Gesundheit heute

Bandverletzung am Handgelenk

Bandverletzungen am Handgelenk: Zerrung, Teilriss oder Riss eines der Bänder, die die Handwurzelknochen untereinander oder mit den Unterarmknochen verbinden. Ursache ist eine ungewöhnlich starke Krafteinwirkung auf das Handgelenk, z. B. bei Stürzen im Rahmen eines Sportunfalls. Bandverletzungen am Handgelenk machen sich meist durch Schmerzen, Schwellung und Bewegungseinschränkungen bemerkbar. Zerrungen und Teilrisse heilen durch mehrwöchige Ruhigstellung in Schiene oder Gips in der Regel gut aus. Komplette Bänderrisse oder Bandausrisse erfordern dagegen oft eine operative Versorgung.

Symptome und Leitbeschwerden

  • Schmerzen im Handgelenk in Ruhe, verstärkt bei Bewegung
  • Bei Riss des SL-Bandes (Band zwischen Kahnbein und Mondbein) manchmal nur Schmerzen bei bestimmten Bewegungen, z. B. beim Aufstützen auf die Hand
  • Schwellung des Handgelenks
  • Eingeschränkte Beweglichkeit der Hand
  • Bluterguss.

Wann in die Arztpraxis

Am gleichen Tag, bei

  • starken Beschwerden nach einer Verletzung der Hand.

In den nächsten Tagen, wenn

  • Schmerzen und Schwellung nach einer vermeintlichen Verstauchung nicht besser werden.

Die Erkrankung

Das Handgelenk besteht aus einem proximalen (körpernahen) und einem distalen (körperfernen) Gelenk, die gemeinsam eine funktionelle Einheit bilden. Beide Gelenke werden durch zahlreiche Bänder stabilisiert und in ihrer Bewegung geführt. Diese sind im Handgelenk in vier Richtungen möglich: Beugung und Streckung (Hand nach oben und nach unten) sowie das Abspreizen der Hand nach rechts und links. Mit diesem Bewegungsumfang handelt es sich beim Handgelenk um ein sogenanntes "Eigelenk".

Das proximale Handgelenk besteht aus den Enden von Elle und Speiche und den 3 Handwurzelknochen (Kahnbein, Mondbein und Dreiecksbein). Seine schlaffe Gelenkkapsel wird von mehreren Bändern verstärkt. Für Stabilität sorgen an den beiden Außenseiten zwei kräftige Seitenbänder. An der Ober- und Unterseite der Hand verläuft zudem jeweils ein Band zwischen Speiche und Handwurzelknochen und zwischen Elle und Handwurzelknochen.

Das distale Handgelenk befindet sich zwischen den beiden Reihen der Handwurzelknochen und wird ebenfalls von einer schlaffen Gelenkkapsel umgeben. Durch den S-förmigen Gelenkspalt und die kurzen, straffen Bänder zwischen den benachbarten Handwurzelknochen ist die Beweglichkeit des distalen Handgelenks relativ eingeschränkt.

Krankheitsentstehung und Verlauf

Kommt es durch eine Krafteinwirkung zu einer über das natürliche Maß hinausgehenden Bewegung des Handgelenks, werden dessen Bänder überdehnt (Zerrung oder Distorsion), angerissen oder sogar komplett gerissen. In der Folge wird das Handgelenk instabil. Unbehandelt entwickeln sich Fehlstellungen der Knochen, wodurch die Gelenke falsch belastet werden. Dadurch drohen Knorpelschäden und schließlich die Arthrose.

SL-Bänderriss (Riss des Skapholunären Bandes)

Beim Sturz auf das innere Handgelenk ist die Krafteinwirkung auf die beiden Handwurzelknochen Kahnbein und Mondbein besonders groß. Deshalb kommt es hier nicht nur oft zu Knochenbrüchen (Kahnbeinbruch), auch das die beiden Knochen verbindende Skapholunäre Band (SL-Band) ist gefährdet. Dieses Band ist besonders kräftig und sorgt für die Stabilität von Kahnbein (Os scaphoideum) und Mondbein (Os lunatum). Das ist wichtig, weil diese beiden Handwurzelknochen im proximalen Handgelenk die Gegenspieler für die Speiche sind. Reißt das stabilisierende SL-Band, weichen die beiden Handwurzelknochen auseinander und das Handgelenk wird instabil. Dadurch entwickeln sich zunehmend Schmerzen bei Bewegungen (vor allem beim Aufstützen) und die Kraft im Handgelenk nimmt ab. Häufig wird die SL-Verletzung zunächst nur als Verstauchung fehlgedeutet. Betroffene gehen erst Wochen nach dem Unfall zur Ärzt*in, weil sich die Beschwerden langsam verschlimmern. Liegen mehr als 2 Monate zwischen Bandverletzung und Diagnose, ist eine einfache operative Versorgung wie das Zusammennähen der Bandenden meist nicht mehr möglich.

Ursachen und Risikofaktoren

Typische Ursachen sind Stürze auf die Hand, z. B. beim Skilaufen oder Snowboardfahren. Auch gewaltsame Verdrehungen der Hand können zu Bänderdehnung und Bänderriss führen. Sind die Bänder durch rheumatische Erkrankungen oder altersbedingten Verschleiß angegriffen, reichen oft schon geringere Krafteinwirkungen, um sie zu verletzen.

Komplikationen

Da die Bänder die Gelenkkapseln des Handgelenks verstärken, kann es je nach Ausmaß der Verletzung zusätzlich zu einem Kapselriss kommen.

Diagnosesicherung

Unfallgeschehen, Schmerzen, Schwellung und Bewegungseinschränkung geben zwar einen deutlichen Hinweis auf den Ort der Verletzung. Zwischen einem Bruch und einer Bandverletzung lässt sich mithilfe der körperlichen Untersuchung kaum unterscheiden. Zum Ausschluss eines Knochenbruchs oder eines knöchernen Bandausrisses sind deshalb Röntgenaufnahmen unerlässlich. Diese werden meist in Normal- und in Funktionsstellung vorgenommen. Im Zweifel wird die Hand in Bewegung auch live durchleuchtet, manchmal ist sogar eine MRT-Aufnahme erforderlich.

Differenzialdiagnose. Wichtigste Differenzialdiagnose ist der Knochenbruch, z. B. der Kahnbeinbruch.

Behandlung

Zunächst lassen sich Schmerzen und Schwellung akut mithilfe der Sofortmaßnahmen nach der PECH-Regel lindern.

  • Pause: Hand sofort ruhigstellen und schonen.
  • Kühlen (Eis): Gelenk 15 bis 20 Minuten lang kühlen. Dabei dürfen Eiswürfel und Coolpacks nicht direkt, sondern nur in ein Tuch gewickelt auf die Haut kommen, da sie sonst Kälteschäden hervorrufen.
  • Kompression (compression): Ein Kompressionsverband lindert das Anschwellen. Achtung, nicht zu stramm anlegen, damit Blutzu- und abfuhr gewährleistet bleiben!
  • Hochlagern. Das Hochlagern von Hand und Arm verhindert eine zu starke Durchblutung des Fingers und wirkt ebenfalls dem Anschwellen entgegen.

Bei starken Schmerzen helfen entzündungshemmende Schmerzmittel wie Ibuprofen (z. B. Dolgit® oder Ibuprofen AbZ). Achtung: Aspirin (Acetylsalicylsäure) darf zur Schmerzbehandlung nicht verwendet werden, weil es blutverdünnend wirkt und es dadurch zu einer vermehrten Einblutung in das betroffene Gewebe kommen kann.

Hinweis: Bei Verletzungen der Hand sind Ringe, Armbänder und Uhren abzulegen, da das Anschwellen von Hand und Fingern droht.

Konservativ

Einfache Zerrungen und leichte Teilrisse von Bändern können konservativ behandelt werden. Wichtigste Therapiemaßnahme sind Ruhigstellen und Schonen. Dazu kommen Kunststoffschienen, Gipsverbände oder – im Falle einer Zerrung – auch Tapeverbände zum Einsatz. Wie lange die Hand ruhiggestellt wird, hängt vom Ausmaß der Verletzung ab: Bei Zerrungen reichen oft schon wenige Tage. Teilrisse von Bändern heilen dagegen in etwa 6 Wochen aus.

Operativ

Frische Verletzungen. Akute Bänderrisse oder Bänderrisse, die bis zu 6 bis 8 Wochen zurück liegen, werden operiert. Dazu näht man in einer offenen Operation die Bandenden wieder aneinander. Knöcherne Abrisse fixiert die Handchirurg*in mit Schrauben, für Bandausrisse aus dem Knochen gibt es spezielle Knochenanker zur Befestigung. Um die Ausheilung zu verbessern, werden einzelne Handwurzelgelenke zusätzlich mit Drähten stabilisiert, die dann nach etwa 8 Wochen wieder entfernt werden. Nach der Operation muss die Hand für einige Wochen ruhiggestellt werden, damit sie ausheilt.

Alte Verletzungen. Hier richtet sich die Therapie nach den Folgeschäden. Oft sind die gerissenen Bandenden geschrumpft oder vernarbt und die Handwurzelknochen durch Fehlstellungen arthrotisch geschädigt. Je nach Befund lassen sich die Bänder durch anderes Gewebe (z. B. Unterarmsehnen) ersetzen. Gelingt das nicht, ist eine Teilversteifung des Gelenks möglich, um zumindest eine schmerzfreie Teilbeweglichkeit im Handgelenk zu erhalten.

Prognose

Bei frühzeitiger Behandlung von Bandverletzungen am Handgelenk ist die Prognose gut. Einfache Zerrungen und Teilrisse heilen nach wenigen Wochen, operativ behandelte Bänderrisse nach etwa 2 Monaten aus.

Ihre Apotheke empfiehlt

Was Sie selbst tun können

Nicht ignorieren. Wenn Sie sich Ihr Handgelenk verstaucht haben und Schmerz und Schwellung werden innerhalb weniger Tage nicht besser werden, suchen Sie zur Sicherheit eine Arztpraxis auf. Vor allem Verletzungen des SL-Bandes sind anfangs oft diskret und leicht zu übersehen. Wird die Behandlung zu lange aufgeschoben, drohen dauerhafte Folgeschäden.

Einfetten der Operationsnarbe. Harte, feste Operationsnarben können auch am Handgelenk sehr stören. Cremen Sie die Narbenhaut nach Abnahme von Gips oder Schiene mehrmals täglich mit einer fetthaltigen Creme ein, um sie geschmeidig zu halten.

Handgymnastik im Wasserbad. Nach der Ruhigstellung lässt sich die Hand besonders gut im warmen Wasserbad mobilisieren. Empfohlen werden 5-mal täglich etwa fünfminütige Bäder in angenehm handwarmem Wasser. Welche Bewegungen in welchem Ausmaß erlaubt sind, ist mit der behandelnden Ärzt*in abzuklären.

Prävention

Handgelenksbandagen. Vor allem bei Sportarten, bei denen Stürze auf die Hand häufig sind, lässt sich das Verletzungsrisiko durch das Tragen von Handgelenksbandagen oder -schonern verringern.

Technik erlernen. Verletzungen der Hand drohen bei vielen Tätigkeiten. Vor allem beim Sport lassen sich Unfälle vermeiden, wenn man die Technik gut beherrscht. Bei Sportarten mit hohem Sturzrisiko ist ein Falltraining sinnvoll.

Von: Dr. med. Sonja Kempinski
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So hält man Osteoporose fern

Auch Tofu und Brokkoli gehören zu den Lebensmitteln, die wichtige Nährstoffen für den Knochen bereithalten.

So hält man Osteoporose fern

Knochenfreundlich ernähren

Osteoporose gehört zu den Volkskrankheiten. Doch wer sich gesund ernährt und eventuelle Mängel ausgleicht, kann die Knochen schützen. Dabei müssen nicht nur die nötigen Nährstoffe und Mineralien zugeführt werden. Vor allem in puncto Kalzium gilt es, auch die in vielen Produkten enthaltenen Kalziumräuber zu beachten.

Knochen lebenslang im Umbau

Knochen ist kein totes Gewebe: Im Gegenteil, er wird das ganze Leben lang umgebaut. Dieser Prozess dient dazu, kleine Schäden im Knochen zu reparieren oder den Knochen auf verstärkte Belastungen anzupassen. Insgesamt überwiegt bis zum 30. Lebensjahr der Aufbau. Danach befindet sich der Knochen etwa zehn Jahre lang im Gleichgewicht, und ab Mitte 40 nimmt der Knochenabbau allmählich zu. Für seine Stoffwechsel benötigt der Knochen einiges an Mineralien, Vitaminen und Nährstoffen. Werden diese nicht ausreichend zugeführt, leidet die Knochenqualität und es droht Knochenschwund (Osteoporose). Eine knochenfreundliche Ernährung kann vor dieser folgenschweren Erkrankung schützen. Und wer gleichzeitig etwas für seinen Knorpel und gegen Entzündungen tut, beugt auch gegen Arthrose vor.

Hinweis: Knochengewebe ist sehr fleißig: Innerhalb von etwa 8–10 Jahren hat sich das gesamte Skelett einmal „komplett“ ausgetauscht, weil alter Knochen abgebaut und durch neuen ersetzt wird.

Kalziumhaushalt bildet die Basis

Der wichtigste Grundstoff für den Knochen ist Kalzium. Es wirkt wie Zement im Mauerwerk und sorgt dadurch dafür, dass der Knochen fest, stabil und belastbar ist. 99% des Kalziums stecken in den Knochen und den Zähnen, wobei der Knochen auch als Kalziumvorrat dient. Denn das wertvolle Mineral wird auch außerhalb des Knochens gebraucht, z. B. bei der Muskelkontraktion, bei der Weiterleitung von Nervenreizen und bei der Blutgerinnung. Ist der Kalziumgehalt im Blut zu niedrig, kann es der Körper aus dem Knochen freisetzen – wobei die Kalziumvorräte aber unverzüglich wieder aufgefüllt werden müssen, damit der Knochen nicht leidet.

Kalzium wird im Darm aus der Nahrung aufgenommen, Allerdings schwankt die Aufnahme mit 20 bis 60% der zugeführten Kalziummenge stark. Um ausreichend viel Kalzium aufzunehmen, empfehlen Expert*innen die tägliche Zufuhr von mindestens 1000 mg. Damit sieht es allerdings mau aus in Deutschland: nur etwa die Hälfte der Erwachsenen erreicht diese Menge. Gedeckt wird der Bedarf von 1000 mg zum Beispiel durch

  • 125 mg Edamer 
  • 2,9 l Gerolsteiner Mineralwasser,
  • 0,8 l Milch, 
  • 830 g Joghurt oder
  • 540 g Tofu.

Obst und Gemüse enthalten ebenfalls Kalzium. Um auf 1000 mg täglich zu kommen, müssen allerdings auch hier sehr große Mengen von 470 g Grünkohl, 2,6 kg Kiwi oder 15 kg Bananen verzehrt werden. Auch Haferdrinks als Milchersatz sind oft mit Calcium angereichert und enthalten dann so viel Calcium wie Kuhmilch.

Hinweis: Die Aufnahme des Kalziums hängt nicht nur von der angebotenen Menge ab, sondern auch von Vitamin D. Bei starkem Vitamin-D-Mangel sinkt die Kalziumaufnahme im Darm unter 10%.

Kalziumräuber am Werk!

Eine knochenfreundliche Ernährung benötigt allerdings nicht nur ausreichend Kalzium. Es muss auch auf die Kalziumräuber in der Nahrung geachtet werden. Dies sind Lebensmittel, die bei übermäßigem Verzehr dazu führen können, dass dem Körper das angebotene Kalzium nicht ausreichend zur Verfügung steht. 

  • Phosphat. Die wichtigste Rolle spielt dabei Phosphat. Zwar fördert Phosphat gemeinsam mit Kalzium die Knochenstabilität. Wird es allerdings im Übermaß aufgenommen, behindert es die Kalziumresorption im Darm und fördert somit den Knochenabbau. Phosphat muss also keinesfalls gemieden, sondern nur ein Überschuss verhindert werden. Das gelingt, in dem man besonders phosphathaltige Lebensmittel wie Fleisch, Wurst und Cola sowie stark verarbeitete Produkte nur in Maßen konsumiert.
  • Oxalsäure und Phytinsäure. Auch Oxalsäure kann Kalzium im Darm abfangen und auf diese Weise die Aufnahme ins Blut verhindern. Empfohlen wird deshalb, oxalreiche Nahrungsmittel wie Spinat, Rhabarber, Kakao, Schokolade und Mangold nicht in übergroßen Mengen zu verzehren. Gleiches gilt für die Phytinsäure, die ebenfalls das Kalzium im Darm bindet. Besonders reich an Phytin sind Sojabohnen, Erdnüsse sowie Müsli aus frischem Getreide sowie Vollkornbreie. 
  • Alkohol, Kaffee und schwarzer Tee. Koffein im Übermaß kann dem Knochen auf zwei Arten schaden: Es hemmt die Kalziumaufnahme aus dem Darm und fördert die Kalziumausscheidung über die Niere. Alkohol hemmt die Kalziumaufnahme und schadet der Leber, wodurch der dort stattfindende Vitamin-Stoffwechsel gestört wird.

Hinweis: Kochsalz fördert die Osteoporose, indem es die Kalziumausscheidung über die Niere ankurbelt. Es ist ratsam, sparsam zu salzen und statt auf Kochsalz auf Gewürze zu setzen. Das tut nicht nur dem Knochen gut, sondern auch dem Blutdruck.

Unabdingbar: Vitamin D

Ohne die ausreichende Zufuhr von Vitamin D kann der Knochen das mit der Nahrung aufgenommene Kalzium nicht richtig nutzen. Denn Vitamin D verbessert nicht nur die Aufnahme des Mineralstoffs über die Darmschleimhaut. Es fördert auch seinen Einbau in den Knochen und hemmt den Knochenabbau. 10 bis 20% des Vitamins wird über die Nahrung aufgenommen, 80 bis 90% unter Sonneneinstrahlung in der Haut gebildet. Von April bis September reicht für die Vitamin-D-Versorgung ein täglicher Aufenthalt von 30 Minuten im Freien, wobei Arme und Gesicht unbedeckt sein müssen.

Der Tagesbedarf an Vitamin D beträgt etwa 800 Internationale Einheiten (IE). Etwa 80% der Männer und 91% der Frauen erreichen diese Werte nicht. Auf einen Mangel weisen diffuse Knochen- und Muskelschmerzen hin. Bei Verdacht sollte die Ärzt*in die Blutspiegel messen und der Mangel ausgeglichen werden. Dafür sind häufig Vitamin-D-Tabletten nötig. Denn die Auswahl an Vitamin-D-reichen Lebensmitteln ist gering und nicht nach jedermanns Geschmack. Dazu zählen Lebertran, Seefisch (Hering, Makrele,Lachs), Leber und Eigelb. Bei Vitamin-D-Mangel werden zum Ausgleich meist Tagesdosen von 1000 IE Vitamin D empfohlen. Diese Menge steckt z. B. in 

  • 80 g Hering, 160 g Lachs oder 190 g Aal sowie in 
  • 670 g Kalbfleisch oder 
  • 830 g Steinpilzen.

Hinweis: Vitamin D darf nicht überdosiert werden. Wer mehr als 4000 IE pro Tag aufnimmt, drohen Nierensteine und Herzrhythmusstörungen. Im Zweifel sollte man seine Ärzt*in dazu befragen und evtl. die Blutspiegel des Vitamins messen lassen.

Ohne Eiweiß geht es nicht

Ein weiterer wichtiger Baustein in der knochenfreundlichen Ernährung ist Eiweiß. Eiweiß bildet das Kollagengerüst im Knochen, in das Kalzium und die anderen Mineralien eingelagert werden. Mangelt es an Eiweiß, wird der Knochenaufbau behindert und das Risiko für Osteoporose und Knochenbrüche steigt.

Pflanzliches Eiweiß scheint dabei etwas vorteilhafter zu sein als tierisches Eiweiß. Expert*innen empfehlen eine Kombination pflanzlicher und tierischer Eiweiße, bei Letzteren sind Milch, Eier und mageres Fleisch zu bevorzugen. Der Tagesbedarf für Männer und Frauen bis 65 Jahre beträgt 0,8g/kg Körpergewicht, der für Menschen über 65 Jahre 1,0 g/kgKG. Ein 70-jährigr Mensch mit einem Gewicht von 70 kg braucht also 70 g Eiweiß/Tag. Diese stecken zum Beispiel in 

  • 240 g Emmentaler oder 270 g Gouda, 
  • 270 g Erdnüssen 
  • 310 g Rindfleisch, 310 g Huhn oder 310 g Schweinefleisch 
  • 390 g Fisch
  • 540 g Tofu oder
  • 580 g Linsen.

Um den Eiweißbedarf von 70 g mit Getreide oder Kartoffeln zu decken, müsste man täglich 900 g Weizenbrot oder 3,5 kg Kartoffeln verzehren.

Hinweis: Wer eine eingeschränkte Nierenfunktion hat, muss etwas vorsichtig mit Eiweiß sein. Eine überhöhte Zufuhr belastet die Nieren, weil dadurch mehr Harnstoff und Säure entsteht. Menschen mit Nierenproblemen sollten bezüglich der Eiweißzufuhr immer Rücksprache mit ihrer Ärzt*in halten.

Vitamine, Magnesium und Spurenelemente

Für den gesunden Knochen sind viele weitere Nährstoffe erforderlich.

  • Magnesium. Davon sollen etwa 300 bis 350 mg aufgenommen werden. Es steckt insbesondere in Mineralwässern, aber auch in Vollkornprodukten und Naturreis. Etwa ein Viertel der Erwachsenen in Deutschland erreicht die empfohlene tägliche Zufuhr nicht. Reicht eine Nahrungsumstellung nicht aus, können Supplemente zugeführt werden. 250 mg Magnesium stecken z. B. in 3,2 l Gerolsteiner Mineralwasser, 220 g Erdnüssen, 270 g Haferflocken und 320 g Naturreis.
  • Vitamin K. Vitamin K fördert den Einbau von Kalzium in den Knochen, es gibt auch Hinweise, dass es die Kalziumausscheidung über die Niere hemmt. In Deutschland wird für Männer und Frauen über 51 Jahren eine tägliche Zufuhr von 65 Mikrogramm bzw. 80 Mikrogramm empfohlen. Vitamin K ist hitzestabil, wodurch beim Kochen kaum Verluste auftreten. 80 Mikrogramm Vitamin K sind enthalten in 12 g Grünkohl, 25 g Spinat, 200 g Spargel oder 320 g Rotkraut.
  • Vitamin C. Vitamin C stimuliert die knochenbildenden Zellen, das für das Knochengerüst nötige Kollagen zu bilden. Etwa ein Drittel der Erwachsenen unterschreitet die erforderliche tägliche Zufuhr (95 mg für Frauen, 110 mg für Männer). Rauchen gilt als Vitamin-C-Killer, weshalb Rauchende einen höheren Bedarf haben (135 bzw. 155 mg). 110 mg Vitamin C finden sich in 70 g Petersilie, 100 g Paprika, 220 g Spinat, 250 g Kiwi oder 9 g Hagebutte. Wer den Bedarf mit Äpfeln oder Birnen decken möchte, muss davon täglich 920 g bzw. 2,4 kg zu sich nehmen.
  • Zink. Zink fördert die Bildung des Knochengerüsts und trägt damit zum Knochenaufbau bei. Bei Mangelernährung und veganer Ernährung kann es zu Zinkmangel kommen. Etwa 30% der Männer und 20% der Frauen erreichen die erforderliche Tageszufuhr von 11-16 mg (Männer) und 7-10 mg (Frauen) nicht. Ein hoher Konsum von Vollkornprodukten oder unfermentierten Hülsenfrüchten kann zudem die Zinkaufnahme stören. 10 mg Zink sind enthalten in 45 g Austern, 200 g Rinderleber, 200 g Edamer, 280 g Rindfleisch und 300 g Erdnüssen.

Hinweis: Vitamin K hebt die gerinnungshemmende Wirkung von Marcumar auf. Bei Einnahme dieses Blutverdünners sollte man mit Vitamin-K-reichen Produkten vorsichtig sein und im Zweifel die Ärzt*in dazu befragen.

Was gibt es gegen Arthrose?

Mit einer guten Ernährung lässt sich einiges für den Knochen tun. Davon profitieren auch die Gelenke. Speziell für die Gesundheit der Gelenke gibt es weniger Möglichkeiten. Die meisten Empfehlungen sind nicht ausreichend durch Studien belegt oder haben nur einen geringen Effekt.

  • Omega-3-Fettsäuren. Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) wirken entzündungshemmend. Besonders reichlich sind sie in Lachs und Hering enthalten. Als wichtigste pflanzliche Quellen gelten Raps-, Walnuss- und Leinöl. Distel- und Sonnenblumenöl sind ungünstig, weil sie mehr entzündungsfördernde Omega-6-Fettsäuren enthalten.
  • Selen. Ein zu niedriger Selen-Spiegel kann möglicherweise eine Arthrose begünstigen. Die Ergebnisse aus Studien sind hier aber teils sehr widersprüchlich. Deutsche Böden sind eher selenarm, weshalb die empfohlenen Tagesdosen häufig nicht erreicht werden. Diese beträgt für Männer 70 Mikrogramm/Tag, für Frauen 60 Mikrogramm.
  • Chondroitin und Glukosamin. Diese Knorpelbaustoffe sollen den Knorpelstoffwechsel fördern und den Bedarf für Schmerzmittel bei Arthrose reduzieren. Die Datenlage dazu ist allerdings nicht klar und mögliche Effekte auf Schmerzen und Funktionalität sehr gering. Chondroitin wird aus Knorpelgewebe von Schweinen, Rindern, Walen und Haifischen gewonnen, die empfohlene Tagesdosis sind 800 bis 1200 mg. Glukosamin stammt aus Krabben und Garnelen, die übliche tägliche Dosierung beträgt 800 bis 1500 mg pro Tag.

Antientzündlich hilft rheumatischen Gelenken

Für Menschen mit rheumatischen Gelenkbeschwerden ist eine antientzündliche Kost günstig. Dabei ist vor allem die Zufuhr von Arachidonsäure einzuschränken. Sie wird im Körper zu entzündungsfördernden Eicosanoiden umgewandelt, die Schübe auslösen können. Arachidonsäure ist vor allem in tierischen Produkten wie rotem Fleisch, Wurst und fettreichen Milchprodukten vorhanden, diese sollten deshalb in Maßen verzehrt werden. Günstig sind dagegen Lebensmittel mit reichlich Omega-3-Fettsäuren, denn die Fettsäuren vermindern den Abbau der Arachidonsäure zu den entzündungsfördernden Eicosanoiden.

Auch Antioxidanzien wie Vitamin C und E sowie Polyphenole und Carotinoide helfen gegen Entzündungen. Sie fangen freie Radikale ab und reduzieren damit den entzündlichen Kreislauf. Gute Quellen für Antioxidanzien sind Paprika, Johannisbeeren, Brokkoli, Nüsse, Oliven- und Rapsöl, Grünkohl, Knoblauch und Karotten. Die DGE empfiehlt eine Aufnahme von 95 bis 110 mg Vitamin C und 12 bis 15 mg Vitamin E. 3 bis 4 Esslöffel Beeren und eine Handvoll Nüsse decken diesen Bedarf in etwa ab.

Hinweis: Häufig wird eine Übersäuerung des Körpers als schädigend für Knochen und Gelenke genannt. Für diese Theorie gibt es allerdings keinen wissenschaftlichen Nachweis, entsprechende basische Produkte oder Diäten werden deshalb nicht empfohlen.

Von: Dr. med. Sonja Kempinski; Bild: mauritius images / Westend61 / Larissa Veronesi