Gesundheit heute

Schluckstörung

Schluckstörung (Dysphagie): Störung des Schluckvorgangs mit Schwierigkeiten, Speichel, Flüssigkeit oder Nahrung vom Mund in den Magen zu befördern. Typische Anzeichen sind häufiges Verschlucken beim Essen oder Trinken, Speichelfluss und Schmerzen oder Druckgefühl beim Schlucken. Schluckstörungen treten aufgrund verschiedener Erkrankungen oder im Rahmen des natürlichen Alterns auf. Unbehandelt können sie zu Unterernährung und Austrocknung führen. Gelangen Nahrung oder Flüssigkeit in die Atemwege, droht eine Aspirationspneumonie (Lungenentzündung). Behandelt werden Schluckstörungen je nach zugrundeliegender Ursache. Zusätzlich helfen ein logopädisches Training der Schluckmuskulatur und allgemeine Maßnahmen wie z. B. die Veränderungen der Nahrungskonsistenz.

Symptome und Leitbeschwerden

  • Häufiges Verschlucken beim Essen und Trinken
  • Husten oder Würgen nach dem Schlucken
  • Gefühl, dass Nahrung im Hals steckenbleibt
  • Schmerzen oder Druckgefühl beim oder nach dem Schlucken
  • Speichelfluss aus dem Mund
  • Veränderte Stimme nach dem Schlucken
  • Unerklärlicher Gewichtsverlust oder wiederkehrende Lungenentzündungen.

Wann in die Arztpraxis

In den nächsten Tagen,

  • wenn oben genannte Beschwerden auftreten.

Die Erkrankung

Das Schlucken ist ein lebenswichtiger Vorgang, der bei Erwachsenen bis zu 1000 Mal am Tag abläuft. Denn geschluckt wird nicht nur beim Essen oder Trinken: Auch unbewusst und im Tiefschlaf läuft der Schluckakt ab, bei dem z. B. Speichel in den Magen transportiert wird. Erreichen Nahrung oder Flüssigkeit den Zungengrund oder die hintere Rachenwand, wird automatisch der Schluckreflex ausgelöst. Beteiligt sind beim Schluckakt von der Wange bis zur Speiseröhre über 50 Muskeln und bis zu sechs der zwölf Hirnnervenpaare.

Der Schluckvorgang besteht aus drei Phasen:

  • In der oralen Schluckphase wird die Nahrung im Mund für das Herunterschlucken zerkleinert und angefeuchtet. Dann schiebt die Zunge den Bolus (Bissen fester Nahrung) Richtung Rachen. Probleme beim Kauen oder eine unzureichende Speichelproduktion können die orale Schluckphase stören.
  • In der pharyngealen Phase wird die aufgenommene Nahrung oder Flüssigkeit durch den Rachen (Pharynx) in die Speiseröhre befördert. Ist das nicht problemlos möglich, liegt eine oropharyngeale Dysphagie vor. Die Störung liegt in diesen Fällen im Mund-Rachen-Raum, dem hinteren Teil des Halses.
  • Der Transport der Nahrung durch die Speiseröhre (Ösophagus) in den Magen erfolgt in der ösophagealen Phase. Ist dieser Weitertransport behindert, spricht man von einer ösophagealen Dysphagie.

Ursachen

Schluckstörungen können aufgrund vieler Erkrankungen auftreten. Besonders häufig sind neurologische Störungen, bei denen z. B. die Gehirnbereiche oder die Nerven geschädigt sind, die den Schluckakt steuern. Dies kommt etwa vor bei Schlaganfall und Hirnverletzungen, entzündlichen oder degenerativen Erkrankungen des Nervensystems wie Multiple Sklerose, Morbus Parkinson oder Hirntumoren.

Weitere Ursachen für Schluckstörungen sind Fehlbildungen oder Erkrankungen der Speiseröhre. Hierzu gehören vor allem die

  • Speiseröhrenentzündung (Ösophagitis)
  • eine zu schlaffe (Achalasie) oder sich zu stark zusammenziehende Speiseröhre (diffuse Speiseröhrenspasmen)
  • Ausbuchtungen (Speiseröhrendivertikel) oder
  • Verengungen der Speiseröhre durch Narben oder Tumoren.

Zungenverletzungen, Brüche im Gesichtsbereich und verschluckte Fremdkörper können ebenso zu Schluckbeschwerden führen. Weitere seltene Auslöser sind Infektionen wie die Tollwut oder psychische Störungen.

Schluckbeschwerden durch das Altern

Im Alter kommt es auch ganz ohne spezielle Erkrankungen oft zu Schluckstörungen. Der Schluckakt ist dann verlangsamt und weniger effizient, bei starker Ausprägung kommt es auch zu häufigem Verschlucken oder Aspirationen. Dabei gelangen durch den gestörten Schluckakt Speichel, Nahrung oder Flüssigkeit über die Luftröhre in die unteren Atemwege. Der Vorgang des Eindringens in die Atemwege wird als Aspiration bezeichnet, die folgende Lungenentzündung als Aspirationspneumonie. Schluckstörungen aufgrund des Alterns werden Presbyphagie genannt.

Die Probleme liegen dann meist in Mund und Rachen. Durch natürliche Alterungsprozesse lassen Muskelkraft und -koordination nach und erschweren das Kauen und Schlucken. Zudem ist die Speichelproduktion verringert, wobei im Alter oft verordnete Medikamente die Mundtrockenheit weiter verstärken. Durch die Alterung der Nerven vermindert sich die Sensibilität in Mund und Rachen, was die Auslösung des Schluckreflexes verzögern kann.

Zudem lassen Geruchs- und Geschmackssinn nach und reduzieren den Appetit und damit die Motivation, zu kauen und zu schlucken. Zahnverlust oder schlechtsitzende Zahnprothesen wiederum erschweren das Kauen und damit die Vorbereitung fürs Herunterschlucken.

Folgen und Komplikationen

Da Schluckstörungen immer die Nahrungsaufnahme beeinträchtigen, führen sie häufig zu Unterernährung und/oder Austrocknung (Dehydratation). Eine weitere Komplikation der Schluckstörung ist die Lungenentzündung.

Diagnosesicherung

Zunächst wird die Ärzt*in die vorliegenden Beschwerden erfragen. Wichtig ist die genaue Beschreibung der Schluckprobleme durch den Betroffenen oder seine Angehörigen. Dabei ist der Schluckfragebogen EAT-10 hilfreich, bei dem zehn einfache Aussagen zum Schlucken mit 0 (kein Problem) bis 4 (starkes Problem) beantwortet werden. Dies können sowohl die Patient*in selbst als auch Pflegende tun. Für spezielle Krankheitsbilder (z. B. für den Morbus Parkinson) gibt es auch umfangreichere Screening-Tests. Mit ihnen lässt sich insbesondere die Aspirationsgefahr beurteilen.

Bei der körperlichen Untersuchung untersucht die Ärzt*in unter anderem die motorische Zungenfunktion (z. B. Anheben der Zungenspitze), die Sensitivität der Mundhöhle sowie die Beweglichkeit des Kehlkopfs beim Schlucken. Auch Sprechvermögen und Ernährungszustand geben wichtige Hinweise.

Durch Schlucktests mit verschiedenen Arten von Nahrungsmitteln lässt sich die Schluckfähigkeit ermitteln. Ein einfacher Test ist der Wasserschlucktest. Dabei bekommt die Testperson ein Glas mit 100 ml stillem Wasser, das möglichst rasch ausgetrunken werden soll. Bei hohem Risiko für ein Verschlucken soll mit 1 bis 3 kleinen Schlucken begonnen werden. Der Schluckakt wird genau beobachtet, zu achten ist z. B. auf verzögertes Schlucken, besonders langsames, kleinschluckiges Trinken, Husten, Würgen oder Kurzatmigkeit. Ein aufwändigerer, häufig bei Schlaganfallerkrankten eingesetzter Test ist der Gugging Swallowing Screen. Der erreichte Punktwert (0 bis 20) gibt Auskunft über den Schweregrad der Dysphagie und die Aspirationsgefahr.

Je nach Verdachtsdiagnose werden weitere Untersuchungsverfahren herangezogen. Dazu gehören das Röntgen, die Videofluoroskopie und die Endoskopie. Um die genaue Ursache zu finden, ist oft eine interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Expertin*innen aus der Inneren Medizin, Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Neurologie und Logopädie erforderlich.

Behandlung

Bei einer Schluckstörung gilt es, das Schlucken und damit die Aufnahme von Nahrung und Flüssigkeit zu verbessern und Aspirationen zu vermeiden. Je nach Ursache können spezielle und allgemeine Maßnahmen (siehe Ihre Apotheke empfiehlt) helfen.

Medikamente und Operationen. Behandelbare, strukturelle Ursachen werden direkt angegangen. Das bedeutet zum Beispiel, dass eine Speiseröhrenentzündung medikamentös behandelt oder eine verengte Speiseröhre endoskopisch geweitet wird. Angeborene Fehlbildungen, wie eine Lippen-Kiefer-Gaumenspalte oder ein Zenker-Divertikel, werden operiert. Zugrundeliegende neurologische Erkrankungen (Morbus Parkinson, Multiple Sklerose) sollten möglichst gut mit den entsprechenden Medikamenten eingestellt sein. Bei saurem Aufstoßen kommen zudem säurehemmende Medikamente, bei Mundtrockenheit Speichelfluss-anregende Mittel zum Einsatz.

Logopädie. Vor allem bei neurologischen Störungen und der Presbyphagie helfen logopädische Maßnahmen. Das logopädische Schlucktraining zielt darauf ab, bestimmte Muskeln oder Muskelgruppen zu trainieren, etwa die Zungen- und die Kaumuskulatur.

Botulinumtoxin. Werden die Schluckstörungen durch eine krampfartige Verengung des Speiseröhreneingangs verursacht, können Botox-Injektionen helfen. Sie führen zu einer Erschlaffung des Muskels und erleichtern dadurch den Schluckvorgang. Ihr Nachteil ist jedoch, dass ihre Wirkung nur etwa drei bis sechs Monate anhält. Die Spritzen müssen also wiederholt werden.

Kompensatorische Strategien. Hierbei lernen die Betroffenen spezielle Schlucktechniken, z. B. die Position des Kopfes beim Schlucken zu ändern oder vor dem Schlucken den Atem anzuhalten. Absichtliches Husten nach dem Schlucken kann hängengebliebene Nahrungsreste entfernen, um eine Aspiration auszuschließen.

Ihre Apotheke empfiehlt

Was Sie selbst tun können

Bei Schluckstörungen gibt es einige Tipps, die das Schlucken verbessern und das Risiko verringern, dass Flüssigkeiten oder Nahrung in die Atemwege gelangen.

  • Passen Sie die Konsistenz der Nahrung an die Schluckfähigkeit an. Nach einem Schlaganfall etwa besteht häufig eine erhöhte Aspirationsgefahr durch dünne Flüssigkeiten. Betroffene können in diesem Fall die Flüssigkeiten mit handelsüblichen Dickungsmitteln andicken. Mittlerweile gibt es auch gebrauchsfertige "angedickte" Getränke für Menschen mit Dysphagie.
  • Wenn Ihnen das Schlucken fester Nahrung schwerfällt, kann man die Lebensmittel pürieren. Bestehen die Mahlzeiten aus mehreren Lebensmitteln, sollte man die Bestandteile einzeln pürieren und separat anrichten, um das Auge anzusprechen.
  • Beginnen Sie die Mahlzeit mit kalter Nahrung (Eis, Sorbet, kalter Pudding). Weil die Rezeptoren in der Mundhöhle und im Rachen stärker auf kalte Reize reagieren, kann man den Schluckreflex damit sozusagen "aufwecken". Manche Expert*innen empfehlen auch, vor dem Essen einen Eiswürfel am Stil zu lutschen.
  • Bevorzugen Sie Getreideprodukte in der körnerfreien Variante und weichen sie diese ggf. ein.
  • Konzentrieren Sie sich ganz auf das Essen und verzichten Sie während der Mahlzeit auf das Sprechen, um Verschlucken zu vermeiden.
  • Wenn Sie sich verschluckt haben, achten Sie auf ordentliches Abhusten.
  • Essen Sie im Sitzen und legen Sie sich für etwa 20 Minuten nach dem Essen nicht hin.
  • Bevorzugen Sie Getränke ohne Fruchtfleisch und dicken Sie Flüssigkeiten ggf. an.
  • Kontrollieren Sie Ihr Gewicht regelmäßig. Bei Gewichtsabnahme kann man die Ernährung durch hochkalorische Nahrungssupplemente ergänzen.

Weiterführende Informationen

Den Gugging Swallowing Test finden Sie hier.

Das Kölner Dysphagiezentrum hat auf seiner Webseite eine Reihe wichtiger Links für Betroffene mit Dysphagie und ihre Angehörige zusammengetragen.

Von: Dr. med. Sonja Kempinski
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Darmbakterien als Gesundheitshelfer

Probiotika werden vor allem als Kapseln, Pulver, Tropfen oder Trinklösungen angeboten.

Darmbakterien als Gesundheitshelfer

Probiotika im Einsatz

Ob für eine gesunde Verdauung, zur Unterstützung des Immunsystems oder als Begleiter beim Abnehmen: Probiotika werden für unterschiedliche Ziele angeboten. Die Auswahl in Apotheken, Drogerien und im Internet ist groß. Lesen Sie, was die kleinen Helfer leisten können und worauf es bei der Anwendung ankommt.

Was sind Probiotika?

Die gute Nachricht lautet: Probiotika sind keineswegs wirkungslos. Für einige Beschwerden konnten wissenschaftliche Studien tatsächlich einen Nutzen nachweisen. Allerdings gilt das längst nicht für alle Produkte und nicht für jede Erkrankung. Entscheidend ist außerdem, welche Bakterienstämme enthalten sind. Denn Probiotikum ist nicht gleich Probiotikum. Wer sich etwas auskennt, kann Enttäuschungen vermeiden und seine Darmgesundheit gezielt unterstützen.

Die Darmflora – heute meist Mikrobiom genannt – besteht aus Milliarden von Bakterien, die wichtige Aufgaben übernehmen. Sie helfen bei der Verdauung, bilden bestimmte Vitamine, beeinflussen das Immunsystem und schützen den Darm vor krankmachenden Keimen. Ist dieses empfindliche Gleichgewicht gestört, können Verdauungsprobleme entstehen. Deshalb hoffen viele Menschen, mit Probiotika ihre Darmflora wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Probiotika enthalten lebende Mikroorganismen – meist Milchsäurebakterien oder Hefen. Sie werden als Kapseln, Pulver, Tropfen oder Trinklösungen angeboten. Nach der Einnahme gelangen sie in den Darm und sollen dort das Gleichgewicht der Darmflora unterstützen.

Hinweis: Ein gesundes Mikrobiom besteht aus vielen unterschiedlichen Bakterienarten. Es lässt sich jedoch nicht einfach durch die Einnahme beliebiger Probiotika dauerhaft verändern.

Probiotika-Effekte unter der Lupe

Wer sich über Probiotika informiert, stößt häufig auf widersprüchliche Aussagen. Das liegt unter anderem daran, dass in den Studien ganz unterschiedliche Bakterienstämme untersucht werden. Selbst eng verwandte Stämme können völlig unterschiedliche Wirkungen haben.

Hinzu kommt, dass jeder Mensch ein individuelles Mikrobiom besitzt. Ernährung, Alter, Medikamente, Vorerkrankungen und genetische Faktoren beeinflussen, wie gut sich zugeführte Bakterien überhaupt im Darm ansiedeln können. Manche verschwinden bereits nach kurzer Zeit wieder. Deshalb lässt sich das Ergebnis einer Studie nicht ohne Weiteres auf alle Probiotika oder alle Menschen übertragen.

Für diese Einsatzgebiete sieht der Wissenstand folgendermaßen aus:

  • Nach einer Antibiotikatherapie: Antibiotika bekämpfen krankmachende Bakterien. Gleichzeitig können sie aber auch nützliche Darmbakterien schädigen. Die Folgen sind bei manchen Menschen Durchfälle, Blähungen oder Bauchschmerzen. Für einige Probiotika konnte gezeigt werden, dass sie das Risiko für antibiotikabedingte Durchfälle verringern können. Sie ersetzen die Antibiotikatherapie selbstverständlich nicht, können sie aber unter Umständen sinnvoll begleiten. Empfohlen für die Behandlung werden nur bestimmte spezifische Stämme. Ob ein Probiotikum im Einzelfall geeignet ist und wann es eingenommen werden sollte, lässt sich in der Apotheke oder Arztpraxis besprechen. Wichtig dabei: Zwischen Antibiotikum und bakteriellem Probiotikum (z. B. Laktobazillen oder Bifidobakterien) sollte ein zeitlicher Abstand von mindestens zwei bis drei Stunden liegen. So sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass das Antibiotikum die nützlichen Bakterien sofort wieder zerstört.
  • Hilfe bei Reisedurchfall: Auch zur Vorbeugung eines Reisedurchfalls wurden verschiedene Probiotika untersucht. Einige Studien zeigen einen kleinen Schutzeffekt. Noch wichtiger sind also die klassischen Hygieneregeln auf Reisen: sauberes Trinkwasser, gründlich gegarte Speisen und sorgfältige Händehygiene.
  • Reizdarm: Menschen mit Reizdarmsyndrom leiden häufig unter Blähungen, Bauchschmerzen, Durchfall oder Verstopfung – Letztere häufig auch im Wechsel. Manche Probiotika können diese Beschwerden lindern. Allerdings profitieren nicht alle Betroffenen gleichermaßen. Auch hier kommt es auf den verwendeten Bakterienstamm an. Während ein Präparat bei Blähungen hilfreich sein kann, zeigt ein anderes möglicherweise keinen Effekt. Deshalb empfehlen Fachgesellschaften, Probiotika gezielt auszuwählen und nach einigen Wochen zu überprüfen, ob sich die Beschwerden tatsächlich bessern. Verbessern sich die Beschwerden nach etwa vier bis acht Wochen nicht, sollte das Präparat wieder abgesetzt werden.
  • Colitis ulcerosa: Bei der chronisch-entzündlichen Darmerkrankung Colitis ulcerosa können ausgewählte Probiotika helfen, Beschwerden zu lindern oder eine beschwerdefreie Phase zu stabilisieren. Die Standardtherapie ersetzen sie jedoch nicht. Deshalb dürfen sie nur zusätzlich zur ärztlich verordneten Behandlung eingesetzt werden. Betroffene sollten Probiotika jedoch nur nach Rücksprache mit ihrer behandelnden Ärzt*in verwenden.
  • Unterstützung bei Helicobacter pylori: Der Magenkeim Helicobacter pylori wird mit einer Kombination mehrerer Antibiotika behandelt. Diese Therapie kann Nebenwirkungen wie Durchfall verursachen. Einige Probiotika können solche Beschwerden abschwächen. Außerdem gibt es Hinweise, dass manche Patient*innen die Behandlung dadurch besser vertragen und konsequenter durchführen.

Wo Probiotika eher nicht helfen

Werbung und soziale Medien vermitteln oft den Eindruck, Probiotika könnten nahezu jedes Gesundheitsproblem positiv beeinflussen. Tatsächlich werden sie unter anderem bei Allergien, Übergewicht, Diabetes, Depressionen, Demenz oder sogar Krebs angeboten. Für diese Anwendungsgebiete gibt es bislang jedoch keine überzeugenden wissenschaftlichen Belege. Zwar zeigen einzelne Studien oder Tierversuche gelegentlich positive Ergebnisse. In hochwertigen Untersuchungen am Menschen konnten diese Effekte aber meist nicht eindeutig bestätigt werden.

Nicht jeder verträgt Probiotika

Die meisten gesunden Menschen vertragen Probiotika gut. Vor allem zu Beginn der Einnahme können allerdings Blähungen, Völlegefühl, Bauchkrämpfe oder Veränderungen des Stuhlgangs auftreten. Diese Beschwerden verschwinden meist nach einigen Tagen wieder. Bleiben sie bestehen oder verschlimmern sie sich, sollte das Präparat abgesetzt und ärztlicher Rat eingeholt werden.

Für Menschen mit einem gesunden Immunsystem gelten Probiotika überwiegend als sicher. Es gibt jedoch Ausnahmen. Nicht empfohlen werden sie unter anderem für Personen mit einer stark geschwächten Immunabwehr, etwa nach Organtransplantationen oder während bestimmter Krebstherapien. Auch schwer kranke Patient*innen auf Intensivstationen sollten Probiotika nur nach ärztlicher Entscheidung erhalten. Bei Frühgeborenen sowie Neugeborenen und Säuglingen sollten Probiotika ebenfalls nur nach ausdrücklicher ärztlicher Empfehlung eingesetzt werden.

Hinweis: Sie leiden an einer schweren Grunderkrankung oder nehmen Medikamente ein, die das Immunsystem unterdrücken? Dann ziehen Sie vor der Einnahme von Probiotika immer Ihre Ärzt*in zu Rate!

Das Mikrobiom natürlich stärken

Wer seine Darmflora langfristig unterstützen möchte, sollte auch seinen Lebensstil verändern. Eine abwechslungsreiche, ballaststoffreiche Ernährung liefert den Darmbakterien genau die Nährstoffe, die sie benötigen. Besonders günstig wirken sich Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Nüsse und Samen aus. Sie enthalten Ballaststoffe, die den nützlichen Darmbakterien als Nahrung dienen.

Ebenso wichtig ist es, stark verarbeitete Lebensmittel, zuckerreiche Getränke und große Mengen rotes Fleisch nur in Maßen zu verzehren. Diese Lebensmittelgruppen schaden der Darmflora auf unterschiedliche Weise, indem sie entweder „schlechte“ Bakterien fördern oder die Darmschleimhaut direkt angreifen. Zucker dient beispielsweise als ideales Nährmedium für potenziell schädliche Bakterien und Hefepilze wie Candida albicans. Diese verdrängen die nützlichen Bakterien und können Entzündungsreaktionen im Darm auslösen. Zusatzstoffe und Emulgatoren können wiederum die Darmwände direkt beeinträchtigen.

Doch nicht nur die Ernährung beeinflusst das Mikrobiom. Regelmäßige Bewegung steigert die Artenvielfalt der Darmbakterien und unterstützt das Wachstum gesunder Arten. Schon tägliche Spaziergänge, Radfahren oder Schwimmen können sich positiv auswirken. Gleichzeitig sinkt dadurch das Risiko für zahlreiche Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Typ-2-Diabetes. Auch ausreichend Schlaf und ein guter Umgang mit Stress scheinen eine wichtige Rolle für Darm und Immunsystem zu spielen. Studien haben gezeigt, dass Schlafentzug das Verhältnis der Darmbakterien zugunsten ungesunder Arten verschiebt.

Tipp: Fachleute empfehlen häufig eine mediterrane Ernährungsweise. Sie enthält reichlich Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Olivenöl und Fisch. Studien zeigen, dass diese Ernährung die Vielfalt der Darmbakterien fördern kann. Gleichzeitig wirkt sie sich günstig auf Blutdruck, Blutzucker, Cholesterin und Körpergewicht aus.

Die richtige Auswahl bei Probiotika

Wer sich ausgewogen ernährt, regelmäßig bewegt und Antibiotika nur dann einnimmt, wenn sie medizinisch notwendig sind, schafft bereits gute Voraussetzungen für eine gesunde Darmflora. Kommt es dennoch zu bestimmten Beschwerden – etwa nach einer Antibiotikatherapie oder bei einem Reizdarmsyndrom –, können ausgewählte Probiotika sinnvoll sein. Das Angebot ist allerdings groß und für Laien oft schwer zu überblicken.

Viele Verbraucher*innen achten vor allem auf die Anzahl der enthaltenen Bakterien. Tatsächlich sagt diese Zahl allein jedoch wenig über die Wirksamkeit aus. Entscheidend ist vielmehr, welche Bakterienstämme enthalten sind, ob genau diese Stämme wissenschaftlich untersucht wurden und ob sie in ausreichender Menge und lebend den Darm erreichen. Deshalb lohnt sich eine Beratung bei der Ärzt*in oder in der Apotheke. Dort kann gezielt nach einem Präparat gesucht werden, dessen Nutzen für die jeweilige Beschwerde untersucht wurde. Zudem erfahren Sie, wie das Präparat eingenommen werden soll und ob es bei der Aufbewahrung gekühlt werden muss.

Hinweis: Lassen Sie sich nicht von vermeintlicher „Qualität“ täuschen. Ein höherer Preis bedeutet nicht automatisch eine bessere Wirksamkeit.

Arztbesuch statt Probiotika

Länger anhaltende oder starke Beschwerden sollten immer ärztlich abgeklärt werden, bevor Sie versuchen, diese eigenständig mit Probiotika zu behandeln. Probiotika sind zwar in der Regel gut verträglich, können jedoch bei schweren zugrundeliegenden Erkrankungen die Symptome maskieren oder die Diagnose erschweren. Das gilt insbesondere bei folgenden Warnsignalen:

Durchfall über mehrere Tage: Hält ein Durchfall länger als drei Tage an, besteht die Gefahr des Austrocknens und eines Elektrolytverlusts. Zudem könnte eine Infektion vorliegen, die eine gezielte medikamentöse Therapie erfordert, die über die Gabe von „guten Bakterien“ hinausgeht.

Blut im Stuhl: Sichtbares Blut (rot oder schwarz-teerig) ist ein ernstzunehmendes Warnzeichen für Verletzungen der Darmschleimhaut, Entzündungen (wie Colitis ulcerosa) oder Veränderungen durch Polypen. Hier ist eine ärztliche Abklärung zwingend notwendig.

Starke Bauchschmerzen: Plötzliche, heftige oder anhaltende Schmerzen können auf akute chirurgische Notfälle (z. B. Blinddarmentzündung, Ileus) oder schwere Entzündungen hinweisen.

Hohes Fieber: Fieber über 38,5 °C in Kombination mit Verdauungsproblemen deutet meist auf eine Infektion hin, die den gesamten Körper betrifft und ärztlich überwacht werden muss.

Ungewollter Gewichtsverlust: Wenn Sie ohne Diät oder sportliche Aktivität an Gewicht verlieren, kann dies ein Hinweis auf chronische Entzündungen, Malabsorption (Nährstoffaufnahmestörung) oder Tumorerkrankungen sein.

Wiederkehrende Verdauungsbeschwerden: Treten Blähbauch, Durchfall oder Verstopfung immer wieder auf, könnte eine chronische Ursache wie ein Reizdarmsyndrom, eine Nahrungsmittelunverträglichkeit (z. B. Zöliakie, Laktoseintoleranz) oder eine Dysbiose vorliegen. Dann ist eine spezifische Diagnostik nötig. Beschwerden nach Auslandsreisen: Nach Fernreisen können spezielle Erreger (z. B. Amöben, Lamblien oder multiresistente Bakterien) die Ursache für Darmbeschwerden sein. Auch wenn Sie unter chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen leiden oder Ihr Immunsystem geschwächt ist, sollten Sie Probiotika nicht ohne ärztliche Rücksprache einnehmen.

Quellen: Leitlinie zur Allergieprävention, Update S3-Leitlinie zum Reizdarmsyndrom, Witte F, „Wem oder wogegen helfen Probiotika?“,Ärztezeitung 2026

Von: Dr. med. Sonja Kempinski; Bild: mauritius images / Oksana Bratanova / Alamy / Alamy Stock Photos