Gesundheit heute

Rhizarthrose

Rhizarthrose. Arthrose des Daumensattelgelenks zwischen Handwurzel und erstem Mittelhandknochen. Sie äußert sich durch ausgeprägte Bewegungsschmerzen, später kommen Bewegungseinschränkungen des Daumens hinzu. Die Rhizarthrose ist häufig, betroffen sind vor allem Frauen nach der Menopause. In vielen Fällen lassen sich die Beschwerden mit konservativen Maßnahmen wie Schonung, Schmerzmitteln und dem Tragen einer Daumenorthese bei Belastung lindern. Reicht dies nicht aus, stehen in der nächsten Stufe Kortisoninjektionen und verschiedene operative Verfahren zur Verfügung.

Symptome und Leitbeschwerden

  • Ausgeprägte Schmerzen bei Bewegung des Daumens
  • Später Bewegungseinschränkungen und Kraftminderung, was sich zum Beispiel beim Schreiben, Zuknöpfen oder beim Öffnen von Flaschen bemerkbar macht
  • Ruheschmerzen
  • Schwellung im Bereich des Daumenballens.

Wann in die Arztpraxis

Bei Gelegenheit, wenn

  • über längere Zeit Schmerzen oder eine Schwellung des Daumenballens besteht.

Die Erkrankung

Das Daumensattelgelenk verbindet den Daumen mit der Handwurzel, es liegt zwischen dem ersten Mittelhandknochen und dem Großen Vieleckbein (Os trapezium). Durch seinen sattelförmigen Aufbau ermöglicht es eine große Beweglichkeit des Daumens. Das gilt vor allem für die Opposition, d. h. das Gegenüberstellen zu den anderen Fingern und damit das Greifen.

Als Dreh- und Angelpunkt beim Greifen, Schreiben, Festhalten und vielen anderen Handbewegungen ist das Daumensattelgelenk im Laufe des Lebens einer sehr hohen Belastung ausgesetzt. Dadurch drohen Verschleißerscheinungen, die schließlich in arthrotische Veränderungen münden können: Durch die Abnutzung des Gelenkknorpels entwickeln sich kleine, störende Knochenneubildungen (Osteophyten), die Gelenkfläche wird rauer und der Gelenkspalt verschmälert sich. Häufig verrutscht der erste Mittelhandknochen (also der Basisknochen des Daumens) auch in Richtung Speiche, was die Bewegungseinschränkungen weiter verstärkt.

Ursachen

Der natürliche, altersbedingte Verschleiß des Daumensattelgelenks wird durch verschiedene Faktoren gefördert:

  • Mechanische Überbelastung des Daumens
  • Vorangegangene Verletzungen im Bereich des Daumensattelgelenks
  • Hormonelle Veränderungen (die Rhizarthrose tritt bei Frauen vor allem nach der Menopause auf).

Klinik und Verlauf

Die Erkrankung beginnt häufig mit Schmerzen beim Greifen und beim Drehen von Verschlüssen. Weil das Gelenk durch die Arthrose gereizt ist, kommt es zu einer gut sichtbaren Schwellung des Gelenks. Weil sich vermehrt Gelenkflüssigkeit bildet, spannt die Gelenkkapsel und verstärkt die Schmerzen zusätzlich. Schreitet die Arthrose fort, schmerzt das Gelenk auch in Ruhe. Manchmal strahlen die Schmerzen in die anderen Finger und bis in den Unterarm aus.

Besonders belastend für die Betroffenen ist, dass auch die Beweglichkeit des Gelenks eingeschränkt ist. Normale Tätigkeiten wie z. B. das Öffnen von Flaschen, das Schreiben und der Pinzettengriff sind oft erheblich erschwert. Durch das fortwährende Schonen und Nicht-Benutzen des Daumens baut die Muskulatur ab, die Kraft kann deutlich vermindert sein.

Wie andere Arthrosen entwickelt sich die Rhizarthrose meist langsam. Manchmal verläuft sie auch Schüben, bei denen die Beschwerden in Intensität und Dauer variieren. Unbehandelt nehmen die Beschwerden aber immer weiter zu, bis die Betroffenen kaum noch schmerzfreie Phasen haben. Im Lauf der allmählich fortschreitenden Arthrose entstehen zunehmende Knorpelschäden – später auch Knochenschäden –, es drohen Verformungen und Versteifungen. In diesem Stadium werden Koordination und Bewegungen der Hand immer schlechter, im Endstadium droht die vollständige Funktionseinbuße des Daumens.

Diagnosesicherung

Schmerzen und Bewegungseinschränkungen im Daumen weisen meist deutlich auf eine Rhizarthrose hin. Bei der Untersuchung der Hand lässt sich oft die Schwellung im Bereich des Daumenballens erkennen, das Betasten des Gelenks ist schmerzhaft.

Ein typischer Test auf die Rhizarthrose ist der Grind-Test: Hierbei dreht die Ärzt*in den betroffenen Daumen mit vorsichtigem Druck leicht nach innen und nach außen. Der Test ist positiv – d. h. ein Rhizarthrose wahrscheinlich – wenn dabei eine Art Mahl- oder Reibegeräusch zu hören ist.

Im Röntgenbild der Hand zeigen sich die typischen Arthrosezeichen wie Gelenkspaltverschmälerung, raue Gelenkflächen und eine veränderte Struktur des gelenknahen Knochens (Verdichtung). Bei plötzlicher Verschlechterung lässt sich mit Blutuntersuchungen klären, ob ein akuter Arthroseschub oder eine rheumatische Erkrankung wie die Rheumatoide Arthritis vorliegt.

Differenzialdiagnosen. Sehr ähnliche Beschwerden macht die Tendovaginitis de Quervain oder auch ein Kahnbeinbruch.

Behandlung

Konservativ

In vielen Fällen lässt sich die Rhizarthrose mit konservativen Methoden lindern. Dazu gehören beispielsweise:

  • Ruhigstellung des Daumens. Hier ist neben dem Vermeiden schmerzauslösender Tätigkeiten das Tragen einer Daumenorthese hilfreich. Sie stellt das Gelenk ruhig und lindert dadurch die Schmerzen. Die Orthese sollte jedoch nicht dauerhaft, sondern nur bei Belastung angelegt werden. Ansonsten droht die Daumenmuskulatur zu verkümmern. Eine Alternative zur Orthese ist das Tapen des Daumens mit leicht elastischen Pflasterstreifen. Vorteil des Tapens ist, dass der Daumen zwar stabilisiert, aber nicht völlig ruhiggestellt ist.
  • Wärme und Kälte. Je nach Phase helfen Wärme oder Kälte. Wie sie am besten anzuwenden sind, finden Sie unter Tipps aus Ihrer Apotheke.
  • Schmerzmittel. Sind die Schmerzen stark, ist die Einnahme von Schmerzmitteln erforderlich. Empfohlen werden dabei vor allem schmerz- und entzündungshemmende Wirkstoffe wie Diclofenac (z. B. Voltaren® oder Diclac®), Ibuprofen (z. B. Dolgit® oder Ibuprofen AbZ) oder Etoricoxib (z. B. Arcoxia®). Diese können in Tablettenform eingenommen werden, manche gibt es auch als Gel oder Salbe zum Einreiben.
  • Kortisoninjektionen. Reichen diese Maßnahmen nicht aus, spritzt die Ärzt*in stark entzündungshemmendes Kortison (manchmal auch kombiniert mit einem örtlich wirkenden Betäubungsmittel) in den Gelenkspalt. Allerdings sollte dies nicht mehr als 2 bis 3 Mal wiederholt werden, da Kortison langfristig Gewebe schädigt und deren Degeneration fördert.

Operativ

Wenn konservative Methoden die Funktion des Daumengelenks nicht stabilisieren oder die Schmerzen nicht beherrschbar sind, kommt die Handchirurgie zum Einsatz. Je nach Stadium der Rhizarthrose werden dabei verschiedene Verfahren angewendet, so zum Beispiel:

  • Arthroskopische Verfahren. In leichten Fällen reicht zur Schmerzlinderung manchmal die Glättung des aufgerauten Gelenkknorpels oder die Unterbrechung der schmerzleitenden Nervenfasern im Rahmen einer Gelenkspiegelung (Arthroskopie).
  • Trapezektomie oder Sattelgelenksarthroplastik. Bei dieser Operation wird das Os trapezium (Vieleckbein) komplett entfernt. Diese Methode lindert die Schmerzen zuverlässig und gilt als eine der effektivsten Behandlungsmethoden der Rhizarthrose, wobei jedoch mit einem langen Heilungsverlauf (bis zu 6 Monate) gerechnet werden muss. Es gibt mehrere Varianten des Verfahrens: Je nach Operationsbefund entscheidet die Chirurg*in beispielsweise, ob der verbleibende Mittelhandknochen mit einer der umliegenden Patientensehnen stabilisiert werden muss (Trapezektomie mit Sehnenaufhängung, die sog. Resektions-Suspensions-Arthroplastik nach Epping). Manchmal wird auch ein Stück Sehne zwischen Mittelhandknochen und Handwurzelknochen gelegt, also dorthin, wo das entfernte Os trapezium gesessen hat (Trapezektomie mit Sehneninterponat).
  • Resektions-Augmentations-Transfixations-Arthroplastik (RATA). Bei diesem Verfahren wird ebenfalls das Os trapezium entfernt. Zur Stabilisierung wird keine Sehne benötigt, stattdessen spannt die Chirurg*in Daumenmittelhandknochen und Zeigefingermittelhandknochen über einen Kirschner-Draht (das ist eine Art Metallstift) zusammen. Nach 6 Wochen wird der Draht entfernt, bis dahin ist die Lücke gefüllt und stabil vernarbt. Die Ergebnisse nach erfolgreicher Operation sind recht gut, die meisten Patient*innen sind spätestens nach 6 Monaten deutlich beschwerdegebessert oder sogar schmerzfrei.
  • Einpflanzen einer künstlichen Sattelgelenksendoprothese. Wie beim Hüftgelenk lässt sich auch das Daumensattelgelenk mit einer künstlichen Prothese ersetzen. Dies ist jedoch nur bei guter Knochensubstanz des Os trapeziums möglich, zudem darf keine Arthrose im STT-Gelenk vorliegen (das wird gebildet aus Kahnbein, großem und kleinem Vieleckbein). Umstritten ist allerdings noch, ob die künstliche Prothese den anderen Verfahren überlegen ist.

Nachbehandlung

Bei allen operativen Behandlungen muss nach dem Eingriff zunächst für 3 bis 6 Wochen eine Schiene getragen werden, um das Ausheilen zu fördern. Wurde eine Prothese eingesetzt, geht es schon wenige Tage danach mit krankengymnastischen Übungen los. Bei den anderen Verfahren beginnt man damit erst nach Ablegen der Schiene.

Sport ist erst nach 8 bis 10 Wochen wieder erlaubt. Es sei denn, die Patient*in sportelt ohne Hände: Joggen ist (nach Rücksprache mit der behandelnden Ärzt*in) zum Beispiel schon nach 3 bis 6 Wochen wieder gestattet.

Prognose

In vielen Fällen lässt sich eine Rhizarthrose recht gut mit konservativen Maßnahmen behandeln. Wird eine Operation erforderlich, kann diese die Schmerzen in den allermeisten Fällen erheblich oder sogar komplett eindämmen. Unbehandelt führt die Rhizarthrose durch Gelenkversteifung meist zum kompletten Funktionsverlust des Daumens.

Ihre Apotheke empfiehlt

Was Sie selbst tun können

Daumengymnastik. Bei der Rhizarthrose ist es sehr wichtig, die Beweglichkeit des Daumens und der weiteren Finger zu erhalten. 5 Minuten täglich reichen aus, um ein Steifwerden des Gelenks zu verzögern. Machen Sie zu diesem Zweck Knetübungen mit Sand, den sie vorher (z. B. in der Mikrowelle) erwärmt haben, mit einem Küchenschwamm oder mit einem Squashball in lauwarmem Wasser, am besten zweimal täglich. Auch das wiederholte, vorsichtige Ziehen am Daumen vom Sattelgelenk weg wird bei der Rhizarthrose empfohlen.

Entlasten. Nutzen Sie für das Öffnen von Dosen und Flaschen Hilfsmittel wie elektronische Dosenöffner oder spezielle Flaschenöffner. Es gibt auch spezielle Stifthalter und Besteck für arthrosegeplagte Finger und Hände. Das Tragen schwerer Einkaufstaschen oder Aktenkoffer sollte unterbleiben, für solche Transporte sind Trolleys oder Rucksäcke besser geeignet.

Kälte. Kommt es im Rahmen eines Arthroseschubs zu akuten Schmerzen, sind statt Bewegungsübungen Kälteanwendungen angebracht, z. B. mit Kühlpacks oder kühlenden Quarkumschlägen. Sie können zur Linderung mehrmals täglich direkt auf das Daumengelenk gelegt werden.

Wärme. Wärmeanwendungen wie erwärmte Heublumensäckchen lindern die Beschwerden im chronischen Stadium.

Pflanzenheilkunde. Häufig eingesetzte standardisierte Pflanzenextrakte basieren auf Heilpflanzen, die sich v. a. durch stoffwechsel- oder durchblutungsfördernde sowie schmerzlindernde Wirkungen auszeichnen, allen voran Brennnesselblätter, Ackerschachtelhalmkraut und Löwenzahn. In vielen Fällen bietet sich eine längerfristige Anwendung an, z. B. in Form einer Teekur (z. B. Gerner® Rheumatee). Ansonsten kommen zur Linderung abnutzungsbedingter Gelenkschmerzen die gleichen Phytotherapeutika in Betracht wie zur Behandlung einer rheumatoiden Arthritis.

Enzymtherapie. Manche Patient*innen mit Neigung zu häufigen Entzündungen (aktivierte Arthrosen) haben mit der Einnahme von Enzympräparaten gute Erfahrung gemacht. Beispiele dafür sind das Ananasenzym Bromelain in hoher Dosierung einzeln (z. B. Bromelain-Pos®) oder in Kombination mit anderen Enzymen (z. B. mit dem Pankreasenzym in Wobenzym® N) in Tabletten- oder Pulverform.

Akupunktur. Dass Akupunktur Gelenkabnutzungsbeschwerden positiv beeinflusst, gilt inzwischen als gesichert. Ob mit dem Verfahren eine langfristige Besserung erreicht werden kann, wird derzeit untersucht.

Nahrungsergänzungsmittel. Der Markt bietet vielerlei Nahrungsergänzungsmittel, denen knorpelschützende bzw. die Knorpelregeneration anregende Wirkungen zugeschrieben werden. Sie werden meist in Form von Kapseln eingenommen, ihre Wirkung ist umstritten. Nach einigen Studien sollen beispielsweise Avocado-Soja-Öle, die sich durch einen besonders hohen Gehalt an Omega-3-Fettsäuren auszeichnen, das Voranschreiten einer Arthrose (im Frühstadium) aufhalten. Lange wurden auch Grünlippmuschelextrakte empfohlen, eine Wirkung konnte jedoch nicht nachgewiesen werden. Wie alle Therapieansätze, die direkt auf den Gelenkknorpel selbst Einfluss nehmen (sollen), haben sie sicher keinen Effekt mehr, wenn der Knorpel bereits stark geschädigt bzw. kaum oder gar nicht mehr vorhanden ist – in diesem Fall ist die Einnahme wirkungslos.

Für andere Extrakte, etwa aus Mikroalgen, Haifischknorpel oder Perilla-Öl, steht ein wissenschaftlicher Nachweis ihrer therapeutischen Wirksamkeit bislang vollständig aus.

Von: Dr. med. Michael Bedall in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung: Dr. med. Sonja Kempinski
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So hält man Osteoporose fern

Auch Tofu und Brokkoli gehören zu den Lebensmitteln, die wichtige Nährstoffen für den Knochen bereithalten.

So hält man Osteoporose fern

Knochenfreundlich ernähren

Osteoporose gehört zu den Volkskrankheiten. Doch wer sich gesund ernährt und eventuelle Mängel ausgleicht, kann die Knochen schützen. Dabei müssen nicht nur die nötigen Nährstoffe und Mineralien zugeführt werden. Vor allem in puncto Kalzium gilt es, auch die in vielen Produkten enthaltenen Kalziumräuber zu beachten.

Knochen lebenslang im Umbau

Knochen ist kein totes Gewebe: Im Gegenteil, er wird das ganze Leben lang umgebaut. Dieser Prozess dient dazu, kleine Schäden im Knochen zu reparieren oder den Knochen auf verstärkte Belastungen anzupassen. Insgesamt überwiegt bis zum 30. Lebensjahr der Aufbau. Danach befindet sich der Knochen etwa zehn Jahre lang im Gleichgewicht, und ab Mitte 40 nimmt der Knochenabbau allmählich zu. Für seine Stoffwechsel benötigt der Knochen einiges an Mineralien, Vitaminen und Nährstoffen. Werden diese nicht ausreichend zugeführt, leidet die Knochenqualität und es droht Knochenschwund (Osteoporose). Eine knochenfreundliche Ernährung kann vor dieser folgenschweren Erkrankung schützen. Und wer gleichzeitig etwas für seinen Knorpel und gegen Entzündungen tut, beugt auch gegen Arthrose vor.

Hinweis: Knochengewebe ist sehr fleißig: Innerhalb von etwa 8–10 Jahren hat sich das gesamte Skelett einmal „komplett“ ausgetauscht, weil alter Knochen abgebaut und durch neuen ersetzt wird.

Kalziumhaushalt bildet die Basis

Der wichtigste Grundstoff für den Knochen ist Kalzium. Es wirkt wie Zement im Mauerwerk und sorgt dadurch dafür, dass der Knochen fest, stabil und belastbar ist. 99% des Kalziums stecken in den Knochen und den Zähnen, wobei der Knochen auch als Kalziumvorrat dient. Denn das wertvolle Mineral wird auch außerhalb des Knochens gebraucht, z. B. bei der Muskelkontraktion, bei der Weiterleitung von Nervenreizen und bei der Blutgerinnung. Ist der Kalziumgehalt im Blut zu niedrig, kann es der Körper aus dem Knochen freisetzen – wobei die Kalziumvorräte aber unverzüglich wieder aufgefüllt werden müssen, damit der Knochen nicht leidet.

Kalzium wird im Darm aus der Nahrung aufgenommen, Allerdings schwankt die Aufnahme mit 20 bis 60% der zugeführten Kalziummenge stark. Um ausreichend viel Kalzium aufzunehmen, empfehlen Expert*innen die tägliche Zufuhr von mindestens 1000 mg. Damit sieht es allerdings mau aus in Deutschland: nur etwa die Hälfte der Erwachsenen erreicht diese Menge. Gedeckt wird der Bedarf von 1000 mg zum Beispiel durch

  • 125 mg Edamer 
  • 2,9 l Gerolsteiner Mineralwasser,
  • 0,8 l Milch, 
  • 830 g Joghurt oder
  • 540 g Tofu.

Obst und Gemüse enthalten ebenfalls Kalzium. Um auf 1000 mg täglich zu kommen, müssen allerdings auch hier sehr große Mengen von 470 g Grünkohl, 2,6 kg Kiwi oder 15 kg Bananen verzehrt werden. Auch Haferdrinks als Milchersatz sind oft mit Calcium angereichert und enthalten dann so viel Calcium wie Kuhmilch.

Hinweis: Die Aufnahme des Kalziums hängt nicht nur von der angebotenen Menge ab, sondern auch von Vitamin D. Bei starkem Vitamin-D-Mangel sinkt die Kalziumaufnahme im Darm unter 10%.

Kalziumräuber am Werk!

Eine knochenfreundliche Ernährung benötigt allerdings nicht nur ausreichend Kalzium. Es muss auch auf die Kalziumräuber in der Nahrung geachtet werden. Dies sind Lebensmittel, die bei übermäßigem Verzehr dazu führen können, dass dem Körper das angebotene Kalzium nicht ausreichend zur Verfügung steht. 

  • Phosphat. Die wichtigste Rolle spielt dabei Phosphat. Zwar fördert Phosphat gemeinsam mit Kalzium die Knochenstabilität. Wird es allerdings im Übermaß aufgenommen, behindert es die Kalziumresorption im Darm und fördert somit den Knochenabbau. Phosphat muss also keinesfalls gemieden, sondern nur ein Überschuss verhindert werden. Das gelingt, in dem man besonders phosphathaltige Lebensmittel wie Fleisch, Wurst und Cola sowie stark verarbeitete Produkte nur in Maßen konsumiert.
  • Oxalsäure und Phytinsäure. Auch Oxalsäure kann Kalzium im Darm abfangen und auf diese Weise die Aufnahme ins Blut verhindern. Empfohlen wird deshalb, oxalreiche Nahrungsmittel wie Spinat, Rhabarber, Kakao, Schokolade und Mangold nicht in übergroßen Mengen zu verzehren. Gleiches gilt für die Phytinsäure, die ebenfalls das Kalzium im Darm bindet. Besonders reich an Phytin sind Sojabohnen, Erdnüsse sowie Müsli aus frischem Getreide sowie Vollkornbreie. 
  • Alkohol, Kaffee und schwarzer Tee. Koffein im Übermaß kann dem Knochen auf zwei Arten schaden: Es hemmt die Kalziumaufnahme aus dem Darm und fördert die Kalziumausscheidung über die Niere. Alkohol hemmt die Kalziumaufnahme und schadet der Leber, wodurch der dort stattfindende Vitamin-Stoffwechsel gestört wird.

Hinweis: Kochsalz fördert die Osteoporose, indem es die Kalziumausscheidung über die Niere ankurbelt. Es ist ratsam, sparsam zu salzen und statt auf Kochsalz auf Gewürze zu setzen. Das tut nicht nur dem Knochen gut, sondern auch dem Blutdruck.

Unabdingbar: Vitamin D

Ohne die ausreichende Zufuhr von Vitamin D kann der Knochen das mit der Nahrung aufgenommene Kalzium nicht richtig nutzen. Denn Vitamin D verbessert nicht nur die Aufnahme des Mineralstoffs über die Darmschleimhaut. Es fördert auch seinen Einbau in den Knochen und hemmt den Knochenabbau. 10 bis 20% des Vitamins wird über die Nahrung aufgenommen, 80 bis 90% unter Sonneneinstrahlung in der Haut gebildet. Von April bis September reicht für die Vitamin-D-Versorgung ein täglicher Aufenthalt von 30 Minuten im Freien, wobei Arme und Gesicht unbedeckt sein müssen.

Der Tagesbedarf an Vitamin D beträgt etwa 800 Internationale Einheiten (IE). Etwa 80% der Männer und 91% der Frauen erreichen diese Werte nicht. Auf einen Mangel weisen diffuse Knochen- und Muskelschmerzen hin. Bei Verdacht sollte die Ärzt*in die Blutspiegel messen und der Mangel ausgeglichen werden. Dafür sind häufig Vitamin-D-Tabletten nötig. Denn die Auswahl an Vitamin-D-reichen Lebensmitteln ist gering und nicht nach jedermanns Geschmack. Dazu zählen Lebertran, Seefisch (Hering, Makrele,Lachs), Leber und Eigelb. Bei Vitamin-D-Mangel werden zum Ausgleich meist Tagesdosen von 1000 IE Vitamin D empfohlen. Diese Menge steckt z. B. in 

  • 80 g Hering, 160 g Lachs oder 190 g Aal sowie in 
  • 670 g Kalbfleisch oder 
  • 830 g Steinpilzen.

Hinweis: Vitamin D darf nicht überdosiert werden. Wer mehr als 4000 IE pro Tag aufnimmt, drohen Nierensteine und Herzrhythmusstörungen. Im Zweifel sollte man seine Ärzt*in dazu befragen und evtl. die Blutspiegel des Vitamins messen lassen.

Ohne Eiweiß geht es nicht

Ein weiterer wichtiger Baustein in der knochenfreundlichen Ernährung ist Eiweiß. Eiweiß bildet das Kollagengerüst im Knochen, in das Kalzium und die anderen Mineralien eingelagert werden. Mangelt es an Eiweiß, wird der Knochenaufbau behindert und das Risiko für Osteoporose und Knochenbrüche steigt.

Pflanzliches Eiweiß scheint dabei etwas vorteilhafter zu sein als tierisches Eiweiß. Expert*innen empfehlen eine Kombination pflanzlicher und tierischer Eiweiße, bei Letzteren sind Milch, Eier und mageres Fleisch zu bevorzugen. Der Tagesbedarf für Männer und Frauen bis 65 Jahre beträgt 0,8g/kg Körpergewicht, der für Menschen über 65 Jahre 1,0 g/kgKG. Ein 70-jährigr Mensch mit einem Gewicht von 70 kg braucht also 70 g Eiweiß/Tag. Diese stecken zum Beispiel in 

  • 240 g Emmentaler oder 270 g Gouda, 
  • 270 g Erdnüssen 
  • 310 g Rindfleisch, 310 g Huhn oder 310 g Schweinefleisch 
  • 390 g Fisch
  • 540 g Tofu oder
  • 580 g Linsen.

Um den Eiweißbedarf von 70 g mit Getreide oder Kartoffeln zu decken, müsste man täglich 900 g Weizenbrot oder 3,5 kg Kartoffeln verzehren.

Hinweis: Wer eine eingeschränkte Nierenfunktion hat, muss etwas vorsichtig mit Eiweiß sein. Eine überhöhte Zufuhr belastet die Nieren, weil dadurch mehr Harnstoff und Säure entsteht. Menschen mit Nierenproblemen sollten bezüglich der Eiweißzufuhr immer Rücksprache mit ihrer Ärzt*in halten.

Vitamine, Magnesium und Spurenelemente

Für den gesunden Knochen sind viele weitere Nährstoffe erforderlich.

  • Magnesium. Davon sollen etwa 300 bis 350 mg aufgenommen werden. Es steckt insbesondere in Mineralwässern, aber auch in Vollkornprodukten und Naturreis. Etwa ein Viertel der Erwachsenen in Deutschland erreicht die empfohlene tägliche Zufuhr nicht. Reicht eine Nahrungsumstellung nicht aus, können Supplemente zugeführt werden. 250 mg Magnesium stecken z. B. in 3,2 l Gerolsteiner Mineralwasser, 220 g Erdnüssen, 270 g Haferflocken und 320 g Naturreis.
  • Vitamin K. Vitamin K fördert den Einbau von Kalzium in den Knochen, es gibt auch Hinweise, dass es die Kalziumausscheidung über die Niere hemmt. In Deutschland wird für Männer und Frauen über 51 Jahren eine tägliche Zufuhr von 65 Mikrogramm bzw. 80 Mikrogramm empfohlen. Vitamin K ist hitzestabil, wodurch beim Kochen kaum Verluste auftreten. 80 Mikrogramm Vitamin K sind enthalten in 12 g Grünkohl, 25 g Spinat, 200 g Spargel oder 320 g Rotkraut.
  • Vitamin C. Vitamin C stimuliert die knochenbildenden Zellen, das für das Knochengerüst nötige Kollagen zu bilden. Etwa ein Drittel der Erwachsenen unterschreitet die erforderliche tägliche Zufuhr (95 mg für Frauen, 110 mg für Männer). Rauchen gilt als Vitamin-C-Killer, weshalb Rauchende einen höheren Bedarf haben (135 bzw. 155 mg). 110 mg Vitamin C finden sich in 70 g Petersilie, 100 g Paprika, 220 g Spinat, 250 g Kiwi oder 9 g Hagebutte. Wer den Bedarf mit Äpfeln oder Birnen decken möchte, muss davon täglich 920 g bzw. 2,4 kg zu sich nehmen.
  • Zink. Zink fördert die Bildung des Knochengerüsts und trägt damit zum Knochenaufbau bei. Bei Mangelernährung und veganer Ernährung kann es zu Zinkmangel kommen. Etwa 30% der Männer und 20% der Frauen erreichen die erforderliche Tageszufuhr von 11-16 mg (Männer) und 7-10 mg (Frauen) nicht. Ein hoher Konsum von Vollkornprodukten oder unfermentierten Hülsenfrüchten kann zudem die Zinkaufnahme stören. 10 mg Zink sind enthalten in 45 g Austern, 200 g Rinderleber, 200 g Edamer, 280 g Rindfleisch und 300 g Erdnüssen.

Hinweis: Vitamin K hebt die gerinnungshemmende Wirkung von Marcumar auf. Bei Einnahme dieses Blutverdünners sollte man mit Vitamin-K-reichen Produkten vorsichtig sein und im Zweifel die Ärzt*in dazu befragen.

Was gibt es gegen Arthrose?

Mit einer guten Ernährung lässt sich einiges für den Knochen tun. Davon profitieren auch die Gelenke. Speziell für die Gesundheit der Gelenke gibt es weniger Möglichkeiten. Die meisten Empfehlungen sind nicht ausreichend durch Studien belegt oder haben nur einen geringen Effekt.

  • Omega-3-Fettsäuren. Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) wirken entzündungshemmend. Besonders reichlich sind sie in Lachs und Hering enthalten. Als wichtigste pflanzliche Quellen gelten Raps-, Walnuss- und Leinöl. Distel- und Sonnenblumenöl sind ungünstig, weil sie mehr entzündungsfördernde Omega-6-Fettsäuren enthalten.
  • Selen. Ein zu niedriger Selen-Spiegel kann möglicherweise eine Arthrose begünstigen. Die Ergebnisse aus Studien sind hier aber teils sehr widersprüchlich. Deutsche Böden sind eher selenarm, weshalb die empfohlenen Tagesdosen häufig nicht erreicht werden. Diese beträgt für Männer 70 Mikrogramm/Tag, für Frauen 60 Mikrogramm.
  • Chondroitin und Glukosamin. Diese Knorpelbaustoffe sollen den Knorpelstoffwechsel fördern und den Bedarf für Schmerzmittel bei Arthrose reduzieren. Die Datenlage dazu ist allerdings nicht klar und mögliche Effekte auf Schmerzen und Funktionalität sehr gering. Chondroitin wird aus Knorpelgewebe von Schweinen, Rindern, Walen und Haifischen gewonnen, die empfohlene Tagesdosis sind 800 bis 1200 mg. Glukosamin stammt aus Krabben und Garnelen, die übliche tägliche Dosierung beträgt 800 bis 1500 mg pro Tag.

Antientzündlich hilft rheumatischen Gelenken

Für Menschen mit rheumatischen Gelenkbeschwerden ist eine antientzündliche Kost günstig. Dabei ist vor allem die Zufuhr von Arachidonsäure einzuschränken. Sie wird im Körper zu entzündungsfördernden Eicosanoiden umgewandelt, die Schübe auslösen können. Arachidonsäure ist vor allem in tierischen Produkten wie rotem Fleisch, Wurst und fettreichen Milchprodukten vorhanden, diese sollten deshalb in Maßen verzehrt werden. Günstig sind dagegen Lebensmittel mit reichlich Omega-3-Fettsäuren, denn die Fettsäuren vermindern den Abbau der Arachidonsäure zu den entzündungsfördernden Eicosanoiden.

Auch Antioxidanzien wie Vitamin C und E sowie Polyphenole und Carotinoide helfen gegen Entzündungen. Sie fangen freie Radikale ab und reduzieren damit den entzündlichen Kreislauf. Gute Quellen für Antioxidanzien sind Paprika, Johannisbeeren, Brokkoli, Nüsse, Oliven- und Rapsöl, Grünkohl, Knoblauch und Karotten. Die DGE empfiehlt eine Aufnahme von 95 bis 110 mg Vitamin C und 12 bis 15 mg Vitamin E. 3 bis 4 Esslöffel Beeren und eine Handvoll Nüsse decken diesen Bedarf in etwa ab.

Hinweis: Häufig wird eine Übersäuerung des Körpers als schädigend für Knochen und Gelenke genannt. Für diese Theorie gibt es allerdings keinen wissenschaftlichen Nachweis, entsprechende basische Produkte oder Diäten werden deshalb nicht empfohlen.

Von: Dr. med. Sonja Kempinski; Bild: mauritius images / Westend61 / Larissa Veronesi