Gesundheit heute

So funktionieren Herz und Kreislauf

Blutkreislauf

Ein leistungsfähiger Organismus benötigt ausreichend Sauerstoff und Nährstoffe und muss von Rückständen des Stoffwechsels befreit werden. Im menschlichen Körper geschieht dies ganz überwiegend über den Blutkreislauf, der als geschlossenes Röhrensystem den ganzen Körper durchzieht. Die beteiligten Blutgefäße werden in drei Gruppen eingeteilt.

  • Arterien (Schlagadern, Pulsadern) transportieren das Blut vom Herzen weg. Sie sind muskelkräftig, weil sie das vom Herzen mit Wucht ausgeworfene Blut aufnehmen müssen und weiterverteilen.
  • Venen führen das Blut wieder zum Herzen zurück. Es gibt mehr Venen als Arterien und ihr innerer Durchmesser (Lumen) ist weiter. Ein Großteil der Blutmenge des Körpers wird in den Venen gespeichert und kann durch deren Engstellung bei Bedarf den Arterien rasch zur Verfügung gestellt werden. Über die Blutfüllung der oberflächlichen Venen reguliert der Körper zudem die Wärmeabgabe.
  • Zwischen Venen und Arterien liegen die winzigen Kapillaren (Haargefäße), die durch ihre sehr dünnen Wände den Stoffaustausch zwischen Blut und Gewebe ermöglichen. Einige Kapillaren sind in Ruhe geschlossen und öffnen sich erst unter Belastung, wenn der Sauerstoffbedarf im Gewebe ansteigt.

Innerhalb dieses Röhrensystems sorgt das Herz als Motor für einen steten Blutfluss und einen ausreichenden Blutdruck. Das Herz hat etwa die Größe einer Faust und liegt zwischen beiden Lungenflügeln auf dem Zwerchfell. Das Herz schlägt nicht nur sprichwörtlich links, der größere Teil des Herzens befindet sich tatsächlich im linken Brustkorb (Thorax, Pectus).

1902_GTV_Anatomie_Herz.png|Das Herz wird links und rechts von den beiden Lungenflügeln, unten vom Zwerchfell und oben von großen Blutgefäßen umschlossen. |[GTV 1902]|Anatomische Zeichnung zur Lage des Herzens und seiner benachbarten Organe

Rechtes und linkes Herz

Das Herz kann man sich als hohlen Muskelballon vorstellen, der innen zu den blutgefüllten Herzhöhlen hin von einer Herzinnenhaut (Endokard) ausgekleidet und nach außen von einem Herzbeutel (Perikard, Pericardium) umgeben ist. Der Herzmuskel heißt fachsprachlich Myokard.

Das Herz wird durch die Herzscheidewand in eine rechte und eine linke Hälfte getrennt. Jede Herzhälfte besteht aus einem Vorhof (Atrium) und einer Kammer (Ventrikel). In den Vorhöfen wird das zum Herzen fließende Blut gesammelt, anschließend portionsweise in die muskelstärkeren Herzkammern abgegeben und von diesen wieder aus dem Herzen gepumpt.

Rechter und linker Herzanteil unterhalten zwei unterschiedliche Blutkreislaufsysteme, die innerhalb des Herzens ineinander übergehen:

  • Im rechten Herzen wird das aus dem Körper kommende, sauerstoffarme Blut gesammelt und in die Lunge gepumpt, in der es mit Sauerstoff angereichert wird. Anschließend gelangt es über die Lungenvenen erst in den linken Vorhof, von dort in die linke Hauptkammer. Dieser kurze Blutkreislauf vom rechten Herzen über die Lunge zum linken Herzen wird kleiner Kreislauf oder Lungenkreislauf genannt.
  • Die linke Kammer pumpt das sauerstoffreiche Blut in die Aorta (Hauptschlagader). Von dort aus verteilt es sich in alle Köperregionen, versorgt das Gewebe mit Sauerstoff und Nährstoffen, nimmt Stoffwechselendprodukte auf und fließt schließlich über die Venen wieder zum rechten Herzen zurück. Beim Passieren von Dünndarm, Dickdarm und Leber nimmt das Blut die verdauten Substanzen aus der Nahrung auf. Dieser Teil des Blutkreislaufs wird großer Kreislauf oder Körperkreislauf genannt.

1903_GTV-Blutkreislauf-Herz-Koerperkreislauf-Lungenkreislauf.png| Körperkreislauf (roter Pfeil im linken Bild) und Lungenkreislauf (blauer Pfeil im rechten Bild) |[GTV 1903]|Blutfluss im Körperkreislauf und Lungenkreislauf innerhalb des Herzens

Die Herzaktion

Der Herzschlag ist eine automatische Aktion der Herzmuskulatur, die ein ständiges Zusammenziehen (Kontraktion) und Erschlaffen des Herzens gewährleistet. Blut wird so in einem gleichmäßigen Rhythmus ungefähr einmal pro Sekunde aus dem Herzen in die angrenzenden großen Gefäße gepumpt. Diesen Teil der Herzaktion nennt der Arzt Systole. Im Anschluss daran werden die entleerten, erschlafften Herzkammern wieder neu mit Blut gefüllt. Diesen Vorgang bezeichnet man als Diastole. Dabei schlagen die beiden Vorhöfe gegensinnig zu den beiden Herzkammern: Während der Kammerkontraktion strömt Blut in die leeren Vorhöfe. Sobald die entleerten Herzkammern erschlaffen, kontrahieren sich die Vorhöfe und geben ihr Blut in die Kammern ab. Während der Kammerkontraktion füllen sich dann die Vorhöfe über einen Unterdruckmechanismus wieder mit Blut.

Innerhalb der Herzhöhlen gewährleisten die Herzklappen als Ventile, dass das Blut in die richtige Richtung fließt. Die Herzklappen sind Ausstülpungen der Herzinnenhaut. Im rechten Herzen sind dies die Trikuspidalklappe zwischen Vorhof und Kammer sowie die Pulmonalklappe zwischen Kammer und Lungenschlagader. Links trennt die Mitralklappe Vorhof und Kammer, während die Aortenklappe den Blutfluss aus der Hauptschlagader zurück in die Herzkammer verhindert.

Durchblutung des Herzens

Der Herzmuskel arbeitet Sekunde für Sekunde 24 Stunden am Tag, verbraucht dabei viel Energie und ist deshalb auch selbst auf eine 100 % zuverlässige Blut- und Sauerstoffversorgung angewiesen. Diese Aufgaben übernehmen die Herzkranzgefäße (Koronargefäße), die direkt im Anschluss an die Aortenklappe als rechte und linke Herzkranzarterie (Koronararterie) aus der Hauptschlagader abgehen und sich anschließend vielfach über den gesamten Herzmuskel verzweigen. Eine große Herzvene, der Koronarsinus, sammelt das Blut der Herzkranzarterien und leitet es in den rechten Vorhof zurück.

Weiterführende Informationen

Von: Dr. med. Arne Schäffler, Dr. med. Dieter Simon in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung: Dr. med. Sonja Kempinski
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Kurz vorm Ziel am gefährlichsten

Der gefährlichste Streckenabschnitt beim Marathon ist der Kilometer vor dem Ziel.

Kurz vorm Ziel am gefährlichsten

Herzgefahr beim Marathon

Langstreckenläufe muten dem Herz-Kreislauf-System einiges zu. In seltenen Fällen kann es sogar zu einem Herzstillstand kommen. Männer trifft es dabei bevorzugt – womöglich aufgrund typisch männlicher Persönlichkeitsmerkmale.

17 Fälle von Herzstillstand

Ein Marathon kann für das Herz gefährlich werden. Wie gefährlich, haben französische Forschende anhand von Daten des Paris-Marathons der letzten Jahre untersucht. Zwischen 2011 und 2024 waren auf den verschiedenen Strecken etwa 1,2 Millionen Menschen mitgelaufen. 17 von ihnen hatten dabei einen plötzlichen Herzstillstand erlitten. Sieben Fälle ereigneten sich während des 20-km-Laufs, beim Halb- bzw. Vollmarathon war es jeweils zu fünf Herzstillständen gekommen.

Von den 17 Betroffenen waren 15 männlich und 2 weiblich. Das Durchschnittsalter betrug 42 Jahre. Zwei der Männer sind trotz Reanimationsmaßnahmen verstorben, 15 haben den Herzstillstand überlebt – genauso, wie die beiden betroffenen Frauen.

Höchste Gefahr kurz vorm Ziel

Bei der Analyse der Fälle stellte sich heraus, dass es beim Kurzmarathon und beim 20-Kilometer-Lauf am häufigsten auf dem letzten Kilometer zum Herzstillstand gekommen war. Berechnungen zufolge ist die Wahrscheinlichkeit für ein solches Ereignis kurz vor dem Ziel gut 15 Mal höher als an irgendeinem anderen Punkt der Strecke.

Nach den Tempodaten hatten vor allem die Männer am Ende des Laufs noch einmal kräftig zugelegt. Das könnte bei einigen Betroffenen dazu geführt haben, dass ihr Herz-Kreislauf-System überfordert war.

Eigene Fähigkeiten überschätzt?

Eine erhöhte Risikobereitschaft und das Überschätzen der eigenen körperlichen Fähigkeiten sind Persönlichkeitsmerkmale, die sich bei Männern häufiger finden als bei Frauen. Womöglich ist dies eine der Ursachen, warum Männer bei Langstreckenlauf so viel gefährdeter sind für einen Herzstillstand als Frauen, meinen die Forscher*innen. In jedem Fall plädieren sie dafür, dass sich medizinische Teams bei einem Marathonlauf vor allem strategisch in der kritischen Zielzone positionieren.

Quelle: Springer Medizin

Von: Dr. med. Sonja Kempinski; Bild: mauritius images / Westend61 / Wolfgang Weinhäupl