Gesundheit heute

Hüftkopfnekrose

Hüftkopfnekrose des Erwachsenen (Femurkopfnekrose): (Teilweises) Absterben des Hüftkopfs mit der Folge einer schweren Arthrose. Bemerkbar macht sich die Erkrankung durch belastungsabhängige Leistenschmerzen und Bewegungseinschränkungen, vor allem beim Einwärtsdrehen des Beines. Häufig ist die Ursache unklar, hier spricht man von einer idiopathischen Hüftkopfnekrose. Ihr zugrunde liegt vermutlich eine Minderdurchblutung des Hüftkopfes, die durch verschiedene Faktoren (Rauchen, Kortisoneinnahme) begünstigt wird. Betroffen sind vor allem Männer zwischen 30 und 40 Jahren. Hüftkopfnekrosen treten aber auch als Spätfolge einer Verletzung auf, (traumatische Hüftkopfnekrose), etwa nach Bruch des Hüftkopfs oder des Oberschenkelhalses.

Unbehandelt dauert es 2 bis 3 Jahre, bis Hüftkopf und Hüftgelenk irreversibel zerstört sind. Konservative Maßnahmen wie die Entlastung des Gelenks mit Gehstützen und Schmerzmitteln sind allein wenig hilfreich und werden vor allem begleitend zu einer operativen Therapie empfohlen. Operiert wird in frühen und mittleren Stadien gelenkerhaltend, z. B. mit einer Anbohrung des Femurkopfs. Im Spätstadium ist in der Regel ein Gelenkersatz erforderlich.

Hinweis: Eine Sonderform der Hüftkopfnekrose ist der Morbus Perthes (juvenile Hüftkopfnekrose, idiopathische kindliche Hüftkopfnekrose) bei Kindern von 3–12 Jahren mit sehr guten Heilungschancen. Mehr dazu siehe dort.

Symptome und Leitbeschwerden

  • Oft schleichender Beginn mit Ziehen in der Leiste
  • Später einschießende starke Leistenschmerzen, eventuell in Oberschenkel und Knie ausstrahlend
  • Schonhaltung mit schiefem Becken, Schmerzhinken
  • Starke Einschränkung in der Beweglichkeit.

Wann in die Arztpraxis

In den nächsten Wochen, wenn

  • leichtere Beschwerden länger als 3 Tage anhalten.

Innerhalb von 3 Tagen bei

  • allen akuten Schmerzen in Leiste, Oberschenkel oder Knie.

Die Erkrankung

Krankheitsentstehung

Bei der idiopathischen Hüftkopfnekrose ist die Ursache für die Erkrankung nicht bekannt. Vermutet wird aber, dass eine Minderdurchblutung des Hüftkopfs der Auslöser ist. In der Folge wird das Knochengewebe nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff, Mineralien und Nährstoffen versorgt. Das stört den natürlichen, regelmäßigen Knochenauf- und- abbau. Der Knochen verliert an Stabilität und bricht ein, der Hüftkopf wird schließlich komplett zerstört und es entwickelt sich eine schwere Hüftgelenksarthrose.

Begünstigt wird die idiopathische Hüftkopfnekrose beispielsweise durch:

  • Stoffwechselstörungen wie Diabetes mellitus, Fettstoffwechselstörungen, Gicht, Gerinnungsstörungen, Blutkrebs
  • Kortisoninjektionen in das Hüftgelenk
  • Kortisoneinnahme, als kritisch gilt eine tägliche Dosis ≥ 2g über 2 bis 3 Monate
  • Alkoholismus, Rauchen
  • Bestrahlungen und/oder zytostatische Therapien bei Krebs
  • Rheumatische Erkrankungen wie Lupus erythematodes
  • Caissonkrankheit bei Tauchern (durch zu schnelles Auftauchen bilden sich Gasbläschen in den Arterien, die die Gefäße verstopfen können).

Auch Verletzungen schädigen die Hüftkopfgefäße, sodass die Versorgung des Hüftknopfes unterbrochen ist. Diese sogenannten traumatischen Hüftkopfnekrosen drohen vor allem nach Oberschenkelhalsbrüchen. Hüftgelenksverrenkungen und Hüftkopfbrüchen und können sich noch viele Jahre nach dem eigentlichen Ereignis entwickeln.

Klinik und Verlauf

Die Hüftkopfnekrose beginnt oft schleichend mit einem Ziehen in der Leiste bei Belastung. Später folgen dann einschießende, starke Schmerzen und eine eingeschränkte Beweglichkeit in der Hüfte. Die Beschwerden sind unspezifisch, durch die Ausstrahlung manchmal sogar im Knie am stärksten. Deswegen bleibt die Hüftkopfnekrose oft lange unerkannt. Sowohl mit als auch ohne Behandlung ist der Verlauf schwer vorauszusagen. Bei einigen Patient*innen kommt die Krankheit manchmal vollständig zum Stillstand, schreitet dann aber wieder ohne erkennbaren Anlass fort. Der Endzustand ist meist eine schwere Hüftgelenksarthrose.

Stadieneinteilung. Die Hüftkopfnekrose des Erwachsenen wird mit der ARCO-Klassifikation eingeteilt:

  • Stadium 0 (Initialstadium): In diesem Stadium gibt es bereits Veränderungen am Hüftkopf, die jedoch nur über eine Gewebeprobe nachweisbar sind. Röntgen und MRT sind unauffällig, Beschwerden meist noch nicht vorhanden.
  • Stadium I (reversibles Frühstadium): Röntgen und CT sind unauffällig. Vor allem im MRT, manchmal auch in der Szintigrafie sind jedoch die ersten abgestorbenen Gebiete (Nekrosen) zu erkennen.
  • Stadium II (irreversibles Frühstadium): Im Röntgen zeigen sich Entkalkungen am Hüftkopf, wobei dessen Kontur und der Gelenkspalt noch unverändert sind. Im MRT sind weitere Deformitäten zu sehen.
  • Stadium III (Übergangsstadium): Im Röntgen und im MRT zeigen sich weitere strukturelle Veränderungen wie Bruchlinien unter der Knorpelschicht und ein abgeflachter Hüftkopf. Spätestens jetzt kommt es zu starken Schmerzen und Einschränkungen der Bewegung im Hüftgelenk.
  • Stadium IV (Spätstadium): In Röntgen und MRT erkennt man die deutlich sichtbare Abflachung des Hüftkopfs, Arthrosezeichen wie die Gelenkzerstörung und Verschmälerung des Gelenkspalts.

Diagnosesicherung

Zunächst untersucht die Ärzt*in die betroffene Hüfte, um die Erkrankung einzugrenzen. Hinken oder Bewegungseinschränkungen lenken den Verdacht schnell auf die Hüfte.

Bildgebende Verfahren. Im Röntgenbild zeigen sich die Veränderungen am Hüftkopf meist erst in späteren Stadien (ab ARCO II). Das Frühstadium ARCO I ist aber – auch bei unauffälligem Röntgenbild – im Kernspin oft erkennbar. In fortgeschrittenen Stadien hilft der Kernspin zudem, das Ausmaß der Erkrankung zu beurteilen. Weil häufig beide Hüftgelenke betroffen sind (auch wenn dabei manchmal nur eine Seite schmerzt), werden in der Regel von beiden Hüften Aufnahmen angefertigt. Neben Röntgen und MRT kommen bei speziellen Fragestellungen auch die CT oder eine Skelettszintigrafie zum Einsatz.

Biopsie. Gewebeproben werden heute zur Diagnose einer Hüftkopfnekrose nicht mehr entnommen.

2548_GTV_Entwicklung_Stadien_Hueftkopfnekrose.jpg|Die Entwicklung einer Hüftkopfnekrose wird in einzelne Stadien unterteilt, die auf Röntgenbildern klar zu unterscheiden sind. Im Stadium I ist auf der Röntgenaufnahme des Hüftkopfs eines Erwachsenen mit unfallbedingter Erkrankung noch nichts zu erkennen. Eine konservative Therapie ist in diesem Fall ausreichend. Im Stadium II ändert sich die Struktur des Knochens, bis schließlich im Stadium III die Gelenkfläche einbricht. Diese Veränderungen erfordern eine Operation, wobei sich das Gelenk manchmal noch erhalten lässt. Eine ausgeprägte Arthrose mit weitgehender Zerstörung des Gelenks ist kennzeichnend für das Stadium IV. Sie ist nur noch mit einem vollständigen Gelenkersatz (TEP) zu behandeln. |[GTV 2548]|Die Stadien einer Hüftkopfnekrose - Stadium I und II im Röntgenbild, Stadium III und IV am Knochenpräparat

Differenzialdiagnosen. Hüftschmerzen werden beispielsweise auch verursacht durch Hüftgelenksarthrose, Hüftdysplasie, Coxitis, Hüftimpingement oder einen Hüftkopfbruch, Knochentumoren und Metastasen.

Behandlung

Bei der Hüftkopfnekrose gibt es keine ursächliche Therapie. Um die Risikofaktoren zu minimieren, sollte auf Rauchen und übermäßigen Alkoholkonsum verzichtet werden. Außerdem ist es wichtig, Grunderkrankungen wie einen Diabetes mellitus oder eine Gicht erfolgreich zu behandeln.

Die Behandlung der Hüfte selbst richtet sich nach dem Stadium der Erkrankung und den Beschwerden.

Konservativ

Konservative Maßnahmen sind vor allem unterstützend bis zur Operation oder begleitend zur operativen Therapie hilfreich. Als alleinige Behandlungsmaßnahmen reichen sie den aktuellen Leitlinien zufolge nicht aus. Das zeigt eine Studie, bei der die Entlastung mit Gehstützen untersucht wurde: 3/4 dieser Patienten hatten knapp 3 Jahre nach der Diagnose sowohl mehr Beschwerden als auch einen schlechteren Röntgenbefund.

Entlastung. Nicht nur Gehstützen entlasten den Hüftkopf. Genauso wichtig ist es, bei Übergewicht abzunehmen und das Hüftgelenk allgemein zu schonen.

Schmerzmittel. Gegen die Schmerzen verordnen die Ärzt*innen entzündungshemmende und schmerzlindernde Substanzen wie wie Diclofenac (z. B. Voltaren® oder Diclac®), Ibuprofen (z. B. Dolgit® oder Ibuprofen AbZ) oder Etoricoxib (z. B. Arcoxia®).

Medikamente. Können oder wollen Betroffene nicht operiert werden, ist ein Therapieversuch mit gefäßerweiternden Medikamenten möglich. Im Stadium ARCO I bis II kann Iloprost die Schmerzen reduzieren und die Prozesse im Knochen abmildern. Es handelt sich dabei um eine Off-Label-Therapie, das heißt, dass das Medikament zu diesem Zweck keine explizite Zulassung hat.

In der Diskussion ist auch, ob Bisphosphonate die Zerstörung des Hüftkopfes verzögern. Langzeituntersuchungen stehen jedoch noch aus.

Operativ

Gelenkerhaltende Operationen. Diese Verfahren sind geeignet für die ARCO-Stadien I und II sowie je nach Ausprägung und Lokalisation der Nekrose auch im Stadium III. Die verschiedenen Methoden sind vergleichbar wirksam.

  • Core Decompression. Bei dieser "zentralen Markraumdekompression" bohrt die Ärzt*in die Nekrose im Hüftkopf an. Das reduziert den Druck im Knochen und soll so die Durchblutung und die Regeneration im Gewebe verbessern und damit die Schmerzen lindern. Die Anbohrung wird in den Stadien ARCO I und II empfohlen. Bei kleinen Defekten scheint es effektiv zu sein, sie mit einer Knochentransplantation oder einer anschließenden Infusion mit dem gefäßerweiternden Wirkstoff Iloprost zu kombinieren.
  • Umstellungsosteotomie. Hier versuchen die Ärzt*innen, durch Umstellung der Oberschenkelachse die abgestorbenen Gebiete des Hüftkopfs aus der Krafteinwirkung im Gelenk herauszudrehen. Dazu wird der Knochen durchtrennt und dann in der gewünschten Position wieder zusammengefügt und fixiert. Diese Operation ist sehr anspruchsvoll und kein Routineverfahren. Sie kommt in den ARCO-Stadien II und III zum Einsatz. Mögliche Komplikationen sind die Verkürzung des betroffenen Beines durch Umstellung des Gelenks und die Schädigung der Gesäßmuskeln.
  • Knorpel- oder Knochen-Transplantationen. Das Verpflanzen neuen Gewebes ist bei der Hüftkopfnekrose noch in der Erprobung. Vor allem Knorpeltransplantationen haben bisher eher widersprüchliche Ergebnisse erbracht. Die Knochentransplantation hat in Kombination mit der Core Decompression bei sehr kleinen Nekrosen Erfolge gezeigt.

Gelenkprothese. Bei schweren Fällen mit Zerstörung des Gelenks (ARCO IV) bleibt als letzte Behandlungsmöglichkeit nur eine künstliche Hüfte (Hüft-Totalendoprothese). Meist wird dabei eine zementfreie Prothese eingesetzt, da aufgrund des jungen Alters der Patient*innen ein späterer Prothesenwechsel wahrscheinlich und dieser mit einer zementfreien Variante etwas einfacher ist.

Bei Patient*innen mit Sichelzellanämie oder einem Morbus Gaucher ist das Risiko erhöht, dass die Hüftgelenksprothese z. B. aufgrund von Lockerung oder Infektion früher ausgetauscht werden muss. Das Gleiche gilt für Patient*innen nach einer Nierentransplantation.

Prognose

In seltenen Fällen heilen Hüftkopfnekrosen im frühen Stadium von selbst aus. Meist schreitet die Erkrankung jedoch fort. Unbehandelt dauert es etwa 2 bis 3 Jahre, bis das Hüftgelenk komplett zerstört ist.

Ihre Apotheke empfiehlt

Was Sie selbst tun können

Früh in die Arztpraxis. Hüftbeschwerden dürfen nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Vor allem bei der Hüftkopfnekrose hängt der Therapieerfolg entscheidend von einer frühen Therapie ab. Bei wiederholtem Ziehen oder Schmerzen in der Leiste ist deshalb möglichst bald eine Ärzt*in, am besten gleich eine Hüftspezialist*in aufzusuchen.

Sport. Wenn die Ärzt*in Sport erlaubt, eignen sich vor allem hüftschonende Sportarten wie Schwimmen oder Aquajogging. Mit der richtigen Technik sind meist auch Nordic Walking und gemäßigtes Radfahren möglich. Sobald Schmerzen auftreten, darf aber nicht mehr gesportelt werden.

Komplementäre Medizin

Zur Behandlung der Hüftkopfnekrose werden die unterschiedlichsten Verfahren empfohlen. Leider sind die meisten wenig effektiv. Die Leitlinien nehmen nach Sichtung entsprechender Studien dazu folgendermaßen Stellung:

  • Die Hyperbare Sauerstofftherapie wird nicht empfohlen. Zwar kann sie in den frühen Stadien die Schmerzen reduzieren, hat aber keinen Effekt auf das Fortschreiten der Erkrankung.
  • Auch für die Therapie mit Stoßwellen konnte keine Wirkung auf das Fortschreiten einer Hüftkopfnekrose nachgewiesen werden, das Gleiche gilt für Ultraschallbehandlungen. Beides wird deshalb von den Leitlinien nicht empfohlen.
  • Die Elektrostimulation scheint zwar die klinischen Beschwerden in frühen Stadien zu bessern, verzögert das Fortschreiten der Erkrankung aber ebenfalls nicht. Die Leitlinien raten von der Therapie der Hüftkopfnekrose mit Elektrostimulation ab.

Von: Dr. med. Martin Schäfer in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung (2021): Dr. med. Sonja Kempinski
Zurück
So hält man Osteoporose fern

Auch Tofu und Brokkoli gehören zu den Lebensmitteln, die wichtige Nährstoffen für den Knochen bereithalten.

So hält man Osteoporose fern

Knochenfreundlich ernähren

Osteoporose gehört zu den Volkskrankheiten. Doch wer sich gesund ernährt und eventuelle Mängel ausgleicht, kann die Knochen schützen. Dabei müssen nicht nur die nötigen Nährstoffe und Mineralien zugeführt werden. Vor allem in puncto Kalzium gilt es, auch die in vielen Produkten enthaltenen Kalziumräuber zu beachten.

Knochen lebenslang im Umbau

Knochen ist kein totes Gewebe: Im Gegenteil, er wird das ganze Leben lang umgebaut. Dieser Prozess dient dazu, kleine Schäden im Knochen zu reparieren oder den Knochen auf verstärkte Belastungen anzupassen. Insgesamt überwiegt bis zum 30. Lebensjahr der Aufbau. Danach befindet sich der Knochen etwa zehn Jahre lang im Gleichgewicht, und ab Mitte 40 nimmt der Knochenabbau allmählich zu. Für seine Stoffwechsel benötigt der Knochen einiges an Mineralien, Vitaminen und Nährstoffen. Werden diese nicht ausreichend zugeführt, leidet die Knochenqualität und es droht Knochenschwund (Osteoporose). Eine knochenfreundliche Ernährung kann vor dieser folgenschweren Erkrankung schützen. Und wer gleichzeitig etwas für seinen Knorpel und gegen Entzündungen tut, beugt auch gegen Arthrose vor.

Hinweis: Knochengewebe ist sehr fleißig: Innerhalb von etwa 8–10 Jahren hat sich das gesamte Skelett einmal „komplett“ ausgetauscht, weil alter Knochen abgebaut und durch neuen ersetzt wird.

Kalziumhaushalt bildet die Basis

Der wichtigste Grundstoff für den Knochen ist Kalzium. Es wirkt wie Zement im Mauerwerk und sorgt dadurch dafür, dass der Knochen fest, stabil und belastbar ist. 99% des Kalziums stecken in den Knochen und den Zähnen, wobei der Knochen auch als Kalziumvorrat dient. Denn das wertvolle Mineral wird auch außerhalb des Knochens gebraucht, z. B. bei der Muskelkontraktion, bei der Weiterleitung von Nervenreizen und bei der Blutgerinnung. Ist der Kalziumgehalt im Blut zu niedrig, kann es der Körper aus dem Knochen freisetzen – wobei die Kalziumvorräte aber unverzüglich wieder aufgefüllt werden müssen, damit der Knochen nicht leidet.

Kalzium wird im Darm aus der Nahrung aufgenommen, Allerdings schwankt die Aufnahme mit 20 bis 60% der zugeführten Kalziummenge stark. Um ausreichend viel Kalzium aufzunehmen, empfehlen Expert*innen die tägliche Zufuhr von mindestens 1000 mg. Damit sieht es allerdings mau aus in Deutschland: nur etwa die Hälfte der Erwachsenen erreicht diese Menge. Gedeckt wird der Bedarf von 1000 mg zum Beispiel durch

  • 125 mg Edamer 
  • 2,9 l Gerolsteiner Mineralwasser,
  • 0,8 l Milch, 
  • 830 g Joghurt oder
  • 540 g Tofu.

Obst und Gemüse enthalten ebenfalls Kalzium. Um auf 1000 mg täglich zu kommen, müssen allerdings auch hier sehr große Mengen von 470 g Grünkohl, 2,6 kg Kiwi oder 15 kg Bananen verzehrt werden. Auch Haferdrinks als Milchersatz sind oft mit Calcium angereichert und enthalten dann so viel Calcium wie Kuhmilch.

Hinweis: Die Aufnahme des Kalziums hängt nicht nur von der angebotenen Menge ab, sondern auch von Vitamin D. Bei starkem Vitamin-D-Mangel sinkt die Kalziumaufnahme im Darm unter 10%.

Kalziumräuber am Werk!

Eine knochenfreundliche Ernährung benötigt allerdings nicht nur ausreichend Kalzium. Es muss auch auf die Kalziumräuber in der Nahrung geachtet werden. Dies sind Lebensmittel, die bei übermäßigem Verzehr dazu führen können, dass dem Körper das angebotene Kalzium nicht ausreichend zur Verfügung steht. 

  • Phosphat. Die wichtigste Rolle spielt dabei Phosphat. Zwar fördert Phosphat gemeinsam mit Kalzium die Knochenstabilität. Wird es allerdings im Übermaß aufgenommen, behindert es die Kalziumresorption im Darm und fördert somit den Knochenabbau. Phosphat muss also keinesfalls gemieden, sondern nur ein Überschuss verhindert werden. Das gelingt, in dem man besonders phosphathaltige Lebensmittel wie Fleisch, Wurst und Cola sowie stark verarbeitete Produkte nur in Maßen konsumiert.
  • Oxalsäure und Phytinsäure. Auch Oxalsäure kann Kalzium im Darm abfangen und auf diese Weise die Aufnahme ins Blut verhindern. Empfohlen wird deshalb, oxalreiche Nahrungsmittel wie Spinat, Rhabarber, Kakao, Schokolade und Mangold nicht in übergroßen Mengen zu verzehren. Gleiches gilt für die Phytinsäure, die ebenfalls das Kalzium im Darm bindet. Besonders reich an Phytin sind Sojabohnen, Erdnüsse sowie Müsli aus frischem Getreide sowie Vollkornbreie. 
  • Alkohol, Kaffee und schwarzer Tee. Koffein im Übermaß kann dem Knochen auf zwei Arten schaden: Es hemmt die Kalziumaufnahme aus dem Darm und fördert die Kalziumausscheidung über die Niere. Alkohol hemmt die Kalziumaufnahme und schadet der Leber, wodurch der dort stattfindende Vitamin-Stoffwechsel gestört wird.

Hinweis: Kochsalz fördert die Osteoporose, indem es die Kalziumausscheidung über die Niere ankurbelt. Es ist ratsam, sparsam zu salzen und statt auf Kochsalz auf Gewürze zu setzen. Das tut nicht nur dem Knochen gut, sondern auch dem Blutdruck.

Unabdingbar: Vitamin D

Ohne die ausreichende Zufuhr von Vitamin D kann der Knochen das mit der Nahrung aufgenommene Kalzium nicht richtig nutzen. Denn Vitamin D verbessert nicht nur die Aufnahme des Mineralstoffs über die Darmschleimhaut. Es fördert auch seinen Einbau in den Knochen und hemmt den Knochenabbau. 10 bis 20% des Vitamins wird über die Nahrung aufgenommen, 80 bis 90% unter Sonneneinstrahlung in der Haut gebildet. Von April bis September reicht für die Vitamin-D-Versorgung ein täglicher Aufenthalt von 30 Minuten im Freien, wobei Arme und Gesicht unbedeckt sein müssen.

Der Tagesbedarf an Vitamin D beträgt etwa 800 Internationale Einheiten (IE). Etwa 80% der Männer und 91% der Frauen erreichen diese Werte nicht. Auf einen Mangel weisen diffuse Knochen- und Muskelschmerzen hin. Bei Verdacht sollte die Ärzt*in die Blutspiegel messen und der Mangel ausgeglichen werden. Dafür sind häufig Vitamin-D-Tabletten nötig. Denn die Auswahl an Vitamin-D-reichen Lebensmitteln ist gering und nicht nach jedermanns Geschmack. Dazu zählen Lebertran, Seefisch (Hering, Makrele,Lachs), Leber und Eigelb. Bei Vitamin-D-Mangel werden zum Ausgleich meist Tagesdosen von 1000 IE Vitamin D empfohlen. Diese Menge steckt z. B. in 

  • 80 g Hering, 160 g Lachs oder 190 g Aal sowie in 
  • 670 g Kalbfleisch oder 
  • 830 g Steinpilzen.

Hinweis: Vitamin D darf nicht überdosiert werden. Wer mehr als 4000 IE pro Tag aufnimmt, drohen Nierensteine und Herzrhythmusstörungen. Im Zweifel sollte man seine Ärzt*in dazu befragen und evtl. die Blutspiegel des Vitamins messen lassen.

Ohne Eiweiß geht es nicht

Ein weiterer wichtiger Baustein in der knochenfreundlichen Ernährung ist Eiweiß. Eiweiß bildet das Kollagengerüst im Knochen, in das Kalzium und die anderen Mineralien eingelagert werden. Mangelt es an Eiweiß, wird der Knochenaufbau behindert und das Risiko für Osteoporose und Knochenbrüche steigt.

Pflanzliches Eiweiß scheint dabei etwas vorteilhafter zu sein als tierisches Eiweiß. Expert*innen empfehlen eine Kombination pflanzlicher und tierischer Eiweiße, bei Letzteren sind Milch, Eier und mageres Fleisch zu bevorzugen. Der Tagesbedarf für Männer und Frauen bis 65 Jahre beträgt 0,8g/kg Körpergewicht, der für Menschen über 65 Jahre 1,0 g/kgKG. Ein 70-jährigr Mensch mit einem Gewicht von 70 kg braucht also 70 g Eiweiß/Tag. Diese stecken zum Beispiel in 

  • 240 g Emmentaler oder 270 g Gouda, 
  • 270 g Erdnüssen 
  • 310 g Rindfleisch, 310 g Huhn oder 310 g Schweinefleisch 
  • 390 g Fisch
  • 540 g Tofu oder
  • 580 g Linsen.

Um den Eiweißbedarf von 70 g mit Getreide oder Kartoffeln zu decken, müsste man täglich 900 g Weizenbrot oder 3,5 kg Kartoffeln verzehren.

Hinweis: Wer eine eingeschränkte Nierenfunktion hat, muss etwas vorsichtig mit Eiweiß sein. Eine überhöhte Zufuhr belastet die Nieren, weil dadurch mehr Harnstoff und Säure entsteht. Menschen mit Nierenproblemen sollten bezüglich der Eiweißzufuhr immer Rücksprache mit ihrer Ärzt*in halten.

Vitamine, Magnesium und Spurenelemente

Für den gesunden Knochen sind viele weitere Nährstoffe erforderlich.

  • Magnesium. Davon sollen etwa 300 bis 350 mg aufgenommen werden. Es steckt insbesondere in Mineralwässern, aber auch in Vollkornprodukten und Naturreis. Etwa ein Viertel der Erwachsenen in Deutschland erreicht die empfohlene tägliche Zufuhr nicht. Reicht eine Nahrungsumstellung nicht aus, können Supplemente zugeführt werden. 250 mg Magnesium stecken z. B. in 3,2 l Gerolsteiner Mineralwasser, 220 g Erdnüssen, 270 g Haferflocken und 320 g Naturreis.
  • Vitamin K. Vitamin K fördert den Einbau von Kalzium in den Knochen, es gibt auch Hinweise, dass es die Kalziumausscheidung über die Niere hemmt. In Deutschland wird für Männer und Frauen über 51 Jahren eine tägliche Zufuhr von 65 Mikrogramm bzw. 80 Mikrogramm empfohlen. Vitamin K ist hitzestabil, wodurch beim Kochen kaum Verluste auftreten. 80 Mikrogramm Vitamin K sind enthalten in 12 g Grünkohl, 25 g Spinat, 200 g Spargel oder 320 g Rotkraut.
  • Vitamin C. Vitamin C stimuliert die knochenbildenden Zellen, das für das Knochengerüst nötige Kollagen zu bilden. Etwa ein Drittel der Erwachsenen unterschreitet die erforderliche tägliche Zufuhr (95 mg für Frauen, 110 mg für Männer). Rauchen gilt als Vitamin-C-Killer, weshalb Rauchende einen höheren Bedarf haben (135 bzw. 155 mg). 110 mg Vitamin C finden sich in 70 g Petersilie, 100 g Paprika, 220 g Spinat, 250 g Kiwi oder 9 g Hagebutte. Wer den Bedarf mit Äpfeln oder Birnen decken möchte, muss davon täglich 920 g bzw. 2,4 kg zu sich nehmen.
  • Zink. Zink fördert die Bildung des Knochengerüsts und trägt damit zum Knochenaufbau bei. Bei Mangelernährung und veganer Ernährung kann es zu Zinkmangel kommen. Etwa 30% der Männer und 20% der Frauen erreichen die erforderliche Tageszufuhr von 11-16 mg (Männer) und 7-10 mg (Frauen) nicht. Ein hoher Konsum von Vollkornprodukten oder unfermentierten Hülsenfrüchten kann zudem die Zinkaufnahme stören. 10 mg Zink sind enthalten in 45 g Austern, 200 g Rinderleber, 200 g Edamer, 280 g Rindfleisch und 300 g Erdnüssen.

Hinweis: Vitamin K hebt die gerinnungshemmende Wirkung von Marcumar auf. Bei Einnahme dieses Blutverdünners sollte man mit Vitamin-K-reichen Produkten vorsichtig sein und im Zweifel die Ärzt*in dazu befragen.

Was gibt es gegen Arthrose?

Mit einer guten Ernährung lässt sich einiges für den Knochen tun. Davon profitieren auch die Gelenke. Speziell für die Gesundheit der Gelenke gibt es weniger Möglichkeiten. Die meisten Empfehlungen sind nicht ausreichend durch Studien belegt oder haben nur einen geringen Effekt.

  • Omega-3-Fettsäuren. Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) wirken entzündungshemmend. Besonders reichlich sind sie in Lachs und Hering enthalten. Als wichtigste pflanzliche Quellen gelten Raps-, Walnuss- und Leinöl. Distel- und Sonnenblumenöl sind ungünstig, weil sie mehr entzündungsfördernde Omega-6-Fettsäuren enthalten.
  • Selen. Ein zu niedriger Selen-Spiegel kann möglicherweise eine Arthrose begünstigen. Die Ergebnisse aus Studien sind hier aber teils sehr widersprüchlich. Deutsche Böden sind eher selenarm, weshalb die empfohlenen Tagesdosen häufig nicht erreicht werden. Diese beträgt für Männer 70 Mikrogramm/Tag, für Frauen 60 Mikrogramm.
  • Chondroitin und Glukosamin. Diese Knorpelbaustoffe sollen den Knorpelstoffwechsel fördern und den Bedarf für Schmerzmittel bei Arthrose reduzieren. Die Datenlage dazu ist allerdings nicht klar und mögliche Effekte auf Schmerzen und Funktionalität sehr gering. Chondroitin wird aus Knorpelgewebe von Schweinen, Rindern, Walen und Haifischen gewonnen, die empfohlene Tagesdosis sind 800 bis 1200 mg. Glukosamin stammt aus Krabben und Garnelen, die übliche tägliche Dosierung beträgt 800 bis 1500 mg pro Tag.

Antientzündlich hilft rheumatischen Gelenken

Für Menschen mit rheumatischen Gelenkbeschwerden ist eine antientzündliche Kost günstig. Dabei ist vor allem die Zufuhr von Arachidonsäure einzuschränken. Sie wird im Körper zu entzündungsfördernden Eicosanoiden umgewandelt, die Schübe auslösen können. Arachidonsäure ist vor allem in tierischen Produkten wie rotem Fleisch, Wurst und fettreichen Milchprodukten vorhanden, diese sollten deshalb in Maßen verzehrt werden. Günstig sind dagegen Lebensmittel mit reichlich Omega-3-Fettsäuren, denn die Fettsäuren vermindern den Abbau der Arachidonsäure zu den entzündungsfördernden Eicosanoiden.

Auch Antioxidanzien wie Vitamin C und E sowie Polyphenole und Carotinoide helfen gegen Entzündungen. Sie fangen freie Radikale ab und reduzieren damit den entzündlichen Kreislauf. Gute Quellen für Antioxidanzien sind Paprika, Johannisbeeren, Brokkoli, Nüsse, Oliven- und Rapsöl, Grünkohl, Knoblauch und Karotten. Die DGE empfiehlt eine Aufnahme von 95 bis 110 mg Vitamin C und 12 bis 15 mg Vitamin E. 3 bis 4 Esslöffel Beeren und eine Handvoll Nüsse decken diesen Bedarf in etwa ab.

Hinweis: Häufig wird eine Übersäuerung des Körpers als schädigend für Knochen und Gelenke genannt. Für diese Theorie gibt es allerdings keinen wissenschaftlichen Nachweis, entsprechende basische Produkte oder Diäten werden deshalb nicht empfohlen.

Von: Dr. med. Sonja Kempinski; Bild: mauritius images / Westend61 / Larissa Veronesi