Gesundheit heute

Morbus Scheuermann

Morbus Scheuermann (Adoleszentenkyphose, Juvenile Kyphose): Verformung der Wirbelkörper, die durch einseitige Abflachung keilförmig werden. Da meist die Brustwirbelsäule betroffen ist, bildet sich durch die Erkrankung typischerweise ein Buckel. Der Morbus Scheuermann ist häufig und tritt vor allem bei männlichen Jugendlichen auf. In den meisten Fällen genügen Krankengymnastik und Haltungstraining als Therapie, nur sehr selten sind Korsettbehandlungen oder gar korrigierende Operationen notwendig. Die Erkrankung verläuft meist gutartig und ohne bleibende Einschränkungen.

Symptome und Leitbeschwerden

  • Meist leichter Buckel im Hals-Brust-Bereich, typischerweise als "schlechte Haltung" interpretiert
  • Verminderte Drehfähigkeit der Wirbelsäule im Brustbereich
  • Gelegentlich Rückenschmerzen, v. a. im Erwachsenenalter.

Wann zum Arzt

In den nächsten Wochen bei

  • schlechter Haltung oder Buckelbildung bei Jugendlichen

Die Erkrankung

Die Wirbelsäule ist kein gerader Stab, sondern bei seitlicher Betrachtung S-förmig gekrümmt. Im Bereich von Hals- und Lendenwirbelsäule biegt sich die gesunde Wirbelsäule nach vorn, es entsteht eine sogenannte Lordose. Die Brustwirbelsäule bildet dagegen eine Art Rundrücken oder Buckel (Kyphose), hier sind etwa 20 bis 40° Krümmungswinkel im Normbereich. Beim Morbus Scheuermann verändert sich die Krümmung der Wirbelsäule. Die Brustwirbelsäule ist am häufigsten betroffen, die normale Krümmung wird stärker, es bildet sich ein Buckel aus. Seltener ist die Lendenwirbelsäule betroffen. Hier führt der M. Scheuermann zu einer Verflachung der physiologischen Lordose.

Scheuermann-typische Anzeichen an der Wirbelsäule lassen sich bei bis zu 30°% der Kinder und Jugendlichen im Röntgenbild nachweisen, allerdings entwickeln nur wenige davon Beschwerden. Jungen sind häufiger betroffen als Mädchen, die Krankheit beginnt meist zwischen dem 11. und 13. Lebensjahr.

Krankheitsentstehung

Die Ursache des Morbus Scheuermann ist nicht geklärt. Während des Wachstums entstehen Schwachstellen an den knorpeligen Deckplatten, die den Wirbelkörper an der Ober- und Unterseite begrenzen. Wenn durch die Schwachstellen Bandscheibenmaterial eindringt, verliert der Wirbelkörper an Knochenfestigkeit und verformt sich unter dem Körpergewicht allmählich zu einem Keil (wobei die Spitze des Keils zur Brust, die breite Seite zum Rücken hinzeigt). Sind viele Brustwirbel von dieser Veränderung betroffen, summieren sich die Verformungen zum oben genannten Rundrücken. Im Unterschied zum Buckel bei bloßer Haltungsschwäche, der sich aktiv ausgleichen lässt, ist der Rundrücken beim Morbus Scheuermann fixiert. Tritt die Erkrankung in seltenen Fällen an der Lendenwirbelsäule auf, führt sie dort zu einer Abflachung der normalen, nach vorn gerichteten Krümmung (Flachrücken).

Verlauf und Folgen

Der Morbus Scheuermann wird in drei Krankheitsstadien eingeteilt:

  • Im Initialstadium hat die Betroffene noch keine Beschwerden, die Krankheit wird als Zufallsbefund im Röntgenbild sichtbar.
  • Im Ausbildungsstadium sieht man die Auswirkungen der Wirbelsäulenveränderungen von außen an der Patient*in. Je nach Ort des Geschehens bildet sich ein Rundrücken (Brustwirbelsäule) oder selten auch Flachrücken (Lendenwirbelsäule) aus. Bei manchen Betroffenen stellen sich schon in diesem Stadium Schmerzen ein.
  • Mit Abschluss des Wachstums kommt die Krankheit zum Stillstand. In diesem Endstadium finden sich deformierte Wirbelkörper und verschmälerte Bandscheiben. Mit Ausnahme der wenigen schweren Fälle ist die Fehlstellung gering und äußerlich kaum sichtbar.

Folgen

Je stärker die Statik der Wirbelsäule gestört ist, desto größer ist die Anfälligkeit für einen vorzeitigen Verschleiß, für muskuläre Verspannungen und Rückenschmerzen (zunächst vor allem im Bereich der Brustwirbelsäule). Später entwickeln sich häufig zusätzlich Bandscheibenprobleme und Schmerzen im Lendenwirbelbereich, da diese die Buckelbildung der Brustwirbelsäule auszugleichen versucht (Hohlrundrücken).

Daneben wird im Verlauf oft die Bewegungsmöglichkeit eingeschränkt, d. h. die Betroffenen haben Probleme beim Bücken und beim Drehen. In sehr schweren Fällen kommt es auch zu einer völligen Einsteifung des betroffenen Wirbelsäulenabschnitts.

Diagnosesicherung

Bei den meisten Jugendlichen, die wegen schlechter Haltung in der Sprechstunde erscheinen, wird die Ärzt*in nach der körperlichen Untersuchung eine alterstypische, harmlose Haltungsschwäche diagnostizieren. Den Verdacht auf einen Morbus Scheuermann äußert sie, wenn sie einen fixierten, also nicht ausgleichbaren Rundrücken findet.

In diesem Fall veranlasst die Ärzt*in Röntgenaufnahmen der Wirbelsäule von vorne und von der Seite. In der seitlichen Aufnahme lässt sich das Ausmaß der Verformung ausmessen. Ein Morbus Scheuermann liegt vor, wenn mindestens 3 aufeinanderfolgende Wirbelkörper keilförmig deformiert sind und der gemessene Winkel 5° übersteigt. Meist zeigt das Röntgenbild in den betroffenen Wirbelkörpern auch typische Löcher (Schmorl`sche Knötchen), die dem eingedrungenen Bandscheibenmaterial entsprechen.

Differenzialdiagnosen. Buckel bei schlechter Haltung. Entwickelt ein Erwachsener nach Scheuermann-Erkrankung in der Jugend starke Rückenschmerzen oder Bewegungseinschränkungen, sind neben den Scheuermann-typischen Folgezuständen auch eine Osteoporose oder ein Morbus Bechterew auszuschließen.

Behandlung

Eine ursächliche Behandlung ist nicht möglich. Früher wurden Betroffene in Korsette eingeschnürt, zur Schonung angehalten, in ihrer Berufswahl eingeschränkt, also krank gemacht. Heute hat sich die Haltung der Ärzteschaft geändert; sie empfiehlt den betroffenen Jugendlichen, ihr Leben mit möglichst wenigen Einschränkungen zu leben und körperlich aktiv zu sein.

Krankengymnastik. Die krankengymnastischen Übungen dienen vor allem drei Zielen:

  • Durch Training der Rückenmuskulatur soll der Rücken wieder aufgerichtet werden.
  • Die meist verkürzten Bauchmuskeln müssen gedehnt werden, um die Aufrichtung des Rückens überhaupt zuzulassen.
  • Die Wirbelsäule soll möglichst beweglich gehalten werden.

Wenn die Krümmung nicht stark ausgeprägt ist und die Betroffenen regelmäßig geeigneten Sport treiben (siehe "Ihr Apotheker empfiehlt"), erübrigen sich nach Rücksprache mit der behandelnden Ärzt*in häufig die krankengymnastischen Übungen.

Krankengymnastik an Geräten. Erwachsene mit abgelaufenem („ausgebranntem“) Morbus Scheuermann und Rückenschmerzen profitieren oft von einer Krankengymnastik an Geräten (Bewegungstherapie).

Korsettbehandlung. Ist die Erkrankung stark ausgeprägt (Verkrümmung über 50° nach Cobb) und befindet sich die Betroffene noch im Wachstum, verordnet die Ärzt*in zusätzlich häufig ein Korsett. Dadurch wird die Aufrichtung der Wirbelsäule oft überhaupt erst möglich.

Operative Behandlung. Bei extremer Buckelbildung (über 70° nach Cobb) ist eine Versteifungsoperation möglich, aber nur in Ausnahmefällen notwendig und empfehlenswert. Operiert wird auch, wenn durch die Verkrümmung der Wirbelsäule die Lungenfunktion eingeschränkt ist oder wenn die Rückenschmerzen auf konservativem Weg nicht beherrschbar sind.

Ihr Apotheker empfiehlt

Was Sie selbst tun können

Geeigneter Sport. Wer bei Morbus Scheuermann seine Oberkörpermuskulatur durch regelmäßigen Sport trainiert, beugt Rückenschmerzen vor. Am besten geeignet sind Sportarten mit fließenden, symmetrischen Bewegungen des Oberkörpers, z. B. Schwimmen. Weniger empfehlenswert sind sportliche Aktivitäten, die zu wiederholter Stauchung der Wirbelsäule führen, wie Fußball oder Laufen. Sportarten wie Squash, Tennis oder Mannschaftsballdisziplinen sind in Maßen sinnvoll, doch raten die meisten Ärzt*innen von intensivem Training ab, da die abrupten Richtungswechsel zu starken Beschleunigungs- und Bremskräften auf die geschädigte Wirbelsäule führen.

Bauchlage. Das Liegen auf dem Bauch, z. B. beim Schlafen oder Lesen, ist für viele Betroffene deutlich angenehmer als die Rückenlage.

Physikalische Therapie. Rotlicht, Fango, Massagen und auch Elektrotherapien (z. B. die TENS) können helfen, muskuläre Verspannungen zu lösen. Bewegung und Krankengymnastik ersetzen diese Verfahren allerdings nicht.

Arbeitsplatzergonomie. Arbeitsstühle mit der Funktion „dynamisches Sitzen“ sind gerade für einen „vorgeschädigten“ Rücken sinnvoll. Sie verfügen über eine Rückenlehne, die sich mitbewegt und gleichzeitig den Rücken stützt. Wenn Ihnen eine häufige Änderung der Sitzhaltung schwerfällt, wählen Sie eine dauerhafte Sitzposition, die zwischen Rücken und Oberschenkel einen Winkel von etwa 120° einschließt. Was früher als schlampige Haltung empfunden wurde, hat sich in neueren, wissenschaftlichen Studien als deutlich rückenfreundlicher erwiesen als eine „gerade“ Sitzhaltung mit einem rechten Winkel in der Hüfte. Wichtig für die Arbeitsplatzergonomie ist auch die richtige Höhe von Tisch und Stuhl. Idealerweise bilden Ober- und Unterarme sowie Ober- und Unterschenkel mindestens einen rechten Winkel. Wenn die Arme locker auf den Armlehnen aufliegen, entlastet diese Position den Schulterbereich. Handballenauflagen vor der Tastatur entspannen beim Tippen ebenfalls die Schultern, tun aber auch dem Nacken gut.

Rückenschonend arbeiten. Wenn Sie körperlich arbeiten, vermeiden Sie möglichst Tätigkeiten, die den Rücken belasten. Gelingt dies nicht, führen Sie die erforderlichen Arbeiten rückenschonend aus. Heben und tragen Sie Gegenstände mit geradem Rücken und gleichmäßiger Verteilung auf beide Arme. Tragen Sie schwere Lasten dicht am Körper und vermeiden Sie dabei unbedingt, den Oberkörper im Stand zu drehen. Besser: In die Hocke gehen, statt sich zu bücken, soweit es Ihre Kniegelenke erlauben.

Rückenschule. Neben Sport empfiehlt sich als Selbsthilfemaßnahme das Erlernen eines rückenfreundlichen Verhaltens, z. B. im Rahmen einer Rückenschule.

Weiterführende Informationen

  • www.skoliose-info-forum.de – Privat geführte Internetseite, Waxweiler: Informativ, interaktiv und mit Forum. Richtet sich an Patient*innen und Interessierte von Wirbelsäulendeformitäten (v. a. Skoliosen und Morbus Scheuermann).

Von: Dr. med. Siegfried Locher in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung: Dr. med. Sonja Kempinski
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So hält man Osteoporose fern

Auch Tofu und Brokkoli gehören zu den Lebensmitteln, die wichtige Nährstoffen für den Knochen bereithalten.

So hält man Osteoporose fern

Knochenfreundlich ernähren

Osteoporose gehört zu den Volkskrankheiten. Doch wer sich gesund ernährt und eventuelle Mängel ausgleicht, kann die Knochen schützen. Dabei müssen nicht nur die nötigen Nährstoffe und Mineralien zugeführt werden. Vor allem in puncto Kalzium gilt es, auch die in vielen Produkten enthaltenen Kalziumräuber zu beachten.

Knochen lebenslang im Umbau

Knochen ist kein totes Gewebe: Im Gegenteil, er wird das ganze Leben lang umgebaut. Dieser Prozess dient dazu, kleine Schäden im Knochen zu reparieren oder den Knochen auf verstärkte Belastungen anzupassen. Insgesamt überwiegt bis zum 30. Lebensjahr der Aufbau. Danach befindet sich der Knochen etwa zehn Jahre lang im Gleichgewicht, und ab Mitte 40 nimmt der Knochenabbau allmählich zu. Für seine Stoffwechsel benötigt der Knochen einiges an Mineralien, Vitaminen und Nährstoffen. Werden diese nicht ausreichend zugeführt, leidet die Knochenqualität und es droht Knochenschwund (Osteoporose). Eine knochenfreundliche Ernährung kann vor dieser folgenschweren Erkrankung schützen. Und wer gleichzeitig etwas für seinen Knorpel und gegen Entzündungen tut, beugt auch gegen Arthrose vor.

Hinweis: Knochengewebe ist sehr fleißig: Innerhalb von etwa 8–10 Jahren hat sich das gesamte Skelett einmal „komplett“ ausgetauscht, weil alter Knochen abgebaut und durch neuen ersetzt wird.

Kalziumhaushalt bildet die Basis

Der wichtigste Grundstoff für den Knochen ist Kalzium. Es wirkt wie Zement im Mauerwerk und sorgt dadurch dafür, dass der Knochen fest, stabil und belastbar ist. 99% des Kalziums stecken in den Knochen und den Zähnen, wobei der Knochen auch als Kalziumvorrat dient. Denn das wertvolle Mineral wird auch außerhalb des Knochens gebraucht, z. B. bei der Muskelkontraktion, bei der Weiterleitung von Nervenreizen und bei der Blutgerinnung. Ist der Kalziumgehalt im Blut zu niedrig, kann es der Körper aus dem Knochen freisetzen – wobei die Kalziumvorräte aber unverzüglich wieder aufgefüllt werden müssen, damit der Knochen nicht leidet.

Kalzium wird im Darm aus der Nahrung aufgenommen, Allerdings schwankt die Aufnahme mit 20 bis 60% der zugeführten Kalziummenge stark. Um ausreichend viel Kalzium aufzunehmen, empfehlen Expert*innen die tägliche Zufuhr von mindestens 1000 mg. Damit sieht es allerdings mau aus in Deutschland: nur etwa die Hälfte der Erwachsenen erreicht diese Menge. Gedeckt wird der Bedarf von 1000 mg zum Beispiel durch

  • 125 mg Edamer 
  • 2,9 l Gerolsteiner Mineralwasser,
  • 0,8 l Milch, 
  • 830 g Joghurt oder
  • 540 g Tofu.

Obst und Gemüse enthalten ebenfalls Kalzium. Um auf 1000 mg täglich zu kommen, müssen allerdings auch hier sehr große Mengen von 470 g Grünkohl, 2,6 kg Kiwi oder 15 kg Bananen verzehrt werden. Auch Haferdrinks als Milchersatz sind oft mit Calcium angereichert und enthalten dann so viel Calcium wie Kuhmilch.

Hinweis: Die Aufnahme des Kalziums hängt nicht nur von der angebotenen Menge ab, sondern auch von Vitamin D. Bei starkem Vitamin-D-Mangel sinkt die Kalziumaufnahme im Darm unter 10%.

Kalziumräuber am Werk!

Eine knochenfreundliche Ernährung benötigt allerdings nicht nur ausreichend Kalzium. Es muss auch auf die Kalziumräuber in der Nahrung geachtet werden. Dies sind Lebensmittel, die bei übermäßigem Verzehr dazu führen können, dass dem Körper das angebotene Kalzium nicht ausreichend zur Verfügung steht. 

  • Phosphat. Die wichtigste Rolle spielt dabei Phosphat. Zwar fördert Phosphat gemeinsam mit Kalzium die Knochenstabilität. Wird es allerdings im Übermaß aufgenommen, behindert es die Kalziumresorption im Darm und fördert somit den Knochenabbau. Phosphat muss also keinesfalls gemieden, sondern nur ein Überschuss verhindert werden. Das gelingt, in dem man besonders phosphathaltige Lebensmittel wie Fleisch, Wurst und Cola sowie stark verarbeitete Produkte nur in Maßen konsumiert.
  • Oxalsäure und Phytinsäure. Auch Oxalsäure kann Kalzium im Darm abfangen und auf diese Weise die Aufnahme ins Blut verhindern. Empfohlen wird deshalb, oxalreiche Nahrungsmittel wie Spinat, Rhabarber, Kakao, Schokolade und Mangold nicht in übergroßen Mengen zu verzehren. Gleiches gilt für die Phytinsäure, die ebenfalls das Kalzium im Darm bindet. Besonders reich an Phytin sind Sojabohnen, Erdnüsse sowie Müsli aus frischem Getreide sowie Vollkornbreie. 
  • Alkohol, Kaffee und schwarzer Tee. Koffein im Übermaß kann dem Knochen auf zwei Arten schaden: Es hemmt die Kalziumaufnahme aus dem Darm und fördert die Kalziumausscheidung über die Niere. Alkohol hemmt die Kalziumaufnahme und schadet der Leber, wodurch der dort stattfindende Vitamin-Stoffwechsel gestört wird.

Hinweis: Kochsalz fördert die Osteoporose, indem es die Kalziumausscheidung über die Niere ankurbelt. Es ist ratsam, sparsam zu salzen und statt auf Kochsalz auf Gewürze zu setzen. Das tut nicht nur dem Knochen gut, sondern auch dem Blutdruck.

Unabdingbar: Vitamin D

Ohne die ausreichende Zufuhr von Vitamin D kann der Knochen das mit der Nahrung aufgenommene Kalzium nicht richtig nutzen. Denn Vitamin D verbessert nicht nur die Aufnahme des Mineralstoffs über die Darmschleimhaut. Es fördert auch seinen Einbau in den Knochen und hemmt den Knochenabbau. 10 bis 20% des Vitamins wird über die Nahrung aufgenommen, 80 bis 90% unter Sonneneinstrahlung in der Haut gebildet. Von April bis September reicht für die Vitamin-D-Versorgung ein täglicher Aufenthalt von 30 Minuten im Freien, wobei Arme und Gesicht unbedeckt sein müssen.

Der Tagesbedarf an Vitamin D beträgt etwa 800 Internationale Einheiten (IE). Etwa 80% der Männer und 91% der Frauen erreichen diese Werte nicht. Auf einen Mangel weisen diffuse Knochen- und Muskelschmerzen hin. Bei Verdacht sollte die Ärzt*in die Blutspiegel messen und der Mangel ausgeglichen werden. Dafür sind häufig Vitamin-D-Tabletten nötig. Denn die Auswahl an Vitamin-D-reichen Lebensmitteln ist gering und nicht nach jedermanns Geschmack. Dazu zählen Lebertran, Seefisch (Hering, Makrele,Lachs), Leber und Eigelb. Bei Vitamin-D-Mangel werden zum Ausgleich meist Tagesdosen von 1000 IE Vitamin D empfohlen. Diese Menge steckt z. B. in 

  • 80 g Hering, 160 g Lachs oder 190 g Aal sowie in 
  • 670 g Kalbfleisch oder 
  • 830 g Steinpilzen.

Hinweis: Vitamin D darf nicht überdosiert werden. Wer mehr als 4000 IE pro Tag aufnimmt, drohen Nierensteine und Herzrhythmusstörungen. Im Zweifel sollte man seine Ärzt*in dazu befragen und evtl. die Blutspiegel des Vitamins messen lassen.

Ohne Eiweiß geht es nicht

Ein weiterer wichtiger Baustein in der knochenfreundlichen Ernährung ist Eiweiß. Eiweiß bildet das Kollagengerüst im Knochen, in das Kalzium und die anderen Mineralien eingelagert werden. Mangelt es an Eiweiß, wird der Knochenaufbau behindert und das Risiko für Osteoporose und Knochenbrüche steigt.

Pflanzliches Eiweiß scheint dabei etwas vorteilhafter zu sein als tierisches Eiweiß. Expert*innen empfehlen eine Kombination pflanzlicher und tierischer Eiweiße, bei Letzteren sind Milch, Eier und mageres Fleisch zu bevorzugen. Der Tagesbedarf für Männer und Frauen bis 65 Jahre beträgt 0,8g/kg Körpergewicht, der für Menschen über 65 Jahre 1,0 g/kgKG. Ein 70-jährigr Mensch mit einem Gewicht von 70 kg braucht also 70 g Eiweiß/Tag. Diese stecken zum Beispiel in 

  • 240 g Emmentaler oder 270 g Gouda, 
  • 270 g Erdnüssen 
  • 310 g Rindfleisch, 310 g Huhn oder 310 g Schweinefleisch 
  • 390 g Fisch
  • 540 g Tofu oder
  • 580 g Linsen.

Um den Eiweißbedarf von 70 g mit Getreide oder Kartoffeln zu decken, müsste man täglich 900 g Weizenbrot oder 3,5 kg Kartoffeln verzehren.

Hinweis: Wer eine eingeschränkte Nierenfunktion hat, muss etwas vorsichtig mit Eiweiß sein. Eine überhöhte Zufuhr belastet die Nieren, weil dadurch mehr Harnstoff und Säure entsteht. Menschen mit Nierenproblemen sollten bezüglich der Eiweißzufuhr immer Rücksprache mit ihrer Ärzt*in halten.

Vitamine, Magnesium und Spurenelemente

Für den gesunden Knochen sind viele weitere Nährstoffe erforderlich.

  • Magnesium. Davon sollen etwa 300 bis 350 mg aufgenommen werden. Es steckt insbesondere in Mineralwässern, aber auch in Vollkornprodukten und Naturreis. Etwa ein Viertel der Erwachsenen in Deutschland erreicht die empfohlene tägliche Zufuhr nicht. Reicht eine Nahrungsumstellung nicht aus, können Supplemente zugeführt werden. 250 mg Magnesium stecken z. B. in 3,2 l Gerolsteiner Mineralwasser, 220 g Erdnüssen, 270 g Haferflocken und 320 g Naturreis.
  • Vitamin K. Vitamin K fördert den Einbau von Kalzium in den Knochen, es gibt auch Hinweise, dass es die Kalziumausscheidung über die Niere hemmt. In Deutschland wird für Männer und Frauen über 51 Jahren eine tägliche Zufuhr von 65 Mikrogramm bzw. 80 Mikrogramm empfohlen. Vitamin K ist hitzestabil, wodurch beim Kochen kaum Verluste auftreten. 80 Mikrogramm Vitamin K sind enthalten in 12 g Grünkohl, 25 g Spinat, 200 g Spargel oder 320 g Rotkraut.
  • Vitamin C. Vitamin C stimuliert die knochenbildenden Zellen, das für das Knochengerüst nötige Kollagen zu bilden. Etwa ein Drittel der Erwachsenen unterschreitet die erforderliche tägliche Zufuhr (95 mg für Frauen, 110 mg für Männer). Rauchen gilt als Vitamin-C-Killer, weshalb Rauchende einen höheren Bedarf haben (135 bzw. 155 mg). 110 mg Vitamin C finden sich in 70 g Petersilie, 100 g Paprika, 220 g Spinat, 250 g Kiwi oder 9 g Hagebutte. Wer den Bedarf mit Äpfeln oder Birnen decken möchte, muss davon täglich 920 g bzw. 2,4 kg zu sich nehmen.
  • Zink. Zink fördert die Bildung des Knochengerüsts und trägt damit zum Knochenaufbau bei. Bei Mangelernährung und veganer Ernährung kann es zu Zinkmangel kommen. Etwa 30% der Männer und 20% der Frauen erreichen die erforderliche Tageszufuhr von 11-16 mg (Männer) und 7-10 mg (Frauen) nicht. Ein hoher Konsum von Vollkornprodukten oder unfermentierten Hülsenfrüchten kann zudem die Zinkaufnahme stören. 10 mg Zink sind enthalten in 45 g Austern, 200 g Rinderleber, 200 g Edamer, 280 g Rindfleisch und 300 g Erdnüssen.

Hinweis: Vitamin K hebt die gerinnungshemmende Wirkung von Marcumar auf. Bei Einnahme dieses Blutverdünners sollte man mit Vitamin-K-reichen Produkten vorsichtig sein und im Zweifel die Ärzt*in dazu befragen.

Was gibt es gegen Arthrose?

Mit einer guten Ernährung lässt sich einiges für den Knochen tun. Davon profitieren auch die Gelenke. Speziell für die Gesundheit der Gelenke gibt es weniger Möglichkeiten. Die meisten Empfehlungen sind nicht ausreichend durch Studien belegt oder haben nur einen geringen Effekt.

  • Omega-3-Fettsäuren. Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) wirken entzündungshemmend. Besonders reichlich sind sie in Lachs und Hering enthalten. Als wichtigste pflanzliche Quellen gelten Raps-, Walnuss- und Leinöl. Distel- und Sonnenblumenöl sind ungünstig, weil sie mehr entzündungsfördernde Omega-6-Fettsäuren enthalten.
  • Selen. Ein zu niedriger Selen-Spiegel kann möglicherweise eine Arthrose begünstigen. Die Ergebnisse aus Studien sind hier aber teils sehr widersprüchlich. Deutsche Böden sind eher selenarm, weshalb die empfohlenen Tagesdosen häufig nicht erreicht werden. Diese beträgt für Männer 70 Mikrogramm/Tag, für Frauen 60 Mikrogramm.
  • Chondroitin und Glukosamin. Diese Knorpelbaustoffe sollen den Knorpelstoffwechsel fördern und den Bedarf für Schmerzmittel bei Arthrose reduzieren. Die Datenlage dazu ist allerdings nicht klar und mögliche Effekte auf Schmerzen und Funktionalität sehr gering. Chondroitin wird aus Knorpelgewebe von Schweinen, Rindern, Walen und Haifischen gewonnen, die empfohlene Tagesdosis sind 800 bis 1200 mg. Glukosamin stammt aus Krabben und Garnelen, die übliche tägliche Dosierung beträgt 800 bis 1500 mg pro Tag.

Antientzündlich hilft rheumatischen Gelenken

Für Menschen mit rheumatischen Gelenkbeschwerden ist eine antientzündliche Kost günstig. Dabei ist vor allem die Zufuhr von Arachidonsäure einzuschränken. Sie wird im Körper zu entzündungsfördernden Eicosanoiden umgewandelt, die Schübe auslösen können. Arachidonsäure ist vor allem in tierischen Produkten wie rotem Fleisch, Wurst und fettreichen Milchprodukten vorhanden, diese sollten deshalb in Maßen verzehrt werden. Günstig sind dagegen Lebensmittel mit reichlich Omega-3-Fettsäuren, denn die Fettsäuren vermindern den Abbau der Arachidonsäure zu den entzündungsfördernden Eicosanoiden.

Auch Antioxidanzien wie Vitamin C und E sowie Polyphenole und Carotinoide helfen gegen Entzündungen. Sie fangen freie Radikale ab und reduzieren damit den entzündlichen Kreislauf. Gute Quellen für Antioxidanzien sind Paprika, Johannisbeeren, Brokkoli, Nüsse, Oliven- und Rapsöl, Grünkohl, Knoblauch und Karotten. Die DGE empfiehlt eine Aufnahme von 95 bis 110 mg Vitamin C und 12 bis 15 mg Vitamin E. 3 bis 4 Esslöffel Beeren und eine Handvoll Nüsse decken diesen Bedarf in etwa ab.

Hinweis: Häufig wird eine Übersäuerung des Körpers als schädigend für Knochen und Gelenke genannt. Für diese Theorie gibt es allerdings keinen wissenschaftlichen Nachweis, entsprechende basische Produkte oder Diäten werden deshalb nicht empfohlen.

Von: Dr. med. Sonja Kempinski; Bild: mauritius images / Westend61 / Larissa Veronesi