Gesundheit heute

Kalkschulter

Häufigkeit: 4

Kalkschulter (Periarthropathia humeroscapularis calcarea, Tendinosis calcarea): Kalkeinlagerung in der Muskel-Sehnen-Haube des Schultergelenks (Rotatorenmanschette), vor allem im Bereich der Sehne des Obergrätenmuskels (M. supraspinatus). Je nach Stadium der Erkrankung kommt es zu teils heftigen Schmerzen, die bei Armbewegungen verstärkt werden, sich aber auch nachts beim Schlafen auf der Schulter bemerkbar machen. Die Kalkschulter tritt meist zwischen 35 und 50 Jahren auf, bei Frauen etwas häufiger als bei Männern. Die Kalkablagerungen lassen sich im Ultraschall und im Röntgenbild gut nachweisen.

In der stark schmerzenden Akutphase behandelt der Arzt die Kalkschulter vor allem mit Schmerztabletten und Kortisonspritzen in das Gelenk. Häufig lösen sich die Kalkablagerungen spontan wieder auf und der Patient hat keine Beschwerden mehr. Bleibt die Heilung aus, gibt es mehrere Möglichkeiten der Behandlung. Diese reichen von Krankengymnastik oder Stoßwellen bis hin zur Entfernung des Kalks durch das sog. Needling oder (selten) eine Operation.

Symptome und Leitbeschwerden

  • Starke Schmerzen und eingeschränkte Beweglichkeit des Arms in der Akutphase
  • Schmerzen beim Liegen auf der Schulter im Schlaf
  • Im Röntgenbild erkennbare Kalkablagerungen in der Schulter als Zufallsbefund ohne begleitende Beschwerden möglich.

Wann zum Arzt

Am gleichen Tag, wenn

  • plötzlich starke Schmerzen in der Schulter und Einschränkungen der Armbeweglichkeit auftauchen.

Demnächst, wenn

  • Schulterschmerzen langsam immer stärker werden.

Die Erkrankung

Die Kalkschulter ist eine häufige Erkrankung, die sich vor allem in der Lebensmitte zeigt. Betroffen sind dabei die Sehnen der Rotatorenmanschette, also der Sehnen-Muskel-Haube, die das Schultergelenk umschließt. Zur Entstehung einer Kalkschulter gibt es aktuell zwei Theorien:

Umbau von Sehnen- zu Faserknorpelgewebe. Hier durchläuft die Erkrankung mehrere Stadien (wobei nicht jeder Patient alle 4 Phasen durchmacht):

  • Initialstadium: Aus noch ungeklärten Gründen wandelt sich bei der Kalkschulter Sehnengewebe in Faserknorpel um. Schmerzen hat der Patient in dieser Phase meist kaum.
  • Phase der Kalkeinlagerung: Stirbt der neu gebildete Faserknorpel ab, lagert sich Kalzium ein, die verkalkte Sehne schwillt an und drückt auf Nachbarstrukturen. In dieser Phase beginnen die Schmerzen, und zwar hauptsächlich, wenn der Arm bewegt wird. Da meist der M. supraspinatus von den Kalkeinlagerungen betroffen ist, schmerzt vor allem das Zur-Seite-Heben des Armes. Auch der schwellungsbedingte Platzmangel im Schultergelenk führt zu Schmerzen, dies nennt der Arzt Impingementsyndrom.
  • Resorptionsphase: Als Antwort auf den dauernden Reiz im Gelenk kommt es zu entzündlichen Prozessen. Dabei versucht der Körper, mithilfe von Immun- und Entzündungszellen das störende Kalzium abzubauen und aus der Schulter heraus zu transportieren. In dieser Phase sind durch die freigesetzten Entzündungsmediatoren (Zytokine, Prostaglandine) die Schmerzen oft besonders stark, der Betroffene kann z. B. vor Schmerz kaum auf der betroffenen Schulter liegen.
  • Reparatur: Sind die Kalkablagerungen wieder verschwunden, arbeitet der Organismus daran, das eigentliche Gewebe wiederherzustellen. Schmerzen hat der Patient in dieser Phase meist keine mehr.

Durchblutungstheorie. Einer anderen Theorie zufolge verkalkt die Sehne, weil sie in ihrem Verlauf unter dem Schulterdach lagebedingt schlecht durchblutet ist. In der Folge degeneriert die Sehne und Kalk lagert sich ein.

Ursachen und Risikofaktoren

Was die oben genannten Prozesse in der Schulter anstößt, ist noch unklar. Es gibt allerdings Risikofaktoren oder Zustände, die mit der Entwicklung von Umbauprozessen und Kalkablagerungen in Zusammenhang gebracht werden. Dazu gehören:

  • Überbelastung der Schulter, z. B. durch Sport (Handball, Speerwerfen, Kontaktsportarten) oder bestimmte Berufe (Über-Kopf-Arbeit, zum Beispiel bei Elektroinstallationen oder anderen Gewerken)
  • Verletzungen der Schulter durch Unfälle oder Stürze, etwa ein Rotatorenmanschettenriss
  • Altersbedingte Verschleißprozesse.

Komplikationen

Die wichtigste Komplikation ist die Bursitis calcarea. Diese spezielle Form der Schleimbeutelentzündung (Bursitis) entsteht, wenn ein Kalkherd in einen der Schleimbeutel einbricht und dort zu schmerzhaften Entzündungsprozessen führt. Am häufigsten ist dabei die Bursa subacromialis betroffen, das ist der Schleimbeutel, der zwischen Schultereckgelenk und der Sehne des M. supraspinatus liegt. Typisch für die Schmerzen bei Bursitis calcarea ist, dass diese unabhängig von Bewegung und Lagerung auftreten und häufig sehr stark sind. Mehr dazu unter Schleimbeutelentzündung der Schulter.

Diagnosesicherung

Schmerzen, Schonhaltung und ein Druckschmerz beim Abtasten der Schultervorderseite bringen den Arzt meist schnell dazu, eine bildgebende Diagnostik zu veranlassen. Im Röntgenbild der Schulter lassen sich die Kalkablagerungen sehr gut nachweisen, am häufigsten finden sie sich in der Nähe des Ansatzes der Sehne des M. supraspinatus am Tuberculum major des Oberarmknochens. Auch mit einer Ultraschalluntersuchung der Schulter kann der Arzt Kalkablagerungen gut erkennen.

Hinweis: Nicht jede Kalkablagerung in der Schulter muss behandelt werden. Oft sind die Depots reine Zufallsfunde im Röntgenbild. Größe und Ausmaß von radiologisch nachweisbaren Kalkherden sagen nichts darüber aus, ob der Patient behandlungsbedürftige Beschwerden hat.

Differenzialdiagnosen. Schmerzen, Schonhaltung und Bewegungseinschränkungen des Armes finden sich auch bei Schultergelenkverrenkung, Oberarmkopfbruch, Rotatorenmanschettenriss und anderen Schulterverletzungen.

Behandlung

Oberstes Ziel bei der Behandlung ist – vor allem in der akuten Phase – die Linderung der oft sehr starken Schmerzen. Dazu gibt es mehrere Möglichkeiten, die der Arzt je nach Ausmaß empfiehlt:

  • Orale Schmerzmittel. Gegen die Schmerzen helfen Wirkstoffe wie Ibuprofen (z. B. Dolgit® oder Ibuprofen AbZ), Paracetamol (z. B. ben-u-ron® oder Paracetamol-ratiopharm®), Coxibe wie Etoricoxib (z. B. Arcoxia®) oder auch Opioide Metamizol (z. B. Novalgin®).
  • Kortisonspritze ins Gelenk. Kortison ist schmerz- und entzündungshemmend und wird vor allem bei sehr starken Schmerzen eingesetzt. Nachdem der Arzt es in das Gelenk gespritzt hat, kommt es meist nachhaltig zur Linderung der Beschwerden. Kortisonspritzen werden allerdings zurückhaltend angewendet, da Kortison selbst zu einer Degeneration von Sehnen führen kann.
  • Ruhigstellung. Zur Ausheilung trägt die Ruhigstellung, z. B. eine Armschlinge, bei. In der Akutphase sind die Schmerzen oft so stark, dass der Patient von selbst gar nicht ans Bewegen denkt.
  • Wärme und Kälte. Ob Wärme oder Kälte die schmerzende Schulter beruhigt, hängt vom Stadium der Erkrankung ab. Überwiegen die entzündlichen Ereignisse in der Kalkschulter ist Wärme ungünstig, weil es die Durchblutung und damit auch die Entzündung zusätzlich anheizt. In diesem Stadium helfen Kühlpacks besser. Wärme hilft dagegen, wenn nichtentzündliche Dauerschmerzen quälen. Sie entspannt die Muskeln und verbessert die Durchblutung, was die Schmerzen häufig lindert.
  • Strahlentherapie. Treten die Schmerzen erstmals auf, raten manche Ärzte zur Strahlentherapie. Sie fördert die Entzündungsreaktion und hilft dem Körper, den Kalk abzubauen. Allerdings ist bei einer Strahlentherapie das Tumorrisiko (minimal) erhöht, weshalb diese Form der Behandlung eher für Patienten im fortgeschrittenen Alter geeignet ist. Die Strahlentherapie muss der Patient selbst bezahlen, sie ist eine IGeL-Therapie.
  • Physiotherapie. Gezielte Übungen helfen, die Schulter beweglich zu halten und den Muskelabbau zu verhindern. Außerdem regen sie die Durchblutung an, was Abbau und Abtransport des störenden Kalks unterstützt. Mechanisch zerstören können diese Übungen die Kalkablagerungen jedoch nicht.

In vielen Fällen reicht die Behandlung der akuten Schmerzen mit oben genannten Mitteln aus und die Kalkschulter heilt spontan, indem sich die Ablagerungen innerhalb von Wochen und Monaten von selbst auflösen. Sind die Beschwerden durch Kühlen, Ruhigstellen, Schmerzmittel und Kortisonspritze nicht beherrschbar oder quält die Kalkschulter dauerhaft, versuchen die Ärzte, den Kalk mit folgenden Verfahren aus der Schulter zu entfernen:

  • Extrakorporale Stoßwellentherapie. Stoßwellen zertrümmern den Kalk in kleinste Teilchen und regen die Durchblutung an. Auf diese Weise unterstützen sie die körpereigenen Abbauprozesse. In 40 bis 70 % der Fälle kann die Stoßwellentherapie die Schmerzen lindern und die Beweglichkeit des Arms wieder verbessern. Meist sind 3 Termine nötig. Zeigt sich nach 3 Monaten kein Erfolg der Behandlung, sollte diese abgebrochen werden. Die Stoßwellentherapie wird bei der Kalkschulter in der Regel nicht von den Krankenkassen bezahlt, der Patient muss die Kosten also selbst tragen.
  • Kalkneedling. Bei größeren Kalkdepots oder hartnäckigen Verläufen empfehlen manche Ärzte das Kalkneedling. Beim ultraschallgesteuerten Kalkneedling (auch ultraschallgestützte Nadellavage genannt) führt der Arzt unter Live-Ultraschallkontrolle eine Spezialnadel in das Gelenk ein, zerstört den Kalk mechanisch und saugt ihn mithilfe einer Spülflüssigkeit ab. Die Ergebnisse dieses relativ neuen Verfahrens sollen mit denen der arthroskopischen Operation vergleichbar sein. In der älteren, klassischen Variante des Needlings wird das Zerstoßen des Kalks mittels gleichzeitiger Röntgendarstellung in Echtzeit kontrolliert. Nachteile des klassischen Needlings sind die Strahlenbelastung und die Tatsache, dass die Kalkdepots hier nur zerstoßen und nicht abgesaugt werden.
  • Operation. Die Kalkschulter kann minimal-invasiv oder offen über einen konventionellen Hautschnitt operiert werden.
  • Arthroskopische Kalkdepotentfernung. Bei diesem Eingriff werden die Kalkablagerungen arthroskopisch entfernt. Dabei schiebt der Operateur über einen kleinen Hautschnitt ein Endoskop mit Kamera in das Gelenk, ortet die Kalkdepots, schabt diese mit einem scharfen Löffel ab (ebenfalls über das Endoskop) und spült das Gelenk gut aus.
  • Offene Operation. Hier erfolgt der Zugang zum Gelenk und die Entfernung der Kalkablagerungen über einen konventionellen Hautschnitt und die Zertrennung von Fett- und Muskelschichten. Der Eingriff kann in Vollnarkose, aber auch unter lokaler Betäubung erfolgen.

Prognose

Der Verlauf bei der Kalkschulter ist höchst variabel. Bei vielen Patienten heilt sie durch Auflösung der Kalkablagerungen im Verlauf von einigen Wochen bis Monaten von allein aus. Machen die Ablagerungen jedoch dauerhaft Beschwerden, sollte man die Therapie nicht zu lange aufschieben, damit sich keine Arthrose entwickelt.

Ihr Apotheker empfiehlt

Was Sie selbst tun können

Ernährung. Um entzündliche Prozesse einzudämmen, soll bei der Kalkschulter – ebenso wie bei Arthrose – eine gesunde, ausgewogene Ernährung hilfreich sein. Speziell wird der Verzicht auf Schweinefleisch und große Mengen von Kaffee, Alkohol, Butter und Eiern empfohlen. Entzündungshemmende Effekte werden dagegen Kräutern wie Anis, Fenchel und Kurkuma nachgesagt.

Nützliche Muskelübungen. Patienten mit einer Kalkschulter profitieren von regelmäßigem Schulter- und Armtraining. Die richtigen Übungen fördern die Beweglichkeit der Schulter und beugen dem Versteifen des Gelenks vor, stärken die Muskelkraft und fördern die Durchblutung. Wichtig dabei ist, nie mit Schmerzen zu trainieren. Im Zweifel lassen Sie sich Übungen von einem Physiotherapeuten zeigen. Mögliche Übungen sind:

  • Dehnübung: Eine Hand über den Kopf hinweg auf den eigenen Rücken legen. Dann mit der anderen Hand den Ellbogen für etwa 10 s sanft in Richtung Kopf ziehen, um die Muskulatur zu dehnen.
  • Kräftigungsübung: Vor eine Wand stellen, die Oberarme liegen am Körper, die Unterarme werden nach vorne angehoben und gegen die Wand gedrückt. Kurz halten, mehrfach täglich wiederholen.
  • Beweglichkeitstraining: Gut für die Beweglichkeit der Schulter ist das Pendeln der Arme im Stehen oder Sitzen. Nimmt man dabei ein leichtes Gewicht in die Hand, wird der Arm nach unten gezogen und der Gelenkspalt etwas weiter, wodurch sich die reibungsbedingten Schmerzen verringern.

Akupunktur. Manchen Kalkschulter-Patienten hilft auch die Akupunktur. Sie soll die Schmerzen lindern und durch energetische Anregung im Gewebe den Abtransport des Kalziums fördern. Einen wissenschaftlichen Nachweis für diese Effekte gibt es jedoch nicht.

Von: Dr. med. Sonja Kempinski
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So hält man Osteoporose fern

Auch Tofu und Brokkoli gehören zu den Lebensmitteln, die wichtige Nährstoffen für den Knochen bereithalten.

So hält man Osteoporose fern

Knochenfreundlich ernähren

Osteoporose gehört zu den Volkskrankheiten. Doch wer sich gesund ernährt und eventuelle Mängel ausgleicht, kann die Knochen schützen. Dabei müssen nicht nur die nötigen Nährstoffe und Mineralien zugeführt werden. Vor allem in puncto Kalzium gilt es, auch die in vielen Produkten enthaltenen Kalziumräuber zu beachten.

Knochen lebenslang im Umbau

Knochen ist kein totes Gewebe: Im Gegenteil, er wird das ganze Leben lang umgebaut. Dieser Prozess dient dazu, kleine Schäden im Knochen zu reparieren oder den Knochen auf verstärkte Belastungen anzupassen. Insgesamt überwiegt bis zum 30. Lebensjahr der Aufbau. Danach befindet sich der Knochen etwa zehn Jahre lang im Gleichgewicht, und ab Mitte 40 nimmt der Knochenabbau allmählich zu. Für seine Stoffwechsel benötigt der Knochen einiges an Mineralien, Vitaminen und Nährstoffen. Werden diese nicht ausreichend zugeführt, leidet die Knochenqualität und es droht Knochenschwund (Osteoporose). Eine knochenfreundliche Ernährung kann vor dieser folgenschweren Erkrankung schützen. Und wer gleichzeitig etwas für seinen Knorpel und gegen Entzündungen tut, beugt auch gegen Arthrose vor.

Hinweis: Knochengewebe ist sehr fleißig: Innerhalb von etwa 8–10 Jahren hat sich das gesamte Skelett einmal „komplett“ ausgetauscht, weil alter Knochen abgebaut und durch neuen ersetzt wird.

Kalziumhaushalt bildet die Basis

Der wichtigste Grundstoff für den Knochen ist Kalzium. Es wirkt wie Zement im Mauerwerk und sorgt dadurch dafür, dass der Knochen fest, stabil und belastbar ist. 99% des Kalziums stecken in den Knochen und den Zähnen, wobei der Knochen auch als Kalziumvorrat dient. Denn das wertvolle Mineral wird auch außerhalb des Knochens gebraucht, z. B. bei der Muskelkontraktion, bei der Weiterleitung von Nervenreizen und bei der Blutgerinnung. Ist der Kalziumgehalt im Blut zu niedrig, kann es der Körper aus dem Knochen freisetzen – wobei die Kalziumvorräte aber unverzüglich wieder aufgefüllt werden müssen, damit der Knochen nicht leidet.

Kalzium wird im Darm aus der Nahrung aufgenommen, Allerdings schwankt die Aufnahme mit 20 bis 60% der zugeführten Kalziummenge stark. Um ausreichend viel Kalzium aufzunehmen, empfehlen Expert*innen die tägliche Zufuhr von mindestens 1000 mg. Damit sieht es allerdings mau aus in Deutschland: nur etwa die Hälfte der Erwachsenen erreicht diese Menge. Gedeckt wird der Bedarf von 1000 mg zum Beispiel durch

  • 125 mg Edamer 
  • 2,9 l Gerolsteiner Mineralwasser,
  • 0,8 l Milch, 
  • 830 g Joghurt oder
  • 540 g Tofu.

Obst und Gemüse enthalten ebenfalls Kalzium. Um auf 1000 mg täglich zu kommen, müssen allerdings auch hier sehr große Mengen von 470 g Grünkohl, 2,6 kg Kiwi oder 15 kg Bananen verzehrt werden. Auch Haferdrinks als Milchersatz sind oft mit Calcium angereichert und enthalten dann so viel Calcium wie Kuhmilch.

Hinweis: Die Aufnahme des Kalziums hängt nicht nur von der angebotenen Menge ab, sondern auch von Vitamin D. Bei starkem Vitamin-D-Mangel sinkt die Kalziumaufnahme im Darm unter 10%.

Kalziumräuber am Werk!

Eine knochenfreundliche Ernährung benötigt allerdings nicht nur ausreichend Kalzium. Es muss auch auf die Kalziumräuber in der Nahrung geachtet werden. Dies sind Lebensmittel, die bei übermäßigem Verzehr dazu führen können, dass dem Körper das angebotene Kalzium nicht ausreichend zur Verfügung steht. 

  • Phosphat. Die wichtigste Rolle spielt dabei Phosphat. Zwar fördert Phosphat gemeinsam mit Kalzium die Knochenstabilität. Wird es allerdings im Übermaß aufgenommen, behindert es die Kalziumresorption im Darm und fördert somit den Knochenabbau. Phosphat muss also keinesfalls gemieden, sondern nur ein Überschuss verhindert werden. Das gelingt, in dem man besonders phosphathaltige Lebensmittel wie Fleisch, Wurst und Cola sowie stark verarbeitete Produkte nur in Maßen konsumiert.
  • Oxalsäure und Phytinsäure. Auch Oxalsäure kann Kalzium im Darm abfangen und auf diese Weise die Aufnahme ins Blut verhindern. Empfohlen wird deshalb, oxalreiche Nahrungsmittel wie Spinat, Rhabarber, Kakao, Schokolade und Mangold nicht in übergroßen Mengen zu verzehren. Gleiches gilt für die Phytinsäure, die ebenfalls das Kalzium im Darm bindet. Besonders reich an Phytin sind Sojabohnen, Erdnüsse sowie Müsli aus frischem Getreide sowie Vollkornbreie. 
  • Alkohol, Kaffee und schwarzer Tee. Koffein im Übermaß kann dem Knochen auf zwei Arten schaden: Es hemmt die Kalziumaufnahme aus dem Darm und fördert die Kalziumausscheidung über die Niere. Alkohol hemmt die Kalziumaufnahme und schadet der Leber, wodurch der dort stattfindende Vitamin-Stoffwechsel gestört wird.

Hinweis: Kochsalz fördert die Osteoporose, indem es die Kalziumausscheidung über die Niere ankurbelt. Es ist ratsam, sparsam zu salzen und statt auf Kochsalz auf Gewürze zu setzen. Das tut nicht nur dem Knochen gut, sondern auch dem Blutdruck.

Unabdingbar: Vitamin D

Ohne die ausreichende Zufuhr von Vitamin D kann der Knochen das mit der Nahrung aufgenommene Kalzium nicht richtig nutzen. Denn Vitamin D verbessert nicht nur die Aufnahme des Mineralstoffs über die Darmschleimhaut. Es fördert auch seinen Einbau in den Knochen und hemmt den Knochenabbau. 10 bis 20% des Vitamins wird über die Nahrung aufgenommen, 80 bis 90% unter Sonneneinstrahlung in der Haut gebildet. Von April bis September reicht für die Vitamin-D-Versorgung ein täglicher Aufenthalt von 30 Minuten im Freien, wobei Arme und Gesicht unbedeckt sein müssen.

Der Tagesbedarf an Vitamin D beträgt etwa 800 Internationale Einheiten (IE). Etwa 80% der Männer und 91% der Frauen erreichen diese Werte nicht. Auf einen Mangel weisen diffuse Knochen- und Muskelschmerzen hin. Bei Verdacht sollte die Ärzt*in die Blutspiegel messen und der Mangel ausgeglichen werden. Dafür sind häufig Vitamin-D-Tabletten nötig. Denn die Auswahl an Vitamin-D-reichen Lebensmitteln ist gering und nicht nach jedermanns Geschmack. Dazu zählen Lebertran, Seefisch (Hering, Makrele,Lachs), Leber und Eigelb. Bei Vitamin-D-Mangel werden zum Ausgleich meist Tagesdosen von 1000 IE Vitamin D empfohlen. Diese Menge steckt z. B. in 

  • 80 g Hering, 160 g Lachs oder 190 g Aal sowie in 
  • 670 g Kalbfleisch oder 
  • 830 g Steinpilzen.

Hinweis: Vitamin D darf nicht überdosiert werden. Wer mehr als 4000 IE pro Tag aufnimmt, drohen Nierensteine und Herzrhythmusstörungen. Im Zweifel sollte man seine Ärzt*in dazu befragen und evtl. die Blutspiegel des Vitamins messen lassen.

Ohne Eiweiß geht es nicht

Ein weiterer wichtiger Baustein in der knochenfreundlichen Ernährung ist Eiweiß. Eiweiß bildet das Kollagengerüst im Knochen, in das Kalzium und die anderen Mineralien eingelagert werden. Mangelt es an Eiweiß, wird der Knochenaufbau behindert und das Risiko für Osteoporose und Knochenbrüche steigt.

Pflanzliches Eiweiß scheint dabei etwas vorteilhafter zu sein als tierisches Eiweiß. Expert*innen empfehlen eine Kombination pflanzlicher und tierischer Eiweiße, bei Letzteren sind Milch, Eier und mageres Fleisch zu bevorzugen. Der Tagesbedarf für Männer und Frauen bis 65 Jahre beträgt 0,8g/kg Körpergewicht, der für Menschen über 65 Jahre 1,0 g/kgKG. Ein 70-jährigr Mensch mit einem Gewicht von 70 kg braucht also 70 g Eiweiß/Tag. Diese stecken zum Beispiel in 

  • 240 g Emmentaler oder 270 g Gouda, 
  • 270 g Erdnüssen 
  • 310 g Rindfleisch, 310 g Huhn oder 310 g Schweinefleisch 
  • 390 g Fisch
  • 540 g Tofu oder
  • 580 g Linsen.

Um den Eiweißbedarf von 70 g mit Getreide oder Kartoffeln zu decken, müsste man täglich 900 g Weizenbrot oder 3,5 kg Kartoffeln verzehren.

Hinweis: Wer eine eingeschränkte Nierenfunktion hat, muss etwas vorsichtig mit Eiweiß sein. Eine überhöhte Zufuhr belastet die Nieren, weil dadurch mehr Harnstoff und Säure entsteht. Menschen mit Nierenproblemen sollten bezüglich der Eiweißzufuhr immer Rücksprache mit ihrer Ärzt*in halten.

Vitamine, Magnesium und Spurenelemente

Für den gesunden Knochen sind viele weitere Nährstoffe erforderlich.

  • Magnesium. Davon sollen etwa 300 bis 350 mg aufgenommen werden. Es steckt insbesondere in Mineralwässern, aber auch in Vollkornprodukten und Naturreis. Etwa ein Viertel der Erwachsenen in Deutschland erreicht die empfohlene tägliche Zufuhr nicht. Reicht eine Nahrungsumstellung nicht aus, können Supplemente zugeführt werden. 250 mg Magnesium stecken z. B. in 3,2 l Gerolsteiner Mineralwasser, 220 g Erdnüssen, 270 g Haferflocken und 320 g Naturreis.
  • Vitamin K. Vitamin K fördert den Einbau von Kalzium in den Knochen, es gibt auch Hinweise, dass es die Kalziumausscheidung über die Niere hemmt. In Deutschland wird für Männer und Frauen über 51 Jahren eine tägliche Zufuhr von 65 Mikrogramm bzw. 80 Mikrogramm empfohlen. Vitamin K ist hitzestabil, wodurch beim Kochen kaum Verluste auftreten. 80 Mikrogramm Vitamin K sind enthalten in 12 g Grünkohl, 25 g Spinat, 200 g Spargel oder 320 g Rotkraut.
  • Vitamin C. Vitamin C stimuliert die knochenbildenden Zellen, das für das Knochengerüst nötige Kollagen zu bilden. Etwa ein Drittel der Erwachsenen unterschreitet die erforderliche tägliche Zufuhr (95 mg für Frauen, 110 mg für Männer). Rauchen gilt als Vitamin-C-Killer, weshalb Rauchende einen höheren Bedarf haben (135 bzw. 155 mg). 110 mg Vitamin C finden sich in 70 g Petersilie, 100 g Paprika, 220 g Spinat, 250 g Kiwi oder 9 g Hagebutte. Wer den Bedarf mit Äpfeln oder Birnen decken möchte, muss davon täglich 920 g bzw. 2,4 kg zu sich nehmen.
  • Zink. Zink fördert die Bildung des Knochengerüsts und trägt damit zum Knochenaufbau bei. Bei Mangelernährung und veganer Ernährung kann es zu Zinkmangel kommen. Etwa 30% der Männer und 20% der Frauen erreichen die erforderliche Tageszufuhr von 11-16 mg (Männer) und 7-10 mg (Frauen) nicht. Ein hoher Konsum von Vollkornprodukten oder unfermentierten Hülsenfrüchten kann zudem die Zinkaufnahme stören. 10 mg Zink sind enthalten in 45 g Austern, 200 g Rinderleber, 200 g Edamer, 280 g Rindfleisch und 300 g Erdnüssen.

Hinweis: Vitamin K hebt die gerinnungshemmende Wirkung von Marcumar auf. Bei Einnahme dieses Blutverdünners sollte man mit Vitamin-K-reichen Produkten vorsichtig sein und im Zweifel die Ärzt*in dazu befragen.

Was gibt es gegen Arthrose?

Mit einer guten Ernährung lässt sich einiges für den Knochen tun. Davon profitieren auch die Gelenke. Speziell für die Gesundheit der Gelenke gibt es weniger Möglichkeiten. Die meisten Empfehlungen sind nicht ausreichend durch Studien belegt oder haben nur einen geringen Effekt.

  • Omega-3-Fettsäuren. Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) wirken entzündungshemmend. Besonders reichlich sind sie in Lachs und Hering enthalten. Als wichtigste pflanzliche Quellen gelten Raps-, Walnuss- und Leinöl. Distel- und Sonnenblumenöl sind ungünstig, weil sie mehr entzündungsfördernde Omega-6-Fettsäuren enthalten.
  • Selen. Ein zu niedriger Selen-Spiegel kann möglicherweise eine Arthrose begünstigen. Die Ergebnisse aus Studien sind hier aber teils sehr widersprüchlich. Deutsche Böden sind eher selenarm, weshalb die empfohlenen Tagesdosen häufig nicht erreicht werden. Diese beträgt für Männer 70 Mikrogramm/Tag, für Frauen 60 Mikrogramm.
  • Chondroitin und Glukosamin. Diese Knorpelbaustoffe sollen den Knorpelstoffwechsel fördern und den Bedarf für Schmerzmittel bei Arthrose reduzieren. Die Datenlage dazu ist allerdings nicht klar und mögliche Effekte auf Schmerzen und Funktionalität sehr gering. Chondroitin wird aus Knorpelgewebe von Schweinen, Rindern, Walen und Haifischen gewonnen, die empfohlene Tagesdosis sind 800 bis 1200 mg. Glukosamin stammt aus Krabben und Garnelen, die übliche tägliche Dosierung beträgt 800 bis 1500 mg pro Tag.

Antientzündlich hilft rheumatischen Gelenken

Für Menschen mit rheumatischen Gelenkbeschwerden ist eine antientzündliche Kost günstig. Dabei ist vor allem die Zufuhr von Arachidonsäure einzuschränken. Sie wird im Körper zu entzündungsfördernden Eicosanoiden umgewandelt, die Schübe auslösen können. Arachidonsäure ist vor allem in tierischen Produkten wie rotem Fleisch, Wurst und fettreichen Milchprodukten vorhanden, diese sollten deshalb in Maßen verzehrt werden. Günstig sind dagegen Lebensmittel mit reichlich Omega-3-Fettsäuren, denn die Fettsäuren vermindern den Abbau der Arachidonsäure zu den entzündungsfördernden Eicosanoiden.

Auch Antioxidanzien wie Vitamin C und E sowie Polyphenole und Carotinoide helfen gegen Entzündungen. Sie fangen freie Radikale ab und reduzieren damit den entzündlichen Kreislauf. Gute Quellen für Antioxidanzien sind Paprika, Johannisbeeren, Brokkoli, Nüsse, Oliven- und Rapsöl, Grünkohl, Knoblauch und Karotten. Die DGE empfiehlt eine Aufnahme von 95 bis 110 mg Vitamin C und 12 bis 15 mg Vitamin E. 3 bis 4 Esslöffel Beeren und eine Handvoll Nüsse decken diesen Bedarf in etwa ab.

Hinweis: Häufig wird eine Übersäuerung des Körpers als schädigend für Knochen und Gelenke genannt. Für diese Theorie gibt es allerdings keinen wissenschaftlichen Nachweis, entsprechende basische Produkte oder Diäten werden deshalb nicht empfohlen.

Von: Dr. med. Sonja Kempinski; Bild: mauritius images / Westend61 / Larissa Veronesi