Gesundheit heute
Sonnenallergie
Sonnenallergie (polymorphe Lichtdermatose): Stunden bis Tage nach Sonneneinstrahlung auftretender starker Juckreiz mit Rötung, Papeln und Bläschen auf meist sonnenentwöhnten Hautpartien. Als Ursache gilt eine angeborene allergische Überreaktion, die durch noch unbekannte licht-vermittelte Antigene ausgelöst wird. Die Erkrankung tritt vor allem von Mai bis Juni und bei hellhäutigen Menschen auf. Unter Vermeidung erneuter Sonnen-Exposition kommt es in der Regel zu folgenloser Abheilung, die durch Kortisoncreme unterstützt werden kann. Danach lässt sich die Haut meist an das Sonnenlicht gewöhnen. Zur Prophylaxe dienen Sonnenschutz und das Vermeiden von Sonnenlicht. Bei starker Ausprägung gibt es die Möglichkeit, der drohenden Sonnenallergie durch Light-Hardening (eine Art Gewöhnungstherapie an UV-Licht) vorzubeugen.
Symptome und Leitbeschwerden
- Ausgeprägter Juckreiz Stunden bis Tage nach einmaliger oder erstmaliger Sonneneinstrahlung
- Rote Flecken, Bläschen und/oder Knoten auf den sonnenexponierten Hautarealen.
Wann in die Arztpraxis
In den nächsten Tagen, wenn
- oben genannte Beschwerden auftreten.
Die Erkrankung
Vorkommen
Die Sonnenallergie ist eine häufige Erkrankung, 10 bis 20 % der Europäer*innen sollen davon betroffen sein, Frauen weitaus häufiger als Männer. Bei 2/3 tritt sie zwischen dem 10. und 30. Lebensjahr das erste Mal auf. Sie ist typisch für das Frühjahr und den Frühsommer, wenn die Sonneneinstrahlung intensiver wird und zu den ersten Sonnenbädern einlädt.
Krankheitsentstehung und Klinik
Die Beschwerden entwickeln sich Stunden bis Tagen nach dem ersten Sonnenkontakt auf unbedeckten, häufig lichtentwöhnten Hautpartien wie Oberarmen und Dekolletee, oft auch auf den seitlichen Teilen von Gesicht und Hals. Typischerweise tauchen die allergischen Hautveränderungen bei der gleichen Patient*in immer wieder an den gleichen Stellen auf. Die Ausprägung ist individuell unterschiedlich, es kommt zu roten Flecken, Quaddeln, Knötchen, Bläschen oder Rötungen, immer verbunden mit starkem Juckreiz. Wenn die Beschwerden abgeklungen sind, lässt sich die Haut meist problemlos an das Sonnenlicht gewöhnen.
Ursachen
Durch das Sonnenlicht wird eine Überempfindlichkeitsreaktion vom verzögerten Typ hervorgerufen (im Gegensatz zur unten beschriebenen Lichturtikaria). Deshalb dauert es auch Stunden bis Tage, bis die Hauterscheinungen zum Vorschein kommen. Die Expert*innen gehen davon aus, dass sich durch die Lichtexposition Antigene bilden, die die allergische Reaktion auslösen. Daneben scheinen aber auch andere, noch unbekannte Faktoren eine Rolle zu spielen.
Nicht alle Anteile des Sonnenlichts lösen eine Sonnenallergie aus. In den meisten Fällen handelt es sich um UVA-Strahlung, ein Teil der Betroffenen reagiert aber auch auf UVB-Strahlung und/oder sichtbares Licht.
Sonderformen
Mallorca-Akne. Sie gilt als eine Variante der Sonnenallergie und äußert sich durch Knötchen und starken Juckreiz im Bereich des Dekolletés, der Schultern oder des oberen Rückens. Im Gegensatz zur normalen Akne treten keine Eiterbläschen und keine Komedonen auf. Vermutlich handelt es sich um eine Reaktion der Haut auf das Zusammenwirken von fetthaltigen Anteilen im Sonnenschutzmittel (wie Emulgatoren oder Fette) und UV-Licht. Gelegentlich tritt die Erkrankung auch auf unbehandelter Haut auf. Zur Behandlung empfiehlt die Hautärzt*in neben juckreizstillenden Medikamenten oft eine Schältherapie, z. B. mit Aluminiumoxid, evtl. auch mit niedrig dosierter Vitamin A-Säure wie Tretinoin (z. B. Airol® Lösung). Wird die Haut vor weiterer Sonneneinstrahlung geschützt, heilt die Mallorca-Akne meist narbenfrei ab.
Lichturtikaria. Eine sehr seltene Sonderform der allergischen Lichtdermatose ist die Lichturtikaria. Auslöser sind vor allem UV-A-Strahlen, in manchen Fällen auch sichtbares Licht mit der Wellenlänge 400–800 nm. Nach Exposition bilden sich innerhalb von 5 bis 10 Minuten flächenhafte Rötungen, Quaddeln und extremer Juckreiz auf den betroffenen Hautgebieten. Es handelt sich dabei um eine IgE-vermittelte allergische Reaktion vom Soforttyp. Vermutlich aktiviert das Licht ein Fotoallergen, das über eine IgE-Antikörper-Reaktion Histamin freisetzt; es kommt zu Quaddeln und starkem Juckreiz. Die Lichturtikaria wird mit Antihistaminika, Kortison und evtl. Immunsuppressiva behandelt. Bei manchen Patient*innen hilft auch der Austausch des Blutplasmas über die Plasmapherese, um eventuell vorhandene Antigene aus dem Blut zu entfernen.
Fotoallergische Dermatitis. Bei dieser Erkrankung reagiert die Haut ebenfalls allergisch auf UV-Strahlung, und zwar nach Einnahme oder Auftragen fotoallergisierender Substanzen. Mehr dazu unter Fotoallergische Dermatitis.
Diagnosesicherung
Die Anamnese in Verbindung mit den Hautveränderungen führt die Hautärzt*in meist zur Diagnose, vor allem, wenn die Befunde jedes Jahr erneut auftreten.
In unklaren Fällen hilft der Fotoprovokationstest weiter, der jedoch nur in einem symptomfreien Zeitraum durchgeführt werden kann. Dabei wird ein Hautareal, das lichtentwöhnt ist, aber sonst beim Sonnenbaden mit einer Sonnenallergie reagiert, mit verschieden hohen Licht-Dosen und UV-Spektren bestrahlt. Die Reaktion darauf wird mehrere Tage lang täglich abgelesen.
Differenzialdiagnosen. Es gibt eine Reihe weiterer Krankheitsbilder, die mit einer Sonnenallergie verwechselt werden können, z. B. das Arzneimittelexanthem oder Formen des Lupus erythematodes.
Behandlung
Akute Beschwerden
Bei akuten Beschwerden ist jegliche Sonneneinstrahlung zu vermeiden, d. h. die Haut sollte mit Textilien schützend abgedeckt werden. Kortisoncremes wie 0,1%iges Betamethason (z. B. Betagalen Lotio®) beschleunigen die Heilung. Gegen den oft massiven Juckreiz verordnet die Ärzt*in oft zusätzlich Antihistaminika wie Desloratadin (z. B. Aerius®). In sehr ausgeprägten Fällen verschreibt die Ärzt*in auch Kortisontabletten wie Prednisolon (z. B. Decortin H).
Vorbeugende Therapie
Folgende Maßnahmen helfen, einer bekannten Sonnenallergie vorzubeugen:
- Konsequenter Lichtschutz mit Kleidung (lange Ärmel, lange Hosen, Hut, hochgeschlossene Oberteile), evtl. auch mit UV-Schutzkleidung.
- Auftragen von Sonnencreme, immer mit Lichtschutzfaktor gegen UVB (LSF-Kennzeichnung) und UVA (erkennbar am kreisförmigen Symbol mit einem A darin). Mehr dazu siehe "Ihre Apotheke empfiehlt".
- Gewöhnungstherapie (Light-Hardening) vor der Sonnensaison noch im Frühjahr oder vor dem Anritt einer Urlaubsreise in die Sonne. Dabei wird der Eigenschutz der Haut mit aufsteigenden Dosen von UV-Licht aktiviert und vermehrt. Nach einem Behandlungszyklus mit UVB oder UVB/UVA bleiben die Betroffenen in der nachfolgenden Saison häufig beschwerdefrei.
- Verwendung fettfreier Sonnenschutzprodukte bei Mallorca-Akne.
Prognose
Ohne Vorbeugung stellt sich die Sonnenallergie zu Beginn jeder Sonnensaison meist erneut ein, im Verlauf der Jahre können die Beschwerden schwächer werden.
Ihre Apotheke empfiehlt
Was Sie selbst tun können
Wer zur Sonnenallergie neigt und sich im Sommer trotzdem im Freien aufhalten möchte, sollte seine Haut so langsam wie möglich an die UV-Strahlen gewöhnen. Neben Kleidung, Sonnenhut und Sonnenbrille gehören auch Sonnenschutzcremes dazu. Für einen optimalen Sonnenschutz ist folgendes zu beachten
- Den richtigen Lichtschutzfaktor aussuchen. Verwenden Sie bei Aufenthalten im Freien einen Sonnenschutz mit passendem Lichtschutzfaktor (LSF). Dafür müssen Sie Ihren Hauttyp und die damit verbundene Eigenschutzzeit kennen. Mit einem Hauttyp I (etwa 5 Minuten Eigenschutzzeit) darf man nach dem Auftragen einer Creme mit LSF 30 ca. 150 Minuten (5×30), also 2,5 Stunden in der Sonne bleiben. Vorsicht: Nachcremen verlängert die Schutzzeit nicht, sorgt aber dafür, dass durch Schwitzen, Schwimmen oder Abrieb auf das Badehandtuch verloren gegangene Creme ersetzt und der Lichtschutz aufrechterhalten wird.
- Ausreichend Creme auftragen. Wichtig ist auch, genügend Creme aufzutragen. 2 mg pro cm2 Haut müssen es sein, bei einem 1,80 m großen, 80 kg schweren Mann mit einer Körperoberfläche von 2 m2 sind danach etwa 40 g Sonnenschutzmittel pro Anwendung erforderlich.
- Starke UV-Strahlung meiden. Halten Sie sich im Sommer in der Mittagszeit von 11 bis 15 Uhr nicht draußen auf. Beachten Sie den UV-Index (UV-I), der auf der Webseite des Deutschen Wetterdienstes aktualisiert wird.
Prävention
Einige Expert*innen empfehlen auch die vorbeugende Therapie mit Antioxidantien, um freie Radikale abzufangen und damit der Sonnenallergie vorzubeugen. Ob diese Maßnahme tatsächlich vor den Beschwerden schützt, ist wissenschaftlich nicht erwiesen. Manche Betroffenen haben damit jedoch gute Erfahrungen gemacht:
- Ab einer Woche vor der zu erwartenden Licht-Exposition zweimal täglich auf die bekannten Stellen Cremes mit Antioxidantien wie Glucosylrutin (z. B. in Eucerin Sun Allergy Protect Sun Creme-Gel) auftragen.
- Auch die orale Einnahme von Antioxidantien ist möglich. Dazu gehören z. B. Omega-3-Fettsäuren, Folsäure, Vitamin E und Beta-Carotin (Vorsicht, Raucher haben durch Einnahme von beta-Carotin ein zusätzlich erhöhtes Lungenkrebsrisiko).
Bei Babys zeigt sich die Neurodermitis oft an den Wangen, an der Kopfhaut und an den Außenseiten von Armen und Beinen.
Das hilft Kindern mit Neurodermitis
Haut schützen, Auslöser meiden
Mit starkem Juckreiz und oft deutlich sichtbaren Hautveränderungen belastet die Neurodermitis Kinder und Jugendliche erheblich. Zwar ist die Erkrankung nicht heilbar, doch mit der richtigen Basistherapie lassen sich die Beschwerden deutlich lindern. Reicht dies nicht aus, kommen wirksame Medikamente zum Einsatz.
Gestörte Hautbarriere
Die Neurodermitis (atopische Dermatitis) ist die häufigste chronische Hauterkrankung im Kindesalter: Etwa jedes zehnte Kind unter 15 Jahren ist betroffen. Viele erkranken bereits im Säuglingsalter, oft schon im zweiten oder dritten Lebensmonat.
Die Erkrankung äußert sich durch starken Juckreiz, trockene, raue Haut sowie entzündete, schuppige Ekzeme. Ursache ist eine genetisch bedingte Störung der Hautbarriere. Hinzu kommt häufig eine Dysbiose der Haut – das Gleichgewicht zwischen nützlichen und schädlichen Hautkeimen ist gestört. Auch Umweltfaktoren wie Allergene, Schadstoffe oder klimatische Einflüsse spielen eine Rolle.
Bei Säuglingen sind neben der Kopfhaut vor allem der Hals sowie die Streckseiten von Armen und Beinen betroffen. Bei Kleinkindern zeigen sich die Ekzeme eher an den Beugeseiten, bei Jugendlichen außerdem häufig im Gesicht sowie an Hals und Händen.
Neurodermitis ist für Kinder und ihre Familien sehr belastend. Der chronische Juckreiz tritt tags und nachts auf und kann den Schlaf erheblich stören. Säuglinge sind oft unruhig und weinen viel, ältere Kinder kratzen sich die Haut wund. Schon Kleinkinder schämen sich wegen der sichtbaren Hautveränderungen; werden die Kinder älter, ziehen sie sich nicht selten zurück.
Hinweis: Der Verlauf der Erkrankung ist sehr unterschiedlich. Bei manchen Kindern bessern sich die Symptome mit zunehmendem Alter oder verschwinden ganz, andere sind ein Leben lang betroffen.
Die Hautbarriere stärken
Bei Kindern mit Neurodermitis ist die Hautbarriere gestört: Sie verliert vermehrt Feuchtigkeit und kann Reizstoffe schlechter abwehren. Ziel der Behandlung ist es daher, die Haut langfristig zu stabilisieren. Eine intakte Hautbarriere kann entzündliche Schübe hinauszögern oder sogar verhindern.
Grundlage ist die tägliche Pflege mit rückfettenden und feuchtigkeitsspendenden Produkten. Geeignet sind Basiscremes oder -salben mit Inhaltsstoffen wie Glycerin, Urea (bei Kindern niedrig dosiert) oder Ceramiden. Sie helfen, Feuchtigkeit zu binden und die Haut zu schützen. Wichtig ist, die Haut ein- bis zweimal täglich einzucremen – auch in beschwerdefreien Phasen. Denn die gestörte Hautbarriere besteht dauerhaft, nicht nur während eines Schubs.
Fettreichere Salben eignen sich besonders für sehr trockene Haut, leichtere Lotionen sind bei milderen Formen oft angenehmer. Duftstoffe und Konservierungsmittel sollten möglichst vermieden werden, da sie die empfindliche Haut zusätzlich reizen.
Tipp: Regelmäßigkeit ist entscheidend – die Haut sollte vorbeugend gepflegt werden, nicht erst bei sichtbarer Trockenheit.
Richtig baden und waschen
Neben der Pflege ist ein schonender Umgang mit der Haut wichtig. Zu häufiges oder zu heißes Waschen kann sie zusätzlich austrocknen. Ideal sind kurze Bäder von fünf bis zehn Minuten in lauwarmem Wasser. Rückfettende Badezusätze können die Haut zusätzlich schützen. Auf stark schäumende oder parfümierte Produkte sollte verzichtet werden, ebenso auf herkömmliche Seifen, da sie die natürliche Schutzschicht angreifen.
Nach dem Baden sollte man die Haut nicht trockenrubbeln, sondern vorsichtig trocken tupfen. Innerhalb weniger Minuten sollte die Pflegecreme aufgetragen werden, um die Feuchtigkeit in der Haut zu halten.
Wer diese Empfehlungen beachtet, kann sein Kind auch täglich baden. Denn gerade für Säuglinge und Kleinkinder ist das Baden ein wichtiger Moment im Eltern-Kind-Kontakt.
Hinweis: Regelmäßige Schwimmbadbesuche sind grundsätzlich möglich. Wichtig ist, anschließend das Chlorwasser gründlich mit lauwarmem Wasser abzuspülen und die Haut gut einzucremen.
Den Juckreiz kontrollieren
Juckreiz ist das Leitsymptom der Neurodermitis. Er entsteht durch Entzündungen und Nervenreizung in der Haut und zählt zu den belastendsten Beschwerden. Kratzen verschafft zwar kurzfristig Erleichterung, verschlimmert jedoch die Entzündung und kann Infektionen begünstigen. Zudem entsteht ein sogenannter Juck-Kratz-Kreislauf.
Hilfreich sind kühlende Maßnahmen wie feuchte Umschläge oder spezielle Gele. Baumwollhandschuhe in der Nacht können verhindern, dass sich Kinder im Schlaf aufkratzen. Die Fingernägel sollten stets kurz gehalten werden.
Empfehlenswert ist eine spezielle Neurodermitis-Wäsche aus besonders glatten, atmungsaktiven Materialien wie Seide, Modal oder Lyocell. Für Säuglinge und Kleinkinder gibt es auch Modelle mit Anti-Kratzärmeln aus Seide und Baumwolle.
Im Internet werden gegen starkes Kratzen häufig Immobilisationsschienen empfohlen. Das sind Schienen, die am Arm befestigt werden und dadurch dessen Bewegung einschränken – also auch das Kratzen. Kinderärzt*innen raten davon dringend ab, denn solche Schienen behindern die Bewegung und damit die motorische Entwicklung des Kindes.
Bei sehr starkem Juckreiz verordnet die Ärzt*in Medikamente, um diesen zu lindern. Dazu gehören u. a. Antihistaminika und kortisonhaltige Cremes.
Tipp: Ablenkung hilft oft besser als ein Kratzverbot. Spielen, Vorlesen oder ruhige Aktivitäten können die Kinder vom Juckreiz ablenken.
Auslöser im Blick behalten
Bei Neurodermitis spielt auch das Umfeld eine große Rolle. Die Haut reagiert empfindlich auf äußere Reize wie Hitze, Schweiß, Allergene oder Schadstoffe.
- Umweltfaktoren. Extreme Kälte oder starke Wärme empfinden viele Neurodermitiskranke als unangenehm und juckreizfördernd. Gleiches gilt für trockene Heizungsluft. Günstig sind milde Außentemperaturen und eine Luftfeuchtigkeit von 40 bis 60 %. Um dies in Räumen zu erreichen, sollte häufig gelüftet werden. Schadstoffe, Allergene oder Tierhaare können die Beschwerden verstärken. In Innenräumen hilft regelmäßiges Saubermachen. Dabei sollte man fürs Staubwischen am besten feuchte Tücher verwenden und den Staubsaugerfilter regelmäßig wechseln.
- Allergietest. Ein Allergietest ist nur nötig, wenn Verdacht auf eine Allergie besteht. Dann wird dem Ergebnis entsprechend gehandelt, z. B. der Auslöser gemieden oder eine Hyposensibilisierung eingeleitet. Bei Hausstaubmilbenallergie sind auch spezielle Encasings (Umhüllungen) für die Bettwäsche nützlich.
- Kleidung. Für Kleidung eignet sich weiche, atmungsaktive Baumwolle oder Seide am besten. Kratzende Materialien wie Wolle, raue Stoffe oder synthetische Fasern sollten vermieden werden. Die Kleidung sollte generell locker und luftig sitzen. Weil Überhitzung den Juckreiz verstärkt, trägt man besser mehrere dünne Schichten als eine dicke und zieht die oberste bei Wärme aus. Neue Sachen wäscht man am besten vor dem ersten Tragen, um chemische Rückstände zu entfernen. Damit auch durch das Waschen keine reizenden Rückstände im Gewebe bleiben, wählt man ein mildes, duftstofffreies Waschmittel.
- Ernährung. Häufig wird bei der Neurodermitis auch die Ernährung für einen Schub verantwortlich gemacht. Doch deren Rolle ist individuell unterschiedlich. Nur bei einem Teil der Kinder lösen bestimmte Lebensmittel Beschwerden aus. Häufige Verdächtige sind Kuhmilch, Eier, Nüsse oder Weizen. Ernährungstagebücher können helfen, individuelle Auslöser zu erkennen. Wichtig ist dabei, mögliche Zusammenhänge sorgfältig zu beobachten und nicht auf Verdacht ganze Lebensmittelgruppen zu streichen. Stattdessen ist es sinnvoll, die mögliche Allergie oder Nahrungsmittelunverträglich bei der Ärzt*in gezielt abklären zu lassen.
Hinweis: Neben falscher Kleidung, trockener Luft und Lebensmitteln können auch Infekte, Stress oder Schlafmangel Neurodermitis-Schübe begünstigen.
Mit Cremes und Medikamenten die Haut beruhigen
Trotz guter Pflege kann es zu akuten Schüben mit Ekzemen kommen. In diesen Phasen ist eine intensivere Behandlung notwendig. Die Behandlung der Neurodermitis erfolgt heute nach einem klaren Stufenplan und richtet sich nach dem Ausmaß der Erkrankung. Anhand des SCORAD-Scores teilt man die Neurodermitis in drei Schweregrade ein:
Bei der leichten Neurodermitis (SCORAD < 25) sind weniger als ein Fünftel der Hautoberfläche des Kindes betroffen, der Juckreiz ist mild und der Nachtschlaf ungestört. Die Haut ist trocken mit leichten Rötungen. Schuppungen oder Nässen kommen so gut wie nicht vor. Bei dieser leichten Ausprägung reicht es meist, die Kinder konsequent mit rückfettender Basiscreme einzucremen. Außerdem müssen die genannten Auslöser vermieden werden.
Die mittelgradige Neurodermitis (SCORAD 25-50) betrifft 20 bis 50 % des Körpers. Der Juckreiz ist stark und erschwert sowohl den Alltag als auch den Schlaf. Es finden sich gerötete Ekzeme mit Schuppen, vereinzelt nasse Stellen und Krusten. Zusätzlich zur Basistherapie werden auf den betroffenen Bereichen antientzündliche Cremes eingesetzt, z. B. Kortison oder Calcineurin-Inhibitoren. Letztere sind insbesondere für empfindliche Hautareale wie das Gesicht, die Bereiche zwischen den Fingern und der Haut von Po und Genital geeignet.
Die schwere Neurodermitis (SCORAD > 50) befällt mindestens 50% der Haut mit ausgedehnten Ekzemen. Der Juckreiz ist extrem stark, die Kinder kratzen sich bis hin zu Blutungen. Der Schlaf ist stark gestört, der Alltag deutlich beeinträchtigt. Sind bei diesen schweren Formen Basistherapie und antientzündliche Cremes nicht ausreichend wirksam, verordnet die Ärzt*in zusätzlich eine Systemtherapie. Dabei handelt es sich um Medikamente, die entweder unter die Haut (subkutan) gespritzt oder als Tabletten eingenommen werden (Ciclosporin, Biologika, Dupilumab, JAK-Inhibitoren). Diese Wirkstoffe greifen gezielt in das fehlgesteuerte Immunsystem ein und können die Krankheitskontrolle deutlich verbessern.
Hinweis: Eine frühzeitige und konsequente Behandlung kann den Krankheitsverlauf langfristig positiv beeinflussen. Deshalb ist es wichtig, die Medikamente genau nach ärztlicher Anweisung zu verwenden und nicht eigenständig abzusetzen, sobald eine leichte Besserung eintritt.
Keine Angst vor Kortison!
Kortisoncremes sind auch bei Kindern ein bewährtes und sicheres Mittel zur Behandlung einer Neurodermitis. Sie werden vor allem in akuten Entzündungsschüben angewendet, also bei Rötung, Nässen und starkem Juckreiz. In diesen Phasen wird das Präparat ein- bis zweimal täglich dünn auf die betroffenen Hautstellen aufgetragen. Eine praktische Orientierung bietet die sogenannte „Fingertip-Unit“: Die Menge, die aus der Tube von der Fingerspitze bis zum ersten Fingergelenk reicht, genügt etwa für eine Fläche von zwei Handflächen des Kindes.
Die Auswahl der Wirkstärke richtet sich nach Alter, Körperregion und Schweregrad:
- Im Gesicht, an Hals und in Hautfalten werden schwache Präparate verwendet.
- An Armen, Beinen oder am Rumpf können – je nach Befund – mittelstarke Präparate nötig sein.
- Stärkere Kortisonpräparate kommen nur kurzfristig und unter ärztlicher Kontrolle zum Einsatz.
Die Behandlungsdauer ist in der Regel kurz: oft wenige Tage bis maximal zwei Wochen pro Schub. Sobald sich die Haut deutlich gebessert hat, wird die Anwendung reduziert oder beendet. Nebenwirkungen wie Hautverdünnung treten bei korrekter Nutzung nach ärztlicher Anleitung in der Regel nicht auf – moderne Kortisonpräparate gelten auch bei Kindern als sicher.
Wichtig ist die Kombination mit einer konsequenten Basispflege. Rückfettende, feuchtigkeitsspendende Cremes oder Salben werden auch während der Kortisontherapie täglich angewendet, um die Hautbarriere zu stabilisieren.
Eine systemische Kortisontherapie – also die Einnahme von Tabletten – kommt bei Kindern mit Neurodermitis aufgrund der Nebenwirkungen nur äußerst selten in Frage. Inzwischen gibt es zudem zahlreiche andere Wirkstoffe, die sich für Kinder und Säuglinge eignen. Dazu gehören z. B. das Biologikum Dupilumab oder der JAK-Inhibitor Baricitinib.
Hinweis: Die Angst vor Kortison ist weit verbreitet, aber bei korrekter Anwendung unbegründet. Unbehandelte Entzündungen und permanenter Juckreiz schaden der Haut und der Psyche des Kindes weitaus mehr als eine kurzfristige lokale Kortisonbehandlung.
Psychische Belastung ernst nehmen
Neurodermitis betrifft nicht nur die Haut. Studien zeigen, dass betroffene Kinder und Jugendliche ein erhöhtes Risiko für psychische Belastungen haben. Vor allem Depressionen und Angsterkrankungen sind bei ihnen häufiger als bei gesunden Gleichaltrigen.
Juckreiz, sichtbare Hautveränderungen und Schlafprobleme wirken sich auf das Wohlbefinden aus. Deshalb ist es wichtig, auch die emotionale Seite zu berücksichtigen. Eltern können unterstützen, indem sie
- die Erkrankung altersgerecht erklären
- das Kind aktiv in die Pflege einbeziehen
- für Verständnis im Umfeld sorgen.
Hinweis: Bei chronischen Erkrankungen unterstützen Selbsthilfegruppe nicht nur mit Informationen. Vor allem der Austausch mit anderen Betroffenen wirkt häufig entlastend. Solche Gruppen gibt es für Kinder und ihre Eltern, zu finden sind sie z. B. über den Bundesverband Neurodermitis e.V..
Quellen: S3-Leitlinie Atopische Dermatitis, Weins B, Schnopp C, Management der atopischen Dermatitis im Kindesalte, Pädiatrie 2025; 2

