Gesundheit heute

Schilddrüsenkrebs

Schilddrüsenkrebs (Schilddrüsenkarzinom): Relativ seltener, überwiegend bei Frauen auftretender bösartiger Tumor, aber die häufigste Krebserkrankung hormonproduzierender Drüsen. Fast 90 % der Betroffenen haben Tumore, die vom Schilddrüsengewebe ausgehen.

Typischerweise gibt es keine speziellen Frühbeschwerden, da die Schilddrüsenfunktion durch den Krebs meist nicht verändert wird. Ein schmerzlos wachsender, einzelner Knoten gilt besonders bei jüngeren Menschen als Alarmzeichen. Häufig sind diese Knoten hart und gegenüber dem darunter liegenden Gewebe nur schwer verschiebbar.

Größere Karzinome oder solche, die in ihre Umgebung einwachsen, führen zur Einengung der Speise- oder Luftröhre, zu Schluckbeschwerden, Einziehung der Haut oder Heiserkeit, da der Kehlkopfnerv, der hinter der Schilddrüse verläuft, geschädigt wird. Damit einher gehen möglicherweise vergrößerte, schmerzlos verhärtete Halslymphknoten und Allgemeinbeschwerden wie Nachtschweiß, Gewichtsverlust und Fieber.

Als Risikofaktoren werden neben einer erblichen Veranlagung beim medullären Schilddrüsenkarzinom, (Röntgen-)Strahlenbelastungen und eine länger anhaltende Erhöhung von TSH diskutiert. Letztere kommt einer andauernden Anregung der Schilddrüse gleich.

Schilddrüsenkrebs wird in verschiedene Karzinome unterteilt, die sehr verschieden in ihrer Prognose sind:

Differenzierte Schilddrüsenkarzinome (85 %). Differenzierte Schilddrüsenkarzinome gehen von normalen Schilddrüsenzellen (Thyreozyten) aus und werden weiter in papilläre und follikuläre Schilddrüsenkarzinome unterteilt. Die papillären Karzinome sind die häufigsten bösartigen Karzinome der Schilddrüse und haben mit einer 10-Jahres-Überlebensrate von 90 % die günstigste Prognose. Prinzipiell kann jede Altersgruppe betroffen sein, am häufigsten sind es 40- bis 60-Jährige. Sowohl papilläre als auch follikuläre Karzinome beginnen zunächst mit einem langsamen Wachstum des Knotens. Mit zunehmendem Lebensalter der Betroffenen vermögen sie mitunter sehr schnell zu wachsen. Im Schilddrüsenszintigramm werden sie als kalter Knoten erkannt.

Anaplastisches Schilddrüsenkarzinom (10 %). Das Anaplastische Schilddrüsenkarzinom ist extrem bösartig, praktisch alle der meist über 60-jährigen Betroffenen sterben nach durchschnittlich 8 Monaten aufgrund der frühen Metastasierung des Tumors z. B. in die Lunge.

Medulläres Schilddrüsenkarzinom (5 %). Das medulläre Schilddrüsenkarzinom geht von den kalzitoninbildenden C-Zellen der Schilddrüse aus und wird deshalb auch als C-Zell-Karzinom bezeichnet. Oft tritt es gemeinsam mit der multiplen endokrinen Neoplasie II (MEN II) auf, teilweise ist es auch erblich bedingt. Die 10-Jahres-Überlebensrate beträgt 50 %.

Das macht der Arzt

15 % der Bevölkerung haben einen Kropf. Der Arzt hat also die Aufgabe, aus diesen Millionen von Patienten mit knotigen Veränderungen der Schilddrüsen die wenigen mit einem Schilddrüsenkrebs zu identifizieren. Ultraschall und Szintigrafie geben Hinweise; aus verdächtigen Knoten (insbesondere kalten, keine radioaktiv-markierte Substanzen aufnehmenden Knoten) wird mit einer Feinnadelbiopsie eine Gewebeprobe entnommen und anschließend mikroskopisch untersucht.

Die Therapie des Karzinoms besteht vor allem in der operativen Entfernung der Schilddrüse und der befallenen Lymphknoten. Bei den differenzierten Karzinomen ist nachfolgend eine Radiojodtherapie sinnvoll, da sie auch jodspeichernde Metastasen erreicht. Anaplastische und medulläre Karzinome werden oft mit Strahlen- oder Chemotherapie behandelt.

Wird die Erkrankung überlebt, sind jahrelange Kontrolluntersuchungen und die lebenslange Zufuhr der Schilddrüsenhormone per Hormonersatztherapie notwendig.

Von: Kristine Raether-Buscham, Dr. med. Arne Schäffler in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung: Dr. med. Sonja Kempinski
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Medikament verzögert Typ-1-Diabetes

Wenn Kinder mit Typ-1-Diabetes Insulin benötigen, werden zur Blutzuckerkontrolle oft Glukosesensoren eingesetzt.

Medikament verzögert Typ-1-Diabetes

Vor allem Kinder profitieren

Ein Typ-1-Diabetes muss immer mit Insulin behandelt werden. Es sei denn, man erkennt ihn schon im Frühstadium: Dann kann man mit einem neuen Antikörper die Entwicklung der Erkrankung um etwa 2 Jahre aufhalten – und damit auch erst einmal das Insulinspritzen.

Autoimmunerkrankung im Kindesalter

Beim Diabetes mellitus unterscheidet man zwei Hauptformen: Der deutlich häufigere Typ-2-Diabetes beruht auf einer genetischen Veranlagung und Lebensstilfaktoren wie Übergewicht, Bewegungsmangel und einer ungesunde Ernährung. Eine Folge davon ist, dass die Fettzellen das Insulin immer schlechter aufnehmen können. Bemerkbar macht sich der Typ-2-Diabetes meist im Alter zwischen 40 und 50 Jahren.

Der Typ-1-Diabetes ist dagegen eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem die insulinbildenden Zellen zerstört. Er beginnt meist bei Kindern und Jugendlichen zwischen 10 und 14 Jahren. Im Krankheitsverlauf werden drei Stadien unterschieden. In Stadium 1 sind die ersten Autoantikörper nachweisbar, aber der Blutzuckerhaushalt ist noch ungestört. Im Stadium 2 sind die Blutzuckerwerte schon verändert, ohne dass sich Symptome zeigen. Im Stadium 3 kommen dann die typischen Beschwerden wie starker Durst, häufiges Wasserlassen und Gewichtverlust hinzu. Ab diesem Zeitpunkt muss die Patient*in Insulin spritzen.

Antikörper bindet an fehlgeleitete Zellen

Bisher war die Insulingabe die einzige Behandlungsmöglichkeit beim Typ-1-Diabetes. Jetzt gibt es das erste Medikament, dass schon in der Frühphase der Erkrankung eingreift und das Fortschreiten des Typ-1-Diabetes bremsen kann. Der Antikörper Teplizumab bindet an die Blutzellen, die fälschlicherweise die insulinproduzierenden Zellen angreifen. Dadurch werden die noch gesunden Betazellen geschützt und der Übergang von Stadium 2 in Stadium 3 verzögert.

Der Effekt kann sich sehen lassen. In der wichtigsten Studie zu Teplizumab erhielten 76 Patient*innen im Stadium 2 des Typ-1-Diabetes alle zwei Wochen intravenös entweder Teplizumab oder ein Scheinmedikament. Die Zeit, bis die Teilnehmer*innen ins Stadium 3 kamen, betrug unter dem Antikörper 50 Monate, unter dem Scheinmedikament nur 25 Monate. Im Durchschnitt wurde die Entwicklung zu einem manifesten Typ-1-Diabetes um etwa zwei Jahre hinausgeschoben.

Zwei Jahre ohne Insulinspritzen

Diese zwei Jahre bedeuten für die Betroffenen einen großen Vorteil an Lebensqualität, betonen die Forschenden. Dies ist vor allem für Kinder und Jugendliche wichtig, denn ihnen werden zwei weitere „normale“ Jahre ohne Insulintherapie ermöglicht.

Teplizumab wurde im Januar 2026 in der EU und damit auch in Deutschland zugelassen. Die Kostenübernahme muss noch geklärt werden. Wahrscheinlich ist, dass die Kassen zunächst nach Antrag und Prüfung im Einzelfall darüber entscheiden werden, ob sie die Therapiekosten übernehmen.

Quelle: ptaheute

Von: Dr. med. Sonja Kempinski; Bild: mauritius images / Westend61 / Omnimedia