Gesundheit heute
Reizdarm
Reizdarm (Reizdarmsyndrom, RDS, Irritable Bowel Syndrome, Reizkolon, Colon irritabile oder früher auch spastisches Kolon genannt): Häufige funktionelle Darmstörung ohne erkennbare organische Ursache mit Bauchschmerzen, Blähungen, evtl. auch Durchfall und/oder Verstopfung. Der Reizdarm tritt besonders häufig bei den 20- bis 40-Jährigen auf. In Deutschland sind 15 % der Bevölkerung betroffen; jede zweite Patient*in mit Magen-Darm-Beschwerden leidet an einem Reizdarm, Frauen doppelt so häufig wie Männer.
Auch wenn die Erkrankung medizinisch gesehen harmlos ist, beeinträchtigen die Beschwerden die Lebensqualität erheblich. Sind die auslösenden Faktoren bekannt und weitgehend vermeidbar, ist eine Besserung möglich; eine Heilung ist aber nicht zu erwarten.
Symptome und Leitbeschwerden
- Diffuse Bauchschmerzen
- Druckgefühl im Unterbauch sowie im rechten oder linken Oberbauch
- Völlegefühl, rumorende Darmgeräusche und Blähbauch
- Gehäufte (mehr als drei pro Tag) oder verminderte Stuhlentleerungen (weniger als drei pro Woche)
- Veränderte Stuhlbeschaffenheit (vor allem harter Stuhl, kleinere harte Kotsteine, Schleimauflagerungen)
- Gefühl der unvollständigen Darmentleerung.
Wann zum Arzt
In den nächsten Tagen, wenn
- immer wieder Schmerzen im Bauch auftreten.
Sofort, bei
- quälenden Bauchschmerzen und Fieber.
Die Erkrankung
Klinik
Viele Menschen leiden ständig oder in kurzen Abständen unter einer Kombination verschiedener Darmstörungen, die nicht durch organische Veränderungen erklärbar sind und die Ärzt*innen unter dem Begriff „Reizdarm“ zusammenfassen. Dabei kommt es zu krampfartigen, ziehenden oder stechenden Schmerzen im gesamten Bauch sowie zu Druckgefühl im Unterbauch oder Oberbauch, die jedoch meist nicht in der Nacht auftreten. Weitere Beschwerden sind Blähungen, Verstopfung, Durchfall, auch können sich Verstopfung und Durchfall abwechseln. Der Stuhl ist entweder hart bzw. wird – wie bei Schafen – in kleinen harten Kotsteinen ausgeschieden. Er kann auch breiig bis flüssig sein, manchmal ist heller Schleim beigemengt. Bei einigen Betroffenen lassen die Beschwerden nach dem Stuhlgang nach, andere haben das Gefühl einer unvollständigen Darmentleerung.
Definition. Nach internationalen Richtlinien besteht ein Reizdarm, wenn innerhalb der letzten 12 Monate mindestens 12 Wochen lang, aber nicht unbedingt andauernd, Bauchschmerzen auftraten, die sich mit dem Stuhlgang besserten und/oder wenn der Beginn der Bauchschmerzen mit einer Veränderung der Stuhlkonsistenz und/oder der Stuhlhäufigkeit einherging.
Ursachen und Risikofaktoren
Warum ein Darm gereizt reagiert, ist trotz umfangreichen Forschungen nicht eindeutig geklärt. Verschiedene funktionelle Veränderungen beeinflussen allein oder in Kombination die Funktion des Darms bei Reizdarmpatient*innen:
- Die Schleimhaut von Reizdarmpatient*innen bildet neueren Forschungen zufolge verstärkt die Botenstoffe Histamin und Serotonin oder reagiert auf diese übersensibel. Dadurch gelangen permanent Nervenreize an das Gehirn, was den Entzündungsprozess offenbar fördert und aufrechterhält.
- Reizdarmpatient*innen reagieren bereits auf eine Dehnung des Darms mit Schmerzen, die bei Gesunden keine Beschwerden hervorruft. Als Ursache hierfür vermuten die Ärzt*innen eine gestörte Schmerzwahrnehmung und -verarbeitung im Gehirn.
- Darüber hinaus ist die Beweglichkeit des Darms entweder beschleunigt oder verzögert.
- In bis zu 25 % der Fälle geht der Entwicklung eines Reizdarms eine Darminfektion mit Durchfällen voraus.
- Im Gegensatz zu einer gesunden Darmschleimhaut ist die Darmschleimhaut von Reizdarmpatient*innen wahrscheinlich durchlässiger. Auf diese Weise ist eine wichtige Schutz- und Barrierefunktion vermindert.
- In den Darmwänden selbst sind bei Reizdarmpatient*innen vermehrt Zellen nachweisbar, die eigentlich verantwortlich für die Immunabwehr sind. Bei Fehlfunktionen lösen sie Entzündungsreaktionen aus.
- Außerdem führt eine Kohlenhydratunverträglichkeit sehr häufig zum Reizdarm, etwa bei Milchzuckerunverträglichkeit und Unverträglichkeit von Fruktose. Viele Betroffene vertragen auch andere Nahrungsbestandteile nicht; außerdem werden die Beschwerden durch Genuss von Kaffee, Zigaretten und Alkohol oft verschlimmert.
Psychische Faktoren wie Stress oder Ärger können die Beschwerden verschlimmern. Auch scheinen depressive Störungen bei der Entwicklung und Ausprägung der Beschwerden von Bedeutung zu sein. Allerdings sollte beachtet werden, dass depressive Symptome sowohl Ursache als auch Folge von Darmbeschwerden sind.
Auch nach Infektionen verschlimmern sich die Reizdarmbeschwerden häufig.
Mitunter wird auch von der Schulmedizin ein Ungleichgewicht zwischen den einzelnen Mikroorganismen im Darm (Dysbiose) für die Entstehung oder Aufrechterhaltung eines Reizdarms verantwortlich gemacht. Diese Theorie und die darauf basierenden Therapievorschläge halten in der Praxis aber nur selten, was sie versprechen, weswegen die Kosten der aufwändigen mikrobiologischen Untersuchung auf eine Dysbiose von den Kassen nicht übernommen werden. Auch die Vermutung, dass die Besiedlung des Dickdarms mit Candidapilzen eine Ursache der Beschwerden ist, wurde nicht bestätigt.
Diagnosesicherung
Manche Ärzt*innen können die Diagnose „Reizdarm“ oft schon aufgrund des Beschwerdebildes stellen. Wichtiges Merkmal ist z. B., dass die Beschwerden nachts nicht auftreten und der Betroffene kein Gewicht verloren hat. In jedem Fall wird die Ärzt*in andere ernste Krankheiten der Verdauungsorgane wie z. B. eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung oder Darmkrebs durch eine Tastuntersuchung des Enddarms, Stuhluntersuchungen, eine Darmspiegelung und eventuell mit anderen bildgebenden Verfahren (z. B. Bauchultraschall) ausschließen. In Einzelfällen sind weitere spezielle Untersuchungen erforderlich, wie ein Laktosetoleranz-Test bei Verdacht auf Milchzuckerunverträglichkeit. Wichtig ist, die Patient*in, die oft eine schwere Krankheit als Ursache der Beschwerden befürchtet, über die Ungefährlichkeit der Symptome aufzuklären.
Differenzialdiagnosen. Neben den oben genannten Erkrankungen kommen Reizdarm-ähnliche Beschwerden auch häufig bei gynäkologischen Erkrankungen wie beispielsweise der Endometriose oder dem Eierstockkrebs vor.
Behandlung
Schmerzen. Bei leichten Schmerzen helfen Selbsthilfemaßnahmen, bei starken Schmerzen Antidepressiva, die durch Erhöhung der Schmerzschwelle den Schmerz lindern.
Krämpfe. Die Wirksamkeit krampflösender Medikamente wie Butylscopolamin (Buscopan®) ist nicht belegt; im Einzelfall können sie aber hilfreich sein. Aufgrund ihrer zahlreichen Nebenwirkungen dürfen sie jedoch nicht auf Dauer eingesetzt werden.
Verstopfung. Hier sollten zunächst Basismaßnahmen (siehe Verstopfung) versucht werden. Starke Abführmittel sind wegen der Gewöhnungsgefahr nur notfallmäßig zu empfehlen (z. B. als Microklist).
Durchfall. In Einzelfällen und kurzfristig (z. B. bei Reisen, Geschäftsterminen) ist der Wirkstoff Loperamid eine Option (z. B. Imodium®), der die Darmpassage verlangsamt.
Blähungen. Gegen Blähungen wird oft die Einnahme entblähender Medikamente, wie z. B. Simeticon (SAB simplex®, Lefax®) empfohlen. Leider zeigen diese Medikamente bei vielen Betroffenen keine Wirkung.
Der aktuelle Forschungsstand legt zudem nahe, dass Reizdarmpatient*innen von einer Behandlung mit Antihistaminika und Mastzellstabilisatoren profitieren.
Psychische Erkrankung. Besteht zugleich eine seelische Erkrankung, insbesondere eine Depression oder Angststörung, hat deren Behandlung z. B. im Rahmen einer Psychotherapie hohe Priorität. Ist diese erfolgreich oder lassen sich zugrunde liegende Konflikte lösen, ist eine deutliche Besserung auch der Reizdarmbeschwerden zu erwarten.
Prognose
Ein Reizdarm ist per se harmlos, schränkt die Lebensqualität aber häufig stark ein. Eine Heilung ist selten bis nie zu erwarten, aber es gibt viele Maßnahmen, um die Symptome in den Griff zu bekommen.
Ihr Apotheker empfiehlt
Was Sie selbst tun können
Die Grundempfehlung für die Selbsthilfe ist, herauszufinden, welche Lebenssituationen, Nahrungsmittel oder Verhaltensweisen Ihre Beschwerden verstärken, und diese künftig zu meiden.
Low FODMAP-Diät. Manchen Reizdarmpatienten hilft eine spezielle Diät, bei der die Aufnahme fermentierbarer Zucker (Oligosaccharide, Disaccharide, Monosaccharide und Polyole) reduziert wird. Dadurch wird die Gärung im Darm reduziert und es entstehen weniger darmreizende Gase. Zu den Nahrungsmitteln, die reich an solchen Zuckern sind und daher gemieden werden sollen, gehören z. B. Kohl, Zwiebeln, Nektarinen und Linsen (FODMAP-reiche Lebensmittel).
Probiotika. Starten Sie doch mal einen Versuch mit probiotischen Nahrungs- oder Arzneimitteln. Auch wenn die Dysbiose-Hypothese in puncto Reizdarm unterschiedlich bewertet und eine teure mikrobiologische Diagnostik nicht empfohlen wird, können Bifidobakterien oder Lactobazillus-Stämme einen gereizten Darm oftmals beruhigen.
Entspannungsverfahren. Stress und Anspannungen verstärken Reizdarmsymptome oft oder lösen sie sogar aus. Eine bewährte Gegenmaßnahme ist das regelmäßige Ausüben von Entspannungstechniken wie Autogenes Training, Yoga oder Progressive Muskelrelaxation nach Jacobsen
Komplementärmedizin
Pflanzenheilkunde. Da die Stuhlkonsistenz oft wechselt, sollte nur dann ein entsprechendes Arzneimittel eingenommen werden, wenn das Leitsymptom akut über mehrere Tage hinweg besteht. Welche Mittel hier im Einzelnen infrage kommen, wird bei der Verstopfung und beim Durchfall beschrieben. Bei krampfartigen Schmerzen und Blähungen haben sich Kümmelöl oder Pfefferminzöl (z. B. kombiniert in Enteroplant® -Kapseln) bewährt. Die Wirkung von Pfefferminzöl und indischen Flohsamen gegen diese Beschwerden ist in einer klinischen Studie belegt. Flohsamen sind leichte pflanzliche Abführmittel, die auch Schmerzen lindern.
Homöopathie. Die Homöopathie empfiehlt eine individuell abgestimmte Konstitutionstherapie.
Akupunktur. Es liegt eine Reihe von Erfahrungsberichten vor, nach denen ein Reizdarm mithilfe der Akupunktur gelindert werden konnte; erste Studien scheinen dies zu bestätigen.
Hypnose. Ziel der Hypnose ist es, dass die Darmmuskulatur sich entspannt. Nach einigen Sitzungen erlernt der Patient Selbsthypnosetechniken, die zu Hause regelmäßig durchgeführt werden. Erste Erfahrungen mit der Methode zeigen einen positiven Effekt gerade bei solchen Patienten, die auf Medikamente nicht gut ansprechen.
Weiterführende Informationen
- T. Schleip; G. Hoffbauer: Reizdarm. Was wirklich dahinter steckt. Gräfe & Unzer, 2001. Schulmedizinisch orientierter Ratgeber zum Thema Reizdarm, mit vorbildlicher Beschreibung der Erkrankung.
- W. Kruis; A. Iburg: Reizdarm – Endlich Ruhe im Bauch durch richtige Ernährung. Trias, 2004. Praxisorientierter, detaillierter Ratgeber mit vielen differenzierten Vorschlägen zu einer optimal angepassten Ernährung bei Reizdarmbeschwerden.
- https://www.fodmaps.de/fodmap-liste/ . Website mit Informationen zur lowFODMAP-Diät und einer ausführlichen Liste, welche Lebensmittel reich bzw. arm an FODMAPs sind.
Hämorrhoiden können ganz schön ungemütlich werden.
Was hilft bei Hämorrhoiden?
Wenn´s hinten schmerzt und juckt
Jucken und Brennen am After, Schmerzen beim Stuhlgang und Blutspuren am Toilettenpapier — das kennen viele Deutsche. Dahinter können von Analfissuren bis hin zum Darmkrebs allerhand Erkrankungen stecken, oft sind jedoch vergrößerte Hämorrhoiden schuld. Erfahren Sie im aktuellen Ratgeber, wie Sie sich mit Sitzbädern, Salben und Analtampons selbst helfen können und bei welchen Beschwerden die Ärzt*in aufzusuchen ist.
Häufig, aber tabu
Etwa 4% der Bevölkerung begeben sich jährlich wegen eines Hämorrhoidalleidens in ärztliche Behandlung. Doch weil das Jucken und Brennen am After vielen Menschen peinlich ist, sind Hämorrhoiden immer noch ein Tabuthema und die Dunkelziffer der Betroffenen ist hoch: Expert*innen schätzen, dass die Hälfte der Deutschen im Laufe ihres Lebens darunter leidet.
Was steckt eigentlich hinter den „Hämorrhoiden“?
Im Grunde genommen hat jeder Mensch Hämorrhoiden: Im anatomischen Sinn handelt es sich dabei nämlich um die Gefäßpolster, die als ringförmiger Schwellkörper dem Feinverschluss des Afters dienen. Beschwerden machen sie erst, wenn sie vergrößert sind. Dann spricht man von einem Hämorrhoidalleiden — abgekürzt oft „Hämorrhoiden“ genannt. Dabei sind die Gefäßpolster häufig nicht nur vergrößert, sie bilden auch einzelne oder mehrere Knoten, die platzen (und bluten) und aus dem After hervortreten können. Im fortgeschrittenen Stadium ist zudem der innere Verschluss des Afters so geschädigt, dass Darmgase und Stuhl unkontrolliert abgehen.
Je nach Ausmaß der Veränderungen teilt man das Hämorrhoidalleiden in 4 Stadien ein: Bei Grad 1 sind die Gefäßpolster vergrößert. Bei Grad 2 werden sie während des Pressens beim Stuhlgang vorübergehend aus dem After gedrückt, ziehen sich aber von selbst zurück. Grad 3 bedeutet, dass die vorgefallenen Hämorrhoiden manuell wieder in den Anus zurückgeschoben werden müssen, bei Hämorrhoiden Grad 4 ist dies nicht mehr möglich, die Gefäßknoten befinden sich permanent außerhalb des Analkanals.
Ursachen noch unklar
Warum sich die Hämorrhoiden vergrößern, ist nach wie vor unklar. Auf jeden Fall eine Rolle spielen die elastischen und muskulären Fasern der Gefäße, die beim Hämorrhoidalleiden geschädigt sind. Als Ursache dafür kommen folgende Faktoren in Frage:
- angeborene Bindegewebsschwäche
- degenerative (altersbedingte) oder entzündliche Veränderungen des Bindegewebes
- starkes Pressen bei chronischer Verstopfung und zu hartem Stuhl, Ernährung mit zu wenig Ballaststoffen
- häufiger Durchfall und zu weicher oder flüssiger Stuhl (weil die Gefäßpolster dann ständig aktiv den Stuhl zurückhalten müssen und sich so nicht ausreichend entspannen können), Missbrauch von Abführmitteln
- Übergewicht, Schwangerschaft (weil jedes Kilo mehr den Beckenboden belastet, wodurch sich auch die Blutgefäße im Analbereich erweitern
- Bewegungsmangel, sitzende Tätigkeit (weil sie eine begünstigen Verstopfung begünstigen)
- erhöhter Alkoholkonsum (weil Alkohol die Gefäße auch im Analbereich erweitert , d.h. auch die Hämorrhoiden).
Beschwerden immer abklären lassen!
Die schmerzlose Blutung tritt in allen Stadien auf. Sie entsteht durch das Platzen eines Gefäßknotens, aus dem sich hellrotes, also arterielles Blut entleert. So lassen sich auch die Blutspuren am Toilettenpapier oder tropfende Blutungen aus dem After erklären. Häufig sind auch Schleimabsonderungen aus dem After, sie führen durch die dauerhafte Schleimhautreizung zu Juckreiz und Brennen am After. Ab Stadium 3 drohen zudem Stuhlschmieren mit Spuren in der Unterwäsche, weil der Stuhl nicht mehr komplett zurückgehalten werden kann.
Schmerzen treten erst in späteren Stadien auf. Sie entstehen oft durch begleitende kleine Risse in der Analschleimhaut oder durch Thrombosen in den Gefäßknoten. Dann können sich die Knoten auch als Fremdkörpergefühl oder Gefühl der nicht vollständigen Darmentleerung bemerkbar machen.
All diese Beschwerden sind unspezifisch und können Hinweise auf andere Erkrankungen sein. Da diese von der harmlosen Analfissur bis hin zum Darmkrebs reichen, ist von einer Selbstdiagnose dringend abzuraten.
Hinweis: Ob hellrot oder dunkelrot, ob viel Blut oder nur Spuren am Toilettenpapier: Jeder Blutabgang über den After muss von einer Ärztin oder einem Arzt abgeklärt werden!
Mehr Bewegung für Darm und Mensch
Weniger Sitzen, mehr Bewegung und das Übergewicht reduzieren: Das sind die Maßnahmen, die beim Hämorrhoidalleiden begleitend empfohlen werden. Ob sie helfen, ist ungewiss, da keine ausreichenden Studien dazu vorliegen. Auch eine Ernährungsumstellung soll unterstützend wirken: Mehr Ballaststoffe machen harten Stuhl weicher und starkes Pressen überflüssig, was wiederum das Blutungsrisiko beim Stuhlgang reduziert.
Tipp: Bei zu hartem Stuhl empfehlen sich indische Flohsamenschalen. Die erforderliche Dosis ist individuell unterschiedlich. Lassen Sie sich in Ihrer Apotheke beraten, wie Sie dieses pflanzliche Mittel am besten anwenden.
Von betäuben bis gerben
In frühen Stadien (1 und 2) ist eine konservative Therapie mit lokalen Wirkstoffen möglich. In manchen Fällen bilden sich die vergrößerten Hämorrhoiden so zurück. Auch in Stadium 3 und 4 kommen lokale Therapeutika ärztlich verordnet zum Einsatz, zum Beispiel beim Warten auf eine Operation.
- Betäubende Wirkstoffe. Hier werden vor allem Lidocain (z. B. in Posterisan® akut Salbe mit Analdehner oder Posterisan akut Zäpfchen) und Quinisocain (z. B. in Haenal® akut Creme) empfohlen. Beide Wirkstoffe sind rezeptfrei erhältlich. Die Cremes und Salben dürfen jedoch nur wenige Tage (z. B. bis zum Arztbesuch) in Selbstmedikation eingesetzt werden, Zäpfchen bis zu 6 Wochen. In der Stillzeit sind beide Wirkstoffe verboten, in der Schwangerschaft sollen sie nur nach Absprache mit Ärztin oder Arzt verwendet werden. Auch bei Cinchocain ist die Anwendung auf eine Woche beschränkt , es ist rezeptpflichtig als Salbe, Analtampon und Zäpfchen erhältlich (zum Beispiel DoloPosterine®N).
- Gerbstoffe. Gerbstoffe helfen bei äußeren Beschwerden wie Juckreiz und Brennen. Sie kommen als Sitzbäder und Salben zum Einsatz, typische Vertreter sind basisches Bismutgallat (plus sekretbindendes Titanoxid oder Zinkoxid), zum Beispiel in Mastu® Salbe oder Zäpfchen oder Eulatin NH Salbe. Auch Hamamelis-Extrakte wirken gerbend, sie sind zum Beispiel in Faktu® lind Salbe mit Hamamelis oder Haenal® Hamamelis Zäpfchen enthalten. Sitzbäder und Umschläge lassen sich zum Beispiel aus Tannosynt® flüssig Lösung oder Tannolact® Badezusatz herstellen. Ob Gerbstoffe in Schwangerschaft und Stillzeit verwendet werden dürfen, ist individuell mit der Ärztin oder dem Arzt abzuklären.
- Kortison. Gegen starke Entzündungen und Schmerzen verschreiben die Ärztin oder der Arzt in Ausnahmefällen lokale Mittel, die neben dem betäubenden Lidocain auch Kortison enthalten (zum Beispiel Doloproct® Rektalcreme oder Doloproct® Zäpfchen). Diese dürfen höchstens zwei Wochen angewendet werden, da sie zu einem Abbau der analen Schleimhaut führen können und außerdem die Infektion mit Pilzen im Darm begünstigen.
Hinweis: Wer rektale Wirkstoffe anwendet, muss beim Analverkehr vorsichtig sein: Die Reißfestigkeit von Kondomen ist dann nicht mehr gewährleistet.
Salbe, Zäpfchen oder Sitzbad?
Um die lindernden Wirkstoffe an den Wirkort zu bringen, gibt es verschiedene Darreichungsformen, die jeweils Vor- und Nachteile haben.
- Salben. Sie sind vor allem für den äußeren Analbereich praktisch. Wenn sie allerdings die im Analkanal liegenden Hämorrhoiden erreichen sollen, müssen sie mit einem Applikator und/oder einem Analdehner verabreicht werden.
- Zäpfchen. Sie sind praktisch anzuwenden, rutschen aber nach Verabreichung an den Hämorrhoiden vorbei und in den Enddarm. Auf diese Weise gelangen die Wirkstoffe nur kurzfristig beim Stuhlgang an die Gefäßpolster, weshalb die Wirkung von Zäpfchen oft gering ist.
- Analtampons. Analtampons werden mit Hilfe eines Mullstreifens im Analkanal fixiert und wirken deshalb direkt am Ort des Geschehens. Ihr Nachteil ist das Fremdkörpergefühl, das sie während der Einwirkungsdauer verursachen.
- Sitzbäder und Umschläge. Sie wirken nur an der äußeren Haut rund um den After. Auf die im Analkanal liegenden Hämorrhoiden haben sie keinen Einfluss.
Tipp: Bei der Anwendung lokaler Wirkstoffe fließen häufig Sekrete aus dem Anus ab. Zum Auffangen eignen sich Analvorlagen oder atmungsaktive Slipeinlagen, die Sie in der Apotheke erhalten.
Was macht die Ärztin oder der Arzt?
Die ärztlichen Behandlungsmethoden werden in sogenannte interventionelle und operative Verfahren unterteilt. Zu den Ersteren gehören die Sklerosierung und die Gummibandligatur, beide Verfahren sind ambulant möglich.
- Bei der Sklerosierung wird ein Verödungsmittel in die Gefäßpolster gespritzt, wodurch diese im oberen Teil des Analkanals fixiert werden. Die Sklerosierung kommt vor allem in Stadium 1 und 2 zum Einsatz. Nachteil ist die recht hohe Rückfallquote.
- Bei der Gummibandligatur wird das Hämorrhoidalgewebe mit einem Gummiband abgebunden, sodass die vergrößerten Hämorrhoiden absterben und abfallen. Hier ist die Rückfallquote niedriger.
In Stadium 3 und 4 muss operiert werden, in der Regel erfolgt dies stationär. Je nach Ausmaß und Lage der Hämorrhoiden gibt es dafür verschiedene Möglichkeiten. So können die Hämorrhoiden beispielsweise komplett mit einem Skalpell oder einem Laser entfernt werden. Diese Operation heißt Hämorrhoidektomie.
Ein neueres Verfahren ist die Stapler-Operation, bei der die Hämorrhoiden mit Hilfe eines Klammernahtgerätes (Stapler) „geliftet“ und an ihrer ursprünglichen Position an die Analkanalschleimhaut angeklammert werden. Die Prognose ist bei allen Verfahren gut, manchmal kann es jedoch zu Rückfällen und erneuten Hämorrhoidalbeschwerden kommen.
Quellen: Katrin Krämer, DAZ 2020, Nr. 16, S. 54; www.internisten-im-netz.de

