Gesundheit heute

Diabetes insipidus

Diabetes insipidus (wörtlich "geschmackloser Durchfluss", Wasserharnruhr): Seltene Erkrankung mit einer Störung des Wasserhaushalts, bei der die Niere den Urin nicht konzentrieren kann. Weil die Betroffenen bis zu 20 Liter Wasser am Tag ausscheiden, leiden sie unter vermehrtem Durst. Wird nicht genügend Wasser getrunken, droht eine schwere Dehydratation (Austrocknung). Ursache der vermehrten Wasserausscheidung ist ein Mangel des Hormons Vasopressin oder seine verringerte Wirksamkeit in der Niere. Die Erkrankung wird mit Medikamenten und Lebensstiländerung behandelt.

Hinweis: Der Diabetes insipidus ist abzugrenzen vom Diabetes mellitus, bei dem die verstärkte Wasserausscheidung auf dem erhöhten Blutzuckerspiegel beruht.

Symptome und Leitbeschwerden

  • Übermäßiger Harndrang
  • Quälendes Durstgefühl, vermehrte Trinkmenge
  • Trockene Haut und Schleimhäute.

Wann in die Arztpraxis

Demnächst, bei

  • ausgeprägtem, nicht erklärbarem Durst
  • verstärkter Wasserausscheidung
  • unerklärbarem nächtlichem Harndrang.

Die Erkrankung

Der Diabetes insipidus ist eine seltene Erkrankung. In Deutschland ist etwa eine von 25.000 Personen davon betroffen, Männer etwas häufiger als Frauen. Je nach Ursachen unterscheidet man zwei Formen der Erkrankung, die wiederum angeboren oder erworben sein können.

Der zentrale Diabetes insipidus (Diabetes insipidus centralis oder neurohormonalis) ist die häufigere Variante. Bei ihr wird zu wenig Vasopressin (Antidiuretisches Hormon, ADH) im Gehirn gebildet und ins Blut abgegeben. Meist entsteht der zentrale Diabetes insipidus durch eine Schädigung des zuständigen Hirnbereichs (Hypophysen- oder Hypothalamusgewebe), z. B. im Rahmen von Operationen am Gehirn, bei Verletzungen, Hirnblutungen, Hirntumoren oder Entzündungen wie Tuberkulose, Syphilis oder Meningitis. In sehr vielen Fällen lässt sich aber keine Ursache für die Schädigung erkennen (idiopathischer Diabetes insipidus centralis). In etwa 10 % der Fälle ist die Erkrankung angeboren, dabei kann es sich um verschiedene Gendefekte handeln.

Die zweite, deutlich seltenere Form, ist der Diabetes insipidus renalis. Hierbei ist das Hormon Vasopressin zwar vorhanden, es kann aber nicht wirken, weil die entsprechenden Rezeptoren in der Niere nicht funktionieren. Unterschieden werden ebenfalls angeborene (auf Gendefekten beruhende) von erworbenen Formen. Erworben wird ein renaler Diabetes insipidus vor allem durch toxische Effekte von Medikamenten (Lithium, bestimmte Antibiotika, Krebsmedikamente oder Clozapin). Aber auch Störungen im Elektrolythaushalt oder Bluterkrankungen wie die Sichelzellkrankheit oder das Plasmozytom können die Niere so schädigen, dass das Hormon Vasopressin seine Wirkung nicht entfalten kann. In seltenen Fällen kann es auch durch einen übermäßig hohen Eiweißkonsum zu einem Diabetes insipidus renalis kommen.

Klinik

Ob zentral oder renal bedingt, ob angeboren oder erworben: In allen Fällen entwickeln sich die gleichen Beschwerden: Die Betroffenen scheiden große Mengen unkonzentrierten Urin aus – bis zu 10 bis 20 Liter täglich (Polyurie). Meist müssen die Patient*innen auch nachts mehrmals Wasserlassen. Durch den Wasserverlust wird das Blut "dicker", es erhöht sich die sog. Serumosmolalität. Dadurch steigen das Durstgefühl und die Trinkmenge (Polydipsie). Auf diese Weise versucht der Organismus, den starken Flüssigkeitsverlust wieder auszugleichen.

Neben vermehrtem Harndrang und Durst kann es zu weiteren Beschwerden kommen. Das nächtliche Wasserlassen stört den Schlaf meist erheblich. Kann der Wasserverlust nicht kompensiert werden, droht die Dehydratation (Austrocknung) des Körpers. Abgeschlagenheit, Gewichtsverlust, Muskelschmerzen und Konzentrationsstörungen sind die Folge.

Komplikationen

Komplikationen entstehen vor allem, wenn Betroffene nicht ausreichend Flüssigkeit aufnehmen, um den Verlust zu kompensieren. Das kommt z. B. bei Kindern oder kognitiver Einschränkung wie vermehrter Vergesslichkeit oder Demenz vor, aber auch bei starkem Flüssigkeitsverlust aufgrund von Durchfall oder Fieber. Eine starke Austrocknung (Dehydratation) kann zu einem hypovolämischen Schock führen. Der Blutdruck sinkt massiv und die Organe werden nicht mehr mit ausreichend Sauerstoff versorgt – es drohen Bewusstlosigkeit und Herzstillstand. Weitere mögliche Folgen einer ausgeprägten Dehydratation sind Krampfanfälle. Außerdem kann es durch das dickere Blut vermehrt zu Thrombosen und Thromboembolien (insbesondere in der Lunge) kommen.

Diagnosesicherung

Die typischen Beschwerden wie starker Durst und vermehrtes Wasserlassen geben erste Hinweise auf die Krankheit. Bei der körperlichen Untersuchung fallen Zeichen der der Dehydrierung auf, etwa dass Hautfalten stehenbleiben, statt zu verstreichen, und trockene Haut und Schleimhäute. Gesichert wird die Diagnose mit Urin- und Blutuntersuchungen sowie verschiedenen speziellen Tests, wie z. B. dem Durstversuch oder dem Vasopressintest. Damit lässt sich auch unterscheiden, ob ein zentraler oder ein renaler Diabetes insipidus vorliegt.

Steht die Diagnose, muss nach einer Ursache geforscht werden – auch wenn in den meisten Fällen keine zu finden ist. Manchmal liegt diese auf der Hand, z. B. nach Operationen an der Hypophyse oder nach Gehirnverletzungen und Infektionen. Die wichtigste Maßnahme zum Aufspüren des Auslösers ist ein MRT des Gehirns. In dieser Untersuchung kann man Tumoren, Metastasen, Hirnblutungen oder andere strukturelle Schäden im Bereich von Hypophyse und Hypothalamus gut erkennen. Mit Röntgen, Lumbalpunktionen und speziellen Blutuntersuchungen lassen sich zugrundeliegende Infektionen oder Systemerkrankungen aufspüren. Bei Kindern steht eine Gendiagnostik an, um angeborene Formen zu erkennen. Das Gleiche gilt, wenn weitere Familienangehörige unter der Erkrankung leiden.

Differenzialdiagnosen: Missbrauch von Entwässerungsmitteln, Diabetes mellitus, Hyperkalzämie, primäre Polydipsie, Prostatavergrößerung und Harnwegsinfektion.

Behandlung

Die Therapie eines Diabetes insipidus ruht auf zwei Säulen: Ist eine zugrundeliegende Erkrankung oder ein Auslöser bekannt, muss diese entsprechend behandelt werden. Das bedeutet beispielsweise, einen Gehirntumor zu entfernen oder auslösende Medikamente abzusetzen.

Daneben muss der Flüssigkeitshaushalt streng kontrolliert werden. Das heißt in erster Linie, dass die Betroffenen ausreichend trinken. Meist diktiert der Durst, wieviel dafür nötig ist. Insgesamt gilt, dass die Trinkmenge an das Wetter, an die körperliche Aktivität und den Alltag angepasst werden muss.

Pharmakotherapie

Beim Diabetes insipidus centralis gleicht man den Hormonmangel mit der Gabe von Desmopressin aus. Dies ist die synthetische Form des Hormons Vasopressin, es steht als Tablette, als Nasenspray oder als Lösung zum Spritzen (intravenös oder subkutan) zur Verfügung. Die Behandlung beginnt zunächst in niedriger Dosierung und wird dann langsam gesteigert. Ist die Hormongabe zu hoch, wird die Wasserausscheidung zu stark gedrosselt und es drohen Wasserintoxikation und Natriummangel im Blut. Damit es dazu nicht kommt, müssen zunächst in kürzeren, später in längeren Abständen Blut, Urin und Körpergewicht kontrolliert werden. Je nach Ursache ist die lebenslange Hormongabe erforderlich.

Auch einige Formen des Diabetes insipidus renalis sprechen auf die Gabe von hochdosiertem Desmopressin an. Weitere medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten sind spezielle Diuretika und eine salzarme Ernährung. Auch nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) werden eingesetzt, weil sie die Nierenfiltration und damit die Urinausscheidung vermindern.

Behandlung bei Dehydrierung

Bei Zeichen einer Dehydrierung muss das Flüssigkeitsdefizit möglichst rasch ausgeglichen werden. Am besten für den Körper ist es, wenn dies durch Trinken gelingt. Ist das nicht möglich oder ist der Körper schon stark ausgetrocknet, kommen Infusionen zum Einsatz.

Prognose

Bei angemessener Behandlung und Überwachung der Erkrankung ist die Prognose gut. Mitentscheidend sind zugrundeliegende Erkrankungen. Ist der Diabetes insipidus im Rahmen einer Gehirnoperation entstanden, bildet er sich bei etwa zwei Drittel der Betroffenen im Verlauf wieder zurück und die Vasopressin-Produktion erholt sich wieder. Liegt dem Hormonmangel eine Krebserkrankung zugrunde, ist deren Prognose entscheidend. Ein Diabetes insipidus renalis aufgrund von Medikamentennebenwirkungen verschwindet nach dem Absetzen des Medikaments meist wieder.

Ihre Apotheke empfiehlt

Ernährung. Weil sowohl Salz als auch Proteine die Harnausscheidung erhöhen, empfiehlt die Ärzt*in vor allem beim Diabetes insipidus renalis oft eine salz- und proteinarme Diät.

Desmopressin regelmäßig einnehmen. Für den Wasserhaushalt ist es außerordentlich wichtig, das Hormon Desmopressin genau so wie verordnet einzunehmen. Auf keinen Fall darf die Dosis eigenmächtig erhöht werden, denn dann droht eine Wasservergiftung.

Flüssigkeitshaushalt kontrollieren. Regelmäßig und ausreichend zu trinken ist das A und O beim Diabetes insipidus. Das bedeutet auch, Flüssigkeitsverluste durch Schwitzen oder körperliche Anstrengungen rasch auszugleichen oder es am besten gar nicht dazu kommen zu lassen. Unterwegs und auf Reisen muss der Zugang zu Wasser und Medikamenten gewährleistet sein.

Notfallausweis mitführen. Wer regelmäßig Vasopressin einnehmen oder spritzen muss, sollte immer einen Notfallausweis bei sich tragen. Nur so weiß auch fremdes medizinisches Personal, dass die Betroffene schnell Probleme mit dem Wasserhaushalt entwickeln kann.

Weiterführende Informationen

Das Netzwerk Hypophysen- und Nebennierenerkrankungen e.V. unterstützt Menschen mit Erkrankungen der Hypophyse und der Nebennieren, zu denen auch der zentrale Diabetes insipidus gehört.

Von: Kristine Raether-Buscham, Dr. med. Arne Schäffler in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung: Dr. med. Sonja Kempinski
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Sicher feiern mit Diabetes

Bei Diabetes sind Sommerpartys eine Herausforderung für den Stoffwechsel – die sich aber mit der richtigen Vorbereitung gut meistern lässt.

Sicher feiern mit Diabetes

Ob Badesee oder Festival

Grillpartys, Musikfestivals oder entspannte Nachmittage am Badesee gehören für viele Menschen zu den schönsten Erlebnissen des Sommers. Auch Menschen mit Diabetes können diese Momente ohne Einschränkungen genießen. Sie sollten sich auf das Feiern aber etwas vorbereiten, um die gesundheitlichen Risiken zu reduzieren.

Sommerfeste und Diabetes – warum besondere Vorsicht nötig ist

Der Körper reagiert im Sommer anders als in den kühleren Monaten. Hitze beeinflusst den Kreislauf, den Flüssigkeitshaushalt und den Stoffwechsel. Diese Veränderungen wirken sich auf Menschen mit Diabetes in besonderem Maße aus und können, sofern man sie nicht beachtet, zu Problemen führen. Hohe Temperaturen steigern die Durchblutung, so dass Insulin schneller wirkt und es leichter zu Unterzuckerungen kommt. Gleichzeitig verliert man durch das Schwitzen mehr Flüssigkeit. Wird dieser Verlust nicht ausgeglichen, drohen Kreislaufprobleme und Stoffwechselstörungen.

Hinzu kommt, dass insbesondere Sommerveranstaltungen selten nach einem festen Rhythmus ablaufen. Mahlzeiten werden ausgelassen, Snacks vergessen oder Essenszeiten verschoben. Gleichzeitig bewegen sich viele Menschen deutlich mehr als sonst. Tanzen, lange Wege auf einem Festivalgelände oder sportliche Aktivitäten erhöhen den Energieverbrauch und können den Blutzuckerspiegel zusätzlich senken.

Zudem sind viele Sommerveranstaltungen eng mit Alkohol verbunden. Alkohol beeinflusst nicht nur den Blutzuckerspiegel, sondern auch die Wahrnehmung von Unterzuckerungen. Besonders gefährlich ist, dass die Symptome einer Hypoglykämie leicht von Außenstehenden mit normaler Trunkenheit verwechselt werden können.

Hinweis: Auch Schlafmangel beeinflusst die Stoffwechsellage. Wer mehrere Nächte zu wenig schläft, produziert vermehrt Stresshormone wie Cortisol. Diese Hormone können den Blutzucker ansteigen lassen. Die Folge sind oft starke Schwankungen zwischen hohen und niedrigen Werten.

Vorbereitung auf Sommerfeste und Festivals

Eine gute Planung erleichtert Menschen mit Diabetes den Aufenthalt auf Sommerveranstaltungen erheblich. Besonders bei mehrtägigen Festivals sollte nichts dem Zufall überlassen werden. Diese Punkte gehören zu einer guten Vorbereitung dazu:

Medikamente und Hilfsmittel vollständig einpacken. Wer mit Diabetes unterwegs ist, sollte natürlich ausreichend Medikamente und Diabeteszubehör dabeihaben. Dazu gehören unter anderem: 

  • Insulin oder orale Antidiabetika 
  • Blutzuckermessgerät, Teststreifen, Sensoren und Zubehör, Ersatzbatterien oder Akkus
  • Pen-Nadeln und Spritzen, Alkoholtupfer, Desinfektionsmittel.

Da Festivalgelände oder Campingplätze häufig staubig und verschmutzt sind, spielen Hygiene und saubere Lagerung eine wichtige Rolle. Desinfektionstücher und Händedesinfektionsmittel helfen dabei, Infektionen und fehlerhafte Messungen zu vermeiden. Wer eine Insulinpumpe verwendet, sollte diese vor der Abreise gründlich kontrollieren. Die Akkus müssen vollständig geladen sein und Ersatzmaterial sollte mitgeführt werden.

Insulin richtig lagern. Insulin reagiert empfindlich auf hohe Temperaturen und darf weder direkter Sonneneinstrahlung noch extremer Hitze ausgesetzt werden. Deshalb empfiehlt sich der Transport in speziellen Kühltaschen oder isolierten Behältern (Thermosflasche). Wichtig ist, dass Insulin nicht direkt auf Kühlakkus gelegt wird, da Einfrieren die Wirksamkeit zerstören kann. Große Festivals verfügen häufig über medizinische Stationen oder Sanitätszelte, in denen man Medikamente kühl lagern kann. Sinnvoll ist es, dies vorab mit dem Veranstalter oder dem Sanitätsdienst zu klären. Um Verwechslungen zu vermeiden, sollten Medikamente eindeutig beschriftet werden.

Notfallvorsorge nicht vergessen. Traubenzucker oder schnell verfügbare Kohlenhydrate sollten immer griffbereit sein. Kleine Snacks können helfen, Unterzuckerungen rechtzeitig auszugleichen.

Freunde informieren. Freunde oder Begleitpersonen sollten über den Diabetes Bescheid wissen. Ebenso wichtig ist es, dass sie die Anzeichen einer Unterzuckerung erkennen und im Ernstfall richtig reagieren können.

Hinweis: Es empfiehlt sich, einen Diabetesausweis mitzuführen oder ein medizinisches Armband mit wichtigen Informationen zur Erkrankung anzulegen. So können im Notfall Außenstehende leicht informiert werden.

Blutzucker im Sommer häufiger kontrollieren

All die genannten Faktoren verändern den Stoffwechsel oft schneller als erwartet. Deshalb sollten Menschen mit Diabetes im Sommer häufiger ihren Blutzucker messen. Besonders wichtig sind Kontrollen: 

  • vor körperlicher Aktivität 
  • vor dem Schwimmen
  • vor dem Schlafengehen 
  • vor und nach Alkoholkonsum 
  • bei Hitze oder Kreislaufproblemen

Kontinuierliche Glukosemesssysteme können dabei eine große Hilfe sein, denn sie informieren mithilfe von Warnsignalen frühzeitig über kritische Werte. Diejenigen, die ihren Blutzucker nicht automatisch, sondern selbst messen, können sich Alarmzeiten im Smartphone einstellen. Das erinnert ans Messen und ist besonders bei Festivals oder langen Partynächten praktisch.

Gesund und blutzuckerfreundlich schlemmen

Menschen mit Diabetes müssen beim Grillen oder Feiern nicht auf Genuss verzichten. Entscheidend ist eine ausgewogene Auswahl: Besonders geeignete Lebensmittel sind Fisch, Hähnchen- oder Putenfleisch, gegrilltes Gemüse, frische Salate und Vollkornprodukte. Vor allem Gemüsesorten wie Paprika, Zucchini, Auberginen oder Pilze liefern Ballaststoffe und Vitamine und beeinflussen den Blutzucker meist nur wenig.

Für Menschen mit Diabetes ist es wichtig, versteckte Zucker zu erkennen. So enthalten z. B. viele Grillsoßen und Marinaden überraschend viel davon, wodurch der Blutzuckerspiegel schneller ansteigt als erwartet. Auch Beilagen wie Weißbrot, Kartoffelsalat oder Nudelsalat enthalten große Mengen Kohlenhydrate. Deshalb sollte die Portion bewusst gewählt werden.

Komplett auf Eis, Kuchen oder süße Getränke zu verzichten ist nicht zwingend notwendig. Entscheidend ist, die Menge im Blick zu behalten und den Einfluss auf den Blutzucker zu berücksichtigen. Frisches Obst kann eine gute Alternative darstellen. Dennoch enthalten auch Früchte natürlichen Zucker und sollten nicht unbegrenzt verzehrt werden.

Hinweis: Festivals stellen in puncto Mahlzeiten oft eine besondere Herausforderung für Menschen mit Diabetes dar. Meist gibt es vor allem Essen mit viel Zucker, Salz und Fett. Es ist also sinnvoll, seine eigenen Snacks mitzunehmen, z. B. in Form von Vollkornriegeln, belegten Broten, Nüssen, Obst oder geeigneten Crackern.

Alkohol und Diabetes

Auf Sommerfesten und Festivals wird häufig Alkohol getrunken. Wer Diabetes hat, sollte die Wirkung alkoholischer Getränke auf den Stoffwechsel kennen.

Alkohol beeinflusst den Blutzucker auf unterschiedliche Weise. Kurz nach dem Trinken steigen die Werte teilweise an. Einige Stunden später kann der Blutzucker jedoch stark absinken. Der Grund dafür liegt in der Leber: Normalerweise gibt sie Zucker ins Blut ab, wenn der Körper ihn braucht. Alkohol bremst diesen Vorgang – deshalb kann der Blutzucker später stark abfallen, besonders wenn zusätzlich Insulin oder Diabetesmedikamente wirken. Solche Unterzuckerungen können selbst noch während der Nacht oder erst am nächsten Morgen entstehen.

Ein weiteres Problem: Unter Alkoholeinfluss nehmen viele Menschen Warnzeichen einer Hypoglykämie schlechter wahr. Zittern, Schwitzen, Konzentrationsstörungen und Kopfschmerzen werden leicht mit Trunkenheit verwechselt, sodass auch Außenstehende die Gefahr häufig nicht rechtzeitig erkennen.

Für einen verantwortungsvollen Alkoholgenuss gilt: 

  • Alkohol niemals auf nüchternen Magen trinken. Alkohol sollte immer zusammen mit kohlenhydrathaltigen Speisen konsumiert werden. Geeignet sind beispielsweise Brot, Vollkornprodukte oder kleine Snacks. 
  • Wasser trinken! Zwischen alkoholischen Getränken sollte man regelmäßig zu Wasser greifen, da Alkohol dem Körper Flüssigkeit entzieht. 
  • Alkoholsorten beachten. Nicht jede Alkoholart wirkt gleich auf den Blutzucker. Cocktails, Liköre oder süße Mischgetränke enthalten oft viel Zucker und können kurzfristig hohe Blutzuckerwerte verursachen. Spirituosen wie Wodka oder Whiskey enthalten dagegen kaum Kohlenhydrate. Sie führen eher zu einem schnellen Blutzuckerabfall.

Hinweis: Menschen, die das Diabetesmedikament Metformin einnehmen, müssen mit Alkohol besonders vorsichtig sein. Denn übermäßiges Trinken kann in Kombination mit diesem Medikament zu einer gefährlichen Anreicherung von Milchsäure im Blut führen (Laktatazidose).

Bewegung, Sport und körperliche Aktivität

Sommerveranstaltungen sind oft mit viel Bewegung verbunden. Lange Wege, Tanzen oder sportliche Aktivitäten erhöhen den Energieverbrauch deutlich. In der Folge sinkt der Blutzucker häufig schneller als gewohnt. Menschen mit Diabetes sollten deshalb ausreichend Snacks dabeihaben und regelmäßig ihre Werte kontrollieren.

Wird am Wasser gefeiert, kommen weitere Herausforderungen hinzu. Schwimmen beeinflusst den Stoffwechsel, wobei kaltes Wasser den Energieverbrauch zusätzlich erhöht. Im Wasser werden Warnzeichen einer Unterzuckerung leicht übersehen, weil Zittern oder Schwäche fälschlicherweise auf das kalte Wasser geschoben werden. Deshalb ist es wichtig, vor dem Schwimmen den Blutzucker zu messen. Achtung, dafür müssen die Hände gut abgetrocknet werden: Denn Wasser kann die Messergebnisse verfälschen. Bei längeren Aufenthalten im Wasser sollte man den Blutzucker auch zwischendurch immer wieder kontrollieren.

Hinweis: Inzwischen gibt es immer mehr Menschen mit Diabetes, die eine Insulinpumpe tragen. Je nach Art bleibt die Pumpe am Körper (Herstellerhinweise bezüglich der Wasserdichtigkeit beachten!) oder wird kurzzeitig abgekoppelt. Davor ist es allerdings ratsam, die Blutglukose zu messen.

Hitze richtig bewältigen

Hohe Temperaturen lassen den Flüssigkeitsbedarf deutlich steigen. Wer zu wenig trinkt, riskiert Kreislaufprobleme und Stoffwechselentgleisungen. Wasser ist das beste Getränk bei Hitze, aber auch ungesüßter Tee eignet sich gut. Besonders bei Festivals oder langen Aufenthalten im Freien sollte immer eine Wasserflasche griffbereit sein.

Hitze schadet nicht nur dem Insulin. Auch andere Arzneimittel leiden unter hohen Temperaturen und dürfen niemals längere Zeit im Auto oder in direkter Sonne gelagert werden. Damit Blutzuckermessgeräte, Sensoren und Teststreifen einwandfrei funktionieren, müssen sie trocken und möglichst kühl aufbewahrt werden.

Körperliche Anstrengung sollte man möglichst auf morgens oder abends verschieben. In der Mittagshitze wird der Kreislauf besonders stark belastet. Leichte Kleidung, Kopfbedeckungen und schattige Plätze schützen Kopf und Körper, wenn es zu heiß wird.

Ältere Menschen mit Diabetes leiden häufig zusätzlich unter Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Bluthochdruck und müssen deshalb besonders aufpassen. Hitze setzt ihrem Kreislauf besonders zu und das Risiko für Schwindel oder Erschöpfung steigt. Hinzu kommt, dass ältere Menschen oft weniger Durst verspüren und zu wenig trinken. An heißen Tagen sollte daher bewusst und regelmäßig Flüssigkeit aufgenommen werden.

Schlafmangel und Stress

Nicht zu unterschätzen sind der Stress und der Schlafmangel, die ausgiebiges Feiern häufig mit sich bringen. Die langen Nächte und der mangelnde Schlaf wirken sich direkt auf den Stoffwechsel aus. Der Körper schüttet unter Stress vermehrt Hormone aus, die den Blutzucker erhöhen können.

Gleichzeitig steigt bei Müdigkeit die Gefahr, Warnzeichen einer Unterzuckerung zu übersehen. Deshalb sind insbesondere für Menschen mit Diabetes regelmäßige Ruhephasen wichtig – selbst während Festivals oder längerer Feiern. Festivals bieten oft Zelte oder andere Räume für einen Rückzug an. Am besten informiert man sich im Vorfeld oder spätestens zu Beginn der Veranstaltung, wo man diese Orte findet.

Am Tag nach der Feier …

Wenn es beim Feiern hoch hergegangen ist, sollten Menschen mit Diabetes drei Dinge im Blick behalten: Die Nachwirkung von Alkohol, die Schwankungen des Blutzuckers und die Erholung des Körpers.

Nach ausgiebigem Alkoholgenuss kann der Blutzucker noch bis zu 12–24 Stunden später abfallen, weil die Leber weiterhin mit dem Alkoholabbau beschäftigt ist und weniger Zucker ins Blut abgibt. Deshalb: auch am Morgen danach regelmäßig den Blutzucker messen.

Um den Flüssigkeitshaushalt zu stabilisieren, sollte viel getrunken werden, am besten ungesüßter Tee oder Mineralwasser. Leicht verdauliche Kohlenhydrate und etwas Eiweiß helfen dem Körper am Tag danach, sich zu regenerieren. Hohe Zucker- und Fettspitzen belasten den Stoffwechsel und sind deshalb zu vermeiden.

Körperliche Anstrengungen am Morgen nach dem Festival sollte man unterlassen. Denn selbst wenn man sich fit fühlt, kann der Stoffwechsel noch beeinflusst sein. Unterzuckerungen drohen insbesondere, wenn Insulin gespritzt oder Sulfonylharnstoffe eingenommen werden.

Quellen: Deutsche Diabetische Gesellschaft, Deutsche Apothekerzeitung, Nationale Versorgungsleitlinie Diabetes

Von: Dr. med. Sonja Kempinski; Bild: mauritius images / Hemis.fr / Patrick Frilet