Gesundheit heute
Nebenschilddrüsen-Unterfunktion
Nebenschilddrüsen-Unterfunktion (Hypoparathyreodismus): Verminderte oder fehlende Bildung von Parathormon in den Nebenschilddrüsen. Zur Unterfunktion kommt es am häufigsten durch eine Schädigung der Nebenschilddrüsen bei Operationen im Halsbereich. Eher seltene Ursachen sind z. B. Autoimmunerkrankungen, angeborene Defekte oder Bestrahlungen im Halsbereich. Der Mangel an Parathormon bewirkt einen Kalziummangel im Blut, der die Nerven- und Muskelfunktion beeinträchtigt. Betroffene bemerken zunächst Missempfindungen wie ein Kribbelgefühl an Händen und Füßen sowie Muskelzuckungen. Im weiteren Verlauf zeigen sich schmerzhafte Muskelkrämpfe, psychische Veränderungen wie Reizbarkeit und Unruhe, manchmal auch Bronchialkrämpfe, Gallenkoliken oder epileptische Anfälle. Die Erkrankung ist gut durch die Einnahme von Kalzium und Vitamin D behandelbar.
Symptome und Leitbeschwerden
- Missempfindungen, z. B. Ameisenkribbeln oder Taubheitsgefühle an Händen, Füßen und rund um den Mund
- Muskelzuckungen oder leichtes Muskelflattern, v. a. im Gesicht
- Schmerzhafte Muskelkrämpfe, z. B. typische „Pfötchenstellung“ der Hände mit steif nach innen gebogenen Fingern und Verkrampfung der Füße nach unten und innen
- psychische Beschwerden wie Reizbarkeit, Unruhe oder Angst
- Evtl. Organkrämpfe, z. B. Stimmritzenkrampf oder Bronchialkrämpfe mit Atemnot, Magen-Darm-Krämpfe oder Gallenkoliken mit starken Bauchschmerzen, Herzrasen oder Herzrhythmusstörungen mit Schwindel oder Bewusstseinsstörung
- Evtl. generalisierte Krämpfe als epileptische Anfälle mit erhaltenem Bewusstsein.
Wann in die Arztpraxis
In den nächsten Tagen, wenn wiederholt schmerzhafte Muskelverkrampfungen oder die beschriebenen Organkrämpfe auftreten.
Sofort den Notruf wählen bei einem generalisierten Krampfanfall, bei Atemnot sowie bei starkem Herzrasen oder Herzrhythmusstörungen mit Schwindel oder Bewusstseinsstörung.
Die Erkrankung
Krankheitsentstehung
Die Nebenschilddrüsen sind 4 kleine Organe, die jeweils paarig am oberen und unteren Ende der Schilddrüse liegen. Sie sind nur linsengroß, haben aber eine wichtige Funktion: Sie regulieren den Kalziumstoffwechsel. Dazu bilden sie das Parathormon – einen Botenstoff, der den Kalziumspiegel im Blut konstant hält. Sinkt der Kalziumspiegel, sorgt das Parathormon z. B. dafür, dass Kalzium aus dem Knochen freigesetzt wird und in den Nieren weniger Kalzium ausgeschieden wird.
Bei einer Nebenschilddrüsen-Unterfunktion wird zu wenig oder gar kein Parathormon gebildet. Dafür kann es viele verschiedene Ursachen geben.
Ursachen und Risikofaktoren
Der häufigste Auslöser für eine Nebenschilddrüsen-Unterfunktion sind Operationen im Halsbereich. Wird zum Beispiel wegen einer Schilddrüsenerkrankung die Schilddrüse entfernt, werden oft auch die Nebenschilddrüsen stark geschädigt. Es kann sogar passieren, dass sie versehentlich mitentfernt werden. Daneben gibt es weitere Ursachen, die wesentlich seltener sind. Hierzu gehören z. B.
- Autoimmunerkrankungen, bei denen die Nebenschilddrüsen durch das Immunsystem angegriffen werden
- angeborene Defekte, bei denen die Nebenschilddrüsen sich im Kindesalter nicht oder nicht vollständig entwickeln
- Bestrahlungen im Halsbereich, z. B. zur Behandlung von Kehlkopf- oder Schlundkopfkrebs
- Krebserkrankungen mit Metastasenbildung in den Nebenschilddrüsen
- schwere Entzündungen der Nebenschilddrüsen
- chronischer Magnesiummangel bei Alkoholabhängigkeit oder Mangelernährung.
Klinik, Verlauf und Komplikationen
Der Mangel an Parathormon verursacht einen Kalziummangel im Blut. Dadurch kommt es zu einer Übererregbarkeit von Nerven und Muskulatur. Erste Warnzeichen sind Missempfindungen wie ein Ameisenkribbeln oder Taubheitsgefühle an Händen, Füßen und rund um den Mund. Ein häufiges Frühsymptom sind auch Muskelzuckungen, etwa ein leichtes Flattern der Gesichtsmuskeln. Ein ausgeprägter Kalziummangel macht sich dann durch schmerzhafte Muskelkrämpfe bemerkbar. In diesem Fall ist die „Pfötchenstellung“ der Hände typisch: Die Finger sind steif nach innen gebogen und auch die Füße verkrampfen sich nach unten und innen.
Auch die Muskulatur der inneren Organe kann sich verkrampfen. Dann kommt es z. B. zum Stimmritzenkrampf oder zu Bronchialkrämpfen mit plötzlicher Atemnot. Zudem sind Magen-Darm-Krämpfe oder Gallenkoliken mit starken Bauchschmerzen möglich, genauso wie Herzrasen bzw. Herzrhythmusstörungen mit Schwindel oder Bewusstseinsstörungen bis hin zu Ohnmachtsanfällen.
Der Kalziummangel wirkt sich auch aufs Gehirn aus. Betroffene merken das durch psychische Beschwerden wie Reizbarkeit, Unruhe oder Angst. Bei einem sehr starken Kalziummangel sind auch epileptische Anfälle möglich. Während des Anfalls sind die Betroffenen allerdings, anders als bei einer Epilepsie, bei normalem Bewusstsein.
Die Erkrankung kann auch chronisch sein, z. B. wenn sie angeboren ist. Dann sind die beschriebenen Beschwerden oft milder oder treten schleichend auf. Dafür kommen aber weitere Symptome hinzu, z. B. Haarausfall, trockene Haut und brüchige Fingernägel. Tritt die Erkrankung schon im Kindesalter auf und wird nicht rechtzeitig behandelt, zeigen sich auch Zahnfehlbildungen wie verzögerter Durchbruch der Zähne, Rillen und Löcher im Zahnschmelz und zu kleine Zähne mit unterentwickelten Zahnwurzeln. Eine Linsenverkalkung (Grauer Star) führt zu Sehstörungen. Verkalkungen im Gehirn verursachen Kopfschmerzen, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen sowie weitere neurologische Störungen bis hin zum Parkinson-Syndrom oder Demenz. Auch die Nieren- und Knochenfunktion werden durch den gestörten Kalziumstoffwechsel beeinträchtigt. Dadurch besteht ein erhöhtes Risiko für Nierenversagen und erhöhte Knochenbrüchigkeit.
Diagnosesicherung
Hat die Ärzt*in bei der Symptombeschreibung der Patient*in den Verdacht auf eine Nebenschilddrüsen-Unterfunktion, kann sie durch einfache Tests bei der körperlichen Untersuchung die typischen Muskelsymptome auslösen. Durch Beklopfen des Gesichtsnervs im Bereich der Wangen lässt sich ein charakteristisches Zucken der Mundwinkel provozieren (Chvostek-Zeichen). Beim Blutdruckmessen kann die aufgeblasene Blutdruckmanschette die typische „Pfötchenstellung“ der Finger auslösen Trousseau-Zeichen). Bestätigt wird die Diagnose dann durch eine Blutuntersuchung. Diese zeigt erniedrigte Kalzium- und erhöhte Phosphatspiegel sowie einen erniedrigten Parathormon-Spiegel.
Bei Kindern sind meist zusätzliche molekulargenetische Untersuchungen notwendig, denn oft tritt die angeborene Form der Nebenschilddrüsen-Unterfunktion im Rahmen genetischer Syndrome auf. Dann kommt es zu weiteren Organstörungen, z. B. Herzmissbildungen oder Gaumenspalten.
Differenzialdiagnosen. Der Nebenschilddrüsen-Unterfunktion sehr ähnlich ist der sogenannte Pseudohypoparathyreoidismus. Hierbei wird nicht zu wenig Parathormon gebildet, sondern die Wirkung des Parathormons ist durch eine Störung der Signalübertragung an den Zellen vermindert. Die Zellen sind also resistent und reagieren nicht auf das Hormon. Die Erkrankung wird durch genetische Tests von der „einfachen“ Nebenschilddrüsen-Unterfunktion unterschieden.
Behandlung
Eine Unterfunktion der Nebenschilddrüsen wird durch ein Kalziumpräparat in Kombination mit aktivem Vitamin D behandelt. Wichtig sind regelmäßige Kontrollen des Blutkalziumspiegels und der Kalziumausscheidung im Urin, um die Medikamentendosierung anzupassen. Das Behandlungsziel ist, den Blutkalziumspiegel im unteren Normalbereich zu halten. Steigt das Kalzium zu hoch an, können sich Nierensteine bilden oder die Nieren verkalken.
Lässt sich der Kalziumspiegel schlecht auf den Zielwert einstellen und kommt es immer wieder zu starken Schwankungen, ist auch die Gabe von künstlichem Parathormon möglich. Dieses wird als tägliche Spritze verabreicht und ist bisher nur für Erwachsene zugelassen. Bei Kindern wird es nur im Ausnahmefall eingesetzt, wenn sie auf die Kalzium-Vitamin-D-Behandlung nicht ansprechen. Dabei ist eine besonders engmaschige Überwachung des Knochenwachstums und der Nierenfunktion notwendig. Die Nieren von Kindern sind besonders anfällig für Verkalkungen, sodass es schneller zum Nierenversagen kommt als bei Erwachsenen. Zudem stimuliert Parathormon die Knochenzellen sehr stark. Dadurch können an den noch wachsenden Knochen z. B. Deformationen entstehen.
Prognose
Werden die Nebenschilddrüsen z. B. durch eine Operation im Halsbereich geschädigt, normalisiert sich die Funktion in der Regel nach 1 bis 6 Monaten wieder. Anders ist es, wenn die Erkrankung angeboren ist oder auch noch 6 Monate nach der Organschädigung besteht. Dann ist meist eine lebenslange Behandlung erforderlich. Meist lassen sich die Blutwerte gut mit den Medikamenten einstellen. Dennoch beschreibt ein Teil der Betroffenen auch bei stabilen Zielwerten eine eingeschränkte Lebensqualität mit Erschöpfungszuständen und depressiver Verstimmung.
Prophylaxe
Um eine Nebenschilddrüsen-Unterfunktion als Komplikation einer Schilddrüsenoperation zu verhindern, wird heute vorsorglich eine der 4 Nebenschilddrüsen während der OP herausgenommen und in einem Muskel wieder eingepflanzt. Diese Autotransplantation eignet sich auch als vorbeugende Maßnahme bei Bestrahlungen der Schilddrüse.
Ihre Apotheke empfiehlt
Was Sie selbst tun können
Kalzium-Einnahme. Verteilen Sie das Kalzium auf mehrere Einzeldosen über den Tag und nehmen Sie es immer gemeinsam mit einer Mahlzeit ein. So ist es magenverträglicher. Nehmen Sie unterwegs auch immer eine Tagesdosis Kalzium mit. So können Sie sofort gegensteuern, wenn sich ein akuter Kalziummangel mit Kribbeln oder Taubheitsgefühlen ankündigt.
Flüssigkeitszufuhr. Trinken Sie ausreichend – mindestens 2 Liter am Tag. So verhindern sie ein Austrocknen (Dehydratation) und unterstützen die Nierenfunktion. Nicht geeignet sind stark kohlensäurehaltige Getränke und Alkohol, da diese dem Körper Kalzium entziehen können.
Notfallausweis. Ein starker Abfall des Kalziumspiegels kann plötzliche Verwirrtheit, Atemnot und Krampfanfälle auslösen, die mit einer intravenösen Kalziumgabe behandelt werden müssen. Die Symptome können mit epileptischen Krampfanfällen oder einem Schlaganfall verwechselt werden. Tragen Sie also immer einen Notfallausweis bei sich, sodass das Rettungsteam sofort die richtige Behandlung einleiten kann.
Weiterführende Informationen
Netzwerk Hypopara: Information und Selbsthilfe für Patient*innen mit Hypoparathyreoidismus
Quellen:
- AWMF (2022) Hypoparathyreoidismus und Pseudohypoparathyreoidismus. S1-Leitlinie von der Deutschen Gesellschaft für Kinderendokrinologie und -diabetologie (DGKED) e.V., Reg. Nr. 174-005, Langfassung. Abzurufen unter https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/174-005
- Pschyrembel (2026) Hypoparathyreoidismus. Webartikel zur Klinischen Praxis. Abgerufen am 10.07.2026 unter Pschyrembel Online
- Herold - Innere Medizin (2026) Hypoparathyreoidismus. Webartikel zur Klinischen Praxis. Abgerufen am 10.07.2026 unter Pschyrembel Online
Müdigkeit, Konzentrationsprobleme und Übergewicht haben meist nichts mit Veränderungen des Cortisolspiegels zu tun – auch wenn dies in sozialen Medien gern behauptet wird.
Wie sinnvoll ist der Cortisol-Detox?
Müde, zu dick und unkonzentriert
Müdigkeit, Gewichtszunahme und Konzentrationsprobleme – etliche Influencer*innen behaupten in den sozialen Medien, dass daran ein „zu hoher Cortisolspiegel“ schuld ist. Empfohlen wird dann meist eine Cortisol-Entgiftung. Das ist allerdings nicht nur medizinisch sinnlos. Manche der propagierten Methoden können sogar gefährlich werden.
Cortisol unter Verdacht
Auf TikTok und anderen Plattformen kommt Cortisol derzeit nicht gut weg. Ein Überschuss des Hormons soll für zahlreiche Gesundheitsprobleme verantwortlich sein, darunter ständige Müdigkeit, Konzentrationsschwäche, Haarausfall und Gewichtzunahme. Um zu testen, wie hoch der Cortisolspiegel im Blut ist, werden oft frei verkäufliche Cortisoltests angepriesen. Auch Empfehlungen zur Cortisol-Entgiftung (Cortisol-Detox) kursieren im Internet. Sie reichen von Spaziergängen bis zu extremen Fasten.
Cortisol ist kein Gift
Mediziner*innen sehen diese Trends kritisch. Cortisol ist kein Gift, sondern ein lebenswichtiges Hormon, das in viele Stoffwechselvorgänge eingreift. So wird es beispielsweise in Stresssituationen vermehrt ausgeschüttet. Dann kann es zu Schlafstörungen, Müdigkeit und Stimmungsschwankungen kommen. In den allermeisten Fällen stecken hinter solchen Beschwerden allerdings andere Ursachen.
Ein in den sozialen Medien genanntes Symptom ist das „Cortisol Face“, mit dem ein rundliches Gesicht bezeichnet wird. Tatsächlich kann sich bei einem Cortisolüberschuss ein rundes Gesicht entwickeln – etwa beim Cushing-Syndrom. Das Cushing-Syndrom kommt bei bestimmten seltenen Tumoren vor. Auch eine längerfristige Behandlung mit hoch dosiertem Kortison kann die Fettverteilung am Körper und im Gesicht verändern. Eine „normale“ Gewichtszunahme bedeutet dagegen nicht automatisch, dass zu viel Cortisol produziert wird.
Selbsttests sind unzuverlässig
Zudem sind die angepriesenen Selbsttest nicht sinnvoll, sagen Expert*innen. Cortisol lässt sich nur mit speziellen Methoden zuverlässig nachweisen. Außerdem unterliegen die Cortisolspiegel im Blut tageszeitlichen Schwankungen. Die frei verkäuflichen Tests liefern daher unzuverlässige Ergebnisse und können die Anwendenden unnötig verunsichern.
Von Yoga bis Schlafentzug
Manche Influencer*innen empfehlen Maßnahmen, um vermeintlich hohe Cortisolspiegel zu senken. Handelt es sich dabei um Yoga und Spaziergänge, ist dagegen nichts einzuwenden. Auch das regelmäßige Trinken von Wasser ist, solange es nicht übermäßig geschieht, für die meisten Menschen gesundheitsfördernd. Mit dem Senken des Cortisolspiegels haben sie wenig zu tun.
Vor extremen Fasten, exzessiven Schlafentzug oder hoch dosierten Nahrungsergänzungsmitteln warnen Fachleute dagegen. Diese Maßnahmen können dem Köper schaden.
Im Zweifel in die Arztpraxis
Wer unter den genannten Beschwerden leidet oder befürchtet, zu hohe Cortisolspiegel zu haben, sollte besser eine Ärzt*in aufsuchen. Dort kann zuverlässig festgestellt werden, ob es eine Störung im Cortisolhaushalt gibt. Liegen tatsächlich erhöhte Cortisolspiegel vor, werden die Ursachen gesucht und entsprechend behandelt. Bei cortisolproduzierenden Tumoren erfolgt z. B. meist eine Operation. Ist eine Kortisontherapie die Ursache, passt man die Medikamentendosis an.
Quelle: ptaheute

