Gesundheit heute

Interkostalneuralgie

Interkostalneuralgie: Schmerzender Nerv zwischen den Rippen. Der Schmerz ist typischerweise einschießend, brennend oder stechend und strahlt häufig gürtelförmig nach vorne in die Brust aus. Er verstärkt sich bei Bewegung und tiefem Atmen und verringert sich meist im Liegen. Die Interkostalneuralgie ist keine eigenständige Krankheit, sondern ein Symptom bei verschiedenen Erkrankungen des Brustkorbs oder der Wirbelsäule, z. B. bei Gürtelrose oder einer Verletzung. Die Behandlung hängt von der auslösenden Ursache ab. Zusätzlich werden immer Schmerzmittel verordnet. Wichtig ist eine frühzeitige Behandlung. Dann verschwindet die Interkostalneuralgie meist nach wenigen Wochen oder Monaten.

Symptome und Leitbeschwerden

  • Einseitige einschießend stechende oder brennende Schmerzen entlang eines Rippenzwischenraums mit gürtelförmiger Ausstrahlung vom Rücken oder der Flanke nach vorn zur Brust
  • Atem- und bewegungsabhängige Verstärkung der Schmerzen
  • Besserung bei Ruhe und z. T. im Liegen
  • Eventuell begleitend Überempfindlichkeit, Taubheit oder Kribbeln der Haut im betroffenen Rippenzwischenraum.

Wann in die Arztpraxis

Am nächsten Tag, wenn die Schmerzen vom Rücken her ausstrahlen oder wenn Rötungen oder Bläschen auf der Haut entstehen.

Sofort den Notruf wählen, wenn die Schmerzen in den Arm ausstrahlen und/oder Atemnot hinzukommt oder wenn die Schmerzen im Zusammenhang mit einem Unfall auftreten.

Die Erkrankung

Krankheitsentstehung

Am Unterrand jeder Rippe verläuft ein Nerv von der Wirbelsäule nach vorne bis in die Brustbeinregion. Wird einer dieser Zwischenrippennerven gereizt oder geschädigt, zeigt sich dies durch typische "Nervenschmerzen": plötzlich einschießende heftige Schmerzen, die sich messerscharf stechend, schneidend oder brennend anfühlen.

Ursachen und Risikofaktoren

Die Auslöser einer Interkostalneuralgie sind vielfältig. Unter anderem kommen infrage:

    •  Entzündungen, z. B.
      • Knochenhautentzündung der Rippen (Periostitis)
      • Wirbelentzündung (Spondylitis)
      • Brustfellentzündung (Pleuritis)
      • Nervenwurzelentzündung wie die diabetische Radikulopathie
    •  Infektionen, z. B.
      • Gürtelrose
      • Pleurodynie
      • Borreliose
      • Neurosyphilis

    •  Verletzungen, z. B. durch
      • chirurgische Eingriffe am Brustkorb
      • Rippenbrüche
      • Wirbelbrüche

    •  Verschleißerkrankungen, z. B.
      • Wirbelblockaden in den Rippenwirbelgelenken oder Zwischenwirbelgelenken
      • Bandscheibenvorfälle in der Brustwirbelsäule
      • Knochen- und Knorpeldegeneration (Osteochondrose)
      • Wirbelgelenksarthrose

    •  Tumorerkrankungen
      • Rückenmarktumoren
      • Tumoren der Brustwirbelsäule
      • Knochenmetastasen.

Klinik, Verlauf und Komplikationen

Die Interkostalneuralgie entsteht typischerweise sehr plötzlich mit einseitigen heftigen, einschießenden Schmerzen, die sich messerscharf stechend, schneidend oder brennend anfühlen.
Sie beginnen je nach Ursache entweder in der Flanke und strahlen gürtelförmig nach hinten in den Rücken und nach vorn in die Brust oder sie entspringen im Rückenbereich und strahlen über die Flanke bis nach vorn.
Die Schmerzen werden verstärkt durch tiefes Atmen, Husten, Niesen und Bewegungen des Oberkörpers, besonders durch Drehbewegungen. Oft atmen die Betroffenen auffallend flach (Schonatmung).
Meist sind die Schmerzen für eine oder wenige Minuten sehr stark und gehen dann in einen dumpfen, anhaltenden Schmerz über, der zwischen den einzelnen Schmerzattacken auch ganz verschwinden kann.
Bei körperlicher Ruhe bessern sich die Schmerzen meist. Je nach Ursache verspüren die Betroffenen besonders im Liegen eine Besserung. Bei einigen Patient*innen ist aber auch das Gegenteil der Fall, wenn der Nerv beim Liegen stärker gereizt wird.
Begleitend zu den Schmerzen können auch eine Überempfindlichkeit, Taubheit oder ein Kribbeln der Haut im betroffenen Rippenzwischenraum auftreten.

Diagnosesicherung

Die Diagnose wird in erster Linie aufgrund des typischen Beschwerdebildes gestellt. Die Ärzt*in stellt zu Beginn meist mehrere Fragen:

  • Wann sind die Schmerzen zum ersten Mal aufgetreten?
  • Wie lange dauern die Schmerzen an?
  • Wie häufig sind die Schmerzen und wie fühlen sie sich genau an?
  • Gibt es weitere Beschwerden?


Anschließend tastet die Ärzt*in die betroffene Körperstelle ab und sucht nach Hautveränderungen. Eventuell müssen die Patient*innen den Oberkörper im Stehen abwechselnd zu beiden Seiten neigen. Dieser sog. Schepelmann-Test gibt Hinweise auf die Schmerzursache.

Bei einigen Erkrankungen, z. B. der Gürtelrose, reicht die Befragung und körperliche Untersuchung zur Diagnosestellung aus. Oft sind aber weitere Untersuchungen notwendig, z. B. Röntgen, CT, MRT oder Blutuntersuchungen, um z. B. Verschleiß- und Tumorerkrankungen, Entzündungen oder Infektionen festzustellen.
Differenzialdiagnosen.. Die Interkostalneuralgie verursacht ähnliche Schmerzen wie ein Herzinfarkt. Auch Erkrankungen der Hauptschlagader (Aorta) oder der Lunge können Schmerzen im Rippenzwischenraum auslösen, deshalb wird die Ärzt*in die Schmerzursache immer sehr sorgfältig prüfen, um keine lebensbedrohliche Erkrankung zu übersehen.

Behandlung


Die Behandlung der Interkostalneuralgie richtet sich nach der zugrundeliegenden Ursache. Bei Gürtelrose wird z. B. ein Medikament verordnet, das die Vermehrung der Viren hemmt (Virostatikum). Bei Verschleißerkrankungen können die Beschwerden z. B. mit Wärmeanwendungen und Physiotherapie gelindert werden. Bei Tumorerkrankungen ist eine gezielte Tumorbehandlung erforderlich, z. B. eine Chemotherapie oder Bestrahlung.
Zusätzlich wird unabhängig von der Ursache immer ein Schmerzmittel eingesetzt, zum Teil auch eine Kombination mehrerer Schmerzmittel. Zum Einsatz kommen z. B. Ibuprofen oder Diclofenac sowie Gabapentin oder Pregabalin, manchmal auch Antidepressiva wie Amitriptylin. In besonders schweren Fällen werden Opioide wie Tramadol verordnet. Bei starken Muskelverspannungen gibt es zusätzlich Medikamente zur Muskelentspannung oder es werden örtliche Betäubungsmittel in die betroffene Region injiziert. Die Schmerzen sollen so bestmöglich unterdrückt und eine Chronifizierung der Schmerzen verhindert werden.

Prognose


Die Heilungsaussichten der Interkostalneuralgie sind in der Regel gut. Wichtig ist ein frühzeitiger Beginn der Behandlung. Bei der Gürtelrose muss mit den Virostatika z. B. innerhalb der ersten 3 Tage begonnen werden. Ein früher Beginn ist auch bei der Schmerztherapie entscheidend. So lässt sich verhindern, dass die Schmerzen chronisch werden und sogar dann bleiben, wenn die Ursache beseitigt ist. Deshalb ist es wichtig, bei den Beschwerden frühzeitig eine Arztpraxis aufzusuchen. Bei Tumorerkrankungen sind die Heilungsaussichten unsicherer und hängen von der Tumorart ab.


Ihre Apotheke empfiehlt

Was Sie selbst tun können

Wärme- oder Kälteanwendungen. Viele Betroffene verspüren durch Wärme- oder Kälteauflagen eine Linderung. Ob Wärme oder Kälte hilfreich ist, hängt dabei sowohl von der zugrundeliegenden Erkrankung als auch vom persönlichen Befinden des Betroffenen ab. Bei Gürtelrose und Entzündungen hilft meist eher eine Kälteauflage. Bei Gelenkerkrankungen und Muskelverspannungen ist oft Wärme besser.

Ablenkung. Nervenschmerzen empfinden viele Betroffene als besonders zermürbend, deshalb konzentrieren sie sich im Alltag sehr darauf, jede "falsche" Bewegung zu vermeiden und möglichst schonend zu atmen. Das führt wiederum zu noch mehr Muskelverspannungen sowie mangelnder Durchblutung und beeinträchtigt das Wohlbefinden zusätzlich. Durchbrochen werden kann diese Schmerzspirale durch Ablenkung. Treffen Sie sich mit Freunden, gehen Sie ins Kino oder raus in die Natur, gönnen Sie sich eine Massage oder eine andere Wellnessbehandlung. Alles, was Ihnen guttut, unterstützt auch die Schmerzbekämpfung.

Weiterführende Informationen

Quellen:

Von: Dr. med. Nicole Menche, Dr. med Arne Schäffler in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung: Daniela Grimm
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Übungen gegen chronische Schmerzen

Atemtechniken und Achtsamkeit können helfen, besser mit chronischen Schmerzen umzugehen.

Übungen gegen chronische Schmerzen

Achtsamkeit und Atmen

Viele Betroffene wissen: Chronische Schmerzen lassen sich selbst mit Medikamenten nicht immer vollständig kontrollieren. In solchen Situationen können Atemtechniken, Entspannungsverfahren und Achtsamkeitsübungen helfen, besser mit den Beschwerden umzugehen.

Das Nervensystem beruhigen

Dass psychologische Verfahren die Schmerztherapie sinnvoll ergänzen können, ist seit Langem bekannt. Ihr Ziel ist es, das Nervensystem zu beruhigen und die Schmerzwahrnehmung positiv zu beeinflussen, sagt der Münchner Psychotherapeut Markus Schwabbaur. Es lohnt sich, einige dieser Methoden zu erlernen und regelmäßig anzuwenden. 

  • Ruhiges Atmen. Die Atmung beeinflusst unser Nervensystem unmittelbar. Langsames, bewusstes Atmen aktiviert den Parasympathikus und kann Muskelanspannung sowie Stressreaktionen reduzieren. Besonders wirksam ist es, wenn die Ausatmung etwa doppelt so lange dauert wie die Einatmung – beispielsweise vier Sekunden einatmen und acht Sekunden ausatmen. Schwabbaur empfiehlt die sogenannte Wuu-Atmung: Dabei wird beim Ausatmen ein lang gezogenes „Wuuu“ erzeugt. Manche Schmerzpatient*innen profitieren zudem davon, ihre Aufmerksamkeit zunächst auf die schmerzfreie Körperseite zu richten und gedanklich dorthin zu atmen. 
  • Entspannung. Menschen mit chronischen Schmerzen stehen häufig unter dauerhafter Anspannung. Bewusste Entspannung kann jedoch sowohl Ängste als auch Schmerzen lindern. Geeignet sind körperliche Aktivitäten wie Gehen oder Radfahren ebenso wie die Progressive Muskelrelaxation. Auch Musikhören oder Meditation können hilfreich sein. Entscheidend ist, regelmäßig zu üben und Entspannungsphasen fest in den Alltag zu integrieren.
  • Achtsamkeit. Achtsamkeitsübungen lenken die Aufmerksamkeit auf den gegenwärtigen Moment. Das kann besonders hilfreich sein, da chronische Schmerzen oft mit Sorgen und Zukunftsängsten verbunden sind – etwa der Frage, ob die Beschwerden jemals nachlassen werden. Beim sogenannten Body-Scan richten Betroffene ihre Aufmerksamkeit nacheinander auf verschiedene Körperbereiche und nehmen Empfindungen bewusst wahr.

Selbstumarmung und Bewegung

Darüber hinaus empfiehlt der Psychotherapeut weitere leicht umsetzbare Übungen. Dazu gehört der Butterfly Hug, bei dem man sich selbst umarmt, sowie Tapping-Techniken, bei denen bestimmte Körperbereiche – etwa unter dem Schlüsselbein oder auf der Brust – sanft abgeklopft werden. Unterstützend können auch positive Selbstbekräftigungen wirken, zum Beispiel: „Ich glaube, dass ich es verdient habe, mich besser zu fühlen.“

Ein weiterer wichtiger Baustein ist Bewegung. Viele Menschen mit chronischen Schmerzen vermeiden körperliche Aktivität aus Angst vor einer Verschlimmerung der Beschwerden. Dabei kann jede Bewegung, die die Schmerzen nicht verstärkt, dazu beitragen, Verspannungen zu lösen, die Beweglichkeit zu fördern und Schmerzen langfristig zu lindern.

Quelle: Ärztezeitung

Von: Dr. med. Sonja Kempinski; Bild: mauritius images / Wavebreakmedia