Gesundheit heute
Erkältung
Erkältung: Meist durch "Erkältungsviren" wie Rhino- und Coronaviren hervorgerufene Erkrankung der oberen Luftwege, die mit Schnupfen, Halsschmerzen, Heiserkeit, Husten und leichten Kopfschmerzen einhergeht. Sind die Beschwerden von Fieber begleitet, spricht man auch von einem grippalen Infekt.
Medikamente können den Krankheitsverlauf nicht abkürzen. Erkältungen heilen spontan.
Symptome und Leitbeschwerden
- Schnupfen und Husten
- Halsschmerzen
- Leichte Kopfschmerzen
- Geringes Krankheitsgefühl
- Eventuell Fieber.
Anzeichen für eine bakterielle Mitbeteiligung der Atemwege sind:
- Gelb-grünliche Verfärbung des Nasensekrets oder Auswurfs
- Starke Halsschmerzen, eitrige Gaumenmandeln
- Starke Kopfschmerzen im Stirnbereich
- Starkes Krankheitsgefühl
- Hohes Fieber.
Wann zum Arzt
Am selben Tag bei
- Anzeichen der bakteriellen Mitbeteiligung wie starkes Krankheitsgefühl, hohem Fieber und eitrigem Auswurf oder Nasensekret.
Nicht erforderlich bei
- geringem und "üblichem" Krankheitsgefühl, aber zu erwägen, wenn zur Symptomlinderung rezeptpflichtige Medikamente gewünscht werden.
Die Erkrankung
Erkältungen treten häufig im Winter auf, besonders wenn sich viele Menschen in schlecht gelüfteten Räumen aufhalten. Die Schleimhäute der Atemwege sind durch die trockene Heizungsluft strapaziert, werden rissig, und so können Krankheitserreger leichter eindringen. Bei manchen Menschen entsteht eine Schädigung der Nasenschleimhaut durch eine reflektorische Minderdurchblutung, z. B. wenn sie mit nackten Füßen über kalte Böden gehen oder sich bei Regen nasse Füße holen. Die Viren, die in feinsten "Sprühnebeln" von Mensch zu Mensch fliegen, beispielsweise beim Husten, Niesen oder Sprechen, haben nun leichtes Spiel. Sehr häufig werden sie auch über das Händeschütteln bei der Begrüßung übertragen und weiter verteilt.
Schnupfen, Halsschmerzen, leichte Kopfschmerzen und Husten sind typische Beschwerden bei der Erkältung. Das Krankheitsgefühl ist nicht sehr ausgeprägt, dennoch fühlen sich Betroffene wenig leistungsfähig. Ein Besuch beim Arzt ist in der Regel nicht notwendig und die Erkrankung heilt nach wenigen Tagen von selbst. Der Volksmund sagt: "Eine Erkältung kommt 3 Tage, bleibt 3 Tage und geht 3 Tage." Oder auch: "Mit Arzt dauert sie sieben Tage, ohne Arzt eine Woche." Medikamente beeinflussen die Krankheitsdauer nicht, machen aber die Beschwerden erträglicher.
Komplikation. Auf der durch Viren geschädigten Schleimhaut können sich leicht Bakterien ansiedeln, erkennbar an eitrigem (gelblich-grün verfärbtem) Auswurf beim Husten oder Nasensekret. Diese können die angrenzenden Strukturen erreichen und zu einer bakteriellen Bronchitis, Nasennebenhöhlenentzündung oder Mittelohrentzündung führen.
Ihr Apotheker empfiehlt
Was Sie selbst tun können
Bettruhe. Wenn Ihnen danach ist, sollten Sie sich schonen und im Bett bleiben. Und wenn nicht, sind ein Mittagsschlaf und ein ausreichender Nachtschlaf definitiv heilungsfördernd. Sorgen Sie für frische Luft im Schlafzimmer.
Viel trinken. Häufiges Trinken (mindestens 2 Liter am Tag) ist bei Erkältung das oberste Gebot. Trockener Reizhusten wird erträglicher, wenn Sie Mund und Hals durch Hustenbonbons und reichliche Zufuhr warmer Getränke gut befeuchten. Viele Leute kennen ein eigenes "Erkältungsgetränk", auf das sie schwören: z. B. heiße Milch mit Honig, Erkältungstee, heißes Zitronenwasser, heißer Holunderbeersaft, mit Wasser aufgebrühter frischer Ingwer oder auch heiße Bouillon. Besonders eignen sich Kräutertees, allerdings in etwas anderer Zusammensetzung, z. B. aus Spitzwegerichkraut, Süßholzwurzel, Thymiankraut und Fenchelfrüchten. Zum Süßen bietet sich Fenchelhonig an, der für seinen den Husten lockernden Effekt bekannt ist.
Gurgeln. Gurgeln hilft bei Halsschmerzen. Zum Gurgeln wird unverdünnter, ungesüßter Tee (etwa Salbei oder Thymiantee) oder eine Essenz verwendet – etwa die entzündungshemmend wirkende Calendula-Essenz. Geben Sie 10–15 Tropfen in ein halbes Glas lauwarmes Wasser und gurgeln Sie 1–5 Minuten lang. Sie können das Gurgelwasser bei Halsschmerz ruhig den Hals hinunterlaufen lassen.
Inhalieren. Besonders bei Mitbeteiligung der Nasennebenhöhlen sind Dampfinhalationen mit heißem, fast kochendem Wasser mit oder ohne Zusatz von Kochsalz (ein Esslöffel Salz auf einen Liter Wasser) oder ätherischen Ölen wie z. B. 2–3 Tropfen Eukalyptusöl wirkungsvoll.
Praxistipp: Entscheidend ist, dass der heiße Dampf tatsächlich in die Nase dringt, deshalb das Handtuch so tief wie möglich herunterhängen lassen, sodass es gerade noch möglich ist einzuatmen. Alternativ bietet sich ein Dampfinhalator an, den Sie in Ihrer Apotheke oder im Sanitätshaus für wenig Geld kaufen können.
Hinweis: Ätherische Öle dürfen nicht im Gesichtsbereich von Säuglingen und Kleinkindern angewendet werden. Dies betrifft besonders Präparate, die Eukalyptusöl, Menthol und Kampfer enthalten
Komplementärmedizin
Phytotherapie. Heilkräuter wirken vor allem zur Beruhigung der Schleimhäute, d. h. auch bei Sekretstau sowie bei Mitbeteiligung der Nasennebenhöhlen. Ferner sind Heilkräuter verfügbar, um die Abwehrkräfte zu stärken. Zur Schleimlösung bewährt haben sich Präparate mit Inhaltsstoffen von Eukalyptus, Myrtol, Thymian sowie Mischextrakte:
- Eukalyptusöl gibt es auch in Form von Kapseln. Es wird schnell in den Blutkreislauf aufgenommen und zu den Atemwegen transportiert, wo es dann zur Erleichterung der Nasenatmung beiträgt.
- Myrtol ist ein ätherisches Öl, das u. a. aus je 25 % Limonen und Cineol (dem Hauptbestandteil des Eukalyptusöls) besteht.
- Thymian regt die Sekretabgabe in den Bronchien an und aktiviert die Flimmerhärchen in den Atemwegen. Außerdem wirkt Thymian krampflösend, was den Hustenreiz lindert.
- Mischextrakte: In einer Doppelblindstudie hat sich das Mischtrockenextrakt BNO 1016 bei akuter Rhinosinusitis bei Mitbeteiligung der Nasennebenhöhlen als wirksam erwiesen. BNO enthält als Ampferkraut, Eisenkraut, Enzianwurzel, Holunderblüten und Schlüsselblumenblüten. Als Nebenwirkung treten am häufigsten Magen-Darm-Beschwerden auf.
Zur Verbesserung der Abwehrkräfte ist die Einnahme von Echinazin-Präparaten zu erwägen. Die Wirkstoffe des Sonnenhuts stimulieren offenbar das Immunsystem. Eine große Studie kommt zum Ergebnis, dass das Risiko des Auftretens von (weiteren) Nasennebenhöhlenentzündungen deutlich sinkt. Auch soll die Dauer zukünftiger Erkältungen verkürzt sein. Diese Effekte konnten aber von anderen Studien nicht erhoben werden, sodass der Einsatz von Echinazin-Präparaten weiter in Diskussion ist. Auch ist immer noch unklar, welche der 3 pharmazeutisch genutzten Sonnenhut-Arten Echinacea purpurea, Echinacea angustifolia und Echinacea pallida die wirksamste ist.
Hinweis: Vorsicht bei den genannten Präparaten bei der Anwendung bei Kindern unter 12 Jahren. Beachten Sie bitte die Packungsbeilagen.
Leichte Schmerzmittel wie Paracetamol, Acetylsalicylsäure oder Ibuprofen lindern Kopf- und Gliederschmerzen und fördern – vor dem Einschlafen genommen – die Nachtruhe. Viel Schlaf und, nach Besserung des Befindens, Spaziergänge an der frischen Luft unterstützen die Genesung.
Homöopathie. Neben der Gabe von Akutmitteln wie Belladonna, Bryonia, Gelsemium oder Nux vomica hält die Homöopathie auch Komplexmittel wie Eupatorium Oligoplex und Echinacea Oligoplex bereit, die die körpereigene Abwehrkraft steigern und so die akute Krankheitsphase verkürzen.
Brustwickel. Auch Brustwickel mit Zwiebeln oder Thymian können Linderung für Kinder und auch Erwachsene bringen. Sie fördern die Durchblutung und Schleimlösung im Brustraum. Als Innentuch verwenden Sie am besten ein auf etwa 40 cm Breite gefaltetes, großes Leinentuch. Das Tuch sollte so breit sein, dass es vom unteren Rippenbogen bis unter die Achseln reicht. Die Länge wählen Sie so, dass die Brust ganz umschlossen wird. Legen Sie das Innentuch möglichst faltenfrei auf und decken Sie es dann mit einem etwas breiteren Zwischentuch ab. Wickeln Sie nun das Außentuch (etwa ein Frottee- oder Wolltuch) um die Brust. Am besten wählen Sie das Außentuch etwas schmaler als das Zwischentuch, damit es nicht auf der Haut juckt. Ziehen Sie das Außentuch stramm um den Brustkorb – der Gewickelte sollte aber noch ungehindert atmen können und sich wohl fühlen! Befestigen Sie das Außentuch abschließend mit Sicherheitsnadeln.
Thymian-Wickel. Übergießen Sie 1 Esslöffel Thymian mit kochendem Wasser, lassen Sie das Gemisch 10 Minuten ziehen und seihen Sie es ab. Tränken Sie das Innentuch mit dem Thymiantee und wringen Sie es so lange aus, bis es nicht mehr tropft. Lassen Sie den Wickel für 30–60 Minuten einwirken.
Ärztliche Behandlung
Da der Verlauf einer Erkältung kaum abzukürzen ist, konzentriert sich die (schulmedizinische) Therapie auf die Linderung der Beschwerden. Sowohl gegen trockenen Reizhusten, wie er zu Beginn einer Erkältung vorherrscht, als auch zum Lösen des zähen Schleims, der einige Tage später dominiert, gibt es Medikamente.
Hustenstiller (Antitussiva). Abhilfe bei trockenem Husten versprechen Hustenstiller: Medikamente mit verschiedener Wirkweise, die den Hustenreiz abschwächen. Es gibt stärker wirksame rezeptpflichtige und schwächer wirksame rezeptfreie Hustenstiller. Außerdem kommen pflanzliche Mittel zum Einsatz, die die oberen Atemwege mit einem Schutzfilm auskleiden, der den Husten lindert. Die Einnahme von Hustenstillern ist vor allem abends sinnvoll, um einen ruhigen Nachtschlaf zu erzielen. Bei "lockerem", also schon "produktivem" Husten muss man allerdings abwägen, ob sich Hustenstiller noch lohnen. Denn Schleim bildet einen guten Nährboden für Bakterien, daher ist es besser, möglichst viel davon abzuhusten, statt den Hustenreiz zu unterdrücken.
- Die rezeptpflichtigen Hustenstiller wirken am stärksten und sind in der Regel gut verträglich. Man sollte sie anwenden, wenn der Husten sehr quälend ist, schmerzt und vom Schlafen abhält: Codein und Dihydrocodein unterdrücken den Hustenreiz, der vom Gehirn ausgeht, dämpfen aber auch den Atemantrieb, weswegen sie bei Lungenkrankheiten (z. B. Asthma) nicht eingenommen werden dürfen. Sie sind chemisch mit Opium verwandt und müssen deshalb vom Arzt verschrieben werden, verursachen jedoch keine Abhängigkeit. Sie machen müde, können das Reaktionsvermögen einschränken und sollten nicht mit Alkohol, Antihistaminika oder Schlafmitteln kombiniert werden. In höheren Dosen verursachen sie Verstopfung.
- Die frei verkäuflichen Hustenstiller sind in ihrer Wirkstärke den rezeptpflichtigen Hustenstillern deutlich unterlegen. Ob sie aus wissenschaftlicher Sicht überhaupt wirksam sind, wird unterschiedlich beurteilt. Viele Betroffene machen aber gute Erfahrung mit ihnen. Dextromethorphan ist vergleichsweise wirksam und wird häufig empfohlen, darf aber erst ab 12 Jahren angewendet werden. Es ist chemisch ähnlich aufgebaut wie die rezeptpflichtigen Hustenstiller, beeinträchtigt aber das Reaktionsvermögen nicht so sehr, weil es nicht an Opioid-Rezeptoren bindet. Als Nebenwirkungen treten gelegentlich Müdigkeit, Schwindel, Magen- und Darmbeschwerden auf.
- Die pflanzlichen Hustenstiller, z. B. Spitzwegerich oder Isländisch Moos, wirken beruhigend, indem sie einen schützenden Schleimfilm über die gereizte Atemwegsschleimhaut legen. In Form von Lutschpastillen hüllen sie die Hustenrezeptoren des Rachens in ein Speichel-Sirup-Gemisch und dämpfen so während ihrer Verweildauer im Mund gut den Hustenreiz.
Schleimlöser (Expektoranzien). Nach den ersten Tagen einer Erkältung beginnt sich der festsitzende Schleim langsam zu lösen. Jetzt gilt es Hustenstiller abzusetzen, damit das wichtige Abhusten des Sekrets nicht erschwert wird. Es werden über den Auswurf nämlich auch Krankheitserreger hinausbefördert. So wird die Gefahr verringert, dass die Erkrankung sich verschlimmert, z. B. durch hinzukommende andere Keime. Diese Selbstreinigung und das Abhusten der Bronchien unterstützen Schleimlöser, die den Schleim weiter verflüssigen. Schleimlöser wirken dann, wenn der Flüssigkeitshaushalt des Körpers stimmt.
Ihre therapeutische Wirksamkeit im Sinne einer Verkürzung der Krankheitsdauer ist zwar nicht 100 % nachgewiesen, aber dennoch werden sie gerne verwendet, da sie zumindest unterstützend wirken. Ambroxol und Acetylcystein sind die für diesen Zweck am häufigsten eingesetzten Substanzen.
- Ambroxol regt die Drüsenzellen der Bronchialschleimhaut an, mehr Sekret zu bilden, wodurch der Schleim verflüssigt wird. Allerdings kann es Magen-Darm-Beschwerden, allergische Haut- und Schleimhautreaktionen oder Atemnot verursachen.
- Acetylcystein verflüssigt den Schleim, wodurch er leichter abgehustet werden kann. In seltenen Fällen führt es zu Kopfschmerzen, Ohrgeräuschen oder Magen-Darm-Beschwerden sowie allergischen Reaktionen an Haut und Atemwegen.
- Daneben gibt es auch pflanzliche Hustenlöser, z. B. mit Inhaltsstoffen von Efeu oder Thymian.
Efeublätterextrakt setzt die Oberflächenspannung der Flüssigkeit, die die Lungenbläschen bedeckt, herab. Festsitzende Sekrete werden dadurch verflüssigt. Außerdem wirkt Efeu hustendämpfend, krampflösend und entzündungshemmend. Efeublätterextrakt ist sehr gut verträglich und hat keine bedeutenden Nebenwirkungen.
Thymian fördert aufgrund seiner ätherischen Öle den Auswurf, indem die Lungenzellen angeregt werden, dünnflüssiges Sekret abzugeben, und die Flimmerhärchen der Atemwege sich schneller bewegen. Thymian wirkt in den Bronchien krampflösend, was zusätzlich den Hustenreiz lindern kann. Dieses Medikament ist nicht geeignet für Kinder unter 2 Jahren und für Asthmatiker.
Hinweis: Hustenstiller und Schleimlöser dürfen nicht zusammen angewendet werden, da sie sich gegenseitig in ihrer Wirkung blockieren. Beachten Sie in jedem Fall den Beipackzettel des von Ihnen gewählten Medikaments. Es gibt diverse Gegenanzeigen (Anwendungsverbote) z. B. für Säuglinge und Kleinkinder, bestimmte chronisch Kranke und Schwangere.
Schmerzmittel. Leichte Schmerzmittel wie Paracetamol, Acetylsalicylsäure oder Ibuprofen lindern Kopf- und Gliederschmerzen und fördern – vor dem Einschlafen genommen – die Nachtruhe. Paracetamol und Ibuprofen werden bei Kindern bevorzugt, da Acetylsalicylsäure erst für Kinder ab 12 Jahren zugelassen und sicher ist.
Nasenmittel. Gegen laufende oder verstopfte Nasen helfen abschwellende Nasentropfen und Nasenduschen.
Antibiotika. Sinnvoll ist eine Antibiotika-Therapie bei Erkältung nur, wenn sich aufgrund der angeschlagenen Abwehrlage zusätzlich Bakterien in den Atemwegen ausbreiten (siehe oben).
Prävention
Abwehr stärken. Regelmäßige Saunagänge und Kneipp-Anwendungen wie tägliches Wechselduschen, aber auch regelmäßiges Trockenbürsten, etwa nach dem kalten Abduschen, sind bewährte Maßnahmen zur Steigerung der Immunabwehr. Ansonsten scheinen die körpereigenen Abwehrkräfte auch von regelmäßigen Entspannungsübungen (z. B. Autogenes Training, Yoga, Qigong) zu profitieren. Bei chronischen Erkältungskrankheiten helfen auch Wechselfußbäder. Tauchen Sie dazu beide Füße zweimal hintereinander abwechselnd in eine Wanne mit warmem Wasser und kaltem Wasser, anschließend ziehen Sie warme Wollsocken an.
Weiterführende Informationen
- www.gesundheitsinformation.de – Informationsportal des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen
- www.kinderaerzte-im-netz.de – Informationsportal des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte e.V.
Bis zu 15 Atemwegsinfekte pro Jahr sollen im Kindergartenalter normal sein.
Ständig Infekte beim Kita-Kind …
Wie viele sind normal?
Ein bisschen nervig ist es schon: Kaum kommt das Kind in die Kita, geht es los mit den Infekten. Doch wie viele Infekte sind normal – und kann man etwas dagegen tun?
Erst Nestschutz, dann Aufbau der Abwehr
Wenn Kinder auf die Welt kommen, haben sie durch von der Mutter übertragene Antikörper zunächst einen gewissen Schutz vor Infektionen. Dieser lässt im Laufe des ersten Lebensjahres nach. Dann beginnt das Kind, seine eigene Abwehr aufzubauen – und dafür braucht es den Kontakt mit Erregern.
Es ist also ganz normal, dass Kleinkinder Infekte durchmachen. Jeder Infekt trainiert ihr Immunsystem. Der Eintritt in eine Kita ist gewissermaßen wie der Start in ein kleines „Bootcamp“: Der Körper setzt sich mit vielen verschiedenen Erregern auseinander und baut so Schritt für Schritt Widerstandskraft für die kommenden Jahre auf.
Bis zu 15 Atemwegsinfektionen im Jahr
Einer britischen Studie zufolge hat ein Kleinkind nach dem Kita-Start im ersten Jahr etwa 12 bis 15 Atemwegsinfekte, zwei Magen-Darm-Erkrankungen sowie ein bis zwei Infektionen mit Hautausschlag. Mit jedem weiteren Jahr werden die Infektionen weniger. Wenn das Kind später in die Schule kommt, macht sich dieses „Bootcamp“ bezahlt: Kinder, die eine Kita besucht haben, sind in den ersten Schuljahren oft seltener krank als Kinder, die zu Hause betreut wurden.
Häufige Erkrankungen nach dem Start in der Kita sind also normal und sagen nichts über die Hygiene vor Ort oder den Gesundheitszustand des Kindes aus. Das bestätigen auch deutsche Kinderärzt*innen. Zwar gibt es hierzulande keine ganz vergleichbaren Statistiken wie in England, aber auch in Deutschland sind Kinder im ersten Betreuungsjahr deutlich häufiger von Infekten betroffen als später. Gerade in den Wintermonaten kann etwa alle zwei Wochen ein Infekt auftreten – auch das ist noch im normalen Bereich.
Genügend Zeit für die Erholung
Den besten Schutz vor schweren Infektionen bieten Impfungen, betonen Fachleute. Deshalb sollten alle Kinder gemäß den Empfehlungen der STIKO geimpft werden. Bei sogenannten banalen Infekten ist es außerdem wichtig, dass Kinder zu Hause bleiben, solange sie krank sind. So wird die Ausbreitung von Krankheiten in der Kita reduziert und das Kind hat ausreichend Zeit, sich zu erholen.
Damit ein Kind wieder in die Kita gehen kann, sollte es mindestens 24 Stunden frei von Symptomen wie Fieber oder Durchfall sein. Eine gute Faustregel ist: Wenn Eltern am Abend das Gefühl haben, ihr Kind wäre heute fit genug für die Kita gewesen, dann darf es sich am nächsten Tag wieder dort ins Getümmel stürzen.
Quelle: ptaheute

