Gesundheit heute

Das 1 x 1 der guten Zahnpflege

Gesund beginnt im Mund: Ein sauberer Zahn wird nicht krank. Daher lohnt es sich, in jedem Alter die Zähne richtig zu pflegen. Und wer die Zahnpflege einmal fest in den Tagesplan integriert hat, profitiert sein Leben lang davon.

Zähneputzen war einmal. Natürlich putzt man sich auch heute noch die Zähne, aber Zähneputzen allein reicht eben nicht – für eine gute Zahnpflege sind auch andere Hilfsmittel und Putztechniken nötig. Schließlich sollen wirklich alle Zahnflächen von Belägen gereinigt werden: Vorder- und Rückseite, Kaufläche und – häufig vernachlässigt, aber sehr wichtig – die Zahnzwischenräume.

1508_GTV_Folgen_schlechter_Mundhygiene.png|Schlechte Mundhygiene wirkt sich im gesamten Körper aus: Bakterienherde und großflächige Entzündungen (wie z. B. eine Parodontitis) erhöhen das Risiko für viele schwere Erkrankungen. |[GTV 1508]|Grafik, die beispielhaft zeigt, wie Bakterien im Mund das Risiko für andere Krankheiten erhöht

Handzahnbürste

An erster Stelle der Zahnpflege steht immer noch die Reinigung der Zähne mit der Zahnbürste. Eine gute Handzahnbürste hat einen eher kleinen Kopf, mit dem man gut in alle Ecken kommt. Die Borsten sollten abgerundet und weich bis mittelhart sein, zu harte und kantige Borsten könnten sonst das Zahnfleisch verletzen. Der Bürstengriff muss fest in der Hand liegen und darf nicht rutschen.

Nach dem Zähneputzen sollte die Bürste immer gut unter fließendem Wasser ausgespült werden. Sobald die ersten Borsten ausfransen und verbogen sind, sollte man die Bürste wechseln. Normalerweise ist das alle 6–8 Wochen der Fall. Wer nach Infektionskrankheiten wie einer Mandelentzündung die Zahnbürste wechselt, stellt zudem sicher, dass er sich nicht selbst wieder ansteckt.

Auch wenn jede Zahnbürste, die etwas auf sich hält, mit besonders angeordneten oder geformten Borsten wirbt, empfehlen Fachleute nach wie vor ein einfaches, ebenes Borstenfeld, das aus vielen parallel angeordneten, eng stehenden Büscheln besteht.

Die richtige Putztechnik

Wichtiger als das Modell der Zahnbürste ist die richtige Putztechnik. Zähne sollten mit kleinen, kreisenden Bewegungen von „Rot nach Weiß", also vom Zahnfleisch zu den Zähnen, geputzt werden. Starker Druck kann das Zahnfleisch beschädigen, daher ist es besser, länger zu putzen, als mehr Kraft einzusetzen. Eine einfache Systematik ist: Im Unterkiefer außen beginnen, einmal rundherum, dann die Kauflächen und anschließend die Innenseiten der Zähne putzen. Danach das Ganze im Oberkiefer wiederholen.

Bei der Rütteltechnik (Bass-Technik), die viele Zahnärzte empfehlen, setzt man die Zahnbürste im 45°-Winkel am Zahnfleischsaum an, rüttelt etwa zehnmal pro Zahnabschnitt und bürstet anschließend die gelösten Beläge mit einer Wischbewegung von Rot nach Weiß aus. Beim Reinigen der Zahnrückseite wird die Zahnbürste senkrecht gehalten. Es werden ebenfalls kurze Rüttelbewegungen gemacht und die Zähne Richtung Zunge ausgebürstet.

Elektrische Zahnbürste

Elektrische Zahnbürsten sind in der Handhabung bequemer als Handzahnbürsten, dafür sind die Ersatzköpfe etwas teurer. Drei Modellarten werden unterschieden: 

  • Rotationszahnbürste: Der runde Bürstenkopf wird von einem kleinen Elektromotor betrieben und rotiert 5000 mal pro Minute. Einige Modelle lassen den Kopf zusätzlich pulsieren. Die Reinigung erfolgt mechanisch. Man sollte nur wenig Druck anwenden, denn zu hoher Druck kann das Zahnfleisch verletzen. Einige Modelle geben Warnsignale, wenn der Druck zu stark wird.
  • Schallzahnbürste (Sonic-Zahnbürste): Ein elektrischer Schallwandler treibt das Bürstchen an. Die Borsten erreichen so eine Schwingungsfrequenz von bis zu 30000 Schwingungen pro Minute. Die Reinigung ist auch bei diesen Modellen mechanisch. Deshalb gilt es auch hier auf den richtigen Druck zu achten. 
  • Ultraschallbürste: Der Bürstenkopf überträgt rund 1,7 Millionen Ultraschallschwingungen pro Minute auf die Zahnoberfläche. Die Schwingungen bringen auch den Speichel in Schwung und erzeugen deshalb in der Zahnpasta viele Schaumblasen. Wenn diese platzen, verteilen sich die Wirkstoffe der Zahnpasta im Mund. Für einige Modelle ist eine spezielle Zahnpasta erforderlich. Eine direkte mechanische Bearbeitung des Zahns oder Zahnfleisches entfällt. Dies soll das Zahnfleisch schonen. Allerdings hat das seinen Preis: Ultraschallbürsten sind die teuersten elektrischen Zahnbürsten.

Sofern die Bedienungsanleitung keine besondere Putztechnik erklärt, wird auch die elektrische Bürste leicht schräg auf die Zähne gesetzt und systematisch an allen Zähnen entlanggeführt. Die notwendigen Rüttel- und Wischbewegungen übernimmt der kreisende oder schwingende elektrische Bürstenkopf.

Untersuchungen zufolge reinigen elektrische Zahnbürsten tatsächlich besser als Handzahnbürsten, da sie auch an schwer zugänglichen Stellen die richtigen Putzbewegungen durchführen. Große Unterschiede zwischen den drei Modellarten konnten bislang nicht festgestellt werden. Vielmehr hängt auch hier – wie bei der Handzahnbürste – viel von der sorgfältigen und regelmäßigen Anwendung ab.

Wie lange und wie oft putzen?

Grundsätzlich ist die alte Regel nicht verkehrt: Nach dem Essen Zähneputzen nicht vergessen! Im Detail lässt sich über die Häufigkeit des Zähneputzens jedoch vortrefflich streiten. Fakt ist, dass es Menschen gibt, die, obwohl sie die Zähne nur wenig putzen, trotzdem keine Karies bekommen. Der Grund ist, dass die Mundflora dieser Menschen die Kariesbakterien in Schach hält. Trotzdem, auch dieser Bonus kann schnell verschwinden: Die Mundflora ändert sich im Laufe des Lebens und damit eventuell auch rasch die natürliche Kariesresistenz.

Wer die Zähne nach jeder Hauptmahlzeit und nach jeder süßen Zwischenmahlzeit putzt, macht tatsächlich nichts verkehrt. So viel Putzeifer legen allerdings die wenigsten an den Tag. Als Minimalempfehlung gelten zwei Zahnreinigungen pro Tag, davon eine besonders gründlich, bei der auch die Zahnzwischenräume (z. B. mit Zahnseide oder Interdentalbürsten) gesäubert werden. Als Dauer haben sich zwei Minuten bewährt – im Zweifelsfall lieber länger als kräftiger putzen!

Nach säurehaltigen Speisen und Getränken wie Obst, Saft, Wein oder Früchtetee ist es besser, eine halbe Stunde mit dem Putzen zu warten. Der Zahnschmelz wird durch die Säure angegriffen und ist eine Zeit lang empfindlicher.

Von: Dr. med. dent. Gisbert Hennessen, Thilo Machotta, Dr. med. Arne Schäffler in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung: Dr. med. Sonja Kempinski
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Zähneknirschen bei Kindern

Spuren von Zähneknirschen an den Milchzähnen können ein normaler Anpassungsprozess sein.

Zähneknirschen bei Kindern

Meist harmlos, manchmal ein Warnsignal

Viele Eltern erschrecken, wenn ihr Kind nachts mit den Zähnen knirscht. Die gute Nachricht: Häufig ist Bruxismus im Kindesalter vorübergehend und muss nicht behandelt werden. Wichtig ist, mögliche Auslöser zu erkennen. Und die haben meist nichts mit den Zähnen zu tun.

Kinder knirschen oft mit den Zähnen

Knirscht ein Kind nachts mit den Zähnen oder presst den Kiefer zusammen, machen sich viele Eltern Sorgen um die Zahngesundheit. Doch Zähneknirschen – medizinisch Bruxismus genannt – ist bei Kindern sehr häufig und nicht automatisch krankhaft. Die entsprechende Leitlinie betont: Gerade bei Kindern mit Milchzähnen und in der Phase des Zahnwechsels kann das Knirschen ein normaler Anpassungsprozess sein. Es hilft unter anderem dabei, den Biss einzustellen.

Bruxismus kann bereits mit dem Durchbruch der ersten Zähne auftreten. Bei Kindern wird die Häufigkeit auf bis zu 55 Prozent geschätzt. Oft bemerken Eltern das Knirschen nur nachts durch Geräusche – das Kind selbst bekommt davon meist nichts mit.

Wann sollte man genauer hinschauen?

Wichtig: Allein die Beobachtung von Knirschgeräuschen reicht nicht aus, um sicher eine Erkrankung festzustellen. Auch abgeschliffene Zähne allein beweisen keinen behandlungsbedürftigen Bruxismus. Ein Besuch bei der Kinderärzt*in ist allerdings sinnvoll, wenn zusätzlich Beschwerden auftreten oder Risikofaktoren bestehen. Hinweise können sein:

  • Schmerzen im Kieferbereich oder häufige Kopfschmerzen,
  • auffällige Schlafprobleme,
  • erschwerte Nasenatmung oder häufiges Atmen durch den Mund, 
  • Verhaltensauffälligkeiten oder starke psychische Belastungen.

Auch Stress und ein hoher Medienkonsum können mit Bruxismus in Zusammenhang stehen. In diesen Fällen gilt es, die Ursache anzugehen. Manchmal begünstigen zudem Medikamente das Zähneknirschen, z. B. Antihistaminika oder Medikamente zur Behandlung von ADHS. In diesen Fällen ist ärztlicher Rat einzuholen. Zudem sollten Eltern mit ihrem Kind die Zahnärzt*in oder die Kinderärzt*in aufsuchen, wenn sie wegen des Zähneknirschens unsicher sind.

Meist keine Behandlung notwendig

Eine Therapie ist meist nicht erforderlich. Der Bruxismus verschwindet oft wieder von selbst. Medikamente wie man sie bei Erwachsenen einsetzt (z. B. Botox-Injektionen) – werden zur Behandlung von kindlichem Zähneknirschen nicht empfohlen.

Bei Kindern und Jugendlichen mit bleibendem Gebiss kann in bestimmten Fällen eine Zahnschiene sinnvoll sein – vor allem, wenn die Zähne durch starkes Knirschen geschädigt werden. Die Leitlinie empfiehlt Schienen jedoch nur zurückhaltend und in der Regel zeitlich begrenzt. Während des Zahnwechsels sollten sie nicht eingesetzt werden, da sie das Wachstum und die Anpassung des Gebisses beeinträchtigen könnten.

Quelle: Ärztezeitung

Von: Dr. med. Sonja Kempinski; Bild: mauritius images / Science Photo Library / Peakstock