Gesundheit heute

Lymphangitis

Lymphangitis: Akute oder chronische Entzündung der Lymphgefäße, die sich bis in die regionären Lymphknoten ausbreitet. Dabei zeigt sich typischerweise ein roter Streifen unter der Haut, der in Richtung Körpermitte zieht. Die Entzündung von Lymphknoten geht oft mit deren schmerzhafter oder schmerzloser Schwellung einher. Die Prognose ist gut, meist heilt eine Lymphangitis durch Ruhigstellung, antiseptische Umschläge und antibiotische Therapie folgenlos aus. Bleibt die Lymphangitis jedoch unbehandelt, droht in seltenen Fällen eine Blutvergiftung (Sepsis).

Symptome und Leitbeschwerden

  • Schmerzhafte rote Streifen unter der Haut, die nach zentral in Richtung Herz fortschreiten
  • Vergrößerte Lymphknoten im Lymphabflussgebiet
  • Mäßiges Fieber und Krankheitsgefühl.

1954_GTV_Lymphangitis_Streifen_Bein.jpg|Typisch für die Lymphangitis – hier bei einer ansonsten gesunden 44-jährigen Frau – sind eine oder mehrere rote Streifen, die den akut entzündeten Lymphbahnen entsprechen. |[GTV 1954]|Für eine Lymphangitis charakteristischer roter Streifen unter der Haut, hier am Oberschenkel

Wann zum Arzt

Heute noch zum Arzt, wenn

  • rote schmerzhafte Streifen bemerkt werden.

Die Erkrankung

Krankheitsentstehung

Eine Lymphangitis wird vor allem durch bakterielle Erreger wie Staphylokokken und Streptokokken hervorgerufen. Gelangen sie in das Quellgebiet eines Lymphgefäßes bzw. eines Lymphknotens, entzünden sich die befallenen Lymphwege und es entsteht ein roter Streifen, der sich immer weiter in Richtung Herz ausbreitet (aufgrund dieser roten Streifen wird die Lymphangitis häufig auch fälschlicherweise Blutvergiftung genannt). In seltenen Fällen entzünden sich die Lymphbahnen aber auch durch andere Auslöser wie z. B. Krebsmedikamente (Zytostatika), die versehentlich neben statt in eine Vene gespritzt werden, oder Rost, der unter die Haut gelangt.

Typische Eintrittspforten für die Erreger sind

  • Hautabszesse
  • Furunkel
  • Infektionen im Bereich der Fingernägel (Nagelbettentzündung)
  • Insektenstiche
  • kleinste Hautverletzungen (z. B. Rhagaden oder durch Fußpilz geschädigte Haut).

Komplikationen: In seltenen Fällen greift die Lymphangitis auf die Blutbahnen über, wodurch sich eine Blutvergiftung (Sepsis) entwickelt. Bei wiederholten Entzündungen der Lymphbahnen kommt es manchmal durch Vernarbungen des Gewebes zu Lymphabflussstörungen mit nachfolgendem Lymphödem.

Diagnosesicherung

Eine Lymphangitis erkennt der Arzt leicht an dem oder den roten Streifen über dem Lymphgefäß und der derben, schmerzhaften regionären Lymphknotenschwellung in nächster Nachbarschaft. Sekundär bildet sich manchmal ein Abszess in den Lymphknoten, der einschmelzen, aufplatzen oder Gänge in angrenzendes Gewebe bilden kann.

Differenzialdiagnose. Schmerzen und begrenzte Hautrötung finden sich auch beim Erysipel, schmerzhafte derbe Stränge lassen sich über einer entzündeten Vene bei Thrombophlebitis tasten.

Behandlung

  • Der Arzt stellt die betroffene Extremität ruhig, um eine Keimverschleppung und anschließende Blutvergiftung zu vermeiden. Ein Arm mit Lymphangitis wird beispielsweise in eine Schiene gelegt; ist ein Bein betroffen, verordnet der Arzt meist Bettruhe.
  • Bei einer bakteriellen Lymphangitis verordnet der Arzt Antibiotika.
  • Zusätzlich wird die Lymphangitis mit desinfizierenden und kühlenden Umschlägen behandelt.
  • Einen Lymphabszess schneidet der Arzt unter örtlicher Betäubung ein und entleert ihn.

Prognose

Die bakterielle Lymphangitis lässt sich mit Antibiotika gut behandeln, die Prognose ist daher gut. Wird die Therapie jedoch verschleppt, droht eine Blutvergiftung (Sepsis).

Ihr Apotheker empfiehlt

Sollten Sie nach einer Verletzung oder einem Insektenstich rote Streifen unter der Haut bemerken, suchen Sie Ihren Arzt auf. Eine bakterielle Lymphangitis sollte umgehend behandelt werden, um Komplikationen zu verhindern.

Von: Dr. med. Arne Schäffler, Dr. med. Dieter Simon in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung: Dr. med. Sonja Kempinski
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Gehtraining ist Nr. 1 bei pAVK

In der freien Natur macht Gehtraining am meisten Spaß.

Gehtraining ist Nr. 1 bei pAVK

Durchblutung verbessern

Bei der „Schaufensterkrankheit“ kann Bewegung die Gehfähigkeit deutlich verbessern. Auch wenn die Beine beim Laufen schmerzen, ist gezieltes Training wichtig. Doch es kommt darauf an, richtig zu trainieren – und Warnzeichen ernst zu nehmen.

Beinschmerzen durch gestörte Durchblutung

Wer beim Gehen immer wieder Schmerzen in den Waden oder Beinen bekommt und deshalb stehen bleiben muss, könnte an einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) leiden. Umgangssprachlich wird sie auch „Schaufensterkrankheit“ genannt. Bei einer pAVK sind die Arterien verengt oder verschlossen, sodass die Beinmuskeln beim Gehen nicht ausreichend mit Blut versorgt werden. Dann fehlt den Muskeln der nötige Sauerstoff – und es entstehen Schmerzen.

Doch gerade dann ist Bewegung wichtig, betonen Fachleute. In der neuen pAVK-Leitlinie wurde bei belastungsabhängigen Beschwerden das strukturierte Gefäßtraining stark aufgewertet. Es soll zunächst über drei bis sechs Monate durchgeführt werden, daneben werden Risikofaktoren und Begleiterkrankungen behandelt.

Bis zum erträglichen Schmerz laufen

Das Besondere am Gehtraining: Es soll nicht beendet werden, sobald die ersten Beschwerden auftreten. Wichtig ist, dass die Betroffenen bis zu einem für sie erträglichen Schmerz weitergehen. Denn durch diese Belastung können sich sogenannte Kollateralen bilden. Das sind zusätzliche kleine Blutgefäße, die die Funktion eines verschlossenen Gefäßes teilweise übernehmen können.

Am effektivsten ist ein angeleitetes Gehtraining in einer Gefäßsportgruppe. Optimal sind drei Trainingseinheiten pro Woche mit jeweils etwa 30 Minuten. Möglich ist auch eine längere Einheit von etwa 60 Minuten pro Woche. Dabei geht es nicht ausschließlich ums Laufen: Auch Koordinations-, Kraft- und Beweglichkeitsübungen gehören dazu.

Zuhause trainieren geht auch

Wer keine Gefäßsportgruppe in der Nähe findet, kann auch in Eigenregie trainieren. Wichtig ist dabei, konkrete Ziele festzulegen und die Fortschritte regelmäßig zu überprüfen. Schon nach ein bis zwei Wochen können erste Verbesserungen spürbar sein. Eine einfache Möglichkeit ist, eine alltägliche Strecke – etwa zum Bäcker – als persönliche Messstrecke zu nutzen und zu beobachten, wie häufig man unterwegs stehen bleiben muss.

Auch Radfahren, Krafttraining der Beine oder Nordic Walking können die Bewegung ergänzen. Welche Sportart geeignet ist, hängt allerdings unter anderem davon ab, wo genau die Gefäße verengt sind.

Wenn Schmerz ein Warnzeichen ist

Nicht jeder Schmerz sollte „wegtrainiert“ werden. Treten Schmerzen bereits in Ruhe auf oder entstehen offene Wunden an den Füßen oder Beinen, kann dies auf ein fortgeschrittenes Krankheitsstadium hinweisen. Dann kann weiteres Training schaden und es ist eine rasche ärztliche Abklärung erforderlich.

Quelle: Ärztezeitung

Von: Dr. med. Sonja Kempinski; Bild: mauritius images / Westend61 / Uwe Umstätter