Gesundheit heute

Aufbau und Funktion von Magen und Zwölffingerdarm

Anatomisch gesehen kann man sich den Magen wie ein schräg im Oberbauch liegendes Croissant vorstellen. Neben dem Mageneingang (Magenmund, Kardia) bildet das obere Ende eine kuppelförmige Wölbung, den Magengrund (Magenfundus). Den größten Anteil macht der Magenkörper (Korpus) aus, der sich nach unten zum Antrum (Pförtner-Vorraum) verengt. Das untere Ende enthält den Magenpförtner (Magenausgang, Pylorus), der den Übergang zum Zwölffingerdarm (Duodenum) bildet und als Schließmuskel wirkt.

1812_GRA_Magen_Zwoelffingerdarm_Bauchspeicheldruese.png|Magen- und Zwölffingerdarm in der anatomischen Übersicht. In den Zwölffingerdarm entleert sich über den Gallengang die Galle und über den Bauchspeicheldrüsengang der Pankreassaft (Bauchspeichel). Beide Ausführungsgänge vereinigen sich bei den meisten Menschen unmittelbar vor der Mündung in der Pankreaspapille.|[GRA 1812]|Lage und Zusammenhang von Magen, Zwölffingerdarm, Gallenblase und Bauchspeicheldrüse

Während der Verdauung zieht sich die Magenwand immer wieder zusammen, bewegt den Speisebrei hin und her und schiebt ihn schließlich mittels peristaltischer Wellen weiter Richtung Magenausgang. Die Nahrung wird dabei immer weiter zerkleinert und unter Einwirkung des Magensafts für die chemische Verdauung vorbereitet, die sich im Dünndarm anschließt. Zahlreiche Drüsen und Zellen in der Magenschleimhaut bilden den Magensaft. Er enthält Salzsäure, die Krankheitserreger abtötet, Enzyme zur Eiweißverdauung (Pepsin und seine inaktive Vorstufe Pepsinogen), Schleimstoffe, die sich schützend auf die Magenschleimhaut legen sowie den Intrinsic factor (Intrinsic-Faktor), eine Eiweißverbindung, die zur Aufnahme von Vitamin B12 notwendig ist.

Die Nahrung verweilt unterschiedlich lange im Magen. Während Wasser schon nach etwa 20 Minuten den Magen verlassen hat, bleibt feste Nahrung so lange im Magen, bis die einzelnen Teile nur noch einen Durchmesser von weniger als 3 mm haben. Das kann mehrere Stunden dauern. Von den verschiedenen Nahrungsbausteinen bleiben die Fette am längsten, die Kohlenhydrate am kürzesten im Magen.

Von: Dr. med. Arne Schäffler, Dr. Bernadette Andre-Wallis
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Säureblocker kann Asthma fördern

Sodbrennen quält viele Menschen, und oft nehmen sie dagegen Protonenpumpenhemmer ein.

Säureblocker kann Asthma fördern

Vorsicht bei Atemwegserkrankungen

Säureblocker gelten als gut verträglich. Bei längerfristiger Einnahme drohen allerdings Nebenwirkungen. Insbesondere für Patient*innen mit chronischen Atemwegserkrankungen kann das problematisch werden.

Säureblocker schützen die Schleimhaut

Magensäure ist wichtig für den Körper. Sie hilft bei der Verdauung von Eiweißen und tötet in der Nahrung befindliche Bakterien, Viren und Parasiten ab. Manchmal kann Magensäure aber auch zum Problem werden. Zum Beispiel, wenn sie in die Speiseröhre gelangt und dort die Schleimhaut angreift. Auch wenn zu viel davon produziert wird, kann sie der Magenschleimhaut schaden.

Bei Erkrankungen wie chronischem Sodbrennen oder Magengeschwüren werden oft Protonenpumpenhemmer (PPI) verordnet. Diese Medikamente reduzieren die Produktion von Magensäure, weshalb sie auch als Säureblocker bezeichnet werden. Durch die Verringerung der Säure wird die Schleimhaut vor Schäden geschützt oder sie kann, sofern schon welche vorhanden sind, besser abheilen.

Vor allem mehr Asthmaanfälle

Ob die Säurereduktion durch Protonenpumpenhemmer (PPI) einen Einfluss auf chronische Atemwegserkrankungen hat, haben kürzlich belgische Forschende untersucht. Sie analysierten dazu die Daten von fast einer Million Patient*innen, die unter Asthma oder einer chronisch obstruktiven Atemwegserkrankung (COPD) litten.

Es stellte sich heraus, das schwere Ausbrüche der Atemwegserkrankungen bei Teilnehmer*innen, die PPI eingenommen hatten, häufiger waren als bei denjenigen ohne PPI-Einnahme. Dabei zeigte sich ein deutlicher Dosis-Wirkungs-Effekt - je mehr PPI eingenommen worden waren, desto größer war das Risiko.

Kurzfristig waren die Säureblocker ungefährlich: Wurden sie weniger als 7 Tage lang eingenommen, hatten sie keinen Einfluss auf Asthma oder COPD.

Verändertes Lungenmikrobiom

Eine Erklärung für diesen Zusammenhang könnte sein, dass die Säurereduktion auch das Milieu in der Lunge und damit das dortige Mikrobiom verändert. Möglich ist auch, dass durch die verminderte Eiweißverdauung im Magen die immunologischen Reaktionen beeinflusst werden.

Säureblocker werden in Deutschland oft unkritisch und zu lange eingenommen, warnen die Forschenden. Insbesondere Patient*innen mit chronischen Atemwegserkrankungen sollten vorsichtig sein und nur vorübergehend dazu greifen. In manchen Fällen sind nach Rücksprache mit der Ärzt*in bei Sodbrennen & Co. auch Alternativen wie Antazida oder andere Wirkstoffe eine Behandlungsoption.

Quelle: Springer Medizin

Von: Dr. med. Sonja Kempinski; Bild: mauritius images / Observer / Alamy / Alamy Stock Photos