Gesundheit heute
Bizepssehnenriss
Bizepssehnenriss (Bizepssehnenruptur): Riss einer der drei Sehnen des Bizepsmuskels. In über 95 % der Fälle ist die lange Bizepssehne betroffen, die den Muskel am Oberrand der Schultergelenkpfanne befestigt. Die Verletzung ist fast immer verschleißbedingt und betrifft (ehemalige) Sportler*innen oder körperlich schwer arbeitende Menschen über 40 Jahre. In der Regel reicht eine konservative Behandlung mit kurzfristiger Ruhigstellung, gefolgt von Bewegungsübungen, aus. Bei jüngeren und schwer arbeitenden Menschen kann die abgerissene Sehne auch operativ wieder am Knochen befestigt werden. Sehr selten reißt die untere Bizepssehne. Grund ist eine plötzliche, schwere Belastung (z. B. beim Sport oder beim schweren Heben), hier wird operiert. Ob konservativ oder operativ behandelt, meist bleibt nach einem Bizepssehnenriss eine leichte Kraftminderung zurück.
Symptome und Leitbeschwerden
Riss der langen Bizepssehne:
- Schmerzen an der Schulter, Druckschmerz am oberen vorderen Oberarm
- Im Seitenvergleich sicht- und tastbare Vorwölbung des unter der Haut verschobenen Bizepsmuskels an der Vorderseite des Oberarms
- Manchmal Kraftminderung.
Riss der unteren Bizepssehne:
- Akuter, stechender Schmerz
- Schwäche bei der Beugung des Arms und Umwendbewegung des Unterarms (Handflächen nach oben), besonders ausgeprägt beim Riss der unteren Bizepssehne
- Bluterguss und Schwellung.
Wann in die Arztpraxis
Am gleichen Tag bzw. gleich nach einem Unfall, wenn
- oben genannte Beschwerden auftreten.
Die Erkrankung
Der Bizeps ist ein zweiköpfiger Muskel am Oberarm, der aufgrund seiner wichtigsten Funktion auch Armbeuger genannt wird. Neben der Beugung des Unterarms hat der Muskel aber noch weitere Aufgaben: Er ist bei der Drehung des Unterarms nach außen beteiligt und unterstützt andere Armmuskeln beim Anheben und Einwärtsdrehen des gesamten Armes.
Der Bizeps besteht aus zwei Muskelanteilen, dem kurzen und dem langen Bizepskopf, deren Sehnen (lange und kurze Bizepssehne) an der Schulter entspringen. Die beiden Köpfe vereinen sich am Oberarm zum typischen Muskelbauch, der über eine weitere Sehne mit dem Unterarm verbunden ist. Diese Sehne, die den armbeugenden Muskelzug auf die Speiche überträgt, ist die distale oder untere Bizepssehne.
Krankheitsentstehung
Von den drei Sehnen des Bizepsmuskels reißt die lange Bizepssehne am häufigsten (etwa 95 % der Bizepssehnenrisse). Das liegt daran, dass die Sehne nach Jahren schwerer, körperlicher Arbeit oder starker sportlicher Beanspruchung häufig Abnutzungserscheinungen aufweist und brüchig wird. Insbesondere Überkopfarbeiten wie z. B. Elektroinstallationen und armbelastender Sport wie Kraftsport, Speerwerfen und Handball haben zur Folge, dass sich die Sehne im Verlauf der Zeit unter dem Schulterdach aufreibt (PHS). Oft führen dann bereits kleine Belastungen zum Riss. Mit 1 % extrem selten ist ein Riss der kurzen Bizepssehne, die den Muskel am Rabenschnabelfortsatz des Schulterblatts fixiert. Wenn sie reißt, dann meist aufgrund von Unfällen.
Auch der Riss der unteren Bizepssehne ist mit etwa 5 % aller Bizepssehnenrisse selten. Ursache ist hier oft eine plötzliche starke Überlastung oder Überdehnung des Muskels, betroffen sind Sportler*innen oder Schwerarbeiter*innen. Typischer Verletzungsvorgang ist das Heben oder Fangen sehr schwerer Lasten. Manchmal reißt die untere Bizepssehne auch bei direktem Schlag auf die Sehne oder einem Unfall.
Klinik
Der Riss der langen Bizepssehne ist häufig schmerzarm. Drückt man jedoch auf den Knochenkanal im oberen Bereich des vorderen Oberarms, in dem die Sehne verläuft, verspürt der Betroffene in der Regel einen Druckschmerz. Der Riss der unteren Bizepssehne ist dagegen meist mit einem akuten stechenden Schmerz verbunden.
Versucht der Betroffene, den Bizeps bei der Armbeugung einzusetzen, spürt er eine mehr oder weniger deutliche Schwäche, da der abgerissene Muskel keine Kraft mehr überträgt. Auch das Auswärtsdrehen des Unterarms fällt schwer oder ist womöglich gar nicht mehr möglich. Diese Funktionsschwäche ist beim selteneren Abriss der unteren Bizepssehne besonders ausgeprägt. Reißt die obere lange Bizepssehne, fällt seltener eine Funktionsschwäche auf. Zum einen ist die kurze Bizepssehne noch intakt, zum anderen sind zur Beugung und Einwärtsdrehung auch noch andere Armmuskeln beteiligt, die den Verlust der langen Bizepssehne ausgleichen können.
Je nachdem welche Sehne gerissen ist, verlagert sich der Muskelbauch: Ist die lange Bizepssehne betroffen, wandert der Muskelbauch nach unten Richtung Unterarm und ist als Vorwölbung über der Ellenbeuge zu sehen. Ist die untere Bizepssehne abgerissen (also die Verbindung zum Unterarm), verschiebt sich der Muskelwulst Richtung Schulter.
Nach einigen Wochen bis Monaten nimmt die Kraft allmählich wieder zu, weil der gerissene Muskelbauch einen Teil seiner ursprünglichen Funktion wieder aufnimmt und zudem andere Muskeln die Aufgaben des verletzten Bizeps mitübernehmen.
Diagnosesicherung
Die Ärzt*in stellt die Diagnose anhand des Schmerzberichts, der typischen Kraftminderung und der Verlagerung des Muskelbauchs Richtung Schulter oder Unterarm. Zur Diagnosesicherung eignet sich der Ultraschall, in Zweifelsfällen auch ein Kernspin. Röntgenbilder helfen, die Frage nach weiteren Abnutzungserscheinungen an der betroffenen Schulter zu klären. Außerdem lässt die Ärzt*in den Arm röntgen, um einen Bruch auszuschließen.
Differenzialdiagnose. Bei einem Riss müssen vor allem Begleitverletzungen wie z. B. ein Rotatorenmanschettenriss oder Brüche des Oberarms ausgeschlossen werden.
Behandlung
Riss der langen oder kurzen Bizepssehne
Konservative Behandlung. Zur Behandlung reichen häufig konservative Maßnahmen. Vor allem ältere Patient*innen fühlen sich – auch wenn die Sehne nicht mehr richtig zusammenwächst und dadurch die Kraft gemindert ist – meist wenig beeinträchtigt in ihrem Alltag. Nach zwei- bis viertägiger Ruhigstellung im Schulter-Arm-Verband, z. B. einem Gilchrist-Verband, folgt eine Therapie mit Bewegungsübungen. Kälteanwendungen und die Einnahme abschwellender, entzündungshemmender Medikamente wie Diclofenac (z. B. Voltaren® oder Diclac®) oder Ibuprofen (z. B. Dolgit® oder Ibuprofen AbZ) tragen zum Rückgang der Beschwerden bei.
Bei jüngeren Betroffenen oder Personen, die körperlich schwer arbeiten, tendieren viele Chirurg*innen und Orthopäd*innen zur Operation. Dabei befestigen sie die abgerissene Bizepssehne knapp unterhalb des Schultergelenks am Oberarmknochen oder vernähen sie mit der kurzen Bizepssehne, die am Rabenschnabelfortsatz des Schulterblatts ansetzt. Manchmal ist es erforderlich, den am Ursprungsort hängenden Sehnenrest über eine Gelenkspiegelung zu entfernen.
Im Anschluss an die Operation sind schon nach einer kurzen Ruhigstellungsphase aktive Bewegungen erlaubt. Für starke Belastungen ist der operierte Arm jedoch erst nach 2–4 Wochen einsetzbar.
Riss der unteren Bizepssehne
Eine gerissene untere Bizepssehne wird in der Regel operiert. Dabei fixiert die Operateur*in die Sehne an der Speiche, entweder direkt per Naht oder über einen Anker. Ist die Sehne stark beschädigt, wird sie häufig durch die Sehne eines anderen Muskels ersetzt. Auch nach der operativen Versorgung eines unteren Bizepssehnenrisses muss der Arm zwar geschont, aber frühzeitig mithilfe einer geeigneten Physiotherapie bewegt werden. Sport ohne Belastung ist nach etwa 4 Wochen, mit Belastung nach 12 Wochen erlaubt.
Behandlungskomplikationen bei der Operation
Im Operationsgebiet verläuft der Speichennerv (N. radialis). Wird dieser bei der Operation geschädigt, kommt es (meist vorübergehend) zu einer Schwäche der Handmuskeln. Sie äußert sich mit dem typischen Bild der Fallhand, bei der Handrücken und Finger nicht gestreckt werden können.
Prognose
Ob konservativ oder operativ versorgt: Nach einem Riss der Bizepssehne bleibt oft eine Kraftminderung beim Beugen und nach außen Drehen des Unterarms zurück. Diese Kraftminderung ist nach der operativen Behandlung meist weniger ausgeprägt.
Ihre Apotheke empfiehlt
Was Sie selbst tun können
Nach der Schonung sind Übungen zur Dehnung und zur Kräftigung sowohl des Bizeps als auch der anderen Armmuskeln hilfreich.
- Bizepsdehnung. Hände im Stehen hinter dem Rücken zusammenführen, die Handflächen zeigen nach unten. Langsam die Arme nach hinten-oben strecken.
- Kräftigung der Muskeln. Arme auf Schulterniveau seitlich anheben und ausstrecken, gestreckt über den Kopf heben, wieder absenken bis Schulterhöhe. Übung bis zu 20 Mal wiederholen. Später dabei Gewichte einsetzen.
- Beweglichkeit trainieren. Arme im Stehen vorsichtig kreisen lassen. Zur Übung der unteren Bizepssehne wird der Unterarm wiederholt gebeugt und ein- und auswärts gedreht.
- Yoga und Pilates. Auf sanfte Weise lassen sich Beweglichkeit und Kraft von Arm und Schulter auch mit Übungen aus dem Bereich von Yoga und Pilates verbessern. Um Fehlbelastungen zu vermeiden, sollte man sich beim Erlernen der Übungen von einer Trainer*in anleiten lassen.
Auch Tofu und Brokkoli gehören zu den Lebensmitteln, die wichtige Nährstoffen für den Knochen bereithalten.
So hält man Osteoporose fern
Knochenfreundlich ernähren
Osteoporose gehört zu den Volkskrankheiten. Doch wer sich gesund ernährt und eventuelle Mängel ausgleicht, kann die Knochen schützen. Dabei müssen nicht nur die nötigen Nährstoffe und Mineralien zugeführt werden. Vor allem in puncto Kalzium gilt es, auch die in vielen Produkten enthaltenen Kalziumräuber zu beachten.
Knochen lebenslang im Umbau
Knochen ist kein totes Gewebe: Im Gegenteil, er wird das ganze Leben lang umgebaut. Dieser Prozess dient dazu, kleine Schäden im Knochen zu reparieren oder den Knochen auf verstärkte Belastungen anzupassen. Insgesamt überwiegt bis zum 30. Lebensjahr der Aufbau. Danach befindet sich der Knochen etwa zehn Jahre lang im Gleichgewicht, und ab Mitte 40 nimmt der Knochenabbau allmählich zu. Für seine Stoffwechsel benötigt der Knochen einiges an Mineralien, Vitaminen und Nährstoffen. Werden diese nicht ausreichend zugeführt, leidet die Knochenqualität und es droht Knochenschwund (Osteoporose). Eine knochenfreundliche Ernährung kann vor dieser folgenschweren Erkrankung schützen. Und wer gleichzeitig etwas für seinen Knorpel und gegen Entzündungen tut, beugt auch gegen Arthrose vor.
Hinweis: Knochengewebe ist sehr fleißig: Innerhalb von etwa 8–10 Jahren hat sich das gesamte Skelett einmal „komplett“ ausgetauscht, weil alter Knochen abgebaut und durch neuen ersetzt wird.
Kalziumhaushalt bildet die Basis
Der wichtigste Grundstoff für den Knochen ist Kalzium. Es wirkt wie Zement im Mauerwerk und sorgt dadurch dafür, dass der Knochen fest, stabil und belastbar ist. 99% des Kalziums stecken in den Knochen und den Zähnen, wobei der Knochen auch als Kalziumvorrat dient. Denn das wertvolle Mineral wird auch außerhalb des Knochens gebraucht, z. B. bei der Muskelkontraktion, bei der Weiterleitung von Nervenreizen und bei der Blutgerinnung. Ist der Kalziumgehalt im Blut zu niedrig, kann es der Körper aus dem Knochen freisetzen – wobei die Kalziumvorräte aber unverzüglich wieder aufgefüllt werden müssen, damit der Knochen nicht leidet.
Kalzium wird im Darm aus der Nahrung aufgenommen, Allerdings schwankt die Aufnahme mit 20 bis 60% der zugeführten Kalziummenge stark. Um ausreichend viel Kalzium aufzunehmen, empfehlen Expert*innen die tägliche Zufuhr von mindestens 1000 mg. Damit sieht es allerdings mau aus in Deutschland: nur etwa die Hälfte der Erwachsenen erreicht diese Menge. Gedeckt wird der Bedarf von 1000 mg zum Beispiel durch
- 125 mg Edamer
- 2,9 l Gerolsteiner Mineralwasser,
- 0,8 l Milch,
- 830 g Joghurt oder
- 540 g Tofu.
Obst und Gemüse enthalten ebenfalls Kalzium. Um auf 1000 mg täglich zu kommen, müssen allerdings auch hier sehr große Mengen von 470 g Grünkohl, 2,6 kg Kiwi oder 15 kg Bananen verzehrt werden. Auch Haferdrinks als Milchersatz sind oft mit Calcium angereichert und enthalten dann so viel Calcium wie Kuhmilch.
Hinweis: Die Aufnahme des Kalziums hängt nicht nur von der angebotenen Menge ab, sondern auch von Vitamin D. Bei starkem Vitamin-D-Mangel sinkt die Kalziumaufnahme im Darm unter 10%.
Kalziumräuber am Werk!
Eine knochenfreundliche Ernährung benötigt allerdings nicht nur ausreichend Kalzium. Es muss auch auf die Kalziumräuber in der Nahrung geachtet werden. Dies sind Lebensmittel, die bei übermäßigem Verzehr dazu führen können, dass dem Körper das angebotene Kalzium nicht ausreichend zur Verfügung steht.
- Phosphat. Die wichtigste Rolle spielt dabei Phosphat. Zwar fördert Phosphat gemeinsam mit Kalzium die Knochenstabilität. Wird es allerdings im Übermaß aufgenommen, behindert es die Kalziumresorption im Darm und fördert somit den Knochenabbau. Phosphat muss also keinesfalls gemieden, sondern nur ein Überschuss verhindert werden. Das gelingt, in dem man besonders phosphathaltige Lebensmittel wie Fleisch, Wurst und Cola sowie stark verarbeitete Produkte nur in Maßen konsumiert.
- Oxalsäure und Phytinsäure. Auch Oxalsäure kann Kalzium im Darm abfangen und auf diese Weise die Aufnahme ins Blut verhindern. Empfohlen wird deshalb, oxalreiche Nahrungsmittel wie Spinat, Rhabarber, Kakao, Schokolade und Mangold nicht in übergroßen Mengen zu verzehren. Gleiches gilt für die Phytinsäure, die ebenfalls das Kalzium im Darm bindet. Besonders reich an Phytin sind Sojabohnen, Erdnüsse sowie Müsli aus frischem Getreide sowie Vollkornbreie.
- Alkohol, Kaffee und schwarzer Tee. Koffein im Übermaß kann dem Knochen auf zwei Arten schaden: Es hemmt die Kalziumaufnahme aus dem Darm und fördert die Kalziumausscheidung über die Niere. Alkohol hemmt die Kalziumaufnahme und schadet der Leber, wodurch der dort stattfindende Vitamin-Stoffwechsel gestört wird.
Hinweis: Kochsalz fördert die Osteoporose, indem es die Kalziumausscheidung über die Niere ankurbelt. Es ist ratsam, sparsam zu salzen und statt auf Kochsalz auf Gewürze zu setzen. Das tut nicht nur dem Knochen gut, sondern auch dem Blutdruck.
Unabdingbar: Vitamin D
Ohne die ausreichende Zufuhr von Vitamin D kann der Knochen das mit der Nahrung aufgenommene Kalzium nicht richtig nutzen. Denn Vitamin D verbessert nicht nur die Aufnahme des Mineralstoffs über die Darmschleimhaut. Es fördert auch seinen Einbau in den Knochen und hemmt den Knochenabbau. 10 bis 20% des Vitamins wird über die Nahrung aufgenommen, 80 bis 90% unter Sonneneinstrahlung in der Haut gebildet. Von April bis September reicht für die Vitamin-D-Versorgung ein täglicher Aufenthalt von 30 Minuten im Freien, wobei Arme und Gesicht unbedeckt sein müssen.
Der Tagesbedarf an Vitamin D beträgt etwa 800 Internationale Einheiten (IE). Etwa 80% der Männer und 91% der Frauen erreichen diese Werte nicht. Auf einen Mangel weisen diffuse Knochen- und Muskelschmerzen hin. Bei Verdacht sollte die Ärzt*in die Blutspiegel messen und der Mangel ausgeglichen werden. Dafür sind häufig Vitamin-D-Tabletten nötig. Denn die Auswahl an Vitamin-D-reichen Lebensmitteln ist gering und nicht nach jedermanns Geschmack. Dazu zählen Lebertran, Seefisch (Hering, Makrele,Lachs), Leber und Eigelb. Bei Vitamin-D-Mangel werden zum Ausgleich meist Tagesdosen von 1000 IE Vitamin D empfohlen. Diese Menge steckt z. B. in
- 80 g Hering, 160 g Lachs oder 190 g Aal sowie in
- 670 g Kalbfleisch oder
- 830 g Steinpilzen.
Hinweis: Vitamin D darf nicht überdosiert werden. Wer mehr als 4000 IE pro Tag aufnimmt, drohen Nierensteine und Herzrhythmusstörungen. Im Zweifel sollte man seine Ärzt*in dazu befragen und evtl. die Blutspiegel des Vitamins messen lassen.
Ohne Eiweiß geht es nicht
Ein weiterer wichtiger Baustein in der knochenfreundlichen Ernährung ist Eiweiß. Eiweiß bildet das Kollagengerüst im Knochen, in das Kalzium und die anderen Mineralien eingelagert werden. Mangelt es an Eiweiß, wird der Knochenaufbau behindert und das Risiko für Osteoporose und Knochenbrüche steigt.
Pflanzliches Eiweiß scheint dabei etwas vorteilhafter zu sein als tierisches Eiweiß. Expert*innen empfehlen eine Kombination pflanzlicher und tierischer Eiweiße, bei Letzteren sind Milch, Eier und mageres Fleisch zu bevorzugen. Der Tagesbedarf für Männer und Frauen bis 65 Jahre beträgt 0,8g/kg Körpergewicht, der für Menschen über 65 Jahre 1,0 g/kgKG. Ein 70-jährigr Mensch mit einem Gewicht von 70 kg braucht also 70 g Eiweiß/Tag. Diese stecken zum Beispiel in
- 240 g Emmentaler oder 270 g Gouda,
- 270 g Erdnüssen
- 310 g Rindfleisch, 310 g Huhn oder 310 g Schweinefleisch
- 390 g Fisch
- 540 g Tofu oder
- 580 g Linsen.
Um den Eiweißbedarf von 70 g mit Getreide oder Kartoffeln zu decken, müsste man täglich 900 g Weizenbrot oder 3,5 kg Kartoffeln verzehren.
Hinweis: Wer eine eingeschränkte Nierenfunktion hat, muss etwas vorsichtig mit Eiweiß sein. Eine überhöhte Zufuhr belastet die Nieren, weil dadurch mehr Harnstoff und Säure entsteht. Menschen mit Nierenproblemen sollten bezüglich der Eiweißzufuhr immer Rücksprache mit ihrer Ärzt*in halten.
Vitamine, Magnesium und Spurenelemente
Für den gesunden Knochen sind viele weitere Nährstoffe erforderlich.
- Magnesium. Davon sollen etwa 300 bis 350 mg aufgenommen werden. Es steckt insbesondere in Mineralwässern, aber auch in Vollkornprodukten und Naturreis. Etwa ein Viertel der Erwachsenen in Deutschland erreicht die empfohlene tägliche Zufuhr nicht. Reicht eine Nahrungsumstellung nicht aus, können Supplemente zugeführt werden. 250 mg Magnesium stecken z. B. in 3,2 l Gerolsteiner Mineralwasser, 220 g Erdnüssen, 270 g Haferflocken und 320 g Naturreis.
- Vitamin K. Vitamin K fördert den Einbau von Kalzium in den Knochen, es gibt auch Hinweise, dass es die Kalziumausscheidung über die Niere hemmt. In Deutschland wird für Männer und Frauen über 51 Jahren eine tägliche Zufuhr von 65 Mikrogramm bzw. 80 Mikrogramm empfohlen. Vitamin K ist hitzestabil, wodurch beim Kochen kaum Verluste auftreten. 80 Mikrogramm Vitamin K sind enthalten in 12 g Grünkohl, 25 g Spinat, 200 g Spargel oder 320 g Rotkraut.
- Vitamin C. Vitamin C stimuliert die knochenbildenden Zellen, das für das Knochengerüst nötige Kollagen zu bilden. Etwa ein Drittel der Erwachsenen unterschreitet die erforderliche tägliche Zufuhr (95 mg für Frauen, 110 mg für Männer). Rauchen gilt als Vitamin-C-Killer, weshalb Rauchende einen höheren Bedarf haben (135 bzw. 155 mg). 110 mg Vitamin C finden sich in 70 g Petersilie, 100 g Paprika, 220 g Spinat, 250 g Kiwi oder 9 g Hagebutte. Wer den Bedarf mit Äpfeln oder Birnen decken möchte, muss davon täglich 920 g bzw. 2,4 kg zu sich nehmen.
- Zink. Zink fördert die Bildung des Knochengerüsts und trägt damit zum Knochenaufbau bei. Bei Mangelernährung und veganer Ernährung kann es zu Zinkmangel kommen. Etwa 30% der Männer und 20% der Frauen erreichen die erforderliche Tageszufuhr von 11-16 mg (Männer) und 7-10 mg (Frauen) nicht. Ein hoher Konsum von Vollkornprodukten oder unfermentierten Hülsenfrüchten kann zudem die Zinkaufnahme stören. 10 mg Zink sind enthalten in 45 g Austern, 200 g Rinderleber, 200 g Edamer, 280 g Rindfleisch und 300 g Erdnüssen.
Hinweis: Vitamin K hebt die gerinnungshemmende Wirkung von Marcumar auf. Bei Einnahme dieses Blutverdünners sollte man mit Vitamin-K-reichen Produkten vorsichtig sein und im Zweifel die Ärzt*in dazu befragen.
Was gibt es gegen Arthrose?
Mit einer guten Ernährung lässt sich einiges für den Knochen tun. Davon profitieren auch die Gelenke. Speziell für die Gesundheit der Gelenke gibt es weniger Möglichkeiten. Die meisten Empfehlungen sind nicht ausreichend durch Studien belegt oder haben nur einen geringen Effekt.
- Omega-3-Fettsäuren. Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) wirken entzündungshemmend. Besonders reichlich sind sie in Lachs und Hering enthalten. Als wichtigste pflanzliche Quellen gelten Raps-, Walnuss- und Leinöl. Distel- und Sonnenblumenöl sind ungünstig, weil sie mehr entzündungsfördernde Omega-6-Fettsäuren enthalten.
- Selen. Ein zu niedriger Selen-Spiegel kann möglicherweise eine Arthrose begünstigen. Die Ergebnisse aus Studien sind hier aber teils sehr widersprüchlich. Deutsche Böden sind eher selenarm, weshalb die empfohlenen Tagesdosen häufig nicht erreicht werden. Diese beträgt für Männer 70 Mikrogramm/Tag, für Frauen 60 Mikrogramm.
- Chondroitin und Glukosamin. Diese Knorpelbaustoffe sollen den Knorpelstoffwechsel fördern und den Bedarf für Schmerzmittel bei Arthrose reduzieren. Die Datenlage dazu ist allerdings nicht klar und mögliche Effekte auf Schmerzen und Funktionalität sehr gering. Chondroitin wird aus Knorpelgewebe von Schweinen, Rindern, Walen und Haifischen gewonnen, die empfohlene Tagesdosis sind 800 bis 1200 mg. Glukosamin stammt aus Krabben und Garnelen, die übliche tägliche Dosierung beträgt 800 bis 1500 mg pro Tag.
Antientzündlich hilft rheumatischen Gelenken
Für Menschen mit rheumatischen Gelenkbeschwerden ist eine antientzündliche Kost günstig. Dabei ist vor allem die Zufuhr von Arachidonsäure einzuschränken. Sie wird im Körper zu entzündungsfördernden Eicosanoiden umgewandelt, die Schübe auslösen können. Arachidonsäure ist vor allem in tierischen Produkten wie rotem Fleisch, Wurst und fettreichen Milchprodukten vorhanden, diese sollten deshalb in Maßen verzehrt werden. Günstig sind dagegen Lebensmittel mit reichlich Omega-3-Fettsäuren, denn die Fettsäuren vermindern den Abbau der Arachidonsäure zu den entzündungsfördernden Eicosanoiden.
Auch Antioxidanzien wie Vitamin C und E sowie Polyphenole und Carotinoide helfen gegen Entzündungen. Sie fangen freie Radikale ab und reduzieren damit den entzündlichen Kreislauf. Gute Quellen für Antioxidanzien sind Paprika, Johannisbeeren, Brokkoli, Nüsse, Oliven- und Rapsöl, Grünkohl, Knoblauch und Karotten. Die DGE empfiehlt eine Aufnahme von 95 bis 110 mg Vitamin C und 12 bis 15 mg Vitamin E. 3 bis 4 Esslöffel Beeren und eine Handvoll Nüsse decken diesen Bedarf in etwa ab.
Hinweis: Häufig wird eine Übersäuerung des Körpers als schädigend für Knochen und Gelenke genannt. Für diese Theorie gibt es allerdings keinen wissenschaftlichen Nachweis, entsprechende basische Produkte oder Diäten werden deshalb nicht empfohlen.

