Gesundheit heute

Gelenkblockierungen

Gelenkblockierung (Gelenkblockade). Vorübergehende Bewegungseinschränkung eines Gelenks. Die Blockierung tritt fast immer sehr plötzlich auf und betrifft am häufigsten die Wirbelgelenke oder die Iliosakralgelenke (ISG). Bis zu 70 % der Menschen erleben mindestens 1 × im Leben eine Gelenkblockierung. Meist handelt es sich dabei um eine harmlose Schutzreaktion des Gelenks nach einer ungewohnten Bewegung. Nach einigen Stunden oder Tagen löst sich die Blockierung oft von selbst oder kann durch eine manuelle Behandlung in der Physiotherapie leicht behoben werden. Seltener stecken ernste Gelenkerkrankungen dahinter, z. B. eine Osteochondrose oder eine Arthrose. In diesen Fällen muss die auslösende Erkrankung gezielt behandelt werden.

Symptome und Leitbeschwerden

  • Plötzlich auftretende Bewegungseinschränkung des betroffenen Gelenks
  • Teilweise mit Schmerzen, meist in der umgebenden Muskulatur.

Wann in die Arztpraxis

In den nächsten Tagen, wenn sich die Blockierung nicht von selbst wieder löst.

Am selben Tag, wenn starke Schmerzen auftreten oder gleichzeitig weitere Beschwerden wie Taubheitsgefühle, Übelkeit oder Atemstörungen hinzukommen.

Die Erkrankung

Krankheitsentstehung

Eine Gelenkblockierung entsteht sehr häufig durch eine ungewohnte, meist ruckartige Bewegung. Das Gelenk "verhakt sich" wie eine klemmende Schublade. Oft kommt es dabei zu einem kurzen Schmerzreiz, der einen Muskelreflex auslöst. Um das Gelenk vor der ungewohnten Bewegung zu schützen, spannen sich die umgebenden Muskeln an. Dadurch wird das Gelenk in der Verhakung fixiert und kann sich zunächst nicht wieder lösen. Die betroffenen Gelenke nehmen dabei aber keinen Schaden, sie funktionieren wieder problemlos, sobald sich die Blockierung gelöst hat.

Anders ist dies, wenn der Gelenkblockierung eine Gelenkerkrankung zugrunde liegt:

  • Beispielsweise bildet sich bei einer Osteochondrose eine kleine Knorpelschuppe an der Gelenkoberfläche. Löst diese sich ab und schwimmt frei im Gelenk herum, kann sie sich in einer Nische des Gelenks verklemmen und beeinträchtigt dadurch die Gelenkbeweglichkeit. Auch hier kann sich die Schuppe von selbst wieder lösen. Sie wird sich aber wieder und wieder verklemmen und somit die Gelenkfunktion langfristig stören.
  • Auch bei einer Arthrose können freie Gelenkkörper (sogenannte "Gelenkmäuse") entstehen, die sich im Gelenk verklemmen. Die Erkrankte hat dann plötzlich noch weniger Gelenkbeweglichkeit als zuvor. Auch hier halten die Beschwerden über längere Zeit an.
  • Ein weiteres Beispiel sind Meniskuserkrankungen. Reißt ein Teil des Meniskus ab oder schlägt um, wird es eng im Kniegelenk und die Bewegung wird – meist in der Streckbewegung – deutlich eingeschränkt.

Ursachen und Risikofaktoren

Gelenkblockaden entstehen meist durch "falsche" Bewegungen. Das sind meist ruckartige und ungewohnte oder nicht vorhergesehene Bewegungen. Typisches Beispiel ist eine übersehene Unebenheit beim Laufen, bei der man plötzlich "in ein Loch tritt". Auch auf abrupte oder zu starke Drehbewegungen reagieren viele Gelenke empfindlich.

Klinik, Verlauf und Komplikationen

Die Bewegungseinschränkung tritt bei einer Gelenkblockierung fast immer sehr plötzlich auf. Meist ist nur eine Bewegungsrichtung betroffen, z. B. die Streckung.

Zum Teil kann die Gelenkblockierung mit Schmerzen einhergehen. Wird die Blockierung durch eine "falsche" Bewegung ausgelöst, gibt es meist einen kurzen Schmerzreiz im betroffenen Gelenk, der aber in der Regel schnell wieder nachlässt.

Die anschließende Verspannung der Muskulatur kann aber weitere Schmerzen verursachen, z. B.

  • dumpf ziehende Schmerzen der Muskeln in der Gelenkumgebung
  • ins Gesäß ausstrahlende Schmerzen bei ISG-Blockierung
  • Kopfschmerzen bei Wirbelblockierung in der Halswirbelsäule.

Diagnosesicherung

Die Ärzt*in wird zunächst Fragen stellen, wann und wodurch die Beschwerden entstanden sind, ob sie plötzlich oder schleichend auftraten und ob weitere Beschwerden bestehen. Dann wird sie das Gelenk und die Gelenkumgebung untersuchen, um festzustellen, wie stark und in welche Richtung die Bewegung eingeschränkt ist. Außerdem sucht sie nach weiteren Befunden, z. B. Schwellungen oder Erwärmung des Gelenks oder ein fühlbares "Schnappen" im Kniegelenk, das auf eine Meniskusverletzung hindeutet. Ergibt sich der Verdacht auf eine zugrundeliegende Gelenkerkrankung, sind weitere Untersuchungen notwendig, z. B. Röntgen, CT, MRT oder eine Gelenkspiegelung (Arthroskopie).

Differenzialdiagnosen. Auch bei einer Gelenkverstauchung (Distorsion) ist die Gelenkbeweglichkeit plötzlich eingeschränkt. Hierbei handelt es sich aber um eine sehr schmerzhafte Bewegungseinschränkung, die auf ein vorangegangenes Trauma folgt, z. B. ein Umknicken mit dem Fuß.

Behandlung

Nach einigen Stunden oder Tagen löst sich die Gelenkblockierung oft von selbst. Ist dies nicht der Fall, kann sie leicht durch eine manuelle Behandlung in einer Physiotherapie-Praxis behoben werden. Auch die Verspannungen der umgebenden Muskulatur lassen sich durch eine physiotherapeutische Behandlung lösen. Tritt die Blockierung wiederholt auf, sind Übungen zur Kräftigung der Muskulatur sinnvoll. Die Physiotherapeut*in wird Ihnen dazu Übungen zeigen, die Sie zuhause regelmäßig ausführen.

Liegt der Gelenkblockierung eine Gelenkerkrankung zugrunde, muss diese auslösende Erkrankung gezielt behandelt werden. Die Behandlung richtet sich nach der Erkrankung. Bei einer Osteochondrose kann die abgelöste Knorpelschuppe z. B. durch einen arthroskopischen Eingriff entfernt oder wieder fixiert werden.

Prognose

Wird die Gelenkblockierung durch eine "falsche" Bewegung verursacht, ist die Prognose in der Regel sehr gut. Auch wiederkehrende Gelenkblockierungen lassen sich durch gezielte Muskelaufbauübungen langfristig vorbeugen.

Bei einer zugrundeliegenden Gelenkerkrankung hängt die Prognose nicht nur von der auslösenden Erkrankung ab. Entscheidend sind auch weitere Faktoren wie das betroffene Gelenk, das Erkrankungsstadium und das Alter der Erkrankten.

Ihre Apotheke empfiehlt

Was Sie selbst tun können

Wärme- oder Kälteanwendungen. Oft verspüren Betroffene durch Wärme- oder Kälteauflagen eine Linderung. Ob Wärme oder Kälte hilfreich ist, hängt dabei vom persönlichen Befinden des Betroffenen ab. Verspannte Muskeln lassen sich meist aber durch Wärme besser lösen.

Bewegung. Bleiben Sie in Bewegung und vermeiden Sie Schonhaltungen, da diese die Muskelverspannung weiter verschlimmern können. Langsames Spazierengehen hingegen lockert die Muskulatur und steigert die Durchblutung. Dadurch können Sie das Lösen der Blockade unterstützen. Vermeiden Sie aber Überlastung, z. B. schweres Heben.

Vorbeugung. Viele Gelenke reagieren empfindlich auf Drehbewegungen. Bei ISG- und Wirbelblockierungen ist es daher z. B. hilfreich, aus dem Sitzen immer gerade nach vorn vom Stuhl aufzustehen, sich also nicht beim Aufstehen seitlich wegzudrehen.

Weiterführende Informationen

Quellen:

  • Neumann, H.-D. (2003) Manuelle Medizin. 6. Auflage, Springer Verlag
  • Pschyrembel (2026) Iliosakralgelenkblockade. Webartikel zur Klinischen Praxis. Abgerufen am 01.06.2026 unter https://www.pschyrembel.de/Iliosakralgelenkblockade/K0Q5S
  • Amboss (2026) Osteochondrosis dissecans. Webartikel zur Klinischen Praxis. Abgerufen am 01.06.2026 unter https://next.amboss.com/de/article/JQ0sCf?q=osteochondrosis+dissecans

Von: Dr. med. Nicole Menche, Dr. med Arne Schäffler in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung: Daniela Grimm
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Übungen gegen chronische Schmerzen

Atemtechniken und Achtsamkeit können helfen, besser mit chronischen Schmerzen umzugehen.

Übungen gegen chronische Schmerzen

Achtsamkeit und Atmen

Viele Betroffene wissen: Chronische Schmerzen lassen sich selbst mit Medikamenten nicht immer vollständig kontrollieren. In solchen Situationen können Atemtechniken, Entspannungsverfahren und Achtsamkeitsübungen helfen, besser mit den Beschwerden umzugehen.

Das Nervensystem beruhigen

Dass psychologische Verfahren die Schmerztherapie sinnvoll ergänzen können, ist seit Langem bekannt. Ihr Ziel ist es, das Nervensystem zu beruhigen und die Schmerzwahrnehmung positiv zu beeinflussen, sagt der Münchner Psychotherapeut Markus Schwabbaur. Es lohnt sich, einige dieser Methoden zu erlernen und regelmäßig anzuwenden. 

  • Ruhiges Atmen. Die Atmung beeinflusst unser Nervensystem unmittelbar. Langsames, bewusstes Atmen aktiviert den Parasympathikus und kann Muskelanspannung sowie Stressreaktionen reduzieren. Besonders wirksam ist es, wenn die Ausatmung etwa doppelt so lange dauert wie die Einatmung – beispielsweise vier Sekunden einatmen und acht Sekunden ausatmen. Schwabbaur empfiehlt die sogenannte Wuu-Atmung: Dabei wird beim Ausatmen ein lang gezogenes „Wuuu“ erzeugt. Manche Schmerzpatient*innen profitieren zudem davon, ihre Aufmerksamkeit zunächst auf die schmerzfreie Körperseite zu richten und gedanklich dorthin zu atmen. 
  • Entspannung. Menschen mit chronischen Schmerzen stehen häufig unter dauerhafter Anspannung. Bewusste Entspannung kann jedoch sowohl Ängste als auch Schmerzen lindern. Geeignet sind körperliche Aktivitäten wie Gehen oder Radfahren ebenso wie die Progressive Muskelrelaxation. Auch Musikhören oder Meditation können hilfreich sein. Entscheidend ist, regelmäßig zu üben und Entspannungsphasen fest in den Alltag zu integrieren.
  • Achtsamkeit. Achtsamkeitsübungen lenken die Aufmerksamkeit auf den gegenwärtigen Moment. Das kann besonders hilfreich sein, da chronische Schmerzen oft mit Sorgen und Zukunftsängsten verbunden sind – etwa der Frage, ob die Beschwerden jemals nachlassen werden. Beim sogenannten Body-Scan richten Betroffene ihre Aufmerksamkeit nacheinander auf verschiedene Körperbereiche und nehmen Empfindungen bewusst wahr.

Selbstumarmung und Bewegung

Darüber hinaus empfiehlt der Psychotherapeut weitere leicht umsetzbare Übungen. Dazu gehört der Butterfly Hug, bei dem man sich selbst umarmt, sowie Tapping-Techniken, bei denen bestimmte Körperbereiche – etwa unter dem Schlüsselbein oder auf der Brust – sanft abgeklopft werden. Unterstützend können auch positive Selbstbekräftigungen wirken, zum Beispiel: „Ich glaube, dass ich es verdient habe, mich besser zu fühlen.“

Ein weiterer wichtiger Baustein ist Bewegung. Viele Menschen mit chronischen Schmerzen vermeiden körperliche Aktivität aus Angst vor einer Verschlimmerung der Beschwerden. Dabei kann jede Bewegung, die die Schmerzen nicht verstärkt, dazu beitragen, Verspannungen zu lösen, die Beweglichkeit zu fördern und Schmerzen langfristig zu lindern.

Quelle: Ärztezeitung

Von: Dr. med. Sonja Kempinski; Bild: mauritius images / Wavebreakmedia