Gesundheit heute

Bauchspeicheldrüsenentzündung (chronisch) und Pankreasinsuffizienz

Chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung (Chronische Pankreatitis): Meist in Schüben verlaufende Entzündung der Bauchspeicheldrüse mit zunehmendem Verlust aller Funktionen (Pankreasinsuffizienz). Unter der schmerzhaften Erkrankung leiden mehr Männer als Frauen, weil Alkoholmissbrauch als häufigste Ursache vor allem Männer betrifft.

Pankreasinsuffizienz (Bauchspeicheldrüseninsuffizienz): Wenn 90 % der Bauchspeicheldrüse zerstört sind, erlöschen ihre Drüsen- und die hormonellen Funktionen. Ursache ist meist eine akute oder chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung. Lebenslange Folgen sind dann eine Verdauungsinsuffizienz (Maldigestion) aufgrund fehlender Verdauungsenzyme und ein insulinpflichtiger Diabetes.

Keine der beiden Krankheiten ist heilbar; ihr Verlauf lässt sich aber positiv beeinflussen, vor allem wenn der Patient auf das auslösende Gift, meist Alkohol, verzichtet. Die 10-Jahres-Überlebensrate liegt bei 70 %; sie hängt aber auch von der eventuellen Grundkrankheit ab.

Symptome und Leitbeschwerden

  • Schmerzperioden im Oberbauch, oft einige Stunden nach opulenter Mahlzeit oder größerem Alkoholkonsum
  • Gewichtsverlust, Übelkeit, Erbrechen
  • Unverträglichkeit von fettreichen Speisen
  • Voluminöse, fettige, glänzende, übelriechende Stühle, Durchfälle
  • Symptome eines Diabetes wie Durst, häufiges Wasserlassen, Schwäche, Schwindel.

Wann zum Arzt

In den nächsten Tagen, wenn

  • die genannten Beschwerden auftreten.

Die Erkrankung

Ursachen und Risikofaktoren

Ursache der Bauchspeicheldrüsenentzündung ist in bis zu 80 % der Fälle ein dauerhafter Alkoholmissbrauch, bei manchen Betroffenen reichen dabei schon moderate Mengen. Auch Medikamente können die Bauchspeicheldrüse auf Dauer so schädigen, dass eine chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung entsteht. Dazu gehören beispielsweise Valproat, ein Medikament gegen Epilepsie oder das Krebstherapeutikum Vincristin. In etwa 10–20 % der Fälle lässt sich keine Ursache erkennen. Weitere (seltene) Ursachen einer chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung sind:

  • Überfunktion der Nebenschilddrüsen (Hyperparathyreoidismus)
  • Abflussbehinderungen des Verdauungssaftes
  • Genetische Veranlagung, sowohl spezielle Genmutationen als auch im Rahmen der vererbbaren Stoffwechselerkrankung Mukoviszidose
  • Autoimmune Reaktionen bei der seltenen Autoimmunpankreatitis
  • Bestrahlungen des Bauchraums
  • Wiederholte akute Bauchspeicheldrüsenentzündungen.

Eine Pankreasinsuffizienz entsteht außerdem, wenn die Bauchspeicheldrüse teilweise oder komplett entfernt werden muss, z. B. bei einem Bauchspeicheldrüsenkrebs oder nach schweren Bauchverletzungen. Kommt es bei einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung zur teilweisen oder kompletten Selbstverdauung, resultiert ebenfalls eine Pankreasinsuffizienz.

Klinik

Leitsymptom ist der wiederkehrende, meist heftige Oberbauchschmerz, der Stunden bis Tage anhält (akuter Schub einer chronischen Pankreatitis). Mit zunehmender Krankheitsdauer nehmen diese Schmerzperioden mehr und mehr ab, der Arzt spricht davon, dass die Bauchspeicheldrüsenentzündung "ausbrennt". Dann aber zeigen sich vermehrt die Beschwerden aufgrund der nachlassenden Funktion: Weil die Bauchspeicheldrüse nicht mehr genügend Verdauungsenzyme in den Darm ausschüttet, werden die Nahrungsbestandteile nicht mehr richtig verdaut, was zu Durchfällen, Mangelernährung und Gewichtsabnahme führt.

Besonders die unzureichende Verdauung der Nahrungsfette ruft Beschwerden wie Blähungen und Durchfälle hervor, die mit voluminösen, fettigen, übelriechenden Stühlen (so genannten Fettstühlen) verbunden sind. Weiter kann die unzureichende Aufnahme der fettlöslichen Vitamine A, D, E und K zu Mangelerscheinungen führen, z. B. Osteoporose durch Vitamin-D-Mangel. Bei etwa einem Drittel der Patienten kommt es aufgrund verminderter Insulinproduktion zum Diabetes.

Komplikationen

Als weitere Komplikationen drohen Steine und Verengungen im Pankreas- oder Gallengangsystem, die neben Schmerzen zu wiederholter Gelbsucht führen. Größere flüssigkeitsgefüllte Hohlräume (Pankreas-Pseudozysten) rufen Druckbeschwerden und bei Entzündung Fieber hervor. Thrombosen von Milzvene und Pfortader verursachen gelegentlich Symptome eines Pfortaderhochdrucks, und schließlich ist das Risiko für den Bauchspeicheldrüsenkrebs erhöht.

Diagnosesicherung

Patienten mit einer chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung sind häufig untergewichtig und in schlechtem Allgemeinzustand. Die typischen heftigen Schmerzen im Oberbauch zusammen mit stark erhöhten Pankreasenzymen im Blut (Lipase und Pankreasamylase) weisen den Arzt deutlich auf eine erkrankte Bauchspeicheldrüse hin. Ist die Bauchspeicheldrüse schwer geschädigt, verläuft ein Schub der chronischen Entzündung allerdings manchmal auch ohne nachweisbaren Enzymanstieg.

Mit Laboranalysen beurteilt der Arzt dann das Ausmaß der Funktionseinbußen und sucht nach Hinweisen auf eine mögliche Alkoholkrankheit:

  • Elastase 1 im Stuhl (erniedrigt aufgrund der verminderten Produktion in der Bauchspeicheldrüse)
  • Blutzucker und HbA1c (erhöht durch verminderte Insulinproduktion)
  • Gamma-GT, CDT und MCV (erhöht als Hinweis auf eine alkoholbedingte Leberschädigung)
  • Evtl. Stuhlgewicht und Stuhlfette (erhöht aufgrund der gestörten Fettverdauung)
  • Funktionstests wie der Sekretin-Cholezystokinin-Test sind beweisend für eine Pankreasinsuffizienz, werden aber aufgrund der hohen Kosten selten eingesetzt.

Anhand von bildgebenden Verfahren sichert der Arzt die Diagnose und erkennt, wie stark die Strukturen der Bauchspeicheldrüse geschädigt sind und ob Komplikationen vorliegen:

  • In der Röntgenaufnahme und den Ultraschallbildern des Bauchs sind Pankreasverkalkungen sehr gut sichtbar. Pankreasverkalkungen sind beweisend für eine chronische Pankreasinsuffizienz.
  • MRT und CT mit Kontrastmittel, Endosonografie und ERCP sind die wichtigsten Untersuchungen, um Komplikationen wie Steine, Pseudozysten und Nekrosen nachzuweisen.

Ursachensuche

Ist Alkoholmissbrauch nicht die Ursache, muss der Arzt spätestens nach dem zweiten Schub den Grund für die Erkrankung suchen. Bei sehr jungen Patienten fahndet er dann z. B. durch Labortests auch nach einem genetischen Defekt. Einer Überfunktion der Nebenschilddrüse kommt der Arzt durch Blutuntersuchungen auf die Spur. Für die Diagnose der seltenen Autoimmunpankreatitis ist neben CT und MRT die feingewebliche Untersuchung einer Gewebeprobe der Bauchspeicheldrüsen erforderlich.

Differenzialdiagnosen. Oberbauchbeschwerden und Schmerzen verursachen auch die Ulkuskrankheit, der Magenkrebs, die Gallenblasenentzündung, der Reizdarm und der Bauchspeicheldrüsenkrebs.

Behandlung

Akuttherapie

Der akute Schub einer chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung wird in der Klinik mit den gleichen Maßnahmen wie bei der akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung behandelt.

Langzeitbehandlung

Die Therapie der chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung beruht auf 3 Eckpfeilern: Ursachen behandeln bzw. weitere Schäden von der Bauchspeicheldrüse abwenden, Schmerzen verringern sowie Verdauung und Zuckerhaushalt regeln.

Ursachen behandeln. Ein Patient mit chronischer Bauchspeicheldrüsenentzündung muss lebenslang auf Alkohol verzichten, um der Bauchspeicheldrüse nicht weiter zu schaden. Auch das Rauchen sollte er unbedingt einstellen – es gilt inzwischen als nachgewiesen, dass Rauchen das Fortschreiten einer chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung beschleunigt.

In den seltenen Fällen einer ursächlich behandelbaren Erkrankung wie einer Autoimmunpankreatitis, einer Überfunktion der Nebenschilddrüsen oder einer Abflussstörung im Gangsystem wird neben der Behandlung der Beschwerden die Grundkrankheit therapiert.

Verdauung und Zuckerhaushalt. Basismaßnahme bei der chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung ist eine angepasste Ernährung. Dazu gehört eine kohlenhydrat- und eiweißreiche, aber ballaststoffarme Kost, die auf fünf bis sieben kleine Mahlzeiten pro Tag verteilt wird. Bei Pankreasinsuffizienz müssen die fehlenden Verdauungsenzyme, insbesondere die Lipase, in Form von magensaftresistenten Tabletten (z. B. Kreon®) zu den Mahlzeiten in hoher Dosis zugeführt werden. Scheidet der Patient trotz der Gabe von Pankreasenzymen weiterhin Fettstühle aus, empfiehlt der Arzt häufig, einen Teil des Nahrungsfetts durch mittelkettige Fette (MCT-Fette) zu ersetzen. Diese mittelkettigen Fette sind leichter verdaulich als Triglyceride, weil der Darm sie auch ohne Lipase aufnehmen kann. Bei bereits eingetretenen Symptomen eines Vitaminmangels bzw. zu dessen Vorbeugung werden die fettlöslichen Vitamine A, D, E und K regelmäßig injiziert. Hat die Pankreasinsuffizienz eine Diabeteserkrankung zur Folge, muss auch diese lebenslang mit Insulin behandelt werden.

Die Schmerztherapie ist ein weiterer wesentlicher Bestandteil der Behandlung. Dabei setzt der Arzt zunächst leichtere Schmerzmittel wie Paracetamol und Novaminsulfon ein, bei nicht ausreichender Schmerzlinderung auch Opioide wie z. B. Piritramid.

Die oben genannten Komplikationen wie Galleabflussstörungen oder Pseudozysten verursachen häufig starke Schmerzen und erfordern invasive schmerztherapeutische Verfahren: So können die Ärzte z. B. Verengungen und Steine in den Pankreasgängen endoskopisch aufdehnen bzw. entfernen, Zysten und Abszesse absaugen oder auch einen Teil der Bauchspeicheldrüse operativ entfernen.

Der Apotheker empfiehlt

  • Nehmen Sie die verordneten Pankreasenzyme immer direkt zu den Mahlzeiten ein, damit sie sich mit dem Speisebrei gut vermischen.
  • Viele Patienten schrecken vor der Menge an Medikamenten zurück, die sie einnehmen müssen. Aber nur mit ihrer Hilfe kann die Fettverdauung weitgehend normalisiert werden und eine besonders fettarme Ernährung ist dann nicht mehr nötig.
  • Empfiehlt der Arzt den Einsatz von mittelkettigen Fetten, tauschen Sie Butter und Öle nicht abrupt gegen MCT-Produkte aus. Wenn der Darm keine Zeit bekommt, sich an diese neuen Fette zu gewöhnen, stellen sich leicht Bauchbeschwerden und Kopfschmerzen ein. Steigern Sie langsam die Dosis, indem Sie täglich etwa 10 g Fett mehr mit MCT-Produkten ersetzen. 10 g entsprechen der Menge von Butter oder Margarine für 1 Scheibe Brot oder einem Esslöffel Salat- bzw. Speiseöl.

Weiterführende Informationen

  • www.leitlinien.net – Stichwortsuche Pankreatitis: Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten zur Therapie der chronischen Pankreatitis.

Von: Dr. med. Arne Schäffler, Dr. Bernadette Andre-Wallis in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung: Dr. med. Sonja Kempinski
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Was tun bei Hämorrhoiden?

Hämorrhoiden sind weit verbreitet – fast jeder Erwachsene macht mit ihnen Bekanntschaft.

Was tun bei Hämorrhoiden?

Probleme mit der Kehrseite

Hämorrhoiden sind weit verbreitet – und trotzdem spricht kaum jemand darüber. Dabei hat fast jeder Erwachsene im Laufe des Lebens Beschwerden im Analbereich. Die gute Nachricht: In vielen Fällen lassen sich die Symptome mit einfachen Maßnahmen lindern. Und falls das nicht ausreicht, gibt es wirksame Behandlungen bis hin zu schonenden Eingriffen.

Hämorrhoiden – was ist das eigentlich?

Der Begriff „Hämorrhoiden“ wird oft verwendet, als wären sie eine Krankheit. Tatsächlich hat jeder Mensch Hämorrhoiden. Denn dabei handelt es sich um gut durchblutete Gefäßpolster im Enddarm, die gemeinsam mit dem Schließmuskel dafür sorgen, dass der Darm zuverlässig dicht bleibt.

Problematisch werden Hämorrhoiden erst, wenn sie sich vergrößern oder nach außen vorwölben. Fachleute sprechen dann von einem Hämorrhoidalleiden – kurz „Hämorrhoiden“. Die Beschwerden können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen, sind aber in den meisten Fällen gut behandelbar.

Hinweis: Männer und Frauen sind etwa gleich häufig von Hämorrhoiden betroffen. Das Risiko steigt jedoch mit zunehmendem Alter deutlich an.

Wie machen sich Hämorrhoiden bemerkbar?

Die Symptome hängen davon ab, wie stark die Hämorrhoiden vergrößert sind. Typische Beschwerden sind: 

  • Juckreiz, Brennen oder Nässen am After
  • Druck- oder Fremdkörpergefühl 
  • Schmerzen, insbesondere bei gereizten oder entzündeten Hämorrhoiden 
  • hellrote Blutspuren auf dem Toilettenpapier oder im Stuhl 
  • Schwierigkeiten beim Abwischen
  • ein Vorwölben oder Heraustreten von Gewebe beim Stuhlgang

Hellrote Blutungen sind zwar ein häufiges Zeichen für Hämorrhoiden, sollten aber immer ärztlich abgeklärt werden. Denn auch andere Erkrankungen des Enddarms oder Darms können Blutungen verursachen.

Hinweis: Kinder entwickeln nur sehr selten Hämorrhoiden. Treten bei ihnen Blutungen oder Knoten am After auf, steckt meist eine andere Ursache dahinter. In diesen Fällen ist ein Besuch bei der Kinderärzt*in ratsam.

Alter und Druck begünstigen Hämorrhoiden

Warum sich die Gefäßpolster im Enddarm vergrößern, ist nicht immer eindeutig zu klären. Meist kommen mehrere Faktoren zusammen. Dazu gehört zunächst einmal das Alter. Mit zunehmendem Alter verliert das Bindegewebe an Elastizität, wodurch die Hämorrhoidalpolster leichter nach unten rutschen oder sich vorwölben. Deshalb treten Hämorrhoiden besonders häufig ab dem mittleren Lebensalter auf.

Als wichtigster Risikofaktor gilt allerdings die chronische Verstopfung. Ist der Stuhlgang nur unter starkem Pressen erfolgreich, steigt der Druck im Enddarm deutlich an. Dadurch werden die Hämorrhoidalpolster immer wieder belastet und können sich mit der Zeit vergrößern. Langes Sitzen auf der Toilette – etwa beim Lesen oder Scrollen auf dem Smartphone – gilt ebenfalls als ungünstig. Eine aktuelle Studie fand einen Zusammenhang zwischen häufiger Smartphone-Nutzung auf der Toilette und einem erhöhten Risiko für Hämorrhoiden.

Auch die Ernährung spielt eine Rolle. Wer wenig Ballaststoffe aufnimmt und zu wenig trinkt, hat häufig harten Stuhl. Dadurch wird nicht nur der Stuhlgang erschwert. Der harte Stuhl kann beim Pressen die empfindliche Schleimhaut verletzen.

Übergewicht begünstigt das Hämorrhoidalleiden dadurch, dass der Druck im Bauchraum höher wird. Dadurch wird der venöse Abfluss aus den Gefäßpolstern erschwert, das Blut staut sich und die Hämorrhoiden schwellen an und vergrößern sich. Erhöhter Druck im Bauchraum ist auch einer der Gründe, warum Schwangere oft Hämorrhoiden entwickeln. Ein weiterer sind die Schwangerschaftshormone, die das Bindegewebe zusätzlich lockern.

Hinweis: Hämorrhoiden entstehen nicht durch mangelnde Hygiene. Auch scharfes Essen verursacht sie nicht, kann bereits bestehende Beschwerden jedoch gelegentlich verstärken.

Beschwerden abklären und Ursachen finden

Probleme im Analbereich sind immer noch mit Scham verbunden. Deshalb schieben viele Menschen den Besuch bei einer Ärzt*in lange hinaus. Dabei ist die Untersuchung bei Verdacht auf Hämorrhoiden Routine und dauert meist nur wenige Minuten. Wichtig ist die Abklärung aber auch deshalb, weil Beschwerden wie Blutungen, Schmerzen oder ein Fremdkörpergefühl nicht immer durch Hämorrhoiden verursacht werden – manchmal kann z. B. auch ein Darmkrebs dahinterstecken.

Unbedingt in die ärztliche Praxis sollte man, wenn 

  • Blutungen auftreten, 
  • starke Schmerzen bestehen, 
  • sich die Beschwerden trotz Selbstbehandlung nicht bessern, 
  • Hämorrhoiden immer wiederkehren, 
  • ein Knoten plötzlich stark schmerzt oder anschwillt, 
  • ungewollter Gewichtsverlust oder Veränderungen der Stuhlgewohnheiten hinzukommen.

Die Diagnose stellt die Ärzt*in in der Regel anhand der Beschwerden und einer Untersuchung des Analbereichs. Schon sicht- und tastbare Veränderungen können auf vergrößerte Hämorrhoiden hinweisen. Zur endgültigen Diagnose ist häufig eine Spiegelung des Enddarms erforderlich.

Dabei führt die Ärzt*in vorsichtig ein 8 bis 15 cm langes Endoskop in den Enddarm ein. So können die Hämorrhoidalpolster direkt betrachtet und Größe sowie Ausmaß der Veränderungen beurteilt werden. Die Untersuchung dauert meist nur wenige Minuten und ist in der Regel nicht schmerzhaft. Ein spezielles Abführen wie bei der Darmspiegelung ist normalerweise nicht erforderlich. Anhand der Ergebnisse werden Hämorrhoiden in vier Schweregrade eingeteilt. Das hilft, die jeweils passende Behandlung auszuwählen.

Was kann ich selbst gegen Hämorrhoiden tun?

Bei leichten Beschwerden helfen oft schon Änderungen der Lebensgewohnheiten. Ziel ist es, den Stuhl weich zu halten und starkes Pressen zu vermeiden.

  • Ballaststoffe erhöhen. Empfohlen werden täglich etwa 20 bis 30 Gramm Ballaststoffe. Sie binden Wasser, vergrößern das Stuhlvolumen und erleichtern die Darmentleerung. Geeignete ballaststoffreiche Lebensmittel sind Obst und Gemüse, Vollkornbrot und Haferflocken, Hülsenfrüchte, Nüsse und Samen. Wer bisher wenig Ballaststoffe gegessen hat, sollte die Menge langsam steigern, damit es nicht zu Blähungen kommt.
  • Ausreichend trinken. Ballaststoffe können ihre Wirkung nur entfalten, wenn genügend Flüssigkeit aufgenommen wird. Empfehlenswert sind etwa fünf bis sechs Gläser Wasser pro Tag, bei Hitze oder körperlicher Aktivität entsprechend mehr.
  • Nicht pressen. Starkes Pressen erhöht den Druck auf die Gefäßpolster. Deshalb sollte man sich ausreichend Zeit für den Toilettengang nehmen, ohne zu drücken. Wichtig ist auch, die Toilette beim Verspüren des Stuhldrangs aufzusuchen und den Toilettengang nicht unnötig hinauszuschieben.
  • Nicht zu lange auf der Toilette sitzen. Langes Sitzen – z. B. mit dem Smartphone oder einer Zeitung – kann den Druck auf die Hämorrhoiden und damit die Beschwerden verstärken. Der Toilettengang sollte deshalb möglichst kurz und ohne langes Verweilen erfolgen.
  • Mehr bewegen. Regelmäßige körperliche Aktivität regt die Darmtätigkeit an und kann Verstopfung vorbeugen. Bereits tägliche Spaziergänge sind dabei hilfreich.

Tipp: Häufiges Heben oder Tragen schwerer Lasten erhöht den Druck im Bauchraum und belastet bestehende Hämorrhoiden zusätzlich. Achten Sie beim Heben auf eine rückenschonende Technik und vermeiden Sie unnötig schwere Lasten.

Den Analbereich sanft behandeln

Bei Hämorrhoiden ist eine sanfte Pflege besonders wichtig. Zu kräftiges Reiben, häufiges Waschen oder aggressive Reinigungsmittel können die empfindliche Haut und Schleimhaut zusätzlich reizen und Juckreiz oder Brennen verstärken.

Am besten reinigen Sie den Analbereich nach dem Stuhlgang möglichst schonend: 

  • Verwenden Sie lauwarmes Wasser zur Reinigung. Ein weicher Waschlappen oder die Dusche eignen sich besser als starkes Reiben mit Toilettenpapier.
  • Tupfen Sie die Haut anschließend vorsichtig trocken, statt zu rubbeln. Feuchtigkeit im Analbereich kann Hautreizungen begünstigen.
  • Verzichten Sie auf parfümierte Feuchttücher, Duftseifen oder aggressive Intimwaschlotionen. Sie können die natürliche Schutzbarriere der Haut stören und Reizungen auslösen. 
  • Vermeiden Sie häufiges Nachreinigen, wenn kein Stuhl mehr vorhanden ist. Zu viel Reibung belastet die Haut.

Hinweis: Eine gute Analhygiene bedeutet nicht, den Bereich „steril“ zu reinigen. Die Haut rund um den After besitzt eine natürliche Schutzfunktion, die durch zu intensive Pflege eher geschwächt werden kann.

Wie Medikamente helfen können

Medikamente können die Beschwerden eines Hämorrhoidalleidens lindern, die vergrößerten Hämorrhoiden selbst jedoch nicht dauerhaft beseitigen. Sie werden vor allem eingesetzt, um unangenehme Symptome wie Juckreiz, Brennen, Nässen oder Reizungen im Analbereich zu reduzieren.

Welche Behandlung geeignet ist, hängt von den Beschwerden und dem Stadium der Hämorrhoiden ab. Bei akuten, leichten Beschwerden können frei verkäufliche Präparate aus der Apotheke häufig eine zeitweise Erleichterung bringen. Zur lokalen Behandlung stehen verschiedene Präparate zur Verfügung. Sie werden direkt im Analbereich angewendet und können die gereizte Haut beruhigen: 

  • Salben und Cremes werden vor allem bei Beschwerden im äußeren Analbereich eingesetzt und können Juckreiz, Brennen und Hautreizungen lindern. 
  • Zäpfchen eignen sich besonders bei Beschwerden durch innere Hämorrhoiden, da der Wirkstoff direkt im Enddarm freigesetzt wird.
  • Analtampons sind spezielle Zäpfchen. Durch einen kleinen Mullanteil bleiben sie bei inneren Hämorrhoiden länger im Bereich der Schleimhaut und können dort länger wirken.

Viele rezeptfreie Präparate enthalten pflanzliche Wirkstoffe, Gerbstoffe oder lokal beruhigende Substanzen. Sie können vor allem bei leichten bis mäßigen Beschwerden hilfreich sein.

Einige Wirkstoffe, zum Beispiel Hydrokortison-haltige Präparate, sind verschreibungspflichtig und sollten nur nach ärztlicher Empfehlung angewendet werden. Sie kommen bei ausgeprägtem Juckreiz oder entzündlichen Beschwerden zum Einsatz.

Hinweis: Präparate mit Hydrokortison dürfen nicht langfristig angewendet werden, da sie die empfindliche Haut und Schleimhaut im Analbereich schädigen können.

Wenn Hausmittel und Medikamente nicht mehr ausreichen

Bleiben die Beschwerden trotz der genannten Maßnahmen bestehen oder treten Hämorrhoiden immer wieder auf, können ambulante Eingriffe sinnvoll sein. Ihr Ziel ist, die vergrößerten Hämorrhoiden zu entfernen.

  • Gummibandligatur: Die Gummibandligatur ist eines der häufigsten Verfahren zur Behandlung von inneren Hämorrhoiden. Sie erfolgt im Rahmen einer Enddarmspiegelung (Proktoskopie). Dabei legt die Ärzt*in mit einem speziellen Instrument ein kleines Gummiband um die Basis der Hämorrhoide. Die Blutzufuhr wird unterbrochen und das Gewebe stirbt innerhalb von sieben bis vierzehn Tagen ab. Oft sind mehrere Sitzungen im Abstand von einigen Wochen nötig. Bei vielen Betroffenen lassen sich die Beschwerden deutlich bessern. Allerdings können Hämorrhoiden später erneut auftreten. Man schätzt, dass dies nach etwa jeder zehnten Gummibandligatur passiert.
  • Sklerotherapie: Bei der Sklerotherapie wird eine spezielle Substanz (z. B. Phenol) in die Hämorrhoide eingespritzt. Dadurch schrumpft das Gewebe. Im Vergleich zur Gummibandligatur ist die Methode meist etwas angenehmer und verursacht weniger Schmerzen nach dem Eingriff. Allerdings ist sie bei Blutungen und vorfallenden Hämorrhoiden häufig weniger wirksam.
  • Infrarotkoagulation: Auch die Infrarotkoagulation gehört zu den ambulanten Verfahren. Sie kommt am ehesten bei kleinen inneren Hämorrhoiden zum Einsatz. Dabei wird das Gewebe mithilfe von Wärme behandelt, oft sind mehrere Behandlungen nötig. Die Methode gilt ebenfalls als nicht so effektiv wie die Gummibandligatur.

Wann ist eine Operation notwendig?

Größere Hämorrhoiden, insbesondere fortgeschrittene Befunde, gemischte Hämorrhoiden oder Beschwerden, die auf andere Behandlungen nicht ansprechen, können eine Operation erforderlich machen. Es gibt verschiedene Verfahren, die je nach Lage und Ausmaß der Hämorrhoiden und dem Wunsch der Patient*in gewählt werden.   

Bei der klassischen Hämorrhoidektomie entfernt die Ärzt*in die vergrößerten Hämorrhoiden operativ. Der Vorteil: Eine vollständige und dauerhafte Beschwerdefreiheit wird häufiger erreicht als nach einer Gummibandligatur. 

Bei der Stapler-Hämorrhoidopexie nach Longo wird das Hämorrhoidalgewebe nicht herausgeschnitten, sondern das vorgefallene Gewebe mit einem Klammergerät angehoben und weiter oben im Darm befestigt. Dieses Verfahren gilt als weniger schmerzhaft als die Hämorrhoidenentfernung und eignet sich insbesondere für vorgefallene Hämorrhoiden. 

Im Rahmen der HAL-RAR-Methode unterbindet die Ärzt*in zuerst die zuführenden Blutgefäße der Hämorrhoiden. Anschließend wird das vorgefallene Gewebe mit Nähten gestrafft.

Eine weitere Möglichkeit sind Laserverfahren. Dabei wird das vergrößerte Gewebe mit Laserenergie verkleinert. Diese Methode ist ebenfalls eher schonend, wird aber nicht überall angeboten.

Wie bei jeder Operation können auch bei der Hämorrhoiden-Entfernung Komplikationen auftreten. Dazu gehören unter anderem: 

  • Schmerzen 
  • Nachblutungen 
  • vorübergehender Harnverhalt 
  • in seltenen Fällen Probleme mit der Stuhlkontinenz

Nach einer Hämorrhoiden-Operation braucht der Analbereich Zeit, um zu heilen. Da die Wunde beim Stuhlgang immer wieder belastet wird, sind in den ersten Tagen und Wochen eine gute Pflege und vor allem ein weicher Stuhl besonders wichtig. Dabei gelten die gleichen Regeln und Maßnahmen wie bei der konservativen Behandlung des Hämorrhoidalleidens.

Hinweis: Nach der Operation treten meist Schmerzen im Analbereich auf. Damit diese nicht dazu führen, dass der Stuhlgang vermieden wird und es zu Verstopfung kommt, verschreibt die Ärzt*in meist ein geeignetes Schmerzmittel.

Quelle: Leitlinie Hämorrhoidalleiden (in Überarbeitung), Medical Tribune

Von: Dr. med. Sonja Kempinski; Bild: mauritius images / Onoky / Christophe Lehenaff