Gesundheit heute
Bandscheibenverwölbung und Bandscheibenvorfall
Bandscheibenvorwölbung (Protrusio) und Bandscheibenvorfall (Prolaps). Verlagerung oder Austritt von Bandscheibengewebe in den Wirbelkanal, häufig verbunden mit Schmerzen und neurologischen Symptomen durch Druck und Einengung des dort befindlichen Nervengewebes. Bandscheibenvorwölbung und -vorfälle ereignen sich vor allem im mittleren Lebensalter, 2/3 betreffen die Lendenwirbelsäule, 1/3 die Halswirbelsäule. Ursachen sind vor allem degenerative Veränderungen der Bandscheiben, wobei der natürliche, altersbedingte Verschleiß von Risikofaktoren wie Übergewicht, sitzender Lebensweise und mangelnder Bewegung begünstigt wird. In sehr seltenen Fällen kann es allerdings auch bei Unfällen zu Bandscheibenvorfällen kommen.
Die Behandlung erfolgt meist zunächst konservativ mit Schmerzmitteln und Krankengymnastik. Treten aber Lähmungserscheinungen oder Kontrollverlust über Wasserlassen und Stuhlgang auf, handelt es sich um einen medizinischen Notfall, der im Krankenhaus behandelt werden muss. Die Therapie reicht dann von Kortisoninfusionen über Entfernung des störenden Bandscheibengewebes (durch offene Operation, Laserabtragung, chemische Auflösung) oder Versteifungsoperationen bis hin zum Einsatz von Bandscheibenprothesen.
Symptome und Leitbeschwerden
- Lokale Nacken- oder Rückenschmerzen ohne Ausstrahlung (bei leichter Ausprägung)
- Lokale Schmerzen mit – meist einseitigen – Ausstrahlungen in Arm oder Bein
- Verstärkung der Schmerzen durch Niesen, Pressen, Husten
- Taubheit und Lähmungen in Arm oder Bein (beim Bandscheibenvorfall)
- Kontrollverlust über Wasserlassen und Stuhlgang (Kaudasyndrom) und/oder Gefühlsstörungen (Kribbeln oder Taubheit) an der Oberschenkelinnenseite und um den After (Reithosenanästhesie).
Wann zum Arzt
Nach 1–2 Wochen bei
- lokalen Schmerzen ohne Ausstrahlungen.
Innerhalb weniger Tage bei
- leichter anhaltender Taubheit in Arm oder Bein.
Sofort bei
- Lähmungen oder ausgedehnter Taubheit in Arm oder Bein
- Verlust der Kontrolle über Blase und Darm.
Die Erkrankung
Krankheitsentstehung
Bandscheibendegeneration. Häufigste Ursache von Bandscheibenvorwölbung oder -vorfall ist eine verschlissene Bandscheibe. Bandscheiben bestehen aus einem derben Faserknorpelring (Anulus fibrosus) und einem zentral eingelagerten Gallertkern (Nucleus pulposus). Durch Alterungsprozesse entstehen Risse im Faserknorpelring. Wenn Teile des Gallertkerns in die Risse eindringen, führt dies zu einer Vorwölbung (Protrusion) oder Aussackung (Vorfall, Prolaps) des Faserknorpelrings in den Wirbelkanal. Begünstigt werden Vorwölbung und Vorfall degenerierter Bandscheiben durch Risikofaktoren wie z. B.
- Übergewicht
- Bewegungsmangel und untrainierte Rückenmuskulatur
- Langes Sitzen
- (Falsches) Heben von schweren Gewichten
- Wirbelsäulenverkrümmungen wie Skoliose oder Hohlkreuz.
Bandscheibenverletzungen. Zu einem akuten Riss des Faserknorpelrings und dem Austreten von Bandscheibengewebe in den Spinalkanal kommt es in seltenen Fällen auch durch Verletzungen, beispielsweise bei Unfällen oder Extrembelastungen im Leistungssport.
Klinik
Wenn eine vorgewölbte oder vorgefallene Bandscheibe benachbarte Nerven einengt, verursacht das Schmerzen und neurologische Symptome, z. B. Gefühlsstörungen wie Taubheit und Kribbeln oder Lähmungen (Muskelschwäche) in Armen oder Beinen. Aus den betroffenen Körperarealen lässt sich schließen, welcher Nerv gereizt ist und auf welcher Höhe der verantwortliche Bandscheibenvorfall liegt.
Bandscheibenvorfall im Lendenwirbelbereich. Werden Rückenmark und Nerven im Bereich der Lendenwirbelsäule eingeengt, kommt es zunächst zu Schmerzen im unteren Rücken (Kreuzschmerzen), später strahlen die Schmerzen dann einseitig in Gesäß und Bein der betroffenen Seite aus und ziehen häufig bis über das Knie in Richtung Wade. Da sich der Schmerz oft entlang des Ischiasnervs (Nervus ischiadicus) ausbreitet, spricht der Arzt auch von einer Ischialgie. Daneben leiden die Patienten unter Missempfindungen, Kribbeln oder Taubheitsgefühl. Möglich sind auch Gangstörungen, z. B. können Betroffene nicht mehr auf den Zehenspitzen stehen oder den großen Zeh strecken.
Im untersten Bereich der Wirbelsäule kann ein Bandscheibenvorfall auch ein Kaudasyndrom auslösen (benannt nach dem betroffenen Nervenbündel, der Cauda equina). Hier kommt es zu
- Kreuzschmerzen
- Lähmungserscheinungen der Unterschenkel- und Fußmuskeln
- Unwillkürlichem Abgang von Urin oder Stuhl in Folge einer Lähmung der Blasen- und Aftermuskulatur
- Gefühlsstörungen im Bereich des Damms.
Hinweis: Ein Kaudasyndrom ist immer ein Notfall und muss so schnell wie möglich neurochirurgisch behandelt werden.
Bandscheibenvorfall im Hals- oder Brustwirbelbereich. Liegt der Vorfall im Bereich der Halswirbelsäule, entwickeln sich Schmerzen, Gefühlsstörungen, Kribbeln und Taubheitsgefühle in Nacken, Schulterbereich, Armen und Händen. Zusätzlich kann es durch nachlassende Muskelkraft zu einer Schwäche bis Lähmung der Arm- und/oder Handmuskeln kommen. Ist die Brustwirbelsäule betroffen, schmerzen meist oberer Rücken und/oder die Rippenbögen.
Hinweis: Symptome einer Nerveneinengung wie plötzliche Gefühlsausfälle, Lähmungserscheinungen oder der Verlust der Darm- und Blasenkontrolle machen einen Bandscheibenvorfall zum Notfall. Unbehandelt drohen dauerhafte Nervenschäden, die später chronische Schmerzen sowie bleibende Gefühlsstörungen und Lähmungen verursachen. Deshalb ist es erforderlich, rasch einen Arzt aufzusuchen und mit der Behandlung zu beginnen. Leicht geschädigte Nerven erholen sich eventuell wieder im Verlauf mehrerer Monate.
Diagnosesicherung
Der Arzt befragt den Patienten genau, wann und wo die Schmerzen auftreten, ob sie bei Belastung stärker werden und in Ruhe nachlassen. Bei der körperlichen Untersuchung prüft er durch Abtasten des Rückens auf Schmerzen und Druckempfindlichkeit im Bereich der Wirbelsäule. Außerdem stellt der Arzt fest, ob Nerven eingeengt sind. Eine Reizung des Ischiasnerven lässt sich beispielsweise mit der Lasègue-Prüfung nachweisen. Dazu hebt der Arzt das gestreckte Bein des auf dem Rücken liegenden Patienten an, was bei einer Nervenreizung zu einem schmerzhaften Nervendehnungsschmerz führt (Lasègue-Zeichen positiv). Außerdem prüft der Arzt die Sensibilität der Haut und die Muskelkraft sowie die Muskeleigenreflexe. Diese neurologischen Untersuchungen geben wichtige Hinweise, in welcher Höhe der Wirbelsäule auf Nervenwurzeln gedrückt wird. Fällt der Bizepssehnenreflex aus, ist wahrscheinlich der 6. Halswirbel betroffen, ist der Patellarsehnenreflex vermindert, der 3. oder 4. Lendenwirbel.
Bei einem entsprechenden Verdacht folgen weitergehende Untersuchungen, meist ein Kernspin oder CT. Gelegentlich ist auch eine elektrische Untersuchung der Nervenfunktion (Messung der Nervenleitgeschwindigkeit) erforderlich, um bei unklaren Beschwerden Nervenschäden nachzuweisen.
Hinweis: Zahlreiche Forscher beschäftigten sich in den 1980er und 1990er Jahren mit Kernspinuntersuchungen von Lendenwirbelsäulen bei gesunden Menschen. Ungeachtet der Unterschiede im Detail zeigten alle Studien einen hohen Prozentsatz von (beschwerdelosen) Bandscheibenschäden aller Art. Entdeckt also der Arzt im CT oder Kernspin einen Bandscheibenvorfall, wird er den Zusammenhang mit bestehenden Beschwerden kritisch prüfen. Was bei dem einen Patienten einen irrelevanten Befund darstellt, bedeutet bei einem anderen möglicherweise einen medizinischen Notfall. Umgekehrt findet der Arzt häufig auch bei stärksten Rückenschmerzen keine Entsprechung im CT oder Kernspin.
Differenzialdiagnosen. Rückenschmerzen, Lähmungen und Gefühlsstörungen sind nicht in jedem Fall Folgen von Bandscheibenvorfällen. Auch wenn Nerven an anderer Stelle eingeengt werden, entstehen ähnliche Symptome, z. B. beim Karpaltunnelsyndrom oder Sulcus-ulnaris-Syndrom. Zu Verwechslungen führen manchmal auch Nervenschädigungen, Polyneuropathien, z. B. durch Diabetes, sowie Hirn- und Rückenmarkerkrankungen wie Multiple Sklerose oder amyotrophe Lateralsklerose. Starke Rückenschmerzen entstehen auch durch Wirbelkörperbrüche, Tumoren und Metastasen im Wirbelkanal sowie degenerative Erkrankungen wie Spinalstenose oder Osteochondrose.
Behandlung
Konservative Therapie
Bewegen oder Bettruhe? Früher hieß es beim Bandscheibenvorfall erst einmal: Hinlegen und Bettruhe einhalten. Heute weiß man jedoch, dass Bewegung besser ist. Denn beim inaktiven Liegen droht relativ schnell der Abbau von Knochen und Muskeln, was sich zusätzlich negativ auf die Haltefunktion der Wirbelsäule auswirkt. Soweit es die Schmerzen erlauben, darf der Betroffene seinen normalen Tätigkeiten nachgehen. Ist dies jedoch aufgrund extremer Beschwerden nicht möglich, hilft es, eine entlastende Körperhaltung einzunehmen (mehr unter "Ihr Apotheker empfiehlt").
Schmerzmittel. Zur medikamentösen Schmerztherapie verordnet der Arzt Schmerzmittel, je nach Intensität der Beschwerden in unterschiedlicher Kombination. Folgende Wirkstoffe werden bevorzugt verordnet:
- NSAR wie Diclofenac (z. B. Voltaren® oder Diclac®) oder Ibuprofen (z. B. Ibu® oder Brufen®), Paracetamol (z. B. ben-u-ron®), Novaminsulfon (z. B. Metamizol®)
- Opioide wie Tramadol (z. B. Tramal®) oder Tilidin (befristet aufgrund der Gefahr, dass sich eine Abhängigkeit entwickelt)
- Bei chronischen Schmerzen Antidepressiva oder Antikonvulsiva in Kombination mit Schmerzmitteln
- Muskelrelaxierende Wirkstoffe wie Tolperison (z. B. Mydocalm®) oder Tizanidin (z. B. Sirdalud®), ebenfalls kombiniert mit Schmerzmitteln.
In hartnäckigen Fällen hilft kurzfristig die Injektion von örtlichen Betäubungsmitteln und Kortisonpräparaten neben die eingeengte Nervenwurzel (periradikuläre Therapie) oder neben das Rückenmark (peridurale Infiltration).
Physiotherapie. Eine gute, schmerzlindernde Wirkung zeigen auch physiotherapeutische Verfahren. Dabei ist die aktive Krankengymnastik (auch an Geräten) deutlich effektiver als Massagen; und auch der langfristige Nutzen von Wärmebehandlungen (z. B. Fangopackungen), Elektrotherapie oder manueller Therapie ist begrenzt.
Stationäre Infusionen. Nerveneinengungen (plötzliche Gefühlsausfälle, Lähmungserscheinungen oder der Verlust der Darm- und Blasenkontrolle) erfordern eine sofortige, üblicherweise stationäre Behandlung mit Infusionen, bestehend aus Kortison zur Entzündungshemmung und Abschwellung, Schmerzmitteln und häufig einem Vitaminpräparat. Zusätzlich erfolgen oft peridurale Infiltrationen, meist über einen dünnen Schlauch (Katheter), der mehrere Tage liegen bleibt. Führen diese Maßnahmen zur Besserung, beginnen die Betroffenen nach einigen Tagen mit Krankengymnastik und kehren dann schrittweise in ihren Alltag zurück.
Operative Therapie
Lassen sich starke Nervenschmerzen oder Lähmungen so nicht beherrschen, ist eine operative Behandlung erforderlich. Als dringender Notfall gilt insbesondere das oben beschriebene Kaudasyndrom, das auf ausgedehnte Bandscheibenvorfälle mit Einengung des unteren Wirbelkanals hinweist. Ziel der Operation ist es, das störende Gewebe zu entfernen. Folgende operative Verfahren stehen dafür zur Verfügung:
- Mikrochirurgische offene Nukleotomie. Bei diesem Standardverfahren entfernt der Chirurg das störende Bandscheibenmaterial über einen kleinen Hautschnitt und unter direkter Sicht durch ein Operationsmikroskop. Vorteil der Methode ist, dass gleichzeitig eventuelle Verengungen im Wirbelkanal (Spinalstenose) operiert werden können.
- Perkutane minimalinvasive Nukleotomie. Dieser Eingriff erfolgt unter lokaler Betäubung und Röntgenkontrolle. Dabei entfernt der Chirurg das störende Bandscheibengewebe durch eine über die Haut eingeführte Kanüle, entweder mit einer Art Sauger oder einer kleinen Zange. Kleine Vorfälle oder Vorwölbungen lassen sich über solch einen minimalen Zugang auch mit dem Laser schrumpfen. Ist der Faserring um die Bandscheibe intakt, kann der Arzt den vorgewölbten Gallertkern auch durch Einspritzen von Chymopapain auflösen (Chemonukleolyse) und dann über eine Nadel absaugen.
- Konventionelle, offene Operation. Ausgedehnte und ältere Bandscheibenvorfälle erfordern eine konventionelle offene Operation im Krankenhaus. Dabei wird der Wirbelkanal eröffnet und die betroffene Bandscheibe, und, wenn erforderlich, auch Teile des Wirbels entfernt. Oft sind zudem stabilisierende Eingriffe nötig, z. B. das Einpflanzen einer künstlichen Bandscheibe oder eine Versteifung der Wirbelsäule (Spondylodese).
Komplikationen
Bei etwa 12 % der konventionell Operierten verschlechtern sich die Beschwerden, da wucherndes Narbengewebe zu einem erneuten Druck auf die Nerven führt. Diese Komplikation, Postnukleotomiesyndrom genannt, führt zu äußerst hartnäckigen Schmerzen und lässt sich nur in Ausnahmefällen erneut chirurgisch behandeln. Wird als weitere Komplikation der operierte Wirbelsäulenabschnitt instabil, ist meist eine Versteifungsoperation erforderlich.
Hinweis: Weitere Informationen zur konservativen und operativen Behandlung von Rückenschmerzen finden sich im Beitrag Rückenschmerzen.
Prognose
Bei vielen Patienten mit Bandscheibenvorfällen lassen die Schmerzen und die Bewegungseinschränkungen innerhalb von 6 Wochen von selbst nach, wahrscheinlich, weil das ausgetretene Gewebe vom Körper verschoben oder resorbiert wird und deshalb nicht mehr auf die Nerven drückt.
Ist aufgrund von Nervenreizungen eine Entlastungsoperation erforderlich, erholen sich die Nerven umso besser, je kürzer sie eingeengt waren. Trotzdem dauert die Erholungszeit manchmal bis zu einem Jahr. Abhängig von der Behandlungsmethode und den vorbestehenden Schäden sind in 60–80 % der Fälle deutliche Besserungen zu erwarten.
Bandscheibenoperationen aufgrund von Schmerzen scheinen einer konservativen Behandlung langfristig nicht überlegen zu sein, sie sind deshalb unter Experten umstritten.
Ihr Apotheker empfiehlt
Was Sie selbst tun können
Linderung akuter Schmerzen. Ohne Linderung der akuten Schmerzen schafft es kaum ein Betroffener, überhaupt wieder in Bewegung zu kommen. Hier bieten sich folgende Möglichkeiten der Selbsthilfe an:
- Zögern Sie nicht, bei akuten Schmerzen Schmerzmittel einzunehmen. Wenn Sie sonst gesund sind, spricht nichts gegen eine kurzzeitige, maximal dreitägige Anwendung von rezeptfreien Schmerzmitteln, z. B. Diclofenac (z. B. Voltaren® oder Diclac®) oder Ibuprofen (z. B. Ibu® oder Brufen®) oder Paracetamol (z. B. ben-u-ron®). Sie helfen, den Teufelskreis von Schmerz und Verspannung zu durchbrechen.
- Suchen Sie eine Haltung, in der Ihre Schmerzen möglichst gering sind. Erfahrungsgemäß wird Liegen und Gehen als angenehmer empfunden als Stehen und Sitzen.
- Viele Therapeuten empfehlen die Rückenlage mit um 90° gebeugten Hüft- und Kniegelenken (Stufenlagerung, Stufenbettlagerung). Für manche Schmerzgeplagte ist auch die Bauchlage mit erhöhtem Oberkörper oder die Seitenlage mit angezogenen Beinen schmerzlindernd.
- Versuchen Sie, sich bewusst zu entspannen, wenn Sie eine schmerzarme Haltung gefunden haben: Atmen Sie bewusst und tief, hören Sie intensiv Musik, lesen Sie ein interessantes Buch.
- Gehen Sie spazieren, sobald es die Schmerzen zulassen. Langsames Gehen bewegt die Rückenmuskulatur schonend und entspannt sie zugleich.
Ist die akute Beschwerdephase überwunden, sollten Betroffene rasch wieder in Bewegung kommen und den Teufelskreis von Schmerz – Verspannung – mehr Schmerz zu durchbrechen. Ziel ist es, die Wirbelsäule beweglich und die stützende Muskulatur funktionsfähig zu halten.
Bewegung. Um die Bandscheiben optimal mit Flüssigkeit und Nährstoffen zu versorgen, ist regelmäßige Bewegung Voraussetzung: Durch Be- und Entlastung der Wirbelsäule werden die versorgenden Nährstoffe regelrecht in die Bandscheiben einmassiert. Damit die Motivation lange erhalten bleibt, haben sich solche Bewegungsformen bewährt, die sich leicht in den Alltag integrieren lassen und Spaß machen.
- Gehen Sie möglichst zu Fuß oder benutzen Sie das Fahrrad. Ziehen Sie die Treppe dem Lift oder der Rolltreppe vor.
- Finden Sie eine rückenschonende Sportart, die zu Ihnen passt. Dazu zählen Schwimmen, Aquajogging, Radfahren, Nordic Walking und Skilanglauf. Schließen Sie sich einer Gruppe an, um am Ball zu bleiben.
- Wer lieber drinnen trainiert, für den ist evtl. ein Fitnessstudio geeignet. Entscheidend ist dabei eine kompetente Betreuung – denn gerade beim Training mit Gewichten schaden nicht korrekt ausgeführte Übungen mehr, als sie nützen.
- Wenn Sie beruflich viel im Auto sitzen, leisten Sie sich einen guten Autositz und nutzen Sie die Pausen zum Umhergehen, Recken und Strecken.
- Wenn Sie im Büro tätig sind, erledigen Sie möglichst viel im Stehen oder Gehen. Insbesondere bei Stress sind solche Bewegungspausen wichtig, um eine Anspannung der Nacken- und Rückenmuskulatur zu verhindern. Ändern Sie beim Sitzen regelmäßig Ihre Position, abwechselnd leicht vorgeneigt, aufrecht und zurückgelehnt.
Arbeitsplatzergonomie. Wer lange sitzt, sollte auf geeignete Arbeitsstühle achten, z. B. solche mit der Funktion "dynamisches Sitzen". Diese verfügen über eine Rückenlehne, die sich mitbewegt und gleichzeitig den Rücken stützt. Sitzpositionen, die zwischen Rücken und Oberschenkel einen Winkel von etwa 120° einschließen, sind rückenschonender als eine gerade Sitzhaltung. Wichtig für die Arbeitsplatzergonomie ist auch die richtige Höhe von Tisch und Stuhl. Idealerweise bilden Ober- und Unterarme sowie Ober- und Unterschenkel mindestens einen rechten Winkel. Wenn die Arme locker auf den Armlehnen aufliegen, entlastet diese Position den Schulterbereich. Handballenauflagen vor der Tastatur entspannen beim Tippen ebenfalls die Schultern, tun aber auch dem Nacken gut.
Rückenschonend arbeiten. Wenn Sie körperlich arbeiten, vermeiden Sie möglichst Tätigkeiten, die den Rücken belasten. Gelingt dies nicht, führen Sie die erforderlichen Arbeiten rückenschonend aus. Heben und tragen Sie Gegenstände mit geradem Rücken und gleichmäßiger Verteilung auf beide Arme. Tragen Sie schwere Lasten dicht am Körper und vermeiden Sie dabei unbedingt, den Oberkörper im Stand zu drehen. Das Anheben schwerer Lasten sollte immer aus den Beinen anstatt dem Rücken erfolgen.
Gewicht normalisieren. Bauen Sie vorhandenes Übergewicht ab, indem Sie sich mehr bewegen und Ihre Ernährung umstellen.
Komplementärmedizin
Wärmeberuhigt und entspannt die Muskulatur und hilft dadurch, den Schmerz zu lindern. Bewährt haben sich warme Vollbäder (beruhigend: Melisse, Lavendel; anregend und durchblutungsfördernd: Rosmarin), warme Wickel (Heublume, Fango), Wärmflasche oder Wärmekissen im Bett, durchblutungsfördernde Pflaster (z. B. ABC-Wärmepflaster), Einreibungen z. B. mit Pferdesalbe, wärmende Unterwäsche aus Angorawolle, Wollschals oder auch ein Saunabesuch. Herzkranke Menschen müssen wegen der Kreislaufbelastung erst Rücksprache mit ihrem Arzt halten, bevor sie sich mit Vollbädern, Wickeln oder Saunabesuchen behandeln.
Besonders wirksam ist die heiße Rolle: Falten Sie ein Küchenhandtuch und zwei Frotteehandtücher der Länge nach. Wickeln Sie das Küchenhandtuch der Breite nach zu einer festen Rolle zusammen. Die beiden anderen Tücher werden schräg darum herumgewickelt, sodass das Ganze aussieht wie ein Trichter bzw. wie ein nur an einer Seite geöffnetes Bonbon. Gießen Sie nun etwa einen Dreiviertel Liter brühheißes Wasser in die Rolle (Vorsicht Verbrennung!) und wickeln Sie die Frotteehandtücher vollends um die jetzt nasse Innenrolle. Prüfen Sie die Wärme. Ist die Rolle zu heiß, so wickeln Sie ein weiteres Frotteetuch darum herum. Mit dieser heißen Rolle rollen, tupfen und massieren Sie über den Rücken. Wenn die Rolle kühler wird, nehmen Sie eine Frotteeschicht ab. Bei akuten Reizzuständen wirkt Kälte manchmal besser als Wärme. Bewährt haben sich Kühlpacks aus der Apotheke oder zerstoßene, in einem Waschlappen verpackte Eiswürfel, mehrmals täglich 1–5 Minuten lang auf die schmerzende Stelle aufgelegt. Um Erfrierungen vorzubeugen, empfiehlt es sich, die Auflagen in ein Tuch einzuschlagen und direkten Kontakt mit der Haut zu vermeiden.
Manuelle Therapien. Neben der klassischen Physiotherapie gibt es eine Vielzahl alternativer manueller Therapien, die Behandlungserfolge für sich beanspruchen. Viele Betroffenen schwören etwa auf Osteopathie, Wirbelsäulentherapie nach Dorn und Akupunktur.
Sanfte Bewegungstherapien wie Yoga, Tai Chi, Qigong und Feldenkrais sind bei wiederkehrenden Beschwerden empfehlenswert.
Weiterführende Informationen
- https://dgk.de/gesundheit/schmerzen/rueckenschmerzen/rueckenschmerzen.html Internetseite des Deutschen Grünen Kreuzes, Marburg: Gut besuchtes Patientenforum. Unter dem Suchbegriff Rückenschmerzen finden Sie umfassende Informationen.
- www.mein-starker-ruecken.de. Eine Seite mit praktischen, gut bebilderten und erklärten Übungen für Rückengymnastik. Klären Sie jedoch vor jeglichem Turnen mit Ihrem Arzt ab, ob solche Übungen für Sie sinnvoll sind!
Nackenschmerzen sind meist nicht gefährlich, können aber die Lebensqualität stark einschränken.
Was bei Nackenschmerzen hilft
Medikamente, Wärme oder Schonen?
Nackenschmerzen sind häufig. Zum Glück steckt in den meisten Fällen keine ernste Erkrankung dahinter. Behandlungsmöglichkeiten gibt es viele: von Schmerzmitteln über muskelentspannende Medikamente bis hin zum Tapen. Doch welche davon sind wirklich sinnvoll? Und wann sollten Nackenschmerzen besser gründlich abgeklärt werden?
Fast die Hälfte der Erwachsenen betroffen
Nackenschmerzen treten im Bereich der Halswirbelsäule zwischen Schädelbasis und den oberen Schulterblättern auf. Manchmal ziehen sie auch in die Schultern, den unteren Hinterkopf und den oberen Rücken. Der Schmerz ist dabei dumpf, drückend und ziehend und kann bei Bewegungen schlimmer werden. Häufig fühlt sich der Nacken auch steif an und das Drehen des Kopfes fällt schwer. Berührt man den schmerzenden Bereich oder versucht ihn zu massieren, lassen sich oft harte, verspannte Muskeln tasten.
Je nach ihrer Dauer werden Nackenschmerzen eingeteilt in
- akut: bis zu drei Wochen
- subakut: vier bis zwölf Wochen oder
- chronisch: länger als zwölf Wochen.
Die Abgrenzung fällt allerdings manchmal schwer, da der Beginn oft nicht genau definiert werden kann.
Fast die Hälfte der Erwachsenen in Deutschland gibt an, in den letzten Monaten mindestens ein Mal Nackenschmerzen gehabt zu haben – sie kommen also sehr oft vor. In der Hausarztpraxis gehören sie sogar zum dritthäufigsten Beratungsanlass. Frauen sind davon etwas häufiger betroffen als Männer, bei Menschen über 70 Jahren werden sie etwas seltener.
Hinweis: Auch Kinder und Jugendliche leiden unter Nackenschmerzen. Tendenziell soll die Anzahl der Betroffenen zwischen 3 und 17 Jahren steigen. Als Ursache gelten u.a. Bewegungsmangel und die immer längere Smartphonenutzung.
Wo kommen Nackenschmerzen her?
In den meisten Fällen von Nackenschmerzen lassen sich keine strukturellen Ursachen wie sichtbare oder messbare Probleme an den Knochen, Gelenken oder Nerven nachweisen. Dann spricht man von unspezifischen Nackenschmerzen. Als häufigster Grund für akute unspezifische Nackenschmerzen gelten Muskelverspannungen, z. B. ausgelöst durch lange Computerarbeit, Zugluft oder eine ungünstige Schlafhaltung. Sie klingen in der Regel auch ohne Behandlung innerhalb von ein bis zwei Wochen ab.
Halten die Beschwerden länger als drei Monate an, stecken hinter unspezifischen Nackenschmerzen oft Belastungen und Stress. Fehlhaltungen und Bewegungsmangel tragen zu ihrer Entwicklung zusätzlich bei.
Zu den seltenen strukturellen (spezifischen) Ursachen von Nackenschmerzen gehören z. B. arthrotische Veränderungen oder Rheuma. In weniger als 1% der Fälle gehen Nackenschmerzen auf eine gefährliche Ursache zurück. Dazu gehören Bandscheibenvorfall, Tumoren, Osteoporose mit Wirbelbrüchen, Nervenerkrankungen oder Infektionen.
Nackenschmerzen abklären lassen
Wer nach einer schlechten Nacht oder einer langen Gaming-Sitzung unter Nackenschmerzen leidet, benötigt meist keine ärztliche Hilfe. Es gibt jedoch auch Nackenschmerzen, die man bei der Hausärzt*in abklären lassen sollte. Das gilt zum einen, wenn die Schmerzen über eine längere Zeit anhalten. Denn auch wenn nichts Gefährliches dahinter steckt, ist es sinnvoll, eine gezielte Behandlung einzuleiten.
In manchen Fällen muss immer rasch eine ärztliche Abklärung erfolgen. Warnzeichen für eine der seltenen, gefährlichen Ursachen von Nackenschmerzen sind
- Kribbeln, Taubheitsgefühle oder Lähmungen von Armen und Beinen
- starke Kopfschmerzen, Fieber, Nackensteife und Übelkeit
- unerklärter Gewichtsverlust, Abgeschlagenheit, Nachtschweiß
- Nackenschmerzen nach einem Sturz oder Unfall
- gleichzeitige Schluckbeschwerden oder Schmerzen im Brustkorb
Diese Beschwerden können z. B. auf einen Bandscheibenvorfall, einen Tumor oder eine Meningitis hindeuten.
Wie sieht die Diagnostik bei Nackenschmerzen aus?
Bei neu aufgetretenen Nackenschmerzen befragt die Ärzt*in die Patient*in zunächst ausführlich, wie stark die Beschwerden sind, wann sie auftreten und wie lange sie schon bestehen. Zusätzlich wird nach eigenen Behandlungsversuchen und deren Erfolg/Misserfolg gefragt, ebenso nach der Lebenssituation, mit besonderem Schwerpunkt auf Belastungen und Stress.
Wichtig sind auch vorangegangene Infektionen, Stürze oder Unfälle und begleitende Erkrankungen. Auch die Medikamenteneinnahme ist von Bedeutung: So begünstigt z. B. die langfristige Einnahme von Kortison eine Osteoporose, die sich an der Halswirbelsäule bemerkbar machen kann. Abgefragt werden auch immer die sogenannten B-Symptome Nachtschweiß, Gewichtsverlust und Leistungsknick. Diese können auf eine Tumorerkrankung hinweisen.
Nach der Erhebung der Krankengeschichte wird die Patient*in körperlich untersucht. Dabei prüft die Ärzt*in die Beweglichkeit der Halswirbelsäule und ob die Dornfortsätze (die Erhebungen entlang der Wirbelsäule) druckschmerzhaft sind. Meist tastet sie auch die Muskulatur ab und sucht nach Verspannungen und Verhärtungen.
Um die Beteiligung von Nerven auszuschließen, wird eine kurze neurologische Untersuchung durchgeführt. Dazu gehört u.a. die Prüfung von Kraft, Feinmotorik und Sensibilität (Gefühl) der Finger, meist werden auch das Gangbild und die Reflexe getestet.
In den allermeisten Fällen kann die Ärzt*in nach dieser ausführlichen Anamnese und Untersuchung eine strukturelle Ursache der akuten Nackenschmerzen ausschließen und die Diagnose „unspezifische Nackenschmerzen“ stellen. Eine weitere Diagnostik ist nur erforderlich, wenn entsprechende Hinweise gefunden wurden.
Mehr Diagnostik wird auch empfohlen, wenn die Nackenschmerzen trotz Behandlung länger als vier bis sechs Wochen anhalten und die Betroffenen sehr in ihren Aktivitäten einschränken. Dies kann ein Hinweis auf eine initial nicht erkannte spezifische Ursache sein.
Zu den weiteren Untersuchungen gehört vor allem die Bildgebung. Zu bevorzugen sind die CT und die MRT, da sich mit diesen Untersuchungsverfahren Frakturen, Tumoren, Infektionen und Neuropathien besser erkennen lassen als mit dem konventionellen Röntgen. Bei einem Verdacht auf Infektionen oder Tumoren kommen entsprechende Laboruntersuchungen zum Einsatz. Für diese Spezialuntersuchungen und zur Weiterbehandlung überweist die Hausärzt*in die Patient*in meist in eine entsprechende Facharztpraxis (Rheumatologie, Neurologie, Orthopädie).
Hinweis: Bildgebende Verfahren sind bei unspezifischen Nackenschmerzen in den allermeisten Fällen nicht erforderlich. Sie können sogar schaden, da darin oft Veränderungen in der HWS erkannt werden, die nicht Ursache der Schmerzen sind. Das kann unbegründete Ängste wecken, die Betroffenen unnötig belasten und manchmal sogar überflüssige Therapien nach sich ziehen.
Bewegung ist das A und O
Für das Selbstmanagement bei unspezifischen Nackenschmerzen gibt es einige nicht-medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten. Dazu gehören körperliche Aktivität, Wärme- oder Kältebehandlungen und Entspannungsübungen.
- Körperliche Aktivität: Betroffene mit unspezifischen Nackenschmerzen sollten sich bewegen, also körperlich aktiv bleiben. Wenn nötig, auch mithilfe einer medikamentösen Schmerztherapie (siehe unten). Sinnvoll sind auch leichte Übungen, z. B. die Halsmuskulatur anzuspannen und in sanfter Dehnung zu entspannen. Die Expert*innen der aktuellen Leitlinie zum unspezifischen Nackenschmerz empfehlen dazu ein Video-Beispiel auf youtube (https://www.youtube.com/watch?v=6-bu6N-emq4, vierte Übung). Weitere Übungen sind Schulterkreisen, Kopfneigen, Seitdehnung und Kinn-zur-Brust, alles natürlich sanft und schonend.
- Wärme oder Kälte: Wärme kann bei unspezifischen Nackenschmerzen die Schmerzen lindern und die Beweglichkeit bessern. Insgesamt gibt es dazu allerdings kaum Daten aus Studien, die Empfehlungen beruhen auf Expertenwissen. Empfohlen werden dafür z. B. aufgewärmte Körnerkissen. Auch Wärmepflaster oder eine heiße Rolle können hilfreich sein. Manche Betroffenen profitieren statt von Wärme eher von Kälteanwendungen. Sofern dies als schmerzlindernd empfunden wird, raten Expert*innen nicht davon ab.
- Entspannungsverfahren: Für den Effekt von Entspannungsverfahren wie der Progressiven Muskelrelaxation gibt es unterschiedliche Ergebnisse. In einigen Studien wurden Schmerzen und Beweglichkeit gebessert, in anderen nicht. Möglicherweise helfen Entspannungsverfahren aber dabei, das Stresserleben zu reduzieren und der Entwicklung chronischer Nackenschmerzen entgegenzuwirken.
Hinweis: Den Hals mit einer Halskrause oder einer Nackenschiene ruhig zu stellen wird bei unspezifischen Nackenschmerzen nicht empfohlen. Expert*innen gehen davon aus, dass dies eher schädlich wirkt: Einerseits bildet sich die Halsmuskulatur zurück, andererseits wird die Passivität der Betroffenen gefördert.
Medikamentöse Hilfe bei Nackenschmerzen
In manchen Fällen sind bei unspezifischen Nackenschmerzen Schmerzmittel erforderlich. Eine Schmerztherapie kann auch dazu dienen, beweglich und aktiv zu bleiben. In Frage kommen, wenn erforderlich, nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) und Metamizol.
- NSAR. Am häufigsten werden NSAR wie Ibuprofen, Diclofenac oder Naproxen eingesetzt. Ihr Effekt wird in Studien unterschiedlich bewertet. Zudem haben sie ein erhöhtes Risiko für Nebenwirkungen, insbesondere auf die Magenschleimhaut. Sie erhöhen auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Insgesamt gilt, dass sie so niedrig dosiert und so kurz wie möglich eingesetzt werden sollten. Für chronische unspezifische Nackenschmerzen werden sie aufgrund der genannten Nebenwirkungen nicht empfohlen.
- Metamizol. Für Patient*innen, die NSAR nicht vertragen oder ein zu hohes Risiko für die genannten Nebenwirkungen haben, stellt Metamizol eine Alternative dar. Dieses Präparat kann allerdings in sehr seltenen Fällen bestimmte Zellen im Blut verringern (Agranulozytose). Bei längerer Einnahme sollte deshalb regelmäßig das Blutbild kontrolliert werden. Außerdem müssen die Patient*innen die typischen Symptome Fieber, Halsschmerzen und Schleimhautläsionen kennen und bei deren Auftreten die Hausärzt*in aufsuchen.
Von anderen Schmerzmitteln wie Paracetamol und Opioiden rät die Leitlinie ab. Paracetamol soll aufgrund seiner mangelnden Wirkung auf Nackenschmerzen nicht genommen werden, Opioide aufgrund ihrer unerwünschten Wirkungen und ihres Suchtpotenzials.
Verschreibungspflichtige muskelrelaxierende (entspannende) Wirkstoffe werden bei unspezifischen Nackenschmerzen auch gerne angewendet. Allerdings ist ihre Wirkung in Studien kaum belegt. Bei akuten unspezifischen Nackenschmerzen mit starker Verspannung sind sie eine Behandlungsoption, wenn NSAR nicht anschlagen. Aufgrund ihrer möglichen Nebenwirkungen wie Blutbildstörungen, Schwindel oder zentraler Sedierung (Dämpfung) sollten sie allerdings nicht länger als zwei Wochen angewendet werden.
Hinweis: Für die Wirkung pflanzlicher Schmerzmittel wie Weidenrinde und Teufelskralle gibt es keine aussagekräftigen Studien. Ihr Einsatz wird deshalb in den Leitlinien nicht bewertet.
Chirotherapie, Akupunktur und Laser
Bei unspezifischen Nackenschmerzen werden auch häufig nicht-medikamentöse Verfahren und Methoden angeboten. Einige werden eher kritisch betrachtet, da ihre Wirkung nicht ausreichend belegt ist. Dazu kommt, dass viele der eingesetzten Methoden die Passivität der Betroffenen fördern. Dies steht im Widerspruch zu der Erkenntnis, dass körperliche Bewegung die Basis bei der Behandlung von unspezifischen Nackenschmerzen ist.
Grünes Licht geben die Expert*innen für die manuelle Therapie (Chirotherapie). Aktuellen Studien zufolge kann diese Technik bei akuten unspezifischen Nackenschmerzen die Schmerzen lindern und die Beweglichkeit der Halswirbelsäule bessern. Voraussetzung für eine Verordnung ist, dass keine Kontraindikationen wie Osteoporose, Schäden an der Wirbelsäule oder Gefäßkrankheiten vorliegen.
Die Akupunktur zeigt bei länger bestehenden unspezifischen Nackenschmerzen kleine bis mittlere Effekte. Insbesondere wenn andere Maßnahmen nicht greifen, kann sie versucht werden. Sie sollte aber – ebenso wie die Chirotherapie – mit aktivierenden Maßnahmen kombiniert werden.
Keinen Wirknachweis in kontrollierten Studien brachte die Behandlung mit Laser, Interferenzstrom oder Ultraschall. Gleiches gilt für die Behandlung mit medizinischen Bädern und Rotlicht, die deshalb nicht auf Kassenkosten verordnet werden sollten.
Auch Kinesiotapes werden manchmal bei akuten Nackenschmerzen eingesetzt. Eine Wirkung konnte allerdings bisher nicht belegt werden, zumal drohen allergische Reaktionen. Die Leitlinienautor*innen raten deshalb davon ab.
Hinweis: Bei chronischen unspezifischen Nackenschmerzen hat sich die kognitive Verhaltenstherapie als wirksam erwiesen. Sie kann Schmerzen, Angst vor Bewegung, Depressivität und allgemeine Ängstlichkeit bessern und wird vor allem im Rahmen eines multimodalen Therapiekonzepts empfohlen.
Quelle: S3-Leitlinie „Nicht-spezifische Nackenschmerzen“, AWMF-Register-Nr. 053-007 DEGAM-Leitlinie Nr. 13, Version 3.0, gültig bis 17.02.2030

