Gesundheit heute

Beckenringbruch

Häufigkeit: 2

Beckenringbruch (Beckenringfraktur, Beckenbruch): Bruch eines oder mehrerer Knochen, die den Beckenring bilden. Für Beckenringbrüche gibt es zwei Häufigkeitsgipfel: 20- bis 30-Jährige brechen sich das Becken vor allem bei Verkehrsunfällen oder Stürzen aus großer Höhe. Bei Menschen über 60 genügen aufgrund der verminderten Knochendichte bereits einfache Stürze im häuslichen Umfeld. Typische Beschwerden sind Schmerzen im Becken, Bewegungseinschränkungen und die Schonhaltung des Beins. Bei Schwerverletzten ist der Beckenringbruch oft Teil einer Mehrfachverletzung (Polytrauma).

Beckenringbrüche werden in der Klinik versorgt. Stabile Brüche können häufig konservativ mit Bettruhe und Physiotherapie behandelt werden, sie heilen dann – vor allem bei jungen Patient*innen – meist folgenfrei aus. Instabile Brüche erfordern eine Operation, um das Becken wieder zu stabilisieren. Je nach Ausmaß des Bruchs und eventueller Begleitverletzungen wie z. B. Nervenschädigungen können langfristige Folgen wie eine erektile Dysfunktion oder eine Harninkontinenz zurückbleiben.

Beckenringbrüche sind vor allem für alte Menschen gefährlich. Bis zu 27 % versterben daran. Auch die Gehfähigkeit lässt sich häufig nicht mehr komplett wiederherstellen.

Hinweis: Bei einem Beckenbruch im Bereich der Gelenkpfanne des Hüftgelenks (Acetabulum) spricht man von einer Acetabulumfraktur (mehr dazu siehe dort).

Symptome und Leitbeschwerden

  • Schmerzen in der Leiste, am Kreuzbein, über der Hüfte und/oder am Gesäß
  • Schmerzen bei Bewegung oder bei Stauchung des Beines
  • Erschwerte Bewegung im Hüftgelenk
  • Schief stehendes Becken, unterschiedliche Länge der Beine
  • Blutergüsse am Genital oder am Damm, Blut im Urin
  • Begleitverletzungen, vor allem im Rahmen eines Polytraumas.

Wann in die Arztpraxis

Sofort die Notärzt*in/den Rettungsdienst rufen bei

  • einem Verkehrsunfall oder Sturz aus großer Höhe
  • oben genannten Beschwerden nach einem häuslichen Sturz.

Die Erkrankung

Der Beckenring besteht aus den beiden Hüftbeinen und dem untersten Teil der Wirbelsäule, dem Kreuzbein. Die Knochen sind ringförmig angeordnet: hinten sind rechtes und linkes Hüftbein jeweils über die sehr straffen Kreuz-Darmbein-Gelenke (Iliosakralgelenke) mit der Wirbelsäule verbunden. Dieser Bereich wird auch hinterer Beckenring genannt. Im vorderen Beckenring (also vorne) stoßen die beiden Hüftbeine in der sogenannten Symphysenfuge aneinander.

Die Hüftbeine bestehen jeweils aus drei Anteilen, dem Darmbein, dem Sitzbein und dem Schambein. Diese drei Teile verschmelzen bis zur Pubertät zum eigentlichen Hüftbein. Dort, wo sich die drei Knochen treffen, liegt die Hüftgelenkspfanne und bildet gemeinsam mit dem Kopf des Oberschenkelknochens das Hüftgelenk.

Der Beckenring ist sehr stabil, er sorgt für einen sicheren Stand und ermöglicht dem Menschen die aufrechte Haltung und das Gehen. Außerdem schützt er die Organe, die im Becken liegen, wie z. B. Harnblase und Enddarm sowie die Prostata beim Mann und die Eierstöcke und die Gebärmutter bei der Frau.

Einteilung der Beckenringbrüche. Je nach Verletzungsgrad und Stabilität des Beckens werden drei Formen unterschieden:

  • Typ A: intakter Beckenring, stabiles Becken. Beispiele sind Beckenrandverletzungen oder der Abriss eines Knochenanteils.
  • Typ B: partielle Unterbrechung des Beckenrings. Bei der Sprengung der vorderen Verbindung der beiden Hüftbeine (Open-Book-Verletzung) ist das Becken noch stabil. Bei einseitigen Brüchen ist das Becken vertikal stabil, in der waagrechten Ebene instabil.
  • Typ C: komplette Unterbrechung des Beckenrings. Diese Verletzungen sind komplett instabil und die Kraftüberleitung zum Oberschenkel ist unterbrochen.

Ist eine verminderte Knochendichte verantwortlich für die Fraktur, wird sie nach der Fragility Fractures of the Pelvis (FFP)-Klassifikation beurteilt. Als (meist) stabil und deshalb konservativ behandelbar gelten die isolierte vordere Beckenringfraktur (FFP-I) und die nicht verschobene Fraktur des hinteren Beckenrings (FFP-II). FFP-III- und FFP-IV-Brüche sind verschobene Brüche und deshalb meist instabil. In diesem Fall sollte operiert werden.

Ursachen und Risikofaktoren

Damit ein gesundes Kreuz- oder Hüftbein bricht, muss es einer erheblichen Gewalteinwirkung ausgesetzt sein. Typische Ursachen sind deshalb Stürze aus großer Höhe oder Verkehrsunfälle. Davon betroffen sind vor allem junge Menschen zwischen 20 und 30 Jahren, häufig kommt es dabei zu instabilen Brüchen (siehe unten).

Bei alten Menschen mit verminderter Knochendichte reicht für einen Bruch des Beckenringes oft schon ein einfacher häuslicher Sturz aus dem Stand. Beckenringbrüche sind bei alten Menschen gefürchtet. Bis zu 27 % der Betroffenen versterben daran, häufig bleiben Mobilitätsstörungen und eine verminderte Selbstständigkeit zurück.

Klinik

Die Beschwerden beim Beckenringbruch hängen davon ab, ob das Becken noch stabil (Typ A) oder ob es instabil ist, d. h. sich die Bruchteile in der Quer- oder Längsachse verschieben können. Bei stabilen Beckenringbrüchen sind Schmerzen und Bewegungseinschränkungen oft nur gering. Instabile Beckenringbrüche zeigen sich meist mit starken Schmerzen im Bereich der Hüfte, der Leiste, an der Lende oder am Kreuzbein. Der Schmerz zieht manchmal auch als Lumboischialgie von der Lendenwirbelsäule bis in die Beine. Oft können die Betroffenen nicht mehr gehen oder stehen. Manchmal lässt sich aufgrund der verschobenen Knochen schon von außen erkennen, dass das Becken schief ist. Je nach Ort und Ausmaß der Verletzung kommt es auch zu Schwellungen und Blutergüssen, z. B. an den Schamlippen, am Hoden oder am Damm.

Komplikationen

Der Beckenringbruch ist bei Hochrasanzunfällen (z. B. Motorrad- oder Autounfällen, Sturz aus großer Höhe) oft Teil eines Polytraumas, bei dem die Patient*innen weitere Verletzungen aufweisen. Dazu gehört nicht nur die Verletzung von Gefäßen oder inneren Organen im Bereich des Beckens, z. B. von Harnblase oder Darm. Oft liegen gleichzeitig auch ein Schädel-Hirn-Trauma oder Brustkorb- und Lungenverletzungen vor. Innere Blutungen sind eine häufige, schwerwiegende Komplikation, bei schweren Blutverlusten droht der Schock.

Diagnosesicherung

Schwerverletzte kommen zunächst in den Schock- oder Reanimationsraum. Dort prüft man, ob eine unmittelbare Lebensgefahr (z. B. durch schwere Blutungen und Schock) besteht, transfundiert Blut oder beginnt mit der Versorgung lebensgefährlicher Begleitverletzungen. Die für den Transport angelegte stabilisierende Beckenzwinge (oder ein stattdessen angelegter Beckengurt) verbleibt während dieser Maßnahmen an der Patient*in, manchmal wird sie auch durch eine andere Haltevorrichtung ersetzt.

Körperliche Untersuchung. Bei der körperlichen Untersuchung achtet die Ärzt*in auf äußere Verletzungen und prüft die Stabilität des Beckens. Dazu wird vorsichtig auf die Beckenschaufeln und das Schambein gedrückt und versucht, die Knochen gegeneinander zu verschieben. Wichtige Hinweise sind zudem Druck- und Stauchungsschmerzen.

Durch eine orientierende neurologische Untersuchung lassen sich eventuelle Begleitverletzungen von Nerven erkennen. Dabei werden an Beinen und Hüften die Reflexe, die Berührungsempfindlichkeit und, wenn möglich, die willkürliche Bewegung und die Kraft geprüft. Das Tasten der Fußpulse zeigt, ob die Durchblutung der Beine in Ordnung ist. Ein nicht tastbarer Fußpuls ist beispielsweise ein Hinweis auf eine verletzte Beinarterie. Die Untersuchung des Enddarms mit dem Finger gibt Auskunft über Verletzungen im Becken: Blut am Fingerling ist ein Hinweis auf Verletzung des Enddarms. Lässt sich die Prostata verschieben, könnte die Harnröhre abgerissen sein.

Bildgebende Verfahren. Je nach Ausmaß der Verletzung kommen verschiedene Aufnahmen und Untersuchungen infrage, häufig werden diese auch kombiniert.

  • Röntgenaufnahme des Beckens, als Übersicht und in mehreren Ebenen
  • CT-Aufnahmen vor allem bei Verdacht auf Verletzungen des hinteren Beckenringes, bei Patient*innen mit Mehrfachverletzungen auch kontrastmittelgestützt
  • Notfall-Ultraschalluntersuchung (e-FAST, extended Focused Assessment with Sonography for Trauma) zum Auffinden von inneren Blutungen in Körperhöhlen (Bauchraum, Pleurahöhle oder Herzbeutel), kombiniert mit einer Untersuchung des Brustkorbs, um einen Pneumothorax nicht zu übersehen
  • Selten ein MRT, vor allem bei Kindern, um sie keiner Strahlenbelastung auszusetzen oder wenn der Bruch im CT nicht gut zu sehen ist
  • Messung der Knochendichte (bei alten Patienten nach banalen Stürzen)
  • Urografie, d. h. eine Röntgenkontrastuntersuchung der ableitenden Harnwege bei Verdacht auf Verletzung von Blase, Harnröhre oder Harnleiter.

Differenzialdiagnosen. Beckenprellungen können ähnlich schmerzhaft sein wie Beckenringbrüche. Auszuschließen ist vor allem bei älteren Patient*innen auch die Arthrose.

Behandlung

Konservativ

Die meisten Beckenringbrüche vom Typ A lassen sich konservativ behandeln. Das gilt nicht, wenn Knochenteile stark verschoben sind – diese Beckenringbrüche werden operativ versorgt. Ebenfalls konservativ behandelt werden stabile Typ-B-Brüche wie beispielsweise Open-Book-Verletzungen, bei denen die Symphyse nicht mehr als 1–2 cm auseinanderklafft.

Die konservative Behandlung beinhaltet:

  • Schmerztherapie, z. B. mit nicht-opioiden Schmerzmitteln wie Diclofenac (z. B. Voltaren® oder Diclac®) oder Metamizol (wie z. B. Novalgin®), bei stärkeren Schmerzen auch niedrig-potente Opioide wie Tramadol (z. B. Tramal®) oder hochpotente Opioide wie Oxycodon (z. B. Oxygesic®).
  • Physikalische und medikamentöse Thromboseprophylaxe mit komprimierenden Strümpfen und/oder Heparinspritzen
  • Lymphdrainage zur Behandlung eines Lymphödems
  • Sehr frühe Physiotherapie, zunächst mit passiven Übungen, später kommen Anspannungs- und aktive Übungen dazu
  • Möglichst frühe Mobilisierung mit Gehwagen oder Unterarmgehstützen
  • Vollbelastung ist nach etwa 12 Wochen wieder möglich.

Operativ

Typ-C-Brüche, stark verschobene Typ-A-Brüche und instabile Typ-B-Brüche behandelt die Unfallchirurg*in operativ. Um das Becken wieder zu stabilisieren, werden die Knochenbruchstücke mit Schrauben oder Platten fixiert, manchmal verwendet die Operateur*in dazu auch Zement. Bei sehr starker Verletzung von Weichteilen werden die Knochen auch durch einen Fixateur externe von außen fixiert.

Nach der Operation bekommt die Patient*in eine geeignete Schmerztherapie mit Opioiden oder Nicht-Opioiden sowie für mehrere Wochen eine Thromboseprophylaxe (siehe oben, konservative Therapie). Wie bei der konservativen Behandlung erfolgt auch hier eine frühe Mobilisierung: zunächst mit passiven Übungen, bei denen die Physiotherapeut*in die Gelenke der Patient*in bewegt, dann mit Anspannungsübungen. Wann das Training mit Gehwagen oder Unterarmgehstützen beginnt, hängt von der Art des Bruches ab und wird von der Operateur*in bestimmt. Bis zur 16. Woche nach Operation ist meist Rehasport angesagt, ab dem 5. Monat sind Ausdauersportarten wie Laufen, Radfahren und Schwimmen wieder erlaubt.

Prognose

Typ-A-Brüche heilen unter einer konservativen Behandlung meist folgenlos aus. Bei instabilen Beckenringbrüchen hängen die Heilungserfolge vom Ausmaß des Bruchs und von eventuellen Begleitverletzungen ab. Wurden Nerven geschädigt, bleiben manchmal langfristige Folgen wie Erektionsstörungen oder eine Harninkontinenz zurück.

Ihre Apotheke empfiehlt

Übungen nach dem Beckenringbruch

Ob und wie Sie nach Ihrem Beckenbruch trainieren können, müssen Sie mit der behandelnden Ärzt*in oder Physiotherapeut*in besprechen. Beispiele für mögliche Übungen sind:

  • Beckenboden kräftigen: Legen Sie sich auf den Rücken, Arme und Beine sind entspannt. Spannen Sie nun die Beckenbodenmuskulatur so an, als wollten Sie ihren Harn- und Stuhldrang unterdrücken. Halten Sie die Spannung für etwa 15 Sekunden. 3 Wiederholungen.
  • Becken dehnen. Legen Sie sich auf den Rücken und stellen Sie die Füße nahe am Gesäß auf. Heben Sie das Becken nach oben. Wirbelsäule und Oberschenkel sollen dabei eine möglichst gerade Linie bilden. Spüren Sie die Dehnung im Becken, halten Sie die Position einige Sekunden. 3 Wiederholungen.

Prävention

Stürze vermeiden. Ältere Menschen sind oft von Stürzen bedroht, sei es aufgrund einer Fehlsichtigkeit, einem verminderten Gleichgewichtsgefühl oder durch krankheitsbedingte Einschränkung ihrer Beweglichkeit. Deshalb ist es wichtig, ihre Sturzgefahr zu ermitteln und nötigenfalls ihre Stabilität zu verbessern. Dazu dienen Gehstöcke, Dreibeinstöcke und Rollatoren. Gymnastik, Gleichgewichtsübungen und Bewegungstraining helfen, den Körper und die Reaktionsfähigkeit fit zu halten.

Stolperfallen ausmerzen. Vor allem bei älteren Menschen sind Wohnung und nähere Umgebung gründlich auf mögliche Stolperfallen wie Teppiche oder herumliegende Kabel zu untersuchen diese zu entfernen.

Hüftprotektoren. Bei hoher Sturzgefahr können Hüftprotektoren helfen. Dies sind Hosen, in denen seitlich über dem Hüftknochen Schutzpolster eingenäht sind. Diese Polster können eventuelle Stürze abmildern.

Osteoporose behandeln. Um eine größtmögliche Knochenstabilität zu erhalten ist es wichtig, eine vorliegende Osteoporose zu behandeln.

Von: Dr. med. Sonja Kempinski
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So hält man Osteoporose fern

Auch Tofu und Brokkoli gehören zu den Lebensmitteln, die wichtige Nährstoffen für den Knochen bereithalten.

So hält man Osteoporose fern

Knochenfreundlich ernähren

Osteoporose gehört zu den Volkskrankheiten. Doch wer sich gesund ernährt und eventuelle Mängel ausgleicht, kann die Knochen schützen. Dabei müssen nicht nur die nötigen Nährstoffe und Mineralien zugeführt werden. Vor allem in puncto Kalzium gilt es, auch die in vielen Produkten enthaltenen Kalziumräuber zu beachten.

Knochen lebenslang im Umbau

Knochen ist kein totes Gewebe: Im Gegenteil, er wird das ganze Leben lang umgebaut. Dieser Prozess dient dazu, kleine Schäden im Knochen zu reparieren oder den Knochen auf verstärkte Belastungen anzupassen. Insgesamt überwiegt bis zum 30. Lebensjahr der Aufbau. Danach befindet sich der Knochen etwa zehn Jahre lang im Gleichgewicht, und ab Mitte 40 nimmt der Knochenabbau allmählich zu. Für seine Stoffwechsel benötigt der Knochen einiges an Mineralien, Vitaminen und Nährstoffen. Werden diese nicht ausreichend zugeführt, leidet die Knochenqualität und es droht Knochenschwund (Osteoporose). Eine knochenfreundliche Ernährung kann vor dieser folgenschweren Erkrankung schützen. Und wer gleichzeitig etwas für seinen Knorpel und gegen Entzündungen tut, beugt auch gegen Arthrose vor.

Hinweis: Knochengewebe ist sehr fleißig: Innerhalb von etwa 8–10 Jahren hat sich das gesamte Skelett einmal „komplett“ ausgetauscht, weil alter Knochen abgebaut und durch neuen ersetzt wird.

Kalziumhaushalt bildet die Basis

Der wichtigste Grundstoff für den Knochen ist Kalzium. Es wirkt wie Zement im Mauerwerk und sorgt dadurch dafür, dass der Knochen fest, stabil und belastbar ist. 99% des Kalziums stecken in den Knochen und den Zähnen, wobei der Knochen auch als Kalziumvorrat dient. Denn das wertvolle Mineral wird auch außerhalb des Knochens gebraucht, z. B. bei der Muskelkontraktion, bei der Weiterleitung von Nervenreizen und bei der Blutgerinnung. Ist der Kalziumgehalt im Blut zu niedrig, kann es der Körper aus dem Knochen freisetzen – wobei die Kalziumvorräte aber unverzüglich wieder aufgefüllt werden müssen, damit der Knochen nicht leidet.

Kalzium wird im Darm aus der Nahrung aufgenommen, Allerdings schwankt die Aufnahme mit 20 bis 60% der zugeführten Kalziummenge stark. Um ausreichend viel Kalzium aufzunehmen, empfehlen Expert*innen die tägliche Zufuhr von mindestens 1000 mg. Damit sieht es allerdings mau aus in Deutschland: nur etwa die Hälfte der Erwachsenen erreicht diese Menge. Gedeckt wird der Bedarf von 1000 mg zum Beispiel durch

  • 125 mg Edamer 
  • 2,9 l Gerolsteiner Mineralwasser,
  • 0,8 l Milch, 
  • 830 g Joghurt oder
  • 540 g Tofu.

Obst und Gemüse enthalten ebenfalls Kalzium. Um auf 1000 mg täglich zu kommen, müssen allerdings auch hier sehr große Mengen von 470 g Grünkohl, 2,6 kg Kiwi oder 15 kg Bananen verzehrt werden. Auch Haferdrinks als Milchersatz sind oft mit Calcium angereichert und enthalten dann so viel Calcium wie Kuhmilch.

Hinweis: Die Aufnahme des Kalziums hängt nicht nur von der angebotenen Menge ab, sondern auch von Vitamin D. Bei starkem Vitamin-D-Mangel sinkt die Kalziumaufnahme im Darm unter 10%.

Kalziumräuber am Werk!

Eine knochenfreundliche Ernährung benötigt allerdings nicht nur ausreichend Kalzium. Es muss auch auf die Kalziumräuber in der Nahrung geachtet werden. Dies sind Lebensmittel, die bei übermäßigem Verzehr dazu führen können, dass dem Körper das angebotene Kalzium nicht ausreichend zur Verfügung steht. 

  • Phosphat. Die wichtigste Rolle spielt dabei Phosphat. Zwar fördert Phosphat gemeinsam mit Kalzium die Knochenstabilität. Wird es allerdings im Übermaß aufgenommen, behindert es die Kalziumresorption im Darm und fördert somit den Knochenabbau. Phosphat muss also keinesfalls gemieden, sondern nur ein Überschuss verhindert werden. Das gelingt, in dem man besonders phosphathaltige Lebensmittel wie Fleisch, Wurst und Cola sowie stark verarbeitete Produkte nur in Maßen konsumiert.
  • Oxalsäure und Phytinsäure. Auch Oxalsäure kann Kalzium im Darm abfangen und auf diese Weise die Aufnahme ins Blut verhindern. Empfohlen wird deshalb, oxalreiche Nahrungsmittel wie Spinat, Rhabarber, Kakao, Schokolade und Mangold nicht in übergroßen Mengen zu verzehren. Gleiches gilt für die Phytinsäure, die ebenfalls das Kalzium im Darm bindet. Besonders reich an Phytin sind Sojabohnen, Erdnüsse sowie Müsli aus frischem Getreide sowie Vollkornbreie. 
  • Alkohol, Kaffee und schwarzer Tee. Koffein im Übermaß kann dem Knochen auf zwei Arten schaden: Es hemmt die Kalziumaufnahme aus dem Darm und fördert die Kalziumausscheidung über die Niere. Alkohol hemmt die Kalziumaufnahme und schadet der Leber, wodurch der dort stattfindende Vitamin-Stoffwechsel gestört wird.

Hinweis: Kochsalz fördert die Osteoporose, indem es die Kalziumausscheidung über die Niere ankurbelt. Es ist ratsam, sparsam zu salzen und statt auf Kochsalz auf Gewürze zu setzen. Das tut nicht nur dem Knochen gut, sondern auch dem Blutdruck.

Unabdingbar: Vitamin D

Ohne die ausreichende Zufuhr von Vitamin D kann der Knochen das mit der Nahrung aufgenommene Kalzium nicht richtig nutzen. Denn Vitamin D verbessert nicht nur die Aufnahme des Mineralstoffs über die Darmschleimhaut. Es fördert auch seinen Einbau in den Knochen und hemmt den Knochenabbau. 10 bis 20% des Vitamins wird über die Nahrung aufgenommen, 80 bis 90% unter Sonneneinstrahlung in der Haut gebildet. Von April bis September reicht für die Vitamin-D-Versorgung ein täglicher Aufenthalt von 30 Minuten im Freien, wobei Arme und Gesicht unbedeckt sein müssen.

Der Tagesbedarf an Vitamin D beträgt etwa 800 Internationale Einheiten (IE). Etwa 80% der Männer und 91% der Frauen erreichen diese Werte nicht. Auf einen Mangel weisen diffuse Knochen- und Muskelschmerzen hin. Bei Verdacht sollte die Ärzt*in die Blutspiegel messen und der Mangel ausgeglichen werden. Dafür sind häufig Vitamin-D-Tabletten nötig. Denn die Auswahl an Vitamin-D-reichen Lebensmitteln ist gering und nicht nach jedermanns Geschmack. Dazu zählen Lebertran, Seefisch (Hering, Makrele,Lachs), Leber und Eigelb. Bei Vitamin-D-Mangel werden zum Ausgleich meist Tagesdosen von 1000 IE Vitamin D empfohlen. Diese Menge steckt z. B. in 

  • 80 g Hering, 160 g Lachs oder 190 g Aal sowie in 
  • 670 g Kalbfleisch oder 
  • 830 g Steinpilzen.

Hinweis: Vitamin D darf nicht überdosiert werden. Wer mehr als 4000 IE pro Tag aufnimmt, drohen Nierensteine und Herzrhythmusstörungen. Im Zweifel sollte man seine Ärzt*in dazu befragen und evtl. die Blutspiegel des Vitamins messen lassen.

Ohne Eiweiß geht es nicht

Ein weiterer wichtiger Baustein in der knochenfreundlichen Ernährung ist Eiweiß. Eiweiß bildet das Kollagengerüst im Knochen, in das Kalzium und die anderen Mineralien eingelagert werden. Mangelt es an Eiweiß, wird der Knochenaufbau behindert und das Risiko für Osteoporose und Knochenbrüche steigt.

Pflanzliches Eiweiß scheint dabei etwas vorteilhafter zu sein als tierisches Eiweiß. Expert*innen empfehlen eine Kombination pflanzlicher und tierischer Eiweiße, bei Letzteren sind Milch, Eier und mageres Fleisch zu bevorzugen. Der Tagesbedarf für Männer und Frauen bis 65 Jahre beträgt 0,8g/kg Körpergewicht, der für Menschen über 65 Jahre 1,0 g/kgKG. Ein 70-jährigr Mensch mit einem Gewicht von 70 kg braucht also 70 g Eiweiß/Tag. Diese stecken zum Beispiel in 

  • 240 g Emmentaler oder 270 g Gouda, 
  • 270 g Erdnüssen 
  • 310 g Rindfleisch, 310 g Huhn oder 310 g Schweinefleisch 
  • 390 g Fisch
  • 540 g Tofu oder
  • 580 g Linsen.

Um den Eiweißbedarf von 70 g mit Getreide oder Kartoffeln zu decken, müsste man täglich 900 g Weizenbrot oder 3,5 kg Kartoffeln verzehren.

Hinweis: Wer eine eingeschränkte Nierenfunktion hat, muss etwas vorsichtig mit Eiweiß sein. Eine überhöhte Zufuhr belastet die Nieren, weil dadurch mehr Harnstoff und Säure entsteht. Menschen mit Nierenproblemen sollten bezüglich der Eiweißzufuhr immer Rücksprache mit ihrer Ärzt*in halten.

Vitamine, Magnesium und Spurenelemente

Für den gesunden Knochen sind viele weitere Nährstoffe erforderlich.

  • Magnesium. Davon sollen etwa 300 bis 350 mg aufgenommen werden. Es steckt insbesondere in Mineralwässern, aber auch in Vollkornprodukten und Naturreis. Etwa ein Viertel der Erwachsenen in Deutschland erreicht die empfohlene tägliche Zufuhr nicht. Reicht eine Nahrungsumstellung nicht aus, können Supplemente zugeführt werden. 250 mg Magnesium stecken z. B. in 3,2 l Gerolsteiner Mineralwasser, 220 g Erdnüssen, 270 g Haferflocken und 320 g Naturreis.
  • Vitamin K. Vitamin K fördert den Einbau von Kalzium in den Knochen, es gibt auch Hinweise, dass es die Kalziumausscheidung über die Niere hemmt. In Deutschland wird für Männer und Frauen über 51 Jahren eine tägliche Zufuhr von 65 Mikrogramm bzw. 80 Mikrogramm empfohlen. Vitamin K ist hitzestabil, wodurch beim Kochen kaum Verluste auftreten. 80 Mikrogramm Vitamin K sind enthalten in 12 g Grünkohl, 25 g Spinat, 200 g Spargel oder 320 g Rotkraut.
  • Vitamin C. Vitamin C stimuliert die knochenbildenden Zellen, das für das Knochengerüst nötige Kollagen zu bilden. Etwa ein Drittel der Erwachsenen unterschreitet die erforderliche tägliche Zufuhr (95 mg für Frauen, 110 mg für Männer). Rauchen gilt als Vitamin-C-Killer, weshalb Rauchende einen höheren Bedarf haben (135 bzw. 155 mg). 110 mg Vitamin C finden sich in 70 g Petersilie, 100 g Paprika, 220 g Spinat, 250 g Kiwi oder 9 g Hagebutte. Wer den Bedarf mit Äpfeln oder Birnen decken möchte, muss davon täglich 920 g bzw. 2,4 kg zu sich nehmen.
  • Zink. Zink fördert die Bildung des Knochengerüsts und trägt damit zum Knochenaufbau bei. Bei Mangelernährung und veganer Ernährung kann es zu Zinkmangel kommen. Etwa 30% der Männer und 20% der Frauen erreichen die erforderliche Tageszufuhr von 11-16 mg (Männer) und 7-10 mg (Frauen) nicht. Ein hoher Konsum von Vollkornprodukten oder unfermentierten Hülsenfrüchten kann zudem die Zinkaufnahme stören. 10 mg Zink sind enthalten in 45 g Austern, 200 g Rinderleber, 200 g Edamer, 280 g Rindfleisch und 300 g Erdnüssen.

Hinweis: Vitamin K hebt die gerinnungshemmende Wirkung von Marcumar auf. Bei Einnahme dieses Blutverdünners sollte man mit Vitamin-K-reichen Produkten vorsichtig sein und im Zweifel die Ärzt*in dazu befragen.

Was gibt es gegen Arthrose?

Mit einer guten Ernährung lässt sich einiges für den Knochen tun. Davon profitieren auch die Gelenke. Speziell für die Gesundheit der Gelenke gibt es weniger Möglichkeiten. Die meisten Empfehlungen sind nicht ausreichend durch Studien belegt oder haben nur einen geringen Effekt.

  • Omega-3-Fettsäuren. Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) wirken entzündungshemmend. Besonders reichlich sind sie in Lachs und Hering enthalten. Als wichtigste pflanzliche Quellen gelten Raps-, Walnuss- und Leinöl. Distel- und Sonnenblumenöl sind ungünstig, weil sie mehr entzündungsfördernde Omega-6-Fettsäuren enthalten.
  • Selen. Ein zu niedriger Selen-Spiegel kann möglicherweise eine Arthrose begünstigen. Die Ergebnisse aus Studien sind hier aber teils sehr widersprüchlich. Deutsche Böden sind eher selenarm, weshalb die empfohlenen Tagesdosen häufig nicht erreicht werden. Diese beträgt für Männer 70 Mikrogramm/Tag, für Frauen 60 Mikrogramm.
  • Chondroitin und Glukosamin. Diese Knorpelbaustoffe sollen den Knorpelstoffwechsel fördern und den Bedarf für Schmerzmittel bei Arthrose reduzieren. Die Datenlage dazu ist allerdings nicht klar und mögliche Effekte auf Schmerzen und Funktionalität sehr gering. Chondroitin wird aus Knorpelgewebe von Schweinen, Rindern, Walen und Haifischen gewonnen, die empfohlene Tagesdosis sind 800 bis 1200 mg. Glukosamin stammt aus Krabben und Garnelen, die übliche tägliche Dosierung beträgt 800 bis 1500 mg pro Tag.

Antientzündlich hilft rheumatischen Gelenken

Für Menschen mit rheumatischen Gelenkbeschwerden ist eine antientzündliche Kost günstig. Dabei ist vor allem die Zufuhr von Arachidonsäure einzuschränken. Sie wird im Körper zu entzündungsfördernden Eicosanoiden umgewandelt, die Schübe auslösen können. Arachidonsäure ist vor allem in tierischen Produkten wie rotem Fleisch, Wurst und fettreichen Milchprodukten vorhanden, diese sollten deshalb in Maßen verzehrt werden. Günstig sind dagegen Lebensmittel mit reichlich Omega-3-Fettsäuren, denn die Fettsäuren vermindern den Abbau der Arachidonsäure zu den entzündungsfördernden Eicosanoiden.

Auch Antioxidanzien wie Vitamin C und E sowie Polyphenole und Carotinoide helfen gegen Entzündungen. Sie fangen freie Radikale ab und reduzieren damit den entzündlichen Kreislauf. Gute Quellen für Antioxidanzien sind Paprika, Johannisbeeren, Brokkoli, Nüsse, Oliven- und Rapsöl, Grünkohl, Knoblauch und Karotten. Die DGE empfiehlt eine Aufnahme von 95 bis 110 mg Vitamin C und 12 bis 15 mg Vitamin E. 3 bis 4 Esslöffel Beeren und eine Handvoll Nüsse decken diesen Bedarf in etwa ab.

Hinweis: Häufig wird eine Übersäuerung des Körpers als schädigend für Knochen und Gelenke genannt. Für diese Theorie gibt es allerdings keinen wissenschaftlichen Nachweis, entsprechende basische Produkte oder Diäten werden deshalb nicht empfohlen.

Von: Dr. med. Sonja Kempinski; Bild: mauritius images / Westend61 / Larissa Veronesi