Gesundheit heute
Kropf
Kropf (Struma): Knotige oder gleichmäßige Vergrößerung der Schilddrüse (diffuse Struma) infolge einer zu geringen Jodzufuhr durch Trinkwasser und Nahrung (Jodmangelstruma). Hiervon sind je nach Untersuchungsmethode und Definition mindestens 15 % der deutschen Bevölkerung betroffen, Frauen mehr als Männer und Ältere mehr als Jüngere.
Am häufigsten ist der Kropf mit einer normalen Schilddrüsenfunktion (euthyreote Struma) verbunden, seltener mit einer Überfunktion oder Unterfunktion der Schilddrüse (hyper- bzw. hypothyreote Struma). Die Tatsache eines Kropfs hat also zunächst einmal nichts mit der Funktionslage zu tun.
Der Kropf selbst verursacht meist erst ab einer stärkeren Vergrößerung Beschwerden, doch steigt durch ihn das Risiko für behandlungspflichtige Schilddrüsenüberfunktionen. Zudem ist das Risiko, an einem Schilddrüsenkrebs zu erkranken, etwa siebenfach erhöht.
Leitbeschwerden
Einen mäßig ausgeprägten Kropf spürt der Betroffene in der Regel nicht, ein stark vergrößerter Kropf führt zu folgenden Beschwerden:
- Druck- und Engegefühl im Halsbereich
- Missempfinden beim Tragen hochschließender Kleidung
- Sichtbare Schwellung des Halses
- Bei sehr großem Kropf: Einengung der Luftröhre oder der Speiseröhre mit Heiserkeit, Atem- und Schluckbeschwerden.
Wann zum Arzt
In den nächsten Tagen, wenn eine dieser Beschwerden auftritt oder sich die Schilddrüse beim Betasten vergrößert anfühlt.
Die Erkrankung
Leider ist das Ackerland Mitteleuropas, abgesehen von den Küstenregionen, sehr jodarm, weil in der letzten Eiszeit viel Jod aus den Böden gewaschen wurde. Daher kann sich nur wenig Jod in Nahrung und Trinkwasser anreichern. Jod ist für die Bildung der Schilddrüsenhormone unerlässlich. Bei einem Jodmangel vermehrt und vergrößert die Schilddrüse ihre hormonbildenden Zellen (Follikel), um möglichst das gesamte von der Nahrung angebotene Jod aufnehmen und verwerten zu können: Die Schilddrüse wird größer, ein Kropf entsteht.
Jodmangel kann neben der gleichmäßigen („diffusen“) Vergrößerung des Schilddrüsengewebes auch zu knotigen Veränderungen führen.
Neben dem Wachstum besteht die Gefahr der so genannten Schilddrüsenautonomie. Normalerweise produziert jede Schilddrüsenzelle nur eine kleine Menge an Schilddrüsenhormonen, genau so viel, wie der Körper braucht. Dieser Bedarf wird durch die Steuerhormone von Hypothalamus und Hypophyse reguliert (Schema des Hormonsystems). Eine gesunde Schilddrüse hat aber auch kleine Zellbezirke, die sich dieser Steuerung entziehen und ungehemmt („autonom“) Schilddrüsenhormone produzieren, was aber durch eine Unterdrückung der übrigen Schilddrüsenbezirke wieder ausgeglichen wird. Bei Jodmangel vermehren sich die autonomen Schilddrüsenzellbezirke und geben soviel Schilddrüsenhormon in die Blutbahn ab, dass eine Schilddrüsenüberfunktion entsteht. Diese autonomen Schilddrüsenzellbezirke können diffus über die Schilddrüse verteilt oder in einem oder mehreren Knoten konzentriert vorliegen.
Das macht der Arzt
Diagnosesicherung. Zur Klärung des Funktionszustands der Schilddrüse werden im Blut die Hormone TSH, fT3 und fT4 bestimmt. „f“ steht für ein freies, nicht an Trägersubstanzen gebundenes Hormon. Findet sich eine Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse, werden per Ultraschall die Größe der Schilddrüse bestimmt und Knoten ausgeschlossen. Ist jedoch ein Knoten nachweisbar, wird eine Schilddrüsenszintigrafie durchgeführt und im Anschluss gegebenenfalls eine Feinnadelbiopsie (Entnahme einer Gewebeprobe über einen Stich durch die Haut), um einen bösartigen Schilddrüsentumor ausschließen zu können.
Zeigen die Blutwerte eine Fehlfunktion der Schilddrüse an, so wird mit weiteren, speziellen Blutwerten (Antikörper gegen Schilddrüsengewebe) eine Schilddrüsenentzündung oder eine Autoimmunerkrankung ausgeschlossen. Im Einzelnen werden untersucht:
- MAK (Mikrosomale Antikörper)
- TAK (Thyreoglobulin Antikörper)
- TRAK (TSH-Rezeptor-Antikörper)
- TPO-AK anti-TPO, Thyreoidale Peroxidase-Antikörper
Therapie. Die Therapie der Jodmangelstruma bei normaler hormoneller Funktion (euthyreot) richtet sich nach dem Alter des Patienten und der Beschaffenheit des Kropfs. Bei jüngeren Patienten mit diffuser Schilddrüsenvergrößerung ohne Autonomie reicht oft die Einnahme von Jodid oder des Schilddrüsenhormons Levothyroxin über mehrere Monate mit anschließender Jodvorsorge.
Endokrinologen raten davon ab, Schilddrüsenhormon-Präparate zu wechseln, da die verschiedenen Levothyroxin-haltigen Medikamente in ihrer Bioverfügbarkeit variieren, was bedeutet, dass der Körper den Wirkstoff unterschiedlich schnell und nicht in gleichem Umfang aufnimmt. Dadurch kann sich die Konzentration des schilddrüsenstimulierenden Hormons TSH ändern. Eine falsche Dosierung von Levothyroxin kann Herz, Knochen und Psyche beeinträchtigen. Ist eine Umstellung der Präparate nötig, sollte 6–8 Wochen später eine Kontrolle des TSH-Spiegels im Blut erfolgen.
Levothyroxin-haltige Arzneimittel sollen morgens nüchtern eingenommen werden – in der Regel 30 bis 60 Minuten vor dem Frühstück. Diverse Nahrungsmittel können die Resorption des Wirkstoffs herabsetzen. Insbesondere Kalzium beeinträchtigt die Levothyroxinaufnahme. Kalziumhaltige Lebensmittel, wie Milch oder Milchprodukte, sollten deshalb in gebührendem Abstand verzehrt werden. Vorsicht ist auch bei kalziumhaltigem Wasser geboten.
Ein knotiger Kropf mit Verdacht auf Krebs, mit Autonomie oder in einer Größe, die die Luftwege beeinträchtigt, erfordert eine Operation. Nach Möglichkeit belässt der Arzt etwa 4 ml gesundes Schilddrüsengewebe, das die Hormonproduktion weiterhin übernehmen soll. Alternativ wird bei einem Kropf mit Autonomie eine Radiojodtherapie durchgeführt.
Vorsorge
Mehr als 90 % der Kropferkrankungen könnten durch eine ausreichende Jodversorgung verhindert werden. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt Erwachsenen und Jugendlichen 200 µg Jod pro Tag.
- Verwenden Sie jodiertes Speisesalz, am besten eines, das neben Jod auch mit Folsäure angereichert ist, da ein Folsäuremangel auch ernstzunehmende Erkrankungen nach sich ziehen kann.
- Setzen Sie gute Jodlieferanten wie Meeresfische (z. B. Seelachs, 260 µg Jod pro 100 Gramm) und andere Meerestiere regelmäßig auf Ihren Speiseplan.
- Fragen Sie beim Kauf von Lebensmitteln (z. B. beim Bäcker), ob sie Jodsalz enthalten oder achten Sie auf das Jodsiegel. Bei Fertigprodukten wird die Verwendung von Jodsalz auf der Verpackung angegeben.
- Sorgen Sie mit Jodtabletten einem Kropf vor, z. B. in Phasen erhöhten Jodbedarfs (Pubertät, Schwangerschaft und Stillzeit) oder bei unausgewogener Ernährung.
- Mit einem Schlucktest können Sie Ihre Schilddrüse selbst überprüfen. Dazu halten Sie einen Handspiegel so, dass Sie den Teil des Halses zwischen Kelhkopf und Schlüsselbein sehen können. Dann trinken Sie einen Schluck Wasser und beobachten, ob unterhalb des Kehlkopfes Schwellungen hervortreten.
Weiterführende Informationen
- www.jodmangel.de – Internetseite vom Arbeitskreis Jodmangel, Groß Gerau: Sehr detailliertes Hintergrundwissen und praxisnahe Informationen, bietet unter der Rubrik Service kostenlos bestellbare Broschüren.
- www.dge.de – Internetseite der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V., Bonn: Über die Stichwortsuche, z. B. Schilddrüse, finden Sie zahlreiche Informationen und Tipps zur jodreichen Ernährung.
- www.schilddruese.de – Internetseite der Schilddrüsen-Initiative Papillon, Berlin: Anschaulich beschrieben finden Sie hier alles zum Thema Schilddrüse sowie unter der Rubrik Infomaterial kostenlose Broschüren zum Herunterladen. Sehr empfehlenswert.
- P. Pfannenstiel; L.-A. Hotze: Wirksame Hilfe für die Schilddrüse. Trias, 2003. Umfassend aufklärendes Buch, beinhaltet alles, was es rund ums Thema Schilddrüse zu wissen gibt.
Bei Formula-Diäten werden Mahlzeiten durch spezielle industrielle Nährstoffgemische ersetzt.
Formula-Diät senkt Blutzucker
Nicht nur gegen Speck gut
Formula-Diäten helfen Übergewichtigen beim Abspecken. Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes kann der flüssige Mahlzeitenersatz bei strukturierter Anwendung noch mehr: nämlich den Blutzucker senken.
Fertigdrink oder Pulver zum Anrühren
Formula-Diäten sind spezielle Ernährungsprogramme, bei denen Mahlzeiten ganz oder teilweise durch industriell gefertigte Nährstoffgemische ersetzt werden. Es gibt die Produkte als Fertigdrinks oder als Pulver zum Anrühren sowie als Riegel oder Suppen. Wer es richtig macht, kann mithilfe der Trünke 1 bis 2 kg pro Woche abnehmen.
Doch Formulardiäten können weit mehr als nur eine Gewichtsreduktion unterstützen. Etliche Studien haben gezeigt, dass es bei Typ-2-Diabetiker*innen zusätzlich zur Gewichtsabnahme auch zur Besserung der Blutzuckerwerte kommt.
Blutzucker sinkt auf Normalwerte
Wie gut das klappt, wurde in einer britischen Studie mit 945 übergewichtigen Typ-2-Diabetiker*innen nachgewiesen. In den ersten 12 Wochen des Ernährungsprogramms wurden täglich 800 bis 900 Kilokalorien in Form von Formula-Produkten (Shakes, Suppen, Riegel) zugeführt. Danach nahmen die Teilnehmenden Schritt für Schritt eine normale, gesunde Ernährung auf. Außerdem sollten sie einen gesunden Lebenstil pflegen, sich mehr bewegen und regelmäßig wiegen. Unterstützt und beraten wurden die Männer und Frauen von ausgebildeten Gesundheits-Trainer*innen.
Das zwölfmonatige Ernährungsprogramm führte zu einer durchschnittlichen Gewichtsabnahme von 8,3 % bzw. 10,3 kg. 32% der Teilnehmenden erreichten durch die Diät normale Blutzuckerwerte, gemessen anhand des Langzeitwertes HbA1c – ohne Antidiabetika einnehmen zu müssen. Die Patient*innen, deren Blutzucker sich normalisierte, hatten durchschnittlich 14,4 % Gewicht verloren (15,9kg).
Vergleichbar mit der Abnehm-Spritze
Mit diesen Ergebnissen steht die Formula-Diät gut da, kommentiert der Diabetologe Prof. Dr. Stephan Martin die Studie. Ein Ernährungsprogramm mit Lebensstiländerung und flüssigem Mahlzeitenersatz führt offenbar zu ähnlichen Erfolgen wie die „Abnehmspritze“. Und auch wenn es oft anders propagiert wird: Formula-Diäten im Rahmen strukturierter Programme zeigen durchaus eine lang anhaltende Wirkung, betonte der Experte.
Quelle: Ärztezeitung

