Gesundheit heute
Unterarmbruch
Unterarmbruch: Isolierter Bruch von einem der beiden Unterarmknochen – als Ellenbruch (Ulnafraktur) oder Speichenbruch (Radiusfraktur) – oder beider Unterarmknochen zugleich als kompletter Unterarmbruch. Am häufigsten ist die Speiche betroffen, etwas seltener beide Unterarmknochen, in Ausnahmefällen nur die Elle. Die Ursache ist meist ein Sturz auf den ausgestreckten Arm. Brüche im Schaftbereich des Unterarms werden bei Erwachsenen fast immer operiert, Brüche am Handgelenk dagegen nur bei stärkerer Verschiebung der Bruchstücke. Wenn keine nennenswerte Fehlstellung verbleibt, heilen Unterarmbrüche in der Regel ohne bleibende Beschwerden oder Funktionseinbußen.
Symptome und Leitbeschwerden
- Starke, bewegungsabhängige Schmerzen in Unterarm und/oder Handgelenk mit schmerzhafter Bewegungseinschränkung
- Zunehmende Schwellung an Unterarm oder Handgelenk
- Häufig sichtbare Fehlstellung (Abknickung des Unterarms in Gabelstellung oder Bajonettstellung des Handgelenks).
Wann zum Arzt
Noch am selben Tag, wenn
- nach einem Sturz die oben genannten Beschwerden auftreten.
Die Erkrankung
Der Unterarm besteht aus zwei langen Knochen, der Speiche (Radius) und der Elle (Ulna). Unterschieden wird bei Brüchen des Unterarms nicht nur, welcher der beiden Knochen betroffen ist. Entscheidend ist auch, in welcher Höhe der Bruch liegt.
Am häufigsten bricht die Speiche nahe am Handgelenk, wobei man auch oft von einem „gebrochenen Handgelenk“ spricht. Diese Bezeichnung ist jedoch nicht korrekt – gebrochen ist nicht das Gelenk, sondern das untere Ende der Speiche. Die „distale Radiusfraktur“ (wie der Bruch medizinisch korrekt heißt), ist nicht nur der häufigste Unterarmbruch, sondern beim Menschen der häufigste Knochenbruch überhaupt. Die weiteren, selteneren Unterarmbrüche liegen entweder ellenbogennah (proximale Brüche) oder in der Mitte des Knochens (medial).
Weitere Einteilungen
Brüche des Schafts von Elle oder Speiche lassen sich zudem nach der Bruchart einteilen. Einfache Brüche können schräg, spiralförmig oder quer verlaufen. Bei Keilfrakturen kann der Keil intakt oder in sich gebrochen sein. Mehrfragmentfrakturen haben entweder ein intaktes Zwischensegment (dann ist der Knochen in 3 Stücke gebrochen) oder ein frakturiertes Zwischensegment, d. h. mehrere Bruchstücke.
Ursachen
Typische Ursachen von Unterarmbrüchen sind – neben dem Sturz auf den ausgestreckten Arm – gewaltsame Verbiegungen, Stauchungen oder Verdrehungen des Unterarms bei Verkehrsunfällen. Seltener führt ein direkter Anprall zu der Verletzung, etwa bei der Abwehr eines Schlags (Parierfraktur).
Komplikationen
Am Unterarm verlaufen auf engem Raum Nerven und Gefäße, die bei Brüchen leicht verletzt werden können. Eine seltene, aber gefürchtete Komplikation bei allen Unterarm- und Handgelenkbrüchen ist außerdem das Komplexe regionale Schmerzsyndrom (CRPS, früher Sudeck-Erkrankung genannt). Dies ist eine neurologische Erkrankung, die im Anschluss an ein Trauma auftritt und mit Schmerzen, Muskelschwäche und Bewegungseinschränkungen einhergeht.
Sonderformen
Monteggia-Fraktur. Hier ist die Elle nahe am Ellenbogen gebrochen (proximale Ulnafraktur), gleichzeitig ist das Speichenköpfchen aus seiner Gelenkpfanne geglitten und die entsprechende Bandverbindung gerissen. Vor Versorgung des Ellenbruchs muss das Speichenköpfchen wieder eingerenkt werden.
Galeazzi-Fraktur. Dieser Bruch ist eine Kombination aus Speichenbruch, Ausrenkung der Elle aus dem handgelenksnahen Gelenk zwischen Elle und Speiche und dem Riss der Knochenhaut zwischen Speiche und Elle. Um die Stabilität des Unterarms wiederherzustellen, ist eine operative Versorgung und die Fixierung der Bruchteile mit Platten oder Schrauben erforderlich.
Grünholzbruch. Bei diesem Bruch handelt es sich um einen unvollständigen Bruch, bei dem die Knochenhaut nicht oder nur an einer sehr kleinen Stelle einreißt. Er kommt besonders oft am Unterarm vor, mehr dazu unter Grünholzbruch.
Diagnosesicherung
Körperliche Untersuchung. Den ersten Hinweis auf einen Unterarmbruch liefert der Ärzt*in die typische Schonhaltung, bei der die gesunde Hand den verletzten und schmerzenden Arm abstützt. Ein Druckschmerz an typischer Stelle des Unterarms bestätigt den Verdacht. Als sichere Knochenbruchzeichen gelten eine sichtbare Fehlstellung des Unterarms oder Handgelenks, knirschende Geräusche bei Bewegung des Arms sowie eine abnorme Beweglichkeit.
Hinweise auf ein drohendes CRPS sind die verhärtete Muskulatur am Unterarm und Schmerzen beim passiven Strecken der Finger. Um eine Verletzung von Nerven und Gefäßen nicht zu übersehen, prüft die Ärzt*in den DMS-Status, d. h. Durchblutung, Motorik und Sensibilität des betroffenen Arms.
- Eine Schädigung des Speichennervs (Nervus radialis) macht sich durch die sog. Fallhand bemerkbar. Dabei kann die Patient*in Hand und Finger nicht strecken, weshalb diese schlaff vom angehobenen Unterarm herabhängen.
- Ist der Ellennerv (Nervus ulnaris) geschädigt, kommt es zu Störungen der Handinnenmuskeln und zu Gefühlsstörungen an der Handaußenseite. Es resultiert die Krallenhand, bei der nicht die Fingergrundgelenke, wohl aber die Endgelenke gebeugt werden können.
- Ist der Mittelarmnerv (Nervus medianus) betroffen, droht die Lähmung von Ringfinger und kleinem Finger. Da diese dann nicht mehr ausgestreckt werden können, spricht man auch von einer "Schwurhand". Außerdem ist die Sensibilität von Daumen und Zeigefingerkuppe gestört.
- Ist die Armarterie (Arteria brachialis) in Mitleidenschaft gezogen, ist der Puls am Handgelenk abgeschwächt oder fehlt ganz.
Technische Untersuchungen. Röntgenaufnahmen sichern die Diagnose und helfen der Ärzt*in bei der Therapieentscheidung. Bei Verdacht auf eine Sudeck-Erkrankung veranlasst die Ärzt*in eine Kompartmentdruckmessung, bei Hinweisen auf Gefäßverletzung eine Angiografie, also die radiologische Untersuchung der Gefäße.
Differenzialdiagnosen. Schmerzen und Bewegungseinschränkungen des Arms finden sich auch bei anderen Bruchverletzungen (Ellenhakenbruch, Oberarmbruch) sowie bei Ellenbogenverrenkung und Chassaignac-Lähmung. Hinter Lähmungen und Sensibilitätsstörungen an der Hand können auch ein Supinatorlogen-Syndrom oder ein Ulnarisrinnen-Syndrom stecken.
Behandlung
Konservative Behandlung bei Erwachsenen
Bei Erwachsenen ist die konservative Behandlung von Unterarmbrüchen eher die Ausnahme. Denn durch die besondere Anatomie des Unterarms ist die Stellung der Knochen in der korrekten Achse wichtig. Schon kleine Abweichungen stören die wichtigen Umwendbewegungen des Unterarms. Zudem müsste der Unterarm für eine Heilung sehr lange ruhiggestellt werden. Dadurch schrumpfen Bandstrukturen und Muskeln, die Beweglichkeit ist gefährdet. Eine konservative Behandlung kommt deshalb nur in folgenden Situationen infrage:
- Kontraindikation gegen die operative Behandlung, z. B. Patient*innen mit stark erhöhtem Operationsrisiko
- Inkomplette Brüche
- Einfache, nicht verschobene Brüche nur eines der beiden Unterarmknochen.
Brüche im Schaftbereich. Hier richtet die Ärzt*in den Bruch zunächst ein und stellt den Arm dann in einer Oberarmgipsschiene, später im geschlossenen Oberarmgips für 4- bis 10 Wochen ruhig. Mit regelmäßigen Röntgenaufnahmen kontrolliert sie die Ausheilung und passt die Dauer der Ruhigstellung gegebenenfalls an.
Brüche in Nähe des Handgelenks. Bei nicht oder kaum verschobenen Brüchen richtet die Ärzt*in zunächst den Bruch in örtlicher Betäubung oder einer kurzen Narkose ein. Anschließend legt sie, je nach Lage des Bruchs, eine Ober- oder Unterarmschiene aus Gips an. Wenn die Weichteile nach einigen Tagen abgeschwollen sind, ersetzt sie die offene Schiene durch einen rundum geschlossenen Gipsverband, der weitere 4–6 Wochen verbleibt. Röntgenkontrollen helfen der Ärzt*in gegebenenfalls, den Heilungsfortschritt zu überwachen. Verrutschen die Bruchstücke trotz Gipsruhigstellung, ist eine Operation nötig.
Operative Behandlung bei Erwachsenen
Offene oder verschobene Brüche, komplette Unterarmbrüche und Brüche mit begleitenden Gefäßverletzungen versorgen die Ärzt*innen bei Erwachsenen in der Regel operativ. Dazu wird die Patient*in stationär aufgenommen. Operiert wird möglichst innerhalb von 6 bis 8 Stunden nach der Verletzung, bei offenen oder Gefäß- und Nervenverletzungen auch notfallmäßig sofort.
Brüche im Bereich des Schafts fixieren die Operateur*innen fast immer mit einer Platte und Schrauben aus Titan. Nach der Operation erübrigt sich eine Ruhigstellung im Gips. Häufig wird der Arm jedoch für ein bis zwei Tage in einer Oberarmschiene gelagert, um die Abheilung zu fördern und die Schmerzen zu reduzieren. Wenn die eingebrachten Metallteile keine Beschwerden verursachen, bleiben sie im Knochen. Ansonsten werden sie 1,5–2 Jahre nach der Operation entfernt.
Brüche in Nähe des Handgelenks stabilisiert die Ärzt*in operativ, wenn die Bruchstücke verschoben sind. Das gilt insbesondere dann, wenn die Gelenkfläche mitbetroffen ist. Zur operativen Stabilisierung verwendet die Chirurg*in je nach Bruchform Drähte, Schrauben und Metallplatten, bei Weichteilverletzungen oder ausgeprägter Knochenzertrümmerung auch einen äußeren Spanner. Auf eine zusätzliche Gipsruhigstellung wird meist verzichtet. Drähte und Spanner entfernt die Ärzt*in bereits nach 4–6 Wochen, Schrauben und Platten meist erst nach 6–12 Monaten.
Nach der Operation
Schon in den ersten Tagen beginnt die passive Bewegungstherapie, nach etwa 2 bis 3 Wochen kommen aktive Übungen und muskelaufbauendes Training hinzu. 12 Wochen nach der Operation kontrolliert die Ärzt*in mittels Röntgenbild die Heilung des Knochens. Ist alles in Ordnung, darf die Patient*in den Arm wieder vorsichtig belasten und mit Rehasport beginnen. Nach 4 Monaten ist auch das Heben schwerer Lasten wieder erlaubt, nach etwa 6 Monaten anstrengender Sport.
Behandlung bei Kindern
Generell wird bei kindlichen Knochenbrüchen eine mäßige Abknickung oder Verschiebung eher toleriert als bei Erwachsenen, da sich eine Fehlstellung durch das weitere Knochenwachstum meist wieder ausgleicht. Einheitliche Empfehlungen, welche Achsenabweichung unproblematisch ist, gibt es allerdings nicht – die Entscheidung, ob und wie ein möglicher Achsenfehler zu korrigieren ist, wird daher individuell getroffen. Bei Achsenfehlern > 15° ist jedoch mit Bewegungseinschränkungen bei den Umwendbewegungen des Arms zu rechnen.
Konservative Behandlung. Für eine konservative Behandlung eignen sich folgende Unterarmbrüche:
- Stabile, inkomplette, unverschobene und achsengerecht stehende Brüche
- Achsengerecht stehender Grünholzbruch
- Instabile, aber achsengerecht stehende, nicht verschobene isolierte Speichen- oder Ellenbrüche (nur unter engmaschiger Röntgenkontrolle).
Der Arm wird dabei etwa 3 bis 4 Wochen im Gips ruhiggestellt. Zu Beginn, nach etwa 10 Tagen und nach der Gipsabnahme kontrolliert die Ärzt*in die richtige Stellung der Knochen und die knöcherne Ausheilung mithilfe von Röntgenaufnahmen.
Nach Abnahme des Gipses mobilisiert das Kind sich von alleine, eine Physiotherapie ist nicht erforderlich. Ist bei einer weiteren klinischen Kontrolle 2 bis 4 Wochen nach Gipsabnahme alles in Ordnung, darf das Kind wieder Sport treiben.
Operative Behandlung. Zur Operation raten die Ärzt*innen bei folgenden Unterarmbrüchen:
- Instabile Brüche
- Grünholzbruch beider Knochen
- Kombination einer kompletten Schaftfraktur des einen und Grünholzfraktur des anderen Unterarmknochens
- Monteggia-Fraktur, Galeazzi-Fraktur.
Wenn möglich, renken die Ärzt*innen den Bruch unter Röntgenkontrolle ein. Dann eröffnen sie den Bereich über dem Bruch und fixieren die Knochenbruchstücke. Je nach Verletzungsform bieten sich zwei Techniken an: Brüche im Schaftbereich stabilisiert die Chirurg*in meist mit einem elastischen Nagel, den sie in die Markhöhle einbringt. Bei Brüchen in Gelenknähe verwendet sie dagegen dünne, den Knochen kreuzende Drähte.
Nach der Operation muss der Arm nicht ruhiggestellt werden. Bei starken Schmerzen ist jedoch für einige Tage eine Armschlinge oder eine Schiene erlaubt. Eine Physiotherapie ist meist nicht erforderlich. 4 Wochen nach der Operation kontrolliert die Ärzt*in die knöcherne Heilung mittels Röntgenaufnahmen. Ist alles in Ordnung, ist Sport wieder erlaubt. Frühestens 3 Monate nach der Operation wird das Metall entfernt. Zur Sicherheit kontrolliert die Ärzt*in vorher, ob der Bruch vollständig verknöchert und der Knochen wieder stabil ist.
Prognose
Einfache Unterarmbrüche heilen meist folgenlos innerhalb von 6 bis 8 Wochen aus. Bei Achsenfehlstellungen > 15° drohen Bewegungseinschränkungen bei den Umwendbewegungen des Unterarms.
Ihre Apotheke empfiehlt
Was Sie selbst tun können
Eine sofortige Kühlung mit Eisbeuteln oder Kühlpacks lindert die Schmerzen und verringert die Schwellung. Beim Transport zur Ärzt*in schmerzt der verletzte Arm oft weniger, wenn er angewinkelt und mit einem Tuch oder Kleidungsstück vor der Brust gehalten wird.
Hinweis: Bei Verletzungen von Arm oder Hand drohen immer Schwellungen, weshalb Ringe oder anderer Schmuck frühzeitig abgelegt werden sollten.
Komplementärmedizin
Zur Linderung der Schmerzen sowie zur Unterstützung des Heilungsprozesses kommen bei Handgelenk- und Unterarmbrüchen als komplementärmedizinische Maßnahmen v. a. Magnettherapie, Homöopathie und Akupunktur in Betracht.
Auch Tofu und Brokkoli gehören zu den Lebensmitteln, die wichtige Nährstoffen für den Knochen bereithalten.
So hält man Osteoporose fern
Knochenfreundlich ernähren
Osteoporose gehört zu den Volkskrankheiten. Doch wer sich gesund ernährt und eventuelle Mängel ausgleicht, kann die Knochen schützen. Dabei müssen nicht nur die nötigen Nährstoffe und Mineralien zugeführt werden. Vor allem in puncto Kalzium gilt es, auch die in vielen Produkten enthaltenen Kalziumräuber zu beachten.
Knochen lebenslang im Umbau
Knochen ist kein totes Gewebe: Im Gegenteil, er wird das ganze Leben lang umgebaut. Dieser Prozess dient dazu, kleine Schäden im Knochen zu reparieren oder den Knochen auf verstärkte Belastungen anzupassen. Insgesamt überwiegt bis zum 30. Lebensjahr der Aufbau. Danach befindet sich der Knochen etwa zehn Jahre lang im Gleichgewicht, und ab Mitte 40 nimmt der Knochenabbau allmählich zu. Für seine Stoffwechsel benötigt der Knochen einiges an Mineralien, Vitaminen und Nährstoffen. Werden diese nicht ausreichend zugeführt, leidet die Knochenqualität und es droht Knochenschwund (Osteoporose). Eine knochenfreundliche Ernährung kann vor dieser folgenschweren Erkrankung schützen. Und wer gleichzeitig etwas für seinen Knorpel und gegen Entzündungen tut, beugt auch gegen Arthrose vor.
Hinweis: Knochengewebe ist sehr fleißig: Innerhalb von etwa 8–10 Jahren hat sich das gesamte Skelett einmal „komplett“ ausgetauscht, weil alter Knochen abgebaut und durch neuen ersetzt wird.
Kalziumhaushalt bildet die Basis
Der wichtigste Grundstoff für den Knochen ist Kalzium. Es wirkt wie Zement im Mauerwerk und sorgt dadurch dafür, dass der Knochen fest, stabil und belastbar ist. 99% des Kalziums stecken in den Knochen und den Zähnen, wobei der Knochen auch als Kalziumvorrat dient. Denn das wertvolle Mineral wird auch außerhalb des Knochens gebraucht, z. B. bei der Muskelkontraktion, bei der Weiterleitung von Nervenreizen und bei der Blutgerinnung. Ist der Kalziumgehalt im Blut zu niedrig, kann es der Körper aus dem Knochen freisetzen – wobei die Kalziumvorräte aber unverzüglich wieder aufgefüllt werden müssen, damit der Knochen nicht leidet.
Kalzium wird im Darm aus der Nahrung aufgenommen, Allerdings schwankt die Aufnahme mit 20 bis 60% der zugeführten Kalziummenge stark. Um ausreichend viel Kalzium aufzunehmen, empfehlen Expert*innen die tägliche Zufuhr von mindestens 1000 mg. Damit sieht es allerdings mau aus in Deutschland: nur etwa die Hälfte der Erwachsenen erreicht diese Menge. Gedeckt wird der Bedarf von 1000 mg zum Beispiel durch
- 125 mg Edamer
- 2,9 l Gerolsteiner Mineralwasser,
- 0,8 l Milch,
- 830 g Joghurt oder
- 540 g Tofu.
Obst und Gemüse enthalten ebenfalls Kalzium. Um auf 1000 mg täglich zu kommen, müssen allerdings auch hier sehr große Mengen von 470 g Grünkohl, 2,6 kg Kiwi oder 15 kg Bananen verzehrt werden. Auch Haferdrinks als Milchersatz sind oft mit Calcium angereichert und enthalten dann so viel Calcium wie Kuhmilch.
Hinweis: Die Aufnahme des Kalziums hängt nicht nur von der angebotenen Menge ab, sondern auch von Vitamin D. Bei starkem Vitamin-D-Mangel sinkt die Kalziumaufnahme im Darm unter 10%.
Kalziumräuber am Werk!
Eine knochenfreundliche Ernährung benötigt allerdings nicht nur ausreichend Kalzium. Es muss auch auf die Kalziumräuber in der Nahrung geachtet werden. Dies sind Lebensmittel, die bei übermäßigem Verzehr dazu führen können, dass dem Körper das angebotene Kalzium nicht ausreichend zur Verfügung steht.
- Phosphat. Die wichtigste Rolle spielt dabei Phosphat. Zwar fördert Phosphat gemeinsam mit Kalzium die Knochenstabilität. Wird es allerdings im Übermaß aufgenommen, behindert es die Kalziumresorption im Darm und fördert somit den Knochenabbau. Phosphat muss also keinesfalls gemieden, sondern nur ein Überschuss verhindert werden. Das gelingt, in dem man besonders phosphathaltige Lebensmittel wie Fleisch, Wurst und Cola sowie stark verarbeitete Produkte nur in Maßen konsumiert.
- Oxalsäure und Phytinsäure. Auch Oxalsäure kann Kalzium im Darm abfangen und auf diese Weise die Aufnahme ins Blut verhindern. Empfohlen wird deshalb, oxalreiche Nahrungsmittel wie Spinat, Rhabarber, Kakao, Schokolade und Mangold nicht in übergroßen Mengen zu verzehren. Gleiches gilt für die Phytinsäure, die ebenfalls das Kalzium im Darm bindet. Besonders reich an Phytin sind Sojabohnen, Erdnüsse sowie Müsli aus frischem Getreide sowie Vollkornbreie.
- Alkohol, Kaffee und schwarzer Tee. Koffein im Übermaß kann dem Knochen auf zwei Arten schaden: Es hemmt die Kalziumaufnahme aus dem Darm und fördert die Kalziumausscheidung über die Niere. Alkohol hemmt die Kalziumaufnahme und schadet der Leber, wodurch der dort stattfindende Vitamin-Stoffwechsel gestört wird.
Hinweis: Kochsalz fördert die Osteoporose, indem es die Kalziumausscheidung über die Niere ankurbelt. Es ist ratsam, sparsam zu salzen und statt auf Kochsalz auf Gewürze zu setzen. Das tut nicht nur dem Knochen gut, sondern auch dem Blutdruck.
Unabdingbar: Vitamin D
Ohne die ausreichende Zufuhr von Vitamin D kann der Knochen das mit der Nahrung aufgenommene Kalzium nicht richtig nutzen. Denn Vitamin D verbessert nicht nur die Aufnahme des Mineralstoffs über die Darmschleimhaut. Es fördert auch seinen Einbau in den Knochen und hemmt den Knochenabbau. 10 bis 20% des Vitamins wird über die Nahrung aufgenommen, 80 bis 90% unter Sonneneinstrahlung in der Haut gebildet. Von April bis September reicht für die Vitamin-D-Versorgung ein täglicher Aufenthalt von 30 Minuten im Freien, wobei Arme und Gesicht unbedeckt sein müssen.
Der Tagesbedarf an Vitamin D beträgt etwa 800 Internationale Einheiten (IE). Etwa 80% der Männer und 91% der Frauen erreichen diese Werte nicht. Auf einen Mangel weisen diffuse Knochen- und Muskelschmerzen hin. Bei Verdacht sollte die Ärzt*in die Blutspiegel messen und der Mangel ausgeglichen werden. Dafür sind häufig Vitamin-D-Tabletten nötig. Denn die Auswahl an Vitamin-D-reichen Lebensmitteln ist gering und nicht nach jedermanns Geschmack. Dazu zählen Lebertran, Seefisch (Hering, Makrele,Lachs), Leber und Eigelb. Bei Vitamin-D-Mangel werden zum Ausgleich meist Tagesdosen von 1000 IE Vitamin D empfohlen. Diese Menge steckt z. B. in
- 80 g Hering, 160 g Lachs oder 190 g Aal sowie in
- 670 g Kalbfleisch oder
- 830 g Steinpilzen.
Hinweis: Vitamin D darf nicht überdosiert werden. Wer mehr als 4000 IE pro Tag aufnimmt, drohen Nierensteine und Herzrhythmusstörungen. Im Zweifel sollte man seine Ärzt*in dazu befragen und evtl. die Blutspiegel des Vitamins messen lassen.
Ohne Eiweiß geht es nicht
Ein weiterer wichtiger Baustein in der knochenfreundlichen Ernährung ist Eiweiß. Eiweiß bildet das Kollagengerüst im Knochen, in das Kalzium und die anderen Mineralien eingelagert werden. Mangelt es an Eiweiß, wird der Knochenaufbau behindert und das Risiko für Osteoporose und Knochenbrüche steigt.
Pflanzliches Eiweiß scheint dabei etwas vorteilhafter zu sein als tierisches Eiweiß. Expert*innen empfehlen eine Kombination pflanzlicher und tierischer Eiweiße, bei Letzteren sind Milch, Eier und mageres Fleisch zu bevorzugen. Der Tagesbedarf für Männer und Frauen bis 65 Jahre beträgt 0,8g/kg Körpergewicht, der für Menschen über 65 Jahre 1,0 g/kgKG. Ein 70-jährigr Mensch mit einem Gewicht von 70 kg braucht also 70 g Eiweiß/Tag. Diese stecken zum Beispiel in
- 240 g Emmentaler oder 270 g Gouda,
- 270 g Erdnüssen
- 310 g Rindfleisch, 310 g Huhn oder 310 g Schweinefleisch
- 390 g Fisch
- 540 g Tofu oder
- 580 g Linsen.
Um den Eiweißbedarf von 70 g mit Getreide oder Kartoffeln zu decken, müsste man täglich 900 g Weizenbrot oder 3,5 kg Kartoffeln verzehren.
Hinweis: Wer eine eingeschränkte Nierenfunktion hat, muss etwas vorsichtig mit Eiweiß sein. Eine überhöhte Zufuhr belastet die Nieren, weil dadurch mehr Harnstoff und Säure entsteht. Menschen mit Nierenproblemen sollten bezüglich der Eiweißzufuhr immer Rücksprache mit ihrer Ärzt*in halten.
Vitamine, Magnesium und Spurenelemente
Für den gesunden Knochen sind viele weitere Nährstoffe erforderlich.
- Magnesium. Davon sollen etwa 300 bis 350 mg aufgenommen werden. Es steckt insbesondere in Mineralwässern, aber auch in Vollkornprodukten und Naturreis. Etwa ein Viertel der Erwachsenen in Deutschland erreicht die empfohlene tägliche Zufuhr nicht. Reicht eine Nahrungsumstellung nicht aus, können Supplemente zugeführt werden. 250 mg Magnesium stecken z. B. in 3,2 l Gerolsteiner Mineralwasser, 220 g Erdnüssen, 270 g Haferflocken und 320 g Naturreis.
- Vitamin K. Vitamin K fördert den Einbau von Kalzium in den Knochen, es gibt auch Hinweise, dass es die Kalziumausscheidung über die Niere hemmt. In Deutschland wird für Männer und Frauen über 51 Jahren eine tägliche Zufuhr von 65 Mikrogramm bzw. 80 Mikrogramm empfohlen. Vitamin K ist hitzestabil, wodurch beim Kochen kaum Verluste auftreten. 80 Mikrogramm Vitamin K sind enthalten in 12 g Grünkohl, 25 g Spinat, 200 g Spargel oder 320 g Rotkraut.
- Vitamin C. Vitamin C stimuliert die knochenbildenden Zellen, das für das Knochengerüst nötige Kollagen zu bilden. Etwa ein Drittel der Erwachsenen unterschreitet die erforderliche tägliche Zufuhr (95 mg für Frauen, 110 mg für Männer). Rauchen gilt als Vitamin-C-Killer, weshalb Rauchende einen höheren Bedarf haben (135 bzw. 155 mg). 110 mg Vitamin C finden sich in 70 g Petersilie, 100 g Paprika, 220 g Spinat, 250 g Kiwi oder 9 g Hagebutte. Wer den Bedarf mit Äpfeln oder Birnen decken möchte, muss davon täglich 920 g bzw. 2,4 kg zu sich nehmen.
- Zink. Zink fördert die Bildung des Knochengerüsts und trägt damit zum Knochenaufbau bei. Bei Mangelernährung und veganer Ernährung kann es zu Zinkmangel kommen. Etwa 30% der Männer und 20% der Frauen erreichen die erforderliche Tageszufuhr von 11-16 mg (Männer) und 7-10 mg (Frauen) nicht. Ein hoher Konsum von Vollkornprodukten oder unfermentierten Hülsenfrüchten kann zudem die Zinkaufnahme stören. 10 mg Zink sind enthalten in 45 g Austern, 200 g Rinderleber, 200 g Edamer, 280 g Rindfleisch und 300 g Erdnüssen.
Hinweis: Vitamin K hebt die gerinnungshemmende Wirkung von Marcumar auf. Bei Einnahme dieses Blutverdünners sollte man mit Vitamin-K-reichen Produkten vorsichtig sein und im Zweifel die Ärzt*in dazu befragen.
Was gibt es gegen Arthrose?
Mit einer guten Ernährung lässt sich einiges für den Knochen tun. Davon profitieren auch die Gelenke. Speziell für die Gesundheit der Gelenke gibt es weniger Möglichkeiten. Die meisten Empfehlungen sind nicht ausreichend durch Studien belegt oder haben nur einen geringen Effekt.
- Omega-3-Fettsäuren. Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) wirken entzündungshemmend. Besonders reichlich sind sie in Lachs und Hering enthalten. Als wichtigste pflanzliche Quellen gelten Raps-, Walnuss- und Leinöl. Distel- und Sonnenblumenöl sind ungünstig, weil sie mehr entzündungsfördernde Omega-6-Fettsäuren enthalten.
- Selen. Ein zu niedriger Selen-Spiegel kann möglicherweise eine Arthrose begünstigen. Die Ergebnisse aus Studien sind hier aber teils sehr widersprüchlich. Deutsche Böden sind eher selenarm, weshalb die empfohlenen Tagesdosen häufig nicht erreicht werden. Diese beträgt für Männer 70 Mikrogramm/Tag, für Frauen 60 Mikrogramm.
- Chondroitin und Glukosamin. Diese Knorpelbaustoffe sollen den Knorpelstoffwechsel fördern und den Bedarf für Schmerzmittel bei Arthrose reduzieren. Die Datenlage dazu ist allerdings nicht klar und mögliche Effekte auf Schmerzen und Funktionalität sehr gering. Chondroitin wird aus Knorpelgewebe von Schweinen, Rindern, Walen und Haifischen gewonnen, die empfohlene Tagesdosis sind 800 bis 1200 mg. Glukosamin stammt aus Krabben und Garnelen, die übliche tägliche Dosierung beträgt 800 bis 1500 mg pro Tag.
Antientzündlich hilft rheumatischen Gelenken
Für Menschen mit rheumatischen Gelenkbeschwerden ist eine antientzündliche Kost günstig. Dabei ist vor allem die Zufuhr von Arachidonsäure einzuschränken. Sie wird im Körper zu entzündungsfördernden Eicosanoiden umgewandelt, die Schübe auslösen können. Arachidonsäure ist vor allem in tierischen Produkten wie rotem Fleisch, Wurst und fettreichen Milchprodukten vorhanden, diese sollten deshalb in Maßen verzehrt werden. Günstig sind dagegen Lebensmittel mit reichlich Omega-3-Fettsäuren, denn die Fettsäuren vermindern den Abbau der Arachidonsäure zu den entzündungsfördernden Eicosanoiden.
Auch Antioxidanzien wie Vitamin C und E sowie Polyphenole und Carotinoide helfen gegen Entzündungen. Sie fangen freie Radikale ab und reduzieren damit den entzündlichen Kreislauf. Gute Quellen für Antioxidanzien sind Paprika, Johannisbeeren, Brokkoli, Nüsse, Oliven- und Rapsöl, Grünkohl, Knoblauch und Karotten. Die DGE empfiehlt eine Aufnahme von 95 bis 110 mg Vitamin C und 12 bis 15 mg Vitamin E. 3 bis 4 Esslöffel Beeren und eine Handvoll Nüsse decken diesen Bedarf in etwa ab.
Hinweis: Häufig wird eine Übersäuerung des Körpers als schädigend für Knochen und Gelenke genannt. Für diese Theorie gibt es allerdings keinen wissenschaftlichen Nachweis, entsprechende basische Produkte oder Diäten werden deshalb nicht empfohlen.

