Gesundheit heute

Neuroendokrine Tumoren (NET)

Neuroendokrine Tumoren (NET) (Karzinoide, diffuse neurokrine Neoplasien, früher APUDOMe genannt): Überwiegend im Magen-Darm-Trakt anzutreffende und hormonell aktive Tumoren äußerst unterschiedlichen Charakters. Gutartige Verläufe überwiegen. Männer und Frauen erkranken gleich häufig.

Leitbeschwerden

  • Magenschmerzen, Sodbrennen, häufig begleitet von Übelkeit und Erbrechen
  • Durchfälle (Gastrinom) durch Blutungen aus dem Geschwür
  • Magenblutung
  • Schwindel und Bewusstseinsstörung durch Unterzucker (Insulinom)
  • Karzinoid-Syndrom (Durchfall und anfallsartige Hautrötung bzw. Wärmegefühl, manchmal Kreislaufkollaps).

Die Tumoren im Einzelnen

Karzinoide sind mit ~ 200–400 jährlichen Neuerkrankungen in Deutschland die häufigsten neuroendokrinen Tumoren und können gut- oder bösartig sein. 90 % von ihnen sitzen in Magen oder Darm, davon rund die Hälfte im Wurmfortsatz. Die übrigen 10 % sind häufig in den Atemwegen lokalisiert.

Hormonaktive Karzinoide produzieren Serotonin (einen Botenstoff des Nervensystems) sowie mehrere Substanzen, die die Blutgefäße erweitern. Wenn sich der Tumor im Magen-Darm-Trakt befindet, werden diese Substanzen anfangs noch von der Leber abgebaut, bevor sie in fortgeschrittenen Stadien mit dem Blut in den ganzen Körper gelangen. Dann verursachen sie Durchfälle und anfallsartige rote Verfärbung des Gesichts (Flush genannt, breitet sich manchmal auch an Hals und Brust aus), begleitet von schnellem Herzschlag und Schwitzen sowie eventuell Herz- und Atemwegsbeschwerden. Treten Gesichtsröte, Durchfall und Herzbeschwerden gemeinsam auf, handelt es sich um das Karzinoid-Syndrom, das aber nur bei 5 % der Betroffenen auftritt und somit vergleichsweise selten ist. Manchmal leidet der Betroffene zusätzlich unter Bauchschmerzen, was die Folge eines zunehmenden Tumorwachstums oder einer hormonbedingten Durchblutungsstörung des Darms sein können.

Insulinome sind überwiegend gutartige neuroendokrine Tumoren der Bauchspeicheldrüse. Wie der Name schon sagt, produzieren sie Insulin. Die Wirkung des Insulins führt zur typischen Whipple-Trias: Nach Fasten oder körperlicher Anstrengung kommt es zu anfallsartiger Unterzuckerung mit Zittern, Schweißausbruch, Herzklopfen, Schwindel, Sehstörungen und anderen Ausfällen bis hin zur Bewusstlosigkeit, die sich bessert, wenn etwas gegessen wird. Einige Patienten essen – oft gar nicht bewusst – häufiger und mehr, um die Beschwerden zu vermeiden, so dass Gewichtszunahme vorherrschendes Krankheitszeichen ist.

Gastrinome sind in mehr als zwei Dritteln der Fälle bösartige neuroendokrine Tumoren des Magens. Durch die übermäßige Produktion des Hormons Gastrin, das die Absonderung von Magensaft fördert, wird im Magen zu viel Salzsäure gebildet. Folge ist das Zollinger-Ellison-Syndrom mit über Jahre wiederkehrenden Magen- und Dünndarmgeschwüren.

Neben diesen drei häufigeren NET gibt es auch seltenere Varianten:

  • Das meist bösartige Glukagonom produziert vermehrt das Hormon Glukagon (fördert die Erhöhung des Blutzuckerspiegels). Es kommt zu schweren Haut- und Mundschleimhautentzündungen sowie einem (meist leichten) Diabetes.
  • Das VIPom. Ebenfalls meist bösartig, führt es durch die Bildung von Eiweißen (vor allem des vasoaktiven intestinalen Polypeptids, VIP) mit Wirkung auf die Blutgefäße zum Verner-Morrison-Syndrom mit massiven, wässrigen Durchfällen, die einen Flüssigkeitsmangel und eine Entgleisung des Mineralstoffhaushalts nach sich ziehen (Übersicht über den Mineralstoffbedarf).

Therapie. Wenn möglich, wird ein neuroendokriner Tumor vollständig operativ entfernt.

Prognose

Die Prognose ist für den Patienten unterschiedlich. Wird z. B. im Rahmen einer Blinddarmentfernung zufällig ein kleines Karzinoid entdeckt, sind die Aussichten auf Heilung sehr gut; ebenso bei einem gutartigen, vollständig entfernten Insulinom. Die Prognose ist bei bösartigen Tumoren schlechter, insgesamt betrachtet aber meist besser als bei einem anderen Krebs gleicher Größe.

Von: Dr. med. Arne Schäffler in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung: Dr. med. Sonja Kempinski
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Semaglutid jetzt als Tablette

Semaglutid hilft beim Abnehmen als Tablette offenbar ähnlich gut wie als Spritze.

Semaglutid jetzt als Tablette

Alternative bei Spritzenangst

Semaglutid zum Abnehmen gibt es jetzt auch als Tablette – eine Alternative für alle, die wegen der Spritze zögern. Wie die Pille wirkt, wer sie nehmen darf und worauf es bei der Einnahme ankommt.

Weniger Hunger, früher satt

Wer mit Adipositas oder Übergewicht zu kämpfen hat, kann Semaglutid zur Unterstützung der Gewichtsabnahme inzwischen auch als Tablette einnehmen. Das Präparat ist seit September 2026 auf dem deutschen Markt erhältlich. Der Wirkstoff gehört zur Gruppe der GLP-1-Rezeptoragonisten. Er ahmt ein körpereigenes Darmhormon nach, das unter anderem das Hunger- und Sättigungsgefühl beeinflusst. Dadurch kann es leichter fallen, weniger zu essen.

Die Tablette ist für Erwachsene mit Adipositas oder mit Übergewicht und mindestens einer gewichtsbedingten Begleiterkrankung vorgesehen. Dazu gehören beispielsweise Bluthochdruck, Typ-2-Diabetes oder eine Herz-Kreislauf-Erkrankung. Die Behandlung wird mit einer kalorienreduzierten Ernährung und mehr Bewegung kombiniert.

Einmal täglich statt einmal pro Woche

Die Tablette wird einmal täglich auf nüchternen Magen eingenommen – im Gegensatz zur Abnehmspritze, die einmal wöchentlich verabreicht wird. Nüchtern bedeutet, dass die Tablette nach mindestens acht Stunden ohne Nahrung mit Wasser geschluckt werden soll. Danach sollten mindestens 30 Minuten vergehen, bevor gegessen, getrunken oder ein anderes Medikament eingenommen wird. Nur so ist die vollständige Aufnahme des Wirkstoffs über die Magenschleimhaut gewährleistet.

Deutliche Gewichtsabnahme möglich

Semaglutid wirkt als Tablette offenbar ebenso gut wie als Spritze. Das zeigt zum Beispiel eine Studie mit 307 Erwachsenen. Durch Semaglutid als Tablette verloren die Teilnehmenden nach 64 Wochen durchschnittlich 13,6 Prozent ihres Körpergewichts. Unter Placebo waren es 2,2 Prozent. Rund drei Viertel der mit Semaglutid behandelten Personen nahmen mindestens 5 Prozent ihres Ausgangsgewichts ab.

Häufige Nebenwirkungen sind Übelkeit und Erbrechen

Wie bei der Spritze können Nebenwirkungen auftreten. Am häufigsten kommt es dabei zu Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Verstopfung oder Bauchschmerzen. Meist werden die Beschwerden vor allem zu Beginn der Behandlung oder bei einer Dosiserhöhung beobachtet. Die Behandlungskosten mit Spritze oder Tablette liegen sehr nah beieinander. Für die Erhaltungsdosis muss man mit 250–300 Euro pro Monat rechnen (2026).

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für Semaglutid nur bei Typ-2-Diabetes. Bei reiner Adipositas-Behandlung gilt Semaglutid als Lifestyle-Medikament. Das bedeutet, dass die Betroffenen das Medikament selbst bezahlen müssen.

Quelle: ptaheute

Von: Dr. med. Sonja Kempinski; Bild: mauritius images / Science Photo Library