Gesundheit heute
Coxa vara und Coxa valga
Coxa vara und Coxa valga: Angeborene oder erworbene Fehlstellung vom Oberschenkelhals zum Oberschenkelschaft (veränderter Schenkelhalswinkel). Bei der Coxa vara liegt der Winkel unter 120°, bei der Coxa valga über 140°. Dazwischen liegt die normale Variationsbreite. Nur extreme Varianten sind krankhaft; sie entstehen meist im Kindesalter, z. B. als Folge von Fehlbildungen, wie Hüftdysplasie, Vitamin-D-Mangel (Rachitis), Lähmungen oder Hüftkopfgleiten. Die Störung bleibt oft unbemerkt, manchmal bildet sich jedoch ein watschelnder Gang aus und es kommt zu ziehenden Schmerzen im Hüftbereich. Langfristig droht ein vorzeitiger Gelenkverschleiß. Eine operative Korrektur ist möglich, aber selten erforderlich.
Symptome und Leitbeschwerden
- Eventuell Hinken oder, wenn beide Seiten betroffen sind, watschelnder Gang
- Rasche Ermüdbarkeit beim Gehen
- Selten Schmerzen in der Leiste oder an der Außenseite der Hüfte bei Belastung.
Wann in die Arztpraxis
Demnächst, wenn
- oben genannte Beschwerden auftreten.
Die Erkrankung
Die Stellung des Schenkelhalses zum Oberschenkelschaft ist wichtig für die korrekte mechanische Belastung des Hüftgelenks. Gemessen wird diese Stellung mithilfe des Schenkelhals- oder Centrum-Collum-Diaphysen-Winkels (CCD). Dieser ist definiert als Schnittpunkt der Geraden durch den Schenkelhals und der Oberschenkelachse. Der Winkel ändert sich im Verlauf des Lebens: Während das Neugeborene noch mit einem steilen Winkel von etwa 150° auf die Welt kommt, flacht dieser bis zum Erwachsenenalter auf etwa 120° ab. Im Greisenalter wird er durch Verminderung der Knochensubstanz noch flacher, hier sind Schenkelhals-Winkel von 120° häufig.
Die Normwerte des Schenkelhals-Winkels liegen daher je nach Alter bei 120–140°. Bei steileren Winkeln (> 140°) spricht man von einer Valgisierung oder Coxa valga, bei stumpferen Winkeln (< 120°) von einer Varisierung (Coxa vara).
Ein veränderter Schenkelhalswinkel führt zu einer falschen Belastung von Hüftgelenk und/oder Schenkelhals. Stärkere Abweichungen stören darüber hinaus häufig das Gleichgewicht der Hüftmuskulatur, was wiederum die Fehlbelastung der Knochen verstärken kann. So entsteht manchmal ein Teufelskreis, der nur durch eine Operation zu unterbrechen ist.
Coxa antetorta und retrotorta
Der normale Schenkelhals ist mit einem Winkel von etwa 12–15° (wobei die Schwankungsbreite sehr groß ist) nach vorne verdreht. Dieser Winkel heißt Antetorsionswinkel. Ist er auf > 20° vergrößert, spricht man von einer Coxa antetorta. Betroffene Kinder sitzen gerne im W-Sitz (mit den Fersen rechts und links neben ihrem Po), beim Gehen stolpern sie durch ihre etwas nach innen verdrehten Beine leicht über ihre Fußspitzen. Häufig bilden sich Coxa antetorta im Wachstum von selbst zurück. Behandlungsbedürftig sind sie nur bei sehr ausgeprägten Beschwerden oder gleichzeitigen anderen Fehlstellungen (Hüftdysplasie, starke Coxa vara). Dann wird der Oberschenkelknochen in einer sogenannten Femurosteotomie zersägt und umgestellt.
Bei Coxa retrotorta ist der Winkel dagegen auf < 0° verkleinert, der Schenkelhals also nach hinten verdreht. Diese Kinder sitzen gern im Schneidersitz und gehen leicht auswärts rotiert. Bei stark ausgeprägten Coxa retrotorta wird manchmal eine Operation empfohlen, da durch die Fehlstellung das Arthroserisiko des Hüftgelenks erhöht ist. Auch hier wird der Oberschenkel umgestellt (Femurosteotomie), allerdings in die andere Richtung, also etwas nach vorne.
Ursachen
Häufigste Ursache von Fehlstellungen des Schenkelhalses ist die unbehandelte Hüftdysplasie. Bei älteren Kindern stehen Erkrankungen wie Morbus Perthes oder Hüftkopfgleiten als Ursache im Vordergrund. Auch Krankheiten, die die Qualität des Knochens vermindern, wie etwa Rachitis oder Osteomalazie führen dazu, dass sich der Schenkelhals „absenkt“. Zudem kann sich eine Coxa valga auch bei Kindern mit Zerebralparese entwickeln. Hier kommt es durch das Ungleichgewicht der Muskeln zu einem Fehlwachstum des Schenkelhalses.
Seltener kommt es nach Abschluss des Wachstums und im höheren Alter zu einer Abflachung (Varisierung) des Oberschenkelhalses. Hier sind Osteoporose, Schenkelhalsbrüche und Hüftkopfnekrosen die häufigsten Ursachen.
Klinik
Meist spüren die Betroffenen nichts von ihrer Coxa valga oder Coxa vara. Ist die Fehlstellung jedoch ausgeprägt, kommt es zu Beschwerden wie Hinken oder Schmerzen bei Belastung. Nehmen die Beschwerden zu, weisen sie möglicherweise auf eine beginnende Hüftgelenksarthrose hin, die häufigste Komplikation einer Schenkelhalsfehlstellung.
Coxa antetorta und retrotorta zeigen sich manchmal im Gangbild, z. B. weil die Kinder nach einwärts oder auswärts verdreht laufen.
Komplikationen
Bei ausgeprägter Coxa vara droht ein Ermüdungsbruch des Schenkelhalses. Mögliche Langzeitfolgen sind zudem verfrühte Verschleißerscheinungen und die Ausbildung einer Hüftgelenksarthrose.
Außerdem entwickeln sich bei Schenkelhalsfehlstellungen leicht kompensatorisch X- oder O-Beine.
Diagnosesicherung
Klinische Hinweise auf eine Coxa valga oder vara und eine eventuell damit verbundene Störung des muskulären Gleichgewichts erhält die Ärzt*in, indem sie das Gangbild beurteilt und den Bewegungsumfang des Hüftgelenks prüft. Hier zeigt sich oft, dass die Betroffenen das Bein nicht gut abspreizen oder nach innen drehen können.
Ein typisches Zeichen für die Coxa vara ist zudem der Trendelenburg-Test. Dabei stellt sich die Patient*in auf das erkrankte Bein und hebt das andere an. Weil die Muskeln auf der erkrankten Seite durch die Fehlstellung verringert sind, senkt sich das Becken zu dieser Seite ab (dann ist das Trendelenburgzeichen positiv).
Bei Coxa antetorta oder retrotorta ist das nach innen oder nach außen verdrehte Gangbild wegweisend. Setzen sich die Kinder auf den Boden, bevorzugen sie bei Coxa antetorta den W-Sitz, bei Coxa retrotorta den Schneidersitz.
Röntgenaufnahmen sichern die Diagnose und ermöglichen es, den Schenkelhals-Winkel zu bestimmen. Da der Schenkelhals normalerweise etwas nach vorne gerichtet ist (Antetorsions-Winkel), ist der auf dem Röntgenbild gemessene Winkel größer als der reelle Winkel. Durch Spezialaufnahmen und das Hinzuziehen einer Umrechnungstabelle kann die Ärzt*in den reellen Schenkelhals-Winkel mit einer Fehlerquote unter 5 % ermitteln.
Behandlung
Korrekturoperationen sind nur bei einer ausgeprägten Coxa vara erforderlich. Hier lässt sich die drohende Gefahr eines Bruchs abwenden, indem der Schenkelhals durchtrennt, aufgerichtet und fixiert wird (valgisierende Osteotomie).
Bei Coxa valga im Kindesalter normalisiert sich die Stellung des Oberschenkelhalses oft bis zum Wachstumsalter. Bleibt die Coxa valga bestehen, ist bei ausgeprägten Formen eine Varisierungsosteotomie (wie beim Morbus Perthes) erforderlich, um den Schenkelhals-Winkel abzuflachen.
Auch bei ausgeprägter Coxa retrotorta empfehlen die Ärzt*innen oft die Operation, da bei dieser Fehlstellung das Risiko für eine Hüftgelenksarthrose stark erhöht ist. Die Coxa antetorta wird nur operiert, wenn sie den Gang massiv beeinträchtigt.
Prognose
Bei ausgeprägten, unbehandelten Coxa vara droht durch die fehlerhafte mechanische Belastung der Ermüdungsbruch des Schenkelhalses. Werden operationspflichtige Schenkelhalsfehlstellungen nicht operiert, kommt es meist frühzeitig zur Arthrose.
Ihre Apotheke empfiehlt
Was Sie selbst tun können
Gezielte Gymnastik. Bei Hinken hilft es oft, die wichtigen Gesäß- und Beckenmuskeln durch Krankengymnastik zu stärken. Daneben sind auch gezielte Dehnübungen erforderlich, um verkürzte Muskeln und Sehnen zu korrigieren.
Schulsport absegnen. Sport ist wichtig, auch für Kinder mit Coxa vara oder valga. Zur Sicherheit sollte jedoch die behandelnde Ärzt*in befragt werden, ob das Kind uneingeschränkt beim Schulsport mitmachen darf oder ob bestimmte Turnübungen oder Bewegungen zu vermeiden sind.
Auch Tofu und Brokkoli gehören zu den Lebensmitteln, die wichtige Nährstoffen für den Knochen bereithalten.
So hält man Osteoporose fern
Knochenfreundlich ernähren
Osteoporose gehört zu den Volkskrankheiten. Doch wer sich gesund ernährt und eventuelle Mängel ausgleicht, kann die Knochen schützen. Dabei müssen nicht nur die nötigen Nährstoffe und Mineralien zugeführt werden. Vor allem in puncto Kalzium gilt es, auch die in vielen Produkten enthaltenen Kalziumräuber zu beachten.
Knochen lebenslang im Umbau
Knochen ist kein totes Gewebe: Im Gegenteil, er wird das ganze Leben lang umgebaut. Dieser Prozess dient dazu, kleine Schäden im Knochen zu reparieren oder den Knochen auf verstärkte Belastungen anzupassen. Insgesamt überwiegt bis zum 30. Lebensjahr der Aufbau. Danach befindet sich der Knochen etwa zehn Jahre lang im Gleichgewicht, und ab Mitte 40 nimmt der Knochenabbau allmählich zu. Für seine Stoffwechsel benötigt der Knochen einiges an Mineralien, Vitaminen und Nährstoffen. Werden diese nicht ausreichend zugeführt, leidet die Knochenqualität und es droht Knochenschwund (Osteoporose). Eine knochenfreundliche Ernährung kann vor dieser folgenschweren Erkrankung schützen. Und wer gleichzeitig etwas für seinen Knorpel und gegen Entzündungen tut, beugt auch gegen Arthrose vor.
Hinweis: Knochengewebe ist sehr fleißig: Innerhalb von etwa 8–10 Jahren hat sich das gesamte Skelett einmal „komplett“ ausgetauscht, weil alter Knochen abgebaut und durch neuen ersetzt wird.
Kalziumhaushalt bildet die Basis
Der wichtigste Grundstoff für den Knochen ist Kalzium. Es wirkt wie Zement im Mauerwerk und sorgt dadurch dafür, dass der Knochen fest, stabil und belastbar ist. 99% des Kalziums stecken in den Knochen und den Zähnen, wobei der Knochen auch als Kalziumvorrat dient. Denn das wertvolle Mineral wird auch außerhalb des Knochens gebraucht, z. B. bei der Muskelkontraktion, bei der Weiterleitung von Nervenreizen und bei der Blutgerinnung. Ist der Kalziumgehalt im Blut zu niedrig, kann es der Körper aus dem Knochen freisetzen – wobei die Kalziumvorräte aber unverzüglich wieder aufgefüllt werden müssen, damit der Knochen nicht leidet.
Kalzium wird im Darm aus der Nahrung aufgenommen, Allerdings schwankt die Aufnahme mit 20 bis 60% der zugeführten Kalziummenge stark. Um ausreichend viel Kalzium aufzunehmen, empfehlen Expert*innen die tägliche Zufuhr von mindestens 1000 mg. Damit sieht es allerdings mau aus in Deutschland: nur etwa die Hälfte der Erwachsenen erreicht diese Menge. Gedeckt wird der Bedarf von 1000 mg zum Beispiel durch
- 125 mg Edamer
- 2,9 l Gerolsteiner Mineralwasser,
- 0,8 l Milch,
- 830 g Joghurt oder
- 540 g Tofu.
Obst und Gemüse enthalten ebenfalls Kalzium. Um auf 1000 mg täglich zu kommen, müssen allerdings auch hier sehr große Mengen von 470 g Grünkohl, 2,6 kg Kiwi oder 15 kg Bananen verzehrt werden. Auch Haferdrinks als Milchersatz sind oft mit Calcium angereichert und enthalten dann so viel Calcium wie Kuhmilch.
Hinweis: Die Aufnahme des Kalziums hängt nicht nur von der angebotenen Menge ab, sondern auch von Vitamin D. Bei starkem Vitamin-D-Mangel sinkt die Kalziumaufnahme im Darm unter 10%.
Kalziumräuber am Werk!
Eine knochenfreundliche Ernährung benötigt allerdings nicht nur ausreichend Kalzium. Es muss auch auf die Kalziumräuber in der Nahrung geachtet werden. Dies sind Lebensmittel, die bei übermäßigem Verzehr dazu führen können, dass dem Körper das angebotene Kalzium nicht ausreichend zur Verfügung steht.
- Phosphat. Die wichtigste Rolle spielt dabei Phosphat. Zwar fördert Phosphat gemeinsam mit Kalzium die Knochenstabilität. Wird es allerdings im Übermaß aufgenommen, behindert es die Kalziumresorption im Darm und fördert somit den Knochenabbau. Phosphat muss also keinesfalls gemieden, sondern nur ein Überschuss verhindert werden. Das gelingt, in dem man besonders phosphathaltige Lebensmittel wie Fleisch, Wurst und Cola sowie stark verarbeitete Produkte nur in Maßen konsumiert.
- Oxalsäure und Phytinsäure. Auch Oxalsäure kann Kalzium im Darm abfangen und auf diese Weise die Aufnahme ins Blut verhindern. Empfohlen wird deshalb, oxalreiche Nahrungsmittel wie Spinat, Rhabarber, Kakao, Schokolade und Mangold nicht in übergroßen Mengen zu verzehren. Gleiches gilt für die Phytinsäure, die ebenfalls das Kalzium im Darm bindet. Besonders reich an Phytin sind Sojabohnen, Erdnüsse sowie Müsli aus frischem Getreide sowie Vollkornbreie.
- Alkohol, Kaffee und schwarzer Tee. Koffein im Übermaß kann dem Knochen auf zwei Arten schaden: Es hemmt die Kalziumaufnahme aus dem Darm und fördert die Kalziumausscheidung über die Niere. Alkohol hemmt die Kalziumaufnahme und schadet der Leber, wodurch der dort stattfindende Vitamin-Stoffwechsel gestört wird.
Hinweis: Kochsalz fördert die Osteoporose, indem es die Kalziumausscheidung über die Niere ankurbelt. Es ist ratsam, sparsam zu salzen und statt auf Kochsalz auf Gewürze zu setzen. Das tut nicht nur dem Knochen gut, sondern auch dem Blutdruck.
Unabdingbar: Vitamin D
Ohne die ausreichende Zufuhr von Vitamin D kann der Knochen das mit der Nahrung aufgenommene Kalzium nicht richtig nutzen. Denn Vitamin D verbessert nicht nur die Aufnahme des Mineralstoffs über die Darmschleimhaut. Es fördert auch seinen Einbau in den Knochen und hemmt den Knochenabbau. 10 bis 20% des Vitamins wird über die Nahrung aufgenommen, 80 bis 90% unter Sonneneinstrahlung in der Haut gebildet. Von April bis September reicht für die Vitamin-D-Versorgung ein täglicher Aufenthalt von 30 Minuten im Freien, wobei Arme und Gesicht unbedeckt sein müssen.
Der Tagesbedarf an Vitamin D beträgt etwa 800 Internationale Einheiten (IE). Etwa 80% der Männer und 91% der Frauen erreichen diese Werte nicht. Auf einen Mangel weisen diffuse Knochen- und Muskelschmerzen hin. Bei Verdacht sollte die Ärzt*in die Blutspiegel messen und der Mangel ausgeglichen werden. Dafür sind häufig Vitamin-D-Tabletten nötig. Denn die Auswahl an Vitamin-D-reichen Lebensmitteln ist gering und nicht nach jedermanns Geschmack. Dazu zählen Lebertran, Seefisch (Hering, Makrele,Lachs), Leber und Eigelb. Bei Vitamin-D-Mangel werden zum Ausgleich meist Tagesdosen von 1000 IE Vitamin D empfohlen. Diese Menge steckt z. B. in
- 80 g Hering, 160 g Lachs oder 190 g Aal sowie in
- 670 g Kalbfleisch oder
- 830 g Steinpilzen.
Hinweis: Vitamin D darf nicht überdosiert werden. Wer mehr als 4000 IE pro Tag aufnimmt, drohen Nierensteine und Herzrhythmusstörungen. Im Zweifel sollte man seine Ärzt*in dazu befragen und evtl. die Blutspiegel des Vitamins messen lassen.
Ohne Eiweiß geht es nicht
Ein weiterer wichtiger Baustein in der knochenfreundlichen Ernährung ist Eiweiß. Eiweiß bildet das Kollagengerüst im Knochen, in das Kalzium und die anderen Mineralien eingelagert werden. Mangelt es an Eiweiß, wird der Knochenaufbau behindert und das Risiko für Osteoporose und Knochenbrüche steigt.
Pflanzliches Eiweiß scheint dabei etwas vorteilhafter zu sein als tierisches Eiweiß. Expert*innen empfehlen eine Kombination pflanzlicher und tierischer Eiweiße, bei Letzteren sind Milch, Eier und mageres Fleisch zu bevorzugen. Der Tagesbedarf für Männer und Frauen bis 65 Jahre beträgt 0,8g/kg Körpergewicht, der für Menschen über 65 Jahre 1,0 g/kgKG. Ein 70-jährigr Mensch mit einem Gewicht von 70 kg braucht also 70 g Eiweiß/Tag. Diese stecken zum Beispiel in
- 240 g Emmentaler oder 270 g Gouda,
- 270 g Erdnüssen
- 310 g Rindfleisch, 310 g Huhn oder 310 g Schweinefleisch
- 390 g Fisch
- 540 g Tofu oder
- 580 g Linsen.
Um den Eiweißbedarf von 70 g mit Getreide oder Kartoffeln zu decken, müsste man täglich 900 g Weizenbrot oder 3,5 kg Kartoffeln verzehren.
Hinweis: Wer eine eingeschränkte Nierenfunktion hat, muss etwas vorsichtig mit Eiweiß sein. Eine überhöhte Zufuhr belastet die Nieren, weil dadurch mehr Harnstoff und Säure entsteht. Menschen mit Nierenproblemen sollten bezüglich der Eiweißzufuhr immer Rücksprache mit ihrer Ärzt*in halten.
Vitamine, Magnesium und Spurenelemente
Für den gesunden Knochen sind viele weitere Nährstoffe erforderlich.
- Magnesium. Davon sollen etwa 300 bis 350 mg aufgenommen werden. Es steckt insbesondere in Mineralwässern, aber auch in Vollkornprodukten und Naturreis. Etwa ein Viertel der Erwachsenen in Deutschland erreicht die empfohlene tägliche Zufuhr nicht. Reicht eine Nahrungsumstellung nicht aus, können Supplemente zugeführt werden. 250 mg Magnesium stecken z. B. in 3,2 l Gerolsteiner Mineralwasser, 220 g Erdnüssen, 270 g Haferflocken und 320 g Naturreis.
- Vitamin K. Vitamin K fördert den Einbau von Kalzium in den Knochen, es gibt auch Hinweise, dass es die Kalziumausscheidung über die Niere hemmt. In Deutschland wird für Männer und Frauen über 51 Jahren eine tägliche Zufuhr von 65 Mikrogramm bzw. 80 Mikrogramm empfohlen. Vitamin K ist hitzestabil, wodurch beim Kochen kaum Verluste auftreten. 80 Mikrogramm Vitamin K sind enthalten in 12 g Grünkohl, 25 g Spinat, 200 g Spargel oder 320 g Rotkraut.
- Vitamin C. Vitamin C stimuliert die knochenbildenden Zellen, das für das Knochengerüst nötige Kollagen zu bilden. Etwa ein Drittel der Erwachsenen unterschreitet die erforderliche tägliche Zufuhr (95 mg für Frauen, 110 mg für Männer). Rauchen gilt als Vitamin-C-Killer, weshalb Rauchende einen höheren Bedarf haben (135 bzw. 155 mg). 110 mg Vitamin C finden sich in 70 g Petersilie, 100 g Paprika, 220 g Spinat, 250 g Kiwi oder 9 g Hagebutte. Wer den Bedarf mit Äpfeln oder Birnen decken möchte, muss davon täglich 920 g bzw. 2,4 kg zu sich nehmen.
- Zink. Zink fördert die Bildung des Knochengerüsts und trägt damit zum Knochenaufbau bei. Bei Mangelernährung und veganer Ernährung kann es zu Zinkmangel kommen. Etwa 30% der Männer und 20% der Frauen erreichen die erforderliche Tageszufuhr von 11-16 mg (Männer) und 7-10 mg (Frauen) nicht. Ein hoher Konsum von Vollkornprodukten oder unfermentierten Hülsenfrüchten kann zudem die Zinkaufnahme stören. 10 mg Zink sind enthalten in 45 g Austern, 200 g Rinderleber, 200 g Edamer, 280 g Rindfleisch und 300 g Erdnüssen.
Hinweis: Vitamin K hebt die gerinnungshemmende Wirkung von Marcumar auf. Bei Einnahme dieses Blutverdünners sollte man mit Vitamin-K-reichen Produkten vorsichtig sein und im Zweifel die Ärzt*in dazu befragen.
Was gibt es gegen Arthrose?
Mit einer guten Ernährung lässt sich einiges für den Knochen tun. Davon profitieren auch die Gelenke. Speziell für die Gesundheit der Gelenke gibt es weniger Möglichkeiten. Die meisten Empfehlungen sind nicht ausreichend durch Studien belegt oder haben nur einen geringen Effekt.
- Omega-3-Fettsäuren. Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) wirken entzündungshemmend. Besonders reichlich sind sie in Lachs und Hering enthalten. Als wichtigste pflanzliche Quellen gelten Raps-, Walnuss- und Leinöl. Distel- und Sonnenblumenöl sind ungünstig, weil sie mehr entzündungsfördernde Omega-6-Fettsäuren enthalten.
- Selen. Ein zu niedriger Selen-Spiegel kann möglicherweise eine Arthrose begünstigen. Die Ergebnisse aus Studien sind hier aber teils sehr widersprüchlich. Deutsche Böden sind eher selenarm, weshalb die empfohlenen Tagesdosen häufig nicht erreicht werden. Diese beträgt für Männer 70 Mikrogramm/Tag, für Frauen 60 Mikrogramm.
- Chondroitin und Glukosamin. Diese Knorpelbaustoffe sollen den Knorpelstoffwechsel fördern und den Bedarf für Schmerzmittel bei Arthrose reduzieren. Die Datenlage dazu ist allerdings nicht klar und mögliche Effekte auf Schmerzen und Funktionalität sehr gering. Chondroitin wird aus Knorpelgewebe von Schweinen, Rindern, Walen und Haifischen gewonnen, die empfohlene Tagesdosis sind 800 bis 1200 mg. Glukosamin stammt aus Krabben und Garnelen, die übliche tägliche Dosierung beträgt 800 bis 1500 mg pro Tag.
Antientzündlich hilft rheumatischen Gelenken
Für Menschen mit rheumatischen Gelenkbeschwerden ist eine antientzündliche Kost günstig. Dabei ist vor allem die Zufuhr von Arachidonsäure einzuschränken. Sie wird im Körper zu entzündungsfördernden Eicosanoiden umgewandelt, die Schübe auslösen können. Arachidonsäure ist vor allem in tierischen Produkten wie rotem Fleisch, Wurst und fettreichen Milchprodukten vorhanden, diese sollten deshalb in Maßen verzehrt werden. Günstig sind dagegen Lebensmittel mit reichlich Omega-3-Fettsäuren, denn die Fettsäuren vermindern den Abbau der Arachidonsäure zu den entzündungsfördernden Eicosanoiden.
Auch Antioxidanzien wie Vitamin C und E sowie Polyphenole und Carotinoide helfen gegen Entzündungen. Sie fangen freie Radikale ab und reduzieren damit den entzündlichen Kreislauf. Gute Quellen für Antioxidanzien sind Paprika, Johannisbeeren, Brokkoli, Nüsse, Oliven- und Rapsöl, Grünkohl, Knoblauch und Karotten. Die DGE empfiehlt eine Aufnahme von 95 bis 110 mg Vitamin C und 12 bis 15 mg Vitamin E. 3 bis 4 Esslöffel Beeren und eine Handvoll Nüsse decken diesen Bedarf in etwa ab.
Hinweis: Häufig wird eine Übersäuerung des Körpers als schädigend für Knochen und Gelenke genannt. Für diese Theorie gibt es allerdings keinen wissenschaftlichen Nachweis, entsprechende basische Produkte oder Diäten werden deshalb nicht empfohlen.

