Gesundheit heute

Nebenschilddrüsen-Überfunktion

Nebenschilddrüsen-Überfunktion (Hyperparathyreoidismus, HPT): Gesteigerte Bildung von Parathormon in den Nebenschilddrüsen. Ursache einer Nebenschilddrüsen-Überfunktion ist entweder eine Funktionsstörung der Nebenschilddrüsen selbst (primärer Hyperparathyreoidismus, pHPT) oder ein Kalziummangel im Blut, der die Nebenschilddrüsenfunktion anregt (sekundärer Hyperparathyreoidismus, sHPT). Das Parathormon lässt dann den Kalziumspiegel im Blut ansteigen. Die meisten Betroffenen zeigen keine oder nur unspezifische Symptome wie Müdigkeit, Leistungsschwäche, Appetitlosigkeit, Glieder- oder Rückenschmerzen. Deshalb wird die Erkrankung häufig nur zufällig bei Blutuntersuchungen festgestellt. Je nach Erkrankungsform werden zur Therapie die Nebenschilddrüsen operativ entfernt oder es werden verschiedene Medikamente verordnet und die Grundkrankheit behandelt. Die Prognose hängt von der Ursache ab, meist kann der entgleiste Kalziumstoffwechsel aber gut behandelt werden.

2013_GTV_Querschnitt_Nebenschilddruesen.png|Nebenschilddrüsen im Halsquerschnitt: Gut zu erkennen ist die Luftröhre in der Mitte, die von der Schilddrüse umschlossen wird. Die ganz kleinen Areale an den Ausläufern der Schilddrüse sind die Nebenschilddrüsen, auch Epithelkörperchen genannt (20a35|Ansicht von vorne). Es gibt vier Nebenschilddrüsen, jede weizenkorngroß. Sie produzieren Parathormon (PTH). Zusammen mit dem Kalzitonin aus den C-Zellen der Schilddrüse und Vitamin D reguliert das Parathormon den Kalzium- und Phosphathaushalt. |[GTV 2013]|Anatomische Lage der Nebenschilddrüsen im Halsquerschnitt.

Symptome und Leitbeschwerden

  • Müdigkeit, Abgeschlagenheit, verminderte Leistungsfähigkeit
  • Knochenschmerzen: Gliederschmerzen, Rückenschmerzen
  • Appetitlosigkeit, Übelkeit, Verstopfung, Gewichtsabnahme
  • Nierensteine, erhöhte Trinkmenge
  • Depressive Verstimmung.

Wann in die Arztpraxis

In den nächsten Tagen, wenn die beschriebenen Beschwerden sich langsam entwickeln oder schon längere Zeit bestehen.

Sofort bei plötzlichen starken Schmerzen in den Knochen, dem Magen oder in der Nierenregion.

Die Erkrankung

Krankheitsentstehung

Die Nebenschilddrüsen sind 4 kleine Organe, die jeweils paarig am oberen und unteren Ende der Schilddrüse liegen. Sie sind nur linsengroß, haben aber eine wichtige Funktion: Sie regulieren den Kalziumstoffwechsel. Dazu bilden sie das Parathormon – einen Botenstoff, der den Kalziumspiegel im Blut konstant hält. Sinkt der Kalziumspiegel, sorgt das Parathormon z. B. dafür, dass Kalzium aus dem Knochen freigesetzt wird und in den Nieren weniger Kalzium ausgeschieden wird.

Bei einer Nebenschilddrüsen-Überfunktion wird zu viel Parathormon gebildet. Je nach Entstehungsweg unterscheidet man unterschiedliche Formen:

Beim primären Hyperparathyreoidismus ist die Funktion der Nebenschilddrüsen gestört. Die übermäßige Produktion von Parathormon wird hierbei durch eine Vergrößerung des Organs ausgelöst, etwa durch gutartige Tumoren (Nebenschilddrüsenadenome) oder deutlich seltener durch bösartige Tumoren (Nebenschilddrüsenkarzinome) oder eine Erbkrankheit.

Der sekundäre Hyperparathyreoidismus entsteht, wenn der Kalziumspiegel im Blut über längere Zeit zu niedrig ist. Dadurch werden die Nebenschilddrüsen übermäßig angeregt und bilden mehr und mehr Parathormon.

  • Ein zu niedriger Kalziumspiegel ist oft eine Begleiterscheinung eines fortgeschrittenen Nierenversagens. Bei dieser Erkrankung wird zu wenig Vitamin D gebildet und somit zu wenig Kalzium aus der Nahrung aufgenommen. Außerdem wird zu wenig Phosphor über die Nieren ausgeschieden. Phosphor bindet Kalzium und fängt es so aus dem Blut weg.
  • Ein niedriger Kalziumspiegel kann auch durch einen Vitamin-D-Mangel ausgelöst werden. Ursachen sind zu wenig Sonnenlicht oder Funktionsstörungen der Darmschleimhaut, der Leber oder der Galle.

Kommt es im Verlauf eines nicht ausreichend behandelten sekundären Hyperparathyreoidismus zu einem starken Anstieg des Kalziums (Hyperkalzämie) spricht man von einem tertiären Hyperparathyreodismus (tHPT). Hier besteht ein Missverhältnis zwischen dem gebildeten Parathormon und dem Bedarf. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn eine chronische Niereninsuffizienz durch eine Dialyse oder Nierentransplantation behandelt wird. Kalzium und Phosphat sind dann wieder normal. Es wird aber trotzdem weiter viel Parathormon ausgeschüttet, weil die Nebenschilddrüsen sich über lange Zeit hinweg sozusagen daran gewöhnt haben, viel davon zu bilden.

Klinik, Verlauf und Komplikationen

Die meisten Patient*innen mit einer Nebenschilddrüsen-Überfunktion merken nichts von der Erkrankung. Das liegt daran, dass sie oft entweder überhaupt keine Beschwerden haben oder nur sehr unspezifische Symptome wie leichte Müdigkeit, sinkende Leistungsfähigkeit oder Rückenschmerzen. Das wird dann meist als „Alterserscheinung“ abgetan, denn von einem Hyperparathyreoidismus sind hauptsächlich ältere Menschen jenseits des 50. Lebensjahrs betroffen.

Bei einem stark erhöhten Kalziumspiegel können sich aber auch deutlichere Symptome entwickeln. So entstehen z. B. bei etwa 15 % der Betroffenen im Laufe der Zeit Nierensteine. Verklemmen sich die Steine im Nierenbecken und staut sich dann der Harn, löst das heftige, kolikartige Schmerzen in der Nierenregion aus („Steinpein“). Da die Nieren durch das hohe Kalzium viel Flüssigkeit ausscheiden, macht sich das mitunter durch häufiges Wasserlassen und ein verstärktes Durstgefühl bemerkbar. Die Betroffenen trinken mehr als üblich, manchmal bis zu 6 Liter oder noch mehr am Tag.

Das hohe Kalzium im Blut verursacht auch eine verstärkte Bildung von Magensäure. Das führt zu Übelkeit („Magenpein“) und Appetitlosigkeit und manchmal entstehen daraus sogar Magengeschwüre. Bei einem hohen Kalziumspiegel funktioniert die Übertragung der Nervenimpulse auf die Muskeln nicht richtig, was zur Muskelschwäche, Muskelabbau und Darmträgheit führen kann, die sich durch Verstopfung äußert.

Im Laufe der Zeit verliert der Körper durch die Appetitlosigkeit, verstärkte Wasserausscheidung und den Muskelabbau auch Gewicht.

Nicht zuletzt können psychische Beschwerden wie eine depressive Verstimmung entstehen. Vermutet wird hier, dass der gesteigerte Kalziumspiegel auch die Botenstoffe im Gehirn beeinflusst.

Die Übermenge an Parathormon zieht Kalzium aus den Knochen. Dies führt rasch zu einer Entkalkung der Knochen und längerfristig zum nachweisbaren Verlust von Knochensubstanz. Es kommt zu einer Mischung aus Osteoporose und Osteomalazie, was sich durch Knochenschmerzen in Wirbelsäule, Armen und Beinen („Beinpein“) bis hin zu „spontanen“ Knochenbrüchen äußern kann.

Wichtig ist: Die meisten der beschriebenen Beschwerden werden durch den erhöhten Kalziumspiegel verursacht, nicht durch das Parathormon. Deshalb zeigen sich beim sekundären Hyperparathyreoidismus – bei dem der Kalziumspiegel ja zu niedrig ist – von den beschriebenen Symptomen ausschließlich die Knochenschmerzen. Bei dieser Form der Überfunktion stehen eher die Symptome der auslösenden Grundkrankheit im Vordergrund, z. B. Ödeme, Atembeschwerden, Bluthochdruck und eine ausgeprägte Erschöpfung bei der chronischen Nierenerkrankung.

Diagnosesicherung

Die Diagnose einer Nebenschilddrüsen-Überfunktion wird immer durch eine Blutuntersuchung gestellt. Meistens handelt es sich wegen der Symptomarmut um eine Zufallsdiagnose, wenn bei einer Routineuntersuchung ein erhöhter Kalziumwert auffällt. Der Verdacht auf diese Erkrankung kann sich aber auch ergeben bei Nierensteinen, plötzlichen spontanen Knochenbrüchen oder wenn bei einer Röntgenuntersuchung eine Entkalkung der Knochen sichtbar wird.

Die Ärzt*in lässt dann im Labor das Parathormon sowie den Kalziumwert bestimmen. Zusätzlich werden auch Phosphor, die Nierenwerte und Vitamin D gemessen, um die exakte Form der Erkrankung festzustellen und chronisches Nierenversagen als Ursache auszuschließen.

Meist müssen die Blutuntersuchungen mehrfach wiederholt werden, um die Diagnose abzusichern. Manchmal sind auch weiterführende Untersuchungen notwendig, etwa eine Ultraschalluntersuchung der Nebenschilddrüsen und Nieren und eine Knochendichtemessung.

Differenzialdiagnosen. Wird ein erhöhter Kalziumspiegel im Blut festgestellt, ist es wichtig bestimmte Tumorerkrankungen auszuschließen, denn auch diese können den Kalziumspiegel ansteigen lassen, v. a. Bronchial-, Brust- und Prostatakarzinome sowie das Multiple Myelom. Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal ist hier, dass der Parathormon-Wert im Blut dann eher niedrig ist.

Auch zahlreiche Medikamente können das Kalzium erhöhen, deshalb wird sich die Ärzt*in immer den aktuellen Medikamentenplan anschauen. Wichtig ist, dass Sie auch Medikamente angeben, die Sie ohne Rezept einnehmen, z. B. Vitaminpräparate aus der Drogerie oder Apotheke.

Es gibt noch einige weitere Erkrankungen, die den Kalziumspiegel beeinflussen. Diese sind aber sehr selten. Häufig sind sie genetisch bedingt, z. B. die familiäre hypokalziurische Hyperkalzämie.

Behandlung

Primärer Hyperparathyreoidismus. Bei dieser Erkrankungsform wird immer die operative Entfernung der Nebenschilddrüsen angestrebt, denn nur so kann die Krankheit geheilt werden. Die Operation sollte immer frühzeitig durchgeführt werden, auch wenn die Erkrankung nur ein Zufallsbefund ist und die Betroffenen keine Beschwerden haben. Das ist wichtig, um Folgeschäden eines erhöhten Kalziumspiegels sicher entgegenzuwirken. Bei der Operation werden drei der vier Nebenschilddrüsen entfernt und von der vierten ein Rest belassen, der an einen leicht zugänglichen Ort verpflanzt wird. Bei einem Rückfall ist eine Zweitoperation dann viel einfacher.

Sekundärer und tertiärer Hyperparathyreoidismus. Hierbei steht zunächst die Behandlung der Grunderkrankung im Vordergrund, also zum Beispiel die chronische Niereninsuffizienz. Zusätzlich muss oft Vitamin D und Kalzium eingenommen werden. Beim tertiären Hyperparathyreoidismus muss eventuell wie bei der primären Erkrankungsform operiert werden.

Ist eine Operation generell nicht möglich, z. B. weil wegen einer zusätzlichen schweren Herzkrankheit das Narkoserisiko zu hoch wäre, wird die Erkrankung mit verschiedenen Medikamenten behandelt. Hierzu gehören vor allem Vitamin D und Kalzium. Zusätzlich wird ein Osteoporose-Mittel eingesetzt, z. B. Bisphosphonate. Eventuell muss auch ein Medikament verordnet werden, das spezifisch die Parathormon-Ausschüttung unterdrückt (Cinacalcet). Da die Erkrankung ohne Operation nicht heilbar ist, ist eine lebenslange Therapie und Überwachung der Blutwerte erforderlich.

Prognose

Beim primären Hyperparathyreoidismus sind die Heilungsaussichten sehr gut. Eine Operation kann die Erkrankung in der Regel vollständig heilen. Bei der sekundären und tertiären Erkrankungsform hängt die Prognose stark vom Stadium der Grundkrankheit ab. Durch die konsequente Einnahme der Arzneimittel und eine engmaschige Überwachung kann der Kalziumstoffwechsel aber meist stabil gehalten werden.

Ihre Apotheke empfiehlt

Was Sie selbst tun können

Flüssigkeitszufuhr. Kann die Erkrankung nicht durch eine Operation geheilt werden, ist eine lebenslange Therapie notwendig. Hierzu gehört auch, immer auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten. Dadurch wird einer Austrocknung des Körpers (Dehydratation) und Nierensteinen entgegengewirkt und die Nierenfunktion unterstützt.

Medikamentenplan. Bei einer Nebenschilddrüsen-Überfunktion dürfen bestimmte Arzneimittel nicht eingenommen werden, z. B. verschiedene Nieren- und Herzmedikamente. Es ist wichtig, dass immer alle behandelnden Ärzt*innen über die Diagnose und alle eingenommenen Medikamente informiert sind. Die Daten können auf der elektronischen Gesundheitskarte gespeichert werden. Zur Sicherheit ist es aber immer sinnvoll, auch einen Medikamentenplan in Papierform bei sich zu haben.

Stärkung der Knochen. Um dem Abbau der Knochensubstanz (Osteoporose) entgegenzuwirken, ist regelmäßige Bewegung besonders wichtig. Finden Sie eine Sportart, die Ihnen Spaß macht und planen Sie sie mindestens 3× pro Woche, besser täglich in Ihren Alltag ein. Besonders gut geeignet sind Sportarten, bei denen das Körpergewicht getragen wird, z. B. Wandern, Nordic Walking und Treppensteigen. Weniger effektiv sind Schwimmen und Radfahren, denn hier werden die Knochen vom Gewicht entlastet.

Weiterführende Informationen

Information und Selbsthilfe für Patient*innen mit chronischer Nierenerkrankung und sekundärem Hyperparathyreoidismus (sHPT)

Quellen:

Von: Kristine Raether-Buscham, Dr. med. Arne Schäffler in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung: Daniela Grimm
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Sicher feiern mit Diabetes

Bei Diabetes sind Sommerpartys eine Herausforderung für den Stoffwechsel – die sich aber mit der richtigen Vorbereitung gut meistern lässt.

Sicher feiern mit Diabetes

Ob Badesee oder Festival

Grillpartys, Musikfestivals oder entspannte Nachmittage am Badesee gehören für viele Menschen zu den schönsten Erlebnissen des Sommers. Auch Menschen mit Diabetes können diese Momente ohne Einschränkungen genießen. Sie sollten sich auf das Feiern aber etwas vorbereiten, um die gesundheitlichen Risiken zu reduzieren.

Sommerfeste und Diabetes – warum besondere Vorsicht nötig ist

Der Körper reagiert im Sommer anders als in den kühleren Monaten. Hitze beeinflusst den Kreislauf, den Flüssigkeitshaushalt und den Stoffwechsel. Diese Veränderungen wirken sich auf Menschen mit Diabetes in besonderem Maße aus und können, sofern man sie nicht beachtet, zu Problemen führen. Hohe Temperaturen steigern die Durchblutung, so dass Insulin schneller wirkt und es leichter zu Unterzuckerungen kommt. Gleichzeitig verliert man durch das Schwitzen mehr Flüssigkeit. Wird dieser Verlust nicht ausgeglichen, drohen Kreislaufprobleme und Stoffwechselstörungen.

Hinzu kommt, dass insbesondere Sommerveranstaltungen selten nach einem festen Rhythmus ablaufen. Mahlzeiten werden ausgelassen, Snacks vergessen oder Essenszeiten verschoben. Gleichzeitig bewegen sich viele Menschen deutlich mehr als sonst. Tanzen, lange Wege auf einem Festivalgelände oder sportliche Aktivitäten erhöhen den Energieverbrauch und können den Blutzuckerspiegel zusätzlich senken.

Zudem sind viele Sommerveranstaltungen eng mit Alkohol verbunden. Alkohol beeinflusst nicht nur den Blutzuckerspiegel, sondern auch die Wahrnehmung von Unterzuckerungen. Besonders gefährlich ist, dass die Symptome einer Hypoglykämie leicht von Außenstehenden mit normaler Trunkenheit verwechselt werden können.

Hinweis: Auch Schlafmangel beeinflusst die Stoffwechsellage. Wer mehrere Nächte zu wenig schläft, produziert vermehrt Stresshormone wie Cortisol. Diese Hormone können den Blutzucker ansteigen lassen. Die Folge sind oft starke Schwankungen zwischen hohen und niedrigen Werten.

Vorbereitung auf Sommerfeste und Festivals

Eine gute Planung erleichtert Menschen mit Diabetes den Aufenthalt auf Sommerveranstaltungen erheblich. Besonders bei mehrtägigen Festivals sollte nichts dem Zufall überlassen werden. Diese Punkte gehören zu einer guten Vorbereitung dazu:

Medikamente und Hilfsmittel vollständig einpacken. Wer mit Diabetes unterwegs ist, sollte natürlich ausreichend Medikamente und Diabeteszubehör dabeihaben. Dazu gehören unter anderem: 

  • Insulin oder orale Antidiabetika 
  • Blutzuckermessgerät, Teststreifen, Sensoren und Zubehör, Ersatzbatterien oder Akkus
  • Pen-Nadeln und Spritzen, Alkoholtupfer, Desinfektionsmittel.

Da Festivalgelände oder Campingplätze häufig staubig und verschmutzt sind, spielen Hygiene und saubere Lagerung eine wichtige Rolle. Desinfektionstücher und Händedesinfektionsmittel helfen dabei, Infektionen und fehlerhafte Messungen zu vermeiden. Wer eine Insulinpumpe verwendet, sollte diese vor der Abreise gründlich kontrollieren. Die Akkus müssen vollständig geladen sein und Ersatzmaterial sollte mitgeführt werden.

Insulin richtig lagern. Insulin reagiert empfindlich auf hohe Temperaturen und darf weder direkter Sonneneinstrahlung noch extremer Hitze ausgesetzt werden. Deshalb empfiehlt sich der Transport in speziellen Kühltaschen oder isolierten Behältern (Thermosflasche). Wichtig ist, dass Insulin nicht direkt auf Kühlakkus gelegt wird, da Einfrieren die Wirksamkeit zerstören kann. Große Festivals verfügen häufig über medizinische Stationen oder Sanitätszelte, in denen man Medikamente kühl lagern kann. Sinnvoll ist es, dies vorab mit dem Veranstalter oder dem Sanitätsdienst zu klären. Um Verwechslungen zu vermeiden, sollten Medikamente eindeutig beschriftet werden.

Notfallvorsorge nicht vergessen. Traubenzucker oder schnell verfügbare Kohlenhydrate sollten immer griffbereit sein. Kleine Snacks können helfen, Unterzuckerungen rechtzeitig auszugleichen.

Freunde informieren. Freunde oder Begleitpersonen sollten über den Diabetes Bescheid wissen. Ebenso wichtig ist es, dass sie die Anzeichen einer Unterzuckerung erkennen und im Ernstfall richtig reagieren können.

Hinweis: Es empfiehlt sich, einen Diabetesausweis mitzuführen oder ein medizinisches Armband mit wichtigen Informationen zur Erkrankung anzulegen. So können im Notfall Außenstehende leicht informiert werden.

Blutzucker im Sommer häufiger kontrollieren

All die genannten Faktoren verändern den Stoffwechsel oft schneller als erwartet. Deshalb sollten Menschen mit Diabetes im Sommer häufiger ihren Blutzucker messen. Besonders wichtig sind Kontrollen: 

  • vor körperlicher Aktivität 
  • vor dem Schwimmen
  • vor dem Schlafengehen 
  • vor und nach Alkoholkonsum 
  • bei Hitze oder Kreislaufproblemen

Kontinuierliche Glukosemesssysteme können dabei eine große Hilfe sein, denn sie informieren mithilfe von Warnsignalen frühzeitig über kritische Werte. Diejenigen, die ihren Blutzucker nicht automatisch, sondern selbst messen, können sich Alarmzeiten im Smartphone einstellen. Das erinnert ans Messen und ist besonders bei Festivals oder langen Partynächten praktisch.

Gesund und blutzuckerfreundlich schlemmen

Menschen mit Diabetes müssen beim Grillen oder Feiern nicht auf Genuss verzichten. Entscheidend ist eine ausgewogene Auswahl: Besonders geeignete Lebensmittel sind Fisch, Hähnchen- oder Putenfleisch, gegrilltes Gemüse, frische Salate und Vollkornprodukte. Vor allem Gemüsesorten wie Paprika, Zucchini, Auberginen oder Pilze liefern Ballaststoffe und Vitamine und beeinflussen den Blutzucker meist nur wenig.

Für Menschen mit Diabetes ist es wichtig, versteckte Zucker zu erkennen. So enthalten z. B. viele Grillsoßen und Marinaden überraschend viel davon, wodurch der Blutzuckerspiegel schneller ansteigt als erwartet. Auch Beilagen wie Weißbrot, Kartoffelsalat oder Nudelsalat enthalten große Mengen Kohlenhydrate. Deshalb sollte die Portion bewusst gewählt werden.

Komplett auf Eis, Kuchen oder süße Getränke zu verzichten ist nicht zwingend notwendig. Entscheidend ist, die Menge im Blick zu behalten und den Einfluss auf den Blutzucker zu berücksichtigen. Frisches Obst kann eine gute Alternative darstellen. Dennoch enthalten auch Früchte natürlichen Zucker und sollten nicht unbegrenzt verzehrt werden.

Hinweis: Festivals stellen in puncto Mahlzeiten oft eine besondere Herausforderung für Menschen mit Diabetes dar. Meist gibt es vor allem Essen mit viel Zucker, Salz und Fett. Es ist also sinnvoll, seine eigenen Snacks mitzunehmen, z. B. in Form von Vollkornriegeln, belegten Broten, Nüssen, Obst oder geeigneten Crackern.

Alkohol und Diabetes

Auf Sommerfesten und Festivals wird häufig Alkohol getrunken. Wer Diabetes hat, sollte die Wirkung alkoholischer Getränke auf den Stoffwechsel kennen.

Alkohol beeinflusst den Blutzucker auf unterschiedliche Weise. Kurz nach dem Trinken steigen die Werte teilweise an. Einige Stunden später kann der Blutzucker jedoch stark absinken. Der Grund dafür liegt in der Leber: Normalerweise gibt sie Zucker ins Blut ab, wenn der Körper ihn braucht. Alkohol bremst diesen Vorgang – deshalb kann der Blutzucker später stark abfallen, besonders wenn zusätzlich Insulin oder Diabetesmedikamente wirken. Solche Unterzuckerungen können selbst noch während der Nacht oder erst am nächsten Morgen entstehen.

Ein weiteres Problem: Unter Alkoholeinfluss nehmen viele Menschen Warnzeichen einer Hypoglykämie schlechter wahr. Zittern, Schwitzen, Konzentrationsstörungen und Kopfschmerzen werden leicht mit Trunkenheit verwechselt, sodass auch Außenstehende die Gefahr häufig nicht rechtzeitig erkennen.

Für einen verantwortungsvollen Alkoholgenuss gilt: 

  • Alkohol niemals auf nüchternen Magen trinken. Alkohol sollte immer zusammen mit kohlenhydrathaltigen Speisen konsumiert werden. Geeignet sind beispielsweise Brot, Vollkornprodukte oder kleine Snacks. 
  • Wasser trinken! Zwischen alkoholischen Getränken sollte man regelmäßig zu Wasser greifen, da Alkohol dem Körper Flüssigkeit entzieht. 
  • Alkoholsorten beachten. Nicht jede Alkoholart wirkt gleich auf den Blutzucker. Cocktails, Liköre oder süße Mischgetränke enthalten oft viel Zucker und können kurzfristig hohe Blutzuckerwerte verursachen. Spirituosen wie Wodka oder Whiskey enthalten dagegen kaum Kohlenhydrate. Sie führen eher zu einem schnellen Blutzuckerabfall.

Hinweis: Menschen, die das Diabetesmedikament Metformin einnehmen, müssen mit Alkohol besonders vorsichtig sein. Denn übermäßiges Trinken kann in Kombination mit diesem Medikament zu einer gefährlichen Anreicherung von Milchsäure im Blut führen (Laktatazidose).

Bewegung, Sport und körperliche Aktivität

Sommerveranstaltungen sind oft mit viel Bewegung verbunden. Lange Wege, Tanzen oder sportliche Aktivitäten erhöhen den Energieverbrauch deutlich. In der Folge sinkt der Blutzucker häufig schneller als gewohnt. Menschen mit Diabetes sollten deshalb ausreichend Snacks dabeihaben und regelmäßig ihre Werte kontrollieren.

Wird am Wasser gefeiert, kommen weitere Herausforderungen hinzu. Schwimmen beeinflusst den Stoffwechsel, wobei kaltes Wasser den Energieverbrauch zusätzlich erhöht. Im Wasser werden Warnzeichen einer Unterzuckerung leicht übersehen, weil Zittern oder Schwäche fälschlicherweise auf das kalte Wasser geschoben werden. Deshalb ist es wichtig, vor dem Schwimmen den Blutzucker zu messen. Achtung, dafür müssen die Hände gut abgetrocknet werden: Denn Wasser kann die Messergebnisse verfälschen. Bei längeren Aufenthalten im Wasser sollte man den Blutzucker auch zwischendurch immer wieder kontrollieren.

Hinweis: Inzwischen gibt es immer mehr Menschen mit Diabetes, die eine Insulinpumpe tragen. Je nach Art bleibt die Pumpe am Körper (Herstellerhinweise bezüglich der Wasserdichtigkeit beachten!) oder wird kurzzeitig abgekoppelt. Davor ist es allerdings ratsam, die Blutglukose zu messen.

Hitze richtig bewältigen

Hohe Temperaturen lassen den Flüssigkeitsbedarf deutlich steigen. Wer zu wenig trinkt, riskiert Kreislaufprobleme und Stoffwechselentgleisungen. Wasser ist das beste Getränk bei Hitze, aber auch ungesüßter Tee eignet sich gut. Besonders bei Festivals oder langen Aufenthalten im Freien sollte immer eine Wasserflasche griffbereit sein.

Hitze schadet nicht nur dem Insulin. Auch andere Arzneimittel leiden unter hohen Temperaturen und dürfen niemals längere Zeit im Auto oder in direkter Sonne gelagert werden. Damit Blutzuckermessgeräte, Sensoren und Teststreifen einwandfrei funktionieren, müssen sie trocken und möglichst kühl aufbewahrt werden.

Körperliche Anstrengung sollte man möglichst auf morgens oder abends verschieben. In der Mittagshitze wird der Kreislauf besonders stark belastet. Leichte Kleidung, Kopfbedeckungen und schattige Plätze schützen Kopf und Körper, wenn es zu heiß wird.

Ältere Menschen mit Diabetes leiden häufig zusätzlich unter Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Bluthochdruck und müssen deshalb besonders aufpassen. Hitze setzt ihrem Kreislauf besonders zu und das Risiko für Schwindel oder Erschöpfung steigt. Hinzu kommt, dass ältere Menschen oft weniger Durst verspüren und zu wenig trinken. An heißen Tagen sollte daher bewusst und regelmäßig Flüssigkeit aufgenommen werden.

Schlafmangel und Stress

Nicht zu unterschätzen sind der Stress und der Schlafmangel, die ausgiebiges Feiern häufig mit sich bringen. Die langen Nächte und der mangelnde Schlaf wirken sich direkt auf den Stoffwechsel aus. Der Körper schüttet unter Stress vermehrt Hormone aus, die den Blutzucker erhöhen können.

Gleichzeitig steigt bei Müdigkeit die Gefahr, Warnzeichen einer Unterzuckerung zu übersehen. Deshalb sind insbesondere für Menschen mit Diabetes regelmäßige Ruhephasen wichtig – selbst während Festivals oder längerer Feiern. Festivals bieten oft Zelte oder andere Räume für einen Rückzug an. Am besten informiert man sich im Vorfeld oder spätestens zu Beginn der Veranstaltung, wo man diese Orte findet.

Am Tag nach der Feier …

Wenn es beim Feiern hoch hergegangen ist, sollten Menschen mit Diabetes drei Dinge im Blick behalten: Die Nachwirkung von Alkohol, die Schwankungen des Blutzuckers und die Erholung des Körpers.

Nach ausgiebigem Alkoholgenuss kann der Blutzucker noch bis zu 12–24 Stunden später abfallen, weil die Leber weiterhin mit dem Alkoholabbau beschäftigt ist und weniger Zucker ins Blut abgibt. Deshalb: auch am Morgen danach regelmäßig den Blutzucker messen.

Um den Flüssigkeitshaushalt zu stabilisieren, sollte viel getrunken werden, am besten ungesüßter Tee oder Mineralwasser. Leicht verdauliche Kohlenhydrate und etwas Eiweiß helfen dem Körper am Tag danach, sich zu regenerieren. Hohe Zucker- und Fettspitzen belasten den Stoffwechsel und sind deshalb zu vermeiden.

Körperliche Anstrengungen am Morgen nach dem Festival sollte man unterlassen. Denn selbst wenn man sich fit fühlt, kann der Stoffwechsel noch beeinflusst sein. Unterzuckerungen drohen insbesondere, wenn Insulin gespritzt oder Sulfonylharnstoffe eingenommen werden.

Quellen: Deutsche Diabetische Gesellschaft, Deutsche Apothekerzeitung, Nationale Versorgungsleitlinie Diabetes

Von: Dr. med. Sonja Kempinski; Bild: mauritius images / Hemis.fr / Patrick Frilet