Gesundheit heute
Kurzes, abgeschlossenes, unerklärliches Ereignis (BRUE)
Kurzes, abgeschlossenes, unerklärliches Ereignis (Brief resolved unexplained event, BRUE; Anscheinend bzw. augenscheinlich lebensbedrohliches Ereignis, ALE, ALTE): Akut und unerwartet auftretender, weniger als 1 Minute andauernder Zustand, in dem ein Säugling nicht mehr oder nur noch sehr schwach atmet, blass und (meist) schlaff wird. Beim BRUE gelingt es, das Kind durch rechtzeitige Stimulation wieder "aufzuwecken", d. h. seine Atmung anzuregen. Trifft dann die alarmierte Notärzt*in ein, sind die Kinder meist unauffällig. Trotzdem müssen sie in die Klinik, wo zunächst Herzschlag, Atmung und Sauerstoffgehalt des Blutes überwacht und mögliche Ursachen abgeklärt und behandelt werden. Wenn sich wie in etwa der Hälfte der Fälle eine Ursache finden lässt, handelt es sich definitonsgemäß nicht mehr um ein BRUE.
10 % der Babys erleiden nach dem ersten BRUE innerhalb der nächsten Tage bis Wochen ein weiteres Ereignis. Um rechtzeitig zu reagieren, empfehlen Kinderärzt*innen oft ein Heimmonitoring. Die weitere Prognose der Kinder ist gut, die meisten entwickeln sich unauffällig.
Symptome und Leitbeschwerden
- Der Säugling zeigt kürzer als 1 Minute folgende Symptome:
- Das Baby atmet sehr unregelmäßig, zu langsam oder gar nicht.
- Die Haut wird blass, das Gesicht des Kindes läuft blau an.
- Die Muskulatur erschlafft oder – selten – versteift.
- Das Kind reagiert oder zeigt ein verändertes Bewusstsein.
Wann in die Arztpraxis
Sofort in die Klinik bzw. die Notärzt*in (112) rufen, wenn
- die oben beschriebenen Symptome auftreten.
Die Erkrankung
Wie beim plötzlichen Kindstod soll auch beim BRUE eine Störung der Atmung ursächlich sein. Im Unterschied zum plötzlichen Kindstod überlebt das Kind beim BRUE das Ereignis und ist in den allermeisten Fällen danach völlig unauffällig.
Ein BRUE ist streng definiert, alle 4 folgenden Voraussetzungen müssen zutreffen:
- Das Kind ist jünger als ein Jahr alt.
- Die Episode dauert kürzer als 1 Minute (meist sind es etwa 20–30 Sekunden).
- Es liegt mindestens eines der folgenden Symptome vor:
- Blässe oder Zyanose (Blaufärbung der Haut)
- Keine, verminderte oder unregelmäßige Atmung
- Verstärkte oder verminderte Muskelspannung
- Veränderte Reaktion, verändertes Bewusstsein
- Es ist keine Ursache für diese Episode zu finden.
Was genau zum BRUE führt, ist ungeklärt. Wahrscheinlich handelt es sich um das Zusammenspiel verschiedener ungünstiger Faktoren, sowohl innerer als auch äußerer. Es gibt Hinweise, dass bei den Betroffenen die Blutversorgung der für Atmung und Herzschlag relevanten Hirnteile anlagebedingt weniger stabil ist als bei anderen Kindern. Kommt nun ein äußerer Faktor hinzu, wie Überwärmung, eine Erkältung oder das Einatmen von Nikotin, so versagen die lebensrettenden Reflexe.
Diagnose
In der Notaufnahme oder in der Kinderklinik überwacht man die Kinder zunächst und misst engmaschig Herzschlag, Atmung und Sauerstoffgehalt des Blutes. Um ein BRUE zu diagnostizieren, ist es erforderlich, eine große Anzahl möglicher Ursachen für die Atempause auszuschließen.
Bei der körperlichen Untersuchung achten die Kinderärzt*innen auf Fehlbildungen und prüfen Reflexe und Entwicklungsstand des Kindes. Besonderes Augenmerk gilt Verletzungen und Anzeichen für körperliche Misshandlungen. Bei einem Verdacht auf ein Schütteltrauma wird beispielsweise die Netzhaut auf Blutungen untersucht.
Eine weitere, intensive Diagnostik wird nur bei begründetem Verdacht auf eine Erkrankung und bei Hochrisikokindern betrieben. Als Hochrisikokinder gelten vor allem Säuglinge,
- die als Frühgeburt (vor der 33. Schwangerschaftswoche) zur Welt kamen oder die ein sehr niedriges Geburtsgewicht hatten
- die zum Zeitpunkt des ersten lebensbedrohlichen Ereignisses 60 Tage oder jünger waren
- die vorher schon einmal ein BRUE erlitten haben
- die bei einem vorangegangenen Ereignis bereits (durch medizinisches Personal) wiederbelebt werden mussten
- die Geschwister haben, bei denen der Verdacht oder die Diagnose eines plötzlichen Kindstods besteht
- bei denen Anzeichen von Misshandlung zu erkennen sind.
Die weitere Diagnostik bei Hochrisikokindern besteht je nach Verdacht aus
- Blut- und Urinuntersuchungen wie Blutbild, C-reaktives Protein , Blutsenkungsgeschwindigkeit, Elektrolyte oder Leberwerte zum Nachweis von Infektionen, Anämie, Austrocknung, Leberschäden oder Stoffwechselstörungen
- Röntgenuntersuchungen des Brustkorbs bei Verdacht auf Lungenentzündung oder Herzfehlbildungen
- EKG und Echokardiografie zum Nachweis von Herzfehlbildungen oder Rhythmusstörungen
- Röntgenuntersuchung des Skeletts, um Brüche zu erkennen
- MRT und CT bei Verdacht auf innere Verletzungen und Blutungen
- Lumbalpunktion bei Verdacht auf eine Meningitis
- EEG und/oder schlafmedizinische Untersuchungen, um Epilepsien, Krampfanfälle oder Atmungsprobleme während des Schlafens zu erkennen.
Differenzialdiagnosen. Die gleichen Symptome verursachen die oben genannten Erkrankungen oder Verletzungen (z. B. Infektionen, Stoffwechselerkrankungen, Fehlbildungen oder Misshandlung).
Behandlung
Wird ein BRUE bemerkt, reicht es meist, das Kind mit Anfassen, Rubbeln und Anpusten "aufzuwecken", um seine Atmung zu stimulieren. Sind anwesende Eltern oder Betreuer*innen dafür ausgebildet, beginnen diese manchmal auch sofort Wiederbelebungsmaßnahmen, die im Falle eines echten BRUE erfolgreich verlaufen.
Wie die weitere Behandlung aussieht, entscheidet sich in der Klinik bzw. Notaufnahme. Bei Kindern mit geringem Risiko ist keine weitere Behandlung erforderlich. Hochrisikokinder werden zur Überwachung und Aufklärung stationär aufgenommen. Findet sich eine Ursache, wird diese behandelt (dann liegt definitionsgemäß kein BRUE vor).
Homemonitoring. Da etwa 10 % der Kinder in den ersten Wochen nach dem Ereignis ein weiteres zeigen, empfehlen Kinderärzt*innen oft Überwachungsgeräte für die Atmung. Ein Atem- und Herzmonitor weckt die Eltern auf, wenn Atmung oder Herzschlag des Babys in einen kritischen Bereich abfallen. Leider haben die Eltern oft mit Fehlalarmen zu kämpfen. Geräte, die Atemrhythmus und Herzschlag aufzeichnen, sind den bloßen Alarmgebern vorzuziehen, weil man später anhand der Aufzeichnungen zwischen Fehlalarm und echtem Ereignis unterscheiden kann.
Vorbeugende Maßnahmen. Generell sollten Eltern und Betreuer einen Erste-Hilfe-Kurs für Babys und Kleinkinder absolvieren, um notfalls eine Wiederbelebung durchführen zu können. Daneben gelten für das BRUE die gleichen vorbeugenden Maßnahmen wie beim plötzlichen Kindstod (siehe unten).
Prognose
Die Prognose beim einmaligen BRUE ist gut, die meisten Kindern bleiben danach unauffällig. Erleiden Kinder zwei solche Ereignisse, ist jedoch das Risiko für den Plötzlichen Kindstod erhöht.
Ihre Apotheke empfiehlt
Was Sie als Eltern tun können
Die Präventionsmaßnahmen gegen den plötzlichen Kindstod werden auch gegen das BRUE empfohlen.
Rückenlage. Lassen Sie das Kind auf dem Rücken schlafen – nicht auf dem Bauch! Zwar wurde festgestellt, dass diese Art zu schlafen einen asymmetrischen/platten Hinterkopf begünstigt. Dies lässt sich jedoch vermeiden, wenn Sie Ihr Baby so oft wie möglich auf dem Bauch liegen lassen – aber nur, wenn es beaufsichtigt wird. Das hat einen zusätzlich positiven Effekt: Durch die Bauchlage im Wachen werden die Muskeln gestärkt und die Kopfhalte-Kontrolle geübt.
Nicht rauchen. Verzichten Sie auf das Zigarettenrauchen – sowohl während der Schwangerschaft als auch danach! Auch nicht im Garten oder auf dem Balkon, denn die Schadstoffe lagern sich auf der Kleidung ab und werden so auf den Säugling übertragen. Bestandteile des Zigarettenrauchs sind dann also trotzdem im Blut Ihres Säuglings nachweisbar!
Überwärmung vermeiden. Eine Raumtemperatur von max. 18° C reicht zum Schlafen aus. Achten Sie auch darauf, dass das Kinderbett nicht an der Heizung oder in der Sonne steht. Ob das Kind zu warm ist, fühlt man am besten am Rücken zwischen den Schulterblättern. Fühlt es sich hier verschwitzt an, ist die Umgebung zu warm.
Schlafsack statt Federbett. Damit das Kind mit dem Kopf nicht unter die Decke rutscht, bietet sich ein Schlafsack an. Dieser darf nicht "auf Vorrat" angeschafft werden, sondern muss gut sitzen. Das bedeutet, dass die Halsöffnung kleiner sein soll als der Kopf.
Gesunde Schlafumgebung. Sorgen Sie zusätzlich für eine gesunde Schlafumgebung – hierzu gehören ein "richtiges" Bett (also kein Wasserbett oder Sofa), eine feste Schlafunterlage oder Matratze, der Verzicht auf Kissen, Plüschtiere, Fellunterlagen oder zu große Federbetten und auf das zu warme "Einpacken" des Babys.
Eigenes Kinderbett. Empfohlen wird, dass Babys im 1. Lebensjahr nicht im eigenen Zimmer, sondern im eigenen Bett bei den Eltern schlafen. Optimalen Schutz bietet ein kleines Kinderbettchen, das am elterlichen Bett befestigt oder direkt daneben gestellt wird.
So lange wie möglich stillen. Babys, die länger als 6 Monate gestillt werden, haben ein niedrigeres Risiko als früh abgestillte Kinder.
Schnuller anbieten. Der frühe Gebrauch eines Schnullers reduziert das Risiko um etwa 60 %.
Nicht pucken! Das feste Einwickeln von Säuglingen in ein Tuch ist eine uralte Wickelmethode, die immer mehr propagiert wird. Kinderärzt*innen warnen generell dagegen, den Kindern die Bewegungsfreiheit zu nehmen.
Keine Schlafpositionierer benutzen. Die Idee, das Kind durch Polster oder das Anbinden des Schlafsacks in Rückenposition zu halten ist genauso falsch. Durch solche Schlafpositionierer wird das Risiko für den plötzlichen Kindstod sowie Unfälle (Strangulieren in den Schnüren des angebundenen Schlafsacks) erhöht.
Bei Babys zeigt sich die Neurodermitis oft an den Wangen, an der Kopfhaut und an den Außenseiten von Armen und Beinen.
Das hilft Kindern mit Neurodermitis
Haut schützen, Auslöser meiden
Mit starkem Juckreiz und oft deutlich sichtbaren Hautveränderungen belastet die Neurodermitis Kinder und Jugendliche erheblich. Zwar ist die Erkrankung nicht heilbar, doch mit der richtigen Basistherapie lassen sich die Beschwerden deutlich lindern. Reicht dies nicht aus, kommen wirksame Medikamente zum Einsatz.
Gestörte Hautbarriere
Die Neurodermitis (atopische Dermatitis) ist die häufigste chronische Hauterkrankung im Kindesalter: Etwa jedes zehnte Kind unter 15 Jahren ist betroffen. Viele erkranken bereits im Säuglingsalter, oft schon im zweiten oder dritten Lebensmonat.
Die Erkrankung äußert sich durch starken Juckreiz, trockene, raue Haut sowie entzündete, schuppige Ekzeme. Ursache ist eine genetisch bedingte Störung der Hautbarriere. Hinzu kommt häufig eine Dysbiose der Haut – das Gleichgewicht zwischen nützlichen und schädlichen Hautkeimen ist gestört. Auch Umweltfaktoren wie Allergene, Schadstoffe oder klimatische Einflüsse spielen eine Rolle.
Bei Säuglingen sind neben der Kopfhaut vor allem der Hals sowie die Streckseiten von Armen und Beinen betroffen. Bei Kleinkindern zeigen sich die Ekzeme eher an den Beugeseiten, bei Jugendlichen außerdem häufig im Gesicht sowie an Hals und Händen.
Neurodermitis ist für Kinder und ihre Familien sehr belastend. Der chronische Juckreiz tritt tags und nachts auf und kann den Schlaf erheblich stören. Säuglinge sind oft unruhig und weinen viel, ältere Kinder kratzen sich die Haut wund. Schon Kleinkinder schämen sich wegen der sichtbaren Hautveränderungen; werden die Kinder älter, ziehen sie sich nicht selten zurück.
Hinweis: Der Verlauf der Erkrankung ist sehr unterschiedlich. Bei manchen Kindern bessern sich die Symptome mit zunehmendem Alter oder verschwinden ganz, andere sind ein Leben lang betroffen.
Die Hautbarriere stärken
Bei Kindern mit Neurodermitis ist die Hautbarriere gestört: Sie verliert vermehrt Feuchtigkeit und kann Reizstoffe schlechter abwehren. Ziel der Behandlung ist es daher, die Haut langfristig zu stabilisieren. Eine intakte Hautbarriere kann entzündliche Schübe hinauszögern oder sogar verhindern.
Grundlage ist die tägliche Pflege mit rückfettenden und feuchtigkeitsspendenden Produkten. Geeignet sind Basiscremes oder -salben mit Inhaltsstoffen wie Glycerin, Urea (bei Kindern niedrig dosiert) oder Ceramiden. Sie helfen, Feuchtigkeit zu binden und die Haut zu schützen. Wichtig ist, die Haut ein- bis zweimal täglich einzucremen – auch in beschwerdefreien Phasen. Denn die gestörte Hautbarriere besteht dauerhaft, nicht nur während eines Schubs.
Fettreichere Salben eignen sich besonders für sehr trockene Haut, leichtere Lotionen sind bei milderen Formen oft angenehmer. Duftstoffe und Konservierungsmittel sollten möglichst vermieden werden, da sie die empfindliche Haut zusätzlich reizen.
Tipp: Regelmäßigkeit ist entscheidend – die Haut sollte vorbeugend gepflegt werden, nicht erst bei sichtbarer Trockenheit.
Richtig baden und waschen
Neben der Pflege ist ein schonender Umgang mit der Haut wichtig. Zu häufiges oder zu heißes Waschen kann sie zusätzlich austrocknen. Ideal sind kurze Bäder von fünf bis zehn Minuten in lauwarmem Wasser. Rückfettende Badezusätze können die Haut zusätzlich schützen. Auf stark schäumende oder parfümierte Produkte sollte verzichtet werden, ebenso auf herkömmliche Seifen, da sie die natürliche Schutzschicht angreifen.
Nach dem Baden sollte man die Haut nicht trockenrubbeln, sondern vorsichtig trocken tupfen. Innerhalb weniger Minuten sollte die Pflegecreme aufgetragen werden, um die Feuchtigkeit in der Haut zu halten.
Wer diese Empfehlungen beachtet, kann sein Kind auch täglich baden. Denn gerade für Säuglinge und Kleinkinder ist das Baden ein wichtiger Moment im Eltern-Kind-Kontakt.
Hinweis: Regelmäßige Schwimmbadbesuche sind grundsätzlich möglich. Wichtig ist, anschließend das Chlorwasser gründlich mit lauwarmem Wasser abzuspülen und die Haut gut einzucremen.
Den Juckreiz kontrollieren
Juckreiz ist das Leitsymptom der Neurodermitis. Er entsteht durch Entzündungen und Nervenreizung in der Haut und zählt zu den belastendsten Beschwerden. Kratzen verschafft zwar kurzfristig Erleichterung, verschlimmert jedoch die Entzündung und kann Infektionen begünstigen. Zudem entsteht ein sogenannter Juck-Kratz-Kreislauf.
Hilfreich sind kühlende Maßnahmen wie feuchte Umschläge oder spezielle Gele. Baumwollhandschuhe in der Nacht können verhindern, dass sich Kinder im Schlaf aufkratzen. Die Fingernägel sollten stets kurz gehalten werden.
Empfehlenswert ist eine spezielle Neurodermitis-Wäsche aus besonders glatten, atmungsaktiven Materialien wie Seide, Modal oder Lyocell. Für Säuglinge und Kleinkinder gibt es auch Modelle mit Anti-Kratzärmeln aus Seide und Baumwolle.
Im Internet werden gegen starkes Kratzen häufig Immobilisationsschienen empfohlen. Das sind Schienen, die am Arm befestigt werden und dadurch dessen Bewegung einschränken – also auch das Kratzen. Kinderärzt*innen raten davon dringend ab, denn solche Schienen behindern die Bewegung und damit die motorische Entwicklung des Kindes.
Bei sehr starkem Juckreiz verordnet die Ärzt*in Medikamente, um diesen zu lindern. Dazu gehören u. a. Antihistaminika und kortisonhaltige Cremes.
Tipp: Ablenkung hilft oft besser als ein Kratzverbot. Spielen, Vorlesen oder ruhige Aktivitäten können die Kinder vom Juckreiz ablenken.
Auslöser im Blick behalten
Bei Neurodermitis spielt auch das Umfeld eine große Rolle. Die Haut reagiert empfindlich auf äußere Reize wie Hitze, Schweiß, Allergene oder Schadstoffe.
- Umweltfaktoren. Extreme Kälte oder starke Wärme empfinden viele Neurodermitiskranke als unangenehm und juckreizfördernd. Gleiches gilt für trockene Heizungsluft. Günstig sind milde Außentemperaturen und eine Luftfeuchtigkeit von 40 bis 60 %. Um dies in Räumen zu erreichen, sollte häufig gelüftet werden. Schadstoffe, Allergene oder Tierhaare können die Beschwerden verstärken. In Innenräumen hilft regelmäßiges Saubermachen. Dabei sollte man fürs Staubwischen am besten feuchte Tücher verwenden und den Staubsaugerfilter regelmäßig wechseln.
- Allergietest. Ein Allergietest ist nur nötig, wenn Verdacht auf eine Allergie besteht. Dann wird dem Ergebnis entsprechend gehandelt, z. B. der Auslöser gemieden oder eine Hyposensibilisierung eingeleitet. Bei Hausstaubmilbenallergie sind auch spezielle Encasings (Umhüllungen) für die Bettwäsche nützlich.
- Kleidung. Für Kleidung eignet sich weiche, atmungsaktive Baumwolle oder Seide am besten. Kratzende Materialien wie Wolle, raue Stoffe oder synthetische Fasern sollten vermieden werden. Die Kleidung sollte generell locker und luftig sitzen. Weil Überhitzung den Juckreiz verstärkt, trägt man besser mehrere dünne Schichten als eine dicke und zieht die oberste bei Wärme aus. Neue Sachen wäscht man am besten vor dem ersten Tragen, um chemische Rückstände zu entfernen. Damit auch durch das Waschen keine reizenden Rückstände im Gewebe bleiben, wählt man ein mildes, duftstofffreies Waschmittel.
- Ernährung. Häufig wird bei der Neurodermitis auch die Ernährung für einen Schub verantwortlich gemacht. Doch deren Rolle ist individuell unterschiedlich. Nur bei einem Teil der Kinder lösen bestimmte Lebensmittel Beschwerden aus. Häufige Verdächtige sind Kuhmilch, Eier, Nüsse oder Weizen. Ernährungstagebücher können helfen, individuelle Auslöser zu erkennen. Wichtig ist dabei, mögliche Zusammenhänge sorgfältig zu beobachten und nicht auf Verdacht ganze Lebensmittelgruppen zu streichen. Stattdessen ist es sinnvoll, die mögliche Allergie oder Nahrungsmittelunverträglich bei der Ärzt*in gezielt abklären zu lassen.
Hinweis: Neben falscher Kleidung, trockener Luft und Lebensmitteln können auch Infekte, Stress oder Schlafmangel Neurodermitis-Schübe begünstigen.
Mit Cremes und Medikamenten die Haut beruhigen
Trotz guter Pflege kann es zu akuten Schüben mit Ekzemen kommen. In diesen Phasen ist eine intensivere Behandlung notwendig. Die Behandlung der Neurodermitis erfolgt heute nach einem klaren Stufenplan und richtet sich nach dem Ausmaß der Erkrankung. Anhand des SCORAD-Scores teilt man die Neurodermitis in drei Schweregrade ein:
Bei der leichten Neurodermitis (SCORAD < 25) sind weniger als ein Fünftel der Hautoberfläche des Kindes betroffen, der Juckreiz ist mild und der Nachtschlaf ungestört. Die Haut ist trocken mit leichten Rötungen. Schuppungen oder Nässen kommen so gut wie nicht vor. Bei dieser leichten Ausprägung reicht es meist, die Kinder konsequent mit rückfettender Basiscreme einzucremen. Außerdem müssen die genannten Auslöser vermieden werden.
Die mittelgradige Neurodermitis (SCORAD 25-50) betrifft 20 bis 50 % des Körpers. Der Juckreiz ist stark und erschwert sowohl den Alltag als auch den Schlaf. Es finden sich gerötete Ekzeme mit Schuppen, vereinzelt nasse Stellen und Krusten. Zusätzlich zur Basistherapie werden auf den betroffenen Bereichen antientzündliche Cremes eingesetzt, z. B. Kortison oder Calcineurin-Inhibitoren. Letztere sind insbesondere für empfindliche Hautareale wie das Gesicht, die Bereiche zwischen den Fingern und der Haut von Po und Genital geeignet.
Die schwere Neurodermitis (SCORAD > 50) befällt mindestens 50% der Haut mit ausgedehnten Ekzemen. Der Juckreiz ist extrem stark, die Kinder kratzen sich bis hin zu Blutungen. Der Schlaf ist stark gestört, der Alltag deutlich beeinträchtigt. Sind bei diesen schweren Formen Basistherapie und antientzündliche Cremes nicht ausreichend wirksam, verordnet die Ärzt*in zusätzlich eine Systemtherapie. Dabei handelt es sich um Medikamente, die entweder unter die Haut (subkutan) gespritzt oder als Tabletten eingenommen werden (Ciclosporin, Biologika, Dupilumab, JAK-Inhibitoren). Diese Wirkstoffe greifen gezielt in das fehlgesteuerte Immunsystem ein und können die Krankheitskontrolle deutlich verbessern.
Hinweis: Eine frühzeitige und konsequente Behandlung kann den Krankheitsverlauf langfristig positiv beeinflussen. Deshalb ist es wichtig, die Medikamente genau nach ärztlicher Anweisung zu verwenden und nicht eigenständig abzusetzen, sobald eine leichte Besserung eintritt.
Keine Angst vor Kortison!
Kortisoncremes sind auch bei Kindern ein bewährtes und sicheres Mittel zur Behandlung einer Neurodermitis. Sie werden vor allem in akuten Entzündungsschüben angewendet, also bei Rötung, Nässen und starkem Juckreiz. In diesen Phasen wird das Präparat ein- bis zweimal täglich dünn auf die betroffenen Hautstellen aufgetragen. Eine praktische Orientierung bietet die sogenannte „Fingertip-Unit“: Die Menge, die aus der Tube von der Fingerspitze bis zum ersten Fingergelenk reicht, genügt etwa für eine Fläche von zwei Handflächen des Kindes.
Die Auswahl der Wirkstärke richtet sich nach Alter, Körperregion und Schweregrad:
- Im Gesicht, an Hals und in Hautfalten werden schwache Präparate verwendet.
- An Armen, Beinen oder am Rumpf können – je nach Befund – mittelstarke Präparate nötig sein.
- Stärkere Kortisonpräparate kommen nur kurzfristig und unter ärztlicher Kontrolle zum Einsatz.
Die Behandlungsdauer ist in der Regel kurz: oft wenige Tage bis maximal zwei Wochen pro Schub. Sobald sich die Haut deutlich gebessert hat, wird die Anwendung reduziert oder beendet. Nebenwirkungen wie Hautverdünnung treten bei korrekter Nutzung nach ärztlicher Anleitung in der Regel nicht auf – moderne Kortisonpräparate gelten auch bei Kindern als sicher.
Wichtig ist die Kombination mit einer konsequenten Basispflege. Rückfettende, feuchtigkeitsspendende Cremes oder Salben werden auch während der Kortisontherapie täglich angewendet, um die Hautbarriere zu stabilisieren.
Eine systemische Kortisontherapie – also die Einnahme von Tabletten – kommt bei Kindern mit Neurodermitis aufgrund der Nebenwirkungen nur äußerst selten in Frage. Inzwischen gibt es zudem zahlreiche andere Wirkstoffe, die sich für Kinder und Säuglinge eignen. Dazu gehören z. B. das Biologikum Dupilumab oder der JAK-Inhibitor Baricitinib.
Hinweis: Die Angst vor Kortison ist weit verbreitet, aber bei korrekter Anwendung unbegründet. Unbehandelte Entzündungen und permanenter Juckreiz schaden der Haut und der Psyche des Kindes weitaus mehr als eine kurzfristige lokale Kortisonbehandlung.
Psychische Belastung ernst nehmen
Neurodermitis betrifft nicht nur die Haut. Studien zeigen, dass betroffene Kinder und Jugendliche ein erhöhtes Risiko für psychische Belastungen haben. Vor allem Depressionen und Angsterkrankungen sind bei ihnen häufiger als bei gesunden Gleichaltrigen.
Juckreiz, sichtbare Hautveränderungen und Schlafprobleme wirken sich auf das Wohlbefinden aus. Deshalb ist es wichtig, auch die emotionale Seite zu berücksichtigen. Eltern können unterstützen, indem sie
- die Erkrankung altersgerecht erklären
- das Kind aktiv in die Pflege einbeziehen
- für Verständnis im Umfeld sorgen.
Hinweis: Bei chronischen Erkrankungen unterstützen Selbsthilfegruppe nicht nur mit Informationen. Vor allem der Austausch mit anderen Betroffenen wirkt häufig entlastend. Solche Gruppen gibt es für Kinder und ihre Eltern, zu finden sind sie z. B. über den Bundesverband Neurodermitis e.V..
Quellen: S3-Leitlinie Atopische Dermatitis, Weins B, Schnopp C, Management der atopischen Dermatitis im Kindesalte, Pädiatrie 2025; 2

