Gesundheit heute

Zahnfleischentzündung

Zahnfleischentzündung (Gingivitis): Oberflächliche Entzündung des Zahnfleischsaums. Sie tritt sehr häufig auf, oft schon im Jugendalter, lässt sich aber gut behandeln. Bei der Zahnfleischentzündung ist nur das Zahnfleisch oberflächlich entzündet, jedoch noch kein Knochen abgebaut. Wird sie längere Zeit nicht behandelt, kann sich eine Parodontitis entwickeln.

Leitbeschwerden

  • Zahnfleischbluten
  • Rötung.

Die Erkrankung

Eine Zahnfleischentzündung geht meistens auf bakteriellen Zahnbelag, die so genannte Plaque, zurück. Andere mögliche Ursachen sind scheuernde Ränder von Zahnspangen, überstehende Füllungs- und Kronenränder oder hormonelle Veränderungen, z. B. während einer Schwangerschaft. Teilweise tritt eine Zahnfleischentzündung auch als Begleiterscheinung schwerer Allgemeinerkrankungen wie Diabetes oder Leukämie auf.

Typisch für eine Zahnfleischentzündung ist regelmäßiges Zahnfleischbluten nach mechanischen Belastungen wie Zähneputzen oder Nahrungsaufnahme.

1525_GTV_Zahnbelag_Zahnfleischentzuendung.jpg|Die Zahnfleischentzündung (linkes Bild) ist durch die auf dem mittleren Bild eingefärbten Beläge auf den Zähnen entstanden. An den geröteten Zahnfleischrändern kommt es leicht zu Zahnfleischbluten. Wie viel allein die Verbesserung der Mundhygiene ausmachen kann, zeigt das Bild rechts. |[GTV 1525]|Drei Bilder vom gleichen Gebiss: Einmal mit Belägen, einmal mit eingefärbten Belägen und einmal gereinigt von Belägen

Die ANUG (Akute nekrotisierende ulzeröse Gingivitis) ist eine besonders schwere Form der Zahnfleischentzündung, die sich vor allem bei jüngeren Menschen aus einer bereits bestehenden Zahnfleischentzündung entwickeln kann. Hierbei kommt es schubweise zu einer massiven, eitrigen Zerstörung des Zahnfleischs unter Fieber und starken Schmerzen. Besonders gefährlich wird die Erkrankung, wenn Kinder aufgrund der großen Schmerzen keine Nahrung mehr zu sich nehmen.

Das macht der Arzt

Die Behandlung beginnt mit einer vorsichtigen Reinigung der entzündeten Stellen und dem Auftragen einer entzündungshemmenden Salbe. Nach dem Abklingen der Schmerzen ist eine professionelle Reinigung der Zähne von allen Belägen sinnvoll. Anschließend trainiert der Arzt oder eine seiner Helferinnen zusammen mit dem Patienten eine bessere Putztechnik.

Bei einer ANUG wird das Zahnfleisch mit 3%-iger Wasserstoffperoxid-Lösung vorsichtig, aber gründlich gereinigt, zusätzlich werden Breitband-Antibiotika verordnet, um möglichst viel Zahnfleisch zu retten. Auch eine regelmäßige Mundspülung (z. B. mit Chlorhexidin) kann die akuten Beschwerden lindern.

Komplementärmedizin

Pflanzenheilkunde. Regelmäßiges Eincremen mit Zahnfleischbalsam (z. B. Salbei-Zahnfleischbalsam von Weleda®) beruhigt das entzündete Zahnfleisch. Der Balsam enthält mehrere entzündungshemmende Pflanzenextrakte wie Salbei, Kamille und Myrrhe sowie Mineralstoffe. Er wird nach dem Zähneputzen aufgetragen und nicht ausgespült. Alternativ stehen Tinkturen aus Rhabarberwurzel (Pyralvex®-Lösung) oder Ratanhia in Kombination mit Tormentillwurzelstock und Myrrhe (Repha-Os-Mundspray®) zur Verfügung; Meersalzspülungen desinfizieren und lindern Entzündungen.

Homöopathie. Die Homöopathie kennt u. a. Hypericum und Vulpur zur Vorbeugung und Linderung von Zahnfleischentzündungen.

Von: Dr. med. dent. Gisbert Hennessen, Thilo Machotta, Dr. med. Arne Schäffler in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung: Dr. med. Sonja Kempinski
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Zähneknirschen bei Kindern

Spuren von Zähneknirschen an den Milchzähnen können ein normaler Anpassungsprozess sein.

Zähneknirschen bei Kindern

Meist harmlos, manchmal ein Warnsignal

Viele Eltern erschrecken, wenn ihr Kind nachts mit den Zähnen knirscht. Die gute Nachricht: Häufig ist Bruxismus im Kindesalter vorübergehend und muss nicht behandelt werden. Wichtig ist, mögliche Auslöser zu erkennen. Und die haben meist nichts mit den Zähnen zu tun.

Kinder knirschen oft mit den Zähnen

Knirscht ein Kind nachts mit den Zähnen oder presst den Kiefer zusammen, machen sich viele Eltern Sorgen um die Zahngesundheit. Doch Zähneknirschen – medizinisch Bruxismus genannt – ist bei Kindern sehr häufig und nicht automatisch krankhaft. Die entsprechende Leitlinie betont: Gerade bei Kindern mit Milchzähnen und in der Phase des Zahnwechsels kann das Knirschen ein normaler Anpassungsprozess sein. Es hilft unter anderem dabei, den Biss einzustellen.

Bruxismus kann bereits mit dem Durchbruch der ersten Zähne auftreten. Bei Kindern wird die Häufigkeit auf bis zu 55 Prozent geschätzt. Oft bemerken Eltern das Knirschen nur nachts durch Geräusche – das Kind selbst bekommt davon meist nichts mit.

Wann sollte man genauer hinschauen?

Wichtig: Allein die Beobachtung von Knirschgeräuschen reicht nicht aus, um sicher eine Erkrankung festzustellen. Auch abgeschliffene Zähne allein beweisen keinen behandlungsbedürftigen Bruxismus. Ein Besuch bei der Kinderärzt*in ist allerdings sinnvoll, wenn zusätzlich Beschwerden auftreten oder Risikofaktoren bestehen. Hinweise können sein:

  • Schmerzen im Kieferbereich oder häufige Kopfschmerzen,
  • auffällige Schlafprobleme,
  • erschwerte Nasenatmung oder häufiges Atmen durch den Mund, 
  • Verhaltensauffälligkeiten oder starke psychische Belastungen.

Auch Stress und ein hoher Medienkonsum können mit Bruxismus in Zusammenhang stehen. In diesen Fällen gilt es, die Ursache anzugehen. Manchmal begünstigen zudem Medikamente das Zähneknirschen, z. B. Antihistaminika oder Medikamente zur Behandlung von ADHS. In diesen Fällen ist ärztlicher Rat einzuholen. Zudem sollten Eltern mit ihrem Kind die Zahnärzt*in oder die Kinderärzt*in aufsuchen, wenn sie wegen des Zähneknirschens unsicher sind.

Meist keine Behandlung notwendig

Eine Therapie ist meist nicht erforderlich. Der Bruxismus verschwindet oft wieder von selbst. Medikamente wie man sie bei Erwachsenen einsetzt (z. B. Botox-Injektionen) – werden zur Behandlung von kindlichem Zähneknirschen nicht empfohlen.

Bei Kindern und Jugendlichen mit bleibendem Gebiss kann in bestimmten Fällen eine Zahnschiene sinnvoll sein – vor allem, wenn die Zähne durch starkes Knirschen geschädigt werden. Die Leitlinie empfiehlt Schienen jedoch nur zurückhaltend und in der Regel zeitlich begrenzt. Während des Zahnwechsels sollten sie nicht eingesetzt werden, da sie das Wachstum und die Anpassung des Gebisses beeinträchtigen könnten.

Quelle: Ärztezeitung

Von: Dr. med. Sonja Kempinski; Bild: mauritius images / Science Photo Library / Peakstock