Gesundheit heute
Hashimoto-Thyreoiditis
Hashimoto-Thyreoiditis: (Autoimmunthyreoiditis Hashimoto, Chronische lymphozytäre Thyreoiditis): Chronische, autoimmun bedingte Schilddrüsenentzündung (Thyreoiditis), die insbesondere bei Frauen zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr auftritt. Meist verläuft die Erkrankung über Jahre hinweg beschwerdearm. Im Verlauf kommt es jedoch durch die teilweise bis völlige Zerstörung des Schilddrüsengewebes zu einer Störung der Hormonproduktion. Langfristig entwickelt sich eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose), die jedoch phasenweise von kurzfristigen Überfunktionen (Hyperthyreosen) unterbrochen werden kann. Die Hashimoto-Thyreoiditis selbst ist nicht heilbar. Der dadurch hervorgerufene Hormonmangel lässt sich aber mit der lebenslangen Einnahme von Schilddrüsenhormonen gut beheben.
Symptome und Leitbeschwerden
- Phasenweises Auftreten einer Schilddrüsenüberfunktion mit vermehrtem Schwitzen, verstärktem Herzschlag, Durchfall und Schlafstörungen.
- Langfristig Beschwerden einer chronischen Schilddrüsenunterfunktion mit
- gesteigerter Ermüdbarkeit, Antriebsarmut, Depressivität
- vermehrtem Frieren, Verstopfung, Gewichtszunahme
- Haarausfall, trockener Haut
- verlangsamtem Herzschlag
- Zyklusunregelmäßigkeiten.
Wann in die Arztpraxis
Demnächst, wenn
- oben genannte Beschwerden ohne erklärbare andere Ursache auftreten.
Die Erkrankung
Die Hashimoto-Thyreoiditis ist die häufigste Schilddrüsenentzündung und die häufigste Ursache für eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose). Etwa 5 % der Bevölkerung weisen die krankheitsverursachenden Autoantikörper im Blut auf, aber nicht alle leiden unter einer Hypothyreose.
Frauen sind neun Mal so oft betroffen wie Männer. Die Hashimoto-Thyreoiditis kann in allen Altersgruppen auftreten, am häufigsten ist sie jedoch bei Frauen zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr.
Hinweis: Etwa ein Viertel der Patient*innen mit Hashimoto-Thyreoiditis leidet auch gleichzeitig unter einer weiteren Autoimmunerkrankung, beispielsweise unter Morbus Addison, Morbus Basedow oder Diabetes.
Krankheitsentstehung
Bei der Hashimoto-Thyreoiditis handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung. Dabei bildet der Körper Autoantikörper. Dabei handelt es sich um Eiweiße, die an Strukturen der Schilddrüsenzellen binden. Diese Antikörper stimulieren die T-Lymphozyten (das sind spezielle weiße Blutkörperchen), das Schilddrüsengewebe anzugreifen und zu zerstören. Dadurch kann die Schilddrüse nicht mehr ausreichend Hormone bilden und ins Blut abgeben, es entsteht eine Hypothyreose.
Unklar ist allerdings noch, warum einige Menschen diese Autoantikörper bilden. Fachleute vermuten ein Zusammenspiel zwischen genetischer Veranlagung und Umwelteinflüssen wie Infektionen, Selenmangel oder Stressreaktionen. Das weibliche Geschlechtshormon Östrogen soll die Erkrankung begünstigen, männliche Geschlechtshormone ihrer Entwicklung entgegenwirken.
Formen
Unterschieden wird zwischen der hypertrophen Form, bei der die Schilddrüse sich vergrößert (Kropf), und der atrophischen Form, bei der sie immer kleiner wird. Beide Formen ähneln sich aber in Beschwerden, Diagnostik, Therapie und Prognose.
Klinik
Die autoimmune Erkrankung entwickelt sich meist schleichend und unbemerkt über einen längeren Zeitraum. Irgendwann ist so viel Schilddrüsengewebe zerstört, dass die Hormonstörungen beginnen. Häufig kommt es zunächst zu einer vorübergehenden Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose). Dieser auch Hashitoxikose genannte Zustand entsteht dadurch, dass die T-Zellen nicht nur die hormonbildenden Zellen, sondern auch die Hormonspeicher in der Schilddrüse angreifen. Durch deren Zerstörung gelangen große Mengen der Hormone flutartig in den Kreislauf. Im Blut steigt der Hormonspiegel und es entwickelt sich vorübergehend eine Hyperthyreose. Deren typische Anzeichen sind Herzrasen, innere Unruhe, Schlafprobleme sowie Gewichtsverlust trotz gutem Appetit.
Bei weiterer Zerstörung bilden sich ein Hormonmangel und dadurch eine Schilddrüsenunterfunktion aus. Oft verläuft die Erkrankung auch in Schüben mit einem Wechsel von hyper- und hypothyreotischen Phasen. Sind die Hormone aufgebraucht und das Schilddrüsengewebe zerstört, ist der Hormonmangel der Dauerzustand.
Schilddrüsenhormone sind an sehr vielen Vorgängen im Körper beteiligt. Dort kurbeln sie den Stoffwechsel an, fördern den Aufbau von Geweben und die Funktion von Herz und Kreislauf. Ihr Mangel führt folglich zu einer Verlangsamung und Drosselung körperlicher und seelischer Prozesse:
- Allgemeinsymptome. Die Patient*innen fühlen sich müde und antriebsarm, ihre Konzentrationsfähigkeit sinkt und viele entwickeln depressive Beschwerden. Die Verdauung ist verlangsamt, es kommt zu Verstopfung und meist zu einer Gewichtszunahme. Weil die Wärmeproduktion vermindert ist, sind die Betroffenen vermehrt kälteempfindlich.
- Haut und Haare. Die Haut fühlt sich kühl und trocken an, das Schwitzen ist vermindert. Das Haar ist dünn und brüchig, oft entwickelt sich Haarausfall.
- Herz. Das Herz schlägt langsamer (Bradykardie), es droht eine Herzschwäche.
- Geschlechtsorgane. Frauen leiden oft unter Zyklusstörungen, häufig bleiben Eisprung und Blutung ganz aus (sekundäre Amenorrhö).
Bei einer ausgeprägten Hypothyreose kann sich ein generalisiertes Myxödem entwickeln. Dabei lagern sich langkettige Kohlenhydrate im Bindegewebe ein, ziehen Wasser an und lassen Haut und Muskulatur aufquellen. Teigige Schwellungen von Haut und Schleimhäuten sind die Folge. Diese finden sich am Unterschenkel, Augenlidern, Zunge und Lippen sowie an den Händen und Füßen. Sind die Stimmbänder beteiligt, wird die Stimme rau und das Sprechen mühsam.
Komplikationen
In seltenen Fällen kann es zu einer sehr schweren Komplikation, der Hashimoto-Enzephalopathie, kommen. Mehrere Ursachen werden dafür diskutiert. Eine davon ist eine Kreuzreaktion, d. h. dass die Schilddrüsen-Autoantikörper sich an Nervenzellen binden und zu deren Zerstörung führen. Klinisch zeigt sich dies durch diffuse Funktionsstörungen des Gehirns mit epileptischen Anfällen, Delir und Koma. Die Behandlung besteht aus einer hochdosierten Kortisongabe.
Die Hashimoto-Thyreoiditis ist auch ein Risikofaktor für das extranodale Marginalzell-Lymphom (MALT), das vor allem im Magen-Darm-Trakt auftritt. Dabei handelt es sich um eine Krebserkrankung.
Diagnosesicherung
Manchmal führen Beschwerden wie Müdigkeit, Konzentrationsschwäche oder ständiges Frieren die Betroffenen in die Arztpraxis, in seltenen Fällen ist auch die Vergrößerung der Schilddrüse (Kropf) der Anlass für eine Blutuntersuchung. Dabei werden zunächst die Hormone, bei Hormonmangel dann auch die Antikörper bestimmt. Oft kommt man einer Hashimoto-Thyreoiditis auch durch gängige Check-up-Untersuchungen auf die Spur.
Laboruntersuchungen. Der Hormonmangel wird durch Messung der Schilddrüsenhormone Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4) erkennbar. Außerdem bestimmt man das in der Hypophyse gebildete TSH (Thyreoidea stimulierendes Hormon). TSH ist der Botenstoff, der die Produktion der Hormone in der Schilddrüse reguliert. Im Frühstadium (Hyperthyreose) sind T3 und T4 erhöht und TSH deshalb erniedrigt. Im weiteren Verlauf sinken T3 und T4 im Blut ab und TSH steigt – die Hypophyse versucht damit vergeblich, die Hormonproduktion wieder anzukurbeln.
Ob einem Hormonmangel eine Hashimoto-Thyreoiditis zugrunde liegt, überprüft man durch Bestimmung der Autoantikörper. Bei 90 % der Patient*innen ist der Thyreoid-Peroxidase-Antikörper (TPO-AK) positiv, bei 50% der Thyreoglobulin-Antikörper (Tg-AK).
Bildgebende Diagnostik. Im Ultraschall lassen sich typische Anzeichen für die Zerstörung der Schilddrüse sehen: ein ungleich ausgebildetes Gewebe und vereinzelte narbige Areale. Meist ist die Schilddrüse verkleinert, die hypertrophe Hashimoto-Thyreoiditis mit vergrößerter Drüse kommt selten vor. Die verminderte Funktion der Schilddrüse kann man mithilfe der Szintigrafie nachweisen bzw. bestätigen. Sie ist daran erkennbar, dass das bei der Untersuchung intravenös gespritzte radioaktive Technetium weniger in die Schilddrüsenzellen aufgenommen wird. Eine Gewebeentnahme (Biopsie) der Schilddrüse ist in den meisten Fällen verzichtbar. Diese Untersuchung wird aber empfohlen, wenn es Verdachtsmomente auf Schilddrüsenkrebs gibt.
Differenzialdiagnosen. Bei einer Hypothyreose auszuschließen sind andere Erkrankungen der Schilddrüse, wie z. B. die eitrige Thyreoiditis aufgrund einer bakteriellen Infektion, die Riedel-Thyreoiditis (eine weitere Autoimmunthyreoiditis) und die ebenfalls autoimmun bedingte Postpartum-Thyreoiditis, die bei Frauen drei bis sechs Monate nach einer Entbindung auftritt.
Behandlung
Eine ursächliche Behandlung der Hashimoto-Thyreoiditis gibt es bisher nicht. Das bedeutet, es besteht keine Möglichkeit, die chronische Entzündung und damit die Zerstörung der Schilddrüse aufzuhalten.
Behandelt wird deshalb symptomatisch, wobei sich die Therapie nach der Stoffwechsellage der Schilddrüse richtet, also nach Höhe der Schilddrüsenhormonspiegel:
Im (meist vorübergehenden) Stadium der Hyperthyreose bekommt die Patient*in Thyreostatika. Der Hormonmangel bei Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) wird dagegen mit der Gabe von Schilddrüsenhormonen behandelt (L-Thyroxin). Die erforderliche Dosis muss dabei individuell angepasst werden. Ziel ist, dass der Blutspiegel von TSH im niedrigen Normbereich liegt. Bei schwerer Hypothyreose beginnt man in sehr niedriger Dosierung und steigert diese langsam, da sonst das Herz zu schnell stimuliert wird. In der Regel ist die Hormoneinnahme lebenslang notwendig.
Manche Patient*innen haben zwar Autoantikörper, aber noch eine ausreichende Hormonproduktion (Euthyreose). Sie benötigen kein L-Thyroxin. Da im Alter jedoch die Hormonproduktion kontinuierlich abfällt, sollte man regelmäßig die Schilddrüsenwerte überprüfen und gegebenenfalls eine Hormontherapie einleiten.
Prognose
Unbehandelt droht die Entwicklung einer schweren Hypothyreose mit all ihren Komplikationen. Wird der Hormonmangel mit der Gabe von Schilddrüsenhormonen ausgeglichen, sind Lebensqualität und Lebenserwartung normal.
Ihre Apotheke empfiehlt
Was Sie selbst tun können
Hormone zuverlässig einnehmen. Für den Organismus ist es wichtig, dass die verordneten Hormone regelmäßig und möglichst immer zur gleichen Zeit eingenommen werden. Um eine reibungslose Hormonaufnahme zu erreichen, sollen die Tabletten mit einem Glas Wasser auf leeren Magen geschluckt und danach noch 30 bis 60 Minuten mit dem Essen gewartet werden. Wer seine Hormone lieber abends nehmen möchte, sollte zwei Stunden vorher nichts essen.
Vorsicht mit Jod. Erkrankte sollten Jod in hohen Dosen meiden, so auch Jodkombinationspräparate (betrifft Schilddrüsenmedikamente, aber auch Nahrungsergänzungsmittel). Jod fördert in höherer Dosierung die Autoimmunprozesse an der Schilddrüse und die Aktivierung von Zellen, welche die Immunprozesse verursachen. Jodreiche Nahrungsmittel wie Seefisch, Sushi, Milch und Milchprodukte sollten eingeschränkt werden. Jodiertes Speisesalz und mit Jodsalz hergestellte Lebensmittel sind vom Speiseplan am besten gänzlich zu entfernen.
Bei Diabetes sind Sommerpartys eine Herausforderung für den Stoffwechsel – die sich aber mit der richtigen Vorbereitung gut meistern lässt.
Sicher feiern mit Diabetes
Ob Badesee oder Festival
Grillpartys, Musikfestivals oder entspannte Nachmittage am Badesee gehören für viele Menschen zu den schönsten Erlebnissen des Sommers. Auch Menschen mit Diabetes können diese Momente ohne Einschränkungen genießen. Sie sollten sich auf das Feiern aber etwas vorbereiten, um die gesundheitlichen Risiken zu reduzieren.
Sommerfeste und Diabetes – warum besondere Vorsicht nötig ist
Der Körper reagiert im Sommer anders als in den kühleren Monaten. Hitze beeinflusst den Kreislauf, den Flüssigkeitshaushalt und den Stoffwechsel. Diese Veränderungen wirken sich auf Menschen mit Diabetes in besonderem Maße aus und können, sofern man sie nicht beachtet, zu Problemen führen. Hohe Temperaturen steigern die Durchblutung, so dass Insulin schneller wirkt und es leichter zu Unterzuckerungen kommt. Gleichzeitig verliert man durch das Schwitzen mehr Flüssigkeit. Wird dieser Verlust nicht ausgeglichen, drohen Kreislaufprobleme und Stoffwechselstörungen.
Hinzu kommt, dass insbesondere Sommerveranstaltungen selten nach einem festen Rhythmus ablaufen. Mahlzeiten werden ausgelassen, Snacks vergessen oder Essenszeiten verschoben. Gleichzeitig bewegen sich viele Menschen deutlich mehr als sonst. Tanzen, lange Wege auf einem Festivalgelände oder sportliche Aktivitäten erhöhen den Energieverbrauch und können den Blutzuckerspiegel zusätzlich senken.
Zudem sind viele Sommerveranstaltungen eng mit Alkohol verbunden. Alkohol beeinflusst nicht nur den Blutzuckerspiegel, sondern auch die Wahrnehmung von Unterzuckerungen. Besonders gefährlich ist, dass die Symptome einer Hypoglykämie leicht von Außenstehenden mit normaler Trunkenheit verwechselt werden können.
Hinweis: Auch Schlafmangel beeinflusst die Stoffwechsellage. Wer mehrere Nächte zu wenig schläft, produziert vermehrt Stresshormone wie Cortisol. Diese Hormone können den Blutzucker ansteigen lassen. Die Folge sind oft starke Schwankungen zwischen hohen und niedrigen Werten.
Vorbereitung auf Sommerfeste und Festivals
Eine gute Planung erleichtert Menschen mit Diabetes den Aufenthalt auf Sommerveranstaltungen erheblich. Besonders bei mehrtägigen Festivals sollte nichts dem Zufall überlassen werden. Diese Punkte gehören zu einer guten Vorbereitung dazu:
Medikamente und Hilfsmittel vollständig einpacken. Wer mit Diabetes unterwegs ist, sollte natürlich ausreichend Medikamente und Diabeteszubehör dabeihaben. Dazu gehören unter anderem:
- Insulin oder orale Antidiabetika
- Blutzuckermessgerät, Teststreifen, Sensoren und Zubehör, Ersatzbatterien oder Akkus
- Pen-Nadeln und Spritzen, Alkoholtupfer, Desinfektionsmittel.
Da Festivalgelände oder Campingplätze häufig staubig und verschmutzt sind, spielen Hygiene und saubere Lagerung eine wichtige Rolle. Desinfektionstücher und Händedesinfektionsmittel helfen dabei, Infektionen und fehlerhafte Messungen zu vermeiden. Wer eine Insulinpumpe verwendet, sollte diese vor der Abreise gründlich kontrollieren. Die Akkus müssen vollständig geladen sein und Ersatzmaterial sollte mitgeführt werden.
Insulin richtig lagern. Insulin reagiert empfindlich auf hohe Temperaturen und darf weder direkter Sonneneinstrahlung noch extremer Hitze ausgesetzt werden. Deshalb empfiehlt sich der Transport in speziellen Kühltaschen oder isolierten Behältern (Thermosflasche). Wichtig ist, dass Insulin nicht direkt auf Kühlakkus gelegt wird, da Einfrieren die Wirksamkeit zerstören kann. Große Festivals verfügen häufig über medizinische Stationen oder Sanitätszelte, in denen man Medikamente kühl lagern kann. Sinnvoll ist es, dies vorab mit dem Veranstalter oder dem Sanitätsdienst zu klären. Um Verwechslungen zu vermeiden, sollten Medikamente eindeutig beschriftet werden.
Notfallvorsorge nicht vergessen. Traubenzucker oder schnell verfügbare Kohlenhydrate sollten immer griffbereit sein. Kleine Snacks können helfen, Unterzuckerungen rechtzeitig auszugleichen.
Freunde informieren. Freunde oder Begleitpersonen sollten über den Diabetes Bescheid wissen. Ebenso wichtig ist es, dass sie die Anzeichen einer Unterzuckerung erkennen und im Ernstfall richtig reagieren können.
Hinweis: Es empfiehlt sich, einen Diabetesausweis mitzuführen oder ein medizinisches Armband mit wichtigen Informationen zur Erkrankung anzulegen. So können im Notfall Außenstehende leicht informiert werden.
Blutzucker im Sommer häufiger kontrollieren
All die genannten Faktoren verändern den Stoffwechsel oft schneller als erwartet. Deshalb sollten Menschen mit Diabetes im Sommer häufiger ihren Blutzucker messen. Besonders wichtig sind Kontrollen:
- vor körperlicher Aktivität
- vor dem Schwimmen
- vor dem Schlafengehen
- vor und nach Alkoholkonsum
- bei Hitze oder Kreislaufproblemen
Kontinuierliche Glukosemesssysteme können dabei eine große Hilfe sein, denn sie informieren mithilfe von Warnsignalen frühzeitig über kritische Werte. Diejenigen, die ihren Blutzucker nicht automatisch, sondern selbst messen, können sich Alarmzeiten im Smartphone einstellen. Das erinnert ans Messen und ist besonders bei Festivals oder langen Partynächten praktisch.
Gesund und blutzuckerfreundlich schlemmen
Menschen mit Diabetes müssen beim Grillen oder Feiern nicht auf Genuss verzichten. Entscheidend ist eine ausgewogene Auswahl: Besonders geeignete Lebensmittel sind Fisch, Hähnchen- oder Putenfleisch, gegrilltes Gemüse, frische Salate und Vollkornprodukte. Vor allem Gemüsesorten wie Paprika, Zucchini, Auberginen oder Pilze liefern Ballaststoffe und Vitamine und beeinflussen den Blutzucker meist nur wenig.
Für Menschen mit Diabetes ist es wichtig, versteckte Zucker zu erkennen. So enthalten z. B. viele Grillsoßen und Marinaden überraschend viel davon, wodurch der Blutzuckerspiegel schneller ansteigt als erwartet. Auch Beilagen wie Weißbrot, Kartoffelsalat oder Nudelsalat enthalten große Mengen Kohlenhydrate. Deshalb sollte die Portion bewusst gewählt werden.
Komplett auf Eis, Kuchen oder süße Getränke zu verzichten ist nicht zwingend notwendig. Entscheidend ist, die Menge im Blick zu behalten und den Einfluss auf den Blutzucker zu berücksichtigen. Frisches Obst kann eine gute Alternative darstellen. Dennoch enthalten auch Früchte natürlichen Zucker und sollten nicht unbegrenzt verzehrt werden.
Hinweis: Festivals stellen in puncto Mahlzeiten oft eine besondere Herausforderung für Menschen mit Diabetes dar. Meist gibt es vor allem Essen mit viel Zucker, Salz und Fett. Es ist also sinnvoll, seine eigenen Snacks mitzunehmen, z. B. in Form von Vollkornriegeln, belegten Broten, Nüssen, Obst oder geeigneten Crackern.
Alkohol und Diabetes
Auf Sommerfesten und Festivals wird häufig Alkohol getrunken. Wer Diabetes hat, sollte die Wirkung alkoholischer Getränke auf den Stoffwechsel kennen.
Alkohol beeinflusst den Blutzucker auf unterschiedliche Weise. Kurz nach dem Trinken steigen die Werte teilweise an. Einige Stunden später kann der Blutzucker jedoch stark absinken. Der Grund dafür liegt in der Leber: Normalerweise gibt sie Zucker ins Blut ab, wenn der Körper ihn braucht. Alkohol bremst diesen Vorgang – deshalb kann der Blutzucker später stark abfallen, besonders wenn zusätzlich Insulin oder Diabetesmedikamente wirken. Solche Unterzuckerungen können selbst noch während der Nacht oder erst am nächsten Morgen entstehen.
Ein weiteres Problem: Unter Alkoholeinfluss nehmen viele Menschen Warnzeichen einer Hypoglykämie schlechter wahr. Zittern, Schwitzen, Konzentrationsstörungen und Kopfschmerzen werden leicht mit Trunkenheit verwechselt, sodass auch Außenstehende die Gefahr häufig nicht rechtzeitig erkennen.
Für einen verantwortungsvollen Alkoholgenuss gilt:
- Alkohol niemals auf nüchternen Magen trinken. Alkohol sollte immer zusammen mit kohlenhydrathaltigen Speisen konsumiert werden. Geeignet sind beispielsweise Brot, Vollkornprodukte oder kleine Snacks.
- Wasser trinken! Zwischen alkoholischen Getränken sollte man regelmäßig zu Wasser greifen, da Alkohol dem Körper Flüssigkeit entzieht.
- Alkoholsorten beachten. Nicht jede Alkoholart wirkt gleich auf den Blutzucker. Cocktails, Liköre oder süße Mischgetränke enthalten oft viel Zucker und können kurzfristig hohe Blutzuckerwerte verursachen. Spirituosen wie Wodka oder Whiskey enthalten dagegen kaum Kohlenhydrate. Sie führen eher zu einem schnellen Blutzuckerabfall.
Hinweis: Menschen, die das Diabetesmedikament Metformin einnehmen, müssen mit Alkohol besonders vorsichtig sein. Denn übermäßiges Trinken kann in Kombination mit diesem Medikament zu einer gefährlichen Anreicherung von Milchsäure im Blut führen (Laktatazidose).
Bewegung, Sport und körperliche Aktivität
Sommerveranstaltungen sind oft mit viel Bewegung verbunden. Lange Wege, Tanzen oder sportliche Aktivitäten erhöhen den Energieverbrauch deutlich. In der Folge sinkt der Blutzucker häufig schneller als gewohnt. Menschen mit Diabetes sollten deshalb ausreichend Snacks dabeihaben und regelmäßig ihre Werte kontrollieren.
Wird am Wasser gefeiert, kommen weitere Herausforderungen hinzu. Schwimmen beeinflusst den Stoffwechsel, wobei kaltes Wasser den Energieverbrauch zusätzlich erhöht. Im Wasser werden Warnzeichen einer Unterzuckerung leicht übersehen, weil Zittern oder Schwäche fälschlicherweise auf das kalte Wasser geschoben werden. Deshalb ist es wichtig, vor dem Schwimmen den Blutzucker zu messen. Achtung, dafür müssen die Hände gut abgetrocknet werden: Denn Wasser kann die Messergebnisse verfälschen. Bei längeren Aufenthalten im Wasser sollte man den Blutzucker auch zwischendurch immer wieder kontrollieren.
Hinweis: Inzwischen gibt es immer mehr Menschen mit Diabetes, die eine Insulinpumpe tragen. Je nach Art bleibt die Pumpe am Körper (Herstellerhinweise bezüglich der Wasserdichtigkeit beachten!) oder wird kurzzeitig abgekoppelt. Davor ist es allerdings ratsam, die Blutglukose zu messen.
Hitze richtig bewältigen
Hohe Temperaturen lassen den Flüssigkeitsbedarf deutlich steigen. Wer zu wenig trinkt, riskiert Kreislaufprobleme und Stoffwechselentgleisungen. Wasser ist das beste Getränk bei Hitze, aber auch ungesüßter Tee eignet sich gut. Besonders bei Festivals oder langen Aufenthalten im Freien sollte immer eine Wasserflasche griffbereit sein.
Hitze schadet nicht nur dem Insulin. Auch andere Arzneimittel leiden unter hohen Temperaturen und dürfen niemals längere Zeit im Auto oder in direkter Sonne gelagert werden. Damit Blutzuckermessgeräte, Sensoren und Teststreifen einwandfrei funktionieren, müssen sie trocken und möglichst kühl aufbewahrt werden.
Körperliche Anstrengung sollte man möglichst auf morgens oder abends verschieben. In der Mittagshitze wird der Kreislauf besonders stark belastet. Leichte Kleidung, Kopfbedeckungen und schattige Plätze schützen Kopf und Körper, wenn es zu heiß wird.
Ältere Menschen mit Diabetes leiden häufig zusätzlich unter Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Bluthochdruck und müssen deshalb besonders aufpassen. Hitze setzt ihrem Kreislauf besonders zu und das Risiko für Schwindel oder Erschöpfung steigt. Hinzu kommt, dass ältere Menschen oft weniger Durst verspüren und zu wenig trinken. An heißen Tagen sollte daher bewusst und regelmäßig Flüssigkeit aufgenommen werden.
Schlafmangel und Stress
Nicht zu unterschätzen sind der Stress und der Schlafmangel, die ausgiebiges Feiern häufig mit sich bringen. Die langen Nächte und der mangelnde Schlaf wirken sich direkt auf den Stoffwechsel aus. Der Körper schüttet unter Stress vermehrt Hormone aus, die den Blutzucker erhöhen können.
Gleichzeitig steigt bei Müdigkeit die Gefahr, Warnzeichen einer Unterzuckerung zu übersehen. Deshalb sind insbesondere für Menschen mit Diabetes regelmäßige Ruhephasen wichtig – selbst während Festivals oder längerer Feiern. Festivals bieten oft Zelte oder andere Räume für einen Rückzug an. Am besten informiert man sich im Vorfeld oder spätestens zu Beginn der Veranstaltung, wo man diese Orte findet.
Am Tag nach der Feier …
Wenn es beim Feiern hoch hergegangen ist, sollten Menschen mit Diabetes drei Dinge im Blick behalten: Die Nachwirkung von Alkohol, die Schwankungen des Blutzuckers und die Erholung des Körpers.
Nach ausgiebigem Alkoholgenuss kann der Blutzucker noch bis zu 12–24 Stunden später abfallen, weil die Leber weiterhin mit dem Alkoholabbau beschäftigt ist und weniger Zucker ins Blut abgibt. Deshalb: auch am Morgen danach regelmäßig den Blutzucker messen.
Um den Flüssigkeitshaushalt zu stabilisieren, sollte viel getrunken werden, am besten ungesüßter Tee oder Mineralwasser. Leicht verdauliche Kohlenhydrate und etwas Eiweiß helfen dem Körper am Tag danach, sich zu regenerieren. Hohe Zucker- und Fettspitzen belasten den Stoffwechsel und sind deshalb zu vermeiden.
Körperliche Anstrengungen am Morgen nach dem Festival sollte man unterlassen. Denn selbst wenn man sich fit fühlt, kann der Stoffwechsel noch beeinflusst sein. Unterzuckerungen drohen insbesondere, wenn Insulin gespritzt oder Sulfonylharnstoffe eingenommen werden.
Quellen: Deutsche Diabetische Gesellschaft, Deutsche Apothekerzeitung, Nationale Versorgungsleitlinie Diabetes

