporose ziehen sich Schenkelhalsbrüche oft schon bei häuslichen Stürzen zu. Um die Verletzungsgefahr abzumildern, stehen spezielle Hüftprotektoren zur Verfügung – der Körperform angepasste Polster, die sich in spezielle Hosen einschieben lassen. Sie senken bei sturzgefährdeten Patienten das Risiko eines Bruchs um bis zu 50 %. Um die Unfallgefahr zu minimieren, ist es außerdem wichtig, möglichst alle Stolperfallen zu beseitigen und notwendige Sehhilfen anzupassen.
Komplementärmedizin
Zur Linderung der Schmerzen sowie zur Unterstützung des Heilungsprozesses kommen bei Schenkelhals- bzw. Oberschenkelbrüchen als komplementärmedizinische Maßnahmen v. a. Magnettherapie, Homöopathie und Akupunktur infrage.
Weiterführende Informationen
- www.leitlinien.net – Stichwortsuche Schenkelhalsfraktur: Ärztliche Leitlinien zu Diagnostik und Therapie der medialen Schenkelhals- und der Femurfraktur.
- C. Koesling; U. Stiegler: Hüftgelenkersatz. Selbstständigkeit und Sicherheit im Alltag. Schulz-Kirchner, 2007. Praktische Tipps für ein Leben nach der Operation.
Hilfe bei Osteoporose
Aktiv gegen Knochenschwund
Die Erkrankung Osteoporose verläuft schleichend – jahrelang haben die Betroffenen keine Beschwerden. Dann genügt ein kleiner Unfall und es kommt zum Knochenbruch! Sie haben sich vielleicht nur den Unterarm am Tisch angeschlagen. Geschwächte und poröse Knochen sind oft der Grund. Welche Möglichkeiten Sie haben, um einer Osteoporose frühzeitig vorzubeugen.
Bereits mit 30 Jahren an die Knochen denken
Knochen geben dem Körper Kraft und Standfestigkeit, sie passen sich aber auch flexibel den Belastungen des Alltags an. Damit die ausgeklügelte Knochenstruktur ihre Stabilität behält, halten sich Knochenauf- und abbau bei gesunden Menschen die Waage. Wird zu viel Knochensubstanz abgebaut, spricht man von Osteoporose.
Schon in der Kindheit werden die Weichen für gesunde Knochen gestellt. Wer sich schon als Kind gesund ernährt und viel bewegt, unterstützt optimal das Wachstum der Knochen. Ab einem Alter von etwa 30 Jahren beginnt langsam der normale Abbau der Knochenmasse.
Tipp: Mit regelmäßiger Muskelaktivität verlangsamen Sie den normalen Alterungsprozess Ihrer Knochen. Lassen Sie für kleine Wege das Auto stehen und nehmen Sie die Treppen statt dem Aufzug.
Osteoporose: nicht nur Frauensache
Der Stoffwechsel in den Knochen wird durch verschiedene Hormone im Körper reguliert, beispielsweise Parathormon, Kalzitonin, Vitamin D, Schilddrüsen- und Wachstumshormone. Frauen nach den Wechseljahren sind besonders gefährdet, an Osteoporose zu erkranken. Der Grund: Es mangelt ihnen am Geschlechtshormon Östrogen, das die Knochen schützt.
Ab einem Alter von etwa 70 Jahren steigt die Geschwindigkeit, mit der Knochensubstanz abgebaut wird, rasant an. Diese Form der Osteoporose betrifft Frauen und Männer gleichermaßen. Zusätzlich erhöhen bestimmte Medikamente und Erkrankungen die Wahrscheinlichkeit für die Entstehung einer Osteoporose. Folgende Faktoren vergrößern Ihr persönliches Risiko, an Osteoporose zu erkranken:
- Sie nehmen über einen längeren Zeitraum Kortison ein (drei Monate oder länger)
- Sie leiden unter einer hormonellen Störung oder sind Diabetiker
- Sie sind untergewichtig
- Sie sind für längere Zeit inaktiv oder ruhig gestellt, zum Beispiel bei längerer Bettlägerigkeit oder Ruhigstellung mit einem Gips
- Sie nehmen Protonenpumpenhemmer, Antidepressiva oder Antiepileptika ein oder Sie erhalten eine Chemotherapie
- Sie sind schwanger oder stillen
Tipp: Erkundigen Sie sich in Ihrer Apotheke, ob die von Ihnen eingenommenen Medikamente Ihr Osteoporoserisiko steigern. Viele Apotheken bieten die Messung der Knochendichte ohne Strahlenbelastung an. Fragen Sie Ihren Apotheker vor Ort!
Eigentlich ganz einfach: ein gesunder Lebensstil beugt vor
Eine knochengesunde Ernährung ist ein wichtiger Baustein bei der Vorbeugung einer Osteoporose. Achten Sie auf die ausreichende Zufuhr von Kalzium und Vitamin D. Alkohol-, Nikotin- und Kaffeekonsum sollten Sie vermeiden. Trinken Sie ausreichend Mineralwasser und bevorzugen Sie mehrere kleine Mahlzeiten statt wenigen großen. Auf diese Weise verteilen Sie die Aufnahme von wichtigen Nährstoffen gleichmäßig über den Tag.
Hinweis: Mit Milch, Joghurt, Käse, Obst, Gemüse und Fisch decken Sie Ihren Bedarf an Mineralien und Vitaminen ausreichend, so dass eine zusätzliche Nahrungsergänzung nicht notwendig ist. Sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt.
Sport & Bewegung: Prophylaxe mit Spaß
Regelmäßige sportliche Betätigung steigert die Muskelkraft, trainiert Ihren Gleichgewichtssinn und fördert die Koordination. Sie stärken Ihre Knochen, Gelenke und Muskeln und laufen weniger Gefahr zu stürzen. Entdecken Sie für sich neue Sportarten; belegen Sie mit Ihrem Partner einen Tanzkurs, gehen Sie zum Gymnastikkurs in der Volkshochschule oder probieren Sie Ballsportarten wie Tischtennis einfach mal aus.
Tipp: Auch ohne großen Aufwand sind Bewegungsübungen im Alltag möglich: Balancieren Sie im Ein-Bein-Stand mit offenen oder geschlossenen Augen oder versuchen Sie eine Standwaage auf stabilem Untergrund. Sie werden sehen: Ihr Körpergefühl verbessert sich schnell.
Ganz wichtig: Stürze vermeiden
Bei geschwächten Knochen reicht ein kleiner Sturz und der Bruch des Oberschenkelhalses fesselt Sie für mehrere Wochen ans Bett. Überprüfen Sie Ihre Wohnung auf Stolperfallen und beseitigen Sie diese so schnell wie möglich. Ersetzen Sie zu schwache Leuchten auf der Treppe oder im Keller, befestigen Sie Bodenbeläge und Teppiche auch an den Kanten mit dem Untergrund und lassen Sie Kabel von einem Fachmann sicher verlegen.
Hinweis: Vergessen Sie nicht, die Sehschärfe Ihrer Brille regelmäßig zu kontrollieren.
Basistherapie bei Osteoporose mit Vitamin D und Kalzium
Bei einer vom Arzt diagnostizierten Osteoporose gehören Kalzium- und Vitamin D-Präparate zur Basistherapie. Beide werden für den Knochenaufbau benötigt. Die genaue Dosierung legt Ihr behandelnder Arzt fest und richtet sich nach gleichzeitig eingenommenen Medikamenten. Präparate mit Vitamin D verbessern die Kalziumaufnahme aus der Nahrung. Sie nehmen sie am besten zusammen mit Milchprodukten ein.
Hinweis: Trinken Sie zu den Kalzium-Präparaten reichlich Flüssigkeit, damit sich keine Nieren- oder Blasensteine bilden.
Quelle: Martina Schiffter-Weinle, Aktiv gegen Osteoporose, Deutsche Apotheker Zeitung Nr. 29, S. 38 vom 19.07.2018.

