Gesundheit heute

Multiple endokrine Neoplasie (MEN)

Multiple endokrine Neoplasie (MEN): Oberbegriff für seltene erbliche Erkrankungen (MEN I und MEN II) mit mehreren gleichzeitig existierenden Tumoren in verschiedenen hormonbildenden Organen. MEN können sowohl gut- als auch bösartig sein. MEN sind selten, treten aber familiär gehäuft im Erwachsenenalter zwischen 20 und 60 Jahren auf.

MEN I (Wermer-Syndrom): Tumoren in Nebenschilddrüse, Bauchspeicheldrüse und/oder Hypophyse.

MEN IIa (Sipple-Syndrom): Beim MEN IIa besteht neben Tumoren des Nebennierenmarks (Phäochromozytome) und Tumoren der Nebenschilddrüse fast immer ein medulläres Schilddrüsenkarzinom.

MEN IIb (Gorlin-Syndrom): Neben den beschriebenen Tumoren des MEN IIa kommen zusätzlich Veränderungen von Nervenzellanhäufungen und des Körperbaus (schlank, lange Extremitäten, überstreckbare Gelenke) hinzu.

Die Prognose richtet sich nach der Ausdehnung der Erkrankung zum Zeitpunkt der Diagnose. Tendenziell ist die Prognose für die MEN I besser als die für MEN II.

Von: Kristine Raether-Buscham, Dr. med. Arne Schäffler in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung: Dr. med. Sonja Kempinski
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Diabetes bei Frauen oft übersehen

Für die Diagnose eines Diabetes ist bei Frauen ein oraler Glukoetoleranztest aussagekräftiger als die alleinige Blutzuckermessung.

Diabetes bei Frauen oft übersehen

Gendermedizin beim Stoffwechsel

Frauen und Männer unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht – auch in ihrem Stoffwechsel. Das hat Auswirkungen auf die Entstehung von Krankheiten und deren Diagnose. So wird beispielsweise ein Typ-2-Diabetes bei Frauen häufig später erkannt als bei Männern.

Männerorientierte Medizin

Schon seit Langem wird darauf hingewiesen, dass die Medizin seit je her stark am männlichen Patienten ausgerichtet ist. Männer waren in klinischen Studien lange Zeit deutlich überrepräsentiert, und viele medizinische Erkenntnisse basierten vor allem auf männlichen Probanden. Da sich Frauen und Männer sowohl biologisch als auch psychosozial unterscheiden, können solche Unterschiede Auswirkungen auf Diagnostik und Therapie haben.

Frauen sind häufiger krank, leben aber länger

Wie relevant geschlechtsspezifische Unterschiede sind, zeigen verschiedene Gesundheitsdaten: Frauen verbringen im Durchschnitt etwa 25 % mehr Zeit mit Krankheiten oder gesundheitlichen Einschränkungen als Männer. Gleichzeitig liegt ihre Lebenserwartung etwa fünf Jahre höher. Auch beim Stoffwechsel gibt es bedeutsame Unterschiede.

Männer sind häufiger von Übergewicht und Adipositas betroffen als Frauen. Zudem unterscheidet sich die Fettverteilung: Während Frauen vor den Wechseljahren Fett vor allem im Unterhautfettgewebe speichern, lagert sich nach der Menopause vermehrt Fett im Bauchraum an. Männer neigen bereits in jüngeren Jahren stärker zur Einlagerung von Bauchfett.

Nüchternglukose bei Frauen unzuverlässig

Ein besonders folgenreicher geschlechtsspezifischer Unterschied zeigt sich beim Diabetes. Zur Diagnose wird häufig die Nüchternglukose bestimmt, also der Blutzuckerwert nach mindestens acht Stunden ohne Nahrungsaufnahme. Bei Männern liefert dieser Wert oft früh Hinweise auf einen Typ-2-Diabetes. Bei Frauen bleiben die Nüchternwerte dagegen häufiger unauffällig. Hier kann ein oraler Glukosetoleranztest (oGTT) aussagekräftiger sein. Dabei wird die Blutzuckerreaktion nach einer definierten Zuckeraufnahme gemessen. Da dieser Test aufwendiger ist und seltener durchgeführt wird, wird der Typ-2-Diabetes bei Frauen oft später erkannt als bei Männern.

Diabetische Neuropathien bei Frauen häufiger

Auch bei den Folgeerkrankungen macht der Diabetes Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Männer entwickeln häufiger ein diabetisches Fußsyndrom und müssen häufiger diabetesbedingte Amputationen hinnehmen. Frauen leiden dagegen mehr unter neuropathischen (nervenbedingten) Schmerzen, die zudem oft stärker ausgeprägt sind. Außerdem treten bei Frauen mit Diabetes häufiger Depressionen und Angststörungen auf als bei zuckerkranken Männern.

Keine wesentlichen Geschlechtsunterschiede zeigen sich hingegen bei den diabetesbedingten Veränderungen am Auge: Das Auftreten und Fortschreiten der diabetischen Retinopathie, einer Erkrankung der Netzhaut, ist bei Frauen und Männern vergleichbar.

Quelle: Ärztezeitung

Von: Dr. med. Sonja Kempinski; Bild: mauritius images / Westend61 / Mareen Fischinger