Gesundheit heute

Brüche des Oberarms

Oberarmschaftbruch (Humerusschaftfraktur): Bruch des Oberarmknochens im mittleren, röhrenförmigen Anteil, typischerweise infolge eines Sturzes oder durch direkte Krafteinwirkung auf den Oberarm bei Verkehrsunfällen. Begleitende Verletzungen des Speichennervs kommen vor und führen zu manchmal auch anhaltenden Gefühlsstörungen und Lähmungen an Unterarm und Hand.

Bruch des unteren Oberarmendes (distale Humerusfraktur, supracondyläre bzw. epicondyläre Humerusfraktur): Bruch des Oberarmknochens knapp oberhalb des Ellenbogengelenks, meist bei Sturz auf den Ellenbogen.

Einfache Oberarmbrüche, bei denen die Bruchteile nicht verschoben sind, behandelt der Arzt konservativ mit Ruhigstellung im Gips oder einem Oberarm-Brace. Verschobene Brüche oder solche mit Begleitverletzungen erfordern eine operative Versorgung, hier werden die Bruchteile mit Schrauben, Drähten und Platten wieder zusammengefügt und stabilisiert (Osteosynthese). Bei Trümmerbrüchen am Ellenbogengelenk empfiehlt der Arzt meist einen Gelenkersatz mit Endoprothese.

Hinweis: Brüche des Oberarmkopfs unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht von den anderen Oberarmbrüchen, sie werden deshalb separat im Artikel Oberarmkopfbruch behandelt.

Symptome und Leitbeschwerden

Nach Sturz oder Unfall:

  • Schwellung, starker Druckschmerz
  • Schmerzhafte Einschränkung der Beweglichkeit in Schulter- und Ellenbogengelenk
  • Manchmal Knickbildung und abnorme Beweglichkeit
  • Oft hörbares Knochenreiben bei Bewegungen (Krepitation)
  • Gefühlsstörungen an der Streckseite von Daumen und Zeigefinger
  • Schwäche bis Lähmung beim Versuch die Finger zu strecken (sogenannte Fallhand)
  • Der verletzte Arm wird mit dem gesunden am Brustkorb (fest-)gehalten.

Wann zum Arzt

Sofort, wenn

  • nach einem Sturz oder Unfall die oben genannten Beschwerden auftreten.

Erste Hilfe

Die schmerzende Stelle sofort mit Umschlägen, Eisbeuteln oder Kühlpacks zu kühlen bringt oft Schmerzerleichterung. Beim Transport zum Arzt ist es empfehlenswert, den verletzten Arm in angewinkelter Stellung vorsichtig mit einem Tuch oder Kleidungsstück am Körper zu fixieren.

Die Erkrankung

Oberarmbrüche entstehen meist im Rahmen von Stürzen oder Unfällen. Bei Stürzen auf den Ellbogen bricht der Knochen am unteren Ende des Oberarms. Prallt ein Radfahrer gegen eine sich öffnende Autotür, bricht dagegen eher der Oberarmschaft. Brechen kann der Oberarm durch ein Verdrehtrauma auch durch indirekte Kräfte wie etwa beim Armdrücken.

Einteilung der Oberarmbrüche

Eingeteilt werden Oberarmschaftbrüche in einfache Brüche (mit spiraligem, schrägen oder geradem Bruchspalt), Keilfrakturen (bei denen ein Keil aus dem Knochen gebrochen ist, der wiederum intakt, d. h. in einem Stück oder fragmentiert sein kann) und in Mehrfragmentfrakturen, bei denen der Oberarmknochen in mehrere Bruchteile gebrochen ist.

Untere Oberarmbrüche teilen die Ärzte danach ein, ob das Ellenbogengelenk mitbetroffen ist. Ist das Gelenk nicht betroffen, spricht man von einem extraartikulären Bruch. Ist das Gelenk betroffen, unterscheidet man zwischen einem vollständigen oder partiellen (teilweisen) Bruch. Eine andere Einteilung (nach Laer) beschreibt, ob die Bruchteile verschoben sind (Typ 1 = unverschoben bis Typ 4 = in 3 Ebenen verschoben).

Komplikationen

In 10–20 % der Fälle kommt es bei Oberarmbrüchen zu Schädigungen der großen Armnerven. Insbesondere der Speichennerv (N. radialis) wird bei Brüchen häufig überdehnt, eingeklemmt oder gar durch Bruchenden angespießt. Auch bei eventuell notwendigen Operationen ist der Nerv gefährdet. Oberarmbrüche knapp oberhalb des Ellenbogengelenks schädigen dagegen eher den Ellennerv (N. ulnaris).

Diagnosesicherung

Meist lassen bereits die klinischen Zeichen (sichere Zeichen eines Knochenbruchs) auf einen Oberarmbruch schließen; bei einem offensichtlichen Bruch verzichtet der Arzt auf unnötige Manipulationen am Arm.

Um eine Nerven- oder Gefäßverletzung nicht zu übersehen, prüft der Arzt allerdings immer den sogenannten DMS-Status, d. h. die Durchblutung, die Motorik und die Sensibilität des betroffenen Arms.

  • Bei einem Oberarmschaftbruch nimmt besonders oft der in der Nähe verlaufende Speichennerv (N. radialis) Schaden. Bemerkbar macht sich dies durch die sog. Fallhand, bei der der Patient den von diesem Nerv motorisch versorgten Handrücken und die ersten drei Finger (Daumen bis Mittelfinger) nicht strecken kann, weshalb Hand und Finger schlaff vom angehobenen Unterarm herabhängen.
  • Bei Brüchen am Ellbogengelenk sind zwei weitere Nerven in Gefahr. Bei Schädigung des Ellennervs (N. ulnaris) kommt es zu Störungen der Handinnenmuskeln und zu Gefühlsstörungen an der Handaußenseite. Ist der N. medianus betroffen, droht die Lähmung von Ringfinger und kleinem Finger. Da diese dann nicht mehr ausgestreckt werden können, spricht man auch von einer "Schwurhand". Außerdem ist die Sensibilität von Daumen und Zeigefingerkuppe gestört.
  • Ob die Armarterie (A. brachialis) in Mitleidenschaft gezogen wurde, erkennt der Arzt beim Tasten des Pulses an der A. radialis und der A. ulnaris am Handgelenk.

Sicher diagnostiziert wird der Oberarmbruch mit einer Röntgenaufnahme, meist in 2 Ebenen (von vorn und von der Seite, manchmal auch zusätzlich schräg von der Seite). Zur besseren Therapieplanung veranlasst der Arzt bei einem unteren Oberarmbruch meist ein CT oder – vor allem bei Kindern – ein MRT.

Bei Verdacht auf Begleitverletzungen sind verschiedene zusätzliche Untersuchungen erforderlich. Nervenverletzungen klärt der Arzt mittels EMG (Elektromyografie) und/oder ENG (Elektroneurografie) ab, bei Verdacht auf eine Gefäßschädigung kommt die Doppler-Sonografie oder eine Angiografie (das ist die Röntgenuntersuchung bestimmter Gefäße mithilfe von injiziertem Röntgenkontrastmittel) zum Einsatz. Weichteilverletzungen wie z. B. ein Riss der Rotatorenmanschette lassen sich wiederum gut durch eine Ultraschalluntersuchung des Schultergelenks erkennen.

Differenzialdiagnosen. Ähnliche Beschwerden werden z. B. verursacht durch eine Prellung des Oberarms oder des Ellbogengelenks, Schultergelenkverrenkung, Ellenbogengelenkverrenkung, Speichenköpfchenbruch oder Ellenhakenbruch.

Behandlung

Oberarmbrüche bei Erwachsenen

Oberarmschaftbruch. Prinzipiell lassen sich Oberarmschaftbrüche konservativ mit Ruhigstellung oder operativ behandeln. Welcher Methode der Vorzug gegeben wird, hängt von der Art der Verletzung, vom Zustand und Alter des Patienten und von dessen funktionellen Ansprüchen ab. Generell werden z. B. ältere Patienten mit unverschobenen Brüchen eher konservativ behandelt, etwa mit einem Oberarm-Brace (Oberarmhülse).

  • Konservative Behandlung. Zunächst wird der Arm etwa 7 bis 10 Tage lang in einer Schulter-Arm-Bandage oder einer Oberarmgipsschiene ruhiggestellt, damit er abschwillt und die Schmerzen nachlassen. Da Oberarmbrüche sehr schmerzhaft sind, verordnet der Arzt Schmerzmittel wie Ibuprofen (z. B. Dolgit® oder Ibuprofen AbZ), Paracetamol (z. B. ben-u-ron® oder Paracetamol-ratiopharm®) oder Metamizol (z. B. Novalgin®). Zur weiteren Ruhigstellung bekommt der Patient anschließend für 4 bis 6 Wochen (in Ausnahmefällen auch länger) einen sog. Oberarm-Brace. Dieser lässt Schulter und Ellenbogengelenk frei und darf einmal täglich kurz zur Körperpflege abgenommen werden. Mithilfe von Krankengymnastik bleiben Ellbogengelenk und Schultergelenk beweglich, zunächst mit passiven, später mit aktiven Bewegungsübungen.
  • Operative Behandlung. Bei verschobenen Brüchen erfolgt die Behandlung fast immer operativ mit osteosynthetischen Verfahren. Eine eindeutige Operationsindikation besteht auch bei begleitenden Gefäß- oder Nervenverletzungen und offenen Brüchen. Der Arzt richtet den Bruch ein und stabilisiert ihn anschließend mit Platten, Kirschner-Drähten und Schrauben oder einem Nagel, den er in die Markhöhle des Knochens einführt (Marknagel). Schwere Weichteilverletzungen erfordern gelegentlich die Anlage eines äußeren Spanners (Fixateur externe). Ziel ist eine übungsstabile Versorgung, das heißt, dass der der Bruch so gut stabilisiert wird, dass der Patient ohne weitere Ruhigstellung frühzeitig mit Bewegungsübungen beginnen kann.

Bruch des unteren Oberarmendes. In der Regel empfehlen die Ärzte hier die operative Versorgung, da durch die starke Hebelwirkung am Ellenbogengelenk Fehlstellungen drohen. In Frage kommen, wie bei den anderen Oberarmbrüchen, osteosynthetische Verfahren, bei denen der Knochen mit Kirschner-Drähten, Schrauben oder Platten stabilisiert wird. Bei älteren Patienten mit Trümmerbrüchen rät der Arzt manchmal auch zum Einpflanzen einer Endoprothese.

Nach der Operation. Im Anschluss an eine Operation verordnet der Arzt Bewegungsübungen. Frühestens ein halbes Jahr später ist es möglich, das implantierte Material in einem kleinen Eingriff zu entfernen. Platten und Schrauben im mittleren Oberarmdrittel verbleiben meist im Körper, da eine Entfernung die benachbarten Nerven gefährdet.

Oberarmbrüche im Kindesalter

Oberarmschaftbruch. Bei Kindern werden unverschobene Brüche konservativ behandelt, in der Regel ist eine vier- bis sechswöchige Ruhigstellung notwendig. Stärker verschobene Brüche erfordern dagegen eine Operation, wobei im Kindesalter oft elastische Marknägel zum Einsatz kommen. Bei kleineren Kindern unter zehn Jahren lassen sich allerdings auch Brüche mit größeren Verschiebungen oder Achsenknicken bis zu 20° konservativ behandeln, wenn es die Schmerzintensität erlaubt. Fehlstellungen gleichen sich in diesem Alter noch mit dem späteren Knochenwachstum aus.

Brüche des unteren Oberarmendes. Die bei Kindern häufigeren Brüche des unteren Oberarmendes werden – sofern sie unverschoben sind – meist vier Wochen lang ruhiggestellt, in der Regel durch einen Oberarmgips oder eine Schlinge, die das Handgelenk am Hals fixiert (Blount-Schlinge). Verschobene Brüche und Verletzungen der Wachstumsfuge verlangen dagegen eine operative Versorgung mit Drähten, elastischen Nägeln oder äußeren Spannern.

Behandlungskomplikationen

Bei der operativen Versorgung von Oberarmbrüchen drohen Schäden an Gefäßen oder Nerven, die in der Nähe des Eingriffs verlaufen, sowie Infektionen und Schäden an der Muskulatur. Falschgelenke (sogenannte Pseudarthrosen) können sich durch mangelhafte Heilung sowohl bei der konservativen, seltener bei der operativen Behandlung ausbilden. Bei Brüchen des unteren Oberarms droht vor allem unter konservativer Therapie die Versteifung des Ellenbogengelenks.

Prognose

Die konservative Behandlung des Oberarmschaftbruchs hat eine Heilungsrate von > 70 %. Bei etwa 15 % der Patienten kommt es zu geringen Fehlstellungen, in manchen Fällen zu einem Falschgelenk (Pseudarthrose).

Brüche des unteren Oberarms heilen bei Kindern meist gut. Bei Erwachsenen kommt es vor allem bei konservativer Therapie häufiger zu bleibenden Bewegungseinschränkungen, weil die Knochen nicht immer fehlerfrei zusammenwachsen.

Ihr Apotheker empfiehlt

Was Sie selbst tun können

Oberarm-Brace. Bei der konservativen Therapie eines Oberarmschaftbruchs kommt in der Regel ein Oberarm-Brace zum Einsatz. Damit die Heilung reibungslos verläuft, müssen Sie sich an einige Regeln halten:

  • Stützen Sie sich keinesfalls auf den Ellenbogen.
  • Solange der Bruch nicht klinisch verheilt ist, müssen Sie auch Ihre Schulter ruhig halten. Ihr Arzt gibt Ihnen das Go für mehr Bewegung.
  • Tragen Sie den Oberarm-Brace rund um die Uhr und legen Sie ihn nur zur Körperpflege ab. Beachten Sie unbedingt, dass dabei der betroffene Arm passiv herabhängen soll.

Reha wahrnehmen. Vor allem nach Operationen ist es sinnvoll, Reha-Angebote wahrzunehmen. So lässt sich sicherstellen, dass keine größeren Einschränkungen zurückbleiben und das Gelenk nicht versteift. Auch Maßnahmen wie Bewegungsbäder helfen, die Beweglichkeit zu erhalten. Keinesfalls sollten Sie ohne Anleitung üben, weil Sie sonst riskieren, Ihren Arm zu früh zu belasten.

Von: Dr. med. Michael Bedall in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung: Dr. med. Sonja Kempinski
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Gel und Pflaster gegen Rückenschmerz

Wärmepflaster lindern Rückenschmerzen und lassen sich gut in den Alltag integrieren.

Gel und Pflaster gegen Rückenschmerz

Schmieren statt schlucken

Rückenschmerzen sind eine echte Volkskrankheit: Über 60 Prozent der Deutschen haben im Alltag damit zu kämpfen. Wer keine Tabletten einnehmen möchte, bekommt die Beschwerden oft mit Schmerzgelen und Wärmepflastern in den Griff. Lesen Sie, wie man diese anwendet und was man sonst noch gegen Rückenschmerzen tun kann.

Zivilisation nagt am Rücken

Die moderne Lebensweise tut dem Rücken nicht gut. Die meisten Menschen bewegen sich zu wenig, sitzen zuviel und leiden unter Stress. Übergewicht und Haltungsfehler kommen dazu, manchmal auch falsches Heben oder Tragen. Aber auch Überlastungen durch ungewohnte Kraftanstrengungen können zu Rückenschmerzen führen – z. B., wenn man die Wohnung neu tapeziert oder den gesamten Holzvorrat für ein Jahr hackt.

In den allermeisten Fällen handelt es sich dann um die sogenannten „unspezifischen Rückenschmerzen“. Das bedeutet, dass sich nicht genau sagen lässt, welche Struktur hinter den Beschwerden steckt. Seltener sind spezifische Rückenschmerzen. Sie entstehen durch eindeutig diagnostizierbare Ursachen wie Knochenbrüche nach Stürzen, Bandscheibenvorfälle, Tumoren, rheumatische Erkrankungen oder Osteoporose.

Auch Erkrankungen der inneren Organe können sich durch Schmerzen im Rücken bemerkbar machen. Dies ist besonders oft bei Eierstock- oder Nierenentzündungen der Fall.

Hinweis: Treten zusätzlich zum Rückenschmerz Lähmungen, Probleme beim Wasserlassen oder Taubheitsgefühle auf, ist unbedingt eine Arztpraxis aufzusuchen. Das Gleiche gilt, wenn Fieber oder Gewichtsverlust dazukommen oder die Beschwerden nach drei bis fünf Tagen nicht nachgelassen haben.

Was hilft im akuten Fall?

Früher wurde bei akutem unspezifischem Rückenschmerz Schonung und Bettruhe empfohlen. Heute hingegen raten Ärzt*innen zu sanften Bewegungen, um den Rücken wieder fit zu bekommen. Dazu gehören beispielsweise Spazierengehen oder auch Tai-Chi. Manchmal ist das allerdings nur möglich, wenn der akute Schmerz parallel therapiert wird. Hier kommen Wärme und rezeptfreie Schmerzmittel ins Spiel.

Schmerzhafte Muskelverspannungen lassen sich gut durch Wärme lockern. In Frage kommen viele unterschiedlichen Wärmequellen. Wer möchte, kann ein elektrisches Wärmekissen, eine Heizdecke oder ein aufgewärmtes Körnerkissen verwenden. Auch Wärmebäder eignen sich gut. Besonders praktisch sind jedoch Wärmepflaster oder -salben aus der Apotheke. Sie haben den Vorteil, dass man sie auch während der alltäglichen Verrichtungen tragen kann – und somit mobil bleibt. Ihre Wirkstoffe fördern die Durchblutung, teilweise unterdrücken sie auch die Schmerzimpulse. Bei der Anwendung ist auf Folgendes zu achten:

  • Pflaster dürfen nur auf trockene, intakte Haut geklebt werden.
  • Nach Berühren des Pflasters unbedingt die Hände gut waschen, damit der Wirkstoff nicht in die Augen oder an die Schleimhäute gerät. Das gilt auch bei Cremes oder Balsam.
  • Keine anderen Cremes oder Gele auf die gleiche Hautstelle schmieren, damit die Aufnahme der Wirkstoffe nicht behindert wird.
  • Keine zusätzliche Wärme (zum Beispiel Heizkissen) anwenden, weil sonst die Durchblutung zu stark angeregt wird.

Ein beliebter schmerzlindernder Wirkstoff ist Capsaicin aus dem Cayennepfeffer. Capsaicin nützt doppelt: Zum einen fördert es die Durchblutung, zum anderen übererregt es die Schmerzrezeptoren. Das macht die Schmerzzellen im Rückenmark vorübergehend unempfindlich, was die Weiterleitung von Schmerzimpulsen an das Gehirn unterdrückt. Capsaicincreme darf dreimal täglich aufgetragen werden und das Pflaster bis zu zwölf Stunden auf der Haut verbleiben. Mögliche Nebenwirkungen sind Quaddeln, Juckreiz oder Bläschen.

Hautverträglicher als Capsaicin sind Umschläge mit Wärmezellen, die Eisenpulver enthalten. Die wohltuende Wärme entsteht dadurch, dass das Eisenpulver mit Luftsauerstoff oxidiert. Deshalb darf die luftdichte Verpackung auch erst unmittelbar vor dem Aufkleben geöffnet werden.

Manchen Patient*innen hilft bei Schmerzen auch Beinwellwurzel-Fluidextrakt. Er enthält Allantoin, Schleimpolysaccharide und Gerbstoffe und ist für die Behandlung von Muskelschmerzen zugelassen. Auch ätherische Öle sollen gegen Rückenschmerzen helfen. Expert*innen zufolge ist ein eventueller Effekt jedoch eher auf die einreibende Massage als auf die Inhaltsstoffe zurückzuführen.

Hinweis: Vorsicht bei der Verwendung von Heizdecken und Heizkissen. Um die Brandgefahr zu mindern, sollten diese immer eine Abschaltautomatik besitzen.

Schmerzmittel zum Schmieren

Schmerzmittel gibt es nicht nur als Tabletten zum Schlucken, sondern auch als Gele oder Cremes zum Auftragen auf die Haut. Inhaltsstoffe dieser lokalen Schmerzmittel sind nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR), d.h. Wirkstoffe, die schmerzlindernd und antientzündlich wirken. Ob sich Rückenschmerzen damit „wegschmieren“ lassen, wird kontroverser diskutiert. Denn in bisher durchgeführten, standardisierten Studien konnte die Wirkung von Schmerzgelen oder -cremes noch nicht belegt werden.

Dennoch berichten viele Rückenschmerzpatient*innen von positiven Erfahrungen mit Schmerzgelen, -cremes oder pflastern. Wer seine unspezifischen Rückenschmerzen also mit lokalen NSAR angehen möchte, sollte die Präparate drei- bis viermal täglich auftragen, Forte-Wirkstoffe aufgrund höherer Dosierung nur zweimal am Tag. Im Zweifel fragt man am besten seine Apotheker*in.

Wie gut die Wirkstoffe die Hautbarriere überwinden und dort ankommen, wo sie wirken sollen, hängt von der Art der Zubereitung ab. Manchen Präparaten sind Penetrationsförderer beigemischt, die die Aufnahme beschleunigen. Am schnellsten wirken Emulsions- und Mikrogele. Bei Ersteren sind die Wirkstoffe in Öltropfen angereichert, bei Mikrogelen in Mizellen eingeschlossen. Beides beschleunigt den Transport des NSAR durch die Haut und dadurch die Schmerzlinderung.

Hinweis: Bei den Schmerzgelen gelten die gleichen Vorsichtsmaßnahmen wie bei den Wärmepflastern. Sie dürfen nur auf intakte Haut geschmiert werden und nach dem Auftragen sollte man die Hände waschen, damit kein Wirkstoff in die Augen gerät.

Bewegung gegen chronische Rückenschmerzen

An ihre Grenzen kommen Pflaster und Cremes bei Fällen von chronischen Rückenschmerzen. Dann werden sie zwar begleitend eingesetzt – ohne Verhaltensveränderung ist ein längerfristiger Behandlungserfolg aber unwahrscheinlich. Die wichtigste Maßnahme ist Bewegung. Gut geeignet dafür sind Sportarten wie

  • Schwimmen
  • Pilates
  • Funktionstraining
  • Nordic Walking
  • Yoga und Tai-Chi.

Hilfreich ist es auch, Entspannungstechniken zu erlernen. Manche Betroffenen profitieren von der Akupunktur. Abgeraten wird dagegen von Stromtherapien (TENS, Interferenztherapie), Magnetfeldtherapie, Lasern oder Kinesio-Taping – sie alle bringen beim chronischen Rückenschmerz keine Linderung.

Hinweis: Lassen Sie sich bei jeder Sportart von einem Trainer anleiten, damit Sie die Bewegungen rückenschonend und -stärkend ausführen. Gehen Sie beim Trainieren nicht über Ihre Grenzen.

Vorbeugen ist besser als heilen

Wer beruflich im Alltag viel stehen, heben oder tragen muss, profitiert von einer Rückenschule. Dort lernt man, wie man im Alltag eine rückenfreundliche Haltung einnimmt. Diese Tipps helfen dabei:

  • Möglichst immer hüftbreit stehen und das Körpergewicht auf beide Füße gleichmäßig verteilen.
  • Immer wieder umhergehen und nicht zu lange in einer Position verharren.
  • Dynamisch sitzen, d.h. die Sitzposition immer wieder verändern.
  • Bei überwiegend sitzender Tätigkeit jede Stunde aufstehen (daran kann man sich z. B. von seiner Smartwatch erinnern lassen!), umhergehen, kleine Körperübungen machen.
  • Zum Aufheben schwerer Gegenstände mit geradem Rücken in die Hocke gehen und die Beine leicht nach außen spreizen.
  • Immer beide Hände zum Tragen schwerer Lasten benutzen, den Rücken aufrecht und den Gegenstand nah am Körper halten.

Quelle: Leitlinie Kreuzschmerz; Ines Winterhagen, DAZ 2021; Nr. 28, S. 46

Von: Dr. med. Sonja Kempinski; Bild: Jochen Tack/imago-images.de