Gesundheit heute
Fototoxische Dermatitis und fotoallergische Dermatitis
Fototoxische Dermatitis: Durch Einnahme oder lokales Auftragen von Medikamenten bzw. Substanzen ausgelöste entzündliche Reaktion der Haut auf Sonneneinstrahlung (UV-Exposition, vor allem UVA). Wichtige fototoxische Auslöser sind Tetrazykline, Johanniskraut, Rivanol oder ätherische Öle wie Zedernöl. Die Hauterscheinungen treten nach dem Kontakt mit UV-Strahlen akut oder verzögert in verschiedenen Formen auf, z. B. als Sonnenbrand oder als schmerzlose, kosmetisch störende Farbveränderung der Haut. Die akute lokale Therapie besteht im Auftragen von Kortisoncremes, in schweren Fällen wird das Kortison auch eingenommen. Ansonsten gilt es, den Auslöser zu meiden.
Fotoallergische Dermatitis: Durch Fotoallergene ausgelöste, "echte" allergische Hautreaktion. Nach spezifischer Sensibilisierung und erneutem Kontakt mit dem Fotoallergen zeigt sich nach Einwirken von UV-Strahlen eine unscharf begrenzte Hautrötung mit Papeln, Blasen, Juckreiz und Schuppungen. Häufige Auslöser sind lokal aufgetragene NSAR wie z. B. Ketotifen und organische, in manchen Kosmetika enthaltene Lichtschutzfilter. Die akute Hautreaktion wird mit Kortisoncreme behandelt, vorbeugend ist das Allergen zu meiden.
Symptome und Leitbeschwerden
Fototoxische Dermatitis (je nach Auslöser und Reaktionstyp):
- Akuter Juckreiz und Quaddelbildung, z. T. mit Stechen und Brennen schon während der Sonneneinstrahlung
- Sonnenbrandähnliche Beschwerden wie sich Stunden nach Sonnenlichteinstrahlung entwickelnde Rötungen, evtl. mit Blasenbildung
- Hyperpigmentierung
- Erhöhte Verletzbarkeit der Haut.
Fotoallergische Dermatitis:
- Rötung, Schuppung, Papeln an lichtexponierten Stellen
- Unscharf begrenzte Herde, z. T. auch etwas außerhalb des direkt von der Sonne bestrahlten Hautgebietes
- Juckreiz.
Wann in die Arztpraxis
Je nach Ausmaß der Beschwerden am gleichen Tag oder in den nächsten Tagen wenn
- oben genannte Hauterscheinungen auftreten.
Die Erkrankungen
Fototoxische Dermatitis. Bei der fototoxischen Dermatitis reagiert die Haut nach Einnahme oder Auftragen von Fotosensibilisatoren übermäßig empfindlich auf eine normalerweise gut tolerierte "Dosis" UV-Licht. Im Unterschied zur fotoallergischen Dermatitis geschieht dies ohne eine vorherige Sensibilisierung, d. h., es handelt sich nicht um eine allergische, sondern um eine toxische Reaktion. Typisch ist, dass die Hauterscheinungen nur auf den direkt bestrahlten Gebieten und dort scharf begrenzt auftreten. Je nach Auslöser kommen folgende Reaktionen vor:
- Sonnenbrandähnliche Reaktion, bei der es Stunden nach UV-Bestrahlung zu Rötung, evtl. auch zu Blasenbildung kommt. Auslöser hierfür sind Chlorpromazin, Amiodaron, Hydrochlorothiazid, Chinidin, Tetrazykline.
- Verzögerte Rötung, Blasenbildung, evtl auch nur eine spätere verstärkte Pigmentierung der Haut. Auslöser sind z. B. Psoralene.
- Scharf begrenzte, jahrelang anhaltende Verstärkung der Pigmentierung durch Stimulierung der Melaninsynthese durch Amiodaron. Gleichzeitig entwickelt sich häufig eine blau-graue Verfärbung durch Anhäufung der Abbauprodukte des Amiodarons in der Haut.
- Akute Quaddeln, Juckreiz, Stechen und Brennen, z. B. durch Anthrachinone, Teer, Amiodaron oder Chlorpromazin.
- Blasenbildung schon nach kleinen Verletzungen, erhöhte Verletzbarkeit der Haut. Auslöser sind z. B. Furosemid, Naproxen oder Tetrazykline.
Neben oben genannten Medikamenten gibt es eine Reihe pflanzlicher Arzneistoffe und andere häufig gebräuchliche Substanzen, die eine fototoxische Dermatitis auslösen können. Dazu gehören
- Johanniskrautpräparate
- Arnika, Baldrian
- Vitamin-A-Präparate zur Behandlung von Akne
- Ätherische Öle wie Zedernöl, Zitronenöl, Lavendelöl, Bergamotte
- Farbstoffe wie Proflavin, Rivanol
- Buchweizen.
Fotoallergische Dermatitis. Bei der fotoallergischen Dermatitis kommt es nach erstmaliger Sensibilisierung durch das Fotoallergen zu einer echten Allergie. Gelangt das Fotoallergen erneut in die Haut (zum Beispiel durch Eincremen oder nach oraler Einnahme über den Blutkreislauf) wird es durch Sonnenlicht (vor allem durch UVA-Strahlen) fotochemisch angeregt, entwickelt sich dadurch zum "Vollantigen" und löst eine T-Zell-vermittelte Typ-4-Reaktion des Immunsystems aus. Typisch ist, dass die Hauterscheinungen wie Rötung, Papeln und Schuppen nur in lichtexponierten Arealen auftreten, z. B. im Gesicht, an Hals und Dekolletee oder an Händen und Unterarmen. Im Gegensatz zur fototoxischen Dermatitis sind die Herde jedoch unscharf begrenzt, d. h., es können sich kleine Hautreaktionen auch etwas außerhalb der direkt von der Sonne bestrahlten Gebiete entwickeln. Folgende Substanzen können als Fotoallergene wirken:
- NSAR, z. B. Ketoprofen als Schmerzgel
- Amiodaron
- Chlorpromazin
- Retinoide
- Antibiotika wie Tetrazykline oder Sulfonamide
- Bestimmte Wirkstoffe der sog. zielgerichteten (targeted) Krebstherapie, z. B. Vemurafenib, Dabrafenib oder EGFR -Inhibitoren wie Erlotinib
- Lichtschutzfilter wie Ocotrylen oder Benzophenon-4.
Diagnosesicherung
Die Diagnose von fototoxischer und fotoallergischer Dermatitis ist nicht immer einfach. Zunächst müssen die Hauterscheinungen mit der UV-Strahlung in Verbindung gebracht werden, dann mit der Ein- oder Aufnahme eines Fotoallergens oder eines Fotosensibilisators. Dazu klärt die Hausärzt*in ab, welche Medikamente oder Kosmetika genutzt wurden.
Bei Verdacht auf ein bestimmtes Fotoallergen macht die Hausärzt*in einen Fotopatchtest – sofern das Allergen ein Kontaktallergen ist. Dafür wird das verdächtige Fotoallergen auf die Haut (meist am Rücken) aufgetragen und für 24 Stunden ein Okklusionsverband angelegt. Dann wird die Haut mit UVA-Licht bestrahlt und die Reaktion nach 1,2,3 und 4 Tagen abgelesen. Zur Kontrolle dient ein gleichzeitig durchgeführter Patchtest ohne UV-Bestrahlung.
Ist das vermutete Fotoallergen eine systemisch verabreichte Substanz, z. B. ein oral eingenommenes Medikament, führt die Hautärzt*in eine systemische Fotoprovokation durch. Dabei wird nach Aufnahme des Wirkstoffs eine nicht gebräunte, normalerweise verdeckte Hautstelle in aufsteigender UV-Dosierung bestrahlt und die Reaktion gemessen.
Differenzialdiagnosen. Ähnliche Hauterscheinungen finden sich beim Arzneimittelexanthem, bei der Dermatomyositis und beim einfachen Sonnenbrand.
Behandlung
Wichtigste Maßnahme ist das Meiden des Fotosensibilisators bzw. des Fotoallergens. Die akuten Hauterscheinungen behandelt die Hautärzt*in je nach Ausprägung und Ausmaß folgendermaßen:
Fototoxische Dermatitis: Auftragen mittelstarker Kortisoncremes wie 0,25 % Prednicarbat-Creme (z. B. Dermatop®) oder Methylprednisolon (z. B. Advantan®). In schweren Fällen auch Kortisontabletten oder Kortison intravenös (z. B. Prednison), alternativ Acetylsalicylsäure (ASS) und Vitamin C.
Fotoallergische Dermatitis. Kortisoncremes wie 0,1 % Hydrocortisonbutyrat (z. B. Laticort®Creme) oder 0,1 % Mometason (z. B. Ecural Salbe®). Bei starken Beschwerden auch Antihistaminika wie Desloratadin als Tabletten (z. B. Aerius®).
Prognose
Wird der auslösende Stoff gemieden, heilt die Haut meist ohne Folgen wieder ab.
Ihre Apotheke empfiehlt
Was Sie selbst tun können
Bereiten Sie sich gut auf Ihren Besuch in der Arztpraxis vor, wenn bei Ihnen ein Verdacht auf eine fototoxische oder fotoallergische Dermatitis besteht. Mitunter ist es gar nicht so einfach, den Auslöser zu finden. Notieren Sie sich alle Medikamente und pflanzlichen Produkte, die Sie einnehmen, auch diejenigen, die Sie nur gelegentlich verwenden. Machen Sie eine Liste der Kosmetik- und Hygieneprodukte, die Sie benutzen und vergessen Sie Parfüme nicht.
Bei Babys zeigt sich die Neurodermitis oft an den Wangen, an der Kopfhaut und an den Außenseiten von Armen und Beinen.
Das hilft Kindern mit Neurodermitis
Haut schützen, Auslöser meiden
Mit starkem Juckreiz und oft deutlich sichtbaren Hautveränderungen belastet die Neurodermitis Kinder und Jugendliche erheblich. Zwar ist die Erkrankung nicht heilbar, doch mit der richtigen Basistherapie lassen sich die Beschwerden deutlich lindern. Reicht dies nicht aus, kommen wirksame Medikamente zum Einsatz.
Gestörte Hautbarriere
Die Neurodermitis (atopische Dermatitis) ist die häufigste chronische Hauterkrankung im Kindesalter: Etwa jedes zehnte Kind unter 15 Jahren ist betroffen. Viele erkranken bereits im Säuglingsalter, oft schon im zweiten oder dritten Lebensmonat.
Die Erkrankung äußert sich durch starken Juckreiz, trockene, raue Haut sowie entzündete, schuppige Ekzeme. Ursache ist eine genetisch bedingte Störung der Hautbarriere. Hinzu kommt häufig eine Dysbiose der Haut – das Gleichgewicht zwischen nützlichen und schädlichen Hautkeimen ist gestört. Auch Umweltfaktoren wie Allergene, Schadstoffe oder klimatische Einflüsse spielen eine Rolle.
Bei Säuglingen sind neben der Kopfhaut vor allem der Hals sowie die Streckseiten von Armen und Beinen betroffen. Bei Kleinkindern zeigen sich die Ekzeme eher an den Beugeseiten, bei Jugendlichen außerdem häufig im Gesicht sowie an Hals und Händen.
Neurodermitis ist für Kinder und ihre Familien sehr belastend. Der chronische Juckreiz tritt tags und nachts auf und kann den Schlaf erheblich stören. Säuglinge sind oft unruhig und weinen viel, ältere Kinder kratzen sich die Haut wund. Schon Kleinkinder schämen sich wegen der sichtbaren Hautveränderungen; werden die Kinder älter, ziehen sie sich nicht selten zurück.
Hinweis: Der Verlauf der Erkrankung ist sehr unterschiedlich. Bei manchen Kindern bessern sich die Symptome mit zunehmendem Alter oder verschwinden ganz, andere sind ein Leben lang betroffen.
Die Hautbarriere stärken
Bei Kindern mit Neurodermitis ist die Hautbarriere gestört: Sie verliert vermehrt Feuchtigkeit und kann Reizstoffe schlechter abwehren. Ziel der Behandlung ist es daher, die Haut langfristig zu stabilisieren. Eine intakte Hautbarriere kann entzündliche Schübe hinauszögern oder sogar verhindern.
Grundlage ist die tägliche Pflege mit rückfettenden und feuchtigkeitsspendenden Produkten. Geeignet sind Basiscremes oder -salben mit Inhaltsstoffen wie Glycerin, Urea (bei Kindern niedrig dosiert) oder Ceramiden. Sie helfen, Feuchtigkeit zu binden und die Haut zu schützen. Wichtig ist, die Haut ein- bis zweimal täglich einzucremen – auch in beschwerdefreien Phasen. Denn die gestörte Hautbarriere besteht dauerhaft, nicht nur während eines Schubs.
Fettreichere Salben eignen sich besonders für sehr trockene Haut, leichtere Lotionen sind bei milderen Formen oft angenehmer. Duftstoffe und Konservierungsmittel sollten möglichst vermieden werden, da sie die empfindliche Haut zusätzlich reizen.
Tipp: Regelmäßigkeit ist entscheidend – die Haut sollte vorbeugend gepflegt werden, nicht erst bei sichtbarer Trockenheit.
Richtig baden und waschen
Neben der Pflege ist ein schonender Umgang mit der Haut wichtig. Zu häufiges oder zu heißes Waschen kann sie zusätzlich austrocknen. Ideal sind kurze Bäder von fünf bis zehn Minuten in lauwarmem Wasser. Rückfettende Badezusätze können die Haut zusätzlich schützen. Auf stark schäumende oder parfümierte Produkte sollte verzichtet werden, ebenso auf herkömmliche Seifen, da sie die natürliche Schutzschicht angreifen.
Nach dem Baden sollte man die Haut nicht trockenrubbeln, sondern vorsichtig trocken tupfen. Innerhalb weniger Minuten sollte die Pflegecreme aufgetragen werden, um die Feuchtigkeit in der Haut zu halten.
Wer diese Empfehlungen beachtet, kann sein Kind auch täglich baden. Denn gerade für Säuglinge und Kleinkinder ist das Baden ein wichtiger Moment im Eltern-Kind-Kontakt.
Hinweis: Regelmäßige Schwimmbadbesuche sind grundsätzlich möglich. Wichtig ist, anschließend das Chlorwasser gründlich mit lauwarmem Wasser abzuspülen und die Haut gut einzucremen.
Den Juckreiz kontrollieren
Juckreiz ist das Leitsymptom der Neurodermitis. Er entsteht durch Entzündungen und Nervenreizung in der Haut und zählt zu den belastendsten Beschwerden. Kratzen verschafft zwar kurzfristig Erleichterung, verschlimmert jedoch die Entzündung und kann Infektionen begünstigen. Zudem entsteht ein sogenannter Juck-Kratz-Kreislauf.
Hilfreich sind kühlende Maßnahmen wie feuchte Umschläge oder spezielle Gele. Baumwollhandschuhe in der Nacht können verhindern, dass sich Kinder im Schlaf aufkratzen. Die Fingernägel sollten stets kurz gehalten werden.
Empfehlenswert ist eine spezielle Neurodermitis-Wäsche aus besonders glatten, atmungsaktiven Materialien wie Seide, Modal oder Lyocell. Für Säuglinge und Kleinkinder gibt es auch Modelle mit Anti-Kratzärmeln aus Seide und Baumwolle.
Im Internet werden gegen starkes Kratzen häufig Immobilisationsschienen empfohlen. Das sind Schienen, die am Arm befestigt werden und dadurch dessen Bewegung einschränken – also auch das Kratzen. Kinderärzt*innen raten davon dringend ab, denn solche Schienen behindern die Bewegung und damit die motorische Entwicklung des Kindes.
Bei sehr starkem Juckreiz verordnet die Ärzt*in Medikamente, um diesen zu lindern. Dazu gehören u. a. Antihistaminika und kortisonhaltige Cremes.
Tipp: Ablenkung hilft oft besser als ein Kratzverbot. Spielen, Vorlesen oder ruhige Aktivitäten können die Kinder vom Juckreiz ablenken.
Auslöser im Blick behalten
Bei Neurodermitis spielt auch das Umfeld eine große Rolle. Die Haut reagiert empfindlich auf äußere Reize wie Hitze, Schweiß, Allergene oder Schadstoffe.
- Umweltfaktoren. Extreme Kälte oder starke Wärme empfinden viele Neurodermitiskranke als unangenehm und juckreizfördernd. Gleiches gilt für trockene Heizungsluft. Günstig sind milde Außentemperaturen und eine Luftfeuchtigkeit von 40 bis 60 %. Um dies in Räumen zu erreichen, sollte häufig gelüftet werden. Schadstoffe, Allergene oder Tierhaare können die Beschwerden verstärken. In Innenräumen hilft regelmäßiges Saubermachen. Dabei sollte man fürs Staubwischen am besten feuchte Tücher verwenden und den Staubsaugerfilter regelmäßig wechseln.
- Allergietest. Ein Allergietest ist nur nötig, wenn Verdacht auf eine Allergie besteht. Dann wird dem Ergebnis entsprechend gehandelt, z. B. der Auslöser gemieden oder eine Hyposensibilisierung eingeleitet. Bei Hausstaubmilbenallergie sind auch spezielle Encasings (Umhüllungen) für die Bettwäsche nützlich.
- Kleidung. Für Kleidung eignet sich weiche, atmungsaktive Baumwolle oder Seide am besten. Kratzende Materialien wie Wolle, raue Stoffe oder synthetische Fasern sollten vermieden werden. Die Kleidung sollte generell locker und luftig sitzen. Weil Überhitzung den Juckreiz verstärkt, trägt man besser mehrere dünne Schichten als eine dicke und zieht die oberste bei Wärme aus. Neue Sachen wäscht man am besten vor dem ersten Tragen, um chemische Rückstände zu entfernen. Damit auch durch das Waschen keine reizenden Rückstände im Gewebe bleiben, wählt man ein mildes, duftstofffreies Waschmittel.
- Ernährung. Häufig wird bei der Neurodermitis auch die Ernährung für einen Schub verantwortlich gemacht. Doch deren Rolle ist individuell unterschiedlich. Nur bei einem Teil der Kinder lösen bestimmte Lebensmittel Beschwerden aus. Häufige Verdächtige sind Kuhmilch, Eier, Nüsse oder Weizen. Ernährungstagebücher können helfen, individuelle Auslöser zu erkennen. Wichtig ist dabei, mögliche Zusammenhänge sorgfältig zu beobachten und nicht auf Verdacht ganze Lebensmittelgruppen zu streichen. Stattdessen ist es sinnvoll, die mögliche Allergie oder Nahrungsmittelunverträglich bei der Ärzt*in gezielt abklären zu lassen.
Hinweis: Neben falscher Kleidung, trockener Luft und Lebensmitteln können auch Infekte, Stress oder Schlafmangel Neurodermitis-Schübe begünstigen.
Mit Cremes und Medikamenten die Haut beruhigen
Trotz guter Pflege kann es zu akuten Schüben mit Ekzemen kommen. In diesen Phasen ist eine intensivere Behandlung notwendig. Die Behandlung der Neurodermitis erfolgt heute nach einem klaren Stufenplan und richtet sich nach dem Ausmaß der Erkrankung. Anhand des SCORAD-Scores teilt man die Neurodermitis in drei Schweregrade ein:
Bei der leichten Neurodermitis (SCORAD < 25) sind weniger als ein Fünftel der Hautoberfläche des Kindes betroffen, der Juckreiz ist mild und der Nachtschlaf ungestört. Die Haut ist trocken mit leichten Rötungen. Schuppungen oder Nässen kommen so gut wie nicht vor. Bei dieser leichten Ausprägung reicht es meist, die Kinder konsequent mit rückfettender Basiscreme einzucremen. Außerdem müssen die genannten Auslöser vermieden werden.
Die mittelgradige Neurodermitis (SCORAD 25-50) betrifft 20 bis 50 % des Körpers. Der Juckreiz ist stark und erschwert sowohl den Alltag als auch den Schlaf. Es finden sich gerötete Ekzeme mit Schuppen, vereinzelt nasse Stellen und Krusten. Zusätzlich zur Basistherapie werden auf den betroffenen Bereichen antientzündliche Cremes eingesetzt, z. B. Kortison oder Calcineurin-Inhibitoren. Letztere sind insbesondere für empfindliche Hautareale wie das Gesicht, die Bereiche zwischen den Fingern und der Haut von Po und Genital geeignet.
Die schwere Neurodermitis (SCORAD > 50) befällt mindestens 50% der Haut mit ausgedehnten Ekzemen. Der Juckreiz ist extrem stark, die Kinder kratzen sich bis hin zu Blutungen. Der Schlaf ist stark gestört, der Alltag deutlich beeinträchtigt. Sind bei diesen schweren Formen Basistherapie und antientzündliche Cremes nicht ausreichend wirksam, verordnet die Ärzt*in zusätzlich eine Systemtherapie. Dabei handelt es sich um Medikamente, die entweder unter die Haut (subkutan) gespritzt oder als Tabletten eingenommen werden (Ciclosporin, Biologika, Dupilumab, JAK-Inhibitoren). Diese Wirkstoffe greifen gezielt in das fehlgesteuerte Immunsystem ein und können die Krankheitskontrolle deutlich verbessern.
Hinweis: Eine frühzeitige und konsequente Behandlung kann den Krankheitsverlauf langfristig positiv beeinflussen. Deshalb ist es wichtig, die Medikamente genau nach ärztlicher Anweisung zu verwenden und nicht eigenständig abzusetzen, sobald eine leichte Besserung eintritt.
Keine Angst vor Kortison!
Kortisoncremes sind auch bei Kindern ein bewährtes und sicheres Mittel zur Behandlung einer Neurodermitis. Sie werden vor allem in akuten Entzündungsschüben angewendet, also bei Rötung, Nässen und starkem Juckreiz. In diesen Phasen wird das Präparat ein- bis zweimal täglich dünn auf die betroffenen Hautstellen aufgetragen. Eine praktische Orientierung bietet die sogenannte „Fingertip-Unit“: Die Menge, die aus der Tube von der Fingerspitze bis zum ersten Fingergelenk reicht, genügt etwa für eine Fläche von zwei Handflächen des Kindes.
Die Auswahl der Wirkstärke richtet sich nach Alter, Körperregion und Schweregrad:
- Im Gesicht, an Hals und in Hautfalten werden schwache Präparate verwendet.
- An Armen, Beinen oder am Rumpf können – je nach Befund – mittelstarke Präparate nötig sein.
- Stärkere Kortisonpräparate kommen nur kurzfristig und unter ärztlicher Kontrolle zum Einsatz.
Die Behandlungsdauer ist in der Regel kurz: oft wenige Tage bis maximal zwei Wochen pro Schub. Sobald sich die Haut deutlich gebessert hat, wird die Anwendung reduziert oder beendet. Nebenwirkungen wie Hautverdünnung treten bei korrekter Nutzung nach ärztlicher Anleitung in der Regel nicht auf – moderne Kortisonpräparate gelten auch bei Kindern als sicher.
Wichtig ist die Kombination mit einer konsequenten Basispflege. Rückfettende, feuchtigkeitsspendende Cremes oder Salben werden auch während der Kortisontherapie täglich angewendet, um die Hautbarriere zu stabilisieren.
Eine systemische Kortisontherapie – also die Einnahme von Tabletten – kommt bei Kindern mit Neurodermitis aufgrund der Nebenwirkungen nur äußerst selten in Frage. Inzwischen gibt es zudem zahlreiche andere Wirkstoffe, die sich für Kinder und Säuglinge eignen. Dazu gehören z. B. das Biologikum Dupilumab oder der JAK-Inhibitor Baricitinib.
Hinweis: Die Angst vor Kortison ist weit verbreitet, aber bei korrekter Anwendung unbegründet. Unbehandelte Entzündungen und permanenter Juckreiz schaden der Haut und der Psyche des Kindes weitaus mehr als eine kurzfristige lokale Kortisonbehandlung.
Psychische Belastung ernst nehmen
Neurodermitis betrifft nicht nur die Haut. Studien zeigen, dass betroffene Kinder und Jugendliche ein erhöhtes Risiko für psychische Belastungen haben. Vor allem Depressionen und Angsterkrankungen sind bei ihnen häufiger als bei gesunden Gleichaltrigen.
Juckreiz, sichtbare Hautveränderungen und Schlafprobleme wirken sich auf das Wohlbefinden aus. Deshalb ist es wichtig, auch die emotionale Seite zu berücksichtigen. Eltern können unterstützen, indem sie
- die Erkrankung altersgerecht erklären
- das Kind aktiv in die Pflege einbeziehen
- für Verständnis im Umfeld sorgen.
Hinweis: Bei chronischen Erkrankungen unterstützen Selbsthilfegruppe nicht nur mit Informationen. Vor allem der Austausch mit anderen Betroffenen wirkt häufig entlastend. Solche Gruppen gibt es für Kinder und ihre Eltern, zu finden sind sie z. B. über den Bundesverband Neurodermitis e.V..
Quellen: S3-Leitlinie Atopische Dermatitis, Weins B, Schnopp C, Management der atopischen Dermatitis im Kindesalte, Pädiatrie 2025; 2

