Gesundheit heute
Schilddrüsenkrebs
Schilddrüsenkrebs (Schilddrüsenkarzinom): Seltener, bösartiger Tumor der Schilddrüse. Schilddrüsenkarzinome treten überwiegend bei Frauen zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr auf. Pro Jahr gibt es in Deutschland etwa 6000 Neuerkrankungen. Typischerweise verursachen Schilddrüsenkarzinome erst spät Beschwerden. Der Tumor kann im Halsbereich als schmerzloser harter Knoten getastet werden oder wird zufällig bei Schilddrüsenoperationen oder einer Ultraschalluntersuchung entdeckt. Nur ein Viertel der Betroffenen zeigt Symptome wie Schluckbeschwerden, ein Kloßgefühl, Heiserkeit oder ein pfeifendes Atemgeräusch. In der Regel wird der Tumor komplett entfernt, anschließend je nach Fall mit Radiojodtherapie oder Bestrahlung weiterbehandelt. Manche Schilddrüsentumoren haben eine sehr gute Prognose, bei anderen beträgt die Überlebenszeit nur wenige Monate.
Symptome und Leitbeschwerden
- schmerzloser harter Knoten im Bereich der Schilddrüse
- als Spätsymptome evtl.
- Heiserkeit
- Schluckbeschwerden, Kloßgefühl im Hals
- pfeifendes Atemgeräusch, Atemnot
- geschwollene Lymphknoten im Halsbereich und oberhalb der Schlüsselbeine
- Horner-Syndrom: Pupillenverengung, eingesunkenes Auge und herabhängendes Augenlid.
Wann in die Arztpraxis
In den nächsten Tagen, wenn
- ein Knoten im Halsbereich tastbar ist.
Am selben Tag, wenn
- eines oder mehrere der beschriebenen Spätsymptome hinzukommt.
Die Erkrankung
Krankheitsentstehung
Die Schilddrüse ist ein schmetterlingsförmiges Organ in der unteren Halsregion. Sie bildet verschiedene Hormone, die den Stoffwechsel, die Körpertemperatur, den Herzschlag und die Verdauung regulieren. Ein Tumor in der Schilddrüse kann von unterschiedlichen Zellarten ausgehen und unterschiedlich stark von den normalen Zellen abweichen. Entsprechend lassen sich die Karzinome in verschiedene Typen einteilen:
Differenzierte Schilddrüsenkarzinome:
Differenzierte Schilddrüsenkarzinome machen etwa 90 % der Schilddrüsenkarzinome aus. Sie werden je nach ihrem Wachstumsmuster weiter in papilläre und follikuläre Schilddrüsenkarzinome unterteilt. Die papillären Karzinome sind die häufigste Form mit ca. 80 % der Fälle. Prinzipiell kann jede Altersgruppe von einem differenzierten Schilddrüsenkarzinom betroffen sein, am häufigsten sind es 40- bis 60-Jährige. Typisch für diese Karzinomart ist ein langsames Tumorwachstum.
Anaplastische Schilddrüsenkarzinome
Etwa 5 % der Schilddrüsenkarzinome sind die extrem bösartigen anaplastischen Karzinome. Sie sind so stark verändert (undifferenziert), dass man sie unter dem Mikroskop kaum noch als Schilddrüsenzellen erkennen kann. Sie wachsen sehr aggressiv und breiten sich schnell aus, sowohl in das umliegende Gewebe als auch über die Blutbahn in andere Organe wie die Lunge und die Knochen. Die Betroffenen sind meist über 60 Jahre alt.
Medulläre Schilddrüsenkarzinome
Die medullären Schilddrüsenkarzinome gehen von den kalzitoninbildenden C-Zellen der Schilddrüse aus und werden deshalb auch als C-Zell-Karzinome bezeichnet. Sie kommen hauptsächlich bei 50-60-Jährigen vor und machen etwa 5 % der Schilddrüsenkarzinome aus. Bei etwa einem Viertel der Betroffenen sind sie erblich bedingt und treten gemeinsam mit der multiplen endokrinen Neoplasie (MEN 2 und MEN 3) auf.
Weitere Krebsarten
Neben den Schilddrüsenkarzinomen gibt es noch sehr seltene andere bösartige Krebsarten in der Schilddrüse, z. B. maligne Lymphome und Metastasen aus anderen Tumoren wie dem Lungenkrebs oder dem Brustkrebs.
Ursachen und Risikofaktoren
Risikofaktoren für Schilddrüsenkrebs sind neben einer erblichen Veranlagung beim medullären Schilddrüsenkarzinom vor allem Strahlenbelastungen, z. B. durch Röntgenstrahlen und Reaktorunfälle (wie in Tschernobyl und Fukushima). Auch eine langdauernde Erhöhung des Hormons TSH wird diskutiert, denn dies bewirkt eine andauernde Anregung der Schilddrüsenzellen. Aktuell wird zudem in Studien geklärt, ob es einen Zusammenhang zwischen der Hashimoto-Thyreoiditis und Schilddrüsenkrebs gibt.
Klinik, Verlauf und Komplikationen
Typischerweise gibt es keine Frühbeschwerden beim Schilddrüsenkarzinom, da die Schilddrüsenfunktion durch den Krebs meist nicht verändert wird. Ein schmerzlos wachsender, einzelner Knoten gilt als Alarmzeichen. Häufig sind diese Knoten hart und gegenüber dem darunter liegenden Gewebe nur schwer verschiebbar.
Erst größere Karzinome oder solche, die in ihre Umgebung einwachsen, verursachen im weiteren Erkrankungsverlauf Beschwerden. Wenn sie die Speise- oder Luftröhre einengen, kommt es zu Schluckbeschwerden und einem Kloßgefühl im Hals oder zu einem pfeifenden Atemgeräusch bis hin zur Atemnot. Manchmal wird eine Einziehung der Haut im Schilddrüsenbereich sichtbar. Auch Heiserkeit ist ein mögliches Spätsymptom, das durch eine Schädigung des Kehlkopfnervs verursacht wird. Dieser verläuft direkt hinter der Schilddrüse. Ebenfalls durch Nervenschädigungen kann ein Horner-Syndrom ausgelöst werden. Das Horner-Syndrom zeigt sich mit Pupillenverengung, einem eingesunkenen Auge und einem herabhängenden Augenlid. Vor allem beim papillären Schilddrüsenkarzinom werden oft zuerst vergrößerte, schmerzlos verhärtete Halslymphknoten festgestellt. Dieser Karzinomtyp metastasiert vor allem über die Lymphbahnen und breitet sich deshalb zuerst in den Lymphknoten aus. Wie bei allen bösartigen Tumorerkrankungen sind auch Allgemeinbeschwerden wie Nachtschweiß, Gewichtsverlust und Fieber möglich.
Diagnosesicherung
Mehr als 30 % der Bevölkerung haben eine vergrößerte, knotig veränderte Schilddrüse, auch Kropf genannt. Von diesen Millionen von Patient*innen haben jedoch nur wenige Schilddrüsenkrebs. Um einen Tumor abzugrenzen, führt die Ärzt*in verschiedene Untersuchungen durch. Hierzu zählen Ultraschall und Szintigrafie, aber auch verschiedene Blutuntersuchungen im Labor. Manchmal wird auch eine Computer- oder Magnetresonanztomografie der Halsregion durchgeführt. Ergeben diese Untersuchungen Hinweise auf einen Tumor, wird mit einer Feinnadelbiopsie eine Gewebeprobe entnommen und mikroskopisch untersucht. Bestätigt sich der Verdacht, schließen sich weitere bildgebende Untersuchungen an, um Metastasen zu suchen. Ergibt die mikroskopische Untersuchung ein medulläres Schilddrüsenkarzinom, wird auch eine Genanalyse durchgeführt, um eine erbliche Ursache festzustellen.
Differenzialdiagnosen. Andere Ursachen für knotige Schilddrüsenveränderungen sind vor allem Jodmangel, seltener Schilddrüsenentzündungen oder Zysten. Auch eine genetische Veranlagung und natürliche Alterungsprozesse können zur Knotenbildung in der Schilddrüse führen.
Behandlung
Bei der Therapie des Schilddrüsenkarzinoms werden zunächst Schilddrüse und die befallenen Lymphknoten entfernt. Ob die gesamte Schilddrüse oder nur ein Teil davon entnommen wird, richtet sich nach dem Karzinom-Typ. Je aggressiver der Krebs, desto radikaler muss operiert werden. Anschließend wird das entfernte Gewebe noch einmal histologisch unter dem Mikroskop untersucht, um den Tumor ganz sicher zu bestätigen.
Je nach Karzinom-Typ schließen sich weitere Behandlungen an: Bei den differenzierten Karzinomen ist nachfolgend eine Radiojodtherapie sinnvoll, denn die Krebszellen speichern Jod. Durch die Radiojodtherapie werden eventuell verbliebene Krebszellen im Halsbereich sowie auch die jodspeichernden Metastasen zerstört. Nach abgeschlossener Radiojodtherapie wird durch hochdosierte Schilddrüsenhormone versucht, das Wachstum verbliebener Krebszellen zu unterdrücken. Die Schilddrüsenhormone unterdrücken die Ausschüttung des Hormons TSH, welches die Schilddrüse und somit auch die Krebszellen anregt. Anaplastische Schilddrüsenkarzinome werden meist mit einer Strahlentherapie behandelt, weil sie sehr strahlungsempfindlich sind.
Manchmal kommen auch weitere Behandlungsmöglichkeiten in Betracht, z. B. eine Chemotherapie oder Immuntherapie. Das ist der Fall, wenn der Tumor nicht oder nicht vollständig operabel ist, sehr schnell wächst, kein Jod speichert oder nicht auf eine Strahlentherapie anspricht.
Bei jedem Karzinom-Typ sind nach abgeschlossener Behandlung jahrelange Kontrolluntersuchungen und z. T. auch die lebenslange Zufuhr der Schilddrüsenhormone per Hormonersatztherapie notwendig.
Prognose
Die papillären Schilddrüsenkarzinome haben mit einer 10-Jahres-Überlebensrate von 90 bis 99 % die günstigste Prognose.
Die 10-Jahres-Überlebensrate des follikulären Schilddrüsenkarzinoms liegt zwischen 95 und 50 %, die des medullären Schilddrüsenkarzinoms beträgt je nach Metastasierung zwischen 95 und 25 %.
Anaplastische Karzinome haben die schlechteste Prognose. Die mittlere Überlebenszeit beträgt nur wenige Monate.
Ihre Apotheke empfiehlt
Was Sie selbst tun können
Radiojodtherapie. Die Radiojodtherapie wird bei vielen Patient*innen mit Schilddrüsenkrebs erfolgreich eingesetzt, hat aber auch einige Nebenwirkungen. Sie greift z. B. die Speicheldrüsen an, was zu einer ausgeprägten Mundtrockenheit führen kann. Hier helfen saure Bonbons oder Kaugummi. Außerdem sollte viel Flüssigkeit getrunken werden, auch um die Strahlenbelastung der Harnblase zu reduzieren.
Selbsthilfegruppen. Selbsthilfegruppen stehen Betroffenen und ihren Angehörigen mit Rat und Tat zur Seite. Oft hilft es Krebs-Patient*innen besonders, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen, weil diese die zahlreichen Einschränkungen, Belastungen und Begleiterscheinungen der Erkrankung am besten verstehen können.
Psychoonkologie. Eine psychoonkologische Betreuung unterstützt Betroffene in allen Erkrankungsphasen. Sie klärt über Behandlungskomplikationen auf und gibt Tipps, wie sich diese vermeiden oder reduzieren lassen. Im Bedarfsfall kann über die Psychoonkologie auch eine psychotherapeutische Behandlung eingeleitet werden.
Prävention
Nach einem Kernkraftwerksunfall kommen Schilddrüsenkarzinome in der Bevölkerung der näheren Umgebung vielfach häufiger vor. Deshalb wird in solchen Fällen der Bevölkerung einmalig ein hochdosiertes Kaliumjodid-Präparat gegeben. Das beugt der Einlagerung von radioaktivem Jod in der Schilddrüse vor und kann so der Krebsbildung entgegenwirken.
Weiterführende Informationen
Bundesverband Schilddrüsenkrebs
Quellen:
- Pschyrembel (2026) Schilddrüsenkarzinom. Webartikel zur Klinischen Praxis. Abgerufen am 04.08.2026 unter https://www.pschyrembel.de/Schilddr%C3%BCsenkarzinom/K0KEA/doc/
- Amboss (2026) Schilddrüsenkarzinom. Webartikel zur Klinischen Praxis. Abgerufen am 04.08.2026 unter https://next.amboss.com/de/article/Vg0G82?q=Schilddrüsenkarzinom
- Herold - Innere Medizin (2026) Malignome der Schilddrüse. Webartikel zur Klinischen Praxis. Abgerufen am 04.08.2026 unter https://www.pschyrembel.de/Malignome%20der%20Schilddr%C3%BCse/L0LBC/doc/
Semaglutid hilft beim Abnehmen als Tablette offenbar ähnlich gut wie als Spritze.
Semaglutid jetzt als Tablette
Alternative bei Spritzenangst
Semaglutid zum Abnehmen gibt es jetzt auch als Tablette – eine Alternative für alle, die wegen der Spritze zögern. Wie die Pille wirkt, wer sie nehmen darf und worauf es bei der Einnahme ankommt.
Weniger Hunger, früher satt
Wer mit Adipositas oder Übergewicht zu kämpfen hat, kann Semaglutid zur Unterstützung der Gewichtsabnahme inzwischen auch als Tablette einnehmen. Das Präparat ist seit September 2026 auf dem deutschen Markt erhältlich. Der Wirkstoff gehört zur Gruppe der GLP-1-Rezeptoragonisten. Er ahmt ein körpereigenes Darmhormon nach, das unter anderem das Hunger- und Sättigungsgefühl beeinflusst. Dadurch kann es leichter fallen, weniger zu essen.
Die Tablette ist für Erwachsene mit Adipositas oder mit Übergewicht und mindestens einer gewichtsbedingten Begleiterkrankung vorgesehen. Dazu gehören beispielsweise Bluthochdruck, Typ-2-Diabetes oder eine Herz-Kreislauf-Erkrankung. Die Behandlung wird mit einer kalorienreduzierten Ernährung und mehr Bewegung kombiniert.
Einmal täglich statt einmal pro Woche
Die Tablette wird einmal täglich auf nüchternen Magen eingenommen – im Gegensatz zur Abnehmspritze, die einmal wöchentlich verabreicht wird. Nüchtern bedeutet, dass die Tablette nach mindestens acht Stunden ohne Nahrung mit Wasser geschluckt werden soll. Danach sollten mindestens 30 Minuten vergehen, bevor gegessen, getrunken oder ein anderes Medikament eingenommen wird. Nur so ist die vollständige Aufnahme des Wirkstoffs über die Magenschleimhaut gewährleistet.
Deutliche Gewichtsabnahme möglich
Semaglutid wirkt als Tablette offenbar ebenso gut wie als Spritze. Das zeigt zum Beispiel eine Studie mit 307 Erwachsenen. Durch Semaglutid als Tablette verloren die Teilnehmenden nach 64 Wochen durchschnittlich 13,6 Prozent ihres Körpergewichts. Unter Placebo waren es 2,2 Prozent. Rund drei Viertel der mit Semaglutid behandelten Personen nahmen mindestens 5 Prozent ihres Ausgangsgewichts ab.
Häufige Nebenwirkungen sind Übelkeit und Erbrechen
Wie bei der Spritze können Nebenwirkungen auftreten. Am häufigsten kommt es dabei zu Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Verstopfung oder Bauchschmerzen. Meist werden die Beschwerden vor allem zu Beginn der Behandlung oder bei einer Dosiserhöhung beobachtet. Die Behandlungskosten mit Spritze oder Tablette liegen sehr nah beieinander. Für die Erhaltungsdosis muss man mit 250–300 Euro pro Monat rechnen (2026).
Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für Semaglutid nur bei Typ-2-Diabetes. Bei reiner Adipositas-Behandlung gilt Semaglutid als Lifestyle-Medikament. Das bedeutet, dass die Betroffenen das Medikament selbst bezahlen müssen.
Quelle: ptaheute

