Gesundheit heute

Eingeweidebruch

Eingeweidebruch (Hernie): Sack- oder beulenartige Ausstülpung des Bauchfells (Bruchsack) durch eine Lücke in der Bauchwand (Bruchpforte, Bruchring). Der Bruchsack enthält Eingeweide, Organteile oder Fettgewebe. Mit 75 % ist der Leistenbruch (Leistenhernie) die häufigste Form der Eingeweidebrüche; betroffen sind vor allem männliche Säuglinge und ältere Männer. Die Schenkelhernie ist mit 10 % die zweithäufigste Form und betrifft besonders oft Frauen ab 50 Jahren.

Eingeweidebrüche lassen sich nur operativ beheben. Ob und wann ein Eingeweidebruch operiert werden muss, hängt von seiner Lage und den Beschwerden ab, die er verursacht. Dringend ist eine Operation immer, wenn sich Organteile (insbesondere Darmschlingen) in der Bruchpforte einklemmen (Brucheinklemmung, Hernieninkarzeration) und ein Darmverschluss und damit ein Absterben von Darmschlingen droht.

Symptome und Leitbeschwerden

  • Äußerlich sichtbares Vorwölben der Bauchdecke, ständig oder nur beim Husten oder beim Pressen während des Stuhlgangs
  • Gar keine oder leichte Schmerzen; wenn Schmerzen bestehen, dann oft nur bei Belastung oder beim Pressen
  • Stärkste Schmerzen über der Vorwölbung bei Einklemmung von Darmwandanteilen.

Wann zum Arzt

In den nächsten zwei Wochen, wenn

  • eine schmerzlose oder schmerzhafte Vorwölbung im Leisten- oder Nabelbereich bemerkt wird.

In den nächsten Stunden, wenn

  • eine Vorwölbung im Bauchbereich besteht und im vorgewölbten Bauchwandbereich plötzlich starke Schmerzen auftreten oder wenn plötzliche Verdauungsprobleme hinzutreten. Beides weist auf eine Einklemmung von Darmschlingen hin.

Die Erkrankung

Krankheitsentstehung und Ursachen

Normalerweise ist die Bauchwand durch sich überlagernde Muskelschichten vollständig geschlossen, sodass die Eingeweide auch bei erhöhtem Druck im Bauchraum, etwa beim Husten, immer in ihrer Position gehalten werden. In manchen Fällen hält die Bauchwand aber dem Druck von innen nicht mehr stand, sodass sie an ihren natürlichen Schwachstellen – das sind die Durchtrittsstellen von Blutgefäßen, Nerven oder Muskeln – auseinanderweicht. So entstehen Bruchpforten, durch die beim Niesen, Husten, Heben schwerer Lasten oder starken Pressen während des Stuhlgangs die Eingeweide nach außen treten und dann als Vorwölbung (Bruchsack) sicht- und tastbar sind. Ursachen für die Schwächung der Bauchwand sind z. B.

  • schwache Bauchmuskulatur
  • angeborene Bindegewebsschwäche
  • Schäden nach Operationen
  • Übergewicht
  • Schwangerschaft
  • chronischer Husten
  • Verletzungen.

Formen

Brüche oder Hernien lassen sich in verschiedene Formen einteilen:

Erworbene Hernien sind Brüche, die durch äußere Umstände begünstigt werden, vor allem durch häufiges Heben schwerer Lasten oder häufiges Bauchpressen, z. B. bei chronischer Verstopfung. Dagegen entstehen die selteneren angeborenen Hernien durch einen unvollständigen Bauchdeckenschluss in der vorgeburtlichen Entwicklung.

Lässt sich die Vorwölbung von Hand beheben oder gleitet sie von selbst wieder zurück, liegt eine reponible Hernie vor. Verwachsungen zwischen Bruchinhalt und Bruchsack können dazu führen, dass der Eingeweidebruch nicht mehr zurückgeschoben werden kann (irreponible Hernien). Ist die Hernie in die Bruchpforte eingeklemmt, spricht man von einer inkarzerierten Hernie.

Neben sicht- und tastbaren äußeren Hernien gibt es auch innere Hernien, die von außen nicht sichtbar sind. Die häufigste innere Hernie ist der Zwerchfellbruch (Hiatushernie). Seltener sind sie z. B. im Dammbereich (perineale Hernien) oder im kleinen Becken (Hernia obturatoria, Hernia ischiadica) lokalisiert.

Lokalisation

Prinzipiell ist ein Eingeweidebruch überall im Bauchraum möglich; hier eine Übersicht:

Leistenbruch. Der Leistenbruch (Leistenhernie, Inguinalhernie) tritt meist im Schritt über dem Leistenband in Erscheinung. Neugeborene und Kinder sind überwiegend von einem angeborenen Leistenbruch betroffen, bei dem der Bruchinhalt entlang des Samenstrangs (der Kanal, der den Samenleiter enthält) oder des Mutterbands (der analogen Struktur bei Mädchen) austritt. Der erworbene Leistenbruch kommt dagegen meist bei Erwachsenen vor, insbesondere bei Männern in höherem Lebensalter. In diesem Fall tritt der Bruchinhalt direkt durch die geschwächte Bauchmuskulatur des Leistenkanals aus dem Bauchraum in Richtung Hodensack aus. Bei Männern operieren die Ärzte den Leistenbruch, wenn dieser größer wird oder Beschwerden verursacht, wie z. B. Schmerzen oder Probleme beim Wasserlassen. Leistenhernien bei Frauen sollten immer operiert werden.

Schenkelhernie. Bei der Schenkelhernie (Femoralhernie, Hernia femoralis) liegt die Bruchpforte unterhalb des Leistenbands; die Vorwölbung ist meist auf der Oberschenkelinnenseite zu erkennen; sie kann aber auch fehlen. Betroffen sind fast ausschließlich Frauen im mittleren und höheren Lebensalter. Weil die Bruchpforte sehr eng ist, birgt die Schenkelhernie ein besonders hohes Risiko der Einklemmung und wird – sofern keine anderen Erkrankungen dagegensprechen – rasch operiert.

Nabelhernie. Bei der Nabelhernie (Hernia umbilicalis) zeigt sich die Vorwölbung an der Nabelöffnung; sind Säuglinge betroffenen, bildet sich die Nabelhernie oft innerhalb des 1. Lebensjahres von selbst zurück (Spontanverschluss). Bei Erwachsenen wird wegen der relativ hohen Einklemmungsgefahr wenn möglich operiert.

Narbenhernie. Bei der Narbenhernie entsteht der Bruch im Bereich einer Operationsnarbe; sie tritt als Komplikation bei bis zu 10 % aller großen Bauchoperation auf und ist Folge einer gestörten Wundheilung oder einer generalisierten Bindegewebsschwäche.

Wiederholte Eingeweidebrüche. Jeder vierte Eingeweidebruch ist eine Rezidivhernie, d. h. der Erfolg einer vorangegangenen Operation des Eingeweidebruchs war nicht von Dauer. Hier operieren die Ärzte den Bruch ein zweites Mal. War die erste Operation ein offenes Verfahren, gehen sie bei der Rezidivoperation meist minimal-invasiv vor (siehe unten).

Komplikationen

Gefürchtete Komplikation jedes Eingeweidebruchs ist die Einklemmung des Bruchinhalts in der Bruchpforte (Inkarzeration). Hier muss immer sofort operiert werden, da das Absterben der eingeklemmten Darmanteile droht.

Diagnosesicherung

Meist schildert der Patient recht genau, wie und wann sich sein Bruch zeigt. Der Arzt untersucht dann die Bruchpforte und ihre Gegenseite im Stehen und im Liegen. Wölbt sich der Bruch nicht schon von allein vor, lässt er den Patienten husten oder pressen, um die Vorwölbung zu provozieren. Mit einer Ultraschalluntersuchung bestätigt der Arzt die Diagnose und stellt den Bruchinhalt dar, manchmal hört er den Bruchsack auch auf Darmgeräusche ab. Hat der Arzt Zweifel bezüglich Lage und Ausmaß der Hernie, veranlasst er zur Klärung eine MRT oder CT.

Differenzialdiagnosen. Vorwölbungen im Leistenbereich entstehen auch durch Lipome (Fettgewebsgeschwülste), Lymphknotenschwellungen und Gefäßerweiterungen wie z. B. ein Aneurysma der Femoralarterie (Oberschenkelarterie). Vorwölbungen im Nabelbereich kommen auch bei der Rektusdiastase vor.

Behandlung

Operative Behandlung

Wegen der Einklemmungsgefahr ist jeder Eingeweidebruch eine Indikation zur Operation (Bruchlückenverschluss, Hernioplastik), wobei der Arzt zu einem Zeitpunkt operiert, an dem der Patient (fast) keine Beschwerden hat. Ziel ist, den Bruchinhalt in den Bauchraum zurückzuverlagern, die Bruchpforte zu schließen und die Bauchwand so zu verstärken, dass sie künftig dem Bauchinnendruck standhalten kann. Ausnahme ist der unauffällige Leistenbruch beim Mann: hier darf zunächst unter regelmäßigen Kontrollen abgewartet werden. Die Operation steht dann an, wenn der Bruch Beschwerden verursacht oder größer wird.

In Frage kommt entweder die klassische offene Operation oder – immer öfter – die minimal-invasive laparoskopische Technik.

  • Bei der offenen Operation nach Shouldice legen die Ärzte den Bruchsack über einen Schnitt frei, öffnen den Bruchsack und drücken den Inhalt zurück in die Bauchhöhle. Anschließend verschließen sie die Bruchpforte oder engen sie stark ein. Zur Stabilisierung der Bauchwand werden die Ränder der Bauchwandschichten meist überlappend vernäht (Fasziendopplung).
  • Bei größeren Brüchen verstärken die Ärzte die Naht zur Vorbeugung eines wiederholten Eingeweidebruchs (Rezidivhernie) mithilfe von Kunststoffnetzen (Operation nach Lichtenstein).

Minimalinvasive Verfahren setzen die Ärzte vor allem bei Rezidivhernien, bei beidseitigen Hernien und bei allen Hernien der Frau ein. Weil sich die Patienten schon 3–4 Wochen nach dem Eingriff körperlich wieder belasten können, bieten sich diese Verfahren auch bei Patienten an, die schnell wieder fit sein müssen.

  • Transabdominelle präperitoneale Hernioplastik (TAPP): Beim laparoskopischen Zugang erfolgt der Verschluss von innen durch die Bauchhöhle. Über kleine Schnitte führen die Ärzte das Endoskop und die nötigen Instrumente ein und drücken den Bruchinhalt zurück an seinen Platz. Danach schieben sie ein Kunststoffnetz bis zur Bruchpforte und nähen oder klammern es von innen an.
  • Total extraperitoneale Hernioplastik (TEP): Eine Variante der minimal-invasiven Behandlung des Leistenbruchs ist die TEP-Technik über eine Bauchdeckenspiegelung. Hier schieben die Ärzte Endoskop und Instrumente nicht durch die Bauchhöhle, sondern zwischen Haut und Bauchfell ein und bis zum Bruch vor. Der Bruchinhalt wird zurückgedrückt und ein Kunststoffnetz zwischen Bauchmuskulatur und Bauchfell platziert, das die Bruchpforte dann von innen verschließt. Durch die Lage zwischen Bauchmuskulatur und Bauchfell muss das Netz nicht angenäht oder geklammert werden, es hält sozusagen von selbst.
  • Transinguinale präperitoneale Plastik (TIPP): Minimalinvasives Verfahren zur Behandlung der Schenkelhernie, bei der die Ärzte über einen Zugang von der Leiste aus ebenfalls ein Kunststoffnetz einlegen.

Notfalloperation

Bei einem Bruch mit eingeklemmtem Darmgewebe operieren die Ärzte sofort, damit der eingeklemmte Darm nicht abstirbt. Diese Notfalloperation hat ein hohes Risiko, jeder 5. Patient stirbt daran.

Bruchband

Ein Bruchband, das durch mechanischen Druck von außen die Ausstülpung des Bruchsacks vermeiden soll, wird heute nur noch dann verordnet, wenn eine Operation nicht möglich ist oder verweigert wird. Es kann die Ursache nicht beheben und zudem durch den Druck von außen die Haut und das darunter liegende Gewebe schädigen. Außerdem führt ein Bruchband dazu, dass die Muskulatur der Bauchwand durch die ständige Unterstützung immer schwächer wird.

Prognose

Leistenbrüche tauchen nach einer Operation in bis zu 10 % der Fälle wieder auf und müssen dann erneut versorgt werden (sog. Rezidivhernien). Bei einem eingeklemmten Leistenbruch beträgt die Sterblichkeit trotz Operation etwa 20 %.

Ihr Apotheker empfiehlt

Was Sie selbst tun können

Bauchdecke schonen. Vermeiden Sie nach der Bruchoperation eine starke Belastung der Bauchdecke so lange, bis die Operationsnaht vollständig geheilt und vernarbt ist. Halten Sie sich während der ersten Tage auch beim Lachen zurück und unterdrücken Sie Schluckauf soweit wie möglich. Legen Sie beim Husten und Niesen immer eine Hand auf den Bauch – so sorgen Sie für einen Gegendruck.

Verstopfung vermeiden. Wichtig ist, dass Sie auf einen weichen Stuhlgang achten. Trinken Sie möglichst viel und fügen Sie ihrer Nahrung Lein- oder Flohsamen hinzu (Selbsthilfe bei Verstopfung).

Bewegung einschränken. Verzichten Sie nach der Operation 3–4 Wochen auf körperliche Aktivitäten. Danach sind leichte Tätigkeiten wie Schwimmen und das gelegentliche Heben von Lasten (weniger als 10 kg) erlaubt. Mittelschwere Tätigkeiten wie Joggen und Radfahren sind nach 6 Wochen, schwere Tätigkeiten wie Gewichtheben und Leistungssport nach 12 Wochen wieder erlaubt.

Schonzeit einhalten. Nach Einsetzen von Netzmaterial ist bei komplikationsloser Wundheilung die Belastbarkeit nach etwa 6–8 Wochen wieder möglich. Wurden Sie laparoskopisch operiert, dürfen Sie sich schon nach etwa 3–4 Wochen wieder voll belasten.

Von: Dr. med. Arne Schäffler, Dr. Bernadette Andre-Wallis in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung: Dr. med. Sonja Kempinski
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Was hilft bei Hämorrhoiden?

Hämorrhoiden können ganz schön ungemütlich werden.

Was hilft bei Hämorrhoiden?

Wenn´s hinten schmerzt und juckt

Jucken und Brennen am After, Schmerzen beim Stuhlgang und Blutspuren am Toilettenpapier — das kennen viele Deutsche. Dahinter können von Analfissuren bis hin zum Darmkrebs allerhand Erkrankungen stecken, oft sind jedoch vergrößerte Hämorrhoiden schuld. Erfahren Sie im aktuellen Ratgeber, wie Sie sich mit Sitzbädern, Salben und Analtampons selbst helfen können und bei welchen Beschwerden die Ärzt*in aufzusuchen ist.

Häufig, aber tabu

Etwa 4% der Bevölkerung begeben sich jährlich wegen eines Hämorrhoidalleidens in ärztliche Behandlung. Doch weil das Jucken und Brennen am After vielen Menschen peinlich ist, sind Hämorrhoiden immer noch ein Tabuthema und die Dunkelziffer der Betroffenen ist hoch: Expert*innen schätzen, dass die Hälfte der Deutschen im Laufe ihres Lebens darunter leidet.

Was steckt eigentlich hinter den „Hämorrhoiden“?

Im Grunde genommen hat jeder Mensch Hämorrhoiden: Im anatomischen Sinn handelt es sich dabei nämlich um die Gefäßpolster, die als ringförmiger Schwellkörper dem Feinverschluss des Afters dienen. Beschwerden machen sie erst, wenn sie vergrößert sind. Dann spricht man von einem Hämorrhoidalleiden — abgekürzt oft „Hämorrhoiden“ genannt. Dabei sind die Gefäßpolster häufig nicht nur vergrößert, sie bilden auch einzelne oder mehrere Knoten, die platzen (und bluten) und aus dem After hervortreten können. Im fortgeschrittenen Stadium ist zudem der innere Verschluss des Afters so geschädigt, dass Darmgase und Stuhl unkontrolliert abgehen.

Je nach Ausmaß der Veränderungen teilt man das Hämorrhoidalleiden in 4 Stadien ein: Bei Grad 1 sind die Gefäßpolster vergrößert. Bei Grad 2 werden sie während des Pressens beim Stuhlgang vorübergehend aus dem After gedrückt, ziehen sich aber von selbst zurück. Grad 3 bedeutet, dass die vorgefallenen Hämorrhoiden manuell wieder in den Anus zurückgeschoben werden müssen, bei Hämorrhoiden Grad 4 ist dies nicht mehr möglich, die Gefäßknoten befinden sich permanent außerhalb des Analkanals.

Ursachen noch unklar

Warum sich die Hämorrhoiden vergrößern, ist nach wie vor unklar. Auf jeden Fall eine Rolle spielen die elastischen und muskulären Fasern der Gefäße, die beim Hämorrhoidalleiden geschädigt sind. Als Ursache dafür kommen folgende Faktoren in Frage:

  • angeborene Bindegewebsschwäche
  • degenerative (altersbedingte) oder entzündliche Veränderungen des Bindegewebes
  • starkes Pressen bei chronischer Verstopfung und zu hartem Stuhl, Ernährung mit zu wenig Ballaststoffen
  • häufiger Durchfall und zu weicher oder flüssiger Stuhl (weil die Gefäßpolster dann ständig aktiv den Stuhl zurückhalten müssen und sich so nicht ausreichend entspannen können), Missbrauch von Abführmitteln
  • Übergewicht, Schwangerschaft (weil jedes Kilo mehr den Beckenboden belastet, wodurch sich auch die Blutgefäße im Analbereich erweitern
  • Bewegungsmangel, sitzende Tätigkeit (weil sie eine begünstigen Verstopfung begünstigen)
  • erhöhter Alkoholkonsum (weil Alkohol die Gefäße auch im Analbereich erweitert , d.h. auch die Hämorrhoiden).

Beschwerden immer abklären lassen!

Die schmerzlose Blutung tritt in allen Stadien auf. Sie entsteht durch das Platzen eines Gefäßknotens, aus dem sich hellrotes, also arterielles Blut entleert. So lassen sich auch die Blutspuren am Toilettenpapier oder tropfende Blutungen aus dem After erklären. Häufig sind auch Schleimabsonderungen aus dem After, sie führen durch die dauerhafte Schleimhautreizung zu Juckreiz und Brennen am After. Ab Stadium 3 drohen zudem Stuhlschmieren mit Spuren in der Unterwäsche, weil der Stuhl nicht mehr komplett zurückgehalten werden kann.

Schmerzen treten erst in späteren Stadien auf. Sie entstehen oft durch begleitende kleine Risse in der Analschleimhaut oder durch Thrombosen in den Gefäßknoten. Dann können sich die Knoten auch als Fremdkörpergefühl oder Gefühl der nicht vollständigen Darmentleerung bemerkbar machen.

All diese Beschwerden sind unspezifisch und können Hinweise auf andere Erkrankungen sein. Da diese von der harmlosen Analfissur bis hin zum Darmkrebs reichen, ist von einer Selbstdiagnose dringend abzuraten.

Hinweis: Ob hellrot oder dunkelrot, ob viel Blut oder nur Spuren am Toilettenpapier: Jeder Blutabgang über den After muss von einer Ärztin oder einem Arzt abgeklärt werden!

Mehr Bewegung für Darm und Mensch

Weniger Sitzen, mehr Bewegung und das Übergewicht reduzieren: Das sind die Maßnahmen, die beim Hämorrhoidalleiden begleitend empfohlen werden. Ob sie helfen, ist ungewiss, da keine ausreichenden Studien dazu vorliegen. Auch eine Ernährungsumstellung soll unterstützend wirken: Mehr Ballaststoffe machen harten Stuhl weicher und starkes Pressen überflüssig, was wiederum das Blutungsrisiko beim Stuhlgang reduziert.

Tipp: Bei zu hartem Stuhl empfehlen sich indische Flohsamenschalen. Die erforderliche Dosis ist individuell unterschiedlich. Lassen Sie sich in Ihrer Apotheke beraten, wie Sie dieses pflanzliche Mittel am besten anwenden.

Von betäuben bis gerben

In frühen Stadien (1 und 2) ist eine konservative Therapie mit lokalen Wirkstoffen möglich. In manchen Fällen bilden sich die vergrößerten Hämorrhoiden so zurück. Auch in Stadium 3 und 4 kommen lokale Therapeutika ärztlich verordnet zum Einsatz, zum Beispiel beim Warten auf eine Operation.

  • Betäubende Wirkstoffe. Hier werden vor allem Lidocain (z. B. in Posterisan® akut Salbe mit Analdehner oder Posterisan akut Zäpfchen) und Quinisocain (z. B. in Haenal® akut Creme) empfohlen. Beide Wirkstoffe sind rezeptfrei erhältlich. Die Cremes und Salben dürfen jedoch nur wenige Tage (z. B. bis zum Arztbesuch) in Selbstmedikation eingesetzt werden, Zäpfchen bis zu 6 Wochen. In der Stillzeit sind beide Wirkstoffe verboten, in der Schwangerschaft sollen sie nur nach Absprache mit Ärztin oder Arzt verwendet werden. Auch bei Cinchocain ist die Anwendung auf eine Woche beschränkt , es ist rezeptpflichtig als Salbe, Analtampon und Zäpfchen erhältlich (zum Beispiel DoloPosterine®N).
  • Gerbstoffe. Gerbstoffe helfen bei äußeren Beschwerden wie Juckreiz und Brennen. Sie kommen als Sitzbäder und Salben zum Einsatz, typische Vertreter sind basisches Bismutgallat (plus sekretbindendes Titanoxid oder Zinkoxid), zum Beispiel in Mastu® Salbe oder Zäpfchen oder Eulatin NH Salbe. Auch Hamamelis-Extrakte wirken gerbend, sie sind zum Beispiel in Faktu® lind Salbe mit Hamamelis oder Haenal® Hamamelis Zäpfchen enthalten. Sitzbäder und Umschläge lassen sich zum Beispiel aus Tannosynt® flüssig Lösung oder Tannolact® Badezusatz herstellen. Ob Gerbstoffe in Schwangerschaft und Stillzeit verwendet werden dürfen, ist individuell mit der Ärztin oder dem Arzt abzuklären.
  • Kortison. Gegen starke Entzündungen und Schmerzen verschreiben die Ärztin oder der Arzt in Ausnahmefällen lokale Mittel, die neben dem betäubenden Lidocain auch Kortison enthalten (zum Beispiel Doloproct® Rektalcreme oder Doloproct® Zäpfchen). Diese dürfen höchstens zwei Wochen angewendet werden, da sie zu einem Abbau der analen Schleimhaut führen können und außerdem die Infektion mit Pilzen im Darm begünstigen.

Hinweis: Wer rektale Wirkstoffe anwendet, muss beim Analverkehr vorsichtig sein: Die Reißfestigkeit von Kondomen ist dann nicht mehr gewährleistet.

Salbe, Zäpfchen oder Sitzbad?

Um die lindernden Wirkstoffe an den Wirkort zu bringen, gibt es verschiedene Darreichungsformen, die jeweils Vor- und Nachteile haben.

  • Salben. Sie sind vor allem für den äußeren Analbereich praktisch. Wenn sie allerdings die im Analkanal liegenden Hämorrhoiden erreichen sollen, müssen sie mit einem Applikator und/oder einem Analdehner verabreicht werden.
  • Zäpfchen. Sie sind praktisch anzuwenden, rutschen aber nach Verabreichung an den Hämorrhoiden vorbei und in den Enddarm. Auf diese Weise gelangen die Wirkstoffe nur kurzfristig beim Stuhlgang an die Gefäßpolster, weshalb die Wirkung von Zäpfchen oft gering ist.
  • Analtampons. Analtampons werden mit Hilfe eines Mullstreifens im Analkanal fixiert und wirken deshalb direkt am Ort des Geschehens. Ihr Nachteil ist das Fremdkörpergefühl, das sie während der Einwirkungsdauer verursachen.
  • Sitzbäder und Umschläge. Sie wirken nur an der äußeren Haut rund um den After. Auf die im Analkanal liegenden Hämorrhoiden haben sie keinen Einfluss.

Tipp: Bei der Anwendung lokaler Wirkstoffe fließen häufig Sekrete aus dem Anus ab. Zum Auffangen eignen sich Analvorlagen oder atmungsaktive Slipeinlagen, die Sie in der Apotheke erhalten.

Was macht die Ärztin oder der Arzt?

Die ärztlichen Behandlungsmethoden werden in sogenannte interventionelle und operative Verfahren unterteilt. Zu den Ersteren gehören die Sklerosierung und die Gummibandligatur, beide Verfahren sind ambulant möglich.

  • Bei der Sklerosierung wird ein Verödungsmittel in die Gefäßpolster gespritzt, wodurch diese im oberen Teil des Analkanals fixiert werden. Die Sklerosierung kommt vor allem in Stadium 1 und 2 zum Einsatz. Nachteil ist die recht hohe Rückfallquote.
  • Bei der Gummibandligatur wird das Hämorrhoidalgewebe mit einem Gummiband abgebunden, sodass die vergrößerten Hämorrhoiden absterben und abfallen. Hier ist die Rückfallquote niedriger.

In Stadium 3 und 4 muss operiert werden, in der Regel erfolgt dies stationär. Je nach Ausmaß und Lage der Hämorrhoiden gibt es dafür verschiedene Möglichkeiten. So können die Hämorrhoiden beispielsweise komplett mit einem Skalpell oder einem Laser entfernt werden. Diese Operation heißt Hämorrhoidektomie.

Ein neueres Verfahren ist die Stapler-Operation, bei der die Hämorrhoiden mit Hilfe eines Klammernahtgerätes (Stapler) „geliftet“ und an ihrer ursprünglichen Position an die Analkanalschleimhaut angeklammert werden. Die Prognose ist bei allen Verfahren gut, manchmal kann es jedoch zu Rückfällen und erneuten Hämorrhoidalbeschwerden kommen.

Quellen: Katrin Krämer, DAZ 2020, Nr. 16, S. 54; www.internisten-im-netz.de

Von: Dr. med. Sonja Kempinski; Bild: Miss Ty/Shutterstock.com