Gesundheit heute
Wurmerkrankungen
Wurmerkrankungen (Helminthosen): Durch Wurmbefall verursachte Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts und anderer Organe wie Lunge, Leber und Gehirn. Zu den wichtigsten Würmern, die den Menschen befallen, gehören Bandwürmer (Cestoden), Fadenwürmer (Nematoden) und Saugwürmer (Trematoden). Viele Wurmerkrankungen sind mit Wurmmitteln gut behandelbar. Beim Hundebandwurm oder Saugwürmern hängt die Prognose davon ab, wie sehr befallene Organe zerstört wurden. Wer sich mit Fuchsbandwurm infiziert, ist häufig auf eine lebenslange Therapie angewiesen.
Symptome und Leitbeschwerden
- Oft nur vage Beschwerden, z. B. Druck im Oberbauch oder leichte Bauchschmerzen
- Juckreiz und Hautveränderungen in der Analgegend
- Sichtbare Ausscheidung von Würmern oder Wurmteilen im Stuhl
- Gewichtsabnahme, Blässe und Schwäche (Blutarmut)
- Gelbsucht, Reizhusten, Atemnot (Hunde- oder Fuchsbandwurm)
- Fieber, Kopfschmerzen, Bauchschmerzen sowie Blut im Stuhl oder Urin nach Afrika- und Asienreisen (Schistosomen).
Wann zum Arzt
In den nächsten Tagen, wenn
- Würmer oder Wurmteile im Stuhl zu sehen sind
- bisher nicht bekannter Juckreiz in der Analregion auftritt
- seit längerem unspezifische Bauchschmerzen bestehen
- sich die Bindehäute gelblich färben
- Reiserückkehrer Fieber oder unerklärliche Allgemeinbeschwerden entwickeln
- Blut in Stuhl oder Urin auftritt.
Die Erkrankungen
Wurmerkrankungen sind weltweit verbreitet. Meistens erfolgt die Ansteckung über den Verzehr von infektiösem rohem oder nicht ausreichend gegartem Fleisch oder ungewaschenem, mit Fäkalien verunreinigtem Gemüse, Salat oder Obst. Die bevorzugt befallenen Organe und die Vermehrungszyklen unterscheiden sich von Wurmart zu Wurmart.
Fadenwürmer (Madenwürmer, Spulwürmer und Trichinen)
Zu den Fadenwürmern (Nematoden) gehören u. a. die Madenwürmer (Oxyuren, Enterobius vermicularis), die auch in unseren Breitengraden weit verbreitet sind. Über verunreinigte Nahrung, Spielzeug oder Wäsche stecken sich besonders Kinder im Kindergarten- oder Grundschulalter an. Die etwa 12 mm langen Würmer siedeln sich im unteren Dünndarmbereich, im Dickdarm und im Wurmfortsatz an. Nachts kriechen die Weibchen aus der Analöffnung und legen um den Anus herum ihre Eier ab. Das führt zu starkem Juckreiz am Darmausgang. Der Befallene kratzt sich, fasst mit den verunreinigten Händen Verschiedenes an und verhilft so den Madenwürmern zur weiteren Ausbreitung.
Die Eier von Spulwürmern (Ascaris lumbricoides) werden meistens mit verseuchtem Gemüse aufgenommen und landen so im Dünndarm des Menschen. Im Darm schlüpfen die Spulwurmlarven, gelangen durch die Darmwand ins Blut und über den Blutkreislauf in die Leber und die Lunge. Von dort wandern die Larven bis zum Kehlkopf, werden geschluckt und erreichen so wieder den Dünndarm. Jetzt haben sie ihre Wanderung abgeschlossen und wachsen zu bis zu 40 cm langen reifen Würmern heran. Die Betroffenen leiden während der Durchwanderung der Lunge oft unter leichtem Fieber, Husten und anderen grippeähnlichen oder auch asthmaartigen Beschwerden. Der Wurmbefall des Darms löst Bauchschmerzen aus; die Würmer können Knäuel im Darm bilden und so einen mechanischen Darmverschluss verursachen. In manchen Fällen verschließen wandernde Würmer den Gallengang, wodurch es zur Gelbsucht oder Gallenkolik kommt.
Trichinen (Trichinella spiralis): Trichinen befallen Haus- und Wildschweine und werden beim Verzehr von rohem Schweinefleisch vom Menschen aufgenommen. Die von ihnen verursachte Trichinose ist in Deutschland wegen der gesetzlich vorgeschriebenen Fleischbeschau sehr selten geworden. In Osteuropa und Nordamerika ist sie aber immer noch weit verbreitet. Der Wurmbefall im Darm verursacht wässrige Durchfälle, Übelkeit, Erbrechen und leichtes Fieber. Befallen die Larven die Muskulatur, kommt es zu Muskelschmerzen, Wassereinlagerungen im Gewebe und später eventuell zu anhaltenden rheumatischen Beschwerden. Lebensgefahr besteht, wenn Trichinen zum Herz gelangen und z. B. Herzmuskelentzündung verursachen. Kapseln sich Larven im Gehirn ab, treten außerdem neurologische Beschwerden auf.
Rinder- und Schweinebandwurm
Der Mensch infiziert sich vor allem durch rohes oder nicht ausreichend gegartes Fleisch mit den Finnen (Jungform = Larve des Bandwurms) von Rinderbandwurm (Taenia saginata) und Schweinebandwurm (Taenia solium). Die Finnen wachsen im Darm zum reifen Bandwurm heran, der aus einem Kopf, einem Halsteil und den daraus gebildeten Bandwurmgliedern (Proglottiden) besteht. Mit dem Stuhl werden einzelne Bandwurmglieder ausgeschieden. Die meisten Menschen haben nur sehr geringe Beschwerden, wenn sie an einer Bandwurmerkrankung leiden. Auffällig sind vor allem Appetitlosigkeit im Wechsel mit Heißhunger und Gewichtsabnahme trotz regelmäßigen Essens. Selten wandern Bandwurmglieder in den Blinddarm oder den Bauchspeicheldrüsengang; wo sie eine akute Blinddarmentzündung oder eine Bauchspeicheldrüsenentzündung verursachen können.
Nimmt ein Mensch die Bandwurmeier (nicht die Finnen) des Schweinebandwurms auf – was auch durch Selbstinfektion möglich ist – entwickeln sich im menschlichen Körper Larven (Zystizerken). Diese wandern vom Darm über die Blutgefäße in Muskeln und Organe (Zystizerkose). Bei einem Befall der Augen droht Erblinden, beim Eindringen in das zentrale Nervensystem Krampfanfälle. Bleibt der Befall auf die Muskeln beschränkt, klagen die Betroffenen über Muskelschmerzen. Oberflächlich in Haut oder Muskeln liegende Larven lassen sich oft als kleine Knoten ertasten.
Hunde- und Fuchsbandwurm (Echinokokkosen)
Echinokokkosen gehören zu den gefährlichsten Wurmerkrankungen. Die Infektion erfolgt durch Kontakt mit infizierten Füchsen, Hunden oder Katzen. Denkbar ist auch eine Infektion durch den Verzehr ungewaschener Heidel- oder Walderdbeeren, die aufgrund ihres niedrigen Wuchses oft mit Ausscheidungen von Füchsen verunreinigt sind. Aus den aufgenommenen Eiern entwickeln sich im Darm Larven, die über die Blutgefäße vor allem in die Leber und seltener in die Lunge und andere Organe wandern. Die Inkubationszeit kann Wochen bis Jahre dauern.
- Hundebandwurm (Echinococcus granulosus): Der Hundebandwurm bildet eine große Zyste in der Leber, in der sich zahlreiche neue Larven entwickeln. Beschwerden wie Oberbauchschmerzen treten oft erst auf, wenn die Zyste sehr groß ist und im Bauchraum andere Organe oder Gewebe mechanisch verdrängt. Drückt die Zyste auf die Gallenwege, droht ein Verschlussikterus. Platzt die Zyste, können die ausgeschwemmten Larven zu einem eventuell tödlichen allergischen Schock führen. Auch die Lunge ist oft von Zysten befallen, die Folge sind Atemnot und Reizhusten, manchmal mit blutigem Auswurf. Häufig heilt die Krankheit aber auch von allein wieder aus.
- Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis): Der Befall mit dem Fuchsbandwurm zählt zu den schwersten Wurmerkrankungen unserer Klimazone und den schwersten Lebererkrankungen überhaupt. Der Fuchsbandwurm bildet in der Leber mehrere kleine Zysten, die tumorartig in umliegende Gewebe und Organe einwachsen und diese zerstören. An erster Stelle ist die Leber betroffen, aber auch Lunge, Herz, Milz und Gehirn werden oft befallen. Schäden an diesen Organen lassen sich meist nicht verhindern, auch wenn rechtzeitig therapiert wird.
Saugwürmer
Schistosomen (Schistosoma haematobium, mansoni oder japonicum): Die zu den Trematoden gehörenden Saugwürmer kommen vor allem in Afrika, Südamerika und Asien vor. Inzwischen bringen auch immer mehr Fernreisende Schistosomen als Reisesouvenir mit nach Hause.
Die Larven der Würmer entwickeln sich in Süßwasserschnecken und dringen über die Haut in den Menschen ein, z. B. beim Baden in Flüssen und Seen oder beim Waten durch Pfützen. Im Menschen gelangen sie in die Leber, reifen dort heran und wandern dann in Darm oder Blase. Dort legen die Würmer ihre Eier, die dann über Stuhl und Urin wieder zurück in die Gewässer gelangen. Eier, die im Körper verbleiben, führen zu Entzündungen, wobei die Symptome vom jeweiligen Organbefall abhängen.
Die eigentlichen Symptome treten erst Wochen bis Monate später auf, z. B. Fieber, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Husten und Bauchschmerzen. Dahinter steckt eine allergische Reaktion auf die Würmer und ihre Eier. Häufig klingt die Erkrankung von selbst wieder ab, schwere Verläufe mit einem Befall von Gehirn und Herz sind jedoch auch möglich.
Diagnosesicherung
Findet der Arzt bei der mikroskopischen Stuhluntersuchung Wurmeier, ist eine Infektion bewiesen. Bandwurmglieder vom Rinder- und Schweinebandwurm sind schon mit bloßem Auge im Stuhl erkennbar. Die Eier von Spulwürmern lassen sich nachweisen, indem man ein Stück Tesafilm auf den Darmausgang klebt. Die am Tesa klebenden Eier lassen sich dann unter dem Mikroskop erkennen.
Hunde- und Fuchsbandwurmbefall werden in ~ 85 % der Fälle über Antikörper im Blut nachgewiesen. Die Zysten in der Leber erkennt der Arzt meist gut in Ultraschall oder CT.
Verdacht auf akute Schistosomiasis bei Reiserückkehrern. Etwa 5–12 Wochen nach der vermutlichen Infektion ist es möglich, die Eier der Saugwürmer im Stuhl nachzuweisen. Eine Alternative ist der Test auf Antikörper im Blut. Differenzialdiagnose. Tumoren, Abszesse und eine Tuberkulose der Leber können vor allem in der bildgebenden Diagnostik ähnlich aussehen wie die Leberzysten von Hunde- oder Fuchsbandwurm.
Behandlung
Wurmmittel (Anthelmintika) reichen fast immer aus, um Erkrankungen durch Rinder- und Schweinebandwürmer sowie durch Fadenwürmer zu bekämpfen. Sie werden bei kurzer Behandlungsdauer meistens gut vertragen. Häufig eingesetzte Wirkstoffe sind
- Pyrantel (z. B. Helmex®, auch als Saft), das auf Wurmarten lähmend wirkt, wodurch die Würmer lebend mit dem Stuhl ausgeschieden werden
- Albendazol (z. B. Eskazole® in Tablettenform) bzw. Mebendazol (z. B. Vermox® in Tablettenform), die die Nährstoffaufnahme der Würmer blockieren, sodass diese sterben und dann ebenfalls über den Darm ausgeschieden werden.
- Je länger die Therapie dauert, umso stärker treten Nebenwirkungen wie Bauchschmerzen, Übelkeit und Durchfall auf.
Schwierig ist die Therapie bei Hunde- und Fuchsbandwürmern. Beim Hundebandwurm werden die Zysten operativ entfernt oder der Inhalt vorsichtig abgesaugt. Manchmal spritzen die Ärzte auch 95 %igen Alkohol in die Zyste, um sie zu zerstören. Begleitend erfolgt die Einnahme von Wurmmitteln.
Beim Fuchsbandwurm gelingt den Ärzten die vollständige Entfernung der Zysten nur in einem Viertel der Fälle. Auch wenn Zysten operativ entfernt wurden, ist eine Behandlung mit Wurmmitteln noch für weitere zwei Jahre erforderlich. Ist keine Operation möglich, müssen Infizierte häufig lebenslang hochdosierte Wurmmittel einnehmen.
Die akute Schistosomiasis lässt sich gut mit Wurmmittel bekämpfen. Bei der akuten Form warten die Ärzte zunächst ab und behandeln nur symptomatisch. So wird ausgeschlossen, dass zu schnell eine zu große Menge an Würmern abstirbt und es dadurch zu einer allergischen Krise kommt. Nach Abklingen des Fiebers wird dann Praziquantel (z. B. Biltricide®) verabreicht. Organbeteiligungen bei der chronischen Schistosomiasis werden entsprechend der Beschwerden und Befunde behandelt.
Prognose
Fadenwürmer, Rinder- und Schweinebandwürmer lassen sich mit Medikamenten leicht therapieren und die Prognose ist nach der Therapie gut.
Die Infektion mit Schistosomen ist mit Wurmmitteln ebenfalls gut behandelbar. Wie gut sich eventuell betroffene Organe wieder erholen, hängt vom Ausmaß des Befalls ab. War bei der Erkrankung die Blase beteiligt, erhöht sich das spätere Risiko für einen Blasenkrebs.
Hunde- und Fuchsbandwurmzysten dagegen vergleichen manche Ärzte zu Recht mit einem bösartigen Tumor – hier hängt die Prognose ab von der durch die Zysten verursachten Zerstörung von Leber oder Lunge. Der Befall mit dem Fuchsbandwurm ist dabei gefährlicher als mit dem Hundebandwurm: Nur ein Drittel der mit einem Fuchsbandwurm infizierten Patienten lebt 10 Jahre nach der Diagnosestellung noch.
Ihr Apotheker empfiehlt
Prävention
Vor Wurminfektionen können Sie sich schützen, indem Sie sich vor jedem Essen die Hände waschen. Haustiere sollte man regelmäßig beim Tierarzt entwurmen lassen (bei Kleinkindern im Haushalt evtl. sogar monatlich), Hundekot an den Schuhen stets gründlich entfernen und nicht ins Haus tragen. Hindern Sie Ihre Kinder daran, sich am Po zu kratzen. Häufiges Händewaschen und kurz geschnittene Fingernägel unterstützen diese Basismaßnahmen.
Die früher verbreitete Warnung, niedrig wachsende Waldbeeren wie Heidelbeeren oder Walderdbeeren wegen einer möglichen Verseuchung mit Fuchsbandwurmeiern zu meiden, gilt heute als überholt.
Verzehren Sie Fleisch aus Hausschlachtung nur dann, wenn Sie sicher sind, dass die vorgeschriebene Fleischbeschau durchgeführt wurde.
Meiden Sie bei Reisen nach Afrika, Südamerika und Asien Süßwasserkontakt! Baden Sie nicht in Seen oder Flüssen, tragen Sie hohe Gummistiefel, wenn Sie durch Pfützen oder Bäche waten und Schutzkleidung, wenn Sie im Wasser arbeiten müssen.
Probiotika werden vor allem als Kapseln, Pulver, Tropfen oder Trinklösungen angeboten.
Darmbakterien als Gesundheitshelfer
Probiotika im Einsatz
Ob für eine gesunde Verdauung, zur Unterstützung des Immunsystems oder als Begleiter beim Abnehmen: Probiotika werden für unterschiedliche Ziele angeboten. Die Auswahl in Apotheken, Drogerien und im Internet ist groß. Lesen Sie, was die kleinen Helfer leisten können und worauf es bei der Anwendung ankommt.
Was sind Probiotika?
Die gute Nachricht lautet: Probiotika sind keineswegs wirkungslos. Für einige Beschwerden konnten wissenschaftliche Studien tatsächlich einen Nutzen nachweisen. Allerdings gilt das längst nicht für alle Produkte und nicht für jede Erkrankung. Entscheidend ist außerdem, welche Bakterienstämme enthalten sind. Denn Probiotikum ist nicht gleich Probiotikum. Wer sich etwas auskennt, kann Enttäuschungen vermeiden und seine Darmgesundheit gezielt unterstützen.
Die Darmflora – heute meist Mikrobiom genannt – besteht aus Milliarden von Bakterien, die wichtige Aufgaben übernehmen. Sie helfen bei der Verdauung, bilden bestimmte Vitamine, beeinflussen das Immunsystem und schützen den Darm vor krankmachenden Keimen. Ist dieses empfindliche Gleichgewicht gestört, können Verdauungsprobleme entstehen. Deshalb hoffen viele Menschen, mit Probiotika ihre Darmflora wieder ins Gleichgewicht zu bringen.
Probiotika enthalten lebende Mikroorganismen – meist Milchsäurebakterien oder Hefen. Sie werden als Kapseln, Pulver, Tropfen oder Trinklösungen angeboten. Nach der Einnahme gelangen sie in den Darm und sollen dort das Gleichgewicht der Darmflora unterstützen.
Hinweis: Ein gesundes Mikrobiom besteht aus vielen unterschiedlichen Bakterienarten. Es lässt sich jedoch nicht einfach durch die Einnahme beliebiger Probiotika dauerhaft verändern.
Probiotika-Effekte unter der Lupe
Wer sich über Probiotika informiert, stößt häufig auf widersprüchliche Aussagen. Das liegt unter anderem daran, dass in den Studien ganz unterschiedliche Bakterienstämme untersucht werden. Selbst eng verwandte Stämme können völlig unterschiedliche Wirkungen haben.
Hinzu kommt, dass jeder Mensch ein individuelles Mikrobiom besitzt. Ernährung, Alter, Medikamente, Vorerkrankungen und genetische Faktoren beeinflussen, wie gut sich zugeführte Bakterien überhaupt im Darm ansiedeln können. Manche verschwinden bereits nach kurzer Zeit wieder. Deshalb lässt sich das Ergebnis einer Studie nicht ohne Weiteres auf alle Probiotika oder alle Menschen übertragen.
Für diese Einsatzgebiete sieht der Wissenstand folgendermaßen aus:
- Nach einer Antibiotikatherapie: Antibiotika bekämpfen krankmachende Bakterien. Gleichzeitig können sie aber auch nützliche Darmbakterien schädigen. Die Folgen sind bei manchen Menschen Durchfälle, Blähungen oder Bauchschmerzen. Für einige Probiotika konnte gezeigt werden, dass sie das Risiko für antibiotikabedingte Durchfälle verringern können. Sie ersetzen die Antibiotikatherapie selbstverständlich nicht, können sie aber unter Umständen sinnvoll begleiten. Empfohlen für die Behandlung werden nur bestimmte spezifische Stämme. Ob ein Probiotikum im Einzelfall geeignet ist und wann es eingenommen werden sollte, lässt sich in der Apotheke oder Arztpraxis besprechen. Wichtig dabei: Zwischen Antibiotikum und bakteriellem Probiotikum (z. B. Laktobazillen oder Bifidobakterien) sollte ein zeitlicher Abstand von mindestens zwei bis drei Stunden liegen. So sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass das Antibiotikum die nützlichen Bakterien sofort wieder zerstört.
- Hilfe bei Reisedurchfall: Auch zur Vorbeugung eines Reisedurchfalls wurden verschiedene Probiotika untersucht. Einige Studien zeigen einen kleinen Schutzeffekt. Noch wichtiger sind also die klassischen Hygieneregeln auf Reisen: sauberes Trinkwasser, gründlich gegarte Speisen und sorgfältige Händehygiene.
- Reizdarm: Menschen mit Reizdarmsyndrom leiden häufig unter Blähungen, Bauchschmerzen, Durchfall oder Verstopfung – Letztere häufig auch im Wechsel. Manche Probiotika können diese Beschwerden lindern. Allerdings profitieren nicht alle Betroffenen gleichermaßen. Auch hier kommt es auf den verwendeten Bakterienstamm an. Während ein Präparat bei Blähungen hilfreich sein kann, zeigt ein anderes möglicherweise keinen Effekt. Deshalb empfehlen Fachgesellschaften, Probiotika gezielt auszuwählen und nach einigen Wochen zu überprüfen, ob sich die Beschwerden tatsächlich bessern. Verbessern sich die Beschwerden nach etwa vier bis acht Wochen nicht, sollte das Präparat wieder abgesetzt werden.
- Colitis ulcerosa: Bei der chronisch-entzündlichen Darmerkrankung Colitis ulcerosa können ausgewählte Probiotika helfen, Beschwerden zu lindern oder eine beschwerdefreie Phase zu stabilisieren. Die Standardtherapie ersetzen sie jedoch nicht. Deshalb dürfen sie nur zusätzlich zur ärztlich verordneten Behandlung eingesetzt werden. Betroffene sollten Probiotika jedoch nur nach Rücksprache mit ihrer behandelnden Ärzt*in verwenden.
- Unterstützung bei Helicobacter pylori: Der Magenkeim Helicobacter pylori wird mit einer Kombination mehrerer Antibiotika behandelt. Diese Therapie kann Nebenwirkungen wie Durchfall verursachen. Einige Probiotika können solche Beschwerden abschwächen. Außerdem gibt es Hinweise, dass manche Patient*innen die Behandlung dadurch besser vertragen und konsequenter durchführen.
Wo Probiotika eher nicht helfen
Werbung und soziale Medien vermitteln oft den Eindruck, Probiotika könnten nahezu jedes Gesundheitsproblem positiv beeinflussen. Tatsächlich werden sie unter anderem bei Allergien, Übergewicht, Diabetes, Depressionen, Demenz oder sogar Krebs angeboten. Für diese Anwendungsgebiete gibt es bislang jedoch keine überzeugenden wissenschaftlichen Belege. Zwar zeigen einzelne Studien oder Tierversuche gelegentlich positive Ergebnisse. In hochwertigen Untersuchungen am Menschen konnten diese Effekte aber meist nicht eindeutig bestätigt werden.
Nicht jeder verträgt Probiotika
Die meisten gesunden Menschen vertragen Probiotika gut. Vor allem zu Beginn der Einnahme können allerdings Blähungen, Völlegefühl, Bauchkrämpfe oder Veränderungen des Stuhlgangs auftreten. Diese Beschwerden verschwinden meist nach einigen Tagen wieder. Bleiben sie bestehen oder verschlimmern sie sich, sollte das Präparat abgesetzt und ärztlicher Rat eingeholt werden.
Für Menschen mit einem gesunden Immunsystem gelten Probiotika überwiegend als sicher. Es gibt jedoch Ausnahmen. Nicht empfohlen werden sie unter anderem für Personen mit einer stark geschwächten Immunabwehr, etwa nach Organtransplantationen oder während bestimmter Krebstherapien. Auch schwer kranke Patient*innen auf Intensivstationen sollten Probiotika nur nach ärztlicher Entscheidung erhalten. Bei Frühgeborenen sowie Neugeborenen und Säuglingen sollten Probiotika ebenfalls nur nach ausdrücklicher ärztlicher Empfehlung eingesetzt werden.
Hinweis: Sie leiden an einer schweren Grunderkrankung oder nehmen Medikamente ein, die das Immunsystem unterdrücken? Dann ziehen Sie vor der Einnahme von Probiotika immer Ihre Ärzt*in zu Rate!
Das Mikrobiom natürlich stärken
Wer seine Darmflora langfristig unterstützen möchte, sollte auch seinen Lebensstil verändern. Eine abwechslungsreiche, ballaststoffreiche Ernährung liefert den Darmbakterien genau die Nährstoffe, die sie benötigen. Besonders günstig wirken sich Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Nüsse und Samen aus. Sie enthalten Ballaststoffe, die den nützlichen Darmbakterien als Nahrung dienen.
Ebenso wichtig ist es, stark verarbeitete Lebensmittel, zuckerreiche Getränke und große Mengen rotes Fleisch nur in Maßen zu verzehren. Diese Lebensmittelgruppen schaden der Darmflora auf unterschiedliche Weise, indem sie entweder „schlechte“ Bakterien fördern oder die Darmschleimhaut direkt angreifen. Zucker dient beispielsweise als ideales Nährmedium für potenziell schädliche Bakterien und Hefepilze wie Candida albicans. Diese verdrängen die nützlichen Bakterien und können Entzündungsreaktionen im Darm auslösen. Zusatzstoffe und Emulgatoren können wiederum die Darmwände direkt beeinträchtigen.
Doch nicht nur die Ernährung beeinflusst das Mikrobiom. Regelmäßige Bewegung steigert die Artenvielfalt der Darmbakterien und unterstützt das Wachstum gesunder Arten. Schon tägliche Spaziergänge, Radfahren oder Schwimmen können sich positiv auswirken. Gleichzeitig sinkt dadurch das Risiko für zahlreiche Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Typ-2-Diabetes. Auch ausreichend Schlaf und ein guter Umgang mit Stress scheinen eine wichtige Rolle für Darm und Immunsystem zu spielen. Studien haben gezeigt, dass Schlafentzug das Verhältnis der Darmbakterien zugunsten ungesunder Arten verschiebt.
Tipp: Fachleute empfehlen häufig eine mediterrane Ernährungsweise. Sie enthält reichlich Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Olivenöl und Fisch. Studien zeigen, dass diese Ernährung die Vielfalt der Darmbakterien fördern kann. Gleichzeitig wirkt sie sich günstig auf Blutdruck, Blutzucker, Cholesterin und Körpergewicht aus.
Die richtige Auswahl bei Probiotika
Wer sich ausgewogen ernährt, regelmäßig bewegt und Antibiotika nur dann einnimmt, wenn sie medizinisch notwendig sind, schafft bereits gute Voraussetzungen für eine gesunde Darmflora. Kommt es dennoch zu bestimmten Beschwerden – etwa nach einer Antibiotikatherapie oder bei einem Reizdarmsyndrom –, können ausgewählte Probiotika sinnvoll sein. Das Angebot ist allerdings groß und für Laien oft schwer zu überblicken.
Viele Verbraucher*innen achten vor allem auf die Anzahl der enthaltenen Bakterien. Tatsächlich sagt diese Zahl allein jedoch wenig über die Wirksamkeit aus. Entscheidend ist vielmehr, welche Bakterienstämme enthalten sind, ob genau diese Stämme wissenschaftlich untersucht wurden und ob sie in ausreichender Menge und lebend den Darm erreichen. Deshalb lohnt sich eine Beratung bei der Ärzt*in oder in der Apotheke. Dort kann gezielt nach einem Präparat gesucht werden, dessen Nutzen für die jeweilige Beschwerde untersucht wurde. Zudem erfahren Sie, wie das Präparat eingenommen werden soll und ob es bei der Aufbewahrung gekühlt werden muss.
Hinweis: Lassen Sie sich nicht von vermeintlicher „Qualität“ täuschen. Ein höherer Preis bedeutet nicht automatisch eine bessere Wirksamkeit.
Arztbesuch statt Probiotika
Länger anhaltende oder starke Beschwerden sollten immer ärztlich abgeklärt werden, bevor Sie versuchen, diese eigenständig mit Probiotika zu behandeln. Probiotika sind zwar in der Regel gut verträglich, können jedoch bei schweren zugrundeliegenden Erkrankungen die Symptome maskieren oder die Diagnose erschweren. Das gilt insbesondere bei folgenden Warnsignalen:
Durchfall über mehrere Tage: Hält ein Durchfall länger als drei Tage an, besteht die Gefahr des Austrocknens und eines Elektrolytverlusts. Zudem könnte eine Infektion vorliegen, die eine gezielte medikamentöse Therapie erfordert, die über die Gabe von „guten Bakterien“ hinausgeht.
Blut im Stuhl: Sichtbares Blut (rot oder schwarz-teerig) ist ein ernstzunehmendes Warnzeichen für Verletzungen der Darmschleimhaut, Entzündungen (wie Colitis ulcerosa) oder Veränderungen durch Polypen. Hier ist eine ärztliche Abklärung zwingend notwendig.
Starke Bauchschmerzen: Plötzliche, heftige oder anhaltende Schmerzen können auf akute chirurgische Notfälle (z. B. Blinddarmentzündung, Ileus) oder schwere Entzündungen hinweisen.
Hohes Fieber: Fieber über 38,5 °C in Kombination mit Verdauungsproblemen deutet meist auf eine Infektion hin, die den gesamten Körper betrifft und ärztlich überwacht werden muss.
Ungewollter Gewichtsverlust: Wenn Sie ohne Diät oder sportliche Aktivität an Gewicht verlieren, kann dies ein Hinweis auf chronische Entzündungen, Malabsorption (Nährstoffaufnahmestörung) oder Tumorerkrankungen sein.
Wiederkehrende Verdauungsbeschwerden: Treten Blähbauch, Durchfall oder Verstopfung immer wieder auf, könnte eine chronische Ursache wie ein Reizdarmsyndrom, eine Nahrungsmittelunverträglichkeit (z. B. Zöliakie, Laktoseintoleranz) oder eine Dysbiose vorliegen. Dann ist eine spezifische Diagnostik nötig. Beschwerden nach Auslandsreisen: Nach Fernreisen können spezielle Erreger (z. B. Amöben, Lamblien oder multiresistente Bakterien) die Ursache für Darmbeschwerden sein. Auch wenn Sie unter chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen leiden oder Ihr Immunsystem geschwächt ist, sollten Sie Probiotika nicht ohne ärztliche Rücksprache einnehmen.
Quellen: Leitlinie zur Allergieprävention, Update S3-Leitlinie zum Reizdarmsyndrom, Witte F, „Wem oder wogegen helfen Probiotika?“,Ärztezeitung 2026

