Gesundheit heute
Sonnenallergie
Sonnenallergie (polymorphe Lichtdermatose): Stunden bis Tage nach Sonneneinstrahlung auftretender starker Juckreiz mit Rötung, Papeln und Bläschen auf meist sonnenentwöhnten Hautpartien. Als Ursache gilt eine angeborene allergische Überreaktion, die durch noch unbekannte licht-vermittelte Antigene ausgelöst wird. Die Erkrankung tritt vor allem von Mai bis Juni und bei hellhäutigen Menschen auf. Unter Vermeidung erneuter Sonnen-Exposition kommt es in der Regel zu folgenloser Abheilung, die durch Kortisoncreme unterstützt werden kann. Danach lässt sich die Haut meist an das Sonnenlicht gewöhnen. Zur Prophylaxe dienen Sonnenschutz und das Vermeiden von Sonnenlicht. Bei starker Ausprägung gibt es die Möglichkeit, der drohenden Sonnenallergie durch Light-Hardening (eine Art Gewöhnungstherapie an UV-Licht) vorzubeugen.
Symptome und Leitbeschwerden
- Ausgeprägter Juckreiz Stunden bis Tage nach einmaliger oder erstmaliger Sonneneinstrahlung
- Rote Flecken, Bläschen und/oder Knoten auf den sonnenexponierten Hautarealen.
Wann in die Arztpraxis
In den nächsten Tagen, wenn
- oben genannte Beschwerden auftreten.
Die Erkrankung
Vorkommen
Die Sonnenallergie ist eine häufige Erkrankung, 10 bis 20 % der Europäer*innen sollen davon betroffen sein, Frauen weitaus häufiger als Männer. Bei 2/3 tritt sie zwischen dem 10. und 30. Lebensjahr das erste Mal auf. Sie ist typisch für das Frühjahr und den Frühsommer, wenn die Sonneneinstrahlung intensiver wird und zu den ersten Sonnenbädern einlädt.
Krankheitsentstehung und Klinik
Die Beschwerden entwickeln sich Stunden bis Tagen nach dem ersten Sonnenkontakt auf unbedeckten, häufig lichtentwöhnten Hautpartien wie Oberarmen und Dekolletee, oft auch auf den seitlichen Teilen von Gesicht und Hals. Typischerweise tauchen die allergischen Hautveränderungen bei der gleichen Patient*in immer wieder an den gleichen Stellen auf. Die Ausprägung ist individuell unterschiedlich, es kommt zu roten Flecken, Quaddeln, Knötchen, Bläschen oder Rötungen, immer verbunden mit starkem Juckreiz. Wenn die Beschwerden abgeklungen sind, lässt sich die Haut meist problemlos an das Sonnenlicht gewöhnen.
Ursachen
Durch das Sonnenlicht wird eine Überempfindlichkeitsreaktion vom verzögerten Typ hervorgerufen (im Gegensatz zur unten beschriebenen Lichturtikaria). Deshalb dauert es auch Stunden bis Tage, bis die Hauterscheinungen zum Vorschein kommen. Die Expert*innen gehen davon aus, dass sich durch die Lichtexposition Antigene bilden, die die allergische Reaktion auslösen. Daneben scheinen aber auch andere, noch unbekannte Faktoren eine Rolle zu spielen.
Nicht alle Anteile des Sonnenlichts lösen eine Sonnenallergie aus. In den meisten Fällen handelt es sich um UVA-Strahlung, ein Teil der Betroffenen reagiert aber auch auf UVB-Strahlung und/oder sichtbares Licht.
Sonderformen
Mallorca-Akne. Sie gilt als eine Variante der Sonnenallergie und äußert sich durch Knötchen und starken Juckreiz im Bereich des Dekolletés, der Schultern oder des oberen Rückens. Im Gegensatz zur normalen Akne treten keine Eiterbläschen und keine Komedonen auf. Vermutlich handelt es sich um eine Reaktion der Haut auf das Zusammenwirken von fetthaltigen Anteilen im Sonnenschutzmittel (wie Emulgatoren oder Fette) und UV-Licht. Gelegentlich tritt die Erkrankung auch auf unbehandelter Haut auf. Zur Behandlung empfiehlt die Hautärzt*in neben juckreizstillenden Medikamenten oft eine Schältherapie, z. B. mit Aluminiumoxid, evtl. auch mit niedrig dosierter Vitamin A-Säure wie Tretinoin (z. B. Airol® Lösung). Wird die Haut vor weiterer Sonneneinstrahlung geschützt, heilt die Mallorca-Akne meist narbenfrei ab.
Lichturtikaria. Eine sehr seltene Sonderform der allergischen Lichtdermatose ist die Lichturtikaria. Auslöser sind vor allem UV-A-Strahlen, in manchen Fällen auch sichtbares Licht mit der Wellenlänge 400–800 nm. Nach Exposition bilden sich innerhalb von 5 bis 10 Minuten flächenhafte Rötungen, Quaddeln und extremer Juckreiz auf den betroffenen Hautgebieten. Es handelt sich dabei um eine IgE-vermittelte allergische Reaktion vom Soforttyp. Vermutlich aktiviert das Licht ein Fotoallergen, das über eine IgE-Antikörper-Reaktion Histamin freisetzt; es kommt zu Quaddeln und starkem Juckreiz. Die Lichturtikaria wird mit Antihistaminika, Kortison und evtl. Immunsuppressiva behandelt. Bei manchen Patient*innen hilft auch der Austausch des Blutplasmas über die Plasmapherese, um eventuell vorhandene Antigene aus dem Blut zu entfernen.
Fotoallergische Dermatitis. Bei dieser Erkrankung reagiert die Haut ebenfalls allergisch auf UV-Strahlung, und zwar nach Einnahme oder Auftragen fotoallergisierender Substanzen. Mehr dazu unter Fotoallergische Dermatitis.
Diagnosesicherung
Die Anamnese in Verbindung mit den Hautveränderungen führt die Hautärzt*in meist zur Diagnose, vor allem, wenn die Befunde jedes Jahr erneut auftreten.
In unklaren Fällen hilft der Fotoprovokationstest weiter, der jedoch nur in einem symptomfreien Zeitraum durchgeführt werden kann. Dabei wird ein Hautareal, das lichtentwöhnt ist, aber sonst beim Sonnenbaden mit einer Sonnenallergie reagiert, mit verschieden hohen Licht-Dosen und UV-Spektren bestrahlt. Die Reaktion darauf wird mehrere Tage lang täglich abgelesen.
Differenzialdiagnosen. Es gibt eine Reihe weiterer Krankheitsbilder, die mit einer Sonnenallergie verwechselt werden können, z. B. das Arzneimittelexanthem oder Formen des Lupus erythematodes.
Behandlung
Akute Beschwerden
Bei akuten Beschwerden ist jegliche Sonneneinstrahlung zu vermeiden, d. h. die Haut sollte mit Textilien schützend abgedeckt werden. Kortisoncremes wie 0,1%iges Betamethason (z. B. Betagalen Lotio®) beschleunigen die Heilung. Gegen den oft massiven Juckreiz verordnet die Ärzt*in oft zusätzlich Antihistaminika wie Desloratadin (z. B. Aerius®). In sehr ausgeprägten Fällen verschreibt die Ärzt*in auch Kortisontabletten wie Prednisolon (z. B. Decortin H).
Vorbeugende Therapie
Folgende Maßnahmen helfen, einer bekannten Sonnenallergie vorzubeugen:
- Konsequenter Lichtschutz mit Kleidung (lange Ärmel, lange Hosen, Hut, hochgeschlossene Oberteile), evtl. auch mit UV-Schutzkleidung.
- Auftragen von Sonnencreme, immer mit Lichtschutzfaktor gegen UVB (LSF-Kennzeichnung) und UVA (erkennbar am kreisförmigen Symbol mit einem A darin). Mehr dazu siehe "Ihre Apotheke empfiehlt".
- Gewöhnungstherapie (Light-Hardening) vor der Sonnensaison noch im Frühjahr oder vor dem Anritt einer Urlaubsreise in die Sonne. Dabei wird der Eigenschutz der Haut mit aufsteigenden Dosen von UV-Licht aktiviert und vermehrt. Nach einem Behandlungszyklus mit UVB oder UVB/UVA bleiben die Betroffenen in der nachfolgenden Saison häufig beschwerdefrei.
- Verwendung fettfreier Sonnenschutzprodukte bei Mallorca-Akne.
Prognose
Ohne Vorbeugung stellt sich die Sonnenallergie zu Beginn jeder Sonnensaison meist erneut ein, im Verlauf der Jahre können die Beschwerden schwächer werden.
Ihre Apotheke empfiehlt
Was Sie selbst tun können
Wer zur Sonnenallergie neigt und sich im Sommer trotzdem im Freien aufhalten möchte, sollte seine Haut so langsam wie möglich an die UV-Strahlen gewöhnen. Neben Kleidung, Sonnenhut und Sonnenbrille gehören auch Sonnenschutzcremes dazu. Für einen optimalen Sonnenschutz ist folgendes zu beachten
- Den richtigen Lichtschutzfaktor aussuchen. Verwenden Sie bei Aufenthalten im Freien einen Sonnenschutz mit passendem Lichtschutzfaktor (LSF). Dafür müssen Sie Ihren Hauttyp und die damit verbundene Eigenschutzzeit kennen. Mit einem Hauttyp I (etwa 5 Minuten Eigenschutzzeit) darf man nach dem Auftragen einer Creme mit LSF 30 ca. 150 Minuten (5×30), also 2,5 Stunden in der Sonne bleiben. Vorsicht: Nachcremen verlängert die Schutzzeit nicht, sorgt aber dafür, dass durch Schwitzen, Schwimmen oder Abrieb auf das Badehandtuch verloren gegangene Creme ersetzt und der Lichtschutz aufrechterhalten wird.
- Ausreichend Creme auftragen. Wichtig ist auch, genügend Creme aufzutragen. 2 mg pro cm2 Haut müssen es sein, bei einem 1,80 m großen, 80 kg schweren Mann mit einer Körperoberfläche von 2 m2 sind danach etwa 40 g Sonnenschutzmittel pro Anwendung erforderlich.
- Starke UV-Strahlung meiden. Halten Sie sich im Sommer in der Mittagszeit von 11 bis 15 Uhr nicht draußen auf. Beachten Sie den UV-Index (UV-I), der auf der Webseite des Deutschen Wetterdienstes aktualisiert wird.
Prävention
Einige Expert*innen empfehlen auch die vorbeugende Therapie mit Antioxidantien, um freie Radikale abzufangen und damit der Sonnenallergie vorzubeugen. Ob diese Maßnahme tatsächlich vor den Beschwerden schützt, ist wissenschaftlich nicht erwiesen. Manche Betroffenen haben damit jedoch gute Erfahrungen gemacht:
- Ab einer Woche vor der zu erwartenden Licht-Exposition zweimal täglich auf die bekannten Stellen Cremes mit Antioxidantien wie Glucosylrutin (z. B. in Eucerin Sun Allergy Protect Sun Creme-Gel) auftragen.
- Auch die orale Einnahme von Antioxidantien ist möglich. Dazu gehören z. B. Omega-3-Fettsäuren, Folsäure, Vitamin E und Beta-Carotin (Vorsicht, Raucher haben durch Einnahme von beta-Carotin ein zusätzlich erhöhtes Lungenkrebsrisiko).
Wer im Alter gesund und fit sein möchte, sollte sich auch gegen Zoster impfen lassen.
Zoster-Impfung schützt das Gehirn
Jede fünfte Demenz vermeidbar?
Die Zosterimpfung schützt offenbar nicht nur vor der schmerzhaften Gürtelrose. Neue Studien zeigen, dass sie auch vor Demenz bewahren kann.
Zosterimpfung für alle ab 60 Jahren empfohlen
Die Impfung gegen Herpes zoster wird in Deutschland allen Personen über 60 Jahren und Über-50-Jährigen mit Immunschwäche oder bestimmten chronischen Erkrankungen empfohlen. Der Totimpfstoff, der zweimal verimpft wird, verringert nicht nur das Risiko, dass eine Gürtelrose auftritt. Kommt es trotz Impfung zu dazu, entwickeln sich seltener schwere Komplikationen wie z. B. die postherpetische Neuralgie.
20 % weniger Demenzkranke
Doch offenbar kann die Zosterimpfung noch mehr. Zwei neuen Studien zufolge schützt sie auch vor Demenz. In der ersten Studie verglich man Menschen über 50 Jahren, die entweder eine Pneumokokken- oder eine Zosterimpfung erhalten hatten. Beeinflussende Faktoren wie Alter, Geschlecht und Begleiterkrankungen wurden in der Analyse berücksichtigt. Das Ergebnis: In der Zoster-Gruppe litten drei Jahre später deutlich weniger Personen an Demenz als in der Pneumokokken-Gruppe. Bei der Lebendimpfung (die heute in Deutschland nicht mehr empfohlen wird) waren es 14 % weniger, beim Totimpfstoff etwa 24 %.
Ein ähnliches Ergebnis brachte eine britische Studie an 80-Jährigen zutage. Darin war die Demenzrate unter den Zoster-Geimpften um etwa 20% niedriger als bei den Senior*innen, die keine Zosterimpfung erhalten hatten.
Verklumpung von Eiweißen verringert
Eine Zosterimpfung kann offenbar jede fünfte Demenzerkrankung verhindern. Dabei scheint der Totimpfstoff effektiver zu sein als der Lebendimpfstoff. Vermutlich schützt die Impfung, indem sie die schädliche Wirkung des Varicella-Zoster-Virus im Gehirn abmildert, hieß es auf der Internationalen Konferenz der Alzheimer-Association in Philadelphia. Das Virus soll z.B. die Verklumpung bestimmter Eiweiße im Gehirn vorantreiben. Außerdem scheint es kleine Vesikel zu produzieren, die sowohl die Gefäße schädigen als auch das Immunsystem dämpfen.
Quelle: SpringerMedizin

