Gesundheit heute
Schleimbeutelentzündung an der Hüfte
Schleimbeutelentzündung an der Hüfte: Schmerzhafte Entzündung einer der Schleimbeutel am Hüftgelenk. Ist der Schleimbeutel an der Außenseite der Hüfte (Bursitis trochanterica) betroffen, sind Schmerzen beim Laufen, Liegen auf der Seite und bei Außendrehung des Beines typisch. Bei Entzündung des Leistenschleimbeutels (Bursitis iliopectinea) schmerzt es vor allem bei Druck auf die Leiste und Streckung der Hüfte. Ursachen sind chronische Überlastungen der Hüfte, z. B. durch Sport oder Fehlstellungen, rheumatische Erkrankungen oder die Schnappende Hüfte (Coxa saltans). Seltener führen eingedrungene Erreger (vor allem Bakterien wie Staphylococcus aureus) zu einer Schleimbeutelentzündung.
Die Erkrankung lässt sich meist gut behandeln, etwa mit Schonung, entzündungshemmenden Medikamenten, Antibiotika bei bakterieller Ursache und Krankengymnastik. Nur in seltenen Fällen ist die komplette oder teilweise Entfernung des entzündeten Schleimbeutels erforderlich.
Symptome und Leitbeschwerden
Bursitis trochanterica:
- Druckschmerzen an der Außenseite des körpernahen Oberschenkels und der Hüfte, vor allem im Liegen
- Starke bewegungsabhängige Schmerzen
- Manchmal Ausstrahlen der Schmerzen ins Knie oder Gesäß
- Selten Rötung und Schwellung außen an der Hüfte
- Fieber und Schüttelfrost bei der bakteriellen Schleimbeutelentzündung.
Bursitis iliopectinea:
- Druckschmerz im Bereich der Leiste
- Schmerzen beim Strecken der Hüfte
- Fieber und Schüttelfrost bei der bakteriellen Schleimbeutelentzündung.
Wann in die Arztpraxis
Demnächst, wenn
- die oben genannten Beschwerden länger als einige Tage anhalten.
Die Erkrankung
An der Hüfte gibt es mehrere Schleimbeutel. Als Stoßdämpfer oder Puffer vermindern sie die Reibung zwischen Sehnen und Knochen. Der wichtigste Schleimbeutel an der Hüfte ist die Bursa trochanterica: Sie puffert die Druck- und Reibekräfte am großen Rollhügel des Oberschenkels ab. Dieser Knochenvorsprung ist an der Seite des Oberschenkels gut tastbar. Er wird mechanisch stark belastet, weil dort mehrere Muskelgruppen mit ihren Sehnen verankert sind.
Krankheitsentstehung und Ursachen
Wenn Schleimbeutel gereizt werden, reagieren sie meist mit einer Entzündung. Dann produziert der Schleimbeutel vermehrt Flüssigkeit, weshalb er anschwillt und schmerzhaften Druck auf Nachbarstrukturen ausübt. Zusätzlich schütten die Entzündungszellen Mediatoren (Gewebshormone) aus, die starke Schmerzen im betroffenen Bereich verursachen.
Verschiedene Ursachen können eine Entzündung der Schleimbeutel am Hüftgelenk auslösen oder begünstigen:
- Chronische Belastungen durch wiederkehrende, gleichförmige Bewegungen wie beim Sport (Langstreckenlaufen)
- Chronische Fehlbelastungen durch Beckenschiefstand, unterschiedlich lange Beine, X-Beine, Fehlstellungen des Hüftgelenks
- Verletzungen der Hüfte
- Rheumatische Erkrankungen wie die rheumatoide Arthritis
- Harnsäureablagerungen bei Gicht
- Infektionen, z. B. mit Bakterien, die im Rahmen einer offenen Verletzung, Gelenkspiegelung oder Operation in das Gelenk gelangen.
Verlauf und Komplikationen
Im Falle einer Bursitis trochanterica kommt es sehr häufig zu einer gleichzeitigen Entzündung der über den Rollhügel laufenden Sehnen (Tractus iliotibialis, siehe Sehnenentzündungen an der Hüfte).
Wenn entzündungsbedingte Schwellungen den normalen Gleitvorgang am großen Rollhügel stören, resultiert daraus manchmal ein spürbares, eventuell schmerzhaftes Schnappen des Tractus iliotibialis. Man spricht dann von einer schnellenden Hüfte (Schnapphüfte, Coxa saltans, siehe dort).
Diagnosesicherung
Die Ärzt*in fragt zunächst nach Art, Ort und Umfang der Beschwerden und grenzt sie gegen andere Hüftsymptome ab, z. B. Leistenschmerz bei Erkrankungen des Hüftgelenks.
- Körperliche Untersuchung. Beim Abtasten lassen sich Schmerzen über dem großen Rollhügel oder in der Leiste auslösen. Schmerzen bei seitlichem Abspreizen des gestreckten Beins sind ebenso ein häufiger Befund bei der Bursitis trochanterica. Bei der Bursitis iliopectinea schmerzt das Strecken der Hüfte.
- Bildgebende Verfahren. Die Diagnose lässt sich durch Ultraschalluntersuchungen sichern, die eine Verdickung des Schleimbeutels und/oder einen Schleimbeutelerguss anzeigen. Im Kernspin sind die entzündlichen Veränderungen oft ebenfalls zu erkennen, doch bleibt diese Untersuchung unklaren Fällen vorbehalten. Um eine Knochenbeteiligung auszuschließen, veranlasst die Ärzt*in manchmal ein Röntgenbild.
- Labor. Die Laborbefunde geben Hinweise auf eine Infektion. Dann sind die weißen Blutkörperchen (Leukozyten), das C-reaktive Protein (CRP) und die Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) erhöht. Auch ein rheumatischer Prozess lässt sich so nachweisen, etwa durch einen positiven Rheumafaktor, HLA-B27 oder Antinukleäre Antikörper. Bei starkem Verdacht auf eine bakterielle Infektion wird das Gelenk punktiert und die gewonnene Flüssigkeit mikrobiologisch auf Erreger untersucht.
- Laufanalyse. Sportler, die aufgrund des Laufens eine Schleimbeutelentzündung entwickeln, belasten häufig ihre Gelenke falsch. Solche Fehlbelastungen erkennt die Orthopäd*in in einer Laufanalyse.
Differenzialdiagnosen. Hüftschmerzen sind ein Zeichen zahlreicher Hüfterkrankungen, etwa des Hüftimpingements, der Hüftkopfnekrose, der Hüftgelenksentzündung (Coxitis) und der Hüftgelenksarthrose.
Behandlung
In den meisten Fällen bekommt man eine Schleimbeutelentzündung mit konservativen Maßnahmen in den Griff. Neben den akuten Beschwerden müssen dabei auch Ursachen bzw. Grunderkrankungen behandelt werden. Dazu gehört die antientzündliche Therapie bei Rheumatoider Arthritis oder die Kontrolle der Harnsäurespiegel bei Gicht. Führen Fehlstellungen zu den Beschwerden, werden diese orthopädisch versorgt, beispielsweise mit Einlagen oder Absatzerhöhungen.
Konservativ
Schonen und Entlasten. Damit die Entzündung abheilen kann, muss sie entlastet und geschont werden.
Schmerzmittel. Gegen die Schmerzen verordnet die Ärzt*in meist antientzündliche und schmerzlindernde Präparate wie Diclofenac (z. B. Voltaren® oder Diclac®), Ibuprofen (z. B. Dolgit® oder Ibuprofen AbZ) oder Etoricoxib (z. B. Arcoxia®).
Kälte und Wärme. In der akuten Phase hilft meist Kälte, bei chronischen Beschwerden eher Wärme (mehr dazu siehe "Ihre Apotheke empfiehlt").
Antibiotika. Liegt der Schleimbeutelentzündung eine bakterielle Infektion zugrunde, erhält die Patient*in Antibiotika. Große eitrige Ergüsse werden manchmal auch punktiert und abgezogen, um die Heilung zu beschleunigen und das Gelenk zu entlasten.
Stoßwellentherapie. Stoßwellen sollen bei der Behandlung von Schleimbeutelentzündungen gute Ergebnisse zeigen. Meist werden 3 bis 5 Sitzungen à 5 bis 15 Minuten empfohlen. Dabei ist zu beachten, dass nicht alle Gesetzlichen Krankenkassen die Kosten übernehmen und die positive Wirkung nicht über Studien gesichert ist.
Kortisonspülungen. Bei besonders schweren Entzündungen wird der Schleimbeutel manchmal mit Kortison gespült, um die Entzündung und die Schmerzen zu lindern.
Physiotherapie. Mithilfe der Physiotherapie lassen sich die hüftumgebenden Muskeln stärken und dehnen. Dazu gehört z. B. das Bein-Heben in Rücken- und Bauchlage, die Wandkniebeuge und die Vorbeugung im Stehen bei überkreuzten Beinen. Außerdem lernt die Patient*in in der Physiotherapie, Haltung und Bewegungsabläufe zu optimieren, um damit Fehlhaltungen und Fehlbelastungen entgegenzuwirken.
Operativ
Eine operative Behandlung ist nur selten erforderlich. Sie kommt infrage, wenn die Schleimbeutelentzündung trotz der oben genannten Maßnahmen chronisch wird. Je nach Ausmaß der Entzündung sind zwei Verfahren möglich:
Bursoskopie. Bei diesem minimal invasiven Verfahren wird nur die entzündete innere Schicht des Schleimbeutels mithilfe eines Endoskops und den passenden Werkzeugen abgetragen. Die Bursoskopie ist also eine Spiegelung des Schleimbeutels (analog einer Gelenkspiegelung).
Komplette Bursektomie. Hier wird der Schleimbeutel in einer offenen Operation komplett entfernt. Nachteil sind größere Operationsnarben, die kosmetisch stören und die Beweglichkeit des Gelenks verschlechtern können.
Prognose
Mit den geeigneten Maßnahmen heilen akute Schleimbeutelentzündungen in der Regel gut aus.
Ihre Apotheke empfiehlt
Was Sie selbst tun können
Kälte oder Wärme? Bei neu aufgetretenen, akuten Beschwerden bringen Kälteanwendungen Erleichterung, z. B. in Form von Kühlpacks oder Eisbeuteln. Diese dürfen jedoch wegen der Gefahr von Erfrierungen nie direkt auf die Haut aufgelegt werden, sondern sind immer in ein Tuch einzuwickeln. Bei länger anhaltenden Schmerzen helfen eher Wärmeanwendungen, etwa mit einem Heizkissen oder einem Infrarotstrahler.
Belastungen vermeiden. Schmerzhafte Belastungen zu vermeiden, ist das A und O der Selbsthilfe. Dazu gehört bei Seitenschläfern auch eine andere Schlafposition oder die Unterstützung der Hüfte mit weichen Kissen. Langes Sitzen und Stehen sollte ebenso vermieden werden wie schmerzauslösende Bewegungen beim Sport.
Komplementärmedizin
Physikalische Therapie. In der Akutphase können Umschläge mit essigsaurer Tonerde Linderung verschaffen, der man eine entzündungshemmende Wirkung zuschreibt.
Vorbeugung
Langsam aufbauen. Sportanfänger tun gut daran, ihre Sehnen durch langsamen Trainingsaufbau schonend an die neue Belastung zu gewöhnen. Gerade beim Walking, das bei Sport-(wieder)einsteiger*innen sehr beliebt ist, kommt es anfangs häufig zu Sehnen- und Schleimbeutelentzündungen an der Hüfte.
Beinlänge messen. Bei Beschwerden kann es sich lohnen, die Länge der Beine zu vergleichen. Oft steckt nämlich eine Beinlängendifferenz hinter einer Fehlbelastung. Abhilfe schaffen orthopädische Maßnahmen wie eine einseitige Absatzerhöhung.
Gezielte Übungen. In der Physiotherapie lassen sich einige Übungen erlernen, die einer erneuten Schleimbeutelentzündung vorbeugen. Regelmäßig zuhause durchgeführt, kräftigen und dehnen sie die Hüftmuskeln und entlasten damit das Hüftgelenk.
Auch Tofu und Brokkoli gehören zu den Lebensmitteln, die wichtige Nährstoffen für den Knochen bereithalten.
So hält man Osteoporose fern
Knochenfreundlich ernähren
Osteoporose gehört zu den Volkskrankheiten. Doch wer sich gesund ernährt und eventuelle Mängel ausgleicht, kann die Knochen schützen. Dabei müssen nicht nur die nötigen Nährstoffe und Mineralien zugeführt werden. Vor allem in puncto Kalzium gilt es, auch die in vielen Produkten enthaltenen Kalziumräuber zu beachten.
Knochen lebenslang im Umbau
Knochen ist kein totes Gewebe: Im Gegenteil, er wird das ganze Leben lang umgebaut. Dieser Prozess dient dazu, kleine Schäden im Knochen zu reparieren oder den Knochen auf verstärkte Belastungen anzupassen. Insgesamt überwiegt bis zum 30. Lebensjahr der Aufbau. Danach befindet sich der Knochen etwa zehn Jahre lang im Gleichgewicht, und ab Mitte 40 nimmt der Knochenabbau allmählich zu. Für seine Stoffwechsel benötigt der Knochen einiges an Mineralien, Vitaminen und Nährstoffen. Werden diese nicht ausreichend zugeführt, leidet die Knochenqualität und es droht Knochenschwund (Osteoporose). Eine knochenfreundliche Ernährung kann vor dieser folgenschweren Erkrankung schützen. Und wer gleichzeitig etwas für seinen Knorpel und gegen Entzündungen tut, beugt auch gegen Arthrose vor.
Hinweis: Knochengewebe ist sehr fleißig: Innerhalb von etwa 8–10 Jahren hat sich das gesamte Skelett einmal „komplett“ ausgetauscht, weil alter Knochen abgebaut und durch neuen ersetzt wird.
Kalziumhaushalt bildet die Basis
Der wichtigste Grundstoff für den Knochen ist Kalzium. Es wirkt wie Zement im Mauerwerk und sorgt dadurch dafür, dass der Knochen fest, stabil und belastbar ist. 99% des Kalziums stecken in den Knochen und den Zähnen, wobei der Knochen auch als Kalziumvorrat dient. Denn das wertvolle Mineral wird auch außerhalb des Knochens gebraucht, z. B. bei der Muskelkontraktion, bei der Weiterleitung von Nervenreizen und bei der Blutgerinnung. Ist der Kalziumgehalt im Blut zu niedrig, kann es der Körper aus dem Knochen freisetzen – wobei die Kalziumvorräte aber unverzüglich wieder aufgefüllt werden müssen, damit der Knochen nicht leidet.
Kalzium wird im Darm aus der Nahrung aufgenommen, Allerdings schwankt die Aufnahme mit 20 bis 60% der zugeführten Kalziummenge stark. Um ausreichend viel Kalzium aufzunehmen, empfehlen Expert*innen die tägliche Zufuhr von mindestens 1000 mg. Damit sieht es allerdings mau aus in Deutschland: nur etwa die Hälfte der Erwachsenen erreicht diese Menge. Gedeckt wird der Bedarf von 1000 mg zum Beispiel durch
- 125 mg Edamer
- 2,9 l Gerolsteiner Mineralwasser,
- 0,8 l Milch,
- 830 g Joghurt oder
- 540 g Tofu.
Obst und Gemüse enthalten ebenfalls Kalzium. Um auf 1000 mg täglich zu kommen, müssen allerdings auch hier sehr große Mengen von 470 g Grünkohl, 2,6 kg Kiwi oder 15 kg Bananen verzehrt werden. Auch Haferdrinks als Milchersatz sind oft mit Calcium angereichert und enthalten dann so viel Calcium wie Kuhmilch.
Hinweis: Die Aufnahme des Kalziums hängt nicht nur von der angebotenen Menge ab, sondern auch von Vitamin D. Bei starkem Vitamin-D-Mangel sinkt die Kalziumaufnahme im Darm unter 10%.
Kalziumräuber am Werk!
Eine knochenfreundliche Ernährung benötigt allerdings nicht nur ausreichend Kalzium. Es muss auch auf die Kalziumräuber in der Nahrung geachtet werden. Dies sind Lebensmittel, die bei übermäßigem Verzehr dazu führen können, dass dem Körper das angebotene Kalzium nicht ausreichend zur Verfügung steht.
- Phosphat. Die wichtigste Rolle spielt dabei Phosphat. Zwar fördert Phosphat gemeinsam mit Kalzium die Knochenstabilität. Wird es allerdings im Übermaß aufgenommen, behindert es die Kalziumresorption im Darm und fördert somit den Knochenabbau. Phosphat muss also keinesfalls gemieden, sondern nur ein Überschuss verhindert werden. Das gelingt, in dem man besonders phosphathaltige Lebensmittel wie Fleisch, Wurst und Cola sowie stark verarbeitete Produkte nur in Maßen konsumiert.
- Oxalsäure und Phytinsäure. Auch Oxalsäure kann Kalzium im Darm abfangen und auf diese Weise die Aufnahme ins Blut verhindern. Empfohlen wird deshalb, oxalreiche Nahrungsmittel wie Spinat, Rhabarber, Kakao, Schokolade und Mangold nicht in übergroßen Mengen zu verzehren. Gleiches gilt für die Phytinsäure, die ebenfalls das Kalzium im Darm bindet. Besonders reich an Phytin sind Sojabohnen, Erdnüsse sowie Müsli aus frischem Getreide sowie Vollkornbreie.
- Alkohol, Kaffee und schwarzer Tee. Koffein im Übermaß kann dem Knochen auf zwei Arten schaden: Es hemmt die Kalziumaufnahme aus dem Darm und fördert die Kalziumausscheidung über die Niere. Alkohol hemmt die Kalziumaufnahme und schadet der Leber, wodurch der dort stattfindende Vitamin-Stoffwechsel gestört wird.
Hinweis: Kochsalz fördert die Osteoporose, indem es die Kalziumausscheidung über die Niere ankurbelt. Es ist ratsam, sparsam zu salzen und statt auf Kochsalz auf Gewürze zu setzen. Das tut nicht nur dem Knochen gut, sondern auch dem Blutdruck.
Unabdingbar: Vitamin D
Ohne die ausreichende Zufuhr von Vitamin D kann der Knochen das mit der Nahrung aufgenommene Kalzium nicht richtig nutzen. Denn Vitamin D verbessert nicht nur die Aufnahme des Mineralstoffs über die Darmschleimhaut. Es fördert auch seinen Einbau in den Knochen und hemmt den Knochenabbau. 10 bis 20% des Vitamins wird über die Nahrung aufgenommen, 80 bis 90% unter Sonneneinstrahlung in der Haut gebildet. Von April bis September reicht für die Vitamin-D-Versorgung ein täglicher Aufenthalt von 30 Minuten im Freien, wobei Arme und Gesicht unbedeckt sein müssen.
Der Tagesbedarf an Vitamin D beträgt etwa 800 Internationale Einheiten (IE). Etwa 80% der Männer und 91% der Frauen erreichen diese Werte nicht. Auf einen Mangel weisen diffuse Knochen- und Muskelschmerzen hin. Bei Verdacht sollte die Ärzt*in die Blutspiegel messen und der Mangel ausgeglichen werden. Dafür sind häufig Vitamin-D-Tabletten nötig. Denn die Auswahl an Vitamin-D-reichen Lebensmitteln ist gering und nicht nach jedermanns Geschmack. Dazu zählen Lebertran, Seefisch (Hering, Makrele,Lachs), Leber und Eigelb. Bei Vitamin-D-Mangel werden zum Ausgleich meist Tagesdosen von 1000 IE Vitamin D empfohlen. Diese Menge steckt z. B. in
- 80 g Hering, 160 g Lachs oder 190 g Aal sowie in
- 670 g Kalbfleisch oder
- 830 g Steinpilzen.
Hinweis: Vitamin D darf nicht überdosiert werden. Wer mehr als 4000 IE pro Tag aufnimmt, drohen Nierensteine und Herzrhythmusstörungen. Im Zweifel sollte man seine Ärzt*in dazu befragen und evtl. die Blutspiegel des Vitamins messen lassen.
Ohne Eiweiß geht es nicht
Ein weiterer wichtiger Baustein in der knochenfreundlichen Ernährung ist Eiweiß. Eiweiß bildet das Kollagengerüst im Knochen, in das Kalzium und die anderen Mineralien eingelagert werden. Mangelt es an Eiweiß, wird der Knochenaufbau behindert und das Risiko für Osteoporose und Knochenbrüche steigt.
Pflanzliches Eiweiß scheint dabei etwas vorteilhafter zu sein als tierisches Eiweiß. Expert*innen empfehlen eine Kombination pflanzlicher und tierischer Eiweiße, bei Letzteren sind Milch, Eier und mageres Fleisch zu bevorzugen. Der Tagesbedarf für Männer und Frauen bis 65 Jahre beträgt 0,8g/kg Körpergewicht, der für Menschen über 65 Jahre 1,0 g/kgKG. Ein 70-jährigr Mensch mit einem Gewicht von 70 kg braucht also 70 g Eiweiß/Tag. Diese stecken zum Beispiel in
- 240 g Emmentaler oder 270 g Gouda,
- 270 g Erdnüssen
- 310 g Rindfleisch, 310 g Huhn oder 310 g Schweinefleisch
- 390 g Fisch
- 540 g Tofu oder
- 580 g Linsen.
Um den Eiweißbedarf von 70 g mit Getreide oder Kartoffeln zu decken, müsste man täglich 900 g Weizenbrot oder 3,5 kg Kartoffeln verzehren.
Hinweis: Wer eine eingeschränkte Nierenfunktion hat, muss etwas vorsichtig mit Eiweiß sein. Eine überhöhte Zufuhr belastet die Nieren, weil dadurch mehr Harnstoff und Säure entsteht. Menschen mit Nierenproblemen sollten bezüglich der Eiweißzufuhr immer Rücksprache mit ihrer Ärzt*in halten.
Vitamine, Magnesium und Spurenelemente
Für den gesunden Knochen sind viele weitere Nährstoffe erforderlich.
- Magnesium. Davon sollen etwa 300 bis 350 mg aufgenommen werden. Es steckt insbesondere in Mineralwässern, aber auch in Vollkornprodukten und Naturreis. Etwa ein Viertel der Erwachsenen in Deutschland erreicht die empfohlene tägliche Zufuhr nicht. Reicht eine Nahrungsumstellung nicht aus, können Supplemente zugeführt werden. 250 mg Magnesium stecken z. B. in 3,2 l Gerolsteiner Mineralwasser, 220 g Erdnüssen, 270 g Haferflocken und 320 g Naturreis.
- Vitamin K. Vitamin K fördert den Einbau von Kalzium in den Knochen, es gibt auch Hinweise, dass es die Kalziumausscheidung über die Niere hemmt. In Deutschland wird für Männer und Frauen über 51 Jahren eine tägliche Zufuhr von 65 Mikrogramm bzw. 80 Mikrogramm empfohlen. Vitamin K ist hitzestabil, wodurch beim Kochen kaum Verluste auftreten. 80 Mikrogramm Vitamin K sind enthalten in 12 g Grünkohl, 25 g Spinat, 200 g Spargel oder 320 g Rotkraut.
- Vitamin C. Vitamin C stimuliert die knochenbildenden Zellen, das für das Knochengerüst nötige Kollagen zu bilden. Etwa ein Drittel der Erwachsenen unterschreitet die erforderliche tägliche Zufuhr (95 mg für Frauen, 110 mg für Männer). Rauchen gilt als Vitamin-C-Killer, weshalb Rauchende einen höheren Bedarf haben (135 bzw. 155 mg). 110 mg Vitamin C finden sich in 70 g Petersilie, 100 g Paprika, 220 g Spinat, 250 g Kiwi oder 9 g Hagebutte. Wer den Bedarf mit Äpfeln oder Birnen decken möchte, muss davon täglich 920 g bzw. 2,4 kg zu sich nehmen.
- Zink. Zink fördert die Bildung des Knochengerüsts und trägt damit zum Knochenaufbau bei. Bei Mangelernährung und veganer Ernährung kann es zu Zinkmangel kommen. Etwa 30% der Männer und 20% der Frauen erreichen die erforderliche Tageszufuhr von 11-16 mg (Männer) und 7-10 mg (Frauen) nicht. Ein hoher Konsum von Vollkornprodukten oder unfermentierten Hülsenfrüchten kann zudem die Zinkaufnahme stören. 10 mg Zink sind enthalten in 45 g Austern, 200 g Rinderleber, 200 g Edamer, 280 g Rindfleisch und 300 g Erdnüssen.
Hinweis: Vitamin K hebt die gerinnungshemmende Wirkung von Marcumar auf. Bei Einnahme dieses Blutverdünners sollte man mit Vitamin-K-reichen Produkten vorsichtig sein und im Zweifel die Ärzt*in dazu befragen.
Was gibt es gegen Arthrose?
Mit einer guten Ernährung lässt sich einiges für den Knochen tun. Davon profitieren auch die Gelenke. Speziell für die Gesundheit der Gelenke gibt es weniger Möglichkeiten. Die meisten Empfehlungen sind nicht ausreichend durch Studien belegt oder haben nur einen geringen Effekt.
- Omega-3-Fettsäuren. Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) wirken entzündungshemmend. Besonders reichlich sind sie in Lachs und Hering enthalten. Als wichtigste pflanzliche Quellen gelten Raps-, Walnuss- und Leinöl. Distel- und Sonnenblumenöl sind ungünstig, weil sie mehr entzündungsfördernde Omega-6-Fettsäuren enthalten.
- Selen. Ein zu niedriger Selen-Spiegel kann möglicherweise eine Arthrose begünstigen. Die Ergebnisse aus Studien sind hier aber teils sehr widersprüchlich. Deutsche Böden sind eher selenarm, weshalb die empfohlenen Tagesdosen häufig nicht erreicht werden. Diese beträgt für Männer 70 Mikrogramm/Tag, für Frauen 60 Mikrogramm.
- Chondroitin und Glukosamin. Diese Knorpelbaustoffe sollen den Knorpelstoffwechsel fördern und den Bedarf für Schmerzmittel bei Arthrose reduzieren. Die Datenlage dazu ist allerdings nicht klar und mögliche Effekte auf Schmerzen und Funktionalität sehr gering. Chondroitin wird aus Knorpelgewebe von Schweinen, Rindern, Walen und Haifischen gewonnen, die empfohlene Tagesdosis sind 800 bis 1200 mg. Glukosamin stammt aus Krabben und Garnelen, die übliche tägliche Dosierung beträgt 800 bis 1500 mg pro Tag.
Antientzündlich hilft rheumatischen Gelenken
Für Menschen mit rheumatischen Gelenkbeschwerden ist eine antientzündliche Kost günstig. Dabei ist vor allem die Zufuhr von Arachidonsäure einzuschränken. Sie wird im Körper zu entzündungsfördernden Eicosanoiden umgewandelt, die Schübe auslösen können. Arachidonsäure ist vor allem in tierischen Produkten wie rotem Fleisch, Wurst und fettreichen Milchprodukten vorhanden, diese sollten deshalb in Maßen verzehrt werden. Günstig sind dagegen Lebensmittel mit reichlich Omega-3-Fettsäuren, denn die Fettsäuren vermindern den Abbau der Arachidonsäure zu den entzündungsfördernden Eicosanoiden.
Auch Antioxidanzien wie Vitamin C und E sowie Polyphenole und Carotinoide helfen gegen Entzündungen. Sie fangen freie Radikale ab und reduzieren damit den entzündlichen Kreislauf. Gute Quellen für Antioxidanzien sind Paprika, Johannisbeeren, Brokkoli, Nüsse, Oliven- und Rapsöl, Grünkohl, Knoblauch und Karotten. Die DGE empfiehlt eine Aufnahme von 95 bis 110 mg Vitamin C und 12 bis 15 mg Vitamin E. 3 bis 4 Esslöffel Beeren und eine Handvoll Nüsse decken diesen Bedarf in etwa ab.
Hinweis: Häufig wird eine Übersäuerung des Körpers als schädigend für Knochen und Gelenke genannt. Für diese Theorie gibt es allerdings keinen wissenschaftlichen Nachweis, entsprechende basische Produkte oder Diäten werden deshalb nicht empfohlen.

