Gesundheit heute
Migräne
Migräne: anfallsartige, häufig pulsierend-pochende, meist einseitige Kopfschmerzen, die oft begleitet werden von Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit. Bei einem Teil der Betroffenen werden die Beschwerden eingeleitet durch die sogenannte Aura: kurzzeitige neurologische Ausfälle, z. B. Sehstörungen oder Missempfindungen. Migräne ist eine häufige Erkrankung. Etwa 15 % der Frauen, 5 % der Männer und 3–7 % der Kinder sind davon betroffen. Meistens tritt der 1. Migräneanfall im Jugend- oder frühen Erwachsenenalter auf. Die Erkrankung ist nicht heilbar. Es gibt aber zahlreiche Behandlungsmöglichkeiten, um die Migräne in einem erträglichen Rahmen zu halten.
Symptome und Leitbeschwerden
- Wiederholte heftige Kopfschmerzanfälle, meist pulsierend und oft einseitig
- Zu Beginn des Anfalls neurologische Störungen möglich, z. B. Sehstörungen und Missempfindungen
- Begleitend oft Lärm- oder Lichtscheu, Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen
- Zunahme der Beschwerden bei körperlicher Aktivität
- Alltagsaktivitäten meist erheblich beeinträchtigt oder unmöglich.
Wann in die Arztpraxis
In den nächsten 2 Wochen, wenn
- erstmalig ein Kopfschmerz auftritt, der zu einer Migräne "passt"
- sich eine bekannte Migräne ändert oder eine bislang erfolgreiche Selbstbehandlung nicht mehr wirkt.
In den nächsten Tagen, wenn
- zwischen den "Anfällen" keine Beschwerdefreiheit besteht
- die Kopfschmerzen sehr stark sind und auf "nichts" ansprechen.
Sofort den Notruf wählen, wenn die Betroffene Krämpfe hat, bewusstlos wird oder Lähmungserscheinungen zeigt.
Die Erkrankung
Krankheitsentstehung
Die Migräne ist nicht, wie früher angenommen, psychisch bedingt und schon gar nicht wird ein Migräneanfall vorgetäuscht ("sie hat wieder mal ihre Migräne"). Vermutlich ist die Migräne erblich mitbedingt, bei einer seltenen Sonderform sind erbliche Gendefekte als direkte Ursache identifiziert. Besteht eine Neigung zur Migräne, lösen verschiedenste Einflüsse die Migräneanfälle aus. Hierzu zählen
- bestimmte Nahrungs- und Genussmittel wie Rotwein und Käse
- Änderungen des Schlaf-Wach-Rhythmus, Zeitverschiebungen
- Hitze, Kälte und Wetterwechsel
- Lärm, Flackerlicht
- Unterzuckerung oder stark schwankender Blutzuckerspiegel
- Stress bzw. Entspannung nach vorheriger Anspannung (Feiertags- oder Wochenendmigräne)
- Aufenthalt in großer Höhe
- "heraufziehende" Infektionen
- bei Frauen die "Pille" sowie die Regelblutung.
Ursachen und Risikofaktoren
Wie es genau zu einem Migräneanfall kommt, ist nach wie vor nicht ganz klar. Wahrscheinlich spielt dabei eine Funktionsstörung der Nervenzellen eine Rolle. Vermutet wird, dass dadurch Botenstoffe ausgeschüttet werden, die auf die körpereigenen schmerzregulierenden Systeme einwirken und die Hirnhautgefäße erweitern. Dadurch entsteht dann der migränetypische Kopfschmerz.
Für die Aura verantwortlich ist wahrscheinlich eine verlangsamte Nervenzellaktivität in Teilen der Großhirnoberfläche. Dadurch wird u. a. die Sehrinde zu wenig durchblutet und somit die Sehstörungen verursacht.
Formen
Die häufigste Form der Migräne ist die Migräne ohne Aura. Hier beginnt der Migräneanfall direkt mit Kopfschmerzen.
Bei ungefähr 10–30 % der Betroffenen leiten neurologische Ausfälle eine Migräneattacke ein. Diese Form heißt Migräne mit Aura (oder auch klassische Migräne).
Zusätzlich gibt es seltenere Sonderformen wie
- die hemiplegische Migräne, bei der die Migräneanfälle mit länger andauernder einseitiger Muskelschwäche einhergehen
- die Migräne mit Hirnstammaura, bei der u. a. Schwindel, Hörstörungen und Bewusstseinsstörungen hinzukommen können.
Klinik, Verlauf und Komplikationen
Ein Migräneanfall verläuft typischerweise in 4 Phasen:
- Prodromi (Vorboten) mit depressiver Verstimmung, Reizbarkeit, Heißhunger auf bestimmte Nahrungsmittel
- Aura mit reversiblen neurologischen Symptomen
- Kopfschmerzattacke mit Begleiterscheinungen
- Anfallsende: Abklingen der Schmerzen mit Erschöpfung und verstärktem Schlafbedürfnis.
Beginnt die Migräneattacke mit einer Auraphase, kommt es zunächst zu Sehstörungen wie Lichtblitzen, Zickzacklinien, umschriebenen Gesichtsfeldeinschränkungen, grellen Farbwahrnehmungen oder Flimmersehen. Möglich sind auch Sprachstörungen oder Missempfindungen wie ein nadelstichartiges Kribbeln, das sich über eine Körperseite ausbreitet.
Die Kopfschmerzphase der Migräne ist durch pulsierend-pochende Schmerzen charakterisiert. Diese steigern sich typischerweise bei körperlicher Aktivität wie beim Treppensteigen.
Die Kopfschmerzen sind häufig einseitig, nur bei einem Drittel der Betroffenen treten sie im gesamten Kopf auf. Bei einseitigen Schmerzen wechselt die Seite manchmal während der Attacke oder von Attacke zu Attacke.
Begleitet werden die Kopfschmerzen sehr oft von Appetitlosigkeit, Übelkeit, z. T. auch Erbrechen sowie Lichtscheu, Lärmempfindlichkeit und Überempfindlichkeit gegenüber bestimmten Gerüchen. Auch ein leichtes Augentränen kommt oft vor.
Eine Migräneattacke dauert in der Regel 4 bis 72 Stunden. Die Hälfte der Betroffenen erleidet etwa einen Anfall im Monat, jede Zehnte hat aber 4 und mehr Anfälle im Monat.
Migräne bei Kindern. Bei Kindern ist die Migräne manchmal schwer zu erkennen, weil sie sich gar nicht mit Kopfschmerzen zeigt, sondern mit heftiger Übelkeit, Erbrechen und Schwindel. Hinzukommen können Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit und ein blasses Gesicht. Auf Eltern und Betreuende wirkt das dann eher wie ein "verdorbener Magen". Die Anfälle sind oft kürzer als bei Erwachsenen. Haben die Kinder auch Kopfschmerzen, sind diese meist beidseitig.
Komplikationen. Migräneanfälle, die nicht innerhalb von 72 Stunden aufhören (Status migraenosus) erfordern besondere Therapiemaßnahmen und oft eine Einweisung ins Krankenhaus. Sehr selten kommt es während des Migräneanfalls zu einem Schlaganfall oder einem epileptischen Anfall.
Diagnosesicherung
Die Diagnose wird in erster Linie aufgrund des typischen Beschwerdebildes gestellt. Die Ärzt*in stellt zu Beginn meist mehrere Fragen:
- Wann sind die Schmerzen zum ersten Mal aufgetreten?
- Wie lange dauern die Schmerzen an?
- Wie häufig sind die Schmerzen und wie fühlen sie sich genau an?
- Gibt es weitere Beschwerden?
- Nehmen Sie Medikamente ein?
Bei schon länger bestehenden Kopfschmerzen kann ein Kopfschmerztagebuch helfen, diese Fragen zu beantworten. An die Befragung schließt sich eine körperliche und neurologische Untersuchung an.
Weitere Untersuchungen sind nur selten nötig und sollen andere Erkrankungen ausschließen. Sie machen Sinn, wenn die Beschwerden nicht so ganz typisch für die Migräne sind, die Erkrankung erst nach dem 40. Geburtstag beginnt oder sich die bisher aufgetretenen Symptome einer bekannten Migräne ändern. Dafür ist dann vielleicht eine CT und/oder eine MRT vom Hirnschädel erforderlich.
Differenzialdiagnosen. Häufiger als die Migräne sind Spannungskopfschmerzen. Wichtiges Unterscheidungsmerkmal ist, dass Spannungskopfschmerzen bei Bewegung nicht zunehmen. Spannungskopfschmerzen sind zudem eher dumpf-drückend und nur selten von weiteren Beschwerden begleitet, z. B. einer leichten Übelkeit und Lärmscheu. Die Schmerzen sind meist nicht so intensiv wie bei Migräne und beeinträchtigen den Alltag nur wenig.
Mehrmals tägliche einseitige Kopfschmerzen, die von einer laufenden Nase begleitet werden, können durch die seltene paroxysmale Hemikranie verursacht sein.
Der Analgetika-Kopfschmerz durch einen Übergebrauch von Schmerzmitteln zeigt sich häufig durch einseitig-pulsierende Schmerzen mit Lichtscheu, Übelkeit und Erbrechen und ähnelt somit stark der Migräne.
Auch Cluster-Kopfschmerzen sind einseitig und sehr stark, aber sie führen eher zu ruhelosem Verhalten statt zu einem Ruhebedürfnis wie bei Migräne.
Behandlung
Die Therapie der Migräne ist nicht ganz einfach, denn es gibt kein Medikament, das alle Symptome beseitigt. Oft lässt sich auch nur die Anzahl und Intensität der Anfälle mindern. Die Migränetherapie umfasst neben der medikamentösen Behandlung psychotherapeutische und physiotherapeutische Heilverfahren sowie Änderungen im Lebensstil und Selbsthilfemaßnahmen.
Oft lässt sich den Migräneanfällen bereits durch Lebensstilanpassungen vorbeugen:
- Schlafen Sie ausreichend und gehen Sie immer zu festen Zeiten ins Bett. Die meisten erwachsenen Menschen brauchen zwischen 7 und 9 Stunden Schlaf. Auch am Wochenende sollten Sie zur selben Zeit aufstehen und ins Bett gehen wie an den Wochentagen.
- Achten Sie auf einen möglichst geregelten Tagesablauf. Ein fester Tagesrhythmus beugt Stress und Schlafstörungen vor, stabilisiert den Stoffwechsel, Blutdruck und Hormonhaushalt.
- Lassen Sie keine Mahlzeiten ausfallen. Das vermeidet starke Blutzuckerschwankungen und Unterzuckerung.
- Treiben Sie regelmäßig Ausdauersport (jeden 2. oder 3. Tag), also zum Beispiel Joggen, Radfahren oder zügiges Spazierengehen. Ausdauersport baut Stress ab und das Gehirn schüttet bestimmte Hormone aus (Endorphine), welche die Schmerzschwelle anheben können. Studien belegen, dass der Bedarf an Migränemedikamenten durch Ausdauersport sinkt. Aber Achtung: Zu intensives Training kann für manche Betroffene ein Migräneauslöser sein.
- Verzichten Sie auf Alkohol, besonders auf Rotwein. Wein enthält neben dem Alkohol bestimmte Inhaltsstoffe wie biogene Amine, die Migräne auslösen können.
Im akuten Migräneanfall muss oft zunächst die Übelkeit mit einem Antiemetikum behandelt werden. Sonst kann es passieren, dass das Schmerzmittel wieder erbrochen wird. Deshalb wird als erstes Metoclopramid oder Domperidon eingenommen.
Eine Viertelstunde später kann dann das Schmerzmittel folgen.
Als Mittel der ersten Wahl dienen Acetylsalicylsäure, Paracetamol oder Ibuprofen, am besten als Brause- oder Kautablette. Es gibt auch Kombinationspräparate, z. B. mit Koffein – für viele sind sie wirksamer als die Einzelmedikamente. Sie haben aber auch häufiger Nebenwirkungen. Für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren sind Ibuprofen oder Paracetamol am besten, für Schwangere Paracetamol. Paracetamol lässt sich auch als Zäpfchen verabreichen.
Bei schweren Migräneattacken oder wenn die Schmerzen nicht auf übliche Schmerzmittel ansprechen, werden Triptane verordnet, etwa Sumatriptan, Eletriptan, Zolmitriptan oder Naratriptan. Triptane gibt es als Tabletten, Nasensprays und zum Spritzen unter die Haut. Sie dürfen erst im Migräneanfall eingenommen werden – und nicht schon während der Aura, da Triptane sonst selbst zum (arzneimittelinduzierten) Kopfschmerz und sogar zu häufigeren Migräneanfällen führen.
Reicht ein Triptan nicht aus, um die Schmerzen erträglich zu machen, wird empfohlen das Triptan mit einem Schmerzmittel zu kombinieren, vorrangig mit Naproxen.
Dürfen Triptane z. B. wegen einer bestimmten Vorerkrankung nicht eingenommen werden oder zeigen sich Triptane und Analgetika als unwirksam, stehen weitere Wirkstoffe wie Lasmiditan und Rimegepant zur Verfügung.
Bei länger anhaltenden Schmerzen sind immer 2 Seiten zu beachten:
- Einerseits müssen Kopfschmerzen immer ausreichend behandelt werden. Denn unbehandelte Schmerzen sind mit Lernerfahrungen verbunden, bei denen sich der Schmerz in das Gedächtnis eingräbt. Dieses Schmerzgedächtnis begünstigt die Entwicklung eines chronischen Kopfschmerzes.
- Andererseits haben auch freiverkäufliche Schmerzmittel bei häufiger Einnahme ernst zu nehmende Nebenwirkungen.
Eine wichtige Grundregel lautet: Nehmen Sie maximal an 10 Tagen (Kombinationspräparate) bzw. 15 Tagen (einfache Schmerzmittel) im Monat Schmerzmittel.
Bei mehrwöchiger oder gar dauernder Einnahme von Analgetika (Schmerzmitteln) droht ein Analgetikakopfschmerz. Dabei wird der Schmerz paradoxerweise durch die Schmerzmittel verursacht. Bei diesen dumpf-drückenden oder pulsierenden Dauerkopfschmerzen hilft nur eines: konsequentes Weglassen aller Schmerzmittel.
Deshalb werden in bestimmten Fällen statt Schmerzmitteln zur Akuttherapie besser vorbeugende Medikamente zur Anfallsprophylaxe verordnet. Das kommt z. B. in Betracht bei mehr als 3 Migräneanfällen im Monat, bei besonders langen Anfällen oder wenn die Akutmedikamente nicht ausreichend wirken bzw. die Nebenwirkungen zu stark sind.
- Vorzugsweise eingesetzt werden die aus der Bluthochdruckbehandlung bekannten Betablocker Metoprolol und Propranolol, der Kalziumantagonist Flunarizin und die Antiepileptika Topiramat und Valproinsäure. Ihre Wirksamkeit kann erst nach 2 Monaten wirklich beurteilt werden: die Anzahl an Migränetagen sollte sich um 30–50 % verringert haben. Um dies zu ermitteln, ist das Führen eines Kopfschmerztagebuches angezeigt. Bei Wirksamkeit der Therapie sollte nach 6–12 Monaten ein Auslass- oder Dosisreduktions-Versuch unternommen werden. Bei erneuter Verschlechterung der Migräne wird dann ein erneuter Behandlungszyklus eingeleitet.
- Sind diese Standardmedikamente nicht ausreichend, schlägt die Ärzt*in andere Medikamente vor, z. B. das Antidepressivum Amitriptylin oder Botulinumtoxin, ein Wirkstoff, der an bestimmten Stellen des Kopfes injiziert wird und über mehrere Monate wirkt.
- Als neuere Wirkstoffe stehen die CGRP-Antikörper und CGRP-Antagonisten wie Erenumab und Eptinezumab zur Verfügung. Diese Wirkstoffe sind verträglicher als andere Migränemedikamente, aber leider sehr teuer. Zudem liegen noch keine Langzeiterfahrungen damit vor. Deshalb werden sie nur eingesetzt, wenn andere Wirkstoffe unwirksam sind.
Die vorbeugenden Medikamente können zusätzlich mit nichtmedikamentösen Maßnahmen zur Anfallsprophylaxe kombiniert werden. Positive Effekte zeigen vor allem psychotherapeutische Behandlungsmethoden wie
- Biofeedback, MBSR (Mindfullness-Based Stress Reduktion)
- verschiedene Entspannungsverfahren wie autogenes Training und die progressive Muskelentspannung
- kognitive Verhaltenstherapie.
Neuere nichtmedikamentöse Methoden, die sich in der Migränebehandlung ebenfalls als wirksam erwiesen haben sind z. B.
- die transkutane Stimulation des N. trigeminus im supraorbitalen Bereich (Cefaly®). Über Reizelektroden an der Stirn wird die Schmerzempfindung. und -weiterleitung über die Gehirnnerven unterdrückt. Diese Methode eignet sich zur Akuttherapie und zur Anfallsprophylaxe.
- die Remote Electrical Neuromodulation (REN). Diese Methode wirkt über eine elektrische Stimulation am Oberarm auf die körpereigene Schmerzkontrolle und ist gut verträglich. Auch diese Methode wirkt sowohl vorbeugend als auch im akuten Anfall.
- die digitale Gesundheitsanwendung SinCephalea®. Diese App wertet regelmäßige Blutzuckermessungen aus und gibt Diätempfehlungen, um den Blutzuckerspiegel möglichst konstant zu halten und somit der Migräne vorzubeugen.
Prognose
Die Migräne ist nicht heilbar, aber häufig rückläufig. Bei Kindern verschwindet die Migräne in 50 % der Fälle in der Pubertät, bei Erwachsenen bessert sie sich oft nach dem 45. Lebensjahr, bei Frauen meist in den Wechseljahren. Bei einem Teil der Betroffenen verläuft die Migräne aber trotz aller Behandlungsmöglichkeiten so schwer, dass sie die Lebensqualität stark einschränkt und zur Erwerbsunfähigkeit führt. Zudem kommen bei Menschen mit Migräne häufig Begleiterkrankungen wie Depressionen und Angsterkrankungen hinzu.
Ihre Apotheke empfiehlt
Was Sie selbst tun können
Akuthilfe bei einer Kopfschmerzattacke. Während des Anfalls helfen am besten Ruhe in einem abgedunkelten Raum und Kälteanwendungen, z. B. durch kalte Kompressen, Kühlpacks oder eine Migränebrille. Manchmal hilft eine heiße Dusche oder ein Vollbad. Badezusätze aus Baldrian und Hopfen beruhigen, Arnika und Heublume lindern Schmerzen.
Auslöser meiden. Um Anfallsauslöser zu meiden, müssen Sie zunächst herausfinden, was bei Ihnen einen Anfall provoziert. Dabei kann ein Kopfschmerztagebuch helfen. Rufen Sie sich regelmäßig die bekannten Anfallsauslöser in Erinnerung. So fällt es leichter, diese im Alltag aufzudecken.
Heißhungerattacken. Lange Zeit galten Schokolade und Süßigkeiten als Migräne-Auslöser. Eine aktuelle Studie zeigt aber, dass Schokolade den Anfall nicht verursacht, sondern Heißhunger mit verstärkter Lust auf Süßes ihn vielmehr ankündigt. Der Grund dafür: Das Gehirn braucht Energie für den bevorstehenden Migräneanfall. Das bedeutet: Um einem Anfall vorzubeugen, nützt es nichts auf Schokolade zu verzichten und Heißhunger zu unterdrücken. Im Gegenteil, laut der Studie verstärkt der Verzicht die Symptome sogar.
Komplementärmedizin
Akupunktur. In einigen Studien zeigt sich die Akupunktur der schulmedizinischen Standardbehandlung als ebenbürtig, bei deutlich weniger Nebenwirkungen. Allerdings bezieht sich dies nur auf die Behandlung des akuten Migräneanfalls. Außerdem reicht die Aussagekraft der Studien nicht aus, um die Akupunktur eindeutig als Alternative zur medikamentösen Behandlung zu empfehlen. Wirksamkeitsnachweise für die chronische Migräne gibt es noch nicht.
Phytotherapie. Als klassisches Mittel bei Migräne gilt der Pestwurz-Wurzelstock (Petasites hybridus). Er ist in Deutschland und Österreich allerdings nicht mehr als Arzneimittel erhältlich. Auch Mutterkraut – in Form von CO2-Extrakt – hat sich in Studien als wirksam erwiesen und ist aktuell in Deutschland erhältlich. Andere Formen von Mutterkraut wurden nicht untersucht.
Weiterführende Informationen
- Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e. V.
- MigräneLiga e. V. – Verein für den Austausch von Informationen und Erfahrungen
- H. Göbel: Erfolgreich gegen Kopfschmerzen und Migräne. Springer-Verlag. Bewährter Ratgeber des Chefarztes der Schmerzklinik Kiel, als E-Book in aktueller 10. Auflage 2025
Nackenschmerzen sind meist nicht gefährlich, können aber die Lebensqualität stark einschränken.
Was bei Nackenschmerzen hilft
Medikamente, Wärme oder Schonen?
Nackenschmerzen sind häufig. Zum Glück steckt in den meisten Fällen keine ernste Erkrankung dahinter. Behandlungsmöglichkeiten gibt es viele: von Schmerzmitteln über muskelentspannende Medikamente bis hin zum Tapen. Doch welche davon sind wirklich sinnvoll? Und wann sollten Nackenschmerzen besser gründlich abgeklärt werden?
Fast die Hälfte der Erwachsenen betroffen
Nackenschmerzen treten im Bereich der Halswirbelsäule zwischen Schädelbasis und den oberen Schulterblättern auf. Manchmal ziehen sie auch in die Schultern, den unteren Hinterkopf und den oberen Rücken. Der Schmerz ist dabei dumpf, drückend und ziehend und kann bei Bewegungen schlimmer werden. Häufig fühlt sich der Nacken auch steif an und das Drehen des Kopfes fällt schwer. Berührt man den schmerzenden Bereich oder versucht ihn zu massieren, lassen sich oft harte, verspannte Muskeln tasten.
Je nach ihrer Dauer werden Nackenschmerzen eingeteilt in
- akut: bis zu drei Wochen
- subakut: vier bis zwölf Wochen oder
- chronisch: länger als zwölf Wochen.
Die Abgrenzung fällt allerdings manchmal schwer, da der Beginn oft nicht genau definiert werden kann.
Fast die Hälfte der Erwachsenen in Deutschland gibt an, in den letzten Monaten mindestens ein Mal Nackenschmerzen gehabt zu haben – sie kommen also sehr oft vor. In der Hausarztpraxis gehören sie sogar zum dritthäufigsten Beratungsanlass. Frauen sind davon etwas häufiger betroffen als Männer, bei Menschen über 70 Jahren werden sie etwas seltener.
Hinweis: Auch Kinder und Jugendliche leiden unter Nackenschmerzen. Tendenziell soll die Anzahl der Betroffenen zwischen 3 und 17 Jahren steigen. Als Ursache gelten u.a. Bewegungsmangel und die immer längere Smartphonenutzung.
Wo kommen Nackenschmerzen her?
In den meisten Fällen von Nackenschmerzen lassen sich keine strukturellen Ursachen wie sichtbare oder messbare Probleme an den Knochen, Gelenken oder Nerven nachweisen. Dann spricht man von unspezifischen Nackenschmerzen. Als häufigster Grund für akute unspezifische Nackenschmerzen gelten Muskelverspannungen, z. B. ausgelöst durch lange Computerarbeit, Zugluft oder eine ungünstige Schlafhaltung. Sie klingen in der Regel auch ohne Behandlung innerhalb von ein bis zwei Wochen ab.
Halten die Beschwerden länger als drei Monate an, stecken hinter unspezifischen Nackenschmerzen oft Belastungen und Stress. Fehlhaltungen und Bewegungsmangel tragen zu ihrer Entwicklung zusätzlich bei.
Zu den seltenen strukturellen (spezifischen) Ursachen von Nackenschmerzen gehören z. B. arthrotische Veränderungen oder Rheuma. In weniger als 1% der Fälle gehen Nackenschmerzen auf eine gefährliche Ursache zurück. Dazu gehören Bandscheibenvorfall, Tumoren, Osteoporose mit Wirbelbrüchen, Nervenerkrankungen oder Infektionen.
Nackenschmerzen abklären lassen
Wer nach einer schlechten Nacht oder einer langen Gaming-Sitzung unter Nackenschmerzen leidet, benötigt meist keine ärztliche Hilfe. Es gibt jedoch auch Nackenschmerzen, die man bei der Hausärzt*in abklären lassen sollte. Das gilt zum einen, wenn die Schmerzen über eine längere Zeit anhalten. Denn auch wenn nichts Gefährliches dahinter steckt, ist es sinnvoll, eine gezielte Behandlung einzuleiten.
In manchen Fällen muss immer rasch eine ärztliche Abklärung erfolgen. Warnzeichen für eine der seltenen, gefährlichen Ursachen von Nackenschmerzen sind
- Kribbeln, Taubheitsgefühle oder Lähmungen von Armen und Beinen
- starke Kopfschmerzen, Fieber, Nackensteife und Übelkeit
- unerklärter Gewichtsverlust, Abgeschlagenheit, Nachtschweiß
- Nackenschmerzen nach einem Sturz oder Unfall
- gleichzeitige Schluckbeschwerden oder Schmerzen im Brustkorb
Diese Beschwerden können z. B. auf einen Bandscheibenvorfall, einen Tumor oder eine Meningitis hindeuten.
Wie sieht die Diagnostik bei Nackenschmerzen aus?
Bei neu aufgetretenen Nackenschmerzen befragt die Ärzt*in die Patient*in zunächst ausführlich, wie stark die Beschwerden sind, wann sie auftreten und wie lange sie schon bestehen. Zusätzlich wird nach eigenen Behandlungsversuchen und deren Erfolg/Misserfolg gefragt, ebenso nach der Lebenssituation, mit besonderem Schwerpunkt auf Belastungen und Stress.
Wichtig sind auch vorangegangene Infektionen, Stürze oder Unfälle und begleitende Erkrankungen. Auch die Medikamenteneinnahme ist von Bedeutung: So begünstigt z. B. die langfristige Einnahme von Kortison eine Osteoporose, die sich an der Halswirbelsäule bemerkbar machen kann. Abgefragt werden auch immer die sogenannten B-Symptome Nachtschweiß, Gewichtsverlust und Leistungsknick. Diese können auf eine Tumorerkrankung hinweisen.
Nach der Erhebung der Krankengeschichte wird die Patient*in körperlich untersucht. Dabei prüft die Ärzt*in die Beweglichkeit der Halswirbelsäule und ob die Dornfortsätze (die Erhebungen entlang der Wirbelsäule) druckschmerzhaft sind. Meist tastet sie auch die Muskulatur ab und sucht nach Verspannungen und Verhärtungen.
Um die Beteiligung von Nerven auszuschließen, wird eine kurze neurologische Untersuchung durchgeführt. Dazu gehört u.a. die Prüfung von Kraft, Feinmotorik und Sensibilität (Gefühl) der Finger, meist werden auch das Gangbild und die Reflexe getestet.
In den allermeisten Fällen kann die Ärzt*in nach dieser ausführlichen Anamnese und Untersuchung eine strukturelle Ursache der akuten Nackenschmerzen ausschließen und die Diagnose „unspezifische Nackenschmerzen“ stellen. Eine weitere Diagnostik ist nur erforderlich, wenn entsprechende Hinweise gefunden wurden.
Mehr Diagnostik wird auch empfohlen, wenn die Nackenschmerzen trotz Behandlung länger als vier bis sechs Wochen anhalten und die Betroffenen sehr in ihren Aktivitäten einschränken. Dies kann ein Hinweis auf eine initial nicht erkannte spezifische Ursache sein.
Zu den weiteren Untersuchungen gehört vor allem die Bildgebung. Zu bevorzugen sind die CT und die MRT, da sich mit diesen Untersuchungsverfahren Frakturen, Tumoren, Infektionen und Neuropathien besser erkennen lassen als mit dem konventionellen Röntgen. Bei einem Verdacht auf Infektionen oder Tumoren kommen entsprechende Laboruntersuchungen zum Einsatz. Für diese Spezialuntersuchungen und zur Weiterbehandlung überweist die Hausärzt*in die Patient*in meist in eine entsprechende Facharztpraxis (Rheumatologie, Neurologie, Orthopädie).
Hinweis: Bildgebende Verfahren sind bei unspezifischen Nackenschmerzen in den allermeisten Fällen nicht erforderlich. Sie können sogar schaden, da darin oft Veränderungen in der HWS erkannt werden, die nicht Ursache der Schmerzen sind. Das kann unbegründete Ängste wecken, die Betroffenen unnötig belasten und manchmal sogar überflüssige Therapien nach sich ziehen.
Bewegung ist das A und O
Für das Selbstmanagement bei unspezifischen Nackenschmerzen gibt es einige nicht-medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten. Dazu gehören körperliche Aktivität, Wärme- oder Kältebehandlungen und Entspannungsübungen.
- Körperliche Aktivität: Betroffene mit unspezifischen Nackenschmerzen sollten sich bewegen, also körperlich aktiv bleiben. Wenn nötig, auch mithilfe einer medikamentösen Schmerztherapie (siehe unten). Sinnvoll sind auch leichte Übungen, z. B. die Halsmuskulatur anzuspannen und in sanfter Dehnung zu entspannen. Die Expert*innen der aktuellen Leitlinie zum unspezifischen Nackenschmerz empfehlen dazu ein Video-Beispiel auf youtube (https://www.youtube.com/watch?v=6-bu6N-emq4, vierte Übung). Weitere Übungen sind Schulterkreisen, Kopfneigen, Seitdehnung und Kinn-zur-Brust, alles natürlich sanft und schonend.
- Wärme oder Kälte: Wärme kann bei unspezifischen Nackenschmerzen die Schmerzen lindern und die Beweglichkeit bessern. Insgesamt gibt es dazu allerdings kaum Daten aus Studien, die Empfehlungen beruhen auf Expertenwissen. Empfohlen werden dafür z. B. aufgewärmte Körnerkissen. Auch Wärmepflaster oder eine heiße Rolle können hilfreich sein. Manche Betroffenen profitieren statt von Wärme eher von Kälteanwendungen. Sofern dies als schmerzlindernd empfunden wird, raten Expert*innen nicht davon ab.
- Entspannungsverfahren: Für den Effekt von Entspannungsverfahren wie der Progressiven Muskelrelaxation gibt es unterschiedliche Ergebnisse. In einigen Studien wurden Schmerzen und Beweglichkeit gebessert, in anderen nicht. Möglicherweise helfen Entspannungsverfahren aber dabei, das Stresserleben zu reduzieren und der Entwicklung chronischer Nackenschmerzen entgegenzuwirken.
Hinweis: Den Hals mit einer Halskrause oder einer Nackenschiene ruhig zu stellen wird bei unspezifischen Nackenschmerzen nicht empfohlen. Expert*innen gehen davon aus, dass dies eher schädlich wirkt: Einerseits bildet sich die Halsmuskulatur zurück, andererseits wird die Passivität der Betroffenen gefördert.
Medikamentöse Hilfe bei Nackenschmerzen
In manchen Fällen sind bei unspezifischen Nackenschmerzen Schmerzmittel erforderlich. Eine Schmerztherapie kann auch dazu dienen, beweglich und aktiv zu bleiben. In Frage kommen, wenn erforderlich, nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) und Metamizol.
- NSAR. Am häufigsten werden NSAR wie Ibuprofen, Diclofenac oder Naproxen eingesetzt. Ihr Effekt wird in Studien unterschiedlich bewertet. Zudem haben sie ein erhöhtes Risiko für Nebenwirkungen, insbesondere auf die Magenschleimhaut. Sie erhöhen auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Insgesamt gilt, dass sie so niedrig dosiert und so kurz wie möglich eingesetzt werden sollten. Für chronische unspezifische Nackenschmerzen werden sie aufgrund der genannten Nebenwirkungen nicht empfohlen.
- Metamizol. Für Patient*innen, die NSAR nicht vertragen oder ein zu hohes Risiko für die genannten Nebenwirkungen haben, stellt Metamizol eine Alternative dar. Dieses Präparat kann allerdings in sehr seltenen Fällen bestimmte Zellen im Blut verringern (Agranulozytose). Bei längerer Einnahme sollte deshalb regelmäßig das Blutbild kontrolliert werden. Außerdem müssen die Patient*innen die typischen Symptome Fieber, Halsschmerzen und Schleimhautläsionen kennen und bei deren Auftreten die Hausärzt*in aufsuchen.
Von anderen Schmerzmitteln wie Paracetamol und Opioiden rät die Leitlinie ab. Paracetamol soll aufgrund seiner mangelnden Wirkung auf Nackenschmerzen nicht genommen werden, Opioide aufgrund ihrer unerwünschten Wirkungen und ihres Suchtpotenzials.
Verschreibungspflichtige muskelrelaxierende (entspannende) Wirkstoffe werden bei unspezifischen Nackenschmerzen auch gerne angewendet. Allerdings ist ihre Wirkung in Studien kaum belegt. Bei akuten unspezifischen Nackenschmerzen mit starker Verspannung sind sie eine Behandlungsoption, wenn NSAR nicht anschlagen. Aufgrund ihrer möglichen Nebenwirkungen wie Blutbildstörungen, Schwindel oder zentraler Sedierung (Dämpfung) sollten sie allerdings nicht länger als zwei Wochen angewendet werden.
Hinweis: Für die Wirkung pflanzlicher Schmerzmittel wie Weidenrinde und Teufelskralle gibt es keine aussagekräftigen Studien. Ihr Einsatz wird deshalb in den Leitlinien nicht bewertet.
Chirotherapie, Akupunktur und Laser
Bei unspezifischen Nackenschmerzen werden auch häufig nicht-medikamentöse Verfahren und Methoden angeboten. Einige werden eher kritisch betrachtet, da ihre Wirkung nicht ausreichend belegt ist. Dazu kommt, dass viele der eingesetzten Methoden die Passivität der Betroffenen fördern. Dies steht im Widerspruch zu der Erkenntnis, dass körperliche Bewegung die Basis bei der Behandlung von unspezifischen Nackenschmerzen ist.
Grünes Licht geben die Expert*innen für die manuelle Therapie (Chirotherapie). Aktuellen Studien zufolge kann diese Technik bei akuten unspezifischen Nackenschmerzen die Schmerzen lindern und die Beweglichkeit der Halswirbelsäule bessern. Voraussetzung für eine Verordnung ist, dass keine Kontraindikationen wie Osteoporose, Schäden an der Wirbelsäule oder Gefäßkrankheiten vorliegen.
Die Akupunktur zeigt bei länger bestehenden unspezifischen Nackenschmerzen kleine bis mittlere Effekte. Insbesondere wenn andere Maßnahmen nicht greifen, kann sie versucht werden. Sie sollte aber – ebenso wie die Chirotherapie – mit aktivierenden Maßnahmen kombiniert werden.
Keinen Wirknachweis in kontrollierten Studien brachte die Behandlung mit Laser, Interferenzstrom oder Ultraschall. Gleiches gilt für die Behandlung mit medizinischen Bädern und Rotlicht, die deshalb nicht auf Kassenkosten verordnet werden sollten.
Auch Kinesiotapes werden manchmal bei akuten Nackenschmerzen eingesetzt. Eine Wirkung konnte allerdings bisher nicht belegt werden, zumal drohen allergische Reaktionen. Die Leitlinienautor*innen raten deshalb davon ab.
Hinweis: Bei chronischen unspezifischen Nackenschmerzen hat sich die kognitive Verhaltenstherapie als wirksam erwiesen. Sie kann Schmerzen, Angst vor Bewegung, Depressivität und allgemeine Ängstlichkeit bessern und wird vor allem im Rahmen eines multimodalen Therapiekonzepts empfohlen.
Quelle: S3-Leitlinie „Nicht-spezifische Nackenschmerzen“, AWMF-Register-Nr. 053-007 DEGAM-Leitlinie Nr. 13, Version 3.0, gültig bis 17.02.2030

