Gesundheit heute

Diagnostische Methoden in der Endokrinologie

Die endokrinologische Diagnostik beginnt schon beim Eintreten in das Untersuchungszimmer: Gangbild, Körperhaltung und die äußere Erscheinung geben dem Arzt erste Hinweise auf eine hormonelle Störung. Im Arzt-Patienten-Gespräch erhärten die geschilderten Beschwerden und gezielte Fragen des Arztes den Verdacht einer Erkrankung der Hormondrüsen oder des Stoffwechsels. Der Beweis einer hormonellen Störung wird mit Blutuntersuchungen erbracht, in denen die Hormonspiegel gemessen werden.

2004_ASM_Hormonsystem_Regelkreise_hormoneller_Funktionstest.png|Das Hormonsystem basiert auf Regelkreisen mit negativer Rückkopplung („je mehr umso weniger“ und „je weniger umso mehr“). Bei Verdacht auf eine Hormonstörung überprüft der Arzt die regelrechte Funktion dieser Regelkreise mit einem hormonellen Funktionstest.Bei der Schilddrüse funktioniert dieser z. B. so: Der Arzt spritzt dem Patienten TRH (Thyreotropin Releasinghormon) direkt ins Blut, was die Hypophyse dazu auffordert, TSH (Thyreoidea stimulierendes Hormon) auszuschütten, wobei diese Mehrausschüttung im Blut nachweisbar ist. Bleibt sie aus, muss die Hypophyse geschädigt sein. (Die in der Abbildung vorkommenden und hier genannten Abkürzungen sind entweder nachfolgend im Text erläutert oder in der Übersicht der Geschlechtshormone). |[ASM 2004]|Schema der verschiedenen Hormonsysteme des Menschen

Darüber hinaus sind oft hormonelle Funktionstests (hormonelle Stimulations- oder Hemmtests) notwendig. Sie zeigen, ob sich die Hormonausschüttung steigern lässt, wenn der Patient Steuerhormone gespritzt bekommt. So überprüft der Arzt, ob die hormonellen Regelkreise intakt sind.

Stehen Organe unter Krankheitsverdacht, wird mit Untersuchungsverfahren wie Ultraschall, CT oder Kernspin die Organstruktur untersucht. Hiermit können Gewebeveränderungen oder Vergrößerungen der Organe nachgewiesen werden. Bei Krebsverdacht wird per Biopsie etwas Gewebe entnommen und dann untersucht. Eine solche Biopsie ist zum Beispiel bei Schilddrüsenerkrankungen einfach und so gut wie schmerzfrei durchführbar.

Von: Dr. med. Arne Schäffler in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung: Dr. med. Sonja Kempinski
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Medikament verzögert Typ-1-Diabetes

Wenn Kinder mit Typ-1-Diabetes Insulin benötigen, werden zur Blutzuckerkontrolle oft Glukosesensoren eingesetzt.

Medikament verzögert Typ-1-Diabetes

Vor allem Kinder profitieren

Ein Typ-1-Diabetes muss immer mit Insulin behandelt werden. Es sei denn, man erkennt ihn schon im Frühstadium: Dann kann man mit einem neuen Antikörper die Entwicklung der Erkrankung um etwa 2 Jahre aufhalten – und damit auch erst einmal das Insulinspritzen.

Autoimmunerkrankung im Kindesalter

Beim Diabetes mellitus unterscheidet man zwei Hauptformen: Der deutlich häufigere Typ-2-Diabetes beruht auf einer genetischen Veranlagung und Lebensstilfaktoren wie Übergewicht, Bewegungsmangel und einer ungesunde Ernährung. Eine Folge davon ist, dass die Fettzellen das Insulin immer schlechter aufnehmen können. Bemerkbar macht sich der Typ-2-Diabetes meist im Alter zwischen 40 und 50 Jahren.

Der Typ-1-Diabetes ist dagegen eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem die insulinbildenden Zellen zerstört. Er beginnt meist bei Kindern und Jugendlichen zwischen 10 und 14 Jahren. Im Krankheitsverlauf werden drei Stadien unterschieden. In Stadium 1 sind die ersten Autoantikörper nachweisbar, aber der Blutzuckerhaushalt ist noch ungestört. Im Stadium 2 sind die Blutzuckerwerte schon verändert, ohne dass sich Symptome zeigen. Im Stadium 3 kommen dann die typischen Beschwerden wie starker Durst, häufiges Wasserlassen und Gewichtverlust hinzu. Ab diesem Zeitpunkt muss die Patient*in Insulin spritzen.

Antikörper bindet an fehlgeleitete Zellen

Bisher war die Insulingabe die einzige Behandlungsmöglichkeit beim Typ-1-Diabetes. Jetzt gibt es das erste Medikament, dass schon in der Frühphase der Erkrankung eingreift und das Fortschreiten des Typ-1-Diabetes bremsen kann. Der Antikörper Teplizumab bindet an die Blutzellen, die fälschlicherweise die insulinproduzierenden Zellen angreifen. Dadurch werden die noch gesunden Betazellen geschützt und der Übergang von Stadium 2 in Stadium 3 verzögert.

Der Effekt kann sich sehen lassen. In der wichtigsten Studie zu Teplizumab erhielten 76 Patient*innen im Stadium 2 des Typ-1-Diabetes alle zwei Wochen intravenös entweder Teplizumab oder ein Scheinmedikament. Die Zeit, bis die Teilnehmer*innen ins Stadium 3 kamen, betrug unter dem Antikörper 50 Monate, unter dem Scheinmedikament nur 25 Monate. Im Durchschnitt wurde die Entwicklung zu einem manifesten Typ-1-Diabetes um etwa zwei Jahre hinausgeschoben.

Zwei Jahre ohne Insulinspritzen

Diese zwei Jahre bedeuten für die Betroffenen einen großen Vorteil an Lebensqualität, betonen die Forschenden. Dies ist vor allem für Kinder und Jugendliche wichtig, denn ihnen werden zwei weitere „normale“ Jahre ohne Insulintherapie ermöglicht.

Teplizumab wurde im Januar 2026 in der EU und damit auch in Deutschland zugelassen. Die Kostenübernahme muss noch geklärt werden. Wahrscheinlich ist, dass die Kassen zunächst nach Antrag und Prüfung im Einzelfall darüber entscheiden werden, ob sie die Therapiekosten übernehmen.

Quelle: ptaheute

Von: Dr. med. Sonja Kempinski; Bild: mauritius images / Westend61 / Omnimedia