Gesundheit heute
Schluckstörung
Schluckstörung (Dysphagie): Störung des Schluckvorgangs mit Schwierigkeiten, Speichel, Flüssigkeit oder Nahrung vom Mund in den Magen zu befördern. Typische Anzeichen sind häufiges Verschlucken beim Essen oder Trinken, Speichelfluss und Schmerzen oder Druckgefühl beim Schlucken. Schluckstörungen treten aufgrund verschiedener Erkrankungen oder im Rahmen des natürlichen Alterns auf. Unbehandelt können sie zu Unterernährung und Austrocknung führen. Gelangen Nahrung oder Flüssigkeit in die Atemwege, droht eine Aspirationspneumonie (Lungenentzündung). Behandelt werden Schluckstörungen je nach zugrundeliegender Ursache. Zusätzlich helfen ein logopädisches Training der Schluckmuskulatur und allgemeine Maßnahmen wie z. B. die Veränderungen der Nahrungskonsistenz.
Symptome und Leitbeschwerden
- Häufiges Verschlucken beim Essen und Trinken
- Husten oder Würgen nach dem Schlucken
- Gefühl, dass Nahrung im Hals steckenbleibt
- Schmerzen oder Druckgefühl beim oder nach dem Schlucken
- Speichelfluss aus dem Mund
- Veränderte Stimme nach dem Schlucken
- Unerklärlicher Gewichtsverlust oder wiederkehrende Lungenentzündungen.
Wann in die Arztpraxis
In den nächsten Tagen,
- wenn oben genannte Beschwerden auftreten.
Die Erkrankung
Das Schlucken ist ein lebenswichtiger Vorgang, der bei Erwachsenen bis zu 1000 Mal am Tag abläuft. Denn geschluckt wird nicht nur beim Essen oder Trinken: Auch unbewusst und im Tiefschlaf läuft der Schluckakt ab, bei dem z. B. Speichel in den Magen transportiert wird. Erreichen Nahrung oder Flüssigkeit den Zungengrund oder die hintere Rachenwand, wird automatisch der Schluckreflex ausgelöst. Beteiligt sind beim Schluckakt von der Wange bis zur Speiseröhre über 50 Muskeln und bis zu sechs der zwölf Hirnnervenpaare.
Der Schluckvorgang besteht aus drei Phasen:
- In der oralen Schluckphase wird die Nahrung im Mund für das Herunterschlucken zerkleinert und angefeuchtet. Dann schiebt die Zunge den Bolus (Bissen fester Nahrung) Richtung Rachen. Probleme beim Kauen oder eine unzureichende Speichelproduktion können die orale Schluckphase stören.
- In der pharyngealen Phase wird die aufgenommene Nahrung oder Flüssigkeit durch den Rachen (Pharynx) in die Speiseröhre befördert. Ist das nicht problemlos möglich, liegt eine oropharyngeale Dysphagie vor. Die Störung liegt in diesen Fällen im Mund-Rachen-Raum, dem hinteren Teil des Halses.
- Der Transport der Nahrung durch die Speiseröhre (Ösophagus) in den Magen erfolgt in der ösophagealen Phase. Ist dieser Weitertransport behindert, spricht man von einer ösophagealen Dysphagie.
Ursachen
Schluckstörungen können aufgrund vieler Erkrankungen auftreten. Besonders häufig sind neurologische Störungen, bei denen z. B. die Gehirnbereiche oder die Nerven geschädigt sind, die den Schluckakt steuern. Dies kommt etwa vor bei Schlaganfall und Hirnverletzungen, entzündlichen oder degenerativen Erkrankungen des Nervensystems wie Multiple Sklerose, Morbus Parkinson oder Hirntumoren.
Weitere Ursachen für Schluckstörungen sind Fehlbildungen oder Erkrankungen der Speiseröhre. Hierzu gehören vor allem die
- Speiseröhrenentzündung (Ösophagitis)
- eine zu schlaffe (Achalasie) oder sich zu stark zusammenziehende Speiseröhre (diffuse Speiseröhrenspasmen)
- Ausbuchtungen (Speiseröhrendivertikel) oder
- Verengungen der Speiseröhre durch Narben oder Tumoren.
Zungenverletzungen, Brüche im Gesichtsbereich und verschluckte Fremdkörper können ebenso zu Schluckbeschwerden führen. Weitere seltene Auslöser sind Infektionen wie die Tollwut oder psychische Störungen.
Schluckbeschwerden durch das Altern
Im Alter kommt es auch ganz ohne spezielle Erkrankungen oft zu Schluckstörungen. Der Schluckakt ist dann verlangsamt und weniger effizient, bei starker Ausprägung kommt es auch zu häufigem Verschlucken oder Aspirationen. Dabei gelangen durch den gestörten Schluckakt Speichel, Nahrung oder Flüssigkeit über die Luftröhre in die unteren Atemwege. Der Vorgang des Eindringens in die Atemwege wird als Aspiration bezeichnet, die folgende Lungenentzündung als Aspirationspneumonie. Schluckstörungen aufgrund des Alterns werden Presbyphagie genannt.
Die Probleme liegen dann meist in Mund und Rachen. Durch natürliche Alterungsprozesse lassen Muskelkraft und -koordination nach und erschweren das Kauen und Schlucken. Zudem ist die Speichelproduktion verringert, wobei im Alter oft verordnete Medikamente die Mundtrockenheit weiter verstärken. Durch die Alterung der Nerven vermindert sich die Sensibilität in Mund und Rachen, was die Auslösung des Schluckreflexes verzögern kann.
Zudem lassen Geruchs- und Geschmackssinn nach und reduzieren den Appetit und damit die Motivation, zu kauen und zu schlucken. Zahnverlust oder schlechtsitzende Zahnprothesen wiederum erschweren das Kauen und damit die Vorbereitung fürs Herunterschlucken.
Folgen und Komplikationen
Da Schluckstörungen immer die Nahrungsaufnahme beeinträchtigen, führen sie häufig zu Unterernährung und/oder Austrocknung (Dehydratation). Eine weitere Komplikation der Schluckstörung ist die Lungenentzündung.
Diagnosesicherung
Zunächst wird die Ärzt*in die vorliegenden Beschwerden erfragen. Wichtig ist die genaue Beschreibung der Schluckprobleme durch den Betroffenen oder seine Angehörigen. Dabei ist der Schluckfragebogen EAT-10 hilfreich, bei dem zehn einfache Aussagen zum Schlucken mit 0 (kein Problem) bis 4 (starkes Problem) beantwortet werden. Dies können sowohl die Patient*in selbst als auch Pflegende tun. Für spezielle Krankheitsbilder (z. B. für den Morbus Parkinson) gibt es auch umfangreichere Screening-Tests. Mit ihnen lässt sich insbesondere die Aspirationsgefahr beurteilen.
Bei der körperlichen Untersuchung untersucht die Ärzt*in unter anderem die motorische Zungenfunktion (z. B. Anheben der Zungenspitze), die Sensitivität der Mundhöhle sowie die Beweglichkeit des Kehlkopfs beim Schlucken. Auch Sprechvermögen und Ernährungszustand geben wichtige Hinweise.
Durch Schlucktests mit verschiedenen Arten von Nahrungsmitteln lässt sich die Schluckfähigkeit ermitteln. Ein einfacher Test ist der Wasserschlucktest. Dabei bekommt die Testperson ein Glas mit 100 ml stillem Wasser, das möglichst rasch ausgetrunken werden soll. Bei hohem Risiko für ein Verschlucken soll mit 1 bis 3 kleinen Schlucken begonnen werden. Der Schluckakt wird genau beobachtet, zu achten ist z. B. auf verzögertes Schlucken, besonders langsames, kleinschluckiges Trinken, Husten, Würgen oder Kurzatmigkeit. Ein aufwändigerer, häufig bei Schlaganfallerkrankten eingesetzter Test ist der Gugging Swallowing Screen. Der erreichte Punktwert (0 bis 20) gibt Auskunft über den Schweregrad der Dysphagie und die Aspirationsgefahr.
Je nach Verdachtsdiagnose werden weitere Untersuchungsverfahren herangezogen. Dazu gehören das Röntgen, die Videofluoroskopie und die Endoskopie. Um die genaue Ursache zu finden, ist oft eine interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Expertin*innen aus der Inneren Medizin, Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Neurologie und Logopädie erforderlich.
Behandlung
Bei einer Schluckstörung gilt es, das Schlucken und damit die Aufnahme von Nahrung und Flüssigkeit zu verbessern und Aspirationen zu vermeiden. Je nach Ursache können spezielle und allgemeine Maßnahmen (siehe Ihre Apotheke empfiehlt) helfen.
Medikamente und Operationen. Behandelbare, strukturelle Ursachen werden direkt angegangen. Das bedeutet zum Beispiel, dass eine Speiseröhrenentzündung medikamentös behandelt oder eine verengte Speiseröhre endoskopisch geweitet wird. Angeborene Fehlbildungen, wie eine Lippen-Kiefer-Gaumenspalte oder ein Zenker-Divertikel, werden operiert. Zugrundeliegende neurologische Erkrankungen (Morbus Parkinson, Multiple Sklerose) sollten möglichst gut mit den entsprechenden Medikamenten eingestellt sein. Bei saurem Aufstoßen kommen zudem säurehemmende Medikamente, bei Mundtrockenheit Speichelfluss-anregende Mittel zum Einsatz.
Logopädie. Vor allem bei neurologischen Störungen und der Presbyphagie helfen logopädische Maßnahmen. Das logopädische Schlucktraining zielt darauf ab, bestimmte Muskeln oder Muskelgruppen zu trainieren, etwa die Zungen- und die Kaumuskulatur.
Botulinumtoxin. Werden die Schluckstörungen durch eine krampfartige Verengung des Speiseröhreneingangs verursacht, können Botox-Injektionen helfen. Sie führen zu einer Erschlaffung des Muskels und erleichtern dadurch den Schluckvorgang. Ihr Nachteil ist jedoch, dass ihre Wirkung nur etwa drei bis sechs Monate anhält. Die Spritzen müssen also wiederholt werden.
Kompensatorische Strategien. Hierbei lernen die Betroffenen spezielle Schlucktechniken, z. B. die Position des Kopfes beim Schlucken zu ändern oder vor dem Schlucken den Atem anzuhalten. Absichtliches Husten nach dem Schlucken kann hängengebliebene Nahrungsreste entfernen, um eine Aspiration auszuschließen.
Ihre Apotheke empfiehlt
Was Sie selbst tun können
Bei Schluckstörungen gibt es einige Tipps, die das Schlucken verbessern und das Risiko verringern, dass Flüssigkeiten oder Nahrung in die Atemwege gelangen.
- Passen Sie die Konsistenz der Nahrung an die Schluckfähigkeit an. Nach einem Schlaganfall etwa besteht häufig eine erhöhte Aspirationsgefahr durch dünne Flüssigkeiten. Betroffene können in diesem Fall die Flüssigkeiten mit handelsüblichen Dickungsmitteln andicken. Mittlerweile gibt es auch gebrauchsfertige "angedickte" Getränke für Menschen mit Dysphagie.
- Wenn Ihnen das Schlucken fester Nahrung schwerfällt, kann man die Lebensmittel pürieren. Bestehen die Mahlzeiten aus mehreren Lebensmitteln, sollte man die Bestandteile einzeln pürieren und separat anrichten, um das Auge anzusprechen.
- Beginnen Sie die Mahlzeit mit kalter Nahrung (Eis, Sorbet, kalter Pudding). Weil die Rezeptoren in der Mundhöhle und im Rachen stärker auf kalte Reize reagieren, kann man den Schluckreflex damit sozusagen "aufwecken". Manche Expert*innen empfehlen auch, vor dem Essen einen Eiswürfel am Stil zu lutschen.
- Bevorzugen Sie Getreideprodukte in der körnerfreien Variante und weichen sie diese ggf. ein.
- Konzentrieren Sie sich ganz auf das Essen und verzichten Sie während der Mahlzeit auf das Sprechen, um Verschlucken zu vermeiden.
- Wenn Sie sich verschluckt haben, achten Sie auf ordentliches Abhusten.
- Essen Sie im Sitzen und legen Sie sich für etwa 20 Minuten nach dem Essen nicht hin.
- Bevorzugen Sie Getränke ohne Fruchtfleisch und dicken Sie Flüssigkeiten ggf. an.
- Kontrollieren Sie Ihr Gewicht regelmäßig. Bei Gewichtsabnahme kann man die Ernährung durch hochkalorische Nahrungssupplemente ergänzen.
Weiterführende Informationen
Den Gugging Swallowing Test finden Sie hier.
Das Kölner Dysphagiezentrum hat auf seiner Webseite eine Reihe wichtiger Links für Betroffene mit Dysphagie und ihre Angehörige zusammengetragen.
Übergewichte Menschen haben häufig auch eine nicht-alkoholische Fettleber.
8 Mythen zur Ernährung bei Fettleber
Kräutertee statt Kaffee?
Die nicht-alkoholische Fettleber wird vor allem durch Umstellung der Ernährung behandelt. Doch wie macht man es richtig? Muss man tatsächlich auf Kaffee verzichten? Welche Kohlenhydrate und Fette sind günstig? Und ist Fleisch schädlich?
Ein Drittel der Erwachsenen betroffen
Die nicht-alkoholische Fettleber ist in Deutschland häufig: Bis zu einem Drittel der Erwachsenen soll darunter leiden. Das ist kein Wunder, denn eine der wichtigsten Ursachen für die Fettansammlung in der Leber ist eine Insulinresistenz, die durch kalorien- und fettreiche Ernährung begünstigt wird. Übergewichtige Menschen und solche mit einem Typ-2-Diabetes sind deshalb auch besonders oft von einer Fettleber betroffen.
Zentrale Maßnahme bei Fettleber ist die Ernährungsumstellung. Doch genau hier gibt es viele Irrtümer, wie Wissenschaftler*innen betonen. Eine brasilianische Arbeitsgruppe hat die wichtigsten Falschaussagen zusammengetragen und korrigiert:
- Es zählt nur die Kalorienmenge. Falsch: Natürlich ist es wichtig, bei Übergewicht die Kalorienmenge zu reduzieren. Doch zusätzlich beeinflusst auch die Zusammensetzung der Nahrung die Fettleber. Die mediterrane Ernährung zeigt beispielsweise positive Effekte, selbst wenn es dadurch nicht zu einem Gewichtsverlust kommt.
- Alle Kohlenhydrate sind schädlich. Falsch: Besonders problematisch für die Fettleber sind einfache Zucker, vor allem Fruktose. Kohlenhydrate aus Vollkorn, Obst und Gemüse schützen dagegen die Leber.
- Fette sollten prinzipiell gemieden werden. Falsch: Ungesättigte Fettsäuren wie z. B. aus Olivenöl oder Fisch sind sogar vorteilhaft für die Leber. Meiden sollte man allerdings Transfette und stark gesättigte Fette, wie sie z. B. in Backwaren, Fertigprodukten, Fleisch und Kokosfett zu finden sind.
- Intervallfasten belastet die Leber. Falsch: Intervallfasten kann sich sogar günstig auf das Leberfett auswirken. Voraussetzung ist, dass man es richtig anwendet. Empfohlen wird die 16:8 Methode, bei der täglich 16 Stunden gefastet und in einem 8-stündigen Zeitfenster gegessen wird.
- Kaffee schadet der Leber. Falsch: 2 bis 3 Tassen am Tag wirken schützend auf die Leber, Voraussetzung ist allerdings, dass das Gebräu ohne Milch, Zucker oder pflanzliche Cremes getrunken wird.
- Kräutertees entgiften die Leber. Falsch: Viele Naturprodukte oder Kräutertees werden als entschlackend oder entgiftend für die Leber angepriesen. Das ist oft nicht nur falsch, sondern auch gefährlich. Hochdosierter Grüntee, Kava-Kava und Kurkuma können u. U. sogar lebertoxisch wirken.
- Ein bisschen Alkohol ist erlaubt: Falsch. Auch die nicht-alkoholische Fettleber muss geschont werden, schon ganz geringe Mengen können sie schädigen. Deshalb ist Alkoholabstinenz angesagt.
- Fleisch ist unproblematisch. Falsch: Vor allem gegrilltes oder geräuchertes Fleisch kann die Fettleber verschlimmern. Empfohlen werden deshalb nicht mehr als ein bis zwei Portionen Fleisch pro Woche, die zudem mager und schonend gegart sein sollen. Noch besser ist es, rotes Fleisch durch andere Proteinquellen zu ersetzen. Ganz besonders gilt dies für Menschen, die an einer besonderen genetisch bedingten Risikovariante leiden (PNPLA3-Fettleber).
Quelle: Ärztezeitung

