Gesundheit heute

Verstopfung

Verstopfung (Obstipation): Erschwerte, verzögerte und zu seltene Darmentleerung (weniger als dreimal pro Woche), oft mit Schmerzen und hartem Stuhl. In Deutschland leidet ein Drittel der Bevölkerung zeitweise unter Verstopfung und ein Viertel der über 60-Jährigen unter chronischer Verstopfung. Von chronisch wird gesprochen, wenn die Beschwerden in den letzten 6 Monaten für mindestens drei Monate aufgetreten sind. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Die Ursachen und dementsprechend auch die Behandlungsstrategien sind vielfältig. Bei ständiger Verstopfung (funktionelle chronische Obstipation) steht – nach Ausschluss schwerwiegender Erkrankungen – eine Änderung der Lebensweise im Vordergrund. (Akute Verstopfung siehe Darmverschluss).

Symptome und Leitbeschwerden

  • Weniger als drei Stuhlentleerungen pro Woche
  • Harter Stuhlgang
  • Pressen bei der Stuhlentleerung
  • Gefühl unvollständiger Darmentleerung.

Wann in die Arztpraxis

In den nächsten Tagen, wenn

  • die Beschwerden bereits mehrere Wochen dauern.

Die Erkrankung

Eine Verstopfung kann akut, vorübergehend oder chronisch auftreten. Die akute Verstopfung, der Darmverschluss, erfordert in der Regel eine Notfalltherapie (siehe Darmverschluss). Die vorübergehende Verstopfung ist häufig situationsbedingt und kommt z. B. auf Reisen oder im Krankenhaus vor. Von einer chronischen Verstopfung spricht man, wenn im letzten halben Jahr mindestens 12 Wochen lang 2 der folgenden Symptome aufgetreten sind:

  • weniger als 3 Stühle/Woche
  • harter Stuhlgang
  • Gefühl der inkompletten Entleerung
  • Starkes Pressen
  • Gefühle der analen Blockierung
  • Nachhelfen mit der Hand bei der Stuhlentleerung (Ausräumen des Enddarms).

Ursachen und Risikofaktoren

Bewegungsmangel, ballaststoffarme Kost, zu geringe Flüssigkeitszufuhr und die Unterdrückung des Stuhldrangs werden schon seit jeher mit der chronischen Verstopfung in Verbindung gebracht. Es ist richtig, dass sich der Stuhl durch Flüssigkeitsmangel (bei älteren Menschen oft als Folge eines mangelnden Durstgefühls) und zu wenig Ballaststoffe in der Ernährung mehr und mehr verfestigt. Inzwischen geht man jedoch davon aus, dass diese Faktoren allein eine Verstopfung nicht auslösen, sondern dass sie eine funktionelle Verstopfung bei trägem Darm begünstigen oder verstärken.

Darmstörungen und Darmerkrankungen

  • Die häufigste Form der chronischen Verstopfung ist die funktionelle chronische Verstopfung. Bei ihr ist die Ursache unklar, deshalb wird sie auch idiopathische Verstopfung genannt. Typisch ist eine normale Darmpassagezeit (Kolon-Transit-Zeit), also die Zeit, die der Stuhl vom Beginn des Kolons (Dickdarm) bis zum Anus braucht. Krankhafte Veränderungen des Darms lassen sich bei dieser Art der Verstopfung nicht finden. Vermutet wird, dass ihr eine Art nervaler Störung zugrunde liegt, die durch weitere Faktoren wie ungünstige Ernährung oder Bewegungsmangel getriggert wird.
  • Ebenfalls neurologisch bedingt ist die Störung im autonomen bzw. im Dickdarm-eigenen Nervensystem. Als Folge der nervalen Störungen kontrahiert sich die Muskulatur des Dickdarms nur noch schwach oder unkoordiniert, wodurch der Stuhl viel langsamer Richtung Anus transportiert wird (Slow-Transit-Obstipation). Auch bei der Verstopfung im Rahmen eines Reizdarmsyndroms lässt sich eine verlängerte Kolon-Transit-Zeit beobachten.
  • Eher selten wird eine Verstopfung durch organische Darmerkrankungen verursacht. Hier setzt die Verstopfung innerhalb von Stunden oder Tagen ein (Darmverschluss), entwickelt sich manchmal aber auch aus chronischen Beschwerden. Ursachen sind Darmverengungen durch entzündliche Prozesse (z. B. Divertikulitis) oder gut- bzw. bösartige Wucherungen der Darmschleimhaut (z. B. Darmpolypen oder Darmkrebs).

Entleerungsstörungen

Verläuft der Transport des Darminhalts zum Enddarm störungsfrei und das Absetzen des Stuhls macht Probleme, spricht man von Entleerungsstörungen.

  • Bei der gar nicht so seltenen Beckenbodendyssynergie besteht eine Kommunikationsstörung zwischen den empfindenden und den signalgebenden Nervenfasern im Enddarmbereich: Beim Gefühl des Stuhldrangs wird der Schließmuskel deshalb nicht ent-, sondern angespannt und die Entleerung dadurch unwillkürlich blockiert.
  • Auch organische Erkrankungen wie Analfissuren oder Hämorrhoiden verursachen Verstopfung, weil der Betroffene wegen der starken Schmerzen am Anus die Entleerung unterdrückt. Häufig wird der nicht entleerte Stuhl weiter eingedickt und immer härter, was die Schmerzen beim nächsten Entleerungsversuch weiter verstärkt. Auch Verengungen im Enddarm erschweren die Entleerung, dazu gehören beispielsweise der Aftervorfall oder Mastdarmvorfall oder ein Rektumkarzinom. Schließlich kommt es auch nach gynäkologischen Eingriffen oder Erkrankungen zur Verstopfung, z. B. durch eine während der Geburt geschädigte Bindegewebsplatte zwischen Scheide und Enddarm.

Weitere Ursachen für die Verstopfung

Arzneimittel. Werden Abführmittel über einen längeren Zeitraum eingenommen, verschlimmern sie die Darmträgheit durch die vermehrte Ausscheidung von Kalium zusätzlich. Auch bei anderen Medikamenten droht als Nebenwirkung Verstopfung, vor allem bei magensäurebindenden und blutdrucksenkenden Medikamenten, Antidepressiva, Schlaf- und Beruhigungsmitteln, Kodein, Anticholinergika und Colestyramin. Bei Opiaten ist das Verstopfungsrisiko so hoch, dass Ärzt*innen meist ein Abführmittel gleich mitverordnen.

Viele Menschen reagieren auf Veränderungen im Tagesablauf mit vorübergehender Verstopfung und brauchen z. B. im Urlaub immer erst ein paar Tage, bis sich wieder eine normale Verdauung eingestellt hat. Auch fieberhafte Erkrankungen, Bettlägerigkeit und Schichtarbeit gehen häufig mit einer vorübergehenden Verstopfung (situative Obstipation) einher.

Hormonelle Ursachen. Der Darm ist in eine Vielzahl von Regelkreisen eingebunden und dadurch vielen hormonellen Einflüssen ausgesetzt. So führt z. B. eine Schilddrüsenunterfunktion zur Verstopfung, ebenso können Balancestörungen im Kalzium- oder Kaliumhaushalt die Funktion des Darmes beeinträchtigen. Auch die Schwangerschaft wirkt sich auf den Darm aus. Verantwortlich für die vor allem im 3. Trimenon auftretenden Verstopfungen ist das Schwangerschaftshormon Progesteron: Es sorgt durch seine muskelentspannende Wirkung nicht nur dafür, dass die Gebärmutter mit dem Kind mitwächst. Es entspannt auch die Muskeln anderer Hohlorgane und bewirkt dadurch eine Art physiologische Darmträgheit. Manche Frauen spüren diese Auswirkung regelmäßig in der 2. Zyklushälfte, wenn das Hormon Progesteron nach dem Eisprung vermehrt gebildet wird.

Verstopfung durch andere Erkrankungen

Verstopfungen treten auch im Rahmen anderer Erkrankungen auf, wie z. B. bei der Multiplen Sklerose oder nach Schlaganfall, aber auch bei der Sklerodermie, Diabetes mellitus und der Anorexia nervosa.

Paradoxer Durchfall

Bei langanhaltender Verstopfung entstehen durch den immer weiter eingedickten Stuhl (Kotstauung, Koprostase) Kotsteine (Kotballen), die fest im Darm sitzen und die Darmpassage behindern. In manchen Fällen wird der gestaute Stuhl verflüssigt und um das Hindernis herum als paradoxer Durchfall ausgeschieden. Dieses Phänomen kommt auch bei Dickdarmtumoren vor, die das Innere des Darms einengen. Deshalb muss beim paradoxen Durchfall immer ein Dickdarmkrebs ausgeschlossen werden.

Diagnosesicherung

Akute Verstopfung. Tritt eine Verstopfung plötzlich auf, klärt die Ärzt*in schwerwiegendere Krankheitsursachen wie Divertikulitis, Darmdivertikel oder Darmkrebs mit bildgebenden Verfahren wie Bauchultraschall und Darmspiegelung ab – vor allem, wenn weitere Symptome wie heftige Bauchschmerzen oder Blut im Stuhl hinzukommen. Ergänzend können eine Tastuntersuchung des Enddarms und eine Blutuntersuchung durchgeführt werden, um so z. B. mögliche Entzündungszeichen (erhöhte BSG, CRP, Leukozytenzahl bei Divertikulitis) und/oder okkultes Blut nachzuweisen.

Chronische Verstopfung. In einigen Fällen ist eine Laboruntersuchung sinnvoll, etwa bei Verdacht auf Schilddrüsenunterfunktion oder Abführmittelmissbrauch. Ergeben die Untersuchungen keinen Hinweis auf eine organische Erkrankung, handelt es sich mit größter Wahrscheinlichkeit um eine funktionelle Obstipation oder einen Reizdarm. Vor der Durchführung von Spezialuntersuchungen wird die Ärzt*in deshalb zunächst einen Behandlungsversuch mit Ernährungs- und Lebensstilumstellung und Abführmitteln beginnen (siehe Behandlung).

Spezialuntersuchungen

Bleibt die Verstopfung trotz mehrerer Behandlungsversuche bestehen, kommen verschiedene Spezialuntersuchungen zum Einsatz.

  • Eine Beckenbodendyssynergie weist die Ärzt*in mit einer anorektalen Manometrie nach. Dabei führt er einen Katheter in den Anus des liegenden Patienten und misst den Druck des Verschlussmuskels unter verschiedenen Bedingungen. Anhand der Werte kann die Ärzt*in erkennen, wie gut das Zusammenspiel der Beckenbodenmuskeln funktioniert.
  • Bei der Defäkografie untersucht die Ärzt*in das Absetzen des Stuhls. Dafür wird der Patient*in zunächst ein Kontrastmittel als Einlauf verabreicht. Danach setzt sie sich auf eine röntgendurchlässige Toilette und wird unter Durchleuchtung zum Kneifen, Pressen und Entleeren des Kontrastmittels aufgefordert. Mit dieser Untersuchung erkennt die Ärzt*in z. B. anatomische Hindernisse im Enddarm.
  • Die Kolon-Transit-Zeit misst die Ärzt*in wiederum, indem die Patient*in 6 Tage lang lang röntgendichte Marker einnimmt. Nach einer Woche wird anhand einer Röntgenübersichtsaufnahme deren Verbleib geprüft und die Transitzeit berechnet.
  • In sehr schweren Fällen kommen auch die sehr aufwändigen Messungen der Kolondrucke zum Einsatz (Kolonmanometrie). Diese mehrstündige Untersuchung läuft ähnlich ab wie eine Darmspiegelung und ermöglicht es den Ärzt*innen, die Beweglichkeit des Dickdarms zu prüfen.

Differenzialdiagnosen. Die wichtigste Differenzialdiagnose der chronischen Verstopfung ist der Dickdarmkrebs. Bei einer akuten Verstopfung mit Erbrechen und starken Schmerzen muss auch stets ein Darmverschluss ausgeschlossen werden.

Behandlung

Basismaßnahmen

Ziel der Therapie ist, die Darmtätigkeit durch ballaststoffreiche Kost, viel Flüssigkeit und erhöhte körperliche Aktivität wieder zu normalisieren (siehe Abschnitt Selbsthilfe unten). Reichen diese Maßnahmen nicht aus, können Betroffene die Nahrung mit weiteren nicht verdaulichen Quellstoffen, z. B. Weizenkleie und/oder Leinsamen anreichern. Wenn auch das nicht den gewünschten Erfolg bringt, wird die Nahrung mit Flohsamen und/oder Methylzellulose ergänzt. Wichtig ist, diese Mittel grundsätzlich mit viel Flüssigkeit einzunehmen, sonst verstärken sie die Verstopfung und führen im Extremfall zu einem Darmverschluss.

Hinweis: Quellstoffe sollten ohne ärztliche Rücksprache nicht länger als zwei Wochen eingenommen werden: Bei täglicher Anwendung in hoher Dosierung besteht wie bei allen Abführmitteln die Gefahr, dass dem Körper zu viel Wasser und zu viele Mineralsalze entzogen werden.

Pharmakotherapie

Reichen Basismaßnahmen nicht aus, verordnet die Ärzt*in zusätzlich stärker wirkende Abführmittel, entweder in Monotherapie oder bei starker Verstopfung auch als Kombination. Dabei geht sie in der Regel stufenweise vor:

Zunächst wird die Ärzt*in Macrogol (z. B. Movicol®), Natriumpicosulfat (z. B. Laxoberal®) oder Bisacodyl (z. B. Dulcolax®) empfehlen. Wichtig ist hier der Einnahmezeitpunkt: Natriumpicosulfat braucht etwa 10 bis 12 Stunden, um zu wirken, am besten wird es abends eingenommen. Bisacodyl wirkt etwas schneller, als Tropfen wird die Einnahme direkt vor dem Schlafengehen empfohlen. Dulcolax® gibt es auch als Zäpfchen: Weil es innerhalb von 15–30 Minuten wirkt, soll es direkt vor dem Frühstück oder Mittagessen eingeführt werden.

Versagen diese Wirkstoffe, verordnet die Ärzt*in eventuell Lactulose (z. B. Bifiteral®). Lactulose sorgt dafür, dass der Stuhl weicher und die Entleerung des Darms einfacher wird. Sie hat allerdings den Nachteil, dass sie unangenehme Blähungen verursacht und von Menschen mit Galaktoseintoleranz (angeborene Unverträglichkeit von Galaktose) nicht angewendet werden darf. Ansonsten gilt auch für Lactulose, dass eine längerfristige Anwendung nur unter ärztlicher Aufsicht erfolgen soll.

Darüber hinaus kann die Ärzt*in noch auf Anthranoide zurückgreifen. Anthranoide sind Wirkstoffe pflanzlichen Ursprungs, ihre stark abführende Wirkung beruht auf einer Reizung der Darmwand. Zudem wird die Schleimsekretion angeregt und die Rückführung von Wasser und Salzen aus dem Darm vermindert, sodass der Stuhl flüssiger, weicher und gleitfähiger ist. Je nach Wirkungsintensität löst der Wirkstoff 6–10 Stunden nach Einnahme durchfallartige Stühle aus. Anthrachinonhaltige Pflanzen sind Aloe, Cascarinde, Sennesblätter und -früchte, Faulbaumrinde, Rhabarberwurzel und Kreuzdornbeeren, wobei Aloe die stärkste und Kreuzdornbeeren die schwächste Wirkung haben. Zu den Nebenwirkungen zählen Mineralienverlust, insbesondere von Kalium, Darmschleimhautentzündungen und kolikartige Unterleibsschmerzen. Auch eine krebserregende Wirkung wird diskutiert. Deshalb werden Anthranoide nur eingesetzt, wenn andere Maßnahmen keine Linderung bewirkt haben und die Einnahme auf maximal 2 Wochen beschränkt.

Chirurgische Interventionen

Bei schwerster therapieresistenter Symptomatik gibt es die Möglichkeit der Sakralnervenstimulation. Diese Methode eignet sich für Verstopfungen mit verlängerter Kolon-Transitzeit (Slow-transit-Obstipation), weil sie als eine Art Schrittmacher den Darm stimuliert. Dazu werden in einer Operation Elektroden am Darm angebracht, nach außen geführt und unter die Haut verlegt. Über einen kleinen Schrittmacher stimuliert die Patient*in den Darm mit Hilfe der Elektroden. Bei etwa 50 % der Patient*innen mit Slow-Transit-Obstipation normalisiert der Schrittmacher die Kolon-Transit-Zeit und bessert die Verstopfung.

Spezielle Behandlung bei Entleerungsstörungen

Auch bei den Entleerungsstörungen lindern die oben genannten Basismaßnahmen (Ballaststoffe, ausreichend Flüssigkeit, Quellstoffe) die Beschwerden. Zusätzlich haben sich Zäpfchen und Klistiere bewährt, die den Stuhl erweichen und dadurch das Absetzen erleichtern (Natriumhydrogencarbonat, z. B. Lecicarbon®, Miniklistiere wie z. B. Microlax® oder Bisacodyl als Zäpfchen, z. B. Dulcolax®). Bei einer Beckenbodendyssynergie hilft häufig Biofeedbacktraining weiter. Bei dieser Methode wird eine Sonde in den Anus eingeführt, die über Lichtsignale anzeigt, wie stark die Schließmuskeln des Darms angespannt wird. Die Kontrollmöglichkeit hilft der Patient*in, seine Schließmuskeln besser zu steuern und zum richtigen Zeitpunkt zu entspannen.

Strukturelle Probleme wie z. B. einen Mastdarmvorfall oder Hämorrhoiden des 3. oder 4. Grades versorgt die Ärzt*in chirurgisch.

Weitere Erkrankungen

Liegt eine andere Erkrankung zugrunde, wird die Ärzt*in versuchen, durch Behandlung dieser Krankheit die Verstopfung zu lindern, z. B. durch Gabe von Schilddrüsenhormonen bei Schilddrüsenunterfunktion.

Prognose

Mit Lebensstiländerungen und überlegtem Abführmittelgebrauch lässt sich eine funktionelle chronische Verstopfung meist gut in den Griff bekommen.

Ihre Apotheke empfiehlt

Was Sie selbst tun können

Sofern keine behandlungsbedürftige Darmerkrankung besteht, lässt sich die Verdauung auf lange Sicht nur normalisieren, wenn Sie ungünstige Lebens- und Ernährungsgewohnheiten ändern. Die Schwerpunkte sind:

Ernährung umstellen. Vollwertkost mit einem hohen Ballaststoffanteil ist zur Beseitigung einer Verstopfung unverzichtbar. Da viele Menschen zunächst mit Unverträglichkeitsreaktionen wie Blähungen und Völlegefühl auf eine ballaststoffreiche Ernährung reagieren, sollten Sie bei der Ernährungsumstellung am besten schrittweise vorgehen, damit der Körper genug Zeit hat, sich umzugewöhnen. Anfangs erhöhen Sie den täglichen Obst- und Gemüseanteil; auch Trockenfeigen, Dörrbirnen und -pflaumen sind hierfür geeignet. Als Nächstes ersetzen Sie Weiß- oder Mischbrot durch Vollkornbrot und Müsli. Essen Sie nichts, was Ihnen nicht bekommt. Wenn Sie z. B. Weißbrot deutlich besser vertragen als Vollkornbrot, hilft vielleicht stattdessen ein täglicher Apfel, Ihre Verdauung anzuregen. Außerdem können Sie den Faseranteil im Essen erhöhen, indem Sie hin und wieder Haferflocken in Milch oder Joghurt einweichen. Sauermilchprodukte wie Joghurt oder Dickmilch sollten ebenfalls regelmäßig auf dem Speiseplan stehen. Sie wirken sich positiv auf die Darmflora aus und helfen damit, die Verdauung zu normalisieren.

Quellstoffe. Leinsamen, Weizenkleie sowie Flohsamenschalen oder indischer Flohsamen (erhältlich in Reformhäusern oder Apotheken) regen die Verdauung an und machen den Stuhl voluminöser, weicher und geschmeidiger. Diese Eigenschaften entfalten sie jedoch nur, wenn sie mit viel Flüssigkeit eingenommen werden. Bei jeder Einnahme sollten mindestens 200 ml Flüssigkeit zugeführt werden. Trocken eingenommen besteht die Gefahr von Verstopfung bis hin zum Darmverschluss. Zu Beginn der Behandlung kommt es häufig vermehrt zu Blähungen. Um diesen vorzubeugen, empfiehlt es sich, mit einer niedrigen Quellstoffmenge zu beginnen und diese langsam zu steigern. In vielen Fällen genügt eine Tagesdosis von ein bis zwei Teelöffeln. Flohsamenschalen und indischer Flohsamen sind auch in Form von Fertigarzneimittel erhältlich, zum Beispiel Mucofalk® oder Metamucil®. Nehmen Diabetiker*innen Quellstoffe ein, ist eventuell die Insulindosis anzupassen.

Ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Trinken Sie mindestens 2 l pro Tag und steigern Sie Ihre Trinkmenge eventuell auf 3 l, wenn Sie Ihre Ernährung auf eine überwiegend ballaststoffreiche Kost umstellen. Da Ballaststoffe stark quellen, verstärken sie bei einer zu geringen Flüssigkeitsaufnahme zunächst die Verstopfung.

Regelmäßige Bewegung. Wenn kein regelmäßiger Sport möglich ist, lässt sich bestimmt ein Spaziergang von 20–30 Minuten Dauer in den Tagesablauf einfügen. Fehlt Ihnen auch dafür die Zeit, sollten Sie sich angewöhnen, Treppen zu laufen und konsequent auf Lift und Rolltreppen zu verzichten.

Sanfte Anregung der Darmtätigkeit. Ein Glas lauwarmes Wasser oder Obstsaft als Morgentrunk gleich nach dem Aufstehen regt die Darmtätigkeit ebenso an (gastrokolischer Reflex) wie eine 10-minütige Morgenmassage, bei der man beide Hände auf den Bauch legt und dann wiederholt mit sanftem Druck im Uhrzeigersinn nach unten streicht. Eine Wärmflasche, feuchtwarme oder trockenwarme Wickel, z. B. mit Schafgarbe oder Heilerde, für den Unterbauch lindern Druckgefühle und steigern ebenfalls die Darmtätigkeit.

Stuhltraining. Achten Sie auf Körpersignale: Suchen Sie bei Stuhldrang stets möglichst rasch die Toilette auf und unterdrücken Sie ihn nicht. Möglicherweise bietet es sich an, den Darm zu "erziehen", indem man sich jeden Tag etwas Zeit nimmt und immer zur gleichen Uhrzeit auf die Toilette geht.

Klistiere. Wenn in akuten Fällen nichts anderes hilft, ist die Anwendung eines Klistiers sinnvoll und ungefährlich. Praktisch sind Fertigprodukte auf Glyzerinbasis, die rezeptfrei in der Apotheke erhältlich sind.

Komplementärmedizin

Pro- und Präbiotika. Die gezielte Zufuhr von Darmbakterien wirkt ausgleichend auf die Mikroflora des Verdauungstrakts. Bei der Auswahl von geeigneten Bakterien wie etwa Bifidus, der E. coli Stamm Nissle oder Lactobazillen unterstützen Ärzt*in oder Apotheker*in.

Homöopathie. Mittel der Hömöopathie sind bei Verstopfung u. a. Alumina, Bryonia, Calcium carbonicum, Nux vomica und Sulfur. Zudem stehen homöopathische Komplexmittel (z. B. Bryonia Pentarkan®) zur Verfügung.

Kolonhydrotherapie (Colon-Hydro-Therapie). Verstopfung ist eine klassische Indikation der Kolonhydrotherapie, einer Weiterentwicklung der Darmspülung. Hierbei wird der Dickdarm mit rund 10 l Wasser (25–41 °C) durchspült. Für den Ein- und Ablauf wird ein spezieller Apparat benutzt. Die Wirksamkeit der Therapie bei Verstopfung erscheint vielen Patient*innen zwar plausibel, ist aber wissenschaftlich gesehen fraglich, es existiert bisher kein wissenschaftlicher Nachweis darüber; eine andere, behandlungsbedürftige Darmerkrankung sollte aber vorher sicher ausgeschlossen sein.

Kritiker*innen verweisen zudem auf die Risiken: So werden neben dem mechanischen Spülen und Entleeren des Darmes auch die lebensnotwendigen Darmkeime ausgeschwemmt und abgesehen von Nebenwirkungen wie Darmkrämpfen, Übelkeit und Brechreiz sind Fälle von Darmperforationen oder Darmblutungen bekannt. Auf der anderen Seite profitieren viele Betroffene von der Therapie (was aber für Anwendungen von Klistieren und anderen Darmspülungen gleichermaßen gilt), weshalb viele Autor*innen diese als risikoärmere und preisgünstigere Alternativen empfehlen.

Hinweis: Patient*innen mit Kreislaufschwäche dürfen die Kolonhydrotherapie nicht anwenden.

Von: Dr. med. Arne Schäffler, Dr. Bernadette Andre-Wallis in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung: Dr. med. Sonja Kempinski
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Was tun bei Hämorrhoiden?

Hämorrhoiden sind weit verbreitet – fast jeder Erwachsene macht mit ihnen Bekanntschaft.

Was tun bei Hämorrhoiden?

Probleme mit der Kehrseite

Hämorrhoiden sind weit verbreitet – und trotzdem spricht kaum jemand darüber. Dabei hat fast jeder Erwachsene im Laufe des Lebens Beschwerden im Analbereich. Die gute Nachricht: In vielen Fällen lassen sich die Symptome mit einfachen Maßnahmen lindern. Und falls das nicht ausreicht, gibt es wirksame Behandlungen bis hin zu schonenden Eingriffen.

Hämorrhoiden – was ist das eigentlich?

Der Begriff „Hämorrhoiden“ wird oft verwendet, als wären sie eine Krankheit. Tatsächlich hat jeder Mensch Hämorrhoiden. Denn dabei handelt es sich um gut durchblutete Gefäßpolster im Enddarm, die gemeinsam mit dem Schließmuskel dafür sorgen, dass der Darm zuverlässig dicht bleibt.

Problematisch werden Hämorrhoiden erst, wenn sie sich vergrößern oder nach außen vorwölben. Fachleute sprechen dann von einem Hämorrhoidalleiden – kurz „Hämorrhoiden“. Die Beschwerden können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen, sind aber in den meisten Fällen gut behandelbar.

Hinweis: Männer und Frauen sind etwa gleich häufig von Hämorrhoiden betroffen. Das Risiko steigt jedoch mit zunehmendem Alter deutlich an.

Wie machen sich Hämorrhoiden bemerkbar?

Die Symptome hängen davon ab, wie stark die Hämorrhoiden vergrößert sind. Typische Beschwerden sind: 

  • Juckreiz, Brennen oder Nässen am After
  • Druck- oder Fremdkörpergefühl 
  • Schmerzen, insbesondere bei gereizten oder entzündeten Hämorrhoiden 
  • hellrote Blutspuren auf dem Toilettenpapier oder im Stuhl 
  • Schwierigkeiten beim Abwischen
  • ein Vorwölben oder Heraustreten von Gewebe beim Stuhlgang

Hellrote Blutungen sind zwar ein häufiges Zeichen für Hämorrhoiden, sollten aber immer ärztlich abgeklärt werden. Denn auch andere Erkrankungen des Enddarms oder Darms können Blutungen verursachen.

Hinweis: Kinder entwickeln nur sehr selten Hämorrhoiden. Treten bei ihnen Blutungen oder Knoten am After auf, steckt meist eine andere Ursache dahinter. In diesen Fällen ist ein Besuch bei der Kinderärzt*in ratsam.

Alter und Druck begünstigen Hämorrhoiden

Warum sich die Gefäßpolster im Enddarm vergrößern, ist nicht immer eindeutig zu klären. Meist kommen mehrere Faktoren zusammen. Dazu gehört zunächst einmal das Alter. Mit zunehmendem Alter verliert das Bindegewebe an Elastizität, wodurch die Hämorrhoidalpolster leichter nach unten rutschen oder sich vorwölben. Deshalb treten Hämorrhoiden besonders häufig ab dem mittleren Lebensalter auf.

Als wichtigster Risikofaktor gilt allerdings die chronische Verstopfung. Ist der Stuhlgang nur unter starkem Pressen erfolgreich, steigt der Druck im Enddarm deutlich an. Dadurch werden die Hämorrhoidalpolster immer wieder belastet und können sich mit der Zeit vergrößern. Langes Sitzen auf der Toilette – etwa beim Lesen oder Scrollen auf dem Smartphone – gilt ebenfalls als ungünstig. Eine aktuelle Studie fand einen Zusammenhang zwischen häufiger Smartphone-Nutzung auf der Toilette und einem erhöhten Risiko für Hämorrhoiden.

Auch die Ernährung spielt eine Rolle. Wer wenig Ballaststoffe aufnimmt und zu wenig trinkt, hat häufig harten Stuhl. Dadurch wird nicht nur der Stuhlgang erschwert. Der harte Stuhl kann beim Pressen die empfindliche Schleimhaut verletzen.

Übergewicht begünstigt das Hämorrhoidalleiden dadurch, dass der Druck im Bauchraum höher wird. Dadurch wird der venöse Abfluss aus den Gefäßpolstern erschwert, das Blut staut sich und die Hämorrhoiden schwellen an und vergrößern sich. Erhöhter Druck im Bauchraum ist auch einer der Gründe, warum Schwangere oft Hämorrhoiden entwickeln. Ein weiterer sind die Schwangerschaftshormone, die das Bindegewebe zusätzlich lockern.

Hinweis: Hämorrhoiden entstehen nicht durch mangelnde Hygiene. Auch scharfes Essen verursacht sie nicht, kann bereits bestehende Beschwerden jedoch gelegentlich verstärken.

Beschwerden abklären und Ursachen finden

Probleme im Analbereich sind immer noch mit Scham verbunden. Deshalb schieben viele Menschen den Besuch bei einer Ärzt*in lange hinaus. Dabei ist die Untersuchung bei Verdacht auf Hämorrhoiden Routine und dauert meist nur wenige Minuten. Wichtig ist die Abklärung aber auch deshalb, weil Beschwerden wie Blutungen, Schmerzen oder ein Fremdkörpergefühl nicht immer durch Hämorrhoiden verursacht werden – manchmal kann z. B. auch ein Darmkrebs dahinterstecken.

Unbedingt in die ärztliche Praxis sollte man, wenn 

  • Blutungen auftreten, 
  • starke Schmerzen bestehen, 
  • sich die Beschwerden trotz Selbstbehandlung nicht bessern, 
  • Hämorrhoiden immer wiederkehren, 
  • ein Knoten plötzlich stark schmerzt oder anschwillt, 
  • ungewollter Gewichtsverlust oder Veränderungen der Stuhlgewohnheiten hinzukommen.

Die Diagnose stellt die Ärzt*in in der Regel anhand der Beschwerden und einer Untersuchung des Analbereichs. Schon sicht- und tastbare Veränderungen können auf vergrößerte Hämorrhoiden hinweisen. Zur endgültigen Diagnose ist häufig eine Spiegelung des Enddarms erforderlich.

Dabei führt die Ärzt*in vorsichtig ein 8 bis 15 cm langes Endoskop in den Enddarm ein. So können die Hämorrhoidalpolster direkt betrachtet und Größe sowie Ausmaß der Veränderungen beurteilt werden. Die Untersuchung dauert meist nur wenige Minuten und ist in der Regel nicht schmerzhaft. Ein spezielles Abführen wie bei der Darmspiegelung ist normalerweise nicht erforderlich. Anhand der Ergebnisse werden Hämorrhoiden in vier Schweregrade eingeteilt. Das hilft, die jeweils passende Behandlung auszuwählen.

Was kann ich selbst gegen Hämorrhoiden tun?

Bei leichten Beschwerden helfen oft schon Änderungen der Lebensgewohnheiten. Ziel ist es, den Stuhl weich zu halten und starkes Pressen zu vermeiden.

  • Ballaststoffe erhöhen. Empfohlen werden täglich etwa 20 bis 30 Gramm Ballaststoffe. Sie binden Wasser, vergrößern das Stuhlvolumen und erleichtern die Darmentleerung. Geeignete ballaststoffreiche Lebensmittel sind Obst und Gemüse, Vollkornbrot und Haferflocken, Hülsenfrüchte, Nüsse und Samen. Wer bisher wenig Ballaststoffe gegessen hat, sollte die Menge langsam steigern, damit es nicht zu Blähungen kommt.
  • Ausreichend trinken. Ballaststoffe können ihre Wirkung nur entfalten, wenn genügend Flüssigkeit aufgenommen wird. Empfehlenswert sind etwa fünf bis sechs Gläser Wasser pro Tag, bei Hitze oder körperlicher Aktivität entsprechend mehr.
  • Nicht pressen. Starkes Pressen erhöht den Druck auf die Gefäßpolster. Deshalb sollte man sich ausreichend Zeit für den Toilettengang nehmen, ohne zu drücken. Wichtig ist auch, die Toilette beim Verspüren des Stuhldrangs aufzusuchen und den Toilettengang nicht unnötig hinauszuschieben.
  • Nicht zu lange auf der Toilette sitzen. Langes Sitzen – z. B. mit dem Smartphone oder einer Zeitung – kann den Druck auf die Hämorrhoiden und damit die Beschwerden verstärken. Der Toilettengang sollte deshalb möglichst kurz und ohne langes Verweilen erfolgen.
  • Mehr bewegen. Regelmäßige körperliche Aktivität regt die Darmtätigkeit an und kann Verstopfung vorbeugen. Bereits tägliche Spaziergänge sind dabei hilfreich.

Tipp: Häufiges Heben oder Tragen schwerer Lasten erhöht den Druck im Bauchraum und belastet bestehende Hämorrhoiden zusätzlich. Achten Sie beim Heben auf eine rückenschonende Technik und vermeiden Sie unnötig schwere Lasten.

Den Analbereich sanft behandeln

Bei Hämorrhoiden ist eine sanfte Pflege besonders wichtig. Zu kräftiges Reiben, häufiges Waschen oder aggressive Reinigungsmittel können die empfindliche Haut und Schleimhaut zusätzlich reizen und Juckreiz oder Brennen verstärken.

Am besten reinigen Sie den Analbereich nach dem Stuhlgang möglichst schonend: 

  • Verwenden Sie lauwarmes Wasser zur Reinigung. Ein weicher Waschlappen oder die Dusche eignen sich besser als starkes Reiben mit Toilettenpapier.
  • Tupfen Sie die Haut anschließend vorsichtig trocken, statt zu rubbeln. Feuchtigkeit im Analbereich kann Hautreizungen begünstigen.
  • Verzichten Sie auf parfümierte Feuchttücher, Duftseifen oder aggressive Intimwaschlotionen. Sie können die natürliche Schutzbarriere der Haut stören und Reizungen auslösen. 
  • Vermeiden Sie häufiges Nachreinigen, wenn kein Stuhl mehr vorhanden ist. Zu viel Reibung belastet die Haut.

Hinweis: Eine gute Analhygiene bedeutet nicht, den Bereich „steril“ zu reinigen. Die Haut rund um den After besitzt eine natürliche Schutzfunktion, die durch zu intensive Pflege eher geschwächt werden kann.

Wie Medikamente helfen können

Medikamente können die Beschwerden eines Hämorrhoidalleidens lindern, die vergrößerten Hämorrhoiden selbst jedoch nicht dauerhaft beseitigen. Sie werden vor allem eingesetzt, um unangenehme Symptome wie Juckreiz, Brennen, Nässen oder Reizungen im Analbereich zu reduzieren.

Welche Behandlung geeignet ist, hängt von den Beschwerden und dem Stadium der Hämorrhoiden ab. Bei akuten, leichten Beschwerden können frei verkäufliche Präparate aus der Apotheke häufig eine zeitweise Erleichterung bringen. Zur lokalen Behandlung stehen verschiedene Präparate zur Verfügung. Sie werden direkt im Analbereich angewendet und können die gereizte Haut beruhigen: 

  • Salben und Cremes werden vor allem bei Beschwerden im äußeren Analbereich eingesetzt und können Juckreiz, Brennen und Hautreizungen lindern. 
  • Zäpfchen eignen sich besonders bei Beschwerden durch innere Hämorrhoiden, da der Wirkstoff direkt im Enddarm freigesetzt wird.
  • Analtampons sind spezielle Zäpfchen. Durch einen kleinen Mullanteil bleiben sie bei inneren Hämorrhoiden länger im Bereich der Schleimhaut und können dort länger wirken.

Viele rezeptfreie Präparate enthalten pflanzliche Wirkstoffe, Gerbstoffe oder lokal beruhigende Substanzen. Sie können vor allem bei leichten bis mäßigen Beschwerden hilfreich sein.

Einige Wirkstoffe, zum Beispiel Hydrokortison-haltige Präparate, sind verschreibungspflichtig und sollten nur nach ärztlicher Empfehlung angewendet werden. Sie kommen bei ausgeprägtem Juckreiz oder entzündlichen Beschwerden zum Einsatz.

Hinweis: Präparate mit Hydrokortison dürfen nicht langfristig angewendet werden, da sie die empfindliche Haut und Schleimhaut im Analbereich schädigen können.

Wenn Hausmittel und Medikamente nicht mehr ausreichen

Bleiben die Beschwerden trotz der genannten Maßnahmen bestehen oder treten Hämorrhoiden immer wieder auf, können ambulante Eingriffe sinnvoll sein. Ihr Ziel ist, die vergrößerten Hämorrhoiden zu entfernen.

  • Gummibandligatur: Die Gummibandligatur ist eines der häufigsten Verfahren zur Behandlung von inneren Hämorrhoiden. Sie erfolgt im Rahmen einer Enddarmspiegelung (Proktoskopie). Dabei legt die Ärzt*in mit einem speziellen Instrument ein kleines Gummiband um die Basis der Hämorrhoide. Die Blutzufuhr wird unterbrochen und das Gewebe stirbt innerhalb von sieben bis vierzehn Tagen ab. Oft sind mehrere Sitzungen im Abstand von einigen Wochen nötig. Bei vielen Betroffenen lassen sich die Beschwerden deutlich bessern. Allerdings können Hämorrhoiden später erneut auftreten. Man schätzt, dass dies nach etwa jeder zehnten Gummibandligatur passiert.
  • Sklerotherapie: Bei der Sklerotherapie wird eine spezielle Substanz (z. B. Phenol) in die Hämorrhoide eingespritzt. Dadurch schrumpft das Gewebe. Im Vergleich zur Gummibandligatur ist die Methode meist etwas angenehmer und verursacht weniger Schmerzen nach dem Eingriff. Allerdings ist sie bei Blutungen und vorfallenden Hämorrhoiden häufig weniger wirksam.
  • Infrarotkoagulation: Auch die Infrarotkoagulation gehört zu den ambulanten Verfahren. Sie kommt am ehesten bei kleinen inneren Hämorrhoiden zum Einsatz. Dabei wird das Gewebe mithilfe von Wärme behandelt, oft sind mehrere Behandlungen nötig. Die Methode gilt ebenfalls als nicht so effektiv wie die Gummibandligatur.

Wann ist eine Operation notwendig?

Größere Hämorrhoiden, insbesondere fortgeschrittene Befunde, gemischte Hämorrhoiden oder Beschwerden, die auf andere Behandlungen nicht ansprechen, können eine Operation erforderlich machen. Es gibt verschiedene Verfahren, die je nach Lage und Ausmaß der Hämorrhoiden und dem Wunsch der Patient*in gewählt werden.   

Bei der klassischen Hämorrhoidektomie entfernt die Ärzt*in die vergrößerten Hämorrhoiden operativ. Der Vorteil: Eine vollständige und dauerhafte Beschwerdefreiheit wird häufiger erreicht als nach einer Gummibandligatur. 

Bei der Stapler-Hämorrhoidopexie nach Longo wird das Hämorrhoidalgewebe nicht herausgeschnitten, sondern das vorgefallene Gewebe mit einem Klammergerät angehoben und weiter oben im Darm befestigt. Dieses Verfahren gilt als weniger schmerzhaft als die Hämorrhoidenentfernung und eignet sich insbesondere für vorgefallene Hämorrhoiden. 

Im Rahmen der HAL-RAR-Methode unterbindet die Ärzt*in zuerst die zuführenden Blutgefäße der Hämorrhoiden. Anschließend wird das vorgefallene Gewebe mit Nähten gestrafft.

Eine weitere Möglichkeit sind Laserverfahren. Dabei wird das vergrößerte Gewebe mit Laserenergie verkleinert. Diese Methode ist ebenfalls eher schonend, wird aber nicht überall angeboten.

Wie bei jeder Operation können auch bei der Hämorrhoiden-Entfernung Komplikationen auftreten. Dazu gehören unter anderem: 

  • Schmerzen 
  • Nachblutungen 
  • vorübergehender Harnverhalt 
  • in seltenen Fällen Probleme mit der Stuhlkontinenz

Nach einer Hämorrhoiden-Operation braucht der Analbereich Zeit, um zu heilen. Da die Wunde beim Stuhlgang immer wieder belastet wird, sind in den ersten Tagen und Wochen eine gute Pflege und vor allem ein weicher Stuhl besonders wichtig. Dabei gelten die gleichen Regeln und Maßnahmen wie bei der konservativen Behandlung des Hämorrhoidalleidens.

Hinweis: Nach der Operation treten meist Schmerzen im Analbereich auf. Damit diese nicht dazu führen, dass der Stuhlgang vermieden wird und es zu Verstopfung kommt, verschreibt die Ärzt*in meist ein geeignetes Schmerzmittel.

Quelle: Leitlinie Hämorrhoidalleiden (in Überarbeitung), Medical Tribune

Von: Dr. med. Sonja Kempinski; Bild: mauritius images / Onoky / Christophe Lehenaff