Gesundheit heute

Diagnostik von Magen- und Zwölffingerdarmerkrankungen

Neben genauer Anamnese, körperlicher Untersuchung und weiteren für den Magen-Darm-Trakt üblichen technischen Untersuchungen, z. B. Bauchultraschall und Röntgenuntersuchungen, werden für den Bereich des Magens und des Zwölffingerdarms folgende Methoden eingesetzt:

Bei einer Magenspiegelung (Gastroskopie) begutachtet der Arzt mit einem Gastroskop den Magen, um Veränderungen wie Entzündungen, Geschwüre, Polypen und Tumoren aufzuspüren. Da er dabei in der Regel gleichzeitig Speiseröhre (Ösophagus) und Zwölffingerdarm (Duodenum) untersucht, spricht der Arzt auch von Ösophago-Gastro-Duodenoskopie (ÖGD). Der ~ 1 cm dicke biegsame Schlauch des Gastroskops enthält neben dem Video- und Lichtleiterkanal auch Instrumentenkanäle für Miniaturzangen sowie Spül- und Absaugvorrichtungen. Damit kann der Arzt Biopsiematerial (Gewebeproben) zur feingeweblichen Untersuchung entnehmen oder kleine operative Eingriffe durchführen.

1813_GTV_Magenspiegelung_Biopsie.jpg|Links: Bei der Magenspiegelung liegt der Patient auf der linken Seite, der Untersucher schiebt das biegsame Endoskop durch Mund und Speiseröhre zum Magen und Zwölffingerdarm. Rechts: Dabei sieht er sich die Organwände an und entnimmt mit einer Biopsiezange, die er durch das Endoskop vor- und zurückbewegen kann, Gewebeproben. |[GTV 1813]|Foto einer Gastroskopie und Blick durchs Endoskop bei einer Probenentnahme

Durchführung der Magenspiegelung. Für die Spiegelung muss der Magen leer sein, weshalb der Patient sechs Stunden vorher nichts mehr zu sich nehmen darf. Meist liegt er bei der Untersuchung auf der linken Seite. Wer besonders aufgeregt oder ängstlich ist, erhält eine Beruhigungsspritze. Ein Beißring aus Kunststoff zwischen den Zähnen verhindert, dass der Patient versehentlich zubeißt und dadurch das Untersuchungssystem zerstört. Vor der Untersuchung wird der Rachen mit einem Spray örtlich betäubt, dann führt der Arzt das Gastroskop durch den Beißring in den Mund und schiebt es in Richtung Magen. Das Vorschieben wird erleichtert, indem der Patient kräftige Schluckbewegungen macht. Um die Magenschleimhaut gut betrachten zu können, wird Luft in den Magen geblasen.

Die örtliche Betäubung des Rachens ist nach 1–2 Stunden abgeklungen, anschließend darf der Patient wieder essen. Wenn bei der Untersuchung Gewebe entnommen oder Polypen abgetragen wurden, muss der Patient noch 4–6 Stunden nüchtern bleiben.

Bei der Langzeit-Säuremessung wird über einen Zeitraum von 24 Stunden die Magensäureausschüttung gemessen. Dazu wird ein dünner Schlauch mit einer pH-Sonde über die Nase in den Magen geschoben. Die Sonde ist mit einem Aufzeichnungsgerät verbunden, das der Patient mit sich trägt. Der Patient kann sich während der Untersuchung frei bewegen sowie essen und trinken.

Mit dem 13C-Harnstoff-Atemtest wird festgestellt, ob eine Infektion des Magen-Darm-Trakts mit dem Bakterium Helicobacter pylori vorliegt, das häufig die Ulkuskrankheit verursacht. Diese Untersuchung ist deshalb möglich, weil das Bakterium ein Enzym besitzt, das Harnstoff in Ammoniak und Kohlendioxid spaltet.

Der nüchterne Patient nimmt in Saft gelösten Harnstoff zu sich, der mit 13C, einem stabilen (und somit nicht radioaktiven) Isotop des Kohlenstoffs markiert ist. Ist das Bakterium vorhanden, so spaltet es das Kohlenstoff-Isotop ab und baut es in Kohlendioxid-Moleküle ein, die dann ausgeatmet werden. Nach etwa einer halben Stunde nimmt der Arzt eine Probe der Ausatemluft, indem der Patient in zwei dicht abgeschlossene Röhrchen pustet. Anschließend wird die darin enthaltene Menge des markierten Kohlendioxids gemessen. Ein erhöhter 13C-Anteil in dieser Probe im Vergleich zum vorher festgestellten Nullwert weist auf eine Infektion mit Helicobacter hin.

Der Test ist nach dem derzeitigen Wissensstand ungefährlich und darf auch bei Kindern zum Nachweis der Infektion mit Helicobacter pylori durchgeführt werden. Bei Erwachsenen dient er eher der Therapiekontrolle nach einer Eradikationstherapie der Ulkuskrankheit. Die Erstdiagnose erfolgt hier in der Regel mithilfe einer Gewebeprobe im Rahmen einer Magenspiegelung.

Von: Dr. med. Arne Schäffler, Dr. Bernadette Andre-Wallis in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung: Dr. med. Sonja Kempinski
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Säureblocker nicht zu lange schlucken

Bei langfristiger Einnahme können Protonenpumpenhemmer etliche unerwünschte Wirkungen auslösen.

Säureblocker nicht zu lange schlucken

Nebenwirkungen nicht unterschätzen

Ob Refluxkrankheit oder Gastritis: Protonenpumpenhemmer machen schnell Schluss mit Magenschmerzen und Sodbrennen. Allerdings gibt es gute Gründe, die Säureblocker nicht allzu lange einzunehmen.

Magensäure wirksam abdrehen

Bei vielen Erkrankungen ist es essenziell, die Produktion der Magensäure zu hemmen. Dazu gehören beispielsweise Speiseröhrenentzündungen, Magengeschwüre und die Refluxerkrankung, bei der saurer Magensaft in die Speiseröhre aufsteigt und der Schleimhaut schadet. Auch zum Schutz vor Magengeschwüren bei chronischer Einnahme von Schmerzmitteln ist es sinnvoll, die Magensäure zu reduzieren.

Seit über dreißig Jahren kommen dafür die Protonenpumpenhemmer, kurz PPI, zum Einsatz. Sie reduzieren die Produktion der Magensäure effektiv und lindern die säurebedingten Beschwerden schnell. Weil sie in kleinen Packungen inzwischen auch rezeptfrei zu haben sind, werden sie häufig als völlig unbedenklich wahrgenommen.

Auf lange Zeit drohen Probleme

Kurzfristig eingenommen gelten die Substanzen tatsächlich als sicher und verträglich. Schwieriger wird es jedoch bei der Langzeiteinnahme. Es mehren sich die Hinweise, dass die Säureblocker einiges an unerwünschten Wirkungen auslösen.

  • Blockierte Nährstoffaufnahme. Bei einer Langzeiteinnahme soll es zu einer verminderten Aufnahme von Vitamin B12 und Eisen kommen, wodurch die Entwicklung einer Blutarmut droht. Auch die Kalziumaufnahme kann reduziert sein. Studien haben Hinweise erbracht, dass es bei einer Langzeittherapie mit PPI vermehrt zu Knochenbrüchen kommt.
  • Vermehrte Infektionen. PPI reduzieren den Säuregehalt des Magenbreis. Der saure Magenbrei tötet aber viele Krankheitserreger ab. Bleibt das aus, gelangen Keime in den Darm. In entsprechenden Studien kam es unter PPI-Einnahme vermehrt zu Darminfektionen mit Durchfällen, insbesondere mit dem Erreger Clostridium difficile. Daneben scheinen PPI auch das Immunsystem zu dämpfen und die Infektabwehr zu schwächen.
  • Demenz und Schlaganfälle. Immer wieder gibt es Hinweise darauf, dass die langfristige Einnahme von PPI die Entwicklung einer Demenz begünstigt. Dahinter vermutet man Gefäßveränderungen, die durch die Säureblocker ausgelöst werden. Ein ähnlicher Mechanismus könnte auch zu Schlaganfall oder Nierenerkrankung führen. Für beide Erkrankungen soll das Risiko bei Langzeitanwendung von PPI ebenfalls erhöht sein.

Insgesamt ist die Datenlage zu den langfristigen Nebenwirkungen noch nicht gesichert. Die bisherigen Hinweise mahnen aber dazu, PPI nicht unkritisch über einen längeren Zeitraum einzunehmen – vor allem nicht in eigener Regie. Ist eine Langzeittherapie ärztlich erforderlich, sollte regelmäßig auf Nebenwirkungen gescreent werden.

Quelle: DAZ

Von: Dr. med. Sonja Kempinski; Bild: mauritius images / Robert Kneschke / Alamy / Alamy Stock Photos