Gesundheit heute

Migräne

Migräne: anfallsartige, häufig pulsierend-pochende, meist einseitige Kopfschmerzen, die oft begleitet werden von Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit. Bei einem Teil der Betroffenen werden die Beschwerden eingeleitet durch die sogenannte Aura: kurzzeitige neurologische Ausfälle, z. B. Sehstörungen oder Missempfindungen. Migräne ist eine häufige Erkrankung. Etwa 15 % der Frauen, 5 % der Männer und 3–7 % der Kinder sind davon betroffen. Meistens tritt der 1. Migräneanfall im Jugend- oder frühen Erwachsenenalter auf. Die Erkrankung ist nicht heilbar. Es gibt aber zahlreiche Behandlungsmöglichkeiten, um die Migräne in einem erträglichen Rahmen zu halten.

Symptome und Leitbeschwerden

  • Wiederholte heftige Kopfschmerzanfälle, meist pulsierend und oft einseitig
  • Zu Beginn des Anfalls neurologische Störungen möglich, z. B. Sehstörungen und Missempfindungen
  • Begleitend oft Lärm- oder Lichtscheu, Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen
  • Zunahme der Beschwerden bei körperlicher Aktivität
  • Alltagsaktivitäten meist erheblich beeinträchtigt oder unmöglich.

Wann in die Arztpraxis

In den nächsten 2 Wochen, wenn

  • erstmalig ein Kopfschmerz auftritt, der zu einer Migräne "passt"
  • sich eine bekannte Migräne ändert oder eine bislang erfolgreiche Selbstbehandlung nicht mehr wirkt.

In den nächsten Tagen, wenn

  • zwischen den "Anfällen" keine Beschwerdefreiheit besteht
  • die Kopfschmerzen sehr stark sind und auf "nichts" ansprechen.

Sofort den Notruf wählen, wenn die Betroffene Krämpfe hat, bewusstlos wird oder Lähmungserscheinungen zeigt.

Die Erkrankung

Krankheitsentstehung

Die Migräne ist nicht, wie früher angenommen, psychisch bedingt und schon gar nicht wird ein Migräneanfall vorgetäuscht ("sie hat wieder mal ihre Migräne"). Vermutlich ist die Migräne erblich mitbedingt, bei einer seltenen Sonderform sind erbliche Gendefekte als direkte Ursache identifiziert. Besteht eine Neigung zur Migräne, lösen verschiedenste Einflüsse die Migräneanfälle aus. Hierzu zählen

  • bestimmte Nahrungs- und Genussmittel wie Rotwein und Käse
  • Änderungen des Schlaf-Wach-Rhythmus, Zeitverschiebungen
  • Hitze, Kälte und Wetterwechsel
  • Lärm, Flackerlicht
  • Unterzuckerung oder stark schwankender Blutzuckerspiegel
  • Stress bzw. Entspannung nach vorheriger Anspannung (Feiertags- oder Wochenendmigräne)
  • Aufenthalt in großer Höhe
  • "heraufziehende" Infektionen
  • bei Frauen die "Pille" sowie die Regelblutung.

Ursachen und Risikofaktoren

Wie es genau zu einem Migräneanfall kommt, ist nach wie vor nicht ganz klar. Wahrscheinlich spielt dabei eine Funktionsstörung der Nervenzellen eine Rolle. Vermutet wird, dass dadurch Botenstoffe ausgeschüttet werden, die auf die körpereigenen schmerzregulierenden Systeme einwirken und die Hirnhautgefäße erweitern. Dadurch entsteht dann der migränetypische Kopfschmerz.

Für die Aura verantwortlich ist wahrscheinlich eine verlangsamte Nervenzellaktivität in Teilen der Großhirnoberfläche. Dadurch wird u. a. die Sehrinde zu wenig durchblutet und somit die Sehstörungen verursacht.

Formen


Die häufigste Form der Migräne ist die Migräne ohne Aura. Hier beginnt der Migräneanfall direkt mit Kopfschmerzen.

Bei ungefähr 10–30 % der Betroffenen leiten neurologische Ausfälle eine Migräneattacke ein. Diese Form heißt Migräne mit Aura (oder auch klassische Migräne).

Zusätzlich gibt es seltenere Sonderformen wie

  • die hemiplegische Migräne, bei der die Migräneanfälle mit länger andauernder einseitiger Muskelschwäche einhergehen
  • die Migräne mit Hirnstammaura, bei der u. a. Schwindel, Hörstörungen und Bewusstseinsstörungen hinzukommen können.

Klinik, Verlauf und Komplikationen

Ein Migräneanfall verläuft typischerweise in 4 Phasen:

  • Prodromi (Vorboten) mit depressiver Verstimmung, Reizbarkeit, Heißhunger auf bestimmte Nahrungsmittel
  • Aura mit reversiblen neurologischen Symptomen
  • Kopfschmerzattacke mit Begleiterscheinungen
  • Anfallsende: Abklingen der Schmerzen mit Erschöpfung und verstärktem Schlafbedürfnis.

Beginnt die Migräneattacke mit einer Auraphase, kommt es zunächst zu Sehstörungen wie Lichtblitzen, Zickzacklinien, umschriebenen Gesichtsfeldeinschränkungen, grellen Farbwahrnehmungen oder Flimmersehen. Möglich sind auch Sprachstörungen oder Missempfindungen wie ein nadelstichartiges Kribbeln, das sich über eine Körperseite ausbreitet.

Die Kopfschmerzphase der Migräne ist durch pulsierend-pochende Schmerzen charakterisiert. Diese steigern sich typischerweise bei körperlicher Aktivität wie beim Treppensteigen.

Die Kopfschmerzen sind häufig einseitig, nur bei einem Drittel der Betroffenen treten sie im gesamten Kopf auf. Bei einseitigen Schmerzen wechselt die Seite manchmal während der Attacke oder von Attacke zu Attacke.

Begleitet werden die Kopfschmerzen sehr oft von Appetitlosigkeit, Übelkeit, z. T. auch Erbrechen sowie Lichtscheu, Lärmempfindlichkeit und Überempfindlichkeit gegenüber bestimmten Gerüchen. Auch ein leichtes Augentränen kommt oft vor.

Eine Migräneattacke dauert in der Regel 4 bis 72 Stunden. Die Hälfte der Betroffenen erleidet etwa einen Anfall im Monat, jede Zehnte hat aber 4 und mehr Anfälle im Monat.

Migräne bei Kindern. Bei Kindern ist die Migräne manchmal schwer zu erkennen, weil sie sich gar nicht mit Kopfschmerzen zeigt, sondern mit heftiger Übelkeit, Erbrechen und Schwindel. Hinzukommen können Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit und ein blasses Gesicht. Auf Eltern und Betreuende wirkt das dann eher wie ein "verdorbener Magen". Die Anfälle sind oft kürzer als bei Erwachsenen. Haben die Kinder auch Kopfschmerzen, sind diese meist beidseitig.

Komplikationen. Migräneanfälle, die nicht innerhalb von 72 Stunden aufhören (Status migraenosus) erfordern besondere Therapiemaßnahmen und oft eine Einweisung ins Krankenhaus. Sehr selten kommt es während des Migräneanfalls zu einem Schlaganfall oder einem epileptischen Anfall.

Diagnosesicherung

Die Diagnose wird in erster Linie aufgrund des typischen Beschwerdebildes gestellt. Die Ärzt*in stellt zu Beginn meist mehrere Fragen:

  • Wann sind die Schmerzen zum ersten Mal aufgetreten?
  • Wie lange dauern die Schmerzen an?
  • Wie häufig sind die Schmerzen und wie fühlen sie sich genau an?
  • Gibt es weitere Beschwerden?
  • Nehmen Sie Medikamente ein?

Bei schon länger bestehenden Kopfschmerzen kann ein Kopfschmerztagebuch helfen, diese Fragen zu beantworten. An die Befragung schließt sich eine körperliche und neurologische Untersuchung an.

Weitere Untersuchungen sind nur selten nötig und sollen andere Erkrankungen ausschließen. Sie machen Sinn, wenn die Beschwerden nicht so ganz typisch für die Migräne sind, die Erkrankung erst nach dem 40. Geburtstag beginnt oder sich die bisher aufgetretenen Symptome einer bekannten Migräne ändern. Dafür ist dann vielleicht eine CT und/oder eine MRT vom Hirnschädel erforderlich.

Differenzialdiagnosen. Häufiger als die Migräne sind Spannungskopfschmerzen. Wichtiges Unterscheidungsmerkmal ist, dass Spannungskopfschmerzen bei Bewegung nicht zunehmen. Spannungskopfschmerzen sind zudem eher dumpf-drückend und nur selten von weiteren Beschwerden begleitet, z. B. einer leichten Übelkeit und Lärmscheu. Die Schmerzen sind meist nicht so intensiv wie bei Migräne und beeinträchtigen den Alltag nur wenig.

Mehrmals tägliche einseitige Kopfschmerzen, die von einer laufenden Nase begleitet werden, können durch die seltene paroxysmale Hemikranie verursacht sein.

Der Analgetika-Kopfschmerz durch einen Übergebrauch von Schmerzmitteln zeigt sich häufig durch einseitig-pulsierende Schmerzen mit Lichtscheu, Übelkeit und Erbrechen und ähnelt somit stark der Migräne.

Auch Cluster-Kopfschmerzen sind einseitig und sehr stark, aber sie führen eher zu ruhelosem Verhalten statt zu einem Ruhebedürfnis wie bei Migräne.

Behandlung

Die Therapie der Migräne ist nicht ganz einfach, denn es gibt kein Medikament, das alle Symptome beseitigt. Oft lässt sich auch nur die Anzahl und Intensität der Anfälle mindern. Die Migränetherapie umfasst neben der medikamentösen Behandlung psychotherapeutische und physiotherapeutische Heilverfahren sowie Änderungen im Lebensstil und Selbsthilfemaßnahmen.

Oft lässt sich den Migräneanfällen bereits durch Lebensstilanpassungen vorbeugen:

  • Schlafen Sie ausreichend und gehen Sie immer zu festen Zeiten ins Bett. Die meisten erwachsenen Menschen brauchen zwischen 7 und 9 Stunden Schlaf. Auch am Wochenende sollten Sie zur selben Zeit aufstehen und ins Bett gehen wie an den Wochentagen.
  • Achten Sie auf einen möglichst geregelten Tagesablauf. Ein fester Tagesrhythmus beugt Stress und Schlafstörungen vor, stabilisiert den Stoffwechsel, Blutdruck und Hormonhaushalt.
  • Lassen Sie keine Mahlzeiten ausfallen. Das vermeidet starke Blutzuckerschwankungen und Unterzuckerung.
  • Treiben Sie regelmäßig Ausdauersport (jeden 2. oder 3. Tag), also zum Beispiel Joggen, Radfahren oder zügiges Spazierengehen. Ausdauersport baut Stress ab und das Gehirn schüttet bestimmte Hormone aus (Endorphine), welche die Schmerzschwelle anheben können. Studien belegen, dass der Bedarf an Migränemedikamenten durch Ausdauersport sinkt. Aber Achtung: Zu intensives Training kann für manche Betroffene ein Migräneauslöser sein.
  • Verzichten Sie auf Alkohol, besonders auf Rotwein. Wein enthält neben dem Alkohol bestimmte Inhaltsstoffe wie biogene Amine, die Migräne auslösen können.

Im akuten Migräneanfall muss oft zunächst die Übelkeit mit einem Antiemetikum behandelt werden. Sonst kann es passieren, dass das Schmerzmittel wieder erbrochen wird. Deshalb wird als erstes Metoclopramid oder Domperidon eingenommen.

Eine Viertelstunde später kann dann das Schmerzmittel folgen.

Als Mittel der ersten Wahl dienen Acetylsalicylsäure, Paracetamol oder Ibuprofen, am besten als Brause- oder Kautablette. Es gibt auch Kombinationspräparate, z. B. mit Koffein – für viele sind sie wirksamer als die Einzelmedikamente. Sie haben aber auch häufiger Nebenwirkungen. Für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren sind Ibuprofen oder Paracetamol am besten, für Schwangere Paracetamol. Paracetamol lässt sich auch als Zäpfchen verabreichen.

Bei schweren Migräneattacken oder wenn die Schmerzen nicht auf übliche Schmerzmittel ansprechen, werden Triptane verordnet, etwa Sumatriptan, Eletriptan, Zolmitriptan oder Naratriptan. Triptane gibt es als Tabletten, Nasensprays und zum Spritzen unter die Haut. Sie dürfen erst im Migräneanfall eingenommen werden – und nicht schon während der Aura, da Triptane sonst selbst zum (arzneimittelinduzierten) Kopfschmerz und sogar zu häufigeren Migräneanfällen führen.

Reicht ein Triptan nicht aus, um die Schmerzen erträglich zu machen, wird empfohlen das Triptan mit einem Schmerzmittel zu kombinieren, vorrangig mit Naproxen.

Dürfen Triptane z. B. wegen einer bestimmten Vorerkrankung nicht eingenommen werden oder zeigen sich Triptane und Analgetika als unwirksam, stehen weitere Wirkstoffe wie Lasmiditan und Rimegepant zur Verfügung.

Bei länger anhaltenden Schmerzen sind immer 2 Seiten zu beachten:

  • Einerseits müssen Kopfschmerzen immer ausreichend behandelt werden. Denn unbehandelte Schmerzen sind mit Lernerfahrungen verbunden, bei denen sich der Schmerz in das Gedächtnis eingräbt. Dieses Schmerzgedächtnis begünstigt die Entwicklung eines chronischen Kopfschmerzes.
  • Andererseits haben auch freiverkäufliche Schmerzmittel bei häufiger Einnahme ernst zu nehmende Nebenwirkungen.

Eine wichtige Grundregel lautet: Nehmen Sie maximal an 10 Tagen (Kombinationspräparate) bzw. 15 Tagen (einfache Schmerzmittel) im Monat Schmerzmittel.

Bei mehrwöchiger oder gar dauernder Einnahme von Analgetika (Schmerzmitteln) droht ein Analgetikakopfschmerz. Dabei wird der Schmerz paradoxerweise durch die Schmerzmittel verursacht. Bei diesen dumpf-drückenden oder pulsierenden Dauerkopfschmerzen hilft nur eines: konsequentes Weglassen aller Schmerzmittel.

Deshalb werden in bestimmten Fällen statt Schmerzmitteln zur Akuttherapie besser vorbeugende Medikamente zur Anfallsprophylaxe verordnet. Das kommt z. B. in Betracht bei mehr als 3 Migräneanfällen im Monat, bei besonders langen Anfällen oder wenn die Akutmedikamente nicht ausreichend wirken bzw. die Nebenwirkungen zu stark sind.

  • Vorzugsweise eingesetzt werden die aus der Bluthochdruckbehandlung bekannten Betablocker Metoprolol und Propranolol, der Kalziumantagonist Flunarizin und die Antiepileptika Topiramat und Valproinsäure. Ihre Wirksamkeit kann erst nach 2 Monaten wirklich beurteilt werden: die Anzahl an Migränetagen sollte sich um 30–50 % verringert haben. Um dies zu ermitteln, ist das Führen eines Kopfschmerztagebuches angezeigt. Bei Wirksamkeit der Therapie sollte nach 6–12 Monaten ein Auslass- oder Dosisreduktions-Versuch unternommen werden. Bei erneuter Verschlechterung der Migräne wird dann ein erneuter Behandlungszyklus eingeleitet.
  • Sind diese Standardmedikamente nicht ausreichend, schlägt die Ärzt*in andere Medikamente vor, z. B. das Antidepressivum Amitriptylin oder Botulinumtoxin, ein Wirkstoff, der an bestimmten Stellen des Kopfes injiziert wird und über mehrere Monate wirkt.
  • Als neuere Wirkstoffe stehen die CGRP-Antikörper und CGRP-Antagonisten wie Erenumab und Eptinezumab zur Verfügung. Diese Wirkstoffe sind verträglicher als andere Migränemedikamente, aber leider sehr teuer. Zudem liegen noch keine Langzeiterfahrungen damit vor. Deshalb werden sie nur eingesetzt, wenn andere Wirkstoffe unwirksam sind.

Die vorbeugenden Medikamente können zusätzlich mit nichtmedikamentösen Maßnahmen zur Anfallsprophylaxe kombiniert werden. Positive Effekte zeigen vor allem psychotherapeutische Behandlungsmethoden wie

  • Biofeedback, MBSR (Mindfullness-Based Stress Reduktion)
  • verschiedene Entspannungsverfahren wie autogenes Training und die progressive Muskelentspannung
  • kognitive Verhaltenstherapie.

Neuere nichtmedikamentöse Methoden, die sich in der Migränebehandlung ebenfalls als wirksam erwiesen haben sind z. B.

  • die transkutane Stimulation des N. trigeminus im supraorbitalen Bereich (Cefaly®). Über Reizelektroden an der Stirn wird die Schmerzempfindung. und -weiterleitung über die Gehirnnerven unterdrückt. Diese Methode eignet sich zur Akuttherapie und zur Anfallsprophylaxe.
  • die Remote Electrical Neuromodulation (REN). Diese Methode wirkt über eine elektrische Stimulation am Oberarm auf die körpereigene Schmerzkontrolle und ist gut verträglich. Auch diese Methode wirkt sowohl vorbeugend als auch im akuten Anfall.
  • die digitale Gesundheitsanwendung SinCephalea®. Diese App wertet regelmäßige Blutzuckermessungen aus und gibt Diätempfehlungen, um den Blutzuckerspiegel möglichst konstant zu halten und somit der Migräne vorzubeugen.

Prognose

Die Migräne ist nicht heilbar, aber häufig rückläufig. Bei Kindern verschwindet die Migräne in 50 % der Fälle in der Pubertät, bei Erwachsenen bessert sie sich oft nach dem 45. Lebensjahr, bei Frauen meist in den Wechseljahren. Bei einem Teil der Betroffenen verläuft die Migräne aber trotz aller Behandlungsmöglichkeiten so schwer, dass sie die Lebensqualität stark einschränkt und zur Erwerbsunfähigkeit führt. Zudem kommen bei Menschen mit Migräne häufig Begleiterkrankungen wie Depressionen und Angsterkrankungen hinzu.

Ihre Apotheke empfiehlt

Was Sie selbst tun können

Akuthilfe bei einer Kopfschmerzattacke. Während des Anfalls helfen am besten Ruhe in einem abgedunkelten Raum und Kälteanwendungen, z. B. durch kalte Kompressen, Kühlpacks oder eine Migränebrille. Manchmal hilft eine heiße Dusche oder ein Vollbad. Badezusätze aus Baldrian und Hopfen beruhigen, Arnika und Heublume lindern Schmerzen.

Auslöser meiden. Um Anfallsauslöser zu meiden, müssen Sie zunächst herausfinden, was bei Ihnen einen Anfall provoziert. Dabei kann ein Kopfschmerztagebuch helfen. Rufen Sie sich regelmäßig die bekannten Anfallsauslöser in Erinnerung. So fällt es leichter, diese im Alltag aufzudecken.

Heißhungerattacken. Lange Zeit galten Schokolade und Süßigkeiten als Migräne-Auslöser. Eine aktuelle Studie zeigt aber, dass Schokolade den Anfall nicht verursacht, sondern Heißhunger mit verstärkter Lust auf Süßes ihn vielmehr ankündigt. Der Grund dafür: Das Gehirn braucht Energie für den bevorstehenden Migräneanfall. Das bedeutet: Um einem Anfall vorzubeugen, nützt es nichts auf Schokolade zu verzichten und Heißhunger zu unterdrücken. Im Gegenteil, laut der Studie verstärkt der Verzicht die Symptome sogar.

Komplementärmedizin

Akupunktur. In einigen Studien zeigt sich die Akupunktur der schulmedizinischen Standardbehandlung als ebenbürtig, bei deutlich weniger Nebenwirkungen. Allerdings bezieht sich dies nur auf die Behandlung des akuten Migräneanfalls. Außerdem reicht die Aussagekraft der Studien nicht aus, um die Akupunktur eindeutig als Alternative zur medikamentösen Behandlung zu empfehlen. Wirksamkeitsnachweise für die chronische Migräne gibt es noch nicht.

Phytotherapie. Als klassisches Mittel bei Migräne gilt der Pestwurz-Wurzelstock (Petasites hybridus). Er ist in Deutschland und Österreich allerdings nicht mehr als Arzneimittel erhältlich. Auch Mutterkraut – in Form von CO2-Extrakt – hat sich in Studien als wirksam erwiesen und ist aktuell in Deutschland erhältlich. Andere Formen von Mutterkraut wurden nicht untersucht.

Weiterführende Informationen

Von: Dr. med. Nicole Menche, Dr. med Arne Schäffler in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung: Daniela Grimm
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Der Fibromyalgie Einhalt gebieten

Die Fibromyalgie ist oft von starker Erschöpfung und Tagesmüdigkeit begleitet.

Der Fibromyalgie Einhalt gebieten

Schmerzen lindern, Schlaf verbessern

Chronische Schmerzen, die sich am ganzen Körper ausbreiten, Schlafstörungen und Erschöpfung - Fibromyalgie beeinträchtigt das Leben der Betroffenen stark. Glücklicherweise kommt man der rätselhaften Erkrankung immer mehr auf die Spur und weiß heute: Bewegung und Selbstmanagement sind die Basis, um die Beschwerden in Schach zu halten. Bei sehr schweren Schmerzen können auch Medikamente helfen.

Komplexe eigenständige Erkrankung

Das Fibromyalgie-Syndrom (oder einfacher, die Fibromyalgie) ist eine chronische Erkrankung, die durch diffuse, generalisierte Muskelschmerzen in verschiedenen Körperregionen gekennzeichnet ist. Das wird auch durch den lateinischen Namen ausgedrückt, der wörtlich übersetzt „Faser-Muskel-Schmerz“ bedeutet. Zusätzlich leiden die Betroffenen unter Schlafstörungen, Müdigkeit und ausgeprägter Erschöpfung. Auch vegetative Beschwerden wie Verdauungsstörungen oder vermehrtes Schwitzen werden beobachtet.

Besonders an diesem Schmerzsyndrom ist, dass sich keine organischen Schäden nachweisen lassen. Deshalb wurden Patient*innen mit Fibromyalgie lange Zeit nicht ernst genommen und die Beschwerden als psychosomatisch abgetan. 1990 definierten Fachgesellschaften die ersten Kriterien für die Erkrankung. Trotzdem zweifelten einige Kritiker*innen immer noch am Bestehen dieser Krankheit. Neuere Forschungen haben aber erbracht, dass es sich bei der Fibromyalgie tatsächlich um eine „echte“ eigenständige Krankheit handelt.

Bisher wurde die Fibromyalgie aufgrund ihrer Muskel-Sehnenschmerzen oft als rheumatische Erkrankung angesehen. Diese Einordnung greift neueren Kenntnissen zufolge jedoch zu kurz, denn das Syndrom ist deutlich komplexer. Schmerzexpert*innen ordnen das Fibromyalgie-Syndrom inzwischen dem noziplastischen Schmerz zu. Dieser Schmerz betrifft das gesamte Nervensystem und entsteht dadurch, dass die Schmerzverarbeitung gestört ist.

Die Ursache ist multifaktoriell – vermutlich spielen u. a. genetische Faktoren und psychosoziale Belastungen eine Rolle. Als Letztere werden z. B. Gewalterfahrungen in der Kindheit und im Erwachsenenalter, frühe negative Schmerzerfahrungen und andauernde kritische Lebensereignisse diskutiert.

Hinweis: Das Unwissen über das Fibromyalgie-Syndrom führte in der Vergangenheit zu vielen Fehldiagnosen. Betroffene – meist Frauen – wurden als hysterisch oder depressiv bezeichnet, manchmal galt auch die Menopause als Auslöser. Oft unterstellte man den Erkrankten sogar, sie würden die Schmerzen nur simulieren. Wie man heute weiß, trifft davon nichts zu.

Wie macht sich die Fibromyalgie bemerkbar?

Kennzeichnend für eine Fibromyalgie sind die über den Körper weit ausgedehnten Schmerzen sowie Muskelverspannungen und Muskelsteifigkeit. Sowohl die Stärke als auch die Art der Schmerzen variieren häufig. Das Ausmaß reicht von leicht bis unerträglich, empfunden werden die Schmerzen als brennend, schneidend, dumpf oder bohrend.

Auch die betroffenen Bereiche können wechseln. Sehr häufig werden Schmerzen am Rücken und an den Armen beschrieben, die sich wie Muskelkater anfühlen. Die Muskeln und die Muskel-Sehnenansätze sind oft druckschmerzhaft. Früher galten bestimmte Druckschmerzpunkte (sogenannte Tenderpoints) als beweisend für eine Fibromyalgie. Inzwischen weiß man aber, dass diese Tenderpoints nicht zwingend vorhanden sein müssen.

Neben den Schmerzen leiden Fibromyalgie-Patient*innen auch unter zahlreichen anderen Beschwerden. Bei fast allen ist der Schlaf gestört, als Folge kommt es zu einer ausgeprägten Tagesmüdigkeit. Viele Betroffene fühlen sich körperlich stark erschöpft bis hin zur Fatigue. Das vegetative Nervensystem ist ebenfalls oft beteiligt. Viele Kranke sind kälteempfindlicher oder schwitzen vermehrt, andere haben Missempfindungen und leiden unter Kribbeln. Magen-Darm-Störungen und Atembeschwerden kommen ebenfalls vor. Insgesamt werden bis zu 150 Symptome beschrieben, die mit einem Fibromyalgie-Syndrom einhergehen können.

Durch die starke Belastung entwickeln manche Betroffene auch seelische Beschwerden. So werden Konzentrationsschwierigkeiten (der sogenannte Fibro-Fog), aber auch Ängstlichkeit und Stimmungsschwankungen beklagt. In ausgeprägten Fällen kommt es sogar zu starken Depressionen. Ganz wichtig ist dabei: Diese Veränderungen sind nicht die Ursache der Erkrankung, sondern eine Folge der ständigen Schmerzen und Erschöpfung.

Hinweis: In Deutschland sind etwa 2% aller Erwachsenen von einer Fibromyalgie betroffen. Meist macht sich die Erkrankung im Alter zwischen 40 und 60 Jahren bemerkbar, aber auch Kinder und alte Menschen können darunter leiden. Insgesamt haben Frauen häufiger eine Fibromyalgie als Männer.

Ist es eine Fibromyalgie?

Schmerzen und Erschöpfung sind unspezifische Beschwerden, die bei vielen Erkrankungen vorkommen. Ob es sich dabei um eine Fibromyalgie handelt, erkennt die Ärzt*in anhand der Krankengeschichte, der geschilderten Symptome und der körperlichen Untersuchung.

Im ausführlichen Gespräch fragt die Ärzt*in danach, wie lange die Beschwerden schon vorhanden sind, wie sie sich zeigen und welche Begleiterscheinungen auftreten. Das Ausmaß der Schmerzen und Einschränkungen erfasst man mit speziellen Frage- und Dokumentationsbögen.

Danach wird die Patient*in körperlich untersucht. Dabei erkennt die Ärzt*in druckschmerzhafte Bereiche und dokumentiert sie ebenso wie die Areale des Körpers, in denen die Patient*in die Schmerzen angegeben hat. Die nach den früheren Kriterien geforderten Tenderpoints können untersucht werden, gelten aber nur noch als unterstützend für eine Diagnose. Entscheidend sind Ausdehnung und Stärke der Schmerzen. Zur Messung der Ausdehnung verwendet man den Widespread Pain Index (WPI), zur Messung der Stärke die Symptom Severity Scale (SSS).

Um wichtige Differenzialdiagnosen auszuschließen, führt die Ärzt*in je nach individuellem Fall verschiedene orthopädisch-neurologische Untersuchungen durch. Dazu gehören u.a. Beweglichkeitsprüfungen von Wirbelsäule und Gelenken sowie die Testung von Kraft und Sensibilität. Auch das Abfragen der eingenommenen Medikamente ist wichtig, denn einige Wirkstoffe können Muskelbeschwerden verursachen (z. B. Statine oder bestimmte Antibiotika).

Nach diesen Untersuchungen lässt sich meist erkennen, ob die heute geforderten Kriterien für die Diagnose einer Fibromyalgie vorliegen. Diese sind 

  • konstante Beschwerden über drei Monate oder mehr 
  • generalisierte Schmerzen in mindestens vier von fünf Körperregionen (Hand-Arm-Schulter rechts bzw. links, Fuß-Bein-Hüfte rechts bzw. links, Kopf/Hals/Rumpf)
  • Ausdehnung und Ausmaß der Beschwerden, WPI ≥ 7 und ein SSS ≥5 oder ein WPI 4-6 und ein SSS ≥9

Einen bestimmten Laborwert, der die Fibromyalgie anzeigt, gibt es bisher nicht. Zwar wurden bei einigen Betroffenen erniedrigte Werte des Botenstoffs Serotonin, bei anderen erhöhte Werte der Substanz P gefunden – für eine Diagnose sind diese Werte bisher aber nicht geeignet. Trotzdem werden meist Laboruntersuchungen angeordnet. Damit lassen sich Erkrankungen ausschließen, die ähnliche Beschwerden wie eine Fibromyalgie auslösen können. Dazu gehören z. B. rheumatische oder Muskelerkrankungen, die Lyme-Arthritis oder eine Schilddrüsenunterfunktion.

Hinweis: Menschen mit Fibromyalgie haben oft einen langen Ärzt*innen-Marathon hinter sich, bis die Diagnose gestellt wird. Prinzipiell ist zunächst die Hausärzt*in die erste Anlaufstation für die Abklärung, im Zweifel kann man von dort zu einer Fachärzt*in überwiesen werden. Zur Weiterbehandlung bei bestehender Diagnose eignen sich Schmerzspezialist*innen, es gibt auch Spezialkliniken mit Fibromyalgie-Ambulanzen.

Bewegung ist das A und O

Die Fibromyalgie ist ein chronisches Schmerzsyndrom, das nicht geheilt, wohl aber gelindert werden kann. Es ist wichtig, dass Patient*in und Ärzt*in gemeinsam ein Therapieziel erarbeiten und die Behandlung darauf ausrichten. Ein realistisches Ziel ist zum Beispiel, Schmerzen, Müdigkeit und Schlafstörungen um mindestens 30 % zu reduzieren.

Basis der Behandlung ist die Psychoedukation inklusive einer ausführlichen Aufklärung über die Erkrankung. Die Patient*in lernt dabei, dass die Fibromyalgie nicht lebensbedrohlich ist und sich die Beschwerden durch eigene Aktivität lindern lassen.

Die Therapie erfolgt nach dem Schweregrad der Erkrankung. Bei leichterer Ausprägung reichen oft eine diszipliniert durchgeführte Bewegungstherapie und die Förderung sozialer und geistiger Aktivitäten. In schweren Fällen kommen Medikamente hinzu.

  • Bewegungstherapie. Körperliche Bewegung hat eine Schlüsselrolle bei der Behandlung. Es ist zweifelsfrei nachgewiesen, dass regelmäßiges Training fast alle Fibromyalgiebeschwerden nachhaltig bessert. Ein Programm mit drei Trainingseinheiten von 30 bis 60 Minuten pro Woche steigert die Lebensqualität und senkt die Schmerzen. Zum Ausdauertraining eignen sich schnelles Spazierengehen, Tanzen, Radfahren oder Aquajogging. Empfohlen werden je 2-3 Mal pro Woche über 30 Minuten. Zusätzlich sind Wasser- und Trockengymnastik mit Flexibilitäts- und Kräftigungsübungen günstig. Als effektiv hat sich auch Zumba erwiesen – entscheidend ist, dass die Betroffenen in Bewegung kommen und bleiben.
  • Soziale Aktivitäten. Oft führt die Fibromyalgie zu so starker Erschöpfung, dass die Betroffenen Aktivitäten lieber meiden und sich zu Hause ausruhen. Doch gerade regelmäßige soziale Kontakte, Freizeitunternehmungen und Hobbys bessern die Lebensqualität und helfen, Stress und Depressionen zu reduzieren.
  • Physiotherapie. Ob Osteopathie, manuelle Therapie oder spezielle Massagen grundlegend hilfreich sind, wird kontrovers diskutiert. Akute Schmerzen lassen sich aber Studien zufolge durchaus von erfahrenen Therapeut*innen mittels Druck-Massage-Manipulationen lindern.
  • Physikalische Therapie: Vibrationstraining, Wärme- oder Kälteanwendungen und Hydrotherapie werden von vielen Betroffenen als lindernd empfunden und können individuell ausprobiert werden. Nachteil ist allerdings, dass diese Behandlungen meist selbst bezahlt werden müssen. Bei Wärmebehandlungen ist außerdem zu beachten, dass die überempfindlichen Körperbereiche durch zu große Wärme überreizt werden können. Sowohl Sauna als auch Infrarotkabinen oder Einreibungen mit wärmenden Salben sollten deshalb mit Vorsicht genossen werden.
  • Psychotherapie. Wenn die Betroffenen die Krankheit psychisch nicht bewältigen oder psychische Begleitstörungen vorliegen, sind v. a. psychotherapeutische Verfahren eine Option. Es kommen insbesondere die kognitive Verhaltenstherapie und Biofeedback infrage. Viele Betroffene empfinden auch achtsamkeitsbasierte Stressreduktion und Entspannungsverfahren als hilfreich.

Medikamente zur Behandlung der Fibromyalgie

Etwa 30 bis 40 % der Betroffenen sprechen nicht ausreichend auf die nicht-medikamentöse Therapie an. Sie benötigen gegen ihre Schmerzen und Beschwerden Medikamente. Allerdings ist in Deutschland kein Wirkstoff explizit zur Behandlung der Fibromyalgie zugelassen, ihr Einsatz erfolgt also „off label“. Prinzipiell gilt dabei, dass Medikamente nur zeitlich befristet und nur im Rahmen eines Gesamttherapiekonzepts eingesetzt werden sollen.

Verwendet werden dabei verschiedene Substanzgruppen. Dazu gehören Antidepressiva und Antikonvulsiva. Letztere sind Wirkstoffe, die gegen epileptische Anfälle entwickelt wurden und übermäßige Nervenzellaktivitäten hemmen. In Ausnahmefällen kommen auch schwache Opioide in Frage. Welche davon verordnet werden, entscheidet die Ärzt*in aufgrund der Schmerzintensität und der begleitenden Beschwerden.

  • Am häufigsten bei Fibromyalgie verwendet wird das Antidepressivum Amitriptylin. Es dämpft die Schmerzwahrnehmung im Gehirn, indem es die Wiederaufnahme der Botenstoffe Noradrenalin und Serotonin hemmt. Durch einen weiteren Wirkmechanismus verbessert es zusätzlich den Schlaf. Nebenwirkungen sind u.a. Mundtrockenheit, Schläfrigkeit, Kopfschmerzen und Gewichtszunahme. Liegt neben der Fibromyalgie eine Depression vor, verordnen die Ärzt*innen oft das Antidepressivum Duloxetin. Es wirkt ähnlich wie Amitryptilin und bessert dadurch Schmerz, Schlaf und die Stimmung.
  • Auch das Antikonvulsivum Pregabalin hat einen Einfluss auf die zentrale Schmerzverarbeitung. Es dämpft u. a. die hypersensiblen Schmerzwege. Durch die Stabilisierung der Nervenzellen bessern sich Schmerzen, Schlaf und Erschöpfung bei den Betroffenen. Es ist eine gute Option, wenn die Betroffenen begleitend unter einer Angststörung leiden. Als Nebenwirkung kann es zu Gewichtszunahme und Wassereinlagerung in den Beinen kommen.
  • Bei sehr schweren, therapieresistenten Schmerzanfällen kann das schwache Opioid Tramadol als akutes „Rettungsmittel“ helfen. Aufgrund des Abhängigkeitsrisikos darf es aber nur kurzfristig eingenommen werden.

Viele Schmerzmittel sind bei der Fibromyalgie unwirksam oder haben ein zu ausgeprägtes Nebenwirkungsrisiko und werden daher nicht empfohlen. Dazu gehören nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) und Paracetamol, aber auch starke Opioide, Schlafmittel und muskelentspannende Substanzen. Ob Cannabinoide helfen, wird noch diskutiert. In einer aktuellen Studie besserte THC-reiches Cannabisöl bei den untersuchten Patient*innen Schmerz und Fatigue.

Leben mit Fibromyalgie

Die Fibromyalgie ist keine lebensbedrohliche Erkrankung. Weil dabei keine Organe geschädigt werden, beeinflusst die Erkrankung selbst auch die Lebenserwartung nicht. Trotzdem leiden viele Fibromyalgie-Patient*innen unter einer stark eingeschränkten Lebensqualität. Daran sind nicht nur die Schmerzen Schuld. Dauermüdigkeit, Erschöpfung und Konzentrationsschwierigkeiten können Alltag und Beruf erschweren und ein normales Leben fast unmöglich machen.

Oft ist es für die Betroffenen schwierig, anderen ihre Schmerzen und ihre Erschöpfung zu vermitteln. Denn Menschen, die nicht darunter leiden, können sich das Ausmaß der Beschwerden oft nicht vorstellen und verstehen die Erkrankung nicht. Deshalb sind gerade für Fibromyalgie-Patientinnen Selbsthilfegruppen so wichtig. Beim Austausch mit Leidensgenoss*innen können Probleme besprochen und Lösungswege diskutiert werden. Oft unterstützen Selbsthilfegruppen auch dabei, therapeutisch am Ball zu bleiben. Denn um der Fibromyalgie mit mehr Bewegung und einem aktiven Lebensstil effektiv zu begegnen, sind Ausdauer und Disziplin nötig. Fibro-Fog und Erschöpfung machen es aber häufig schwer, den inneren Schweinehund zu überwinden. Mitbetroffene und Selbsthilfegruppen können bei diesem Dauerkampf gegen die Erkrankung helfen. Selbsthilfegruppen findet man auf den Webseiten der Deutschen Fibromyalgie Vereinigung (DFV) oder bei der Fibromyalgie-Liga Deutschland.

Auch die Deutsche Schmerz-Liga bietet Links zu Selbsthilfegruppen sowie eine zentrale Hotline an. Eine besonders gute Sache sind auch Patientenschulungen. So hat z. B. die Rheuma-Liga gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie ein Schulungsprogramm für Betroffene entwickelt. In Kleingruppen werden die Patient*innen in mehreren Sitzungen über Therapiemöglichkeiten informiert. Wenn der Kurs ärztlich verordnet wird, übernehmen die Krankenkassen häufig die Kosten.

Quellen: DGS-Praxisleitlinie Fibromyalgie-Syndrom, Deutsche Schmerzgesellschaft e. V.

Von: Dr. med. Sonja Kempinski; Bild: mauritius images / Westend61 / Kniel Synnatzschke