Gesundheit heute
Strecksehnenverletzung am Finger
Strecksehnenverletzung an den Fingern (Strecksehnen-Riss, Strecksehnen-Abriss): Riss oder Durchtrennung einer Fingerstrecksehne. Am häufigsten reißt die Sehne durch plötzliche Überdehnung bei einem Anprall (z. B. an einem Ball beim Ballsport oder am Bettrahmen beim Bettenmachen), seltener wird sie im Rahmen von Schnitt- oder Sägeverletzungen durchtrennt. In der Folge ist das betroffene Fingerglied gebeugt oder hängt herab und lässt sich nicht mehr aktiv strecken. Strecksehnenabrisse (vor allem am Fingerendglied) heilen gut durch das Anlegen einer Schiene für 8 Wochen. Ein geringes Streckdefizit bleibt jedoch oft zurück. In manchen Fällen ist eine Operation empfehlenswert, z. B. bei Begleitverletzungen, Abrissen der Sehne am Fingergrundgelenk oder bei Menschen, die auf eine reibungslose Mechanik ihrer Finger zwingend angewiesen sind (Musiker, Leistungssportler, Handwerker).
Symptome und Leitbeschwerden
- Plötzlicher starker, stechender Schmerz, der oft relativ schnell wieder abklingt
- Abgeknickte Fingerspitze bei Riss der Strecksehne am Fingerendglied (sog. Hammer-Finger)
- Beugung im Fingermittelgelenk, Streckung im Fingerendgelenk bei Riss der Sehne am Fingermittelglied (sog. Knopflochdeformität)
- Hängender Finger, keine aktive Streckung des verletzten Fingers möglich bei Riss der Sehne im Fingergrundgelenk (passive Streckung z. B. mit der anderen Hand weitgehend möglich).
Wann in die Arztpraxis
Sofort, wenn
- eine klaffende (Schnitt-)Verletzung an Hand oder Fingern mit Bewegungseinschränkung vorliegt.
Am gleichen Tag, wenn
- oben genannte Bewegungseinschränkungen des Fingers auffallen.
Die Erkrankung
Die Strecksehnen der Finger verlaufen auf der Rückseite der Hand und Finger bis zum jeweiligen Fingerendglied. Sie können überall reißen, am häufigsten passiert dies jedoch an ihren Ansatzpunkten, d. h. an den Fingergelenken.
Typische Unfallursache – vor allem am Fingerendgelenk – ist der heftige Anprall eines Balls auf die Fingerspitzen beim Ballsport. Auch unkontrollierte Abfangbewegungen bei Stürzen können zu einem Abriss von Strecksehnen führen. Die Sehnen von Fingermittel- und Fingergrundgelenken sind wiederum durch Kampfsportarten (vor allem Boxen) von Überdehnung und Riss bedroht. Bei Sehnen, die durch Verschleiß vorgeschädigt sind, reichen für einen Riss manchmal schon heftige Fingerbewegungen, beispielsweise das Einstopfen des Betttuchs zwischen Matratze und Bettrahmen.
Weil die Strecksehnen relativ ungeschützt auf der Rückseite der Finger liegen, werden sie bei Schnitt- und Sägeverletzungen häufig mit durchtrennt.
Klinik
Ein herabhängender Finger und die unmögliche aktive Streckung sind typisch für eine Strecksehnenverletzung. Manchmal sind die Beschwerden jedoch nur gering ausgeprägt und werden erst sehr spät bemerkt. Besonders häufig geschieht dies bei Sehnenverletzungen über dem Fingermittelgelenk, die sich durch eine zunehmende Knopflochdeformität auszeichnen. Hier verharrt das Mittelgelenk bei gewollter Fingerstreckung in Beugung, während das Endgelenk gestreckt wird, was optisch an einen Knopf im Knopfloch erinnert Wird der Gang in die Arztpraxis lange hinausgezögert, ist eine konservative Behandlung meist nicht mehr möglich.
Komplikationen
Häufig kommt es bei Sehnenverletzungen zu einem Ausriss von kleinen Knochenstücken (knöcherner Sehnenausriss) und/oder einer begleitenden Kapselverletzung.
Diagnosesicherung
Die Schilderung des Unfallhergangs in Kombination mit den Beschwerden weist deutlich auf eine Strecksehnenverletzung hin. Bei der Funktionsprüfung des betroffenen Fingers muss darauf geachtet werden, dass immer nur ein Gelenk geprüft und der restliche Finger fixiert wird. Liegt eine offene Wunde vor, wird diese genauestens inspiziert. Eventuell sind dabei Schäden von Nerven und Gefäßen sichtbar.
Weitere Untersuchungen dienen vor allem dem Ausschluss von Begleitverletzungen. Zum Nachweis einer möglichen Gelenkinstabilität bei Kapsel- und Bänderrissen versucht die Ärzt*in, das betroffene Fingergelenk seitlich aufzuklappen und die benachbarten Knochen gegeneinander zu verschieben. Außerdem wird geprüft, ob eine Stauchung des betroffenen Fingers in seiner Längsachse die Schmerzen verstärkt, was eher für einen Knochenbruch als für eine ausschließliche Weichteilverletzung spricht. Ob Gefäße und Nerven intakt sind, zeigen Durchblutung und Sensibilität des Fingers. Röntgenaufnahmen des verletzten Fingergelenks ermöglichen es, einen Knochenbruch sicher auszuschließen und einen eventuellen knöchernen Kapsel- oder Bandausriss festzustellen.
Behandlung
Konservativ
Sehnenrisse am Fingerendglied heilen üblicherweise gut unter alleiniger konservativer Therapie. Dazu wird der Finger 6 bis 8 Wochen lang in einer Schiene ruhiggestellt. Zum Einsatz kommt dabei meist die Stack`sche Schiene, eine Art verlängerter Fingerhut mit kleinem Fenster im Fingernagelbereich. Alternative ist das Anpassen einer Kunststoffschiene aus verformbarem Material (auf Rezept). Auf jeden Fall sitzt die Schiene so, dass zwar das Fingerendglied ruhiggestellt ist, der Rest des Fingers jedoch bewegt werden kann und dadurch sein Einsteifen verhindert wird.
Nach Abnahme der Schiene darf die Patient*in mit vorsichtigen Bewegungsübungen beginnen. Zum Schutz der Sehne soll die Schiene noch zwei weitere Wochen nachts getragen werden. Bis zur vollständigen Ausheilung dauert es insgesamt etwa 12 Wochen.
Etwa 90 % der am Fingerendglied abgerissenen Strecksehnen wachsen durch die Schienentherapie wieder an. Aber nur den wenigsten Patient*innen gelingt es danach wieder, das Fingerendglied komplett zu strecken. Ein Streckdefizit von 10 bis 15° wird deshalb als gutes Ergebnis angesehen. Bleibt der Finger jedoch in einer Beugestellung von mehr als 30°, empfehlen Orthopäd*innen eine operative Korrektur.
Operativ
Strecksehnenrisse im Bereich von Fingermittel- oder grundgelenken werden meist operativ versorgt. Dazu näht man in einer offenen Operation die Sehnenenden wieder aneinander. Manchmal muss auch eine Nachbarsehne die Aufgabe der gerissenen Sehne übernehmen oder Sehnengewebe verpflanzt werden. Größere knöcherne Sehnenausrisse erfordern eine Wiederbefestigung mit Drahtnähten oder kleinen Schrauben. Nach der Operation wird der Finger in einer Schiene für etwa 6 Wochen ruhiggestellt, danach beginnt die vorsichtige Mobilisierung. Die vollständige Belastbarkeit ist nach etwa 12 Wochen erreicht.
Prognose
Durch Ruhigstellen und Schonen heilen 90 % der Strecksehnenabrisse am Fingerendglied, häufig bleibt jedoch eine Streckdefizit zurück. Die Prognose nach operativer Versorgung ist meist gut, sie hängt von Art und Ausmaß der Verletzung ab. Unbehandelte Sehnenverletzungen führen zu Fehlstellung der Knochen und Gelenke. Es drohen dauerhafte Bewegungseinschränkungen und langfristig die Entwicklung einer Arthrose.
Ihre Apotheke empfiehlt
Was Sie selbst tun können
Vorsicht bei der Schienen-Reinigung. Fingerschienen müssen permanent am Finger verbleiben, damit die Sehnenenden wieder zusammenwachsen. Einmal wöchentlich darf die Schiene zur Reinigung kurz abgenommen werden. Dabei muss allerdings aufgepasst werden, dass das verletzte Fingerendgelenk weiter gestreckt bleibt. Knickt es versehentlich ab, beginnt die Schienentherapie von vorne.
Fingergymnastik im Wasserbad. Nach der Schienen-Therapie lässt sich der Finger besonders gut im warmen Wasserbad mobilisieren. Empfohlen werden 5-mal täglich etwa fünfminütige Bäder in angenehm handwarmem Wasser. Welche Bewegungen in welchem Ausmaß erlaubt sind, ist mit der behandelnden Ärzt*in abzuklären.
Einfetten der Operationsnarbe. Harte, feste Operationsnarben können auch auf der Fingerrückseite sehr stören. Cremen Sie die Narbenhaut mehrmals täglich mit einer fetthaltigen Creme ein, um sie geschmeidig zu halten.
Nicht in den Schmerz hinein üben. Ob im Alltag oder bei der Krankengymnastik: Wenn beim Beüben der Finger Schmerzen oder Schwellungen auftauchen, ist die Übungsbehandlung zu intensiv und schadet der Ausheilung.
Prävention
Schnitthandschuhe tragen. Bei manchen Tätigkeiten im Garten oder beim Handwerken können Schnitthandschuhe mit Metallschutz gute Dienste leisten.
Finger tapen. Vor allem bei Volleyball, Basketball, Handball oder auch beim Rugby versuchen die Spieler, ihre Finger durch prophylaktisches Tapen zu stabilisieren und damit vor Verletzungen zu schützen.
Nackenschmerzen sind meist nicht gefährlich, können aber die Lebensqualität stark einschränken.
Was bei Nackenschmerzen hilft
Medikamente, Wärme oder Schonen?
Nackenschmerzen sind häufig. Zum Glück steckt in den meisten Fällen keine ernste Erkrankung dahinter. Behandlungsmöglichkeiten gibt es viele: von Schmerzmitteln über muskelentspannende Medikamente bis hin zum Tapen. Doch welche davon sind wirklich sinnvoll? Und wann sollten Nackenschmerzen besser gründlich abgeklärt werden?
Fast die Hälfte der Erwachsenen betroffen
Nackenschmerzen treten im Bereich der Halswirbelsäule zwischen Schädelbasis und den oberen Schulterblättern auf. Manchmal ziehen sie auch in die Schultern, den unteren Hinterkopf und den oberen Rücken. Der Schmerz ist dabei dumpf, drückend und ziehend und kann bei Bewegungen schlimmer werden. Häufig fühlt sich der Nacken auch steif an und das Drehen des Kopfes fällt schwer. Berührt man den schmerzenden Bereich oder versucht ihn zu massieren, lassen sich oft harte, verspannte Muskeln tasten.
Je nach ihrer Dauer werden Nackenschmerzen eingeteilt in
- akut: bis zu drei Wochen
- subakut: vier bis zwölf Wochen oder
- chronisch: länger als zwölf Wochen.
Die Abgrenzung fällt allerdings manchmal schwer, da der Beginn oft nicht genau definiert werden kann.
Fast die Hälfte der Erwachsenen in Deutschland gibt an, in den letzten Monaten mindestens ein Mal Nackenschmerzen gehabt zu haben – sie kommen also sehr oft vor. In der Hausarztpraxis gehören sie sogar zum dritthäufigsten Beratungsanlass. Frauen sind davon etwas häufiger betroffen als Männer, bei Menschen über 70 Jahren werden sie etwas seltener.
Hinweis: Auch Kinder und Jugendliche leiden unter Nackenschmerzen. Tendenziell soll die Anzahl der Betroffenen zwischen 3 und 17 Jahren steigen. Als Ursache gelten u.a. Bewegungsmangel und die immer längere Smartphonenutzung.
Wo kommen Nackenschmerzen her?
In den meisten Fällen von Nackenschmerzen lassen sich keine strukturellen Ursachen wie sichtbare oder messbare Probleme an den Knochen, Gelenken oder Nerven nachweisen. Dann spricht man von unspezifischen Nackenschmerzen. Als häufigster Grund für akute unspezifische Nackenschmerzen gelten Muskelverspannungen, z. B. ausgelöst durch lange Computerarbeit, Zugluft oder eine ungünstige Schlafhaltung. Sie klingen in der Regel auch ohne Behandlung innerhalb von ein bis zwei Wochen ab.
Halten die Beschwerden länger als drei Monate an, stecken hinter unspezifischen Nackenschmerzen oft Belastungen und Stress. Fehlhaltungen und Bewegungsmangel tragen zu ihrer Entwicklung zusätzlich bei.
Zu den seltenen strukturellen (spezifischen) Ursachen von Nackenschmerzen gehören z. B. arthrotische Veränderungen oder Rheuma. In weniger als 1% der Fälle gehen Nackenschmerzen auf eine gefährliche Ursache zurück. Dazu gehören Bandscheibenvorfall, Tumoren, Osteoporose mit Wirbelbrüchen, Nervenerkrankungen oder Infektionen.
Nackenschmerzen abklären lassen
Wer nach einer schlechten Nacht oder einer langen Gaming-Sitzung unter Nackenschmerzen leidet, benötigt meist keine ärztliche Hilfe. Es gibt jedoch auch Nackenschmerzen, die man bei der Hausärzt*in abklären lassen sollte. Das gilt zum einen, wenn die Schmerzen über eine längere Zeit anhalten. Denn auch wenn nichts Gefährliches dahinter steckt, ist es sinnvoll, eine gezielte Behandlung einzuleiten.
In manchen Fällen muss immer rasch eine ärztliche Abklärung erfolgen. Warnzeichen für eine der seltenen, gefährlichen Ursachen von Nackenschmerzen sind
- Kribbeln, Taubheitsgefühle oder Lähmungen von Armen und Beinen
- starke Kopfschmerzen, Fieber, Nackensteife und Übelkeit
- unerklärter Gewichtsverlust, Abgeschlagenheit, Nachtschweiß
- Nackenschmerzen nach einem Sturz oder Unfall
- gleichzeitige Schluckbeschwerden oder Schmerzen im Brustkorb
Diese Beschwerden können z. B. auf einen Bandscheibenvorfall, einen Tumor oder eine Meningitis hindeuten.
Wie sieht die Diagnostik bei Nackenschmerzen aus?
Bei neu aufgetretenen Nackenschmerzen befragt die Ärzt*in die Patient*in zunächst ausführlich, wie stark die Beschwerden sind, wann sie auftreten und wie lange sie schon bestehen. Zusätzlich wird nach eigenen Behandlungsversuchen und deren Erfolg/Misserfolg gefragt, ebenso nach der Lebenssituation, mit besonderem Schwerpunkt auf Belastungen und Stress.
Wichtig sind auch vorangegangene Infektionen, Stürze oder Unfälle und begleitende Erkrankungen. Auch die Medikamenteneinnahme ist von Bedeutung: So begünstigt z. B. die langfristige Einnahme von Kortison eine Osteoporose, die sich an der Halswirbelsäule bemerkbar machen kann. Abgefragt werden auch immer die sogenannten B-Symptome Nachtschweiß, Gewichtsverlust und Leistungsknick. Diese können auf eine Tumorerkrankung hinweisen.
Nach der Erhebung der Krankengeschichte wird die Patient*in körperlich untersucht. Dabei prüft die Ärzt*in die Beweglichkeit der Halswirbelsäule und ob die Dornfortsätze (die Erhebungen entlang der Wirbelsäule) druckschmerzhaft sind. Meist tastet sie auch die Muskulatur ab und sucht nach Verspannungen und Verhärtungen.
Um die Beteiligung von Nerven auszuschließen, wird eine kurze neurologische Untersuchung durchgeführt. Dazu gehört u.a. die Prüfung von Kraft, Feinmotorik und Sensibilität (Gefühl) der Finger, meist werden auch das Gangbild und die Reflexe getestet.
In den allermeisten Fällen kann die Ärzt*in nach dieser ausführlichen Anamnese und Untersuchung eine strukturelle Ursache der akuten Nackenschmerzen ausschließen und die Diagnose „unspezifische Nackenschmerzen“ stellen. Eine weitere Diagnostik ist nur erforderlich, wenn entsprechende Hinweise gefunden wurden.
Mehr Diagnostik wird auch empfohlen, wenn die Nackenschmerzen trotz Behandlung länger als vier bis sechs Wochen anhalten und die Betroffenen sehr in ihren Aktivitäten einschränken. Dies kann ein Hinweis auf eine initial nicht erkannte spezifische Ursache sein.
Zu den weiteren Untersuchungen gehört vor allem die Bildgebung. Zu bevorzugen sind die CT und die MRT, da sich mit diesen Untersuchungsverfahren Frakturen, Tumoren, Infektionen und Neuropathien besser erkennen lassen als mit dem konventionellen Röntgen. Bei einem Verdacht auf Infektionen oder Tumoren kommen entsprechende Laboruntersuchungen zum Einsatz. Für diese Spezialuntersuchungen und zur Weiterbehandlung überweist die Hausärzt*in die Patient*in meist in eine entsprechende Facharztpraxis (Rheumatologie, Neurologie, Orthopädie).
Hinweis: Bildgebende Verfahren sind bei unspezifischen Nackenschmerzen in den allermeisten Fällen nicht erforderlich. Sie können sogar schaden, da darin oft Veränderungen in der HWS erkannt werden, die nicht Ursache der Schmerzen sind. Das kann unbegründete Ängste wecken, die Betroffenen unnötig belasten und manchmal sogar überflüssige Therapien nach sich ziehen.
Bewegung ist das A und O
Für das Selbstmanagement bei unspezifischen Nackenschmerzen gibt es einige nicht-medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten. Dazu gehören körperliche Aktivität, Wärme- oder Kältebehandlungen und Entspannungsübungen.
- Körperliche Aktivität: Betroffene mit unspezifischen Nackenschmerzen sollten sich bewegen, also körperlich aktiv bleiben. Wenn nötig, auch mithilfe einer medikamentösen Schmerztherapie (siehe unten). Sinnvoll sind auch leichte Übungen, z. B. die Halsmuskulatur anzuspannen und in sanfter Dehnung zu entspannen. Die Expert*innen der aktuellen Leitlinie zum unspezifischen Nackenschmerz empfehlen dazu ein Video-Beispiel auf youtube (https://www.youtube.com/watch?v=6-bu6N-emq4, vierte Übung). Weitere Übungen sind Schulterkreisen, Kopfneigen, Seitdehnung und Kinn-zur-Brust, alles natürlich sanft und schonend.
- Wärme oder Kälte: Wärme kann bei unspezifischen Nackenschmerzen die Schmerzen lindern und die Beweglichkeit bessern. Insgesamt gibt es dazu allerdings kaum Daten aus Studien, die Empfehlungen beruhen auf Expertenwissen. Empfohlen werden dafür z. B. aufgewärmte Körnerkissen. Auch Wärmepflaster oder eine heiße Rolle können hilfreich sein. Manche Betroffenen profitieren statt von Wärme eher von Kälteanwendungen. Sofern dies als schmerzlindernd empfunden wird, raten Expert*innen nicht davon ab.
- Entspannungsverfahren: Für den Effekt von Entspannungsverfahren wie der Progressiven Muskelrelaxation gibt es unterschiedliche Ergebnisse. In einigen Studien wurden Schmerzen und Beweglichkeit gebessert, in anderen nicht. Möglicherweise helfen Entspannungsverfahren aber dabei, das Stresserleben zu reduzieren und der Entwicklung chronischer Nackenschmerzen entgegenzuwirken.
Hinweis: Den Hals mit einer Halskrause oder einer Nackenschiene ruhig zu stellen wird bei unspezifischen Nackenschmerzen nicht empfohlen. Expert*innen gehen davon aus, dass dies eher schädlich wirkt: Einerseits bildet sich die Halsmuskulatur zurück, andererseits wird die Passivität der Betroffenen gefördert.
Medikamentöse Hilfe bei Nackenschmerzen
In manchen Fällen sind bei unspezifischen Nackenschmerzen Schmerzmittel erforderlich. Eine Schmerztherapie kann auch dazu dienen, beweglich und aktiv zu bleiben. In Frage kommen, wenn erforderlich, nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) und Metamizol.
- NSAR. Am häufigsten werden NSAR wie Ibuprofen, Diclofenac oder Naproxen eingesetzt. Ihr Effekt wird in Studien unterschiedlich bewertet. Zudem haben sie ein erhöhtes Risiko für Nebenwirkungen, insbesondere auf die Magenschleimhaut. Sie erhöhen auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Insgesamt gilt, dass sie so niedrig dosiert und so kurz wie möglich eingesetzt werden sollten. Für chronische unspezifische Nackenschmerzen werden sie aufgrund der genannten Nebenwirkungen nicht empfohlen.
- Metamizol. Für Patient*innen, die NSAR nicht vertragen oder ein zu hohes Risiko für die genannten Nebenwirkungen haben, stellt Metamizol eine Alternative dar. Dieses Präparat kann allerdings in sehr seltenen Fällen bestimmte Zellen im Blut verringern (Agranulozytose). Bei längerer Einnahme sollte deshalb regelmäßig das Blutbild kontrolliert werden. Außerdem müssen die Patient*innen die typischen Symptome Fieber, Halsschmerzen und Schleimhautläsionen kennen und bei deren Auftreten die Hausärzt*in aufsuchen.
Von anderen Schmerzmitteln wie Paracetamol und Opioiden rät die Leitlinie ab. Paracetamol soll aufgrund seiner mangelnden Wirkung auf Nackenschmerzen nicht genommen werden, Opioide aufgrund ihrer unerwünschten Wirkungen und ihres Suchtpotenzials.
Verschreibungspflichtige muskelrelaxierende (entspannende) Wirkstoffe werden bei unspezifischen Nackenschmerzen auch gerne angewendet. Allerdings ist ihre Wirkung in Studien kaum belegt. Bei akuten unspezifischen Nackenschmerzen mit starker Verspannung sind sie eine Behandlungsoption, wenn NSAR nicht anschlagen. Aufgrund ihrer möglichen Nebenwirkungen wie Blutbildstörungen, Schwindel oder zentraler Sedierung (Dämpfung) sollten sie allerdings nicht länger als zwei Wochen angewendet werden.
Hinweis: Für die Wirkung pflanzlicher Schmerzmittel wie Weidenrinde und Teufelskralle gibt es keine aussagekräftigen Studien. Ihr Einsatz wird deshalb in den Leitlinien nicht bewertet.
Chirotherapie, Akupunktur und Laser
Bei unspezifischen Nackenschmerzen werden auch häufig nicht-medikamentöse Verfahren und Methoden angeboten. Einige werden eher kritisch betrachtet, da ihre Wirkung nicht ausreichend belegt ist. Dazu kommt, dass viele der eingesetzten Methoden die Passivität der Betroffenen fördern. Dies steht im Widerspruch zu der Erkenntnis, dass körperliche Bewegung die Basis bei der Behandlung von unspezifischen Nackenschmerzen ist.
Grünes Licht geben die Expert*innen für die manuelle Therapie (Chirotherapie). Aktuellen Studien zufolge kann diese Technik bei akuten unspezifischen Nackenschmerzen die Schmerzen lindern und die Beweglichkeit der Halswirbelsäule bessern. Voraussetzung für eine Verordnung ist, dass keine Kontraindikationen wie Osteoporose, Schäden an der Wirbelsäule oder Gefäßkrankheiten vorliegen.
Die Akupunktur zeigt bei länger bestehenden unspezifischen Nackenschmerzen kleine bis mittlere Effekte. Insbesondere wenn andere Maßnahmen nicht greifen, kann sie versucht werden. Sie sollte aber – ebenso wie die Chirotherapie – mit aktivierenden Maßnahmen kombiniert werden.
Keinen Wirknachweis in kontrollierten Studien brachte die Behandlung mit Laser, Interferenzstrom oder Ultraschall. Gleiches gilt für die Behandlung mit medizinischen Bädern und Rotlicht, die deshalb nicht auf Kassenkosten verordnet werden sollten.
Auch Kinesiotapes werden manchmal bei akuten Nackenschmerzen eingesetzt. Eine Wirkung konnte allerdings bisher nicht belegt werden, zumal drohen allergische Reaktionen. Die Leitlinienautor*innen raten deshalb davon ab.
Hinweis: Bei chronischen unspezifischen Nackenschmerzen hat sich die kognitive Verhaltenstherapie als wirksam erwiesen. Sie kann Schmerzen, Angst vor Bewegung, Depressivität und allgemeine Ängstlichkeit bessern und wird vor allem im Rahmen eines multimodalen Therapiekonzepts empfohlen.
Quelle: S3-Leitlinie „Nicht-spezifische Nackenschmerzen“, AWMF-Register-Nr. 053-007 DEGAM-Leitlinie Nr. 13, Version 3.0, gültig bis 17.02.2030

