Gesundheit heute
Facettensyndrom
Facettensyndrom: Verschleißbedingte Wirbelsäulenerkrankung mit Abnutzung der kleinen Wirbelgelenke (Facetten oder Facettengelenke), meist bei Menschen über 50 Jahren. Am häufigsten ist die Lendenwirbelsäule betroffen. Typisch sind Schmerzen am betroffenen Wirbelgelenk, die in andere Körperteile, z. B. die Arme oder Beine ausstrahlen und sich unter Ruhe bessern. Das Facettensyndrom tritt allein oder als Vorläufer bzw. gemeinsam mit anderen Wirbelsäulenerkrankungen wie Spinalstenose, Wirbelgleiten oder Bandscheibenschäden auf.
Akute Schmerzen werden mit Schmerzmitteln, Physiotherapie und/oder Spritzen in das Facettengelenk behandelt. Langfristig ist es entscheidend, die Wirbelsäule durch Kräftigung der Rumpfmuskulatur zu stabilisieren und Fehlhaltungen sowie Überlastungen zu vermeiden. Greifen diese Behandlungen nicht, lässt sich der sensible Nerv des betroffenen Gelenks durch Hitze veröden und damit ausschalten.
Symptome und Leitbeschwerden
- Dumpfe Rückenschmerzen, die unter Belastung und im Verlauf des Tages meist zunehmen und sich in Ruhe und im Liegen wieder bessern (ausgenommen bei Befall der Brustwirbelsäule: hier können sich die Schmerzen im Liegen verstärken!)
- Ausstrahlen der Schmerzen in Richtung Arm, Bein oder Rippenbogen (je nach Ort der degenerativen Veränderungen)
- Schmerzbedingte Verspannungen in Nacken und/oder Rücken.
Wann in die Arztpraxis
Nach 1–2 Wochen bei
- lokalen Schmerzen ohne Ausstrahlungen.
Innerhalb weniger Tage, wenn
- die Schmerzen in Richtung Arm oder Bein ausstrahlen.
Die Erkrankung
Die Facetten oder Wirbelgelenke verbinden die einzelnen Wirbelkörper der Wirbelsäule miteinander. Sie liegen rechts und links des Dornfortsatzes und tragen mit den Bandscheiben einen großen Anteil der statischen Belastung der Wirbelsäule. Wenn sich die Facettengelenke abnutzen, kommt es zum Austritt von Gelenkflüssigkeit und zu lokalen entzündlichen Reaktionen, was schließlich zu starken Schmerzen führt.
Es gibt Schätzungen, dass bis zu 40 % der älteren Bevölkerung an einem Facettensyndrom leiden. Es kann überall an der Wirbelsäule auftreten, am häufigsten betrifft es jedoch die Lendenwirbelsäule.
Ursachen und Risikofaktoren
Hauptursache des Facettensyndroms ist der natürliche, altersbedingte Verschleiß der Wirbelgelenke. Dieser Verschleiß wird durch unphysiologische oder übermäßige Beanspruchung der Wirbelsäule begünstigt. Dazu gehören zum Beispiel:
- Schwere, einseitige körperliche Arbeit (zum Beispiel das Tragen von Lasten)
- Ständige starke Erschütterungen wie z. B. beim beruflichen Lastwagenfahren
- Zu schwache Rückenmuskulatur durch vornehmlich sitzende Tätigkeit, sitzenden Lebensstil sowie Bewegungsmangel
- Übergewicht
- Fehlhaltungen, Wirbelsäulenverformungen wie Skoliose oder Hohlkreuz, Fehlbelastungen durch Leistungssport
- Höhenverlust im Zwischenwirbelraum durch Bandscheibenverschleiß (z. B. bei der Osteochondrose)
- Rheumatische Erkrankungen.
Klinik
Das Facettensyndrom ist gekennzeichnet durch Schmerzen am betroffenen Wirbelgelenk, die sich bei Belastung verstärken und in Ruhe besser werden. Die Schmerzen können je nach Lokalisation ausstrahlen, bei Befall der Halswirbelsäule (zervikales Facettensyndrom) etwa in den Arm. Ist (in seltenen Fällen) die Brustwirbelsäule betroffen (thorakales Facettensyndrom) breitet sich der Schmerz entlang des Rippenbogens aus. Beim lumbalen Facettensyndrom im Bereich der Lendenwirbelsäule strahlen die Schmerzen oft in die Beine aus. Im Gegensatz zu Schmerzen durch Druck auf die Nervenwurzeln (sogenannte radikuläre Schmerzen, wie z. B. beim Bandscheibenvorfall) sind die Schmerzen meist nicht von Kribbeln oder Taubheitsgefühlen begleitet. Ärzt*innen sprechen dabei deshalb auch häufig von pseudoradikulären Schmerzen.
Komplikationen
Das Facettensyndrom tritt als eigenständiges Krankheitsbild auf, kann aber durch die zentrale Stellung der Facettengelenke im Gesamtverbund „Wirbelsäule“ zu zahlreichen anderen Erkrankungen führen oder von ihnen begleitet werden. Dazu gehören vor allem die Spinalstenose, das Wirbelgleiten, die Osteochondrose und der Bandscheibenvorfall.
Diagnosesicherung
Die Ärzt*in befragt die Patient*in genau, wann und wo die Schmerzen auftreten, ob sie bei Belastung stärker werden und in Ruhe nachlassen. Bei der körperlichen Untersuchung prüft sie durch Abtasten des Rückens Schmerzen und Druckempfindlichkeit im Bereich der Wirbelsäule. Häufig lässt sich dabei schon recht genau feststellen, welche Facettengelenke gereizt sind. Außerdem untersucht die Ärzt*in die Beweglichkeit der Wirbelsäule. Dafür muss sich die Patient*in strecken und beugen sowie Kopf und Oberkörper drehen und zur Seite neigen.
Weil das Facettensyndrom zu Erkrankungen führen kann, die Druck auf Nerven ausüben (Bandscheibenvorfall, Spinalstenose), prüft die Ärzt*in mit Hilfe von Reflexen, Sensibilitätstests und Muskelkraft, ob die Nervenwurzeln gereizt sind.
Neben der körperlichen Untersuchung helfen Ultraschall, Röntgen und vor allem detailreiche Aufnahmen durch Computertomografie oder Magnetresonanztomografie dabei, Ausmaß und Lokalisation der Veränderungen nachzuweisen. Im Zweifel bestätigt auch die Injektion eines Schmerzmittels in das verdächtige Gelenk (Facetteninjektion) die Diagnose.
Behandlung
Der Verschleiß der Wirbelgelenke lässt sich leider nicht rückgängig machen. Deshalb ruht die Therapie des Facettensyndroms in erster Linie auf der Behandlung der Schmerzen mit Medikamenten und Physiotherapie. Langfristig ist zur Linderung der Beschwerden vor allem die Kräftigung der Rückenmuskulatur durch Bewegungstherapie und das Erlernen einer rückenschonenden Lebensweise erforderlich.
Schmerzmittel. Zur Behandlung der Schmerzen verordnet die Ärzt*in meist die orale Einnahme von entzündungs- und schmerzhemmenden NSAR wie Diclofenac (z. B. Voltaren® oder Diclac®) oder Ibuprofen (z. B. Ibu® oder Brufen®). In schwereren Fällen kommen Opioide zum Einsatz, sie können auch als Schmerzpflaster aufgeklebt werden.
Infiltrationstherapie. Reichen Pflaster und Tabletten nicht aus, spritzt der Arzt Medikamente in die Nähe des schmerzenden Gelenks. Meist handelt es sich dabei um eine Mischung aus Kortison (zur Reduktion der Entzündung) und Lokalanästhetikum (ein betäubendes Medikament zur Eindämmung der Schmerzen).
Denervierung der Schmerzfasern. In manchen Fällen sind die Beschwerden so stark, dass die Ärzt*in das Ausschalten der schmerzleitenden Gelenknerven empfiehlt. Dabei komt eine Thermosonde zum Einsatz, die unter lokaler Betäubung oder kurzer Narkose über eine Nadel an die Nerven herangeführt wird und über die gezielt Stromimpulse gesetzt. werden Das Verfahren beseitigt zwar die Schmerzen, nicht jedoch deren Ursache. Zudem ist es schwierig und aufwendig, die schmerzhaften Zwischenwirbelgelenke alle korrekt zu identifizieren.
Hilfsmittel. In manchen Fällen passt die Ärzt*in zur Behandlung akuter Schmerzen auch stabilisierende Mieder oder eine Art Korsett an (sogenannte Orthesen).
Physiotherapie. Unterstützend zur medikamentösen Schmerztherapie wirken bei vielen Patient*innen Behandlungen mit Wärme (z. B. Fango), Ultraschall oder Stromtherapie (z. B. die TENS).
Mobilisierende und stabilisierende Krankengymnastik. Eine starke Rumpfmuskulatur entlastet die Wirbelsäule und damit auch die Facettengelenke. Gezielte Übungen helfen beim Aufbau der Muskelgruppen, die die Wirbelsäule stabilisieren. Gleichzeitig werden verspannte und verkürzte Muskeln gedehnt, sodass sich die Rückenbeweglichkeit verbessert. Außerdem schulen die Rückenübungen Koordination und Körpergefühl, was langfristig zu rückenfreundlicheren und gesünderen Bewegungsmustern führt.
Rückenschule. Eine Umstellung auf einen „rückenfreundlicheren“ Alltag gelingt nur, wenn Betroffene ausreichend geschult werden und erlernte Techniken selbstständig anwenden können. Krankenkassen, Krankengymnastik-Praxen und Rehabilitationskliniken bieten hierzu Kurse an, deren Kosten häufig die Krankenkasse übernimmt.
Operative Behandlung. Kommt es durch das Facettensyndrom zu Komplikationen wie Spinalstenose oder Bandscheibenvorfall, werden manchmal operative Eingriffe erforderlich. Dazu gehören vor allem Versteifungsoperationen der Wirbelsäule oder das operative Erweitern von Einengungen im Wirbelkanal.
Hinweis: Weitere Informationen zur konservativen und operativen Behandlung von Rückenschmerzen finden sich im Beitrag Rückenschmerzen.
Prognose
Das Facettensyndrom ist nicht heilbar. Einmal verschlissene Wirbelgelenke lassen sich nicht regenerieren. Mit konsequenter Bewegungstherapie zur Stärkung der Rückenmuskulatur und Schmerzmitteln gelingt es den Patient*innen jedoch meist, die Beschwerden längerfristig reduzieren.
Ihr Apotheker empfiehlt
Was Sie selbst tun können
Rückenschule. Machen Sie regelmäßig die in der Rückenschule erlernten Übungen und achten Sie im Alltag auf rückenfreundliches Verhalten, vor allem beim Sitzen, Stehen, Heben oder Tragen von Lasten. Die wichtigsten Regeln der Rückenschule sind:
- Täglich bewegen, z. B. vermehrt Strecken zu Fuß zurücklegen
- Den Rücken gerade halten
- Beim Bücken in die Hocke gehen
- Möglichst keine schweren Gegenstände heben
- Beim Tragen von Lasten diese verteilen und nah am Körper tragen
- Nicht mit durchgedrückten Knien stehen
- Möglichst mit leicht gekrümmten Beinen liegen
- Regelmäßig rückenfreundlichen Sport treiben, z. B. Schwimmen, Laufen oder Radfahren
- Täglich die kleinen Wirbelsäulenmuskeln mit Übungen trainieren.
Sport. Sport kann Fluch und Segen für die Wirbelsäule sein. So belasten kräftige, ruckartige Bewegungen die gesamte Wirbelsäule inklusive Facettengelenke und Bandscheiben und führen dadurch zu einem vorzeitigen Verschleiß. Sportarten, die den Rücken stärken und eine hohe Stabilität der Wirbelsäule erfordern, beeinflussen dagegen den Verlauf eines Facettensyndroms günstig. Dazu gehören beispielsweise Kraftsport, Radfahren und Schwimmen. Lassen Sie sich von Ihrer Orthopäd*in beraten, welche Sportart und vor allem wieviel davon für Ihren Rücken geeignet ist.
Um Rat fragen. Stellen Sie keine Selbstdiagnose und machen Sie keine Übungen in Eigenregie. Gehen Sie bei Beschwerden zur Ärzt*in und lassen Sie diese dort professionell abklären. Machen Sie nur Übungen, die Ihnen vom Fachpersonal gezeigt wurden. Falsches oder übermäßiges Training kann vor allem der Halswirbelsäule schwere Schäden zufügen.
Gewicht normalisieren. Bauen Sie vorhandenes Übergewicht ab, um die Wirbelsäule und damit Ihre Facettengelenke zu entlasten.
Rückenschonend arbeiten. Wenn Sie im Büro tätig sind, erledigen Sie möglichst viel im Stehen oder Gehen. Insbesondere bei Stress sind solche Bewegungspausen wichtig, um eine Anspannung der Nacken- und Rückenmuskulatur zu verhindern. Ändern Sie beim Sitzen regelmäßig Ihre Position, abwechselnd leicht vorgeneigt, aufrecht und zurückgelehnt. Wählen Sie einen Arbeitsstuhl mit der Funktion „dynamisches Sitzen“. Sie verfügen über eine Rückenlehne, die sich mitbewegt und gleichzeitig den Rücken stützt. Wenn Ihnen eine häufige Änderung der Sitzhaltung schwerfällt, wählen Sie eine dauerhafte Sitzposition, die zwischen Rücken und Oberschenkel einen Winkel von etwa 120° einschließt. Wichtig für die Arbeitsplatzergonomie ist auch die richtige Höhe von Tisch und Stuhl. Idealerweise bilden Ober- und Unterarme sowie Ober- und Unterschenkel mindestens einen rechten Winkel. Wenn die Arme locker auf den Armlehnen aufliegen, entlastet diese Position den Schulterbereich. Handballenauflagen vor der Tastatur entspannen beim Tippen ebenfalls die Schultern, tun aber auch dem Nacken gut.
Rückenschonendes Autofahren. Wenn Sie beruflich viel im Auto sitzen, leisten Sie sich einen guten Autositz und nutzen Sie die Pausen zum Umhergehen, zum Recken und Strecken.
Wärme. Wärme beruhigt und entspannt die Muskulatur und hilft dadurch, den Schmerz zu lindern. Bewährt haben sich warme Vollbäder (beruhigend: Melisse, Lavendel; anregend und durchblutungsfördernd: Rosmarin), warme Wickel (Heublume, Fango), Wärmflasche oder Wärmekissen im Bett, durchblutungsfördernde Pflaster (z. B. ABC-Wärmepflaster), Einreibungen z. B. mit Pferdesalbe, wärmende Unterwäsche aus Angorawolle, Wollschals oder auch ein Saunabesuch. Herzkranke Menschen müssen wegen der Kreislaufbelastung erst Rücksprache mit ihrer Ärzt*in halten, bevor sie sich mit Vollbädern, Wickeln oder Saunabesuchen behandeln.
Weiterführende Informationen
- www.mein-starker-ruecken.de. Eine Seite mit praktischen, gut bebilderten und erklärten Übungen für Rückengymnastik. Klären Sie jedoch vor jeglichem Training mit Ihrer Ärzt*in ab, ob solche Übungen für Sie sinnvoll sind!
Auch Tofu und Brokkoli gehören zu den Lebensmitteln, die wichtige Nährstoffen für den Knochen bereithalten.
So hält man Osteoporose fern
Knochenfreundlich ernähren
Osteoporose gehört zu den Volkskrankheiten. Doch wer sich gesund ernährt und eventuelle Mängel ausgleicht, kann die Knochen schützen. Dabei müssen nicht nur die nötigen Nährstoffe und Mineralien zugeführt werden. Vor allem in puncto Kalzium gilt es, auch die in vielen Produkten enthaltenen Kalziumräuber zu beachten.
Knochen lebenslang im Umbau
Knochen ist kein totes Gewebe: Im Gegenteil, er wird das ganze Leben lang umgebaut. Dieser Prozess dient dazu, kleine Schäden im Knochen zu reparieren oder den Knochen auf verstärkte Belastungen anzupassen. Insgesamt überwiegt bis zum 30. Lebensjahr der Aufbau. Danach befindet sich der Knochen etwa zehn Jahre lang im Gleichgewicht, und ab Mitte 40 nimmt der Knochenabbau allmählich zu. Für seine Stoffwechsel benötigt der Knochen einiges an Mineralien, Vitaminen und Nährstoffen. Werden diese nicht ausreichend zugeführt, leidet die Knochenqualität und es droht Knochenschwund (Osteoporose). Eine knochenfreundliche Ernährung kann vor dieser folgenschweren Erkrankung schützen. Und wer gleichzeitig etwas für seinen Knorpel und gegen Entzündungen tut, beugt auch gegen Arthrose vor.
Hinweis: Knochengewebe ist sehr fleißig: Innerhalb von etwa 8–10 Jahren hat sich das gesamte Skelett einmal „komplett“ ausgetauscht, weil alter Knochen abgebaut und durch neuen ersetzt wird.
Kalziumhaushalt bildet die Basis
Der wichtigste Grundstoff für den Knochen ist Kalzium. Es wirkt wie Zement im Mauerwerk und sorgt dadurch dafür, dass der Knochen fest, stabil und belastbar ist. 99% des Kalziums stecken in den Knochen und den Zähnen, wobei der Knochen auch als Kalziumvorrat dient. Denn das wertvolle Mineral wird auch außerhalb des Knochens gebraucht, z. B. bei der Muskelkontraktion, bei der Weiterleitung von Nervenreizen und bei der Blutgerinnung. Ist der Kalziumgehalt im Blut zu niedrig, kann es der Körper aus dem Knochen freisetzen – wobei die Kalziumvorräte aber unverzüglich wieder aufgefüllt werden müssen, damit der Knochen nicht leidet.
Kalzium wird im Darm aus der Nahrung aufgenommen, Allerdings schwankt die Aufnahme mit 20 bis 60% der zugeführten Kalziummenge stark. Um ausreichend viel Kalzium aufzunehmen, empfehlen Expert*innen die tägliche Zufuhr von mindestens 1000 mg. Damit sieht es allerdings mau aus in Deutschland: nur etwa die Hälfte der Erwachsenen erreicht diese Menge. Gedeckt wird der Bedarf von 1000 mg zum Beispiel durch
- 125 mg Edamer
- 2,9 l Gerolsteiner Mineralwasser,
- 0,8 l Milch,
- 830 g Joghurt oder
- 540 g Tofu.
Obst und Gemüse enthalten ebenfalls Kalzium. Um auf 1000 mg täglich zu kommen, müssen allerdings auch hier sehr große Mengen von 470 g Grünkohl, 2,6 kg Kiwi oder 15 kg Bananen verzehrt werden. Auch Haferdrinks als Milchersatz sind oft mit Calcium angereichert und enthalten dann so viel Calcium wie Kuhmilch.
Hinweis: Die Aufnahme des Kalziums hängt nicht nur von der angebotenen Menge ab, sondern auch von Vitamin D. Bei starkem Vitamin-D-Mangel sinkt die Kalziumaufnahme im Darm unter 10%.
Kalziumräuber am Werk!
Eine knochenfreundliche Ernährung benötigt allerdings nicht nur ausreichend Kalzium. Es muss auch auf die Kalziumräuber in der Nahrung geachtet werden. Dies sind Lebensmittel, die bei übermäßigem Verzehr dazu führen können, dass dem Körper das angebotene Kalzium nicht ausreichend zur Verfügung steht.
- Phosphat. Die wichtigste Rolle spielt dabei Phosphat. Zwar fördert Phosphat gemeinsam mit Kalzium die Knochenstabilität. Wird es allerdings im Übermaß aufgenommen, behindert es die Kalziumresorption im Darm und fördert somit den Knochenabbau. Phosphat muss also keinesfalls gemieden, sondern nur ein Überschuss verhindert werden. Das gelingt, in dem man besonders phosphathaltige Lebensmittel wie Fleisch, Wurst und Cola sowie stark verarbeitete Produkte nur in Maßen konsumiert.
- Oxalsäure und Phytinsäure. Auch Oxalsäure kann Kalzium im Darm abfangen und auf diese Weise die Aufnahme ins Blut verhindern. Empfohlen wird deshalb, oxalreiche Nahrungsmittel wie Spinat, Rhabarber, Kakao, Schokolade und Mangold nicht in übergroßen Mengen zu verzehren. Gleiches gilt für die Phytinsäure, die ebenfalls das Kalzium im Darm bindet. Besonders reich an Phytin sind Sojabohnen, Erdnüsse sowie Müsli aus frischem Getreide sowie Vollkornbreie.
- Alkohol, Kaffee und schwarzer Tee. Koffein im Übermaß kann dem Knochen auf zwei Arten schaden: Es hemmt die Kalziumaufnahme aus dem Darm und fördert die Kalziumausscheidung über die Niere. Alkohol hemmt die Kalziumaufnahme und schadet der Leber, wodurch der dort stattfindende Vitamin-Stoffwechsel gestört wird.
Hinweis: Kochsalz fördert die Osteoporose, indem es die Kalziumausscheidung über die Niere ankurbelt. Es ist ratsam, sparsam zu salzen und statt auf Kochsalz auf Gewürze zu setzen. Das tut nicht nur dem Knochen gut, sondern auch dem Blutdruck.
Unabdingbar: Vitamin D
Ohne die ausreichende Zufuhr von Vitamin D kann der Knochen das mit der Nahrung aufgenommene Kalzium nicht richtig nutzen. Denn Vitamin D verbessert nicht nur die Aufnahme des Mineralstoffs über die Darmschleimhaut. Es fördert auch seinen Einbau in den Knochen und hemmt den Knochenabbau. 10 bis 20% des Vitamins wird über die Nahrung aufgenommen, 80 bis 90% unter Sonneneinstrahlung in der Haut gebildet. Von April bis September reicht für die Vitamin-D-Versorgung ein täglicher Aufenthalt von 30 Minuten im Freien, wobei Arme und Gesicht unbedeckt sein müssen.
Der Tagesbedarf an Vitamin D beträgt etwa 800 Internationale Einheiten (IE). Etwa 80% der Männer und 91% der Frauen erreichen diese Werte nicht. Auf einen Mangel weisen diffuse Knochen- und Muskelschmerzen hin. Bei Verdacht sollte die Ärzt*in die Blutspiegel messen und der Mangel ausgeglichen werden. Dafür sind häufig Vitamin-D-Tabletten nötig. Denn die Auswahl an Vitamin-D-reichen Lebensmitteln ist gering und nicht nach jedermanns Geschmack. Dazu zählen Lebertran, Seefisch (Hering, Makrele,Lachs), Leber und Eigelb. Bei Vitamin-D-Mangel werden zum Ausgleich meist Tagesdosen von 1000 IE Vitamin D empfohlen. Diese Menge steckt z. B. in
- 80 g Hering, 160 g Lachs oder 190 g Aal sowie in
- 670 g Kalbfleisch oder
- 830 g Steinpilzen.
Hinweis: Vitamin D darf nicht überdosiert werden. Wer mehr als 4000 IE pro Tag aufnimmt, drohen Nierensteine und Herzrhythmusstörungen. Im Zweifel sollte man seine Ärzt*in dazu befragen und evtl. die Blutspiegel des Vitamins messen lassen.
Ohne Eiweiß geht es nicht
Ein weiterer wichtiger Baustein in der knochenfreundlichen Ernährung ist Eiweiß. Eiweiß bildet das Kollagengerüst im Knochen, in das Kalzium und die anderen Mineralien eingelagert werden. Mangelt es an Eiweiß, wird der Knochenaufbau behindert und das Risiko für Osteoporose und Knochenbrüche steigt.
Pflanzliches Eiweiß scheint dabei etwas vorteilhafter zu sein als tierisches Eiweiß. Expert*innen empfehlen eine Kombination pflanzlicher und tierischer Eiweiße, bei Letzteren sind Milch, Eier und mageres Fleisch zu bevorzugen. Der Tagesbedarf für Männer und Frauen bis 65 Jahre beträgt 0,8g/kg Körpergewicht, der für Menschen über 65 Jahre 1,0 g/kgKG. Ein 70-jährigr Mensch mit einem Gewicht von 70 kg braucht also 70 g Eiweiß/Tag. Diese stecken zum Beispiel in
- 240 g Emmentaler oder 270 g Gouda,
- 270 g Erdnüssen
- 310 g Rindfleisch, 310 g Huhn oder 310 g Schweinefleisch
- 390 g Fisch
- 540 g Tofu oder
- 580 g Linsen.
Um den Eiweißbedarf von 70 g mit Getreide oder Kartoffeln zu decken, müsste man täglich 900 g Weizenbrot oder 3,5 kg Kartoffeln verzehren.
Hinweis: Wer eine eingeschränkte Nierenfunktion hat, muss etwas vorsichtig mit Eiweiß sein. Eine überhöhte Zufuhr belastet die Nieren, weil dadurch mehr Harnstoff und Säure entsteht. Menschen mit Nierenproblemen sollten bezüglich der Eiweißzufuhr immer Rücksprache mit ihrer Ärzt*in halten.
Vitamine, Magnesium und Spurenelemente
Für den gesunden Knochen sind viele weitere Nährstoffe erforderlich.
- Magnesium. Davon sollen etwa 300 bis 350 mg aufgenommen werden. Es steckt insbesondere in Mineralwässern, aber auch in Vollkornprodukten und Naturreis. Etwa ein Viertel der Erwachsenen in Deutschland erreicht die empfohlene tägliche Zufuhr nicht. Reicht eine Nahrungsumstellung nicht aus, können Supplemente zugeführt werden. 250 mg Magnesium stecken z. B. in 3,2 l Gerolsteiner Mineralwasser, 220 g Erdnüssen, 270 g Haferflocken und 320 g Naturreis.
- Vitamin K. Vitamin K fördert den Einbau von Kalzium in den Knochen, es gibt auch Hinweise, dass es die Kalziumausscheidung über die Niere hemmt. In Deutschland wird für Männer und Frauen über 51 Jahren eine tägliche Zufuhr von 65 Mikrogramm bzw. 80 Mikrogramm empfohlen. Vitamin K ist hitzestabil, wodurch beim Kochen kaum Verluste auftreten. 80 Mikrogramm Vitamin K sind enthalten in 12 g Grünkohl, 25 g Spinat, 200 g Spargel oder 320 g Rotkraut.
- Vitamin C. Vitamin C stimuliert die knochenbildenden Zellen, das für das Knochengerüst nötige Kollagen zu bilden. Etwa ein Drittel der Erwachsenen unterschreitet die erforderliche tägliche Zufuhr (95 mg für Frauen, 110 mg für Männer). Rauchen gilt als Vitamin-C-Killer, weshalb Rauchende einen höheren Bedarf haben (135 bzw. 155 mg). 110 mg Vitamin C finden sich in 70 g Petersilie, 100 g Paprika, 220 g Spinat, 250 g Kiwi oder 9 g Hagebutte. Wer den Bedarf mit Äpfeln oder Birnen decken möchte, muss davon täglich 920 g bzw. 2,4 kg zu sich nehmen.
- Zink. Zink fördert die Bildung des Knochengerüsts und trägt damit zum Knochenaufbau bei. Bei Mangelernährung und veganer Ernährung kann es zu Zinkmangel kommen. Etwa 30% der Männer und 20% der Frauen erreichen die erforderliche Tageszufuhr von 11-16 mg (Männer) und 7-10 mg (Frauen) nicht. Ein hoher Konsum von Vollkornprodukten oder unfermentierten Hülsenfrüchten kann zudem die Zinkaufnahme stören. 10 mg Zink sind enthalten in 45 g Austern, 200 g Rinderleber, 200 g Edamer, 280 g Rindfleisch und 300 g Erdnüssen.
Hinweis: Vitamin K hebt die gerinnungshemmende Wirkung von Marcumar auf. Bei Einnahme dieses Blutverdünners sollte man mit Vitamin-K-reichen Produkten vorsichtig sein und im Zweifel die Ärzt*in dazu befragen.
Was gibt es gegen Arthrose?
Mit einer guten Ernährung lässt sich einiges für den Knochen tun. Davon profitieren auch die Gelenke. Speziell für die Gesundheit der Gelenke gibt es weniger Möglichkeiten. Die meisten Empfehlungen sind nicht ausreichend durch Studien belegt oder haben nur einen geringen Effekt.
- Omega-3-Fettsäuren. Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) wirken entzündungshemmend. Besonders reichlich sind sie in Lachs und Hering enthalten. Als wichtigste pflanzliche Quellen gelten Raps-, Walnuss- und Leinöl. Distel- und Sonnenblumenöl sind ungünstig, weil sie mehr entzündungsfördernde Omega-6-Fettsäuren enthalten.
- Selen. Ein zu niedriger Selen-Spiegel kann möglicherweise eine Arthrose begünstigen. Die Ergebnisse aus Studien sind hier aber teils sehr widersprüchlich. Deutsche Böden sind eher selenarm, weshalb die empfohlenen Tagesdosen häufig nicht erreicht werden. Diese beträgt für Männer 70 Mikrogramm/Tag, für Frauen 60 Mikrogramm.
- Chondroitin und Glukosamin. Diese Knorpelbaustoffe sollen den Knorpelstoffwechsel fördern und den Bedarf für Schmerzmittel bei Arthrose reduzieren. Die Datenlage dazu ist allerdings nicht klar und mögliche Effekte auf Schmerzen und Funktionalität sehr gering. Chondroitin wird aus Knorpelgewebe von Schweinen, Rindern, Walen und Haifischen gewonnen, die empfohlene Tagesdosis sind 800 bis 1200 mg. Glukosamin stammt aus Krabben und Garnelen, die übliche tägliche Dosierung beträgt 800 bis 1500 mg pro Tag.
Antientzündlich hilft rheumatischen Gelenken
Für Menschen mit rheumatischen Gelenkbeschwerden ist eine antientzündliche Kost günstig. Dabei ist vor allem die Zufuhr von Arachidonsäure einzuschränken. Sie wird im Körper zu entzündungsfördernden Eicosanoiden umgewandelt, die Schübe auslösen können. Arachidonsäure ist vor allem in tierischen Produkten wie rotem Fleisch, Wurst und fettreichen Milchprodukten vorhanden, diese sollten deshalb in Maßen verzehrt werden. Günstig sind dagegen Lebensmittel mit reichlich Omega-3-Fettsäuren, denn die Fettsäuren vermindern den Abbau der Arachidonsäure zu den entzündungsfördernden Eicosanoiden.
Auch Antioxidanzien wie Vitamin C und E sowie Polyphenole und Carotinoide helfen gegen Entzündungen. Sie fangen freie Radikale ab und reduzieren damit den entzündlichen Kreislauf. Gute Quellen für Antioxidanzien sind Paprika, Johannisbeeren, Brokkoli, Nüsse, Oliven- und Rapsöl, Grünkohl, Knoblauch und Karotten. Die DGE empfiehlt eine Aufnahme von 95 bis 110 mg Vitamin C und 12 bis 15 mg Vitamin E. 3 bis 4 Esslöffel Beeren und eine Handvoll Nüsse decken diesen Bedarf in etwa ab.
Hinweis: Häufig wird eine Übersäuerung des Körpers als schädigend für Knochen und Gelenke genannt. Für diese Theorie gibt es allerdings keinen wissenschaftlichen Nachweis, entsprechende basische Produkte oder Diäten werden deshalb nicht empfohlen.

