Gesundheit heute

Aufbau des venösen Gefäßsystems

Venöse Gefäßkrankheiten sind entgegen landläufiger Meinung nicht harmlos. Sie sind sehr häufig für dauernde oder vorübergehende Gefäßerkrankungen der Beine sowie Arbeitsunfähigkeit verantwortlich. In Mitteleuropa leidet ein Drittel der Bevölkerung an Krampfadern, bei jedem Hundertsten liegt ein offenes Bein vor.

Etwa zwei Drittel des Bluts im menschlichen Körper befinden sich nicht im arteriellen System, sondern in den Venen und werden nur langsam und mit geringem Druck zum Herzen zurücktransportiert. Venenwände sind deshalb dünner als Arterienwände. Die Intima bildet bei ihnen Venenklappen, die als Einweg-Ventile dafür sorgen, dass das Blut nicht zurücksackt, sondern nur in Richtung Herz fließen kann.

1944_GTV_venoeses_Gefaesssystem_Pfortaderkreislauf.png|Der Verlauf des venösen Gefäßsystems folgt im wesentlichen dem der Arterien, hat aber einige Besonderheiten: So existiert im Bauchraum ein zweites venöses Venengeflecht, der Pfortaderkreislauf (hier violett). Die Pfortader nimmt das Blut vom Verdauungstrakt auf und führt es der Leber zu, die die Nährstoffe aus dem Darm (obere und untere Bauchvene) herausfiltert. Von besonderer Bedeutung sind das oberflächliche und das tiefliegende Venensystem in Armen und Beinen. Das Blut fließt von den oberflächlichen Venen (z. B. oberflächliche große Beinvene) entweder direkt in die tiefliegenden (z. B. Oberschenkel) Venen oder über ein mittleres Venensystem, die Perforansvenen, in die tiefen Venen. |[GTV 1944]| Schemazeichnung zum Aufbau des venösen Gefäßsystems und seiner wichtiges Organe

Die großen Venen verlaufen meist parallel zu den großen Arterien des Körpers. An den Beinen gibt es 3 Arten von Venen: oberflächliche Venen, die ein Netzwerk direkt unter der Haut bilden, tiefe Beinvenen, die tief in der Muskulatur das Blut zum Herzen zurücktransportieren, und Perforansvenen, die das oberflächige mit dem tiefen Venensystem verbinden.

Der Druck für den Transport des venösen Bluts Richtung Herz entsteht durch die Pulswelle in den Arterien und durch Kontraktionen der umgebenden Muskeln, die die Venen zusammendrücken. Körperliche Bewegung leistet daher einen wesentlichen Beitrag für den Blutrückfluss zum Herzen – dieser Effekt wird auch als Muskelvenenpumpe (Muskelpumpe) bezeichnet.

Ebenso unterstützt das lymphatische System den von den Venen geleisteten Rücktransport des Bluts zum Herzen und entwässert dadurch zusätzlich Arme und Beine.

Von: Dr. med. Dieter Simon, Dr. med. Arne Schäffler in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung: Dr. med. Sonja Kempinski
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Dunkel schlafen schützt das Herz

Im Dunkeln zu schlafen ist für den Organismus gesünder als der Schlaf bei hellem Licht.

Dunkel schlafen schützt das Herz

Gegen Infarkt und Schlaganfall

Es gibt viele Dinge, die nicht gesund sind für das Herz. Dazu gehören insbesondere das Rauchen, zu fette und kohlenhydratreiche Ernährung sowie mangelnde Bewegung. Jetzt wurde ein weiteres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen identifiziert: Licht im Schlafzimmer.

Helle Nächte stören den Stoffwechsel

Wer nachts im Hellen schläft, bringt seine innere Uhr durcheinander. Die negativen gesundheitlichen Folgen kennt man schon länger: Unter anderem erholt sich das Gehirn schlechter, das Immunsystem leidet und der Stoffwechsel wird gestört. Ob nächtliches Licht zusätzlich auch Herz und Gefäße beeinträchtigt, haben Forschende aus Australien, den USA und Großbritannien untersucht.

Sie werteten in ihrer Studie die Daten von fast 90000 Männer und Frauen aus. Diese hatten jeweils eine Woche lang einen Sensor am Handgelenk getragen, der die individuelle Lichtexposition maß. Alle waren zu Beginn der Studie herzgesund gewesen.

Herzinfarktrisiko deutlich erhöht

Je nach ihrer nächtlichen Lichtexposition wurden die Teilnehmer*innen in vier Gruppen eingeteilt und durchschnittlich acht Jahre lang beobachtet. Dabei stellte sich heraus, dass die Gruppe, die am hellsten schlief, häufiger kardiovaskulär erkrankte als die Dunkelschläfer. Ihr Risiko für einen Herzinfarkt oder eine Herzinsuffizienz war spürbar erhöht, auch die koronare Herzkrankheit und Vorhofflimmern traten bei ihnen häufiger auf.

Schlafdauer hatte keinen Einfluss

Diese Zusammenhänge blieben sogar bestehen, als die Forschenden bei ihren Berechnungen Alter, Rauchen und Vorerkrankungen wie z. B. Diabetes berücksichtigten. Auch die Schlafdauer und der Chronotyp (d.h., ob jemand ein Morgen- oder Nachtmensch ist) hatten keinen Einfluss auf den Lichteffekt. Das bedeutet, dass helle Nächte unabhängig von anderen Faktoren ein Herzrisiko darstellen könnten.

Als Ursache soll Melatonin eine Rolle spielen. Helles Licht während Nachtschlafs verzögert die Sekretion des Schlafhormons und bringt dadurch die neurophysiologischen Systeme und den Stoffwechsel durcheinander, mutmaßen die Expert*innen.

Mit Schlafmaske oder Vorhängen

Weitere Studien sollen nun zeigen, ob ein Abdunkeln des Schlafzimmers das Herz-Kreislauf-Risiko senken kann. Bis daraus Ergebnisse vorliegen, kann jeder für sich schon mit Rollläden, Vorhängen oder Schlafmasken für eine gesunde nächtliche Dunkelheit sorgen. Dem Körper tut es in jedem Fall gut.

Quelle: Ärztezeitung

Von: Dr. med. Sonja Kempinski; Bild: mauritius images / EXPRESSIONS AND EMOTIONS/MARK SYKES / Alamy / Alamy Stock Photos