Gesundheit heute

Osteoporose

Osteoporose (Knochenschwund): Knochenerkrankung, bei der sich die Dichte der Knochen verringert und diese schon bei kleinen Unfällen, Belastungen oder auch ohne erkennbare Ursachen brechen können. Darüber hinaus treten Minibrüche (Knochenrisse) auf, die häufig zu Schmerzen im Rücken oder im Brustkorb führen. Der krankhafte Verlust an Knochenmasse wird mithilfe der Knochendichtemessung nachgewiesen, bei Verdacht auf Frakturen (Brüche) wird geröntgt. Therapeutisch kommen Medikamente zum Einsatz, die den Knochenabbau hemmen oder den Knochenaufbau fördern. Daneben ist die ausreichende Versorgung mit Vitamin D und Kalzium entscheidend.

Hinweis: Außer als eigenständige Erkrankung (primäre Osteoporose) kann sich eine Osteoporose auch als Folgeerkrankung (sekundäre Osteoporose) entwickeln, z. B. bei Schilddrüsenstörungen, einem Diabetes, einer rheumatischen Erkrankung oder der Langzeiteinnahme von Kortison.

Symptome und Leitbeschwerden

  • Knochenbrüche im höheren Lebensalter ohne passende Verletzung, v. a. von Wirbelkörpern, Oberschenkelhals und Unterarm
  • schwer lokalisierbare Schmerzen im Bewegungsapparat (v. a. Rücken und Brustkorb)
  • Zunehmende Verkrümmung des Oberkörpers (Witwenbuckel)
  • Abnahme der Körpergröße um mehr als 3 cm. In ausgeprägten Fällen sitzen die unteren Rippen auf den Beckenkämmen auf.

Wann in die Arztpraxis

Sofort zur Ärzt*in oder den Notdienst rufen bei

  • Stürzen mit schweren Schmerzen oder dem Verdacht auf Knochenbrüche.

In den nächsten Tagen, wenn

  • chronische Rückenschmerzen trotz Bewegung und Gymnastik nicht besser werden
  • plötzlich starke Schmerzen an Rücken oder Hüfte auftreten.

Die Erkrankung

Mit dem 25. Lebensjahr ist die Wachstumsphase beendet. Die Knochen haben dann nicht nur ihre endgültige Länge, sondern auch ihre maximale Knochenmasse erreicht. Auch wenn die Knochen nicht mehr wachsen, werden sie danach ständig umgebaut und erneuert. Bis etwa zum 30. Lebensjahr besteht ein Gleichgewicht zwischen der Aktivität knochenaufbauender Zellen (Osteoblasten) und knochenabbauender Zellen (Osteoklasten). Danach verringert sich die Knochenmasse langsam, es wird also mehr abgebaut als aufgebaut. Geht zu viel von ihr verloren, wird der Knochen brüchig, es entwickelt sich eine Osteoporose.

Die Knochendichte kann auf zwei Arten weniger werden: Ist der Knochenaufbau gestört, spricht man von einer Low-turnover-Osteoporose. Zu dieser Form gehört die senile Osteoporose (primäre Osteoporose Typ 1), also die Osteoporose im Alter. Dabei nimmt die Aktivität der Osteoblasten mit dem Alter schleichend immer weiter ab. Oft kommt noch dazu, dass alte Menschen nicht ausreichend Kalzium und Vitamin D zu sich nehmen und sich kaum noch bewegen. Betroffen sind bei der senilen Osteoporose sowohl kompakte Knochen, wie z. B. die Wirbelkörper, als auch die Röhrenknochen.

Ein verstärkter Knochenabbau ist dagegen der Grund für die menopausale Osteoporose (primäre Osteoporose Typ 2), also der Osteoporose in den Wechseljahren. Sie setzt bei etwa jeder dritten Frau mit dem Beginn der Wechseljahre ein. Als Ursache wird u. a. der Rückgang von Östrogenen vermutet, da Östrogene die Osteoklasten hemmen. Fällt der hemmende Einfluss der Hormone weg, kommt es zu einem verstärkten Knochenabbau – während der Knochenaufbau aber gleich bleibt (High-turnover-Osteoporose). Im Gegensatz zur senilen Osteoporose sind vor allem die Wirbelkörper betroffen. Außerdem nimmt die Knochendichte bei der menopausalen Form in den ersten Jahren rascher ab.

Vermehrter Knochenabbau und verminderter Knochenaufbau (also Low-turnover-Osteoporose und High-turnover-Osteoporose) können auch kombiniert vorkommen oder ineinander übergehen.

Risikofaktoren

Zahlreiche Risikofaktoren können die Entwicklung einer senilen oder postmenopausalen Osteoporose begünstigen oder beschleunigen:

  • Geringe körperliche Aktivität
  • Langfristige Bettruhe
  • Kalzium- und Vitamin-D-Mangel
  • Rauchen, Alkohol
  • Osteoporose in der Familie
  • Niedriges Körpergewicht (unter 55 kg)
  • Bei Frauen zusätzlich eine frühe Menopause, das Ausbleiben der Monatsblutung für mehr als 6 Monate unabhängig von einer Schwangerschaft sowie die Entfernung der Eierstöcke.

2621_GTV_Knochenabbau_Osteoporose.png|Grundphänomen der Osteoporose ist die Verringerung der Knochenmasse im Alter. Aus der Grafik wird ersichtlich, dass es auch einen physiologischen, also sozusagen normalen, Knochenabbau gibt: So hat jeder Hochbetagte über 80 Jahre die Hälfte seiner Knochenmasse gegenüber der jungen Erwachsenenperiode verloren. Von einem krankhaften Knochenabbau sind vor allem Menschen betroffen, die schon als 30-Jährige durch mangelhafte Ernährung und Bewegungsarmut wenig Knochenmasse gebildet haben – sie haben im Alter einen besonders starken Knochenabbau zu erwarten. Das größte Problem ist in den beiden unteren Bildern dargestellt: durch die Osteoporose ist vor allem die Wirbelsäule bedroht: besonders die horizontal verlaufenden Knochenbälkchen verschwinden, es kommt zum Einbruch der Wirbeldeckplatte und der gesamte Wirbel wird zusammengedrückt. |[GTV 2621]|Grafik zur Entwicklung der Knochenmasse abhängig vom Lebensalter sowie Wirbelquerschnitt mit und ohne Osteoporose

Sekundäre Osteoporose

Bei jeder 20. Patient*in mit Osteoporose verringert sich die Knochendichte nicht aufgrund von Alter oder den Wechseljahren, sondern im Zusammenhang mit einer anderen Erkrankung oder durch die Einnahme von Medikamenten. Dann spricht man von einer sekundären Osteoporose. Typische Auslöser sind

  • hormonelle Störungen durch Morbus Cushing, Hypogonadismus, Schilddrüsenüberfunktion oder Akromegalie
  • metabolische Störungen bei Diabetes mellitus oder Störungen der Nahrungsaufnahme (Malassimilationsstörungen)
  • Tumorerkrankungen des Knochens
  • Autoimmunerkrankungen wie rheumatoide Arthritis oder Lupus erythematodes
  • Medikamente wie Kortison, Schilddrüsenhormone, Entwässerungsmittel oder Cyclosporin A.

Klinik

Die Osteoporose verläuft zunächst ohne Beschwerden. Erst wenn sie fortgeschritten ist und sich kleinste Risse ausbilden, entwickeln die Patient*innen Rücken- oder Hüftschmerzen. Später drohen Knochenbrüche, typischerweise schon bei kleinen Unfällen (Stürzen oder Rutschen vom Stuhl) oder sogar ganz ohne bemerkbaren Anlass. Betroffen sind bei der senilen Osteoporose vor allem Unterarm (Radius), Oberarm und Oberschenkelhals.

Bei der postmenopausalen Osteoporose sind dagegen eher die Wirbelkörper betroffen. In der Folge von Brüchen und kleinen Rissen brechen sie in sich zusammen und werden keilförmig. Dadurch verstärkt sich die natürliche Krümmung der Wirbelsäule und es entsteht ein Buckel (Kyphose). Außerdem vermindert sich die Körperhöhe um mehrere Zentimeter.

Vorkommen und Bedeutung

Die Osteoporose stellt als Volkskrankheit ein großes gesundheitspolitisches Problem dar, in Deutschland leiden schätzungsweise 8 Millionen Menschen darunter (rund 80 % davon sind Frauen). Sie tritt gehäuft im Alter auf, man findet sie in der Gruppe der Über-60-Jährigen bei etwa 40 % der Frauen und 10 bis 15 % der Männer. Der überwiegende Anteil (95 %) sind primäre Osteoporosen, nur in etwa 5 % der Fälle liegt eine andere Erkrankung oder eine Medikamenteneinnahme zugrunde.

Aufgrund ihrer Folgen besitzt die Osteoporose eine große sozioökonomische Bedeutung. In Westeuropa haben etwa ein Viertel aller 70-Jährigen und etwa die Hälfte der über 80-Jährigen osteoporotisch bedingte Wirbelbrüche. Zudem erleidet fast ein Drittel der über 90-Jährigen einen Oberschenkelhalsbruch, der häufig lange Krankenhausaufenthalte und den Verlust der Selbstständigkeit nach sich zieht.

Diagnosesicherung

Das Alter der Patient*in, die Schilderung von Ort und Art der Schmerzen und eventuell vorangegangene Knochenbrüche geben häufig die ersten Hinweise darauf, dass die Knochendichte beeinträchtigt ist. Bei Erhebung der Krankengeschichte klärt die Ärzt*in, ob Risikofaktoren vorliegen. So fragt sie z. B. nach der Einnahme bestimmter Medikamente (z. B. Kortison) und ob auch die Eltern unter Osteoporose litten – also eine familiäre Belastung vorliegt. Bei Frauen in den Wechseljahren ist auch der Zeitpunkt der letzten Menstruation wichtig. Danach folgen die körperliche Untersuchung und, je nach Befund, Knochendichtemessung, Röntgen und Laboruntersuchungen:

Körperliche Untersuchung. Bei der körperlichen Untersuchung weisen Rückenschmerzen und ein Klopfschmerz über der Wirbelsäule auf eventuelle Wirbelkörperbrüche hin. Sichtbares Zeichen einer schon länger bestehenden Osteoporose ist das Tannenbaumphänomen. Dabei bilden sich Hautfalten am Rücken, die wie die Zweige einer Tanne rechts und links von der Wirbelsäule schräg nach unten in Richtung Becken verlaufen. Weitere äußerliche Anzeichen für eine Osteoporose sind eine ausgeprägte Kyphose (Buckel) und Rippen, die auf dem Beckenkamm aufsitzen.

Knochendichtemessung (Osteodensitometrie). Goldstandard zur Messung der Knochendichte ist die Dual-Röntgen-Absorptiometrie (DEXA, DXA), bei der man den Mineralsalzgehalt des Knochens an der Lendenwirbelsäule und an der Hüfte misst. Die Strahlenbelastung dieser Untersuchung ist sehr gering. Das Ergebnis wird als T-Wert (T-Score) angegeben. Er ist ein Maß für die Abweichung der gemessenen Knochendichte von der durchschnittlichen maximalen Knochendichte (peak bone mass, PBM) gesunder 30-Jähriger. Eine Abweichung ins Negative bedeutet eine geringere Knochendichte. Im Einzelnen wurde festgelegt:

  • T-Werte zwischen −1 und −2,4: leicht erhöhtes Knochenbruchrisiko (verminderte Knochendichte, Osteopenie)
  • T-Werte unter oder gleich −2,5 (entspricht einem Knochenverlust von ~30 %): stark erhöhtes Knochenbruchrisiko, besonders an den Wirbeln (Osteoporose).

Röntgenuntersuchung. Zur Diagnose einer Osteoporose eignet sich das Röntgen nicht, da erst ab einem Verlust von mehr als 30 % der Knochendichte osteoporotische Veränderungen sichtbar werden. Geröntgt wird dann, wenn ein Verdacht auf osteoporotische Brüche oder Risse besteht. Diese lassen sich im Röntgenbild gut nachweisen.

Laboruntersuchungen. Sie dienen beim Vorliegen einer Osteoporose vor allem dem Ausschluss sekundärer Formen, d. h. möglicher Erkrankungen, die die Knochendichte verringern. Bestimmt werden z. B. Kalzium- und Phosphatspiegel, Alkalische Phosphatase, Kalzium und Phosphat im 24-Stunden-Sammelurin, das Blutbild und Entzündungszeichen. Bei Männern prüft man häufig das Testosteron, da bei ihnen ein Hormonmangel (Hypogonadismus) zu Osteoporose und Knochenbrüchen führt.

Differenzialdiagnosen. Bei einer verringerten Knochendichte müssen alle Formen der primären und sekundären Osteoporose diagnostisch berücksichtigt werden. Zu Knochenschmerzen und vermehrter Bruchneigung des Knochens führen auch Tumoren und Metastasen sowie die gestörte Mineralisierung des Knochens durch einen Vitamin-D-Mangel (Osteomalazie bzw. Rachitis).

Früherkennung durch Knochendichtemessung?

Ob bei Frauen über 65 Jahren eine Früherkennung der Osteoporose mittels DEXA nützlich ist, wird kontrovers beurteilt. Mehrere Studien geben Hinweise, dass die Früherkennung das Risiko für Knochenbrüche senken könnte. Dies trifft allerdings nur dann zu, wenn eine erkannte Osteoporose auch mit knochenstärkenden Medikamenten therapiert wird. Inwieweit Männer und jüngere Menschen von einer Screening-DEXA profitieren, wurde bisher nicht untersucht.

Eine Knochendichtemessung zur Früherkennung muss aus eigener Tasche bezahlt werden. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten (ca 50 bis 60 EUR) für die DEXA nur, wenn konkrete Befunde eine Osteoporose wahrscheinlich machen und eine gezielte medikamentöse Behandlungsabsicht besteht.

Viele Expert*innen raten jedoch dazu, trotzdem frühzeitig eine Knochendichtemessung durchführen zu lassen. Dies gilt insbesondere für Frauen, die früh in die Wechseljahre kommen, keine Hormonersatztherapie dagegen einnehmen und familiär mit Osteoporose belastet sind.

Behandlung

Schmerzen lindern und Knochenbrüche verhindern – das sind die zwei zentralen Ziele bei der Therapie einer Osteoporose. Gegen akute und chronische Rückenschmerzen werden meist bedarfsorientiert NSAR-Schmerzmittel verordnet. Reicht dies nicht aus, kommen Analgetika nach dem WHO-Stufenschema zum Einsatz. Bei ausgeprägten Schmerzen werden manchmal Opioide erforderlich.

Knochenstärkende Medikamente

Um das Fortschreiten der Erkrankung zu bremsen und Knochenbrüche zu verhindern, muss langfristig der Knochen gestärkt werden. Die Basis dafür bilden eine gesunde Ernährung, körperliche Aktivität und die ausreichende Versorgung mit Vitamin D und Kalzium (Näheres dazu unter "Ihre Apotheke empfiehlt").

Ob spezielle Osteoporosemedikamente erforderlich sind, hängt von mehreren Faktoren ab. Dazu gehören der mittels DEXA gemessene T-Wert, Geschlecht und Alter sowie schon stattgehabte osteoporotische Knochenbrüche. Auch der Hormonstatus (z. B. postmenopausal) und eine laufende Kortisontherapie werden bei der Entscheidung berücksichtigt.

Zur Verbesserung der Knochendichte gibt es Wirkstoffe, die den Knochenabbau hemmen (z. B. Bisphosphonate, Denosumab und Raloxifen) und solche, die den Knochenaufbau fördern (z. B. Teriparatid und Romosozumab).

Bisphosphonate wie Alendronat und Risedronat hemmen die Aktivität der knochenabbauenden Zellen (Osteoklasten) und gelten heute als erste Wahl bei bestehender Osteoporose. Eine verringerte Anzahl osteoporosebedingter Knochenbrüche ist für eine Einnahmedauer von 3–5 Jahren nachgewiesen. Der Nutzen bei längerer Einnahme ist unklar. Je nach Wirkstoff werden die Tabletten täglich oder einmal wöchentlich nüchtern eine halbe Stunde vor dem Frühstück eingenommen. Um die Speiseröhre zu schonen, sollte dies mit reichlich stillem Wasser und in aufrechter Haltung erfolgen. Mögliche Nebenwirkungen von Bisphosphonaten sind Knochenveränderungen wie z. B. Oberschenkelbrüche oder eine Rückbildung von Knochengewebe (Osteonekrose) der Kieferknochen und des äußeren Gehörgangs. Diese Osteonekrosen sind eine Folge mangelnder Blutversorgung und äußern sich durch freiliegenden Knochen im Mundraum oder am Ohr. Dagegen hilft eine Medikamentenpause. Durch eine konsequente Mundhygiene und regelmäßige zahnärztliche Untersuchungen lässt sich das Risiko für eine Rückbildung von Kieferknochengewebe verringern. Auf jeden Fall sollte vor Beginn der Behandlung eine umfassende Zahnsanierung erfolgen.

Denosumab hemmt die Umwandlung von Vorläuferzellen in knochenabbauende Zellen (Osteoklasten). Der Wirkstoff wird alle sechs Monate unter die Haut (subkutan) gespritzt. Zu den häufigen Nebenwirkungen zählen Knochen- und Muskelschmerzen in Armen und Beinen. Seltener kommt es aufgrund von Kalziummangel im Blut (Hypokalzämie) zu Zuckungen oder Muskelkrämpfen. Wie bei Bisphosphonaten ist die Entwicklung einer Osteonekrose im Kiefer, möglicherweise auch im äußeren Gehörgang, möglich.

Romosozumab hat eine zweifache Wirkung: Es bremst den Knochenabbau und fördert den Knochenaufbau. Romosozumab wird monatlich subkutan gespritzt und vor allem bei postmenopausalen Frauen mit hohem Risiko für Knochenbrüche eingesetzt. Häufigere Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen, Rachenentzündungen und Gelenkschmerzen. Weil der Wirkstoff wahrscheinlich das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht, darf er bei Patient*innen mit Herzinfarkt oder Schlaganfall in der Vorgeschichte nicht angewendet werden. Außerdem sollte die Therapiedauer möglichst ein Jahr nicht überschreiten.

Der selektive Östrogenrezeptor-Modulator (SERM) Raloxifen wirkt am Knochen wie Östrogen und fördert dadurch den Knochenaufbau. Auf diese Weise senkt Raloxifen vor allem das Risiko für Wirbelkörperbrüche. Es wird bei Frauen während und nach den Wechseljahren eingesetzt, wenn sie Bisphosphonate oder Denosumab nicht vertragen. Raloxifen wird täglich oral eingenommen. Als wichtige Nebenwirkungen gelten Thrombosen (z. B. tiefe Beinvenenthrombose) und Thromboembolien wie die Lungenembolie.

Parathormon-Analoga wie Teriparatid fördern den Knochenaufbau, indem sie die Kalziumaufnahme steigern und die Vitamin-D-Synthese stimulieren. In bisherigen Studien konnte gezeigt werden, dass die Substanz Wirbelkörperbrüche bei postmenopausaler Osteoporose reduziert. Teriparatid wird täglich subkutan gespritzt, als Nebenwirkungen sind Gliederschmerzen, Übelkeit und Schwindel häufig. Der Wirkstoff darf nur maximal zwei Jahre lang verabreicht werden, weil er im Tierversuch bei längerer Therapie zu Osteosarkomen (Knochenkrebs) geführt hat.

Östrogene fördern bei der postmenopausalen Osteoporose den Knochenaufbau. Man verordnet sie jedoch zurückhaltend, z. B. wenn die oben genannten Osteoporosemedikamente nicht vertragen werden oder Östrogene aufgrund stärkster Wechseljahrsbeschwerden erforderlich sind. Denn eine Langzeittherapie mit Östrogenen erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Schlaganfall, Herzinfarkt) und Brustkrebs. Vor Beginn der Therapie müssen deshalb Nutzen und Risiken individuell gründlich abgewogen werden.

Verlaufskontrollen

Unter einer Therapie mit Osteoporosemedikamenten sind engmaschige Verlaufskontrollen unumgänglich. Alle drei bis sechs Monate wird überprüft, ob die Therapie beibehalten werden kann. Eine Umstellung der Medikamente wird z. B. erwogen, wenn die Knochendichte um mehr als 3 % abfällt oder mehr als zwei Knochenbrüche aufgetreten sind. Auch beim Auftreten ernster Nebenwirkungen stellt die Ärzt*in die Medikation meist um.

Für die verschiedenen Wirkstoffe gibt es jeweils eine maximale Therapiedauer, für die ein Nutzen nachgewiesen ist (Bisphosphonate fünf Jahre, Denosumab drei Jahre, Raloxifen acht Jahre). Ob danach eine Therapiepause einzulegen ist, muss im individuellen Fall entschieden werden.

Nach dem Absetzen der knochenaufbauenden Wirkstoffe Teriparatid und Denosumab wird empfohlen, eine antiresorptive (also eine den Abbau hemmende) Therapie einzuleiten.

Orthesen und Operationen

In ausgeprägten Fällen verordnen die Ärzt*innen manchmal Orthesen. Sie stützen die Wirbelsäule und reduzieren die Schmerzen. Der Nachteil von Orthesen ist, dass sie die Mobilität einschränken und damit den Verlust von Knochen- und Muskelmasse fördern. Um dem entgegenzuwirken, sollten Orthesen immer mit einer Physiotherapie kombiniert werden.

Sind die Schmerzen bei Wirbelkörperbrüchen nicht beherrschbar und alle anderen Therapiemaßnahmen erfolglos, kann in Einzelfällen eine stabilisierende Wirbelsäulenoperation (Kyphoplastie oder Vertebroplastie) helfen.

Prognose

Ohne Behandlung schreitet die Osteoporose voran und führt zu dauerhaften Veränderungen bis hin zu Knochenbrüchen. Mit jedem osteoporotischen Knochenbruch steigt das Risiko für weitere Brüche um das bis zu Fünffache an.

Knochenbrüche können bei alten Patient*innen fatale Folgen haben. Bei 10 bis 20 % der Über-70-Jährigen, die einen Oberschenkelhalsbruch erleiden, führt dieses Ereignis durch Folgeerkrankungen zum Tod. Mehr als die Hälfte von ihnen wird pflegebedürftig und bleibt dies bis ans Lebensende.

Ihre Apotheke empfiehlt

Was Sie selbst tun können

Bewegung. Die Bewegungstherapie ist bei Osteoporose besonders wichtig: Intensive körperliche Aktivität und Sport regen den Knochenstoffwechsel an. Besonders wirkungsvoll sind ein dosiertes und gezieltes Krafttraining und kraftbetonte Gymnastik, am besten in der Gruppe und unter Aufsicht einer geschulten Sporttherapeut*in oder Physiotherapeut*in. Um die Muskelfunktion zu verbessern und den Stoffwechsel anzuregen, ist eine wöchentliche Teilnahme (besser zweimal pro Woche) notwendig. Zusätzlich müssen die erlernten Übungen selbstständig zu Hause durchgeführt werden.

Kalzium und Vitamin D. Ob die Einnahme von Kalzium und Vitamin D erforderlich ist, entscheidet die Ärzt*in im individuellen Fall. Bei den meisten Patient*innen werden 1000 mg Kalzium und 800–1000 I.E. Vitamin D täglich empfohlen.

Sturzprophylaxe. Osteoporotisch veränderte Knochen brechen besonders leicht. Deshalb ist es wichtig, Stürze zu vermeiden. Die sogenannte Sturzprophylaxe setzt sich aus verschiedenen Maßnahmen zusammen:

  • Sehfähigkeit regelmäßig kontrollieren und Brille anpassen. Außerdem sollte überall für gutes Licht gesorgt werden, um Stufen oder Stolperfallen gut zu erkennen. Nur wer gut sieht, kann Hindernissen besser ausweichen.
  • Stolperfallen erkennen und beseitigen. Dazu gehören herumliegende Kabel, rutschende Teppiche, aber auch schlecht sitzende Schuhe oder zu lange Kleidung.
  • Hilfsmittel nutzen. Haltegriffe in Bad, Toilette und in den Fluren geben Sicherheit beim Laufen. Bei Gehschwierigkeiten sollten Gehstöcke und Rollatoren individuell angepasst und genutzt werden. Hüftprotektoren polstern im Falle eines Sturzes die Hüfte und helfen dadurch, Oberschenkelhalsbrüche zu vermeiden.
  • Medikamente überprüfen lassen. Viele Medikamente führen zu Benommenheit, oft wirken Schlaf- und Beruhigungsmittel am nächsten Morgen lange nach und erhöhen die Sturzgefahr. Abends eingenommene Entwässerungsmittel erhöhen den nächtlichen Harndrang, wobei der Gang zur Toilette leicht in einem Sturz enden kann. Andere Arzneimittel lösen Unruhe und Verwirrtheit aus und begünstigen ebenfalls das Hinfallen. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass die behandelnde Ärzt*in die verordneten Medikamente überprüft, sie gegebenenfalls umstellt oder die Einnahmezeit verändert.

Prävention

Die bereits im jüngeren Erwachsenenalter beginnende Osteoporoseprophylaxe hat größte individuelle, aber auch gesamtgesellschaftliche Bedeutung. Echte Anstrengungen in Bezug auf die Vorbeugung sind deshalb angesagt. Dazu gehört der Aufbau maximaler Knochenmasse im jungen Erwachsenenalter und die Verlangsamung des physiologischen Knochenabbaus nach der Menopause und im Alter.

Bewegung. Es ist nie zu spät, mit Sport anzufangen! Nur durch intensive mechanische Belastung wird der Knochenaufbau angeregt. Es gibt Untersuchungen, die zeigen, dass viel Bewegung in jugendlichen Jahren dazu beiträgt, eine höhere maximale Knochenmasse zu erreichen. Aber auch im fortgeschrittenen Alter sorgt sportliche Betätigung nicht nur für eine verbesserte Kondition, sondern senkt das Sturzrisiko und vermindert bei gleichzeitiger ausreichender Kalzium- und Vitamin-D-Versorgung den Knochensubstanzverlust.

Aufenthalt im Freien. Vitamin D wird in der Haut durch den Einfluss von UV-Strahlen gebildet. Wer sich viel draußen aufhält, tankt damit Sonne und Vitamin D.

Ernährung. Achten Sie auf eine kalziumreiche Ernährung (~ 1500 mg täglich) mit viel Joghurt, Milch, Käse, Gemüse, Nüssen und Mineralwasser. Am Knochenstoffwechsel sind neben Vitamin D und Kalzium auch Vitamin C und E, Zink, Silizium, Mangan und andere Nährstoffe beteiligt.

Alkohol- und Nikotinkonsum einschränken. Ein hoher Alkoholkonsum hemmt die Osteoblasten und damit den Knochenaufbau. Außerdem fördert Alkohol die Kalziumausscheidung über den Urin. Rauchen verschlechtert die Durchblutung der Knochen und fördert dadurch die Osteoporose. Studien haben gezeigt, dass junge Raucher*innen später häufiger mit Osteoporose zu kämpfen haben als Menschen, die nie geraucht haben.

Weiterführende Informationen

osd-ev.org – Bundesverband für Osteoporose e. V., Düsseldorf: Dachverband der Selbsthilfegruppen. Hier gibt es Informationen rund um die Osteoporose sowie Tipps für die Suche nach örtlichen Selbsthilfegruppen.

Von: Dr. rer. nat. Katharina Munk, Dr. med. Arne Schäffler in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung: Dr. med. Sonja Kempinski
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Sicher feiern mit Diabetes

Bei Diabetes sind Sommerpartys eine Herausforderung für den Stoffwechsel – die sich aber mit der richtigen Vorbereitung gut meistern lässt.

Sicher feiern mit Diabetes

Ob Badesee oder Festival

Grillpartys, Musikfestivals oder entspannte Nachmittage am Badesee gehören für viele Menschen zu den schönsten Erlebnissen des Sommers. Auch Menschen mit Diabetes können diese Momente ohne Einschränkungen genießen. Sie sollten sich auf das Feiern aber etwas vorbereiten, um die gesundheitlichen Risiken zu reduzieren.

Sommerfeste und Diabetes – warum besondere Vorsicht nötig ist

Der Körper reagiert im Sommer anders als in den kühleren Monaten. Hitze beeinflusst den Kreislauf, den Flüssigkeitshaushalt und den Stoffwechsel. Diese Veränderungen wirken sich auf Menschen mit Diabetes in besonderem Maße aus und können, sofern man sie nicht beachtet, zu Problemen führen. Hohe Temperaturen steigern die Durchblutung, so dass Insulin schneller wirkt und es leichter zu Unterzuckerungen kommt. Gleichzeitig verliert man durch das Schwitzen mehr Flüssigkeit. Wird dieser Verlust nicht ausgeglichen, drohen Kreislaufprobleme und Stoffwechselstörungen.

Hinzu kommt, dass insbesondere Sommerveranstaltungen selten nach einem festen Rhythmus ablaufen. Mahlzeiten werden ausgelassen, Snacks vergessen oder Essenszeiten verschoben. Gleichzeitig bewegen sich viele Menschen deutlich mehr als sonst. Tanzen, lange Wege auf einem Festivalgelände oder sportliche Aktivitäten erhöhen den Energieverbrauch und können den Blutzuckerspiegel zusätzlich senken.

Zudem sind viele Sommerveranstaltungen eng mit Alkohol verbunden. Alkohol beeinflusst nicht nur den Blutzuckerspiegel, sondern auch die Wahrnehmung von Unterzuckerungen. Besonders gefährlich ist, dass die Symptome einer Hypoglykämie leicht von Außenstehenden mit normaler Trunkenheit verwechselt werden können.

Hinweis: Auch Schlafmangel beeinflusst die Stoffwechsellage. Wer mehrere Nächte zu wenig schläft, produziert vermehrt Stresshormone wie Cortisol. Diese Hormone können den Blutzucker ansteigen lassen. Die Folge sind oft starke Schwankungen zwischen hohen und niedrigen Werten.

Vorbereitung auf Sommerfeste und Festivals

Eine gute Planung erleichtert Menschen mit Diabetes den Aufenthalt auf Sommerveranstaltungen erheblich. Besonders bei mehrtägigen Festivals sollte nichts dem Zufall überlassen werden. Diese Punkte gehören zu einer guten Vorbereitung dazu:

Medikamente und Hilfsmittel vollständig einpacken. Wer mit Diabetes unterwegs ist, sollte natürlich ausreichend Medikamente und Diabeteszubehör dabeihaben. Dazu gehören unter anderem: 

  • Insulin oder orale Antidiabetika 
  • Blutzuckermessgerät, Teststreifen, Sensoren und Zubehör, Ersatzbatterien oder Akkus
  • Pen-Nadeln und Spritzen, Alkoholtupfer, Desinfektionsmittel.

Da Festivalgelände oder Campingplätze häufig staubig und verschmutzt sind, spielen Hygiene und saubere Lagerung eine wichtige Rolle. Desinfektionstücher und Händedesinfektionsmittel helfen dabei, Infektionen und fehlerhafte Messungen zu vermeiden. Wer eine Insulinpumpe verwendet, sollte diese vor der Abreise gründlich kontrollieren. Die Akkus müssen vollständig geladen sein und Ersatzmaterial sollte mitgeführt werden.

Insulin richtig lagern. Insulin reagiert empfindlich auf hohe Temperaturen und darf weder direkter Sonneneinstrahlung noch extremer Hitze ausgesetzt werden. Deshalb empfiehlt sich der Transport in speziellen Kühltaschen oder isolierten Behältern (Thermosflasche). Wichtig ist, dass Insulin nicht direkt auf Kühlakkus gelegt wird, da Einfrieren die Wirksamkeit zerstören kann. Große Festivals verfügen häufig über medizinische Stationen oder Sanitätszelte, in denen man Medikamente kühl lagern kann. Sinnvoll ist es, dies vorab mit dem Veranstalter oder dem Sanitätsdienst zu klären. Um Verwechslungen zu vermeiden, sollten Medikamente eindeutig beschriftet werden.

Notfallvorsorge nicht vergessen. Traubenzucker oder schnell verfügbare Kohlenhydrate sollten immer griffbereit sein. Kleine Snacks können helfen, Unterzuckerungen rechtzeitig auszugleichen.

Freunde informieren. Freunde oder Begleitpersonen sollten über den Diabetes Bescheid wissen. Ebenso wichtig ist es, dass sie die Anzeichen einer Unterzuckerung erkennen und im Ernstfall richtig reagieren können.

Hinweis: Es empfiehlt sich, einen Diabetesausweis mitzuführen oder ein medizinisches Armband mit wichtigen Informationen zur Erkrankung anzulegen. So können im Notfall Außenstehende leicht informiert werden.

Blutzucker im Sommer häufiger kontrollieren

All die genannten Faktoren verändern den Stoffwechsel oft schneller als erwartet. Deshalb sollten Menschen mit Diabetes im Sommer häufiger ihren Blutzucker messen. Besonders wichtig sind Kontrollen: 

  • vor körperlicher Aktivität 
  • vor dem Schwimmen
  • vor dem Schlafengehen 
  • vor und nach Alkoholkonsum 
  • bei Hitze oder Kreislaufproblemen

Kontinuierliche Glukosemesssysteme können dabei eine große Hilfe sein, denn sie informieren mithilfe von Warnsignalen frühzeitig über kritische Werte. Diejenigen, die ihren Blutzucker nicht automatisch, sondern selbst messen, können sich Alarmzeiten im Smartphone einstellen. Das erinnert ans Messen und ist besonders bei Festivals oder langen Partynächten praktisch.

Gesund und blutzuckerfreundlich schlemmen

Menschen mit Diabetes müssen beim Grillen oder Feiern nicht auf Genuss verzichten. Entscheidend ist eine ausgewogene Auswahl: Besonders geeignete Lebensmittel sind Fisch, Hähnchen- oder Putenfleisch, gegrilltes Gemüse, frische Salate und Vollkornprodukte. Vor allem Gemüsesorten wie Paprika, Zucchini, Auberginen oder Pilze liefern Ballaststoffe und Vitamine und beeinflussen den Blutzucker meist nur wenig.

Für Menschen mit Diabetes ist es wichtig, versteckte Zucker zu erkennen. So enthalten z. B. viele Grillsoßen und Marinaden überraschend viel davon, wodurch der Blutzuckerspiegel schneller ansteigt als erwartet. Auch Beilagen wie Weißbrot, Kartoffelsalat oder Nudelsalat enthalten große Mengen Kohlenhydrate. Deshalb sollte die Portion bewusst gewählt werden.

Komplett auf Eis, Kuchen oder süße Getränke zu verzichten ist nicht zwingend notwendig. Entscheidend ist, die Menge im Blick zu behalten und den Einfluss auf den Blutzucker zu berücksichtigen. Frisches Obst kann eine gute Alternative darstellen. Dennoch enthalten auch Früchte natürlichen Zucker und sollten nicht unbegrenzt verzehrt werden.

Hinweis: Festivals stellen in puncto Mahlzeiten oft eine besondere Herausforderung für Menschen mit Diabetes dar. Meist gibt es vor allem Essen mit viel Zucker, Salz und Fett. Es ist also sinnvoll, seine eigenen Snacks mitzunehmen, z. B. in Form von Vollkornriegeln, belegten Broten, Nüssen, Obst oder geeigneten Crackern.

Alkohol und Diabetes

Auf Sommerfesten und Festivals wird häufig Alkohol getrunken. Wer Diabetes hat, sollte die Wirkung alkoholischer Getränke auf den Stoffwechsel kennen.

Alkohol beeinflusst den Blutzucker auf unterschiedliche Weise. Kurz nach dem Trinken steigen die Werte teilweise an. Einige Stunden später kann der Blutzucker jedoch stark absinken. Der Grund dafür liegt in der Leber: Normalerweise gibt sie Zucker ins Blut ab, wenn der Körper ihn braucht. Alkohol bremst diesen Vorgang – deshalb kann der Blutzucker später stark abfallen, besonders wenn zusätzlich Insulin oder Diabetesmedikamente wirken. Solche Unterzuckerungen können selbst noch während der Nacht oder erst am nächsten Morgen entstehen.

Ein weiteres Problem: Unter Alkoholeinfluss nehmen viele Menschen Warnzeichen einer Hypoglykämie schlechter wahr. Zittern, Schwitzen, Konzentrationsstörungen und Kopfschmerzen werden leicht mit Trunkenheit verwechselt, sodass auch Außenstehende die Gefahr häufig nicht rechtzeitig erkennen.

Für einen verantwortungsvollen Alkoholgenuss gilt: 

  • Alkohol niemals auf nüchternen Magen trinken. Alkohol sollte immer zusammen mit kohlenhydrathaltigen Speisen konsumiert werden. Geeignet sind beispielsweise Brot, Vollkornprodukte oder kleine Snacks. 
  • Wasser trinken! Zwischen alkoholischen Getränken sollte man regelmäßig zu Wasser greifen, da Alkohol dem Körper Flüssigkeit entzieht. 
  • Alkoholsorten beachten. Nicht jede Alkoholart wirkt gleich auf den Blutzucker. Cocktails, Liköre oder süße Mischgetränke enthalten oft viel Zucker und können kurzfristig hohe Blutzuckerwerte verursachen. Spirituosen wie Wodka oder Whiskey enthalten dagegen kaum Kohlenhydrate. Sie führen eher zu einem schnellen Blutzuckerabfall.

Hinweis: Menschen, die das Diabetesmedikament Metformin einnehmen, müssen mit Alkohol besonders vorsichtig sein. Denn übermäßiges Trinken kann in Kombination mit diesem Medikament zu einer gefährlichen Anreicherung von Milchsäure im Blut führen (Laktatazidose).

Bewegung, Sport und körperliche Aktivität

Sommerveranstaltungen sind oft mit viel Bewegung verbunden. Lange Wege, Tanzen oder sportliche Aktivitäten erhöhen den Energieverbrauch deutlich. In der Folge sinkt der Blutzucker häufig schneller als gewohnt. Menschen mit Diabetes sollten deshalb ausreichend Snacks dabeihaben und regelmäßig ihre Werte kontrollieren.

Wird am Wasser gefeiert, kommen weitere Herausforderungen hinzu. Schwimmen beeinflusst den Stoffwechsel, wobei kaltes Wasser den Energieverbrauch zusätzlich erhöht. Im Wasser werden Warnzeichen einer Unterzuckerung leicht übersehen, weil Zittern oder Schwäche fälschlicherweise auf das kalte Wasser geschoben werden. Deshalb ist es wichtig, vor dem Schwimmen den Blutzucker zu messen. Achtung, dafür müssen die Hände gut abgetrocknet werden: Denn Wasser kann die Messergebnisse verfälschen. Bei längeren Aufenthalten im Wasser sollte man den Blutzucker auch zwischendurch immer wieder kontrollieren.

Hinweis: Inzwischen gibt es immer mehr Menschen mit Diabetes, die eine Insulinpumpe tragen. Je nach Art bleibt die Pumpe am Körper (Herstellerhinweise bezüglich der Wasserdichtigkeit beachten!) oder wird kurzzeitig abgekoppelt. Davor ist es allerdings ratsam, die Blutglukose zu messen.

Hitze richtig bewältigen

Hohe Temperaturen lassen den Flüssigkeitsbedarf deutlich steigen. Wer zu wenig trinkt, riskiert Kreislaufprobleme und Stoffwechselentgleisungen. Wasser ist das beste Getränk bei Hitze, aber auch ungesüßter Tee eignet sich gut. Besonders bei Festivals oder langen Aufenthalten im Freien sollte immer eine Wasserflasche griffbereit sein.

Hitze schadet nicht nur dem Insulin. Auch andere Arzneimittel leiden unter hohen Temperaturen und dürfen niemals längere Zeit im Auto oder in direkter Sonne gelagert werden. Damit Blutzuckermessgeräte, Sensoren und Teststreifen einwandfrei funktionieren, müssen sie trocken und möglichst kühl aufbewahrt werden.

Körperliche Anstrengung sollte man möglichst auf morgens oder abends verschieben. In der Mittagshitze wird der Kreislauf besonders stark belastet. Leichte Kleidung, Kopfbedeckungen und schattige Plätze schützen Kopf und Körper, wenn es zu heiß wird.

Ältere Menschen mit Diabetes leiden häufig zusätzlich unter Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Bluthochdruck und müssen deshalb besonders aufpassen. Hitze setzt ihrem Kreislauf besonders zu und das Risiko für Schwindel oder Erschöpfung steigt. Hinzu kommt, dass ältere Menschen oft weniger Durst verspüren und zu wenig trinken. An heißen Tagen sollte daher bewusst und regelmäßig Flüssigkeit aufgenommen werden.

Schlafmangel und Stress

Nicht zu unterschätzen sind der Stress und der Schlafmangel, die ausgiebiges Feiern häufig mit sich bringen. Die langen Nächte und der mangelnde Schlaf wirken sich direkt auf den Stoffwechsel aus. Der Körper schüttet unter Stress vermehrt Hormone aus, die den Blutzucker erhöhen können.

Gleichzeitig steigt bei Müdigkeit die Gefahr, Warnzeichen einer Unterzuckerung zu übersehen. Deshalb sind insbesondere für Menschen mit Diabetes regelmäßige Ruhephasen wichtig – selbst während Festivals oder längerer Feiern. Festivals bieten oft Zelte oder andere Räume für einen Rückzug an. Am besten informiert man sich im Vorfeld oder spätestens zu Beginn der Veranstaltung, wo man diese Orte findet.

Am Tag nach der Feier …

Wenn es beim Feiern hoch hergegangen ist, sollten Menschen mit Diabetes drei Dinge im Blick behalten: Die Nachwirkung von Alkohol, die Schwankungen des Blutzuckers und die Erholung des Körpers.

Nach ausgiebigem Alkoholgenuss kann der Blutzucker noch bis zu 12–24 Stunden später abfallen, weil die Leber weiterhin mit dem Alkoholabbau beschäftigt ist und weniger Zucker ins Blut abgibt. Deshalb: auch am Morgen danach regelmäßig den Blutzucker messen.

Um den Flüssigkeitshaushalt zu stabilisieren, sollte viel getrunken werden, am besten ungesüßter Tee oder Mineralwasser. Leicht verdauliche Kohlenhydrate und etwas Eiweiß helfen dem Körper am Tag danach, sich zu regenerieren. Hohe Zucker- und Fettspitzen belasten den Stoffwechsel und sind deshalb zu vermeiden.

Körperliche Anstrengungen am Morgen nach dem Festival sollte man unterlassen. Denn selbst wenn man sich fit fühlt, kann der Stoffwechsel noch beeinflusst sein. Unterzuckerungen drohen insbesondere, wenn Insulin gespritzt oder Sulfonylharnstoffe eingenommen werden.

Quellen: Deutsche Diabetische Gesellschaft, Deutsche Apothekerzeitung, Nationale Versorgungsleitlinie Diabetes

Von: Dr. med. Sonja Kempinski; Bild: mauritius images / Hemis.fr / Patrick Frilet